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Der tägliche Podcast über Geschichte von der Antike bis heute, über Europa und die Welt, über die Geschichte der Menschheit: 15 Minuten zu historischen Persönlichkeiten und Erfindungen. Von George Washington bis Rosa Luxemburg, vom Büstenhalter bis Breaking Bad.

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  • February 25 · 14 min

    Renoir: Mit angebundenen Pinseln malt er gegen den Schmerz

    Als die Welt der Moderne grauer wird, findet Pierre-Auguste Renoir im Impressionismus sein Glück in den Farben- und malt auch im Rollstuhl weiter. In diesem Zeitzeichen erzählt Laura Dresch: wie ein Schneidersohn aus Limoges zu einem der berühmtesten Maler Frankreichs wird, warum ein Mangel an schwarzer Farbe den Impressionismus mitprägt, und wieso Renoir trotz schwerer Krankheit bis zuletzt Bilder voller Lebensfreude malt. Am 25. Februar 1841 wird Pierre-Auguste Renoir geboren. Seine Eltern sind Schneider, die Familie lebt bescheiden. Als Teenager arbeitet er zunächst als Porzellanmaler, lernt präzises Handwerk, bevor er an der Kunsthochschule seine Leidenschaft entdeckt. In Paris erlebt er eine Stadt im Umbruch: neue Boulevards, ein wachsendes Bürgertum, ein neues Lebensgefühl. Mit Freunden wie Claude Monet malt Renoir draußen in der Natur. Statt strenger Linien setzt er auf helle Farben und flüchtige Eindrücke. So entsteht der Impressionismus, zunächst verspottet, später weltberühmt. Renoir zeigt vor allem das schöne Leben: tanzende Paare, elegante Frauen, Menschen im Grünen. Doch im Alter macht ihm rheumatische Arthritis schwer zu schaffen. Er sitzt im Rollstuhl, lässt sich die Pinsel an die Hände binden, und malt weiter. Bis zu seinem Tod 1919 bleibt ihm die Kunst Trost und Lebenselixier. Oder, wie er selbst sagt: Der Schmerz vergeht, die Schönheit bleibt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Markus Stegmann, Kunsthistoriker und Direktor des Museum Langmatt, Baden, Schweiz Julius Meier-Graefe: Auguste Renoir, 1920. Alexander Eiling: Renoir. Rococo Revival, 2022. Barbara Schaefer (Hg.): Paris 1863 · 1874: Revolution in der Kunst. Vom Salon zum Impressionismus, 2024. Barbara Schaefer: Meisterwerke des Impressionismus. Meisterwerke aus der Sammlung Langmatt, 2025. Weiterführende Links: Planet Wissen: Die Côte d'Azur und die Künstler Planet Wissen: Berühmte Künstler - Claude Monet Zeitzeichen: Auguste Renoir, französischer Maler ARTE: Renoir in Love (Dokumentation, ab 14. März) Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln Auguste Renoir im Museum Barberini, Potsdam Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Laura Dresch Redaktion: David Rother

  • February 24 · 14 min

    Kopernikus vs. Kirche: Kampf um das Weltbild

    Nikolaus Kopernikus entwirft ein Weltbild, das mit dem Alten Testament nicht vereinbar ist. Aufsehen erregt seine Theorie aber erst lange nach seinem Tod. In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg: warum Kopernikus alles andere als ein Revolutionär war, vom ptolemäischen Weltbild mit der Erde als Zentrum, wie ein heimlich ergänztes Vorwort in Kopernikus' Werk die katholische Kirche beruhigt, wie Kopernikus' Theorie erst von Galilei verteidigt und dann von Kepler verbessert wird. Mit seiner Theorie, dass die Erde die Sonne umkreise und nicht umgekehrt, stellt Nikolaus Kopernikus das seit fast eineinhalb Jahrtausenden gültige Weltbild in Frage. Als bibelfester Wissenschaftler zögert er lange, ehe er sie der breiten Öffentlichkeit vorstellt. Als sein Werk "De Revolutionibus Orbium Caelestium" ("Über die Kreisbewegungen der Himmelskörper") 1543 erscheint, liegt Kopernikus bereits im Sterben. Großes Aufsehen erregt seine Schrift zunächst nicht. Die Theorien gelten eher als Hypothesen, denn als Umsturz der alten Ordnung. Erst Jahrzehnte später fühlt sich die katholische Kirche herausgefordert - durch Galileo Galilei. Er kommt zu dem Schluss dass das heliozentrische Weltbild des Kopernikus richtig sein müsse. Um Galilei anklagen zu können, wird am 24. Februar 1616 die Lehre des Kopernikus von der Inquisition offiziell zur Irrlehre erklärt. Wenige Tage später landet sein Hauptwerk auf dem Index der verbotenen Bücher. Aufhalten lässt sich die "kopernikanische Wende" dadurch aber nicht mehr. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Martin Carrier, Professor für Wissenschaftsphilosophie an der Universität Bielefeld und Kopernikus-Biograf Martin Carrier: Nikolaus Kopernikus. München 2001 Hubert Wolf: Kontrolle des Wissens. Kirche im Spannungsfeld zwischen Forschung und Zensur. S. 11-21. In: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 2009, Band 28. Ostfildern 2011 Weiterführende Links: Planet Wissen: Der Streit zwischen Kirche und Wissenschaft Stichtag: 24. Mai 1543 - Todestag des Astronomen Nikolaus Kopernikus ZeitZeichen: 13. Februar 1633 - Galileo Galilei stellt sich in Rom der Inquisition Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Daniela Wakonigg Redaktion: Sefa İnci Suvak Technik: Moritz Raestrup

  • February 23 · 14 min

    Das bewegte Leben von "Löwenzahn"-Moderator Peter Lustig

    Mehr als Bauwagen, Latzhose und Erfindertum: Das Leben von "Löwenzahn"‑Moderator Peter Lustig (gestorben am 23.2.2016) war geprägt von Kreativität, Traumata und Brüchen. In diesem Zeitzeichen erzählt Fritz Schaefer: was ein Ei und eine Glatze mit Lustigs Karriere zu tun haben, von Peters traumatischer Flucht aus Breslau, von seiner Ehe mit "Bibi Blocksberg"-Autorin Elfie Donnelly, von Lustigs Leben als Bhagwan-Jünger, wie eine Krebserkrankung sein Leben radikal ändert. Peter Lustig ist das Gesicht von "Löwenzahn". Klar, so kennt man ihn. Fast 25 Jahre lang gibt er für die junge Zielgruppe den Tüftler-Eremiten in Latzhose. Wohnhaft in einem umgebauten Bauwagen, umgeben von den für ihn typischen Erfindungen. Darunter etwa eine Treppe aus Stühlen oder die sprechende Ukulelen-Türklingel "Klaus-Dieter". Doch Peter Lustig ist nicht nur Kinderfernsehpionier. Er ist auch Flüchtlingskind, Bhagwan-Anhänger und Patient. 1984 wird bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert. Nach mehreren Operationen bleibt ihm nur ein Lungenflügel. Trotzdem macht er weiter. Neben Lustigs Neugier ist vor allem seine Authentizität ein Erfolgsfaktor: Er ist kein Lehrertyp, doziert nicht streng pädagogisch. Lustig bricht mit Konventionen und erzählt Wissen neu. Für die Arbeit an "Löwenzahn" wird Peter Lustig unter anderem mit zwei Grimme-Preisen ausgezeichnet. Zudem erhält er das Bundesverdienstkreuz. Am 23. Februar 2016 stirbt der sanfte "Welterklärer" im Alter von 78 Jahren. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Elfie Donnelly, Autorin; Ex-Frau von Peter Lustig und Mutter des gemeinsamen Sohnes Elfie Donnelly: Peters Flucht. Wien 1986 Weiterführende Links: ARD-Podcast: Stars unserer Kindheit: Peter Lustig & Elfie Donnelly Zeitzeichen: Bhagwan - Guru für Gutverdiener und Bürgerschreck Stichtag: 7. Juli 1977 - "Töröö!" - Erstes Benjamin-Blümchen-Hörspiel Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Fritz Schaefer Redaktion: Matti Hesse

  • February 22 · 14 min

    People Power Revolution: Manila, Marcos und die Macht der Straße

    Am 22. Januar 1986 beginnt auf den Philippinen ein Volksaufstand gegen Wahlbetrug und autoritäre Herrschaft. Er gilt als Beispiel für gewaltfreien politischen Umbruch. In diesem Zeitzeichen erzählt Murat Kayi: wie der Schuss auf Benigno Aquino die Philippinen verändert, von Corazon Aquino - einer starken Witwe, die den Kampf ihres Mannes weiterführt, von Imelda Marcos, die in Reichtum schwelgt, während die Philippiner hungern, von einer friedlichen Revolution, die letztlich nichts revolutioniert. Nach dreijährigem Exil kehrt Benigno Aquino auf die Philippinen zurück. Er wird noch auf dem Flugfeld erschossen. Ob der Oppositionsführer gegen das Regime von Ferdinand Marcos mit Billigung oder gar auf Befehl des Diktators erschossen wird, ist bis heute ungeklärt. Dieses Attentat vor den Augen der Weltöffentlichkeit markiert den Anfang vom Ende der Marcos-Ära. Ferdinand Marcos plündert das Land aus und regiert es über Jahre diktatorisch mit Hilfe des Kriegsrechts. Sein dreister Wahlbetrug, um den Sieg von Aquinos Witwe Corazon zu verhindern, ist schließlich der Tropen auf dem heißen Stein. Am 22. Februar 1986 revoltieren philippinische Militäreinheiten gegen den Diktator. Binnen Stunden schließen sich Hunderttausende Zivilisten an und blockieren Manilas berühmten EDSA-Boulevard. Drei Tage lang, stellen sich die Philippiner friedlich gegen Waffen. Dann akzeptiert Marcos den US-Vorschlag, mitsamt seiner Frau das Land in Richtung Hawaii zu verlassen. Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner: Diana Ramos-Dehn, Zeitzeugin und Aktivistin Mirjam Overhoff, philippinenbüro e.V. Stephanie Schüller, Missio Deutschland Weiterführende Links: Zeitzeichen: 16.03.1521 - Magellan entdeckt die Philippinen Stichtag: 24. Juni 1571 - Manila wird Hauptstadt der spanischen Kolonie Philippinen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Murat Kayi Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

  • February 21 · 14 min

    Tod in Moskau: Potsdams Bürgermeister verschwindet aus der DDR

    Erwin Köhler und seine Frau setzen sich für eine unabhängige CDU ein. Wegen Antisowjethetze und Spionage verurteilt, werden sie im Februar 1951 hingerichtet - fernab der DDR. In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug: wie der Potsdamer CDU-Politiker Erwin Köhler und seine Frau Charlotte 1950 verhaftet werden, warum ein sowjetisches Militärtribunal ihnen "Antisowjethetze" und Spionage vorwirft, wie ihre Kinder jahrelang über das Schicksal der Eltern im Ungewissen bleiben. Potsdam, Frühjahr 1950: Erwin Köhler, Vizebürgermeister und CDU-Kreisvorsitzender, setzt sich für die Unabhängigkeit seiner Partei ein. In der jungen DDR ist das nicht erwünscht. Ein eingeschleuster Spitzel drängt ihn aus dem Amt, kurz darauf verhaften sowjetische Sicherheitskräfte ihn und seine Frau. Das Urteil fällt vor einem sowjetischen Militärtribunal. Grundlage ist der berüchtigte Artikel 58, ein Gummiparagraph, mit dem sich mit der passenden Auslegung im Stalinismus politische Gegner ausschalten ließen. Der Vorwurf: Spionage, unter anderem wegen einer Fahrt durch West-Berlin. Das Todesurteil wird in Moskau vollstreckt. Ihre Namen werden aus der Potsdamer Stadtgeschichte und der Geschichte der CDU gelöscht. Ein Beispiel für das stalinistische Prinzip, Menschen nicht nur zu töten, sondern auch aus der Geschichte verschwinden zu lassen. Erst Jahre später erfahren die Kinder, dass ihre Eltern 1951 "verstorben" seien. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Anna Kaminsky (Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur) Dr. Jörg Morré (Direktor des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst) Weiterführende Links: Digitales Totenbuch Donskoje 1950-1953 Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße Planet Wissen: Leben in der DDR bpb: DDR kompakt: 1949 - 1953 Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Klug Redaktion: Carolin Rückl, Matti Hesse Technik: Holger Maerten

  • February 20 · 14 min

    Das Green Book: Überlebenshilfe für Schwarze auf US-Straßen

    Ohne das "Green Book" wird für Schwarze Familien jede Autofahrt zum Risiko. Der unscheinbare Reiseführer von 1936 weist ihnen den Weg zu sicheren Orten in einem streng getrennten Amerika. In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock: warum afroamerikanische Familien auf Reisen ein spezielles Handbuch brauchen, wie Postboten in den USA ein landesweites Netzwerk sicherer Adressen aufbauen und weshalb selbst berühmte Musiker ohne dieses Buch oft keine Unterkunft finden. 1936 erscheint in den USA ein unscheinbares Heft: das "Negro Motorist Green Book", wie es offiziell heißt. Für Schwarze Reisende wird es schnell unverzichtbar. Denn Hotels, Restaurants oder Tankstellen weisen sie vielerorts ab. In manchen Städten, den sogenannten "Sundown Towns", ist es für Nichtweiße lebensgefährlich, nach Sonnenuntergang zu bleiben. So wird das "Green Book" zur Hilfe gegen den Rassenterror. Herausgeber Victor Green, ein Postbote aus Harlem, sammelt deshalb Adressen von Pensionen, Werkstätten und Geschäften, die afroamerikanische Kunden willkommen heißen. Kollegen aus dem Postnetz liefern ihm Hinweise aus allen Bundesstaaten. Das jährlich erscheinende "Green Book" wird so zu einem Symbol für Sicherheit, Selbsthilfe und Reisefreiheit. Längst ist mehr ist als ein kleiner Ratgeber für Autofahrer, es ist jetzt ein richtiger Reiseführer für Schwarze. Auf über 100 Seiten listet das "Green Book" nun Ziele in allen 50 Bundesstaaten, Kanada und der Karibik auf. 1966 wird die letzte Ausgabe gedruckt. Nach dem Ende der gesetzlichen Rassentrennung verschwindet das "Green Book" aus den Autos und aus dem kollektiven Gedächtnis. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Candacy Taylor, Historikerin, Autorin, Dokumentarin (USA) Smithsonian Institution Traveling Exhibition Service: The Negro Motorist Green Book Library of congress: The Negro motorist Green-book National Underground Railroad Center: The Negro Motorist Green Book Weiterführende Links: Planet Wissen: Die Bürgerrechtsbewegung in den USA Februar 1964: Uraufführung von Nina Simones "Mississippi Goddam" Wie eine Bombe Martin Luther King zur Gewaltfreiheit motiviert Vor Rosa Parks gegen Rassentrennung im Bus: Claudette Colvin Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autoren: Ulrich Biermann und Veronika Bock Redaktion: Matti Hesse

  • February 19 · 14 min

    War selbst ziemlich verrückt nach Tulpen: Carolus Clusius

    Carolus Clusius, am 19.2.1526 in Flandern geboren, wird zum Mitbegründer der modernen Botanik und maßgeblich mitverantwortlich für den sogenannten Tulpenwahn. In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka: wie der weitgereiste Gelehrte Carolus Clusius zum "Vater der Tulpe" wird, warum ihn die farbenprächtigen Blumen aus dem Osmanischen Reich nicht mehr loslassen, wie seine Pflanzenleidenschaft den berühmten Tulpenwahn auslöste und ob all die Erzählungen um ihn als erste große Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte wirklich stimmen. Als der alte, gebrechliche Botaniker 1593 in Leiden ankommt, gilt er als einer der bekanntesten Pflanzenkundler Europas: Carolus Clusius, geboren 1526 im damals spanisch beherrschten Arras, hat in mehreren Ländern studiert, sieben Sprachen gelernt und ein riesiges Netzwerk von Gelehrten aufgebaut. Statt als Arzt zu arbeiten, widmet er sich ganz der Schönheit und Vielfalt der Pflanzen. Sein größter Schatz: eine Sammlung Tulpenzwiebeln aus dem Osmanischen Reich, die er in Wien kennengelernt hat. Im Botanischen Garten von Leiden pflanzt er die seltenen Gewächse an – und macht sie damit in den Niederlanden begehrt. Reiche Bürger reißen sich um die exotischen Blumen. Aus der Leidenschaft eines Gelehrten entsteht so ein Fieber, das bald ganz Holland erfasst. Bis heute gilt die Tulpenmanie als Musterbeispiel für eine Spekulationsblase. Sie soll die gesamte Wirtschaft der Niederlande schwer geschädigt und unzählige Menschen ruiniert haben. Doch neuere Forschungen sprechen dafür, dass dies so nicht der historischen Realität entspricht. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Gerda van Uffelen (Botanikerin, ehemalige Kuratorin des Hortus botanicus in Leiden) Apl. Professor Dr. Ralf Banken (Wirtschaftshistoriker, Goethe-Universität Frankfurt) Mike Dash: Tulpenwahn. Die verrückteste Spekulation der Geschichte, Berlin 2005 Anne Goldgar: Tulipmania. Money, Honor, and Knowledge in the Dutch Golden Age, Chicago und London 2007 Anna Pavord: Die Tulpe. Eine Kulturgeschichte, Frankfurt am Main und Leipzig 2003 Peter M. Garber: Famous First Bubbles: The Fundamentals of Early Manias, Cambrige 2000 Weiterführende Links: Internet-Seite des „Hortus botanicus“ in Leiden Planet Wissen – Die Tulpe Planet Wissen: Pflanzenkunde Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Christiane Kopka Redaktion: Christoph Tiegel, Matti Hesse Technik: Sascha Schiemann

  • February 18 · 14 min

    Englands blutige Königin: Mit Gewalt gegen Protestanten

    Die Engländer bejubeln Maria, als sie den Thron besteigt. Geboren als Tochter von Heinrich VIII. (am 18.2.1516), bringt sie das Volk als strenge Katholikin und Gewaltherrscherin rasch gegen sich auf. In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer: wie sich Heinrich VIII. für einen männlichen Nachkommen gegen den Papst stellt, warum die Wahl von Marias Ehemann in England für einen Aufschrei sorgt, was Calais mit ihrem politischen Niedergang zu tun hat, von ihrer Nachfolgerin Elisabeth I., Begründerin des englischen Weltreichs. Am 18. Februar 1516 kommt Mary Tudor zur Welt. Da der einzige männliche Nachkomme ihres Vaters Heinrich VIII. bereits mit 15 Jahren stirbt, steigt sie 1553 zur ersten Königin Englands auf. Kaum an der Macht, leitet Maria I. die Rekatholisierung ihres Reiches ein. Gilt sie zunächst noch als milde und tolerante, vom Volk umjubelte Hoffnungsträgerin, wandelt sie sich rasch zur mörderischen Monarchin. Ketzer werden unerbittlich verfolgt. Selbst abtrünnige Geistliche und Adelige in höchsten Ämtern sterben auf dem Scheiterhaufen. In ständiger Angst vor Marias katholischem Terrorregime wendet sich das Volk von ihr ab - und jubelt regelrecht, als sie 1558 an Grippe stirbt. Was bleibt, ist eine lange Opferliste: Etwa 300 Protestanten hat Maria I. in ihren gerade einmal fünf Regierungsjahren brutal hinrichten lassen. Sie geht als "Bloody Mary" in die Geschichte ein. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Helga Schnabel-Schüle, Historikerin, Uni Trier Peter Wende (Hg.): Englische Könige und Königinnen der Neuzeit. Von Heinrich VII. bis Elisabeth II., München 1982 Weiterführende Links: Stichtag: 28. Juni 1491 - König Heinrich VIII. von England, wird geboren Stichtag: 8. Dezember 1542 - Königin Maria Stuart wird geboren Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Herwig Katzer Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins

  • February 17 · 14 min

    Heinrich Heine: Warum ein Dichter für seine Worte fliehen muss

    Am 17.2.1856 stirbt Heinrich Heine im Exil in Paris - der Dichter, den Zensur und Anfeindungen aus Deutschland treiben, weil seine Worte zu frei und zu politisch sind. In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vratz: wie sehr Heine der Einzug Napoleons in Düsseldorf prägt, dass ihn seine Heimat Deutschland trotz aller Zensur nie loslässt, von Heines Ironie und seinen oft verkannten Musikkritiken, von seinen letzten Jahren, in denen er krank, aber nicht einsam ist. Heinrich Heine ist einer der größten, scharfsinnigsten und populärsten Dichter deutscher Sprache. Der gebürtige Düsseldorfer ist gerade 25, da erscheint in Berlin ein schmaler Band mit Lyrik: 58 Texte, darunter später so berühmte Gedichte wie "Belsatzar" oder "Die Grenadiere". Heine entpuppt sich als genauer Beobachter mit spitzer Zunge. Wegen seiner Kritik an bestimmten kirchlichen Zusammenhängen, an Willkürherrschaften und Fürstentümern kommen seine Werke in Deutschland auf den Index. 1831 flüchtet Heine nach Paris, wo er den Rest seines Lebens bleiben wird. Hier lernt er seine große Liebe kennen und macht den Zensoren zuhause auf seine unvergleichliche Art den Prozess: in Feuilletons, Reiseberichten und Gedichten. In seinen letzten Jahren ist Heine an sein Pariser Bett gefesselt. Trotz der schweren Nervenkrankheit lassen seine Schaffenskraft und sein Wille zur politischen Kritik bis zum Tod nicht nach. Der Dichter stirbt am 17. Februar 1856 mit nur 58 Jahren. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Sabine Brenner-Wilczek, Direktorin des Heinrich-Heine-Instituts Düsseldorf Manfred Windfuhr und das Heinrich-Heine-Institut (Hg.): Heinrich Heine. Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke. Hamburg 1973-97 Gerhard Höhn: Heine-Handbuch. Zeit, Person, Werk. Stuttgart 1987 Joseph A. Kruse (Hg.): "Ich Narr des Glücks". Heinrich Heine 1797-1856. Bilder einer Ausstellung. Stuttgart/Weimar 1997 Michael Mann: Heinrich Heines Musikkritiken. Hamburg 1971 Weiterführende Links: Planet Schule: Dichter dran - Heinrich Heine Heinrich Heine: Reise nach Italien Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Vratz Redaktion: Sefa Inci Suvak

  • February 16 · 14 min

    Voyeur für die Wissenschaft: Der Sex-Forscher William Masters

    Die Forschung von William H. Masters zur menschlichen Sexualität ist bahnbrechend - auch Dank seiner Partnerin Virginia Johnson. Er stirbt am 16.2.2001. In diesem Zeitzeichen erzählt Murat Kayi: warum Masters' erste Untersuchungen nicht im Labor, sondern im Bordell stattfinden, wie Johnson trotz fehlender akademischer Meriten seine Forschung in Schwung bringt, wie Masters seine junge Assistentin hinter den Kulissen zum Sex zwingt, wie sich Masters durch seine steinzeitlichen Ansichten ins wissenschaftliche Abseits spielt. William Masters leistet gemeinsam mit seiner Ehefrau Virginia Johnson Pionierarbeit in der Sexualforschung. Dabei widerlegt er viele falsche Vorstellungen über Sexualität. Denn anders als seine Vorgänger - etwa Alfred Kinsey - setzt er nicht nur auf Befragungen, sondern beobachtet seine Probandinnen und Probanden beim Sex. Er will den Sex buchstäblich vermessen, will wissen, was vor, während und nach einem Orgasmus im Körper passiert. Zusammen bringen Masters und Johnson 1966 ihr bahnbrechendes Werk "Die sexuelle Reaktion" auf den Markt - es wird ein Riesenerfolg. Doch Ende der 1970er-Jahre verspielt Masters seinen Ruhm, als er behauptet, er könne schwule Männer zu Heterosexuellen umformen. Später schürt er entgegen des Forschungsstands die Angst vor Aids. Am 16. Februar 2001 stirbt William Masters im Alter von 85 Jahren an Parkinson. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Richard Kühl, Sexualforscher, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Johannes Fuß, forensischer Psychiater, Sexualforscher, LVR-Universitätsklinik Essen Heinz-Jürgen Voß, Sexualforscher, Uni Merseburg William Masters und Virginia Johnson: Das verdrängte Risiko. Sexualverhalten im Aidszeitalter, München 1988 William Masters und Virginia Johnson: Liebe und Sexualität, Frankfurt am Main 1993 Weiterführende Links: Stichtag: 23. Juni 1894 - Geburtstag des Sexualforschers Alfred Kinsey Süddeutsche Zeitung: Als die CSU in den Krieg gegen Aids zog Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Murat Kayi Redaktion: Frank Zirpins

  • February 15 · 14 min

    Die ENIAC-Frauen: Die wahre Geschichte des ersten Universalcomputers

    Am 15.2.1946 wird der erste programmierbare elektronische Computer vorgestellt und ändert unsere Welt. Doch die Frauen, die ihn programmierten, geraten in Vergessenheit. In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Werthschulte: dass die sechs ENIAC-Frauen ohne den Krieg nie als Mathematikerinnen hätten arbeiten dürfen, warum Frauen in der Tech-Branche bis heute im Schatten stehen, wie der Fokus auf die Hardware und weniger aufs Programmieren gelegt wird, warum die ENIAC-Frauen trotz fehlender Wertschätzung stolze Pionierinnen waren. Ab 1942 entwickelt das US-Militär einen Universalrechner, der die komplizierten Flugbahnen von Geschossen berechnet soll. Der ENIAC ist ein gigantische Ungetüm: 27 Tonnen schwer und im Rohzustand nicht mehr als eine Ansammlung von Stahl, Röhren und Kabeln. Zum Leben erwecken sollen ihn sechs Mathematikerinnen, die zuvor stundenlang Flugbahnen per Hand berechnet haben: Jean Jennings Bartik, Betty Snyder Holberton, Frances Bilas Spence, Ruth Lichterman Teitelbaum, Kathleen "Kay" McNulty Mauchly und Marlyn Meltzer Wescoff. Eine Mammutaufgabe, denn es gibt keine Programmiersprache, sondern lediglich einen Schaltplan. Die sechs Frauen müssen sich alleine zurechtfinden – und leisten echte Pionierarbeit. Am 15. Februar 1946 ist es dann soweit: Der ENIAC wird öffentlich vorgestellt und spuckt in sekundenschnelle eine Flugbahn aus. Politiker, Militärs und Geldgeber sind begeistert und feiern sich selbst - nicht aber die Mathematikerinnen, die den Computer ans Laufen gebracht haben. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Kathy Kleiman, Professorin für Internet-Gesetzgebung, American University Washington Kathy Kleiman: Proving Ground. The Untold Story of the Six Women Who Programmed the World's First Modern Computer, New York 2023 Jennifer S. Light: When women were computers, in Technology and Culture, Baltimore 1999 Weiterführende Links: Planet Wissen: Geschichte des Computers Zeitzeichen 19.3.1927: US-Informatiker Allen Newell wird geboren Zeitzeichen 09.4.1925: Der Computer-Pionier aus Paderborn – Heinz Nixdorf Zeitzeichen 23.6.1912: Der Mathematiker Alan Turing wird geboren Zeitzeichen 27.11.1852: Die Mathematikerin Ada Lovelace stirbt in London Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christian Werthschulte Redaktion: Matti Hesse Technik: Nicolas Dohle

  • February 14 · 14 min

    Ägyptens vergessener Rivale: die antike Großmacht der Hethiter

    Die Hethiter schließen im 12. Jahrhundert v. Chr. den wohl ältesten Friedensvertrag der Geschichte, dann verschwinden sie spurlos. Erst Jahrtausende später wird ihr Weltreich wiederentdeckt. In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach: wie Zufallsfunde im 19. Jahrhundert das Großreich der Hethiter wieder ans Licht der Geschichte bringen, warum der britische Forscher Archibald Sayce Ausgangs des 19. Jahrhunderts für seine Theorien belächelt wird, wer hinter dem etwas merkwürdigen Namen Schuppiluliuma steckt, warum das hethitische Reich von Anbeginn auf Messers Schneide steht. Das Reich der Hethiter ist zwischen 1.600 und 1.200 v. Chr. der große Rivale Ägyptens. Vielleicht sogar der militärisch überlegene Rivale. Funde belegen, dass die Hethiter als erste das Speichenrad verwenden, leichter und wendiger als die behäbigen Scheibenräder der Ägypter. Sie sind Pioniere der Eisenverarbeitung und entwickeln eine frühe Form der Stahlgewinnung. Ideal für Waffen und Werkzeug. Ihr Untergang ist rätselhaft und ihre Spuren verlieren sich für über 3.000 Jahre im Dunkel der Geschichte. Herodot, der Vater der Geschichtsschreibung, erwähnt sie schon im 5. Jahrhundert vor Chr. nicht mehr. Doch im 19. Jahrhundert gibt es Zufallsfunde. Ohne Zusammenhang, Tausende Kilometer voneinander entfernt. Seit 120 Jahren graben Archäologen nun in Hattuscha/Boğazköy (Zentralanatolien) und sammeln jedes Jahr mehr Wissen über die Hethiter. Das archäologische Puzzle fügt sich Stück für Stück zusammen und lässt das versunkene Großreich der Hethiter wieder ins Licht der Geschichte treten. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Dr. Andreas Schachner, Altorientalischer Archäologe, Deutsches Archäologisches Institut Istanbul Andreas Schachner: Hattuscha - Auf der Suche nach dem sagenhaften Großreich der Hethiter. 2021. C.W. Ceram: Enge Schlucht und Schwarzer Berg. 1955. Jörg Klinger: Die Hethiter. 2012. Horst Klengel: Hattuschili und Ramses - ihr langer Weg zum Frieden. 2002. Weiterführende Links: Planet Wissen: Ausgrabungen in Troja Planet Wissen: Pharaonen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach Redaktion: Carolin Rückl, Sefa Inci Suvak Technik: Nicolas Dohle

  • February 13 · 14 min

    Verschiffte Winterkälte in die Karibik: Eiskönig Frederic Tudor

    Im kalten Nordosten der USA lässt er tonnenweise Natureis ernten, um es in der Karibik zu Geld zu machen. Am 13.2.1806 startet Frederic Tudor sein kühnstes Unternehmen. In diesem Zeitzeichen erzählt Kolja Sand: warum sein Vater Frederic Tudor als Enttäuschung sieht, wie viele seiner gewagten Geschäftsideen scheitern, warum die Bostoner Handelsleute ihn für "verrückt" halten, wie seine kühne Eis-Export-Idee ihn sogar ins Gefängnis bringt und ihn schließlich doch zu einem reichen Mann macht. Anstatt die Schulbank zu drücken, verbringt Frederic Tudor seine Jugend auf dem Landgut seiner Familie in der Nähe von Boston. Fasziniert beobachtet er dort, wie Arbeiter mächtige Eisblöcke aus dem zugefrorenen See schneiden und für den Sommer einlagern. Der junge Tudor fragt sich: Ließe sich mit dem kostenlosen Eis nicht eine Menge Geld verdienen, dort wo es heiß ist - etwa in der Karibik? Kurzerhand investiert Tudor sein ganzes Geld in ein eigenes Schiff, das am 13. Februar 1806 Richtung Karibik ausläuft. Tatsächlich übersteht das Eis die Fahrt erstaunlich gut. Doch mangels geeigneter Lager schmilzt es ebenso schnell wie sein Kapital. Trotz dieser und noch vieler weiterer Rückschläge gibt Frederic Tudor seine Vision nicht auf - und wird schließlich als "Eiskönig von Boston" in die Geschichte eingehen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Andrew Robichaud, Historiker, Boston University Gavin Weightman: The Frozen Water Trade. How Ice from New England Lakes Kept the World Cool. New York: 2002 Carl Seabrug; Stanley Paterson: The Ice King: Frederic Tudor and His Circle. Hrsg. Alan Seaburg. Boston/Mystic: 2003 Philip Chadwick Foster Smith: Crystal Blocks of Yankee Coldness: The Development of the Massachusetts Ice Trade from Frederick Tudor to Wenham Lake, 1806-1886. Salem, Massachusetts: 1962 Weiterführende Links: Spektrum.de: Kleine Geschichte über den Eiskönig von Boston Boston University: Tracing the History of New England’s Ice Trade Geschichten aus der Geschichte: Tudor und der Eishandel Zeitzeichen: 06.03.1930 - Erste Tiefkühlkost im US-Handel Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Kolja Sand Redaktion: Christoph Tiegel/David Rother

  • February 12 · 14 min

    Freiheitshunger und Wissensdurst: Denkerin Lou Andreas-Salomé

    Friedrich Nietzsche liegt ihr zu Füßen, ohne Chancen: Lou Andreas-Salomé ist eine Femme fatale. Die Schriftstellerin und Psychoanalytikerin wird am 12.2.1861 geboren. In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Dänzer-Vanotti: in welche damals unkonventionelle Dreier-Wohngemeinschaft Lou Andreas-Salomé 1882 einzieht, welche teils dramatischen Folgen es hat, dass Lou Andreas-Salomé Männer magnetisch anzieht, ohne ihrem Werben nachzugeben, warum der Tod Paul Rées für Spekulationen über einen Suizid aus verschmähter Liebe sorgt, wie die Begegnung mit dem 14 Jahre jüngeren Rainer Maria Rilke für beide zur Lebenswende wird. Louise von Salomé wird am 12. Februar 1861 in Sankt Petersburg in eine wohlhabende deutsch-russische Familie mit fünf wesentlich älteren Brüdern geboren. Ihr Vater vergöttert sie, die Mutter ist eher kühl. Lou erdenkt sich schon als kleines Mädchen Beistand von höchster Stelle, von Gott. Sie tut ausschließlich, was sie für richtig hält, ohne Rücksicht auf Konvention oder auf Gefühle anderer Menschen. Eine von Lous Lebensregeln lautet, "ich habe getan, wozu mich mein total entriegelter Freiheitsdrang veranlasste." Ihr erstes Buch heißt "Im Kampf um Gott", wobei sie als Jugendliche auch mit der Kirche ringt. Dabei spielt der Pfarrer Hendrik Gillot eine Rolle, manche vermuten: eine prägende, unheilvolle Rolle, denn er wird übergriffig und bestürmt schon die 16-Jährige ihn zu heiraten. Er wird der erste, den sie ablehnt. Noch etliche Jahre lang hält sie Männer, die sie umschwärmen, auf Distanz. Im Herbst 1911 lernt Lou Andreas-Salomé auf dem Weimarer psychoanalytischen Kongress Sigmund Freud kennen. Der bekannte Psychoanalytiker lacht sie für ihre Vehemenz die Psychoanalyse lernen zu wollen, aus. Tatsächlich wird sie aber eine der ersten Psychoanalytikerinnen. Zuvor üben nur Männer diesen Beruf aus. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartnerinnen: Iris Radisch, Biografin von Rainer Maria Rilke, ZEIT-Redakteurin Dr. Brigitte Rempp, Psychoanalytikerin am Lou Andreas-Salomé-Institut, Göttingen Kerstin Decker: Lou Andreas-Salomé. Der bittersüße Funke Ich - Biographie. 2010 Lou Andreas-Salomé: Lebensrückblick. 1951 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 15.10.1844 - Der Geburtstag von Friedrich Nietzsche Zeitzeichen: 21.11.1849 - Geburtstag von Paul Rée Stichtag: 23. September 1939: Sigmund Freud stirbt in London Planet Wissen: Psychologie - Geschichte der Psychotherapie Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Irene Dänzer-Vanotti Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Christina Gabriel

  • February 11 · 15 min

    Paul Bocuse: Der Mann, der Köche zu Stars machte

    Vom Wirtshaus der Eltern zur Weltrevolution der Küche - das ist der Lebensweg von Paul Bouse, geboren vor 100 Jahren am 11.2.1926. Die Geschichte des Star-Kochs der "Nouvelle Cuisine", der Sahne, Butter und Käse liebte. In diesem Zeitzeichen erzählt Fabian Elsäßer: warum Paul Bocuse scherzhaft sagt, dass auch amerikanisches Blut in seinen Adern fließt, warum sich der Begriff "Nouvelle Cuisine" nicht allein auf die Speisen bezieht, was der Spitzenkoch Paul Bocuse überhaupt nicht mag, an welchem Bocuse-Gericht man sich leicht die Nase verbrennt. Paul Bocuse wird am 11. Februar 1926 im Gasthaus "L’Auberge du Pont" in Collonges au Mont d’or in der Nähe von Lyon geboren. Seine Eltern und Großeltern sind Gastronomen. Der kleine Paul assistiert seinem Vater schon mit neun Jahren in der Küche. Mit 16 schicken ihn seine Eltern in die Kochlehre nach Lyon ins Restaurant "La Soierie". Bocuse steht bis heute für die Erneuerung der französischen Küche im 20. Jahrhundert, leicht, saisonal, modern. Ein Trend, der sich weltweit durchsetzt. Schon zu Lebzeiten baut er als einer der ersten, ganz ohne Internet und soziale Medien, ein regelrechtes Gastro-Imperium auf, das noch heute existiert. Herzstück ist weiterhin das Restaurant seiner Vorfahren. Nach dem Tod des Vaters 2018 taufen seine Kinder es von "Restaurant Paul Bocuse" wieder auf den Namen um, unter dem es schon Bocuses Eltern geführt haben. Und obwohl es inzwischen "nur" noch zwei statt drei Sterne hat, läuft es immer noch blendend und hat fast 100 Mitarbeiter. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Franz Keller, Sternekoch und Bocuse-Lehrling Lea Linster, Sterneköchin und Gewinnerin des "Bocuse d’Or" Éva-Marie Zizza-Lalu: Paul Bocuse, Le feu sacré. Édition Glénat. Grenoble 2005 Weiterführende Links: Planet Wissen: Gourmetküche - Berühmte Köche Zeitzeichen: 19.11.1979 - Eckart Witzigmanns Restaurant "Aubergine" erhält dritten Michelinstern Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Hörtipp: Alles in Butter zur Winterküche - aber auf italienisch. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Fabian Elsäßer Redaktion: Matti Hesse

  • February 10 · 14 min

    Der Gangsterboss, der das Verbrechen organisierte

    Es ist der amerikanische Traum: "Lucky" Luciano arbeitet sich von ganz unten zum Boss hoch. Und erfindet das organisierte Verbrechen neu. Am 10.2.1946 muss er die USA für immer verlassen. In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog: warum Lucky Luciano als "sizilianischer Robin Hood" gilt, was ihn von Al Capone unterscheidet, wie Luciano es an die Spitze seiner Organisation schafft, warum er in der Geschichte der Mafia eine bedeutende Rolle spielt, warum er nach Italien abgeschoben wird. Erst dealt er mit Heroin, dann steigt er ins Alkohol-Geschäft ein. Schließlich kommen noch Glücksspiel und Prostitution hinzu: Lucky Luciano ist in den 1920er und frühen 1930er Jahren einer der mächtigsten Gangsterbosse New Yorks. Wie andere Mafiosi auch sieht er sich selbst weniger als Kriminellen denn als Geschäftsmann. Luciano entwirft eine völlig neue Art von Mafia-Organisation: "die Kommission", organisiert wie ein Aktienunternehmen. Doch Mitte der 1930er Jahre dreht sich der Wind in New York. Luciano wird verhaftet und zu mindestens 30 Jahren Haft verurteilt. Doch die muss er nicht in den USA absitzen. 1946 wird er nach Italien überführt. Dort ist er wenig später zwar ein freier, aber auch ein deprimierter Mann, weil er nie wieder in die USA zurückkehren kann. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Christian Cipollini, True-Crime-Historiker, San José Claire White, Historikerin, The National Mob Museum, Las Vegas Christian Cipollini: Lucky Luciano. Mysterious Tales of a Gangland Legend, Strategic Media Inc., Rock Hill 2014 Weiterführende Links: The Mob Museum: Eighty years ago, Lucky Luciano traded prison for exile Stichtag 05.12.1933: Aufhebung der Prohibition in den USA Zeitzeichen 25.01.1947: Mafia-Boss Al Capone stirbt in Miami Beach Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Martin Herzog Redaktion: Frank Zirpins

  • February 9 · 13 min

    Laut, witzig, unangepasst: Sophie Tuckers unglaubliche Karriere

    Die Rolle als hübsche Frau auf der Bühne ist ihr zu wenig - schon in den 1920ern. Mit Witz, Selbstbewusstsein und einer tollen Jazz-Stimme schafft es Sophie Tucker (gestorben am 9.2.1966) aus den schäbigen Theatern bis an den Broadway. In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Mau: warum Sophie Tuckers Karriere mit Blackfacing beginnt, wie sie es schafft, sich davon zu befreien, warum sie lange nicht vor ihren Eltern auftreten will, dass sie für ihre Karriere Mann und Kind verlässt, wie sie lange vor Social Media ein analoges Netzwerk erschafft. Sophie Tucker begeistert schon früh durch ihre Stimme. Aber sie entspricht nicht den Schönheitsidealen ihrer Zeit. Am Anfang ihrer Karriere wird sie deshalb gezwungen, verkleidet auf die Bühne zu gehen. Erst nach Jahren kann sie sich so zeigen, wie sie ist. Das Publikum liebt sie dennoch - oder gerade deswegen. Durch ihre Offenheit und ihr Selbstbewusstsein gewinnt sie auch viele prominente Freunde wie Charlie Chaplin oder Frank Sinatra. Bette Midler nimmt sie sogar als Vorbild für ihre eigenen Shows. Sie alle verehren Tucker für ihren schlagfertigen Humor, ihr großes Herz - und ihren geschickten Umgang mit den Zumutungen des Showbusiness. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Lauren Rebecca Sklaroff, University of South Carolina, Columbia Lauren Rebecca Sklaroff: Red Hot Mama - The Life of Sophie Tucker. Austin 2018 Sophie Tucker: Some of these days. The Autobiography of Sophie Tucker. New York 1945 Weiterführende Links: Zeitzeichen 06.12.1898: Gründung "Deutsche Grammophon Gesellschaft" Zeitzeichen 12.12.1915: Geburtstag von Frank Sinatra Zeitzeichen 25.12.1977: Todestag von Charlie Chaplin Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Mau Redaktion: David Rother

  • February 8 · 13 min

    "German Hair Force": Mit langem Haar im Bundeswehr-Dienst

    In den 70ern will die SPD das Land modernisieren, auch die Bundeswehr. Der Haarnetz-Erlass vom 8.2.1971 erlaubt Soldaten lange Haare - allerdings nur im Netz und nur für 15 Monate. In diesem Zeitzeichen erzählt Nikolas Fischer: warum lange Haare bei der Bundeswehr erlaubt werden, welchen Orden Helmut Schmidt dafür erhält, warum das Haarnetz zu mehr Krankschreibungen führt, weshalb auch Lockenwickler im Gespräch sind, wie die Bundeswehr im Ausland verspottet wird. Ende der 1960er Jahre, mitten im Kalten Krieg, ist Abschreckung eine wichtige Eigenschaft einer Armee - auch der Bundeswehr. Lange Haare passen da nicht ins Bild. Doch die sind gerade sehr in Mode, auch bei vielen Wehrpflichtigen. Das muss auch Verteidigungsminister Helmut Schmidt anerkennen - und erlaubt, dass Haare vor Dienstantritt nicht mehr abgeschnitten werden müssen. Ganz offen dürfen lange Haare aber nicht getragen werden. Sie müssen unter Haarnetzen verborgen werden. Doch das führt zu vielen Problemen: Es gibt nicht genügend Haarnetze, Soldaten werden öfter krank und die Bundeswehr wird im Ausland als "German Hair Force" verspottet. Ab Mai 1972 muss Männerhaar wieder so geschnitten werden, dass es den Uniformkragen nicht berührt. Frauen dürfen ihre langen Haare behalten - auch ohne Haarnetz. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Kapitänleutnant Mischa Bose, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw), Potsdam Prof. Dr. Elisabeth Rossa, Universität der Bundeswehr, München Sven Lange und Heiner Möllers (Hg.): Geschichte der Bundeswehr in 100 Objekten, Berlin 2025 Weiterführende Links: Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung: German Hair Force Das Parlament: Kapitulation vor langen Haaren Zeitzeichen 12.11.1955: Ernennung der ersten Soldaten der Bundeswehr Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Nikolas Fischer Redaktion: Carolin Rückl, David Rother

  • February 7 · 13 min

    Zu schlau fürs Fernsehen: Der Publizist Roger Willemsen

    Als boulevardtauglicher Intellektueller erobert Roger Willemsen Anfang der 90er die Herzen des TV-Publikums. Er bleibt bis zu seinem Tod am 7.2.2016 eine wichtige Stimme. In diesem Zeitzeichen erzählt Anke Rebbert: welche drei Leben Roger Willemsen in seine kurzen 60 Jahre packt, mit welchen vier Zahlen sein öffentliches Leben beginnt, warum Willemsen Ende der 1990er-Jahre aus dem Talkshow-Geschäft aussteigt, wie es der Womanizer mit der Liebe hält, aus welcher besonders exotischen Idee ein Bestseller wird. Roger Willemsen hat über Robert Musil promoviert und ist eigentlich auf dem Weg zum Germanistik-Professor, als das Fernsehen in sein Leben platzt. Seine Moderationen sind legendär: Er staunt, hört zu, ist scharf und witzig zugleich und fragt wie keiner sonst. Roger Willemsen gilt als Fernseh-Wunder und wird preisgekrönt - unter anderem mit dem Grimme-Preis in Gold. Seine Produktivität kennt keine Grenzen: Er verfasst auch 36 Bücher. Darunter sind viele Bestseller. Dazu kommen Essays, Aufsätze, Artikel und unzählige Reisen zu den entlegensten Enden der Welt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Insa Wilke (Nachlassverwalterin) Insa Wilke: Der leidenschaftliche Zeitgenosse. Frankfurt am Main 2018 Roger Willemsen: Liegen Sie bequem. Frankfurt am Main 2025 Roger Willemsen: Das Hohe Haus. Frankfurt am Main 2024 Weiterführende Links: Phoenix: Alfred Schier interviewt Roger Willemsen (2010) Im Gedenken an Roger Willemsen: Youtube-Kanal mit TV- und Radiobeiträgen Roger-Willemsen-Stiftung: Angaben zur Person Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Anke Rebbert Redaktion: Frank Zirpins Technik: Sarah Fitzek

  • February 6 · 14 min

    Palast der Republik: Wie eine Abrissdebatte Deutschland spaltet

    1990 wird der Palast der Republik wegen Asbest geräumt. Es folgt eine 15-jährige Debatte über deutsche Identität, die auch mit dem Abriss-Start am 6.2.2006 nicht endet. In diesem Zeitzeichen erzählt Susanne Rabsahl: dass es in der Diskussion um den Abriss um mehr als nur die Asbest-Belastung geht, warum der Abriss als beispielhaft für den Umgang mit dem Erbe der DDR bezeichnet wird, wofür der Palast der Republik bei seiner Eröffnung 1973 steht, dass Karten für das Theater im Palast als "Goldstaub" gelten. Die Räumung des Palastes der Republik bildet am 19. September 1990 den Auftakt zu einem Streit, der zeigt, dass der Umgang mit Erinnerungskultur auch über ein Gebäude ausgetragen werden kann. Spätestens mit der Wende wird der Palast zum Ballast der Republik. Der verbaute Spritzasbest ist seit 1969 verboten. Doch im Palast sind 5.000 Tonnen als Brandschutz und auch als Mörtel verwendet worden. Der gesamte Palast muss bei der Sanierung regelrecht ausgekratzt werden. Danach besteht der ehemalige Prunkbau nur noch aus Stahl, Glas und Beton. Aber auch die Tage dieser Ruine sind gezählt. Der Bundestag stimmt 2006 zum 2. Mal für den Abriss. Der Abriss läuft nach ausgeklügeltem Konzept. Kleinste Erschütterungen können umliegende Gebäude wie den Berliner Dom gefährden. Daher wird der Koloss schichtweise abgetragen. Und parallel Sand in eine Beton-Wanne unterhalb des Gebäude gefüllt. Ein Teil des Stahls wird in VW-Motoren verbaut, ein weiterer Teil steckt in dem höchsten Gebäude der Welt in Dubai. Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Hartmut Dorgelow Generalintendant Humboldt Forum im Berliner Schloss Weiterführende Links: Planet Wissen: Leben in der DDR Stichtag: 29. Oktober 1976 - Vor 30 Jahren: Erich Honecker wird Staatsratsvorsitzender der DDR Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Susanne Rabsahl Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse Technik: Annette Skrzydlo