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Der tägliche Podcast über Geschichte von der Antike bis heute, über Europa und die Welt, über die Geschichte der Menschheit: 15 Minuten zu historischen Persönlichkeiten und Erfindungen. Von George Washington bis Rosa Luxemburg, vom Büstenhalter bis Breaking Bad.

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  • Oct 8, 2025 · 14 min

    Von Eseln und Elfenköniginnen: Shakespeares Sommernachtstraum

    Liebesverwirrung, Elfenzauber und Theater im Theater: Shakespeares "Sommernachtstraum" mischt Poesie mit Klamauk. Erstmals gedruckt am 8.10.1600. In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka: wann der "Sommernachtstraum" vermutlich entstanden ist, welche unterschiedlichen Pole die Stadt Athen und der Wald im Stück symbolisieren, wie Theater im 16. Jahrhundert zur Massenunterhaltung wird, wie Shakespeares Karriere als Schauspieler, Autor und Theaterbetreiber Fahrt aufnimmt, warum Frauenrollen zu Shakespeares Zeiten von Jungen gespielt werden. Der "Sommernachtstraum" ist nach wie vor eines der meistgespielten Stücke in Deutschland. Ein besonderer Reiz liegt in den verschiedenen Ebenen: Am Fürstenhof von Athen herrschen klare Vernunft und strenge Sitte, während im Wald Traum und Fantasie regieren. Das Schwanken zwischen Illusion und Realität macht offenbar die Attraktivität aus. Shakespeare führt außerdem vor, wie unberechenbar das Herz sein kann, wie brüchig die Identität und wie chaotisch die Gefühle. Die Rätsel seiner "Sommernacht" rühren an allgemein menschliche Themen, die uns auch heute noch bewegen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Sonja Fielitz (Professorin für Anglistik an der Philipps-Universität Marburg) William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. München 2025 Sonja Fielitz: A Midsummer Night’s Dream. Essay in: William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. München 2025 Ina Schabert: Shakespeare-Handbuch. Die Zeit – Der Mensch – Das Werk – Die Nachwelt. Stuttgart 1992 Weiterführende Links: Zeitzeichen 23.04.1564: Shakespeare mutmaßlicher Geburtstag Zeitzeichen 29.06.1613: Ein Brand zerstört Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Christiane Kopka Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Theo Kramer

  • Oct 7, 2025 · 14 min

    Rätselhafte Schrift aus dem Mittelalter: Das Voynich-Manuskript

    Dieses handschriftliche Rätsel ist und bleibt ein Mysterium: Am 7.10.1915 wird das geheimnisvolle Voynich-Manuskript der Öffentlichkeit vorgestellt. Doch was steht darin? In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog: welche Spekulationen es über das Voynich-Manuskript gibt, wo das Original-Dokument heute aufbewahrt wird, welche Auffälligkeiten die 200 Pergament-Seiten aufweisen, was außer Pflanzen und nackten Menschen sonst noch darin abgebildet ist, was Kaiser Rudolf II. mit dem Manuskript zu tun hat. Mediävisten, Kryptologen, Stochastiker, Esoteriker, Verschwörungsideologen - viele Fachleute und solche, die sich dafür halten, versuchen, das sogenannte Voynich-Manuskript zu übersetzen. Gefunden hat es der Buchhändler Wilfried Voynich 1912 in der Villa Mondragone, einem Jesuitenstift bei Rom. Doch die mittelalterliche Handschrift kann niemand lesen - bis heute. Lange bevor Voynich das Manuskript wiederentdeckt, rätseln verschiedene Vorbesitzer bereits über dessen Ursprung, Sinn und Inhalt. Das ist zum Beispiel in einem Brief aus dem 17. Jahrhundert nachzulesen, den der Londoner Buchhändler zusammen mit der Schrift aus der verstaubten Bücherkiste klaubt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Jürgen Hermes (Computerlinguist, Universität Köln) Torsten Timm (Informatiker) Klaus Schmeh: Codeknacker gegen Codemacher. Die faszinierende Geschichte der Verschlüsselung. London 2007 Torsten Timm: How the Voynich Manuscript was created. Dresden 2017 Weiterführende Links: Das komplette Voynich-Manuskript als hoch auflösender Scan Jürgen Hermes: Video-Vortrag zum Voynich-Manuskript. Institut für Digital Humanities, Universität Köln 2020 Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Martin Herzog Redaktion: Matti Hesse Technik: Sarah Fitzek

  • Oct 6, 2025 · 14 min

    Ferdinand von Richthofen: Erfinder der Seidenstraße

    Ferdinand von Richthofen kartierte China, prägte die Forschung zur Seidenstraße und legte Grundlagen für Europas China-Interesse. Er starb am 6. Oktober 1905. In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck: was der Geologe Ferdinand von Richthofen auf sieben Expeditionen in China erforscht, warum er dem deutschen Kaiserreich präzise Orte in China für mögliche Kolonien vorschlägt, wie Richthofen schon mit 23 Jahren erkennt, dass die markanten Felsen der Dolomiten einst Korallenriffe waren, wieso er die legendäre Seidenstraße nicht entdeckt, sondern am Schreibtisch neu "erfindet", und wie seine Vision von Chinas Westöffnung bis in die heutige Belt-and-Road-Initiative nachwirkt. Ferdinand von Richthofen, 1833 in Schlesien geboren, ist ein Pionier der modernen Geowissenschaften. Vier Jahre lang reist er durch 13 chinesische Provinzen, kartiert Gebirge und Flüsse und sucht nach dem "schwarzen Gold": Kohle, der Treibstoff der Industrialisierung. Sein Blick von Ost nach West ist neu und weitsichtig: Er sieht ein China im Umbruch, voller künftiger Dynamik. Die berühmte Seidenstraße bereist er nie. Stattdessen puzzelt er Karten, Berichte und chinesische Quellen zusammen und erfindet das uralte Handelsnetz zwischen China und Europa neu. Am 6. Oktober 1905 stirbt er in Berlin, doch seine Idee von weltumspannenden Handelswegen lebt bis heute fort. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Marcus Hernig, Sinologe und Historiker, Professor an der Tongji-Universität Shanghai, Buchautor und Wirtschaftsberater Marcus Hernig: Ferdinand von Richthofen. Der Erfinder der Seidenstraße. Berlin 2022. Peter Frankopan: Die neuen Seidenstraßen. Gegenwart und Zukunft unserer Welt. Berlin 2019. Jürgen Osterhammel: “Forschungsreise und Kolonialprogramm. Ferdinand von Richthofen und die Erschließung Chinas im 19. Jahrhundert”. In: Archiv für Kulturgeschichte 69 (1987, 1), S. 150-195, 171. Weiterführende Links: Planet Wissen: Wege zur Macht - Chinas neue Seidenstraße Planet Wissen: Methoden der Geologie WDR Zeitzeichen: Revolutioniert die Geologie vom Schreibtisch aus: Marie Tharp Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Almut Finck Redaktion: Sefa Inci Suvak

  • Oct 5, 2025 · 14 min

    Kindheit im Krieg: verschickt und umerzogen

    Am 5.10.1940 beginnt die Erweiterte Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg. Sie bringt Kinder in Sicherheit - und in die NS-Wehrerziehung. In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz: warum man während des Zweiten Weltkriegs von "erweiterter" Kinderlandverschickung spricht, wo die Kinder untergebracht werden und wie ihr Tagesablauf aussieht, wie Erwachsene heute auf ihre Zeit im KLV-Lager zurückblicken, von Heimweh, zensierten Briefen und schlechten Nachrichten von zu Hause. Im Zweiten Weltkrieg werden rund zwei Millionen Kinder in Gastfamilien, Jugendherbergen oder Lagern weit weg von der Heimat untergebracht. Diese "Erweiterte Kinderlandverschickung", wie es offiziell heißt, soll in erster Linie dem Schutz der Kinder vor den Bomben dienen. Das eigentliche Ziel ist jedoch ein anderes: Der Nachwuchs soll - ungestört von Elternhaus oder Kirche - im Sinne des Nationalsozialismus umerzogen werden. Oberaufsicht über die Lager haben jeweils ein Lehrer und ein Mitglied der Hitlerjugend oder des Bundes Deutscher Mädel. Besuche oder eine Rückholung ist verboten. In der Regel bleiben die Kinder zwischen sechs und neun Monaten. Die Kinderlandverschickung ist kostenlos - und zumindest formal freiwillig. Allerdings wird auf die Eltern zunehmend moralischer Druck ausgeübt, sich "nicht am Tode" des eigenen Kindes schuldig zu machen. Trotzdem ist die Verschickung für die meisten Eltern keine Option. Sie bringen ihre Kinder lieber zu Verwandten aufs Land - um sie nicht nur vor den Bomben, sondern auch vor dem NS-Regime zu schützen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Martin Rüther, Historiker (ehemals NS-Dokumentationszentrum Köln) Gerhard Kock: Der Führer sorgt für unsere Kinder. Die erweiterte Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg. Paderborn/München/Wien/Zürich 1997 Gerhard E. Sollbach: Flucht vor den Bomben. Kinderlandverschickung aus dem östlichen Ruhrgebiet im 2. Weltkrieg. Hagen 2002 Sigrid Bremer: Muckefuck und Kameradschaft - Mädchenzeit im Dritten Reich. Frankfurt am Main 1989 Eduard Füller: Kriegsheimat. Die Kinderlandverschickung aus dem nördlichen Westfalen im Zweiten Weltkrieg. Münster 2010 Weiterführende Links: Planet Wissen: Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg Stichtag: 26. Oktober 1945 - Beginn der "Aktion Storch" Jugend! Deutschland 1918 - 1945 Haus der Geschichte: Videos von Zeitzeugen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Jana Magdanz Redaktion: Christoph Tiegel / Frank Zirpins

  • Oct 4, 2025 · 14 min

    Stalins James Bond: Der deutsch-sowjetische Spion Richard Sorge

    Einer der berühmtesten Spione aller Zeiten - zumindest der bekannteste, der erwischt wurde: Richard Sorge (geboren am 4.10.1895) lebte ein filmreifes und komprissloses Leben... In diesem Zeitzeichen erzählt Joscha Seehausen: warum Richard Sorge als "James Bond der Sowjetunion" gilt, und doch ganz anders handelt, wie sein Charisma Männer und Frauen dazu bringt, ihm bereitwillig vertrauliche Informationen anvertrauten. wie er als scheinbar linientreuer Nazi-Journalist in Tokio die deutsche Botschaft für die Sowjetunion ausspioniert, und damit den Verlauf des Zweiten Wltkriegs beeinflusst. Richard Sorge wird 1895 in Baku geboren, wächst in Berlin auf und meldet sich als junger Mann freiwillig zum Ersten Weltkrieg. Drei Verwundungen später ist sein Patriotismus verflogen. Eine Krankenschwester macht ihn mit dem Kommunismus bekannt - dem er sein Leben widmet. Nach Jahren in Moskau schickt ihn die Rote Armee als Agent nach Japan. Dort erwirbt er das Vertrauen deutscher Diplomaten, tritt sogar in die NSDAP ein - und funkt heimlich nach Moskau. Seine entscheidende Botschaft: Japan plant keinen Angriff auf Sibirien. Stalin verlegt daraufhin Truppen nach Westen und stoppt Hitlers Armeen bei Stalingrad. 1941 verhaftet, 1944 in Tokio hingerichtet, wird Sorge später in der Sowjetunion zum Helden stilisiert – ein realer Spion, dessen Leben spannender ist als jeder Agentenfilm. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Helmut Müller Enbergs, Honorarprofessor an der historischen Fakultät Vigsby, 2015 bis 2021 Leiter der Spionageabwehr beim Verfassungsschutz Berlin. Florian Schimikowski, Historiker des Spionagemuseums Berlin Andreas Neuenkirchen, Autor der Richard Sorge Biographie „Einsatz in Tokio“ Robert Whymant: Der Mann mit den drei Gesichtern, Berlin 1999. Isabel Kreitz: Die Sache mit Sorge – Stalins Spion in Tokio, Hamburg 2008. Julius Mader: Dr.-SORGE-REPORT. Ein Dokumentarbericht über Kundschafter des Friedens mit ausgewählten Artikeln von Richard Sorge, Berlin 1985. Weiterführende Links: arte Doku: Stalins James Bond: Richard Sorge Planet Wissen: Spione WDR Zeitzeichen: Kim Philby - vom Cambridge-Studenten zum Sowjet-Spion WDR Zeitzeichen: Fritz Kolbe, Spion Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Joscha Seehausen Redaktion: David Rother

  • Oct 3, 2025 · 14 min

    Erziehung im Sinne der NS-Ideologie: Johanna Haarer

    Die Ärztin Johanna Haarer (geb. am 3.10.1900) schreibt mit "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" einen NS-Erziehungsratgeber, der noch jahrzehntelang nachwirken kann. In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg: zu welchen harten Erziehungsmethoden Johanna Haarer rät, wie sehr Kinder auch Jahre später noch unter den Folgen dieser Erziehung leiden, von Haarers nationalsozialistischen Überzeugungen, die sie zeitlebens beibehält, wie es für Haarer und ihr Buch nach Kriegsende weitergeht. Disziplin und emotionale Distanz: Das sind die Grundpfeiler, auf denen die Erziehungstipps von Johanna Haarer aufbauen. Zärtlichkeit und Nachgiebigkeit produziere "Haustyrannen", warnt die Autorin in ihrem Buch "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind". Fast 700.000 Mal wird ihr Ratgeber im so genannten Dritten Reich verkauft. Auch deshalb gilt Haarer bis heute als Inbegriff von NS-Pädagogik. Dabei sind ihre pädagogischen Leitlinien nicht neu. Schon lange vor dem Nationalsozialismus propagieren vor allem Ärzte eine autoritäre, bindungsarme Erziehung, später "schwarze Pädagogik" genannt. Geboren wird Haarer am 3. Oktober 1900. Sie ist enorm ehrgeizig und schafft als eine der ersten Frauen in Deutschland den Aufstieg zur Lungenfachärztin. Ihre fünf Kinder erzieht Haarer ebenso streng, wie sie es anderen Müttern rät. Nach Kriegsende sind ihre Bücher in der DDR verboten. In der Bundesrepublik dagegen kommt schon bald eine Neuauflage heraus, die ungebrochen erfolgreich bleibt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Miriam Gebhardt, Buchautorin (Uni Konstanz) Margarete Bolten, Leitung Liaisonpsychiatrischer Dienst (Luzerner Psychiatrie AG, Kinderspital Zentralschweiz) Miriam Gebhardt: Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen. Eine Geschichte der Erziehung im 20. Jahrhundert (2009) Johanna Haarer: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind, München/Berlin 1938 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 06.07.2000 - Gesetz zur gewaltfreien Erziehung wird verabschiedet Zeitzeichen: 24.11.1943 - Der Schweizer Kinderarzt und Entwicklungsforscher Remo Largo wird geboren Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Christoph Vormweg Redaktion: Christoph Tiegel / Matti Hesse Technik: Petra Laubach

  • Oct 2, 2025 · 19 min

    Pax Romana: Wie lebte es sich zur Zeit des Römischen Friedens?

    Zeitzeichen-Sonderfolge zum Römischen Frieden: Was ist Klischee und wie lebte es sich wirklich in der Epoche, die 27 v. Chr. begann: als Bürger, als Sklave, als Gladiator - und warum kommen nur Männer in der Geschichtsschreibung vor? In diesem Zeitzeichen erzählt Fritz Schaefer: warum der "Römische Frieden" kein völliges Schweigen der Waffen bedeutet, wie Kaiser Augustus innere Ruhe und politische Stabilität für Generationen schafft, was die Einverleibung ins Römische Reich für Provinzen wie Britannien bedeutete, welche Einblicke Plinius der Jüngere in Alltag, Freizeit und Amtsgeschäfte seiner Zeit gibt, und warum Gladiatorenkämpfe oft weniger blutig sind, als Filme und Mythen vermuten lassen. Aus einem kleinen Dorf am Tiber wächst Rom zum Weltreich - und mitten im Expansionsdrang hält plötzlich Frieden Einzug: die Pax Romana. Von 27 v. Chr. bis etwa 235 n. Chr. bleibt das Reich weitgehend von Bürgerkriegen verschont, auch wenn an den Außengrenzen Legionäre kämpfen. Kaiser wie Augustus inszenieren sich als pflichtbewusste und gerechte Herrscher, deren Bilder auf Münzen, Statuen und in Ritualen bis in die fernsten Provinzen strahlen. Hinter dem Glanz steckt vor allem ein kluges System: wenige Beamte, präzise Volkszählungen, gut informierte Kaiser und ein fein gesponnenes Netz aus Statthaltern. Handel und Straßenbau lassen die Wirtschaft florieren, lokale Bräuche und Traditionen dürfen weiterleben. Die Spuren dieser Epoche prägen uns bis heute - von Monatsnamen wie Juli und August über Rechtsgrundsätze bis zu alten Straßenverläufen. Die Pax Romana ist weit mehr als ein politisches Konzept: Sie wird zum Vorbild für Ordnung und Frieden. Der Römische Frieden zu Anfang unserer Zeitrechnung ist ein relativer Frieden: An den Außengrenzen ringen Legionäre immer wieder mit Germanen, Dakern oder Parthern. Entstanden ist diese Zeitzeichen-Sonderfolge in Zusammenarbeit mit dem Team des SWR-Kultur-Podcasts "Der Römische Traum". Das ist unser Hörtipp: Podcast: SWR Kultur "Der Römische Traum" Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Dr. Thoralf Schröder, Archäologisches Institut, Universität zu Köln Prof. Dr. Muriel Moser-Gerber, Historisches Institut, Goethe-Universität Frankfurt Kay Ehling, Saskia Kerschbaum (Hrsg.): Die Kaiser Roms. Von Augustus bis Justinian, Freiburg 2025. David Stone Potter (Hrsg.): A Companion to the Roman Empire, Malden (MA) / Oxford 2006. Esaù Dozio (Hrsg.): Gladiator. Die wahre Geschichte, Basel 2019. Paul Erdkamp (Hrsg.): A Companion to the Roman Army, Malden (MA) 2007. Achim Lichtenberger, H.-Helge Nieswandt, Dieter Salzmann (Hrsg.): Eirene / Pax. Frieden in der Antike, Dresden 2018. Weiterführende Links: WDR Zeitzeichen: Römisches Reich, größte Ausdehnung (im Jahr 116) WDR Zeitzeichen: Reformer und Begründer des römischen Kaiserreichs: Augustus Planet Wissen: Ausdehnung des römischen Reiches Planet Wissen: Das antike Rom Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Fritz Schaefer Redaktion: Matti Hesse

  • Oct 2, 2025 · 14 min

    Nat Turners blutige Rebellion: umstrittenes Fanal für Freiheit

    Nat Turner wird am 2.10.1800 in Virginia geboren. Als Anführer eines Sklavenaufstands geht er in die Geschichte ein - um seinen Heldenstatus wird bis heute gerungen. In diesem Zeitzeichen erzählt Jonas Colsman: von einem Nat Turner, der gleichzeitig Mörder und amerikanischer Held ist, von einem umstrittenen Zeitzeugendokument, in dem Turner seine Taten schildert, vom amerikanischen Bürgerkrieg und dem Ende der Sklaverei in den USA, warum die Trump-Politik für viele ein offener Angriff auf die schwarze Gesellschaft ist. Der am 2. Oktober 1800 geborene Nat Turner ist einer von Millionen versklavten Menschen in den US-amerikanischen Südstaaten des 19. Jahrhunderts. Unter unwürdigen Bedingungen werden sie ausgebeutet. Vergewaltigungen und Peitschenhiebe sind an der Tagesordnung. Turner, überzeugter Christ, entscheidet sich, Widerstand zu leisten. Was als Flüstern beginnt, wächst binnen Stunden zu einem Aufschrei: Bei der "Nat-Turner-Rebellion" sterben 55 Weiße, darunter wohl auch Kinder. Als Vergeltung werden mehr als 100 unschuldige Versklavte getötet. Turner selbst gelingt vorerst die Flucht - bis man ihn nach Wochen unweit der Farm in einem Erdloch aufspürt und verhaftet. Zwölf Tage später wird er gehängt. Auch wenn Nat Turner wegen Gewaltexzessen umstritten bleibt, wird er zum festen Bestandteil der schwarzen Erinnerungskultur, zum Symbol für Widerstand und Selbstbehauptung. Er lebt als Mythos in Büchern, in Songs und auf der Leinwand weiter - bis heute. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Tahir Della, Sprecher der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" (ISD) Heike Paul, Kultur- und Literaturwissenschaftlerin William Styron: The Confessions of Nat Turner Kyle Baker: Nat Turner. A Graphic Novel Weiterführende Links: Deutschlandfunk: Als Nat Turner Sklaven zum Aufstand führte Zeitzeichen: 20.08.1619 - Erste Sklaven in Nordamerika Stichtag: 22.09.1862 - US-Präsident Lincoln proklamiert Sklavenbefreiung Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Jonas Colsman Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

  • Oct 1, 2025 · 14 min

    Aquavit als Hausmittel: Anna, die patente Kurfürstin

    Anna von Sachsen mag etwas kontrollierend gewesen sein. Doch bei ihrem Tod am 1.10.1585 hinterlässt sie einen wahren Wissensschatz darüber, wie man einen Haushalt führt. In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk: warum sich Anna von Sachsen so gut mit Haushaltsdingen auskennt, wie viele Briefe sich Anna und ihr Mann August während ihrer Ehe schreiben, welche exotischen Zutaten die von Anna selbst hergestellten Medikamente enthalten, wie begehrt das von ihr produzierte Aqua Vitae bei ihren Zeitgenossen ist, warum Anna Gynäkokratie, also Weiberherrschaft, vorgeworfen wird. Geboren wird sie am 22. November 1532 als Tochter des Herzogspaares Christian und Dorothea von Schleswig-Holstein, die nur wenige Jahre später den dänischen Königsthron besteigen. Das Königreich Dänemark umfasst damals Teile Schwedens, des heutigen Norwegen, Island, Grönland. Mit 15 wird Anna nach Sachsen verheiratet, aus politischen Gründen. Sie nimmt es ohne Proteste hin. Annas Bräutigam August erbt das Kurfürstentum und so wird aus Anna von Dänemark 1553 Anna von Sachsen. Die Ehe von Anna und August hält 37 Jahre. Die beiden mögen das Gärtnern und die Arbeit im Labor. August interessiert sich für die Alchemie, Anna mehr für die Heilkunst. Sie stellt unter anderem aus Kräutern Medikamente her. Doch Anna von Sachsen ist nicht die brave gute Hausfrau - sondern eine Fürstin, die für die Interessen ihrer Familie und ihres Landes kämpft. Sie ist erst Anfang 50 Jahre alt, als sie immer häufiger krank wird. Sie stirbt kurz von ihrem 53. Geburtstag. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Katrin Keller (Historikerin, Direktorin des Instituts für die Erforschung der Habsburgermonarchie und des Balkanraumes, Österreichische Akademie der Wissenschaften) Katrin Keller: Kurfürstin Anna von Sachsen. Biografie. Regensburg 2010 Katrin Keller: Anna von Dänemark. In: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde. Dresden 2007 Dirk Syndram, Antje Scherner: In fürstlichem Glanz. Der Dresdner Hof um 1600. Ausstellungskatalog, Staatliche Kunstsammlungen. Dresden 2004 Weiterführende Links: MDR: Schloss Augustusburg: Wenn Renaissance auf Biker trifft ARD: Das dänische Königshaus - beliebt, modern, glamourös Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Maren Gottschalk Redaktion: Frank Zirpins Technik: Sascha Schiemann

  • Sep 30, 2025 · 14 min

    Gelungene Integration: Eine feste Siedlung für fahrende Menschen

    In Rekordzeit hatte die Stadt Köln die Siedlung hochgezogen: Am 30.9.1975 zogen 108 Sinti in die festen Häuser im Kölner Norden ein - ein großer Schritt für sie und ihre Nachbarn. In diesem Zeitzeichen erzählt Michael Reinartz: warum ausrangierte Reichsbahn-Waggons ein moralisches Problem und zugleich Notbehelf für Kölner Sinti und Roma sind, wie Nachbarn anfangs Angst vor Lärm und Wertverlust haben - und warum sich das Zusammenleben dennoch schnell beruhigt, was der Einzug in Steinhäuser für Bildung, Arbeit und Nachbarschaft bis heute bedeutet. Als Kind sieht man Feuer zwischen Waggons auf freiem Feld - für die Jüngsten ein "Spielplatz", für die Erwachsenen ein Leben ohne Duschen, mit gefrorenen Fenstern im Winter. Die Waggons stammen aus Beständen der alten Reichsbahn, die während der NS-Zeit Sinti und Roma deportiert hatten. Anfang der 70er ist klar: So kann es nicht bleiben. Daraufhin entsteht der Plan für eine eigene Siedlung für Sinti und Roma. Von Frühjahr bis Spätsommer 1975 im Ortskern gebaut und am 30. September bezugsfertig - mit Stellplätzen für Wohnwagen, aber ohne Tiere. Es ist die erste feste Siedlung für Sinti in Westeuropa. Es gibt Skepsis, Polizeieinsätze wegen nächtlicher Musik - und doch wächst Normalität: Schule, Handwerk, Fußballverein. Heute wohnen noch rund 50 meist Ältere dort; der Mietvertrag läuft bis Ende September 2049 - wie es danach weitergeht, ist offen. Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner: Markus Reinhardt, Musiker Agnes Esser, Mitglied im Roggendorfer Bürgerverein Weiterführende Links: Planet Wissen: Sinti und Roma in Deutschland Dok-Zentrum dt. Sinti und Roma eröffnet (am 16.03.1997) Erste urkundliche Erwähnung der Rom-Völker in Deutschland (20.09.1407) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Michael Reinartz Redaktion: Frank Zirpins

  • Sep 29, 2025 · 14 min

    Päpstin Johanna: Legende oder Skandal?

    Das Pontifikat von Benedikt III. am 29.9.855 entfacht den Mythos der Päpstin Johanna. Als Mann getarnt soll sie das höchste Amt der Kirche eingenommen haben. In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld: wie Lücken im "Liber pontificalis" Spekulationen über eine geheimnisvolle Päpstin nähren, warum der ehrgeizige Kardinal Anastasius selbst in die Geschichte verwickelt sein könnte, welche mittelalterlichen Chronisten die Legende immer weiter ausschmücken, und wieso Rom bis heute keinen Beleg für eine Frau auf dem Heiligen Stuhl hat. Die Rede ist von der Päpstin Johanna - einer Gestalt, die im 13. Jahrhundert erstmals in Chroniken auftaucht. Demnach soll sie aus Mainz stammen und im 9. Jahrhundert zwei Jahre, sieben Monate und vier Tage als "Papst" in Rom regieren. Die Legende erzählt von einer hochgebildeten Frau, die in Männerkleidern Karriere macht, sich das Vertrauen der Kurie erschleicht, bis an die Spitze der Kirche aufsteigt - und schließlich mitten in einer feierlichen Prozession ein Kind zur Welt bringt. Beweise fehlen jedoch: Zeitgenössische Urkunden bezeugen stattdessen den damals amtierenden Papst Benedikt III.. Die Lücken in den alten Papstbüchern liefern zwar Stoff für Spekulationen, doch die Forschung sieht darin keine verschleierte Wahrheit: eine Geschichte, die sich jeder endgültigen Aufklärung entzieht. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Klaus Herbers, Professor für Mittelalterliche Geschichte Universität Erlangen Professorin Elisabeth Gössmann, Professorin für Theologie Universität Bamberg Klaus Herbers und Max Kerners: Die Päpstin Johanna. Biographie einer Legende. Köln, Weimar, Wien, Böhlau 2010 Elisabeth Gössmann: Die Päpstin Johanna. Der Skandal eines weiblichen Papstes. München 1994 Elisabeth Gössmann: Mulier Papa. Der Skandal eines weiblichen Papstes. Mitschnitt eines Vortrags von Professorin Elisabeth Gössmann an der Karl-Rahner-Akademie 1995 Weiterführende Links: Planet Wissen: Religion - Päpste Planet Wissen: Der Vatikan - Staat der Priester Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christian Kosfeld Redaktion: Viviane Jelenc, Matti Hesse

  • Sep 28, 2025 · 14 min

    Der Grüne Punkt: Müll wird zum Milliardengeschäft

    Der "Grüne Punkt" verändert seit dem 28.9.1990, wie Deutschland mit Verpackungen umgeht, der Punkt wird zum Symbol für Recycling und Mülltrennung - und für das Geschäft mit Wertstoffen. In diesem Zeitzeichen erzählt Kay Bandermann: wie viel Verpackungsmüll pro Kopf jedes Jahr in Deutschland anfällt, wie Anfang der 1990er-Jahre der "Grüne Punkt" funktioniert, warum dem "Grünen Punkt" schon bald nach dem Start das Aus droht, weshalb Kunststoffe die größte Herausforderung beim Recycling darstellen, wie Algen künftig als alternatives Verpackungsmaterial eingesetzt werden könnten. Spätestens ab Ende der 1980er-Jahre wachsen den Deutschen mit wachsendem Konsumverhalten die Müllberge über den Kopf. Die politisch Verantwortlichen müssen handeln. Allen voran Klaus Töpfer, damals CDU-Umweltminister. Töpfer kündigt für 1991 eine strenge "Verpackungsverordnung" an. Die Industrie führt neben dem normalen Hausmüll ein zweites, paralleles Sammelsystem ein. Es ist der Beginn des sogenannten Dualen Systems, das der Öffentlichkeit durch ein einprägsames Symbol bekannt wird: den Grünen Punkt. Der "Grüne Punkt" funktioniert Anfang der 1990er-Jahre so: Hersteller zahlen für jedes verpackte Produkt, das sie in Umlauf bringen, eine Lizenzgebühr an die eigens gegründete Firma, die DSD - Duales System Deutschland GmbH mit Sitz in Köln. Mit diesen Einnahmen baut die DSD eine Infrastruktur zum Sammeln, Sortieren und Recyceln auf. Seitdem verbessert sich die Recyclingquote von Jahr zu Jahr. 2023 werden 90 Prozent der registrierten Verpackungen wiederverwertet. Die restlichen zehn Prozent landen fälschlicherweise in der "grauen" Tonne. Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner: Christian Hündgen, Entsorgungsunternehmer aus Swisttal Dr. Fritz Flanderka, ehem. Bevollmächtigter DSD Dr. Bettina Sunderdiek, Sprecherin ZSVR Osnabrück Philipp Wisse, Unternehmer Fa. Greenfoil Nature Weiterführende Links: Stichtag: 21. August 1998 - Verpackungsverordnung wird modifiziert wdr.de: Weltrecyclingtag: So wird Müll richtig getrennt Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Kay Bandermann Redaktion: Carolin Rückl, David Rother Technik: Sarah Fitzek

  • Sep 27, 2025 · 14 min

    Der Erfinder des Weihnachtsmanns: Thomas Nast

    Von der pfälzischen Provinz nach New York: Thomas Nast (geboren am 26. oder 27.9.1840) wird in den USA zum wichtigsten Zeichner des Landes - geliebt von Präsident Lincoln und bis heute bekannt als Zeichner des Santa Claus. In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Friedrich: mit welchem Bild Thomas Nast den patriotischen Nerv der kriegsmüden Union im amerikanischen Bürgerkrieg trifft, wie Thomas Nast in der Festungsstadt Landau aufwächst, womit Thomas Nast dazu beiträgt, dass der korrupte Politiker William Tweed für zwölf Jahre ins Gefängnis muss, wie US-Präsident Theodore Roosevelt Junior Gutes tun will und Nast letztlich einen schlechten Gefallen erweist. Thomas Nast: Ein Deutscher, der als Kind in die USA emigriert und in New York als politischer Zeichner eine beispiellose Karriere hinlegt. Hierzulande sorgt sein Name heute eher für Schulterzucken. Nie gehört. Santa Claus hingegen! Wer kennt ihn nicht, den Typen mit den dicken Wangen, dem Rauschebart, der Zipfelmütze? Als Chefzeichner von Harper‘s Weekly macht sich Thomas Nast schnell einen Namen. 25 Jahre kommentiert er mit seinen Karikaturen die amerikanische Politik. Als im April 1861 der Bürgerkrieg beginnt, steht Nast klar auf der Seite von Präsident Abraham Lincoln. Für seine Schlachten, die Thomas Nast an der Medienfront schlägt, adelt ihn Präsident Abraham Lincoln. 1886 verlässt Thomas Nast Harper’s weekly. Er gründet eine eigene Wochenzeitung, die aber bald eingestellt wird. Er kauft Eisenbahnaktien und verspekuliert sich. Er erwirbt eine Silbermine, die kein Silber trägt. Am Ende ist das Vermögen verloren. Thomas Nast stirbt am 7. Dezember 1902 im Alter von 62 Jahren. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Gudrun Stübninger-Kohls, Vorsitzende des Thomas Nast-Vereins in Landau Til Mette, Cartoonist Clement C. Moore/ Thomas Nast (1823): Der Besuch von St. Nikolaus – The night before Christmas (mit allen Originalillustrationen/ Deutsch-Englisch/ Ü: Walter Sauer) Neckarsteinach 2017 Heinz-Helmut Lüger/ Edelgard Schneider-Jahn/ Werner Abriß (Hg.): Thomas Nast. Karikaturist zwischen Kunst und Kritik. Landauer Schriften zur Kommunikations- und Kulturwissenschaft (Band 27). Verlag Empirische Pädagogik. 2/ 2023 Thomas-Nast-Verein Landau (Hg.): Ein Landauer in Amerika – Thomas Nast. Karikaturist, Journalist und Künstler. 53 Cartoons von Thomas Nast. Landau 2018 Weiterführende Links: Thomas Nast-Verein Landau Planet Wissen: Amerikanischer Bürgerkrieg 1861-1865 Zeitzeichen: 12.02.1809: Geburtstag des amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Claudia Friedrich Redaktion: David Rother Technik: Claudia Friedrich

  • Sep 26, 2025 · 14 min

    Der Schock von München: Bombenanschlag auf das Oktoberfest

    Ein Volksfest, eine Explosion, eine Katastrophe. Am 26.9.1980 erlebt die Bundesrepublik ihr bis heute schwerstes Attentat. 13 Menschen sterben. Über 200 werden verletzt. In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner: Warum die Geschichte des Oktoberfest-Anschlags auch eine Geschichte der Vertuschung und Verharmlosung ist, wie Franz Josef Strauß den Anschlag im Bundestagswahlkampf nutzt, warum ein Anwalt und ein Journalist Zweifel an der Theorie vom frustrierten Einzeltäter haben, aus welchen politischen Gründen die Ermittlungen nach zwei Jahren zunächst eingestellt werden, welche Rolle eine abgetrennte Hand bei weiteren Ermittlungen spielt. Am Abend des 26. September 1980 gibt es um 22.21 Uhr am Haupttor des Münchner Oktoberfestes eine gewaltige Detonation. 13 Menschen sterben sofort, über 200 werden verletzt. Die Ermittler der Sonderkommission "Theresienwiese" legen sich schnell darauf fest, dass ein frustrierter Einzeltäter die Bombe gelegt hat. Bereits ein halbes Jahr nach dem Anschlag gibt es einen Abschlussbericht. Der Journalist Ulrich Chaussy und der Anwalt Werner Dietrich zweifeln an der Erklärung, wollen Hintergründe und Hintermänner aufdecken. Sie finden immer mehr Hinweise darauf, dass die Theorie des frustrierten Einzeltäters nicht stimmen kann. 2014 werden die Ermittlungen wiederaufgenommen. Doch trotz aller Gründlichkeit wissen die Ermittler nur in einem Punkt schließlich wirklich mehr. Der Täter handelt aus einer Nationalsozialistisch-faschistischen Gesinnung heraus. Er will mit dem Anschlag den Bundestagswahlkampf beeinflussen. Aber wer Gundolf Köhler motiviert oder unterstützt hat, wird wohl nie geklärt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Ulrich Chaussy, Journalist und Autor Werner Dietrich, Opferanwalt Ulrich Chaussy: Das Oktoberfest-Attentat und der Doppelmord von Erlangen. Wie Rechtsterrorismus und Antisemitismus seit 1980 verdrängt wird. München, 2025 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 23.12.1918 - Geburtstag von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt Zeitzeichen: 03.10.1988 - Todestag von Franz Josef Strauß Planet Wissen: Bayerische Traditionen - Münchner Oktoberfest Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Martina Meißner Redaktion: Christoph Tiegel, Matti Hesse Technik: Moritz Raestrup

  • Sep 25, 2025 · 15 min

    Widerstand als Lebensweg: Lisa Fittko

    Am 25.9.1940 beginnt die Exilaktivistin Lisa Fittko in Südfrankreich, NS-Verfolgte über die Pyrenäen nach Spanien zu führen. Unter ihnen der Philosoph Walter Benjamin. In diesem Zeitzeichen erzählt Melahat Simsek: wie eine handgezeichnete Skizze ihr den rettenden Weg über die Pyrenäen weist, warum das Risiko des Aufbruchs für Walter Benjamin größer ist als das Bleiben, wie Marseille 1940 zur überfüllten Falle für Hunderttausende Flüchtlinge wird, und wie Lisa Fittko noch im hohen Alter für die Rechte anderer eintritt. Geboren 1909 als Elisabeth Ekstein in der heutigen Ukraine, wächst Lisa Fittko in einem politisch wachen Elternhaus auf. Früh kämpft sie als Kommunistin gegen den Faschismus, verteilt Flugblätter und lebt im Untergrund. Mit ihrem Mann Hans Fittko flieht sie 1933 nach Prag, später nach Paris. Nach Internierung im Lager Gurs entkommt sie und schließt sich in Marseille dem amerikanischen Fluchthelfer Varian Fry an. Von einem Bürgermeister erfährt sie von einem verborgenen Schmugglerpfad über die Pyrenäen. Mehrfach führt sie Flüchtlinge auf dieser gefährlichen Route in die Freiheit – unter ihnen der Philosoph Walter Benjamin. Lisa Fittko überlebt Exil und Verfolgung, stirbt 2005 mit 95 Jahren in Chicago. Bescheiden bis zuletzt bleibt sie eine Ikone des antifaschistischen Widerstands und der Zivilcourage. Das sind unsere wichtigsten Quellen: Lisa Fittko: Mein Weg über die Pyrenäen. Erinnerungen 1940/41. München 2024 Dr. Eva Weissweiler: Biografie einer Fluchthelferin. Hamburg 2024 Dr. Uwe Wittstock: Marseille 1940. Die große Flucht der Literatur. München 2024 Tania Schlie: Die Wagemutige. Hamburg 2022 Und das sind unsere InterviewpartnerInnen: Dr. Eva Weissweiler, Autorin und Journalistin Uwe Wittstock, Autor Tania Schlie, Autorin Weiterführende Links: Walter Benjamin, Philosoph (Todestag 27.9.1940) Sophie Scholl, Studentin, Widerstand (Geburtstag, 09.05.1921) Zweimal im Widerstand: Das Leben der Anne Beaumanoir Planet Wissen: Nationalsozialismus Hörtipp: "Wie wir Menschen wurden" im ARD-Historypodcast "Alles Geschichte" Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Melahat Simsek Redaktion: Frank Zirpins, Christoph Tiegel Technik: Jens Buchheister

  • Sep 24, 2025 · 14 min

    Gott ändert seine Meinung: Die Mormonen und die Vielehe

    Ein Mormone darf ursprünglich mit mehreren Frauen verheiratet sein. Ein Problem für die Zugehörigkeit zu den USA. Mormonen-Präsident Woodruff reagiert pragmatisch und schafft die Mehrehe am 24.9.1890 ab. In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck: Dass die Mormonen durchaus kreativ mit göttlichen Offenbarungen umgehen, dass auch Mormonenfrauen gegen die Abschaffung der Vielehe protestieren, wie die Vielehe Bildung und Ausbildung der Frauen unterstützt, wie Religion Orientierung in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen bietet. Zwischen etwa 1830 und 1890 praktizierten etliche männliche Angehörige, vor allem Führungspersönlichkeiten der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage", die so genannte Vielehe. Religionsgründer Joseph Smith soll mit etwa 40 Frauen zusammengewesen sein, angeblich auf göttliche Weisung hin. Insgesamt aber ist die Polygynie unter Mormonen sehr viel weniger verbreitet als oft angenommen. Nur etwa 3 bis 5 Prozent aller Mormonen haben mehrere Frauen. Offiziell verboten, führt die Polygamie dazu, dass Mormonen in den USA vor 1890 Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt sind. Am 24. September 1890 schließlich verbietet der vierte Mormonen-Präsident Wilford Woodruff seinen Glaubensbrüdern, wiederum auf angeblich göttliche Weisung hin, mehr als einen ehelichen Bund zu besiegeln, wie die Mormonen die Heirat nennen. Die Folge: Utah, mehrheitlich von Mormonen besiedelt, kann im Jahre 1896 der 45. Bundesstaat der USA werden. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Eric T. Hansen, US-Buchautor und Satiriker aus Berlin, wuchs in einer Mormonenfamilie auf und ist inzwischen aus der Kirche ausgetreten. Michael Hochgeschwender, Historiker, Professor für Nordamerikanische Kulturgeschichte, LMU Laurel Thatcher Ulrich, feministische Historikerin (emer.), Harvard University, Mormonin Eric Hansen: Losing my Religion: Die Mormonen und ich. Berlin 2017 Michael Hochgeschwender: Amerikanische Religion: Evangelikalismus, Pfingstlertum und Fundamentalismus. Frankfurt/M 2018. Laurel Thatcher Ulrich: A House full of Females: Plural Marriage and Women’s Rights in Early Mormonism, 1835-1870. New York 2017. Weiterführende Links: Zeitzeichen: 23.12.1805 - Geburtstag des Propheten Joseph Smith 3SAT Kultur: Glaube und Geld - Die Mission der Mormonen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Almut Finck Redaktion: Sefa Inci Suvak, Frank Zirpins

  • Sep 23, 2025 · 14 min

    Dreadlocks für den Frieden: Bob Marleys letztes Konzert

    Mit seiner US-Tour will Bob Marley als Solokünstler durchstarten. Doch als er am 23.9.1980 in Pittsburgh auf die Bühne tritt, hat er den Kampf gegen den Krebs schon verloren. In diesem Zeitzeichen erzählt Amy Zayed: Warum Marley und seine Band jeden Auftritt mit dem "Rastaman Chant" beginnen, wie eine Weltkarriere mit Bambus, Blechdosen und Kabeldraht ihren Anfang nimmt, worum es in "No woman, no cry" tatsächlich geht, wie es Bob Marley mit seiner Musik sogar gelingt, politische Widersacher auf der Bühne zusammenzubringen. Bob Marley bringt von der kleinen Karibikinsel Jamaika eine im Westen vollkommen unbekannte Musik in den weltweiten Popmainstream. Zusammen mit seinen Freunden Bunny Wailer und Peter Tosh gründet Marley eine Band, die noch einige Male ihren Namen ändert, bevor sie sich auf "The Wailers" einigt. 1980 spielt Bob Marley in Europa die größte Tour des Jahres, auch in den USA soll ihm danach endgültig der Durchbruch als Solo-Künstler gelingen. Zwei Mal tritt er alleine auf, zwei Mal im Vorprogramm der Commodores im New Yorker Madison Square Garden. Am 23. September 1980 spielt er sein letztes Konzert in Pittsburgh, muss aber danach die Tour abbrechen, weil er zu schwer an Krebs erkrankt ist. Für einige Zeit geht er in ein alternatives Krankenhaus in Bayern, und versucht noch etwas Lebenszeit rauszuholen, doch dann beschließt er, zum Sterben nach Jamaika zurückzufliegen. Auf dem Rückflug wird er aber so krank, dass die Maschine in Miami zwischenlanden muss. Dort stirbt Bob Marley am 11. Mai 1981. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: David Rodigan, Reggae-DJ in Großbritannien und Jamaika Bunny Wailer, Stiefbruder und ehemaliger Bandkollege von Bob Marley Archivmaterial von Bob Marley und seiner Mutter Cedella Marley. Weiterführende Links: Stichtag: 11. September 1987 - Peter Tosh in Kingston ermordet Planet Wissen: Kolonialismus – Europas Kolonien Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Amy Zayed Redaktion: Frank Zirpins Technik: Joseph Bader

  • Sep 22, 2025 · 14 min

    Aufstand der Geburtshelferinnen: Erster Hebammentag 1890

    Am 22.9.1890 beginnt mit dem ersten preußischen Hebammentag der Kampf der Hebammen um Anerkennung - gegen viele Widerstände. Er dauert an. Bis heute. In diesem Zeitzeichen erzählt Carolin Courts: aus welchem tragischen Grund die Berliner Hebammen 1885 einen Verein gründen, welche Frau den ersten preußischen Hebammentag initiiert, warum die Hygiene in der Geburtshilfe ein Thema auf dem Hebammentag ist, wie prekär die Lage der Hebammen heute noch ist, welche symbolische Anerkennung das Hebammen-Wesen 2023 erhält. 1850 wird in Preußen die Geburtshilfe als Pflichtfach in der ärztlichen Ausbildung eingeführt. Damit ist ein Mittel gefunden, um das Jahrtausende alte Monopol der Frauen in der Geburtshilfe zu brechen. Die Honorare der Hebammen werden zusammengestrichen, das "innerliche und äußerliche Curieren" wird ihnen verboten. 1878 wird die "Instruction für die Hebammen im Königreiche Preußen" erlassen, die den Geburtshelferinnen unter anderem Sittsamkeit und einen nüchternen Lebenswandel vorschreibt. Etwas Vergleichbares gibt es für Ärzte nicht. Von Hebammen wird außerdem fast uneingeschränkte Verfügbarkeit erwartet. Verlassen sie ihren Wohnort länger als 24 Stunden, müssen sie die örtlichen Ärzte darüber informieren. Die fehlende Wertschätzung führt dazu, dass sich die Hebammen zusammenschließen. Sie verhandeln seither ihre Belange gemeinsam. Sie treten auch ein für den Schutz und die Würde der Mütter und der Kinder. Das sind unsere wichtigsten Interviewpartnerinnen: Michelle Rump (Erste Vorsitzende des Landesverbandes der Hebammen in Nordrhein-Westfalen) Mirjam Peters (Professorin für Hebammen-Wissenschaft an der Hochschule in Bochum) Tina Lüpertz (Hebamme in Köln) Weiterführende Links: WDR: Wie finde ich eine Hebamme in der Nähe? NDR: Jeden Tag Geburtstag! - Hebammenstress im Krankenhaus BR: Die Hebamme: Unverzichtbar bei Schwangerschaft und Geburt Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Carolin Courts Redaktion: Matti Hesse

  • Sep 21, 2025 · 14 min

    Er verstand das Sehen: Alhazen, der vergessene Wissenschaftler

    Er erklärt als Erster, wie Sehen wirklich funktioniert - mit Experimenten, Logik und Licht: der arabische Gelehrte Alhazen. Und gerät dennoch fast in Vergessenheit. In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler: warum Alhazen dem Kalifen von Kairo angeblich eine Geisteskrankheit vortäuscht, welch unglücklicher Umstand der Legende zufolge Alhazen anregt, über das Licht zu forschen, welche Erkenntnisse Alhazen aus Experimenten mit einer Camera Obscura gewinnt, wie Alhazen mit seinen Forschungen die Grundsteine bis heute angewandter Experimentalphysik legt. Alhazen wird um das Jahr 965 in Basra, im heutigen Irak, geboren. Anscheinend ist er aber vor allem in Kairo tätig, das im Mittelalter ein wichtiger Ort für die Wissenschaften ist. Weil Alhazen sich mit seinem Vorhaben, einen Nil-Staudamm zu bauen, übernimmt, kommt es zum Zerwürfnis mit dem Kalifen. So jedenfalls behauptet es eine Legende. Alhazen kommt demnach in Hausarrest. Alhazen verwandelt sein Gefängnis in ein Forschungslabor und widmet sich fortan ungestört seinen bahnbrechenden Experimenten, vor allem auf dem Gebiet des Sehens. Akribisch dokumentiert Alhazen in seinem Werk "Buch der Optik", wie er schrittweise die Geheimnisse des Lichts und des menschlichen Auges erschließt. Er hat bereits erste Ideen zu einer Brille, die aber erst 300 Jahre später in Europa vom Mönch Roger Bacon erfunden wird. Alhazen selbst konstruiert die erste Camera Obscura, den Urahn des Fotoapparats, sowie "gläserne Lesesteine" - was einige bis heute behaupten lässt, er habe die Lupe oder sogar die Brille erfunden. Das stimmt so nicht, aber eventuell hat er andere durch sein Werk zu diesen Erfindungen angestiftet. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Peter Adamson, Professor für spätantike und arabische Philosophie in München und am Kings-College in London. David C. Lindberg: Auge und Licht im Mittelalter. Die Entwicklung der Optik von Alkindi bis Kepler. Frankfurt / Main 1987 Hans Belting: Florenz und Bagdad. Eine westöstliche Geschichte des Blicks. München 2008. Weiterführende Links: Planet Wissen: Forschung - Was ist Licht? Planet Wissen: Leben im alten Ägypten Planet Wissen: Der Nil Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Marko Rösseler Redaktion: Matti Hesse Technik: Sarah Fitzek

  • Sep 20, 2025 · 14 min

    Die Rainbow-Warrior-Affäre: mit Sprengstoff gegen Atomprotest

    Ein Schiff versenkt, ein Aktivist tot, ein Minister stürzt. Am 20.9.1985 wird klar: Frankreichs Geheimdienst steckt hinter dem Anschlag auf das Greenpeace-Schiff. In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg: wie die USA in den 1950er Jahren mit Atomwaffentests das Atoll Rongelap verseuchen, über die Evakuierung der Bevölkerung durch Greenpeace, wie die Besatzung die Explosionen auf der "Rainbow Warrior" im Hafen erlebt hat, dass Mitglieder eines Segelclubs die entscheidenden Hinweise zur Aufklärung des Anschlags gegeben haben, warum der Anschlag Greenpeace am Ende sogar stärkte. Es ist das französische Watergate: Am 10. Juli 1985 sinkt die Rainbow Warrior im Hafen von Auckland. Das Greenpeace-Schiff wollte von dort aus gegen französische Atomtests im Pazifik protestieren. Beim Untergang der "Rainbow Warrior" stirbt der Fotograf Fernando Pereira. Neuseeland startet eine groß angelegte Polizeiaktion, um die Hintergründe zu klären. Bald wird klar: Es handelt sich um einen gezielten Anschlag, dessen Spuren direkt zum französischen Geheimdienst führen. Die Weltöffentlichkeit ist fassungslos, die Verantwortlichen in Paris streiten lange ab, davon gewusst zu haben. Doch die Beweise sind erdrückend: Am 20. September 1985 treten Verteidigungsminister Charles Hernu und Geheimdienstchef Pierre Lacoste treten zurück. Und zwei Tage später gibt Frankreich auch offiziell zu, dass sein Geheimdienst das Greenpeace-Schiff auf Befehl versenkt hat. Bis heute ist unklar, ob Präsident François Mitterand von den Anschlagsplänen wusste. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Andreas "Andy" Biedermann, im Juli 1985 Schiffsarzt auf der Rainbow Warrior Benedikt "Benne" Hoffmann, im Juli 1985 Zweiter Offizier auf der Rainbow Warrior The Sunday Times Insight Team: Rainbow Warrior. The French attempt to sink Greenpeace. Hutchinson 1986. Weiterführende Links: Zeitzeichen: 23. März 2001 – Todestag von David McTaggart, Gründer von Greenpeace Stichtag: 13. Oktober 1980 – Erste Greenpeace-Aktion in Deutschland Greenpeace: You can't sink a Rainbow – Das Attentat auf die Rainbow Warrior New Zealand Police: Rainbow Warrior, 40 years on Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Daniela Wakonigg Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa İnci Suvak Technik: Moritz Raestrup