Artwork for WDR Zeitzeichen
History

WDR Zeitzeichen

WDR

Der tägliche Podcast über Geschichte von der Antike bis heute, über Europa und die Welt, über die Geschichte der Menschheit: 15 Minuten zu historischen Persönlichkeiten und Erfindungen. Von George Washington bis Rosa Luxemburg, vom Büstenhalter bis Breaking Bad.

  • 600 episodes
  • Updated Today

Episodes600

  • April 6 · 14 min

    Verrat im Kalten Krieg: Wie West-Spion Tiedge zur Stasi ging

    Als Chef der Spionageabwehr DDR kennt Hansjoachim Tiedge (gest. 6.4.2011) die Geheimnisse westdeutscher Geheimdienstarbeit - und verrät sie alle, ausgerechnet an die DDR. In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog: welche gravierenden Folgen Tiedges Verrat für den Verfassungsschutz hat, von Tiedges Leben zwischen Arbeit und Kneipe, wie Tiedge in der DDR hofiert wird, warum der Fall Tiedge für einen Verfassungsschutz-Maulwurf zum Glücksfall wird. Hansjoachim Tiedge ist Regierungsdirektor im Bundesamt für Verfassungsschutz. Fast 20 Jahre lang arbeitet er für die Behörde, steuert dort die westdeutschen Spionageaktivitäten in der DDR. Dann läuft er genau dorthin über und sorgt damit für einen der größten Spionageskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte. Tiedge handelt aber nicht aus Überzeugung. Es sind die Lebensumstände, die ihn dazu treiben: Seine Frau ist tot, er selbst alkoholkrank und verschuldet. Und so verrät er für ein besseres Leben im Sozialismus den DDR-Behörden alles, was er über die Operationen seines ehemaligen Arbeitgebers weiß. Nach dem Ende der DDR flieht Tiedge nach Moskau - ein freundliches Angebot des russischen Auslandsgeheimdienstes KGB. Dort lebt er, unbehelligt von deutschen Strafverfolgungsbehörden, bis zu seinem Tod am 6. April 2011. Das sind unsere wichtigsten Quellen und unser Interviewpartner: Michael Wala, Professor für Geschichte (em.), Universität Bochum Georg Mascolo, Journalist, ehemaliger Spiegel-Redakteur Michael Wala: Der Stasi-Mythos. DDR-Auslandsspionage und der Verfassungsschutz. Berlin 2023 Hansjoachim Tiedge: Der Überläufer. Eine Lebensbeichte. Berlin 1998 Georg Mascolo und Georg Bönisch: "Natürlich bin ich ein Verräter". Interview mit Hansjoachim Tiedge. Der Spiegel 49/1993 Weiterführende Links: Lokalzeit: Verfassungsschützer Tiedge läuft 1985 in die DDR über Stichtag: 12. Dezember 1955 - DDR-Überläufer Otto John kehrt in die BRD zurück Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Martin Herzog Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak

  • April 5 · 14 min

    Bibo, Bert, Bildungsauftrag: Sesamstraße startet in Deutschland

    Am 5. April 1971 sendet der NDR die "Sesame Street". Bunt, frech, amerikanisch; die Kritiker sind empört, die Kinder lieben es. Ein Klassiker für Generationen entsteht. In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz: wie die Sesamstraße das Kinderfernsehen revolutioniert, warum sich der Bayerische Rundfunk zunächst weigert, die Sendung auszustrahlen, wie sich die Sendung im Laufe der Jahre verändert. Ernie, Bert, Grobi & Co.: Die Bewohner der "Sesame Street" begleiten seit Jahrzehnten Kinder aus unterschiedlichsten Ländern. Erstmals wird die Sendung im November 1969 im US-Fernsehen ausgestrahlt. Mit einer Mischung aus Sketchen, Einspielern und Musik soll sie Kindern im Vorschulalter sowohl Spaß machen als auch Wissen vermitteln. Das Konzept geht auf und schwappt zwei Jahre später auch nach Deutschland. Am 5. April 1971 läuft die erste von fünf Testfolgen im Dritten Programm des Norddeutschen Rundfunks - im Original mit deutschem Kommentar. Das witzig überdrehte Puppentheater aus Übersee trifft einen Nerv. Pädagogen entwickeln unter Federführung des NDR eine deutsche Adaption der "Sesamstraße". Mit dabei sind auch eigene Figuren, wie etwa der gutmütige Bär Samson und die zartgefiederte Tiffy. Auch das amerikanische Titellied weicht einer deutschen Version. Seither trällern kleine und große Sesamstraßen-Fans: "Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!" Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Enrico Platter, WDR-Redakteur, entsandt zum NDR Julian Schlichting, Begründer des einzigen Sesamstraßen-Fanclubs in Deutschland Bundeszentrale für politische Bildung: Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West. 1970er Jahre - Umbruch und Reformen Weiterführende Links: NDR: Die "Sesamstraße" - Ein Pionier des Kinderfernsehens Stichtag: 10. November 1969 - Kinderserie "Sesame Street" startet in den USA Jim Henson: Er ließ die Puppen tanzen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Jana Magdanz Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Nico Söllner

  • April 4 · 15 min

    Der tote Papst Formosus vor Gericht

    Nach seinem Tod im Jahre 896 kommt Formosus nicht zur Ruhe: Binnen acht Jahren wird er zweimal feierlich und zweimal weniger feierlich bestattet. Einmal wirft man den Leichnam gar in den Tiber. In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer: vom Drei-Päpste-Jahr 1978, welche Aufgabe ein blutjunger Diakon im Schauprozess gegen eine Leiche bekommt, wie kreativ Papst Stefan VI. die Leichensynode für eigene Zwecke nutzt, warum eine einstürzende Basilika auch das Schicksal von Stephan VI. besiegelt. In seinen dunkelsten Zeiten entpuppt sich der Heilige Stuhl für zahlreiche Päpste als Schleudersitz in die Ewigkeit. So etwa zwischen 896 und 916, als binnen 20 Jahren gleich zwölf Gottesmänner zum Papst aufsteigen und zügig wieder spurlos verschwinden - in Kerkern, Klöstern oder unter der Erde. Formosus wird 891 zum Papst gewählt. Aber sehr lange dauert sein Pontifikat nicht. 896 stirbt er im Alter von 80 Jahren und erhält ein ehrenvolles Begräbnis. Neun Monate und zwei Päpste später entbrennt ein heftiger Streit über seine Wahl. Nach dem "Translationsgesetz" dürfen Bischöfe nicht in ein anderes Bistum wechseln. Da der Papst aber zugleich Bischof von Rom ist, dürfen Bischöfe nach damaligem Recht nicht Papst werden. Im Januar 897 lässt Papst Stephan VI. die Leiche des Formosus aus der Gruft holen und macht sie zum Hauptdarsteller eines ekeligen Schauprozesses. Nach dem Schuldspruch malträtiert man den Leichnam und verscharrt ihn. Der Krieg zwischen Formosianern und Antiformosianern spaltet den Vatikan die nächsten fünf Jahrzehnte. Erst die Synode von Ravenna im Jahr 967 lässt endgültig alle Akten der Leichensynode verbrennen und bestimmt: Niemals wieder soll über einen Toten Gericht gehalten werden. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professorin Dr. Annette Grabowsky, Mittelalterliche Geschichte, Universität Tübingen Annette Grabowsky: Der Streit um Formosus, Tübingen 2021 Ferdinand Gregorovius: The History of the City of Rome in the Middle Ages, London 1903 Weiterführende Links: Planet Wissen: Religion - Päpste Planet Wissen: Christentum - Die römisch-katholischen Bischöfe Planet Wissen: Mittelalter Das ist unser Hör-Tipp: Alles Geschichte: Riefenstahl: Influencerin des Bösen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang Meyer Redaktion: Matti Hesse

  • April 3 · 14 min

    Ein lustbetontes Frauenleben als "Gentleman Jack": Anne Lister

    Sie lebt und liebt gegen die Normen ihrer Zeit. Und schreibt alles minutiös auf. Die Engländerin Anne Lister (geb. am 3.4.1791) gilt vielen als "erste moderne Lesbe". In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka: wovon man Ende des 18. Jahrhunderts in England bei Freundschaften zwischen Frauen ausgeht, warum Anne Lister Griechisch und Latein nicht nur zu Bildungszwecken lernt, was man aus ihren Notizen über den Alltag des Landadels und die Liebe zwischen Frauen im vorviktorianischen England erfährt, warum man einen Gottesdienst im Jahr 1834 als die erste Regenbogenhochzeit bezeichnen kann. Die englische Landbesitzerin Anne Lister führt lebenslang Tagebücher, die tägliche Ereignisse detailliert aufzeichnen, einschließlich ihrer lesbischen Beziehungen. Die Tagebücher umfassen mehr als 7.000 Seiten und zählen zu den umfangreichsten, die je in englischer Sprache verfasst wurden. Große Teile sind codiert, unter anderem jene mit den intimen Details ihrer Beziehungen zu Frauen. Als die Codierung in den 1930er-Jahren von Listers Urgroßneffen John Lister und seinem Freund Arthur Burrell geknackt wird, ist der so schockiert, dass er seinem Freund rät, die "widerlichen Bücher" auf der Stelle zu verbrennen. John Lister tut dies nicht, sondern versteckt das Erbe. Deswegen kann man bis heute nachlesen, wie viele Minuten Sex am Tag Anne Lister hat, aber auch, wie damals das Wetter war und wie die Stellung Preußens in der Welt aussieht. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Angela Steidele, Biografin Angela Steidele: Anne Lister. Eine erotische Biografie. Berlin 2017 Angela Steidele: Zeitreisen. Vier Frauen, zwei Jahrhunderte, ein Weg. Berlin 2018 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 16.02.2001 - Lebenspartnerschaftsgesetz unterzeichnet Zeitzeichen: 10.03.1994 - Bundestag streicht § 175 Stichtag: 29.04.1972 - Deutschlands erste Schwulen-Demo in Münster Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Christiane Kopka Redaktion: Christoph Tiegel, Sefa Inci Suvak Technik: Theo Kramer

  • April 2 · 14 min

    Max Ernst: Skandalmaler mit Angst vor der weißen Leinwand

    Max Ernst erfindet sich und die Kunst ständig neu: Er bringt Dada nach Köln, begründet den Surrealismus mit und inspiriert Action Painting. In diesem Zeitzeichen erzählt Christopher Heimer: wie Max Ernst seine Angst vor der weißen Leinwand überwindet, was einen toten Papagei und seine kleine Schwester miteinander verbindet, welche revolutionären Techniken er entwickelt, womit Max Ernst zum Enfant terrible der Kölner Kunstszene wird. Der in Brühl geborene Max Ernst kommt als Autodidakt zur Malerei. Der Erste Weltkrieg erschüttert ihn so nachhaltig, dass er dessen Sinnlosigkeit in der Kunst verarbeitet: Gemeinsam mit Hans Arp bringt er den Dadaismus nach Köln und weist mit seinen irritierenden Collagen den Weg zum Surrealismus, den er später in Paris mit revolutionären Techniken mitbegründet und vorantreibt. Die Flucht vor den Nazis bringt Ernst 1941 schließlich nach New York. Dort baut er sich mit der Kunstmäzenin und seiner dritten Ehefrau Peggy Guggenheim ein neues Leben auf und wird mit seinen Ideen zum Vorbild für junge amerikanische Künstler. An Ruhm ist Ernst allerdings zeitlebens nicht interessiert. Während Zeitgenossen wie Dalí oder Picasso zu finanzkräftigen Marken werden, bleibt Ernst bis zu seinem Tod am 1. April 1976, einen Tag vor seinem 85. Geburtstag, rastlos auf der Suche nach sich selbst. Das sind unsere wichtigsten Quellen und unser Interviewpartner: Jakob Schwerdtfeger, Kunsthistoriker und Comedian Werner Spies: Max Ernst. Leben und Werk. Köln 2005 Werner Spies: Max Ernst und die Geburt des Surrealismus. München 2019 Jürgen Wilhelm: Max Ernst. Köln 2020 Jakob Schwerdtfeger: Punkt, Punkt, Komma, Strich - fertig ist die Kunstgeschicht'. München 2026 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 14.07.1916 - Erster großer Dada-Abend in Zürich Zeitzeichen: 29.06.1940 - Todestag des Malers Paul Klee Stichtag: 23.12.1979: Peggy Guggenheim in Venedig gestorben Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christopher Heimer Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins

  • April 1 · 14 min

    Erich Honecker besucht Disneyland

    Neu entdeckte Tagebücher beweisen: Erich Honecker war 1986 heimlich und anonym in den USA - um den Kapitalismus zu studieren und damit vielleicht die DDR zu retten. Eine unglaubliche Reise... In diesem Zeitzeichen behauptet Jana Fischer: dass die chilenische Version von "Bares für Rares" etwas mit Honeckers Tagebüchern zu tun hat, dass Honecker plant, Disneyland nach Ost-Berlin zu holen, dass eine Achterbahn ihn zu dem Slogan "vorwärts immer, rückwärts nimmer" inspiriert. Am 1. April 1986, mitten im kalten Krieg, bekommen Mickey Mouse, Goofy und Co. unerwarteten Besuch vom Klassenfeind persönlich: DDR-Staatsoberhaupt Erich Honecker und seine Frau Margot sind zu Gast im Disneyland USA. Das klingt zunächst nach einer absurden Kombination. Schließlich steht Disneyland wie kaum ein anderer Ort für die Verlockungen des Kapitalismus. Doch neuentdeckte Tagebucheinträge des SED-Vorsitzenden Honecker erzählen die Geschichte eines unglaublichen Trips - inklusive falschem Neffen und einer stinkreichen Kapitalisten-Ente. Dass dem DDR-Politiker die Reise nach Disneyland gefallen hat, ist für Honecker-Experte Albert Achmann keine Überraschung: "Am Ende steckt halt in jedem verknöcherten, sozialistischen Hardliner auch ein kleines Kind, das verzaubert werden will." Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Albert Achmann, Universität Eisenhüttenstadt, Historiker, "Honeckerologe" (nachvertont von Ralf Kabelka) Michael Ratman, Zeitzeuge, Reiseleiter des USA-Trips (nachgesprochen von Alex Cummins) Rainer Grotepieck, Zeitzeuge, Dolmetscher während der Reise (nachinterpretiert von Nils Heinrich) Siegbert Trugschluss: Grundlagen der Honeckerologie (2003) Weiterführende Links: Zeitzeichen: 01.04.1915 - Die Schlachtung des letzten Einhorns in Dorsten Zeitzeichen: 01.04.47 v. Chr. - Im alten Rom bricht eine Genderdebatte aus Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Jana Fischer Redaktion: David Rother Sprecher: Ralf Kabelka (Albert Achmann), Nils Heinrich (Rainer Grotepieck), Alex Cummins (Michael Ratman)

  • March 31 · 14 min

    Clara Schumann: Star-Pianistin, die Robert berühmt machte

    Clara Wieck ist ein Star, dann heiratet sie. Doch statt ihre Karriere aufzugeben, tritt sie weiter auf - mit ihrem Mann. Am 31.3.1841 erstmals unter neuem Namen. In diesem Zeitzeichen erzählt Raoul Mörchen: was Clara Schumann vor ihrem ersten Auftritt mit ihrem Mann in das gemeinsam geführte Ehetagebuch schreibt, womit die Pianistin das Publikum im zweiten Teil der Veranstaltung überrascht, warum der Komponist Robert Schumann die Heirat mit Clara vor Gericht erzwingen muss, wie die erste Sinfonie des Komponisten bei Kritik und Publikum ankommt, wie Roberts zweite Sinfonie heißen soll. Clara Wieck aus Leipzig ist eine Klavierspielerin ersten Ranges. Sie spielt mit den Größten ihrer Zeit in einer Liga, in der sonst nur Männer antreten. Dazu gehören zum Beispiel Sigismond Thalberg, Ignaz Moscheles, Adolf Henselt und Franz Liszt. Clara wird in Wien, Paris und London umjubelt. Sie tritt vor Österreichs Kaiser Ferdinand auf und wird von ihm als erste Ausländerin und einzige Protestantin zur königlich-kaiserlichen Kammervirtuosin ernannt. Nach ihrer Heirat ist es ihr wichtig, unter ihrem neuen Namen aufzutreten: Schumann. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Irmgard Knechtges-Obrecht (Musikwissenschaftlerin) Sven Oliver Müller (Historiker) Irmgard Knechtges-Obrecht: Clara Schumann - Ein Leben für die Musik. Darmstadt 2019 Robert und Clara Schumann: Ehetagebücher 1840 - 1844. Frankfurt am Main 2013 Peter Gülke: Robert Schumann - Glück und Elend der Romantik. Wien 2010 Weiterführende Links: Zeitzeichen 08.06.1810: Geburtstag von Robert Schumann Zeitzeichen 13.09.1819: Geburtstag von Clara Wieck-Schumann RBB-Podcast: Alles Clara BR Klassik: Clara und Robert Schumann erstreiten ihre Ehe Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Raoul Mörchen Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak

  • March 30 · 14 min

    Krimkrieg: Mehr als 500.000 Tote für eine "Heilige Mission"

    Vorgeblich um Orthodoxe zu schützen, zettelt der Zar Krieg mit den Osmanen an. Am 30.3.1856 endet der Krimkrieg mit seiner Niederlage und einer Demütigung, die bis heute nachhallt. In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck: wie ein religiöser Konflikt in Jerusalem zum Vorwand für geopolitisches Machtstreben wird, warum der Konflikt als einer der ersten modernen Kriege Europas gilt, wie der Krimkrieg politisch bis heute nachwirkt. Am 30. März 1856 endet der Krimkrieg offiziell mit dem Pariser Friedensvertrag. Russland muss sich aus dem Machtspiel am Bosporus und auf dem Balkan zurückziehen. Zwar behält es die Krim, doch das Schwarze Meer wird zur militärisch neutralen Zone erklärt - eigene Kriegsschiffe sind dort verboten. Für das Zarenreich ein schwerer Schlag: Der Zugang zu eisfreien Häfen, lange ein zentrales Ziel russischer Politik, bleibt versperrt. Der Frieden bringt keine Ruhe, sondern neue Spannungen. In Russland wird der Vertrag als Demütigung empfunden - ein Gefühl, das nachwirkt und künftige Konflikte vorbereitet. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Jörg Baberowski, Osteuropa-Historiker und Gewaltforscher, Humboldt-Universität Berlin Jörg Baberowski: Der sterbliche Gott. Macht und Herrschaft im Zarenreich, München 2024 Orlando Figes: Krimkrieg. Der letzte Kreuzzug, Berlin 2011 Orlando Figes: Empire: World History (Podcast), Folge 81 "Crimea: The War on Repeat" Weiterführende Links: Zeitzeichen: Ukraine erklärt Unabhängigkeit (am 24.08.1991) Zeitzeichen: Der "Brotfrieden": Die Geburtsstunde des ukrainischen Staates Zeitzeichen: Unterzeichnung der Pariser Verträge (am 23.10.1954) Zeitzeichen: NATO-Doppelbeschluss: Frieden schaffen mit noch mehr Waffen Das Wissen: Russland und die Ukraine - Geschichte eines Krieges Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Almut Finck Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak Technik: Martin Kropp

  • March 29 · 14 min

    Charles Manson: Vom Außenseiter zum gefürchteten Sektenführer

    Charles Manson hält sich für Jesus, bewundert Hitler - und manipuliert seine "Manson Family" so geschickt, dass sie für ihn mordet. Am 29.3.1971 wird er zum Tode verurteilt. In diesem Zeitzeichen erzählt Philip Ritter: wie die "Tate-Morde" im August 1969 die Welt erschüttern, warum Charles Manson als Drahtzieher verurteilt wird, obwohl er nicht am Tatort ist, wie ein Außenseiter zur manipulativen Führungsfigur einer mordenden Sekte wird. Es ist eine warme Nacht in Los Angeles, als vier Mitglieder der sogenannten „Manson-Family“ ein Anwesen am Cielo Drive betreten. Wenige Stunden später sind mehrere Menschen tot – unter ihnen die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate. Die brutalen Morde markieren für viele das Ende der Hippie-Ära. Die Polizei ermittelt und kommt der Gruppe um Charles Manson auf die Spur. Etwa eineinhalb Jahre später fällt das Urteil: Die Täter werden zum Tode verurteilt - und auch Manson selbst. Obwohl er nicht am Tatort war, gilt er als treibende Kraft. Manson hatte seine Anhänger manipuliert und sie dazu gebracht, seine Befehle auszuführen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Kathleen Heide, Kriminologin Niels Penke, Literaturwissenschaftler Vincent Bugliosi und Curt Gentry: Helter Skelter, London 1974 Weiterführende Links: Knallhart - ARD Thriller-Hörspiele: Summer of Hate - Charles Manson und die Manson Family Zeitzeichen: Der gescheiterte Versuch, human hinzurichten Zeitzeichen: Kitty Genovese, Mordopfer (Todestag 13.03.1964) Zeitzeichen: Am 13.06.1994: Leichen im Mordfall um O.J. Simpson entdeckt Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Philip Ritter Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse Technik: Moritz Raestrup

  • March 28 · 14 min

    Meilenstein der modernen Gerichtsmedizin: die "Lungenschwimmprobe"

    Ein toter Säugling, ein Verdacht, ein Experiment: Im Jahr 1681 beweist erstmals ein neuartiges forensisches Verfahren die Unschuld einer vermeintlichen Kindsmörderin. In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner: wie genau die sogenannte Lungenschwimmprobe funktioniert, warum ein Kindsmordprozess im sächsischen Pegau dadurch eine unerwartete Wendung nimmt, weshalb das neuartige medizinische Verfahren zwischen Fortschritt, Zweifel und Machtinteressen steht. Alles beginnt mit einem Gerücht: Die etwa 15-jährige Anna Voigt soll heimlich ein Kind geboren und getötet haben. Der kleine Körper wird gefunden, die Vorwürfe sind schwer – und die Gesetze der Zeit gnadenlos. Doch dann untersucht der Amtsarzt Johannes Schreyer den Leichnam mit einer damals völlig neuen Methode. Bei der Lungenschwimmprobe wird geprüft, ob die Lunge im Wasser sinkt oder schwimmt – ein Hinweis darauf, ob ein Neugeborenes geatmet hat oder tot zur Welt kam. Für Schreyer ist das ein Schritt hin zu moderner Gerichtsmedizin. Doch seine Erkenntnisse stoßen auf Skepsis, werden juristisch kaum genutzt und geraten in den Strudel eines Systems, das weniger an Wahrheit als an Verurteilung interessiert ist. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Andrea Thiele, Historikerin an der Universität Halle Dr. Maximilian Hagen, Rechtsmediziner am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Münster Tore Renberg: Die Lungenschwimmprobe. Verteidigung einer jungen Frau, die des Kindsmords bezichtigt wurde, München 2024 Weiterführende Links: Zeitzeichen: Weil's auch dem König so gefiel: erste Doktorin der Medizin Zeitzeichen: Ein Manifest gegen Frauenhass im Mittelalter: Christine de Pizan Zeitzeichen: Mutiger Liebesratgeber des Mittelalters: Albrecht von Eyb Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Martina Meißner Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

  • March 27 · 13 min

    Visionär der Moderne: Der Autor Stanislaw Lem

    Am 27.3.2006 stirbt der Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem. Sein Werk ist philosophisch und technisch zugleich – und wirft einen realistischen Blick auf eine mögliche Zukunft. In diesem Zeitzeichen erzählt Michael Richmann: womit Stanislaw Lem als junger Mann die SS bekämpft, wie er über den angewandte Psychologie zur Raumfahrt kommt, warum seine Romane Abgründe aufzeigen und dennoch lustig sind. Als junger Mann erlebt Stanislaw Lem den Überfall der Nazis auf seine polnische Heimatstadt Lemberg. Nur mit falschen Papieren überlebt der Sohn eines jüdischen Arztes die NS-Zeit. Nach dem Krieg muss er Lemberg verlassen und findet in Krakau eine neue Heimat. Dort tauscht er das Medizinstudium gegen die Schreibmaschine und den Kosmos ein. In seinen Science-Fiction-Büchern verknüpft Lem Wissenschaft mit Philosophie. Gesellschaftskritik verlegt er geschickt von der Erde ins Universum – und entzieht sich so der staatlichen Zensur. Zu seinem bekanntesten Roman gehört "Solaris" aus dem Jahr 1961. Lems Bücher erreichen Millionenauflagen – in Ost und West. Daneben verfasst er Essays über Evolution, Künstlicher Intelligenz, Gen-Technologie mit der Frage: "Wie können Mensch und Maschine im Einklang bleiben?" Und er wird nicht müde zu warnen: "Es steckt sehr viel Böses im Menschen. Sehr viel Böses." Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Alfred Gall (Literaturwissenschaftler Universität Mainz) Christopher Coenen (Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, Karlsruhe) Stanislaw Lem (Archiv) Weiterführende Links: ARD Alpha: Klassiker der Weltliteratur – Stanislaw Lem Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Michael Richmann Redaktion: Frank Zirpins Technik: Joachim Baumann, Michael Wagner

  • March 26 · 14 min

    Fatima: Die Übermutter des Islam

    Im Jahre 606 wird die Tochter Mohammeds geboren und später zur zentralen Figur im schiitischen Islam. Als die "Mutter der Imame" prägt sie bis heute diesen Glauben. In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach: dass Fatimas Mutter Khadija eine selbständige Kauffrau gewesen ist, wie sich die Stellung der Frauen im Islam im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat, woher die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten im Islam kommt, dass die christliche Maria mehrfach im Koran erwähnt wird, Fatima hingegen nicht. Muslime in aller Welt verehren Fatima als "Herrin der Frauen", als "Strahlende" und "Blume" und "Mutter der Imame". Die jüngste Tochter von Mohammed und seiner ersten Frau Ḫadiǧa ist vier Jahre als, als ihr Vater zum Verkünder des Islams wird. Angeblich sollen Vater und Tochter eine besondere Nähe gehabt haben. Selbst ihren Mann darf sie selbst aussuchen und wählt unter ihren vielen Verehrern Ali aus, einen Neffen ihres Vaters. Mit ihm bekommt sie die Söhne Hassan und Hussein, die einzigen lebenden Enkel und späteren Nachfolger des Propheten. Ihre Verehrung im Islam, vor allem von den Schiieten, ähnelt der christlichen Maria, der Mutter Jesu. Fatima stirbt im Jahr 632, wenige Wochen nach ihrem Vater. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professorin Dr. Bärbel Beinhauer-Köhler Religionswissenschaftlerin, Universität Marburg Professorin Dr. Katajun Amirpur, Islamwissenschaftlerin, Universität zu Köln Seyran Ateş, Rechtsanwältin, Frauenrechtlerin, Imamin, Berlin Bärbel Beinhauer-Köhler: Fatima bint Muhammad. Metamorphosen einer frühislamischen Frauengestalt, Wiesbaden 2002 Assia Djebar: Fern von Medina, Zürich 1997 Fatima Mernissi: Der politische Harem. Mohammed und die Frauen, Freiburg 2002 Fatima Mernissi: Die Angst vor der Moderne, München 1996 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 08.03.1979 - Tausende Iranerinnen demonstrieren gegen den Schleierzwang Zeitzeichen: 08.06.632 - Der islamische Prophet und Religionsstifter Mohammed stirbt in Medina Zeitzeichen: 13.03.624 - Sieg der Muslime unter Mohammed gegen Mekka Zeitzeichen: 25.01.555 - Geburtsjahr von Khadija, Frau des islamischen Propheten Mohammed Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Sascha Schiemann

  • March 25 · 14 min

    Lebensabend im Museum: Ishi, der Letzte seines Stammes

    Am 25.3.1916 stirbt in San Francisco der mutmaßlich letzte Angehörige der Yahi, einer indigenen Gruppe in Kalifornien. Nach fünf Jahren als lebendes Forschungsobjekt. In diesem Zeitzeichen erzählen Markus Harmann und Joachim Heinz: warum 1911 in einer kalifornischen Kleinstadt plötzlich ein verängstigter Mann auftaucht, wie er zur Sensation für Wissenschaft und Öffentlichkeit wird, warum er im anthropologischen Museum von San Francisco lebt und Besuchern seine Kultur zeigt, weshalb sein Gehirn nach seinem Tod entnommen wird und erst Jahrzehnte später in seine Heimat zurückkehrt. August 1911: Ein Schlachthofarbeiter in Oroville, Kalifornien, entdeckt einen erschöpften Mann in einem Schuppen am Stadtrand. Er trägt kaum Kleidung und wirkt völlig verängstigt. Bald stellt sich heraus: Der Fremde gehört zu den Yahi, einer kleinen indigenen Gemeinschaft aus Nordkalifornien, von der viele glaubten, sie sei längst verschwunden. Wissenschaftler bringen ihn nach San Francisco. Dort erhält er einen Namen: Ishi. In seiner Sprache bedeutet das schlicht "Mensch". Er lebt mehrere Jahre im Museum, fertigt Pfeilspitzen, zeigt Besuchern traditionelle Techniken und erzählt von seiner Kultur. Seine Geschichte steht zugleich für Gewalt und Verlust: Mit dem Goldrausch kamen Siedler ins Land, viele indigene Gemeinschaften wurden vertrieben oder ausgelöscht. Ishi stirbt am 25. März 1916 an Tuberkulose. Erst im Jahr 2000 werden seine sterblichen Überreste in das Gebiet seiner Vorfahren zurückgebracht, wo er schließlich beigesetzt wird. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Frank Usbeck, Kurator für die Amerika-Sammlungen bei den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsens Orin Starn: Ishi’s Brain. In Search of America’s Last "Wild" Indian, New York 2004 Theodora Kroeber: Der Mann, der aus der Steinzeit kam, München 1961 Weiterführende Links: Zeitzeichen: Keine Heldengeschichte im Wilden Westen - Der Indian Removal Act Zeitzeichen: Vertrag von Greenville 1795 - Indigene Völker verlieren ihr Land Zeitzeichen: Tecumseh, Indianerhäuptling (Todestag 05.10.1813) Zeitzeichen: USA - Indianer erhalten Bürgerrechte (am 02.06.1924) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autoren: Markus Harmann und Joachim Heinz Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins

  • March 24 · 14 min

    Olympia nur für Frauen: Mit eigenen Spielen zu gleichem Recht

    Lange schließt das IOC Frauen aus, bis Sportlerinnen ab dem 24.3.1921 erstmals eigene Spiele organisieren – und damit die Gleichberechtigung im Spitzensport vorantreiben. In diesem Zeitzeichen erzählt Merle Schaack: warum der Olympia-Erfinder Pierre de Coubertin Frauen im Stadion lieber auf der Tribüne sieht, wie eine französische Sportpionierin den Männern im Olympia-Komitee Paroli bietet, welche Folgen die ersten Frauenspiele für Sportlerinnen haben. Als Pierre de Coubertin die Olympischen Spiele der Neuzeit begründet, hat er eine klare Vorstellung: Wettkämpfe tragen Männer aus. Frauen sollen höchstens die Sieger ehren. Zwar dürfen sie in einigen Disziplinen antreten, etwa im Tennis oder im Golf – doch das gilt eher als gesellschaftliches Ereignis denn als ernsthafter Leistungssport. Die Französin Alice Milliat will das ändern. 1919 fordert sie vom Internationalen Olympischen Komitee, Frauen auch in der Leichtathletik zuzulassen. Als die Antwort ausbleibt, organisiert sie kurzerhand eigene Wettkämpfe. 1921 treffen sich in Monte Carlo rund 100 Athletinnen aus fünf Nationen zu den ersten internationalen Frauenspielen. Sie laufen, springen und werfen und zeigen damit: Frauen wollen bei Olympia nicht nur zuschauen, sondern selbst an den Start gehen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Ansgar Molzberger, Sporthistoriker Sporthochschule Köln Alexandra Burghardt, Sprinterin und Olympionikin Dr. Petra Tzschoppe, Sportsoziologin, ehemalige Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung beim Deutschen Olympischen Sportbund Olympische Charta SPIEGEL Geschichte: Frauen bei Olympia "Die weiblichen Unterleibsorgane verwelken" Prof. Dr. Bettina Rulofs et al.: Sexualisierte Gewalt und sexueller Kindesmissbrauch im Kontext des Sports, Fallstudie, 2022 Weiterführende Links: ZDF heute: Die Spiele 1924: Der lange Kampf der Frauen Zeitzeichen: Gretel Bergmann, jüd. Sportlerin (Geburtstag am 12.04.1914) Zeitzeichen: Eunice Kennedy-Shriver, Gründerin der Special Olympics (Geburtstag am 10.07.1921) Zeitzeichen: Alles geben für einen Olivenzweig: Die ersten Spiele von Olympia Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Merle Schaack Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins

  • March 23 · 15 min

    Die Wiener Burg: vom Hofspielhaus zum "Teutschen Nationaltheater"

    Am 23.3.1776 bestimmt Kaiser Joseph II. per Dekret: Die Bühnensprache im Burgtheater ist Deutsch. Mehr noch - künftig haben ausnahmslos alle Aufführungen glücklich zu enden. In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka: warum Kaiser Joseph II. das Wiener Burgtheater 1776 zum "Teutschen Nationaltheater" erklärt, weshalb auf der Bühne plötzlich Deutsch statt Italienisch oder Französisch gesprochen wird, wie aus einer höfischen Bühne ein Theater für die ganze Nation werden soll. Am 23. März 1776 erklärt Kaiser Joseph II. das Theater neben der Wiener Hofburg zur Chefsache: Per Dekret stellt er das Theater unter seine Aufsicht und erklärt es zum "Teutschen Nationaltheater". Die Bühne soll nicht länger nur dem Adel dienen, sondern dem ganzen Volk. Theater versteht der aufgeklärte Monarch als eine Art Schule der Gesellschaft. Dabei schießt er mit manchen Reformen über das Ziel hinaus: Tragödien dürfen nicht zu traurig enden, selbst Shakespeare bekommt ein Happy End verordnet. Doch mit dem Dekret beginnt die besondere Rolle des Burgtheaters: als Bühne, über die in Österreich bis heute leidenschaftlich gestritten wird und auf die viele mit Stolz blicken, auch wenn sie nie hingehen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Christiane Mühlegger-Henhapel, Theatermuseum Wien, Kuratorin der Ausstellung „250 Jahre Burgtheater“ Theatermuseum Wien: 250 Jahre Burg. Online-Ausstellung zum Jubiläum des Burgtheaters Claudia Kaufmann-Freßner: Das Burgtheater. Architektur, Geschichte, Geschichten, Wien/Bozen 2005 Ernst Haeusserman: Das Wiener Burgtheater. Wien/München/Zürich 1975 Weiterführende Links: Zeitzeichen: Kaiser Leopold II. (Geburtstag am 05.05.1747) Zeitzeichen: Erster Brief von Friedrich an Voltaire (am 08.08.1736) Zeitzeichen: Comédie Française gegründet (am 21.10.1680) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Das ist unser Hörtipp: WDR 5 Das philosophische Radio – ein Austausch mit anderen nachdenklichen Menschen in einer öffentlichen philosophischen Diskussion Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Christiane Kopka Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse Technik: Theo Kramer

  • March 22 · 14 min

    Die dunkle Vergangenheit der Heinzelmännchen

    Heinzelmännchen machen heimlich unsere Arbeit. So steht es im Märchen von 1826. Geschichten über die Wesen gab es aber schon davor. Und die zeigen ein anderes Bild. In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler: was düstere Hexenwesen und Dämonen mit den Heinzelmännchen zu tun haben, warum Menschen an Hausgeister glauben, dass eine Sage aus dem sächsischen Eilenburg Vorbild für die Kölner Heinzelmännchen gewesen sein könnte, warum Neugierde in Erzählungen bestraft wird. Erstmals taucht die Figur des "Heinzelmanns" im 16. Jahrhundert auf. Der Theologe Erasmus Alberus schildert ihn als lästigen Störenfried, Martin Luther sogar als "teufliches Heintzlein", das den Tod bringt. Der Kölner Pädagoge und Karnevalist Ernst Weyden holt die Sage 1826 an den Rhein und verwandelt die düsteren Gestalten in freundliche, fleißige Hausmeister. Zehn Jahre später lässt August Kopisch die Kölner in seiner Ballade seufzen: "Wie war zu Cölln es doch vordem. Mit Heinzelmännchen so bequem!" Auch wenn der Geschichte nach die kleinen Wichtel Köln verlassen haben, begegnet man ihnen heute noch überall – am Heinzelmännchen-Brunnen, auf dem Heinzel-Weihnachtsmarkt, in den Buchläden und Souvenirgeschäften. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Hans-Jörg Uther, Literaturwisschenschaftler und Erzählforscher August Kopisch: Die Heinzelmännchen zu Köln. Köln 1836 Ernst Weyden: Cöln`s Vorzeit. Geschichten, Legenden und Sagen Cöln´s, nebst einer Auswahl cölnischer Volkslieder. Cöln 1826 Brednich et. al. (Hgg.): Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Göttingen 2015. Pisarek, Janin / Schäfer, Florian: Hausgeister! Fast vergessene Gestalten der deutschsprachigen Märchen- und Sagenwelt. Köln / Weimar 2024. Weiterführende Links: Zeitzeichen: 06.01.1845 - Todestag des Märchensammlers Ferdinand Philipp Grimm Zeitzeichen: 21.12.1844 - Hans Christian Andersens "Die Schneekönigin" erscheint Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Marko Rösseler Redaktion: Frank Zirpins, Jakob Schiffer

  • March 21 · 14 min

    Siegeszug des Saxophons: Aus der Militärkapelle in den Jazzclub

    Am 21.3.1846 reicht Adolphe Sax das Patent für das Saxophon ein. Seine Erfindung floppt: Er wird dafür bekämpft, verklagt, stirbt arm. Dann wird sein Instrument doch zum Erfolg. In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld: warum es ein Wunder ist, dass Adolphe Sax seine Kindheit überlebt, dass er ein ausgezeichneter Musiker ist, welche Rolle das Militär bei der Erfindung des Saxophons spielt, über den Siegeszug des Saxophons im 20. Jahrhundert. Es sind ungewöhnliche Töne, die aus der Werkstatt im 9. Pariser Arrondissement dringen. Dort tüftelt Adolphe Sax aus dem belgischen Dinant an einem neuen Blasinstrument. Ihm schwebt ein robuster Alleskönner vor, der in Militärkapellen laut und in Sinfonieorchester zart gespielt werden kann. Zudem sollte das Instrument für die militärischen Paraden wetterfest sein. Herausgekommen ist das Saxophon, gefertigt aus Messingblech mit einem Holzblasinstrumenten-Mundstück. Am 21. März 1846 lässt Adolphe Sax es patentieren. Schon damals ist das Saxophon so genial konstruiert, dass es bis heute kaum verändert wurde. Während Komponisten das neue Instrument feiern, führt die Konkurrenz einen erbitterten Kampf gegen Sax. Er stirbt verarmt 1894 in Paris. Nur wenige Jahrzehnte später erobert sein Saxophon die Welt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Matthias Schröder, Guido Grospietsch und Thorsten Floth (Pindakaas Saxophon Quartett) Christine Rall (Raschèr Saxophon Quartett) Frank Lunte: Saxophone. Ein Instrument und sein Erfinder. Berlin 2014 Pindakaas Saxophon Quartett: Die Abenteuer des Monsieur Sax. Ein Musikhörspiel. ClassicClips 2014 Dirk Joszok: Adolphe Sax. (Hör)Buch, Berlin 2008 Oscar Comettent: Histoire d’un inventeur au dix-neuvième sieècle. Adolphe Sax. Sis Ouvrages it sis luttes. Paris 1860 Weiterführende Links: Stichtag: 15. August 2015 - Todestag von Max Greger Stichtag: 29. August 1920 – Geburtstag von Charlie Parker Das Adolphe Sax-Haus, Museum in Dinant Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christian Kosfeld Redaktion: Carolin Rückl, David Rother

  • March 20 · 16 min

    Von der Kolonie zum Staat: Tunesien wird unabhängig

    Am 20. März 1956 endet die französische Vorherrschaft in Tunesien. Habib Bourguiba wird zum Vater der Nation - und regiert das Land jahrzehntelang mit harter Hand. In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach: warum Tunesien jahrzehntelang unter französischer Kontrolle steht, obwohl ein lokaler Herrscher im Amt ist, wie der Anwalt Habib Bourguiba die Unabhängigkeit mit Verhandlungen vorbereitet, und weshalb der junge Staat nach 1956 Reformlabor und autoritär regiertes Land zugleich ist. Am 20. März 1956 unterzeichnet Frankreich in Paris den Vertrag über die Unabhängigkeit Tunesiens. Zuvor steht das nordafrikanische Land 75 Jahre lang unter französischem Protektorat: Der Bey von Tunis bleibt zwar formal Herrscher, doch Verwaltung, Wirtschaft und Militär liegen in französischer Hand. Schon früh regt sich Widerstand. Der wird vor allem von einer gebildeten Mittelschicht getragen. Aus ihr entsteht eine politische Bewegung, die schließlich von dem Anwalt Habib Bourguiba geprägt wird. Statt auf bewaffneten Aufstand setzt er auf Diplomatie und schrittweise Verhandlungen mit Frankreich. Nach Jahren in Gefängnissen und im Exil erreicht er sein Ziel: Tunesien wird unabhängig. Bourguiba wird Ministerpräsident, und kurz darauf Präsident eines neuen, strikt säkularen Staates. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Dr. Rachid Ouaissa, Politikwissenschaftler Naher und Mittlerer Osten, Universität Marburg Professor Kmar Bendana, Historikerin für Zeitgeschichte, Universität Manouba (bei Tunis) Tarkan Tek: Die Entkolonisierung Tunesiens. Über die langfristigen Auswirkungen des Arabischen Frühlings, Bielefeld 2024 Weiterführende Links: Wie ein Gemüsehändler den Arabischen Frühling startete Abd el-Krim, Marokkos Freiheitskämpfer (Todestag, 06.02.1963) Arabische Liga gegründet (am 22.3.1945) Das ist unser Hör-Tipp: Alles Geschichte: Riefenstahl: Influencerin des Bösen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Sarah Fitzek

  • March 19 · 14 min

    Ein Leben zwischen Mekka, Nil und Kamasutra: Richard F. Burton

    Wie im Wahn bereist der britische Abenteurer, Diplomat und Ethnograf Richard Francis Burton (geb. am 19.3.1821) fremde Kulturen. Als Autor und Übersetzer bricht er Tabus. In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath: warum Richard Francis Burton als Pilger verkleidet nach Mekka reist, und damit sein Leben riskiert, wie der britische Offizier fast dreißig Sprachen lernt, um fremde Kulturen wirklich zu verstehen, und weshalb ausgerechnet die Übersetzung orientalischer Liebesliteratur ihn schließlich berühmt macht. Er ist ein wahrer Weltensammler: Indien, Arabien, Ostafrika. Kein Ort ist ihm zu weit, keine Expedition zu beschwerlich. Richard Francis Burton gehört zu den wagemutigsten Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts. Als erster Europäer erreicht er verkleidet die heiligen Städte Mekka und Medina, später den Tanganjikasee in Afrika. Der britische Offizier ist ein Kosmopolit mit außergewöhnlichem Sprachentalent. Fast dreißig Sprachen und zahlreiche Dialekte beherrscht er. Burton glaubt: Wer eine Kultur verstehen will, muss ihre Sprache sprechen. Sein Leben lang reist, schreibt und übersetzt er. Erst spät wird er berühmt: etwa mit seiner englischen Ausgabe der Geschichten aus "Tausendundeiner Nacht" oder mit der Übersetzung des "Kamasutra". Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Ilja Trojanow, Schriftsteller und Autor des Buches "Der Weltensammler" Fawn M. Brodie: The Devil Drives. The Life of Sir Richard Burton, New York, 1984. Ilija Trojanow: Der Weltensammler, Frankfurt am Main, 2006. Thomas Wright: The Life of Sir Richard Burton, London, 1906. Weiterführende Links: Project Gutenberg: Werke von Richard Francis Burton (digitale Sammlung) Gertrude Bell, Orientalistin (Geburtstag 14.07.1868) Heinrich Barth, dt. Afrikaforscher (Geburtstag 16.02.1821) Kolonialismus kitschig verklärt: Frieda von Bülow Forschungsreisender, Entdecker, Chauvinist: Nikolai Prschewalski Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Kath Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins Technik: Sascha Schiemann

  • March 18 · 14 min

    Ein linker US-Präsident rettet den Kapitalismus: Der "New Deal"

    Franklin D. Roosevelts "New Deal" erreicht 1936 den Höhepunkt: Gegen Widerstand der Superreichen setzt er auf wirtschaftlichen Aufschwung durch hohe Löhne und Investitionen - er behält Recht. In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Pfaff: warum US-Präsident Franklin D. Roosevelt in den 1930er-Jahren hohe Steuern für Millionäre fordert, wie die Weltwirtschaftskrise Millionen US-Amerikaner in Armut und Verzweiflung stürzt, weshalb das Reformprogramm "New Deal" nichts anderes bedeutet als: die Karten neu zu mischen. Nach dem Börsencrash von 1929 stecken die USA in der schwersten Krise ihrer Geschichte. Banken gehen pleite, ein Viertel der Bevölkerung ist arbeitslos, viele Menschen verlieren ihr Erspartes, Bauern ihr Land. Zeitzeugen erinnern sich an eine bedrückende Atmosphäre, und an eine Gesellschaft, die kaum noch Hoffnung hat. 1933 wird Franklin D. Roosevelt Präsident. Er verspricht einen "New Deal": einen neuen Anfang für das US-amerikanische Volk. Der Staat investiert Milliarden in Straßen, Schulen und Staudämme, fördert Mindestlöhne und stärkt Gewerkschaften. Die Wirtschaft soll nicht länger nur den Interessen der Reichen folgen, sondern dem Gemeinwohl dienen. Historiker bringen die Wirkung dieser Politik später auf eine Formel: Roosevelt habe den Kapitalismus vor den Kapitalisten gerettet. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Steffen Lehndorff, Volkswirt und Arbeitsforscher, Köln Ulrike Herrmann, Wirtschaftsjournalistin und Historikerin, Berlin Steffen Lehndorff: New Deal heißt Mut zum Konflikt. Was wir von Roosevelts Reformpolitik der 1930er Jahre heute lernen können, Hamburg, 2020. Ulrike Herrmann: Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung. Die Krise der heutigen Ökonomie oder Was wir von Smith, Marx und Keynes lernen können, Frankfurt am Main, 2016. Sven Beckert: Kapitalismus. Geschichte einer Weltrevolution, Hamburg, 2025. Paul Krugman: Nach Bush. Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten, Frankfurt am Main, 2008. Cédric Tourbe: Kapitalismus made in USA – Reichtum als Kult. Dreiteilige ARTE-Dokumentationsserie, Frankreich, 2023. Weiterführende Links: Planet Wissen: Der Schwarze Freitag von 1929 John M. Keynes, brit. Ökonom (Todestag 21.04.1946) Eleanor Roosevelt, amerik. Politikerin (Todestag 07.11.1962) Franklin D. Roosevelt, 32. US-Präsident (Geburtstag, 30.01.1882) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Pfaff Redaktion: David Rother Technik: Petra Laubach