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Der tägliche Podcast über Geschichte von der Antike bis heute, über Europa und die Welt, über die Geschichte der Menschheit: 15 Minuten zu historischen Persönlichkeiten und Erfindungen. Von George Washington bis Rosa Luxemburg, vom Büstenhalter bis Breaking Bad.

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  • Aug 30, 2025 · 14 min

    Rausch und Nerven: Die Welt des Oliver Sacks

    Er nimmt Drogen, rast betrunken auf seiner BMW durch die Wüste. Als Oliver Sacks am 30.8.2015 stirbt, ist er der wichtigste Neurologe des 20. Jahrhunderts. In diesem Zeitzeichen erzählt Ulrich Biermann: warum Oliver Sacks' Mutter zu ihm sagt: "Ich wünschte, Du wärest nie geboren worden." wie der Neurologe zu dem Spitznamen "Dr. Kniebeuge" kommt, warum sich Sacks mit Drogen und Schlafmitteln betäubt, dass Oliver Sacks den Stoff für den oscarnominierten Film "Zeit des Erwachens" liefert. Oliver Sacks' Eltern sind Neurologen, und er tritt in deren Fußstapfen. Aus der Enge des britisch-jüdischen Oberschichts-Elternhauses flüchtet er in die USA. Er genießt die Freiheiten der aufkommenden Hippie-Bewegung, vor allem als homosexueller Mann. Nächtelang rast er auf dem Motorrad durch Kalifornien – nicht immer nüchtern. 1966 nimmt Oliver Sacks eine Stelle in einer Klinik für unheilbar Kranke in New York an. Dort trifft er auf Überlebende der Europäischen Schlafkrankheit, die alle nahezu leblos vor sich hinvegetieren. Es gelingt ihm, sie mit dem neuen Medikament L-Dopa zeitweise aus der Starre zu holen. Das Buch darüber, "Awakenings – Zeit des Erwachens", wird erst als Theaterstück aufgeführt, dann mit Robin Williams und Robert De Niro verfilmt. Oliver Sacks wird fortan zur Stimme der psychisch Kranken und trägt mit seinen Geschichten zur Entstigmatisierung neurologischer Erkankungen bei. Er stirbt am 30. August 2015 mit 82 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Cornelius Borck, Medizinhistoriker Oliver Sacks: Briefe. Hamburg 2025 Oliver Sacks: Stumme Stimmen. Hamburg 1990 Oliver Sacks: Awakenings – Zeit des Erwachens. Hamburg 2008 Weiterführende Links: "My paradoxical mother", Interview mit Oliver Sacks Zeitzeichen 06.04.1870: Geburtstag des Hirnforschers Oskar Vogt Zeitzeichen 17.06.1925: Geburtstag des Chemikers und Pharmakologen Alexander Shulgin Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Ulrich Biermann Redaktion: Frank Zirpins

  • Aug 29, 2025 · 14 min

    Hurrikan Katrina: die Naturkastrophe und das Staatsversagen

    Am 29. August 2005 trifft ein extrem starker Wirbelsturm die US-Golfküste. Er verwüstet die Mississippi-Metropole New Orleans. "Katrina" gerät zum nationalen Trauma. In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg: warum der Wirbelsturm Katrina nicht allein verantwortlich für seine verheerenden Folgen ist, warum in New Orleans rasend schnell das Wasser steigt, warum vor allem Kranke, Alte, Arme und Schwarze in der Stadt zurückbleiben, wie Sparmaßnahmen die Hilfe nach dem Sturm behindern, warum Katrina eine Rassismus-Diskussion auslöst. Trotz aller Warnungen vor dem Hurrikan Katrina sind die Bars im French Quarter der Stadt New Orleans am Vorabend der Katastrophe gut gefüllt. Derweil lädt sich der Sturm über dem warmen Wasser des Golfs von Mexico rasant auf und nimmt Kurs auf Louisianas Küste. Experten warnen vergeblich vor den Folgen eines Hurrikans der Kategorie Fünf. Eine Computersimulation zeigt deutlich, dass die Stadt versinkt, wenn ein tropischer Wirbelsturm der Stärke fünf sie trifft. Mit einer Windgeschwindigkeit von 280 Stundenkilometern erreicht Katrina diese Stufe bereits über dem Golf von Mexiko. Katrina trifft New Orleans in den frühen Morgenstunden am 29. August 2005. Häuser wackeln, aber die Zerstörungen sind nicht übermäßig groß. Die Hoffnung, die Stadt sei noch einmal vergleichsweise glimpflich davongekommen, ist aber verfrüht. 8,5 Meter hohe Wellen drücken gegen die Deiche, die wie Kanäle und Pumpen zum Teil schon hundert Jahre alt sind und dem Druck nicht standhalten. Die Wiege des Jazz versinkt in den Fluten. Unsere wichtigste Quelle und unser Interviewpartner: Prof. Ivor van Heerden, Meereswissenschaftler, ehemaliger stellvertretender Direktor des "Louisiana State University Hurricane Center" Ivor van Heerden and Mike Bryan: The Storm. What went wrong and why during Hurricane Katrina - the inside story of a Louisiana scientist. Penguin Books 2006. Weiterführende Links: Planet Wissen: Stürme Planet Wissen: Musik in New Orleans tagesschau: 20 Jahre nach "Katrina" – Wie Trumps Sparpolitik die Hurrikangefahr verschärft Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Daniela Wakonigg Redaktion: Christoph Tiegel/Sefa Inci Suvak Technik: Alexander Buske

  • Aug 28, 2025 · 14 min

    Der unendliche Zauber fantastischer Geschichten: Michael Ende

    Am 28. August 1995 stirbt der Schriftsteller Michael Ende. "Jim Knopf", "Momo" und "Die unendliche Geschichte" haben ihm Weltruhm und seine Kritiker zum Schweigen gebracht. In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen: welche Begebenheit den Anstoß zu "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" gibt, wie Michael Endes guter Freund Roman Hocke "Die unendliche Geschichte" deutet, was Michael Ende mit Bertolt Brecht zu tun hat, mit welchen Vorwürfen Kritiker auf die Bücher von Michael Ende reagieren, warum der Schriftsteller gegen die Verfilmung von "Momo" vor Gericht zieht. Michael Ende kommt im November 1929 in Garmisch-Partenkirchen zur Welt. Kurz nach seiner Geburt ziehen die Eltern mit ihm nach München, wo er im Künstlerviertel Schwabing aufwächst. Sein Vater Edgar ist Maler, einer der ersten Surrealisten in Deutschland. Seine Kunst wird von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamiert. "Um zu lernen, wie man schreibt", wie Michael Ende sagt, macht er 1948 an der Otto-Falckenberg-Schule in München eine Ausbildung als Schauspieler. Zehn Jahre später setzt er sich an sein erstes Buch "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer". Es wird mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Um dem Rummel zu entgehen, zieht Ende mit seiner ersten Frau nach Italien. Dort entstehen "Momo" und "Die unendliche Geschichte". Nach dem Tod seiner Frau geht Michael Ende 1985 zurück nach München, wo er seine japanische Übersetzerin heiratet und die letzten zehn Jahre seines Lebens verbringt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Roman Hocke (Michael Endes Lektor, Verwalter seines literarischen Nachlasses) Michael Ende: Die unendliche Geschichte. München 2010 Michael Ende: Momo oder Die Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte. Stuttgart 2005 Thomas Hettche: Herzfaden. München 2020 Weiterführende Links: SWR Retro: Verleihung des Kinderbuchpreises 1961 an Michael Ende in Stuttgart Offizielle Webseite von Michael Ende Planet Wissen: Kinderliteratur Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Klasen Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother

  • Aug 27, 2025 · 14 min

    Das Guinness-Buch der Rekorde: vom Pub-Streit zum Weltbestseller

    Ein schneller Vogel und viele Fehlschüsse bringen Guinness-Geschäftsführer Hugh Beaver auf eine Idee: Ein Nachschlagewerk für Rekorde. Am 27.8.1955 erscheint es erstmals. In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer: was das Guinness-Buch der Rekorde mit irischem Bier und einer Marketing-Idee zu tun hat, welche Zwillingsbrüder die ersten Rekorde und Kuriositäten zusammenstellen, was als Grund für den kommerziellen Erfolg des Guinness-Buchs der Rekorde vermutet wird. "Das höchste Gebäude der Welt ist das Empire State Building." Das - zum Beispiel - steht in der ersten Ausgabe des Guinness-Buch der Rekorde. Diese bricht selbst einen Rekord und erobert nach wenigen Monaten noch vor Weihnachten 1955 den Platz Eins der Bestsellerliste. Auch die späteren Ausgaben kommen gut an. 1956 erscheint die erste amerikanische Ausgabe, 1962 die französische und 1963 die erste deutsche. Danach folgen Exemplare auf Dänisch, Japanisch, Hebräisch, Arabisch, Indonesisch, Isländisch und so weiter. Mittlerweile sind es weltweit 40 Sprachen. Heute ist es nicht mehr nur ein Buch: Es gibt auch einen Youtube-Kanal und eine App. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Christian Gaum (Leitung Sportpädagogik, Ruhr Universität Bochum) Guinness World Records 2005. 50-Jahre-Jubiläumsausgabe. Hamburg 2004 Weiterführende Links: Stichtag: 23.01.1803: Todestag des Brauereigründers Arthur Guinness ZDF Magazin Royale: Officially Amazing (not): Guinness World Records Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang Meyer Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins

  • Aug 26, 2025 · 14 min

    Lidia Poët: von der ausgestoßenen Anwältin zum Serienstar

    Am 26.8.1855 wird in einem kleinen Alpendorf Lidia Poët geboren. Sie wird die erste Anwältin Italiens - aber um ihre endgültige Zulassung muss sie jahrzehntelang kämpfen. In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk: zu welchem Thema Lidia Poët ihre Doktorarbeit schreibt, wodurch die Juristin selbst zum Rechtsfall wird, wie viele Jahre sie auf ihre dauerhafte Zulassung als Anwältin warten muss, welche Chancen Frauen in Rechtsberufen zu dieser Zeit in den USA und Europa haben, was über das Privatleben von Lidia Poët bekannt ist. Lidia Poët wird am 26. August 1855 in Perrero geboren - 60 Kilometer von Turin entfernt. Sie ist das jüngste von sieben Geschwistern einer wohlhabenden Familie. Vater Giovanni ist Bürgermeister. Lidia legt das Abitur ab und geht in die Schweiz, um Gymnasiallehrerin für Deutsch, Englisch und Französisch zu werden. Doch anstatt als Lehrerin zu arbeiten, schreibt sich die 22-jährige in Turin für das Jurastudium ein. Denn seit ein paar Monaten sind Frauen in Italien zum Studium zugelassen. Das ist damals noch Neuland: In Italien werden Frauen im 19. Jahrhundert rechtlich ähnlich behandelt wie Minderjährige. Sie dürfen nicht wählen und keine öffentlichen Ämter ausüben. Sie besitzen weder das volle Verfügungsrecht über ihr Vermögen noch über ihre Kinder. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professorin Angelika Nußberger (Akademie für europäischen Menschenrechtsschutz Universität zu Köln) Marion Röwekamp (Juristin und Historikerin, Autorin eines Lexikons über frühe deutsche Juristinnen) Ilaria Iannuzzi, Pasquale Tammaro: Lidia Poët, la prima avvocata. Milano 2024 Francesca Tacchi: Eva togata - Donne e professioni giuridiche in Italia dall’Unità a oggi. Turin 2010 Weiterführende Links: Zeitzeichen 11.10.1872: Die Frauenrechtlerin Emily Davison wird geboren Zeitzeichen 17.04.1896: Richterin Maria Hagemeyer wird geboren Zeitzeichen 06.12.1909: Suffragettes Self-Defence Club gegründet Zeitzeichen 30.11.1918: Frauenwahlrecht in Deutschland Zeitzeichen 20.12.1943: Todestag von Juristin Anita Augspurg Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Maren Gottschalk Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak Technik: Nicolas Dohle

  • Aug 25, 2025 · 14 min

    Mutter aller Fake-News? Die New York Sun "entdeckt" den Mond

    Die New York Sun berichtet ab 25.8.1835 über Fledermausmenschen und Tempel auf dem Mond. Als Satire gedacht, wird es die Geburtsstunde des Boulevardjournalismus. In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann: wie die Satire-Idee des Journalisten Richard Adams Locke völlig nach hinten losgeht, von der Geburt der Fledermausmenschen, die auf dem Mond fliegen, sprechen, Kunst schaffen und Tempel bauen, was es mit dem kosmischen Pluralismus auf sich hat, vom Konzept der "Penny Papers", wie Zeitungen im 19. Jahrhundert Falschmeldungen einfach voneinander abschreiben. Es ist die Sensation im Sommer 1835 - die New Yorker Morgenzeitung "The Sun" druckt einen Bericht aus dem "Edinburgh Journal of Science", wonach der renommierte Wissenschaftler Sir John Herschel mit seinem Teleskop auf der Mondoberfläche Pflanzen, Bäume und seltsame Fabelwesen entdeckt hat. Weil die Geschichte sich so gut verkauft, wird eine sechsteilige Reihen daraus. Sun-Herausgeber Benjamin Day verdient gut mit den Artikeln. Schon wenige Tage nach der Veröffentlichung bringt er die ganze Sache gesammelt als illustrierten Nachdruck für einen Vierteldollar pro Exemplar heraus. Er hat kein Interesse daran, die Falschmeldung aufzudecken. Erst zwei Wochen nachdem der letzte Teil der Serie in der Sun erscheint, kommt die Wahrheit ans Licht. Schaden erleidet die Sun durch die Enthüllung nicht, im Gegenteil: Sie wird nach dem großen Mond-Schwindel eine der meistgelesenen Zeitungen der Welt. Das Konzept der "Penny Papers" wird auch von anderen Herausgebern aufgegriffen. Es ist der Geburtsstunde des Boulevardjournalismus. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Matthew Goodman, Autor des Buches “The Sun and The Moon” Dr. Tobias Jogler, Astropyhsiker, Leiter des LWL-Planetariums Münster Matthew Goodman: The Sun and the Moon. New York 2008 Weiterführende Links: Planet Wissen: Der Mond Planet Wissen: Astronomie Planet Wissen: Fake News – die Macht der Falschmeldungen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Tiemann Redaktion: Sefa Inci Suvak

  • Aug 24, 2025 · 14 min

    Ein Manifest gegen Frauenhass im Mittelalter: Christine de Pizan

    Im Jahr 1405 wagt eine Frau in Paris das Unvorstellbare: Sie widerspricht. Christine de Pizans "Stadt der Frauen" ist ein Meilenstein feministischer Literaturgeschichte. In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Belemann: wie Christine de Pizan dafür sorgt, dass sie als Frau und Autorin zu Lebzeiten sichtbar ist, wie übel das Schicksal Christine ab 1380 mitspielt, warum sie als Schriftstellerin im 14. Jahrhundert zunächst Geld mitbringen muss, bevor sie welches verdient, dass über Christine de Pizans Tod wenig bekannt ist. Christine de Pizan wird in Venedig als Tochter des Arztes Tommaso da Pizzano geboren. Als ihr Vater zum Astrologen und Leibarzt von König Karl V., genannt der Weise, ernannt wird, kommt Christine als Vierjährige nach Paris. Ihrem Vater verdankt sie eine gute Bildung in Latein, Geometrie und Arithmetik, die sie durch Lektüre theologischer und profaner Literatur in französischer und lateinischer Sprache erweitert. Als kurz hintereinander ihr Vater und der Ehemann sterben, muss die alleinerziehende Mutter Christine de Pizan ab 1390 zusehen, wie sie sich, ihre Kinder, ihre Mutter und weitere Familienangehörige ernährt. Um Geld zu verdienen, besinnt sie sich auf ihr dichterisches Talent und beginnt zu schreiben. In schneller Folge entstehen Erziehungsratgeber, eine Biographie über König Karl V., religiöse Texte und sogar ein Buch über das Waffenhandwerk. 1405 veröffentlicht sie "Das Buch von der Stadt der Frauen". Eine Streitschrift und eine Antwort auf die Flut hasserfüllter Reden gegen Frauen, die um 1400 Konjunktur haben. Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin: Prof. Margarete Zimmermann, Romanistin und Übersetzerin der Werke Christine de Pizans Weiterführende Links: Planet Wissen: Die Renaissance Planet Wissen: Einflussreiche Frauen im Mittelalter Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Claudia Belemann Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins

  • Aug 23, 2025 · 14 min

    Der Untergang der HMS Wager: Schiffbruch am Ende der Welt

    Am 23.8.1740 sticht die britische HMS Wager für eine riskante Mission in See. Was folgt, ist eine nahezu unglaubliche Geschichte von Heldenmut, Feigheit und Überlebenskampf. In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer: wie ein abgetrenntes Ohr einen militärischen Konflikt auslöst, mit welch abenteuerlicher Crew die HMS Wager auf gefährliche Fahrt geht, welche Herausforderungen die Passage um das Kap Horn bereithält, warum die juristische Nachbereitung des Wager-Schicksals verpufft. Die Geschichte der HMS Wager handelt von Seenot, Schiffbruch und vom Überlebenskampf ihrer Besatzung. Zu der gehört John Bulkeley, der Herr über die Kanonen auf der Wager. Der Dreimaster mit 28 Kanonen soll 1740 als Teil einer Kriegsflotte eine spanische Galeone kapern und ihr Gold rauben. Im Sturm vor Kap Horn verliert sich die englische Flotte. Die Wager unter Käpt'n David Cheap stemmt sich allein gegen die tobende See - und verliert den Kampf. Im Mai 1741 sinkt die HMS Wager vor der chilenischen Küste. Nach dem Schiffbruch führen Auseinandersetzungen zwischen Offizieren und Mannschaft zu einem Zusammenbruch der Disziplin. 81 Männer machen sich unter dem Geschützmeister John Bulkeley in kleinen Booten auf den Weg, um über die Ostküste Südamerikas nach England zurückzukehren. 20 Männer, darunter Kapitän Cheap, bleiben auf einer Insel, die heute den Namen "Wager Island" trägt. Nach einer Reihe von Katastrophen schaffen es gerade einmal zehn der ursprünglich 120 Mann nach England zurück - sechs aus Bulkeleys Gruppe und vier aus der Gruppe von Kapitän Cheap. Das sind unsere wichtigsten Quellen und unser Interviewpartner: Professor (em.) Robert Bohn, Historiker, Kiel David Grann: Der Untergang der Wager, München 2024 John Bulkeley und John Byron: The loss of the Wager. The narratives of John Bulkeley and the Hon. John Byron, London 1983 Weiterführende Links: Planet Wissen: Die Geschichte der Seefahrt Zeitzeichen: 10.08.1519 - Die Flotte von Fernando Magellan bricht zur Weltumsegelung auf Stichtag: 01.08.1819 - Geburtstag von Herman Melville Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Herwig Katzer Redaktion: Matti Hesse

  • Aug 22, 2025 · 14 min

    Wie der IS-Terror das Weltkulturerbe Palmyra verwüstet

    Fast 100 Jahre lang haben Archäologen die prächtigen Ruinen von Palmyra für die Welt sichtbar gemacht. Im August 2015 beginnt deren brutale Zerstörung durch Terroristen. In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach: wie der IS die historische Stätte für ein grausames Schauspiel missbraucht, wie Palmyra ab dem 3. Jahrhundert zur "Königin der Wüste" wird, welche tragende Rolle Kamele bei der Warenpreisfindung spielen, warum die Römer in der Antike sogar in ihrem Nachtisch Pfeffer verwenden. Die martialisch vermummten Kämpfer der Terrorgruppe "Islamischer Staat" präsentieren sich wie antike Feldherren in Siegerpose auf den Ladeflächen ihrer Pickups: Im Mai 2015 erobern sie die syrische Oasenstadt Tadmor mit den weltberühmten Ruinen der antiken Stadt Palmyra. Wenige Monate später beginnen die Sprengungen der monumentalen Ruinen durch den IS. Nach dessen Vertreibung aus Palmyra offenbaren Satellitenbilder das Ausmaß der Zerstörungen: Der Bel- und der Baalshamin-Tempel, der Triumphbogen, Teile der fast 1,5 km langen Säulenstraße quer durch die antike Stadt sind verwüstet. In Palmyra ist nichts mehr wie es war. Unschätzbare Funde sind für das kulturelle Gedächtnis Syriens für immer verloren. Münzen, Gold, Silber, Bronzen, Statuetten verkauft der Islamische Staat übers Darknet auf dem internationalen Schwarzmarkt. Abnehmer gibt es genug. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Dr. Michael Sommer, Althistoriker, Universität Oldenburg Michael Sommer: Palmyra. Biografie einer verlorenen Stadt. Darmstadt 2017 Paul Veyne: Palmyra. Requiem für eine Stadt. München 2016 Weiterführende Links: Planet Wissen: Das antike Rom Planet Wissen: Weltweiter Handel Monitor: Sieg über den IS? Die verschwiegenen Opfer der US-Koalition Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak Technik: Sascha Schiemann

  • Aug 21, 2025 · 14 min

    Kreativität als Kampfzone: Künstler Christoph Schlingensief

    Er provoziert mit Kettensägen und toten Hasen - ist verletzlich und bewegt sich stets zwischen Trash und Kunst. Christoph Schlingensief stirbt am 21.08.2010 in Berlin. In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld: wie ein produktiver Fehler den Künstler in Schlingensief weckt, von Schlingensiefs ersten Filmproduktionen mit der Kamera des Vaters, mit welchem Projekt Schlingensief in Wien Proteste, aber auch entlarvende Zustimmung provoziert, wie Schlingensief sein eigenes Leben und Sterben künstlerisch verarbeitet. Christoph Schlingensief dreht schon als Kind mit der Kamera des Vaters und Freunden Filme: Slapstick, Stop-Trick, Krimis. Den ersten künstlerischen Gehversuchen folgen Film, Theater, Hörspiele und öffentliche Performances. Mit Anfang 40 ist Christoph Schlingensief einer der bekanntesten und umstrittensten Künstler seiner Zeit: 1997 wird er wegen Störung der öffentlichen Ordnung auf der Documenta in Kassel verhaftet. Anfang 2008 wird bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert und ein Lungenflügel entfernt. Christoph Schlingensief spricht öffentlich über seine Erkrankung. Auch dafür wird er kritisiert, doch viele Menschen sind berührt von seiner Offenheit. Schlingensief stirbt am 21. August 2010 mit 49 Jahren in Berlin. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Sven Lindholm, Szenische Forschung Ruhr-Uni Bochum, Regisseur und Medienkünstler Christoph Schlingensief: Ich weiß, ich war’s. Nachgelassene biographische Texte zu Leben und Werk, hrsg. von Aino Laberenz. Köln 2012 Christoph Schlingensief: Kein falsches Wort jetzt. Gespräche, hrsg. von Aino Laberenz. Köln 2020 Schlingensief.com: Offizielle Archiv-Seite mit Filmen, Hörstücken, Interviews, Bildern, Texten zu Leben und Werk Weiterführende Links: Planet Wissen: Richard Wagner - Die Familiendynastie der Wagners Zeitzeichen: 26. Juli 1882 - Uraufführung von Richard Wagners "Parsifal" in Bayreuth Zeitzeichen: 5. März 1922 - Filmregisseur Pier Paolo Pasolini wird geboren Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christian Kosfeld Redaktion: Sefa Inci Suvak

  • Aug 20, 2025 · 15 min

    Mit der Kleinen Eiszeit kommt das große Zittern über Europa

    Im Jahr 1560 mehren sich Berichte über Kälte, Ernteausfälle und verschobene Jahreszeiten. Die Kleine Eiszeit stellt die Menschen in Mitteleuropa vor extreme Probleme. In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Mau: wie lange die Kleine Eiszeit dauert, wie in den Berner Alpen die Gletscher wachsen und Wiesen, Bauernhäuser sowie eine Kapelle unter sich begraben, warum die Bevölkerung versucht, mit Bußgottesdiensten und Prozessionen gegen die Witterung vorzugehen, weshalb bei den extremen Wetterverhältnissen die Hexenverfolgung eskaliert, welche Erklärungen es für die Ursache der Kleinen Eiszeit gibt. Mit dem Begriff Kleine Eiszeit ist kein Erdzeitalter gemeint, sondern eine jahrhundertelange Kälteepoche mehr als 10.000 Jahre nach der letzten großen Eiszeit. Sie stellt die Gesellschaften Mitteleuropas vor extreme Herausforderungen. Zumal auch noch die Pest wütet und die Folgen des Dreißigjährigen Krieges die Menschen plagen. Die Krisen jener Zeit sorgen für gesellschaftliche Veränderungen, die bis heute nachwirken. Die Kleine Eiszeit beginnt etwa in der Mitte des 16. Jahrhunderts - nach einer wärmeren Phase im späten Mittelalter, als in Köln, Duisburg und England noch Wein angebaut wird. Besonders kalt ist es während der sogenannten Grindelwald-Fluktuation. Dieser Begriff bezeichnet eine Phase zwischen 1560 und 1630, in der der Schweizer Grindelwald-Gletscher in den Berner Alpen besonders stark wächst. Im Mittel ist es zu dieser Zeit etwa zwei Grad Celsius kälter als die Durchschnittstemperatur im 20. Jahrhundert. Es folgen immer wieder besonders kalte Winter auf besonders nasse Sommer. Der Lebensmittelanbau kommt ins Stocken. Viele Menschen müssen hungern. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Rüdiger Glaser (Lehrstuhl für Physische Geographie an der Universität Freiburg) Philipp Blom (Schriftsteller, Autor, Historiker) Wolfgang Behringer: Kulturgeschichte des Klimas. München 2007 Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropas. Darmstadt 2008 Philipp Blom: Die Welt aus den Angeln. München 2017 Das ist unser Hörtipp: Quarks Daily: Plötzlich Hochwasser - Können wir uns überhaupt schützen? Weiterführende Links: Zeitzeichen im Jahr 1603: Das erste deutsche Leihaus eröffnet - weil die Kleine Eiszeit für Armut sorgt tagesschau.de: Klimageschichte und ihre Temperaturabweichungen Terra X: Eiszeit in Europa - 5 spannende Fakten Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Mau Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

  • Aug 19, 2025 · 14 min

    Schrödingers Katze: Das Symbol der Quantenphysik

    Tot und lebendig zugleich? Erwin Schrödingers Gedankenexperiment sprengt unser Weltbild. Und selbst manche Physiker verzweifeln daran. Am 19.8.1935 wurde sie "geboren". In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg: was es mit dem Gedankenexperiment von "Schrödingers Katze" auf sich hat, wie Physik und Quantenphysik zueinander in Beziehung stehen, welche zwei Physiker-Gruppen sich in den 1920er-Jahren über die Interpretation der Quantenphysik streiten, was Max Planck, Albert Einstein und Niels Bohr mit der Quantenphysik zu tun haben, welche Rolle Quantenphysik in unserem Alltag spielt. Die Quantenphysik beschäftigt sich mit den Naturgesetzen im atomaren und subatomaren Bereich. Unsere materielle Welt ist zusammengesetzt aus einer Vielzahl von Quantenobjekten: Atome, die ihrerseits aus unzähligen weiteren Quantenobjekten wie Elektronen, Protonen und Neutronen bestehen. Quanten sind kleinste Einheiten von Energie, Materie oder anderen physikalischen Eigenschaften. Jedes dieser Quantenobjekte für sich genommen unterliegt den Gesetzen der Quantenmechanik und kann in Überlagerungszuständen gegensätzliche Eigenschaften zur selben Zeit haben. Doch je mehr Quantenobjekte zusammenkommen zu komplexen Molekülsystemen wie Menschen, Tieren oder Objekten, desto weniger gelten die Gesetze der Quantenmechanik. Das klingt kompliziert? Das finden auch Experten. Der Physiker Richard Feynman hat einmal gesagt: "Ich verstehe die Quantenphysik nicht wirklich und ich glaube, es gibt niemanden, der sie wirklich versteht." Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Gernot Münster (emeritierter Professor für Theoretische Physik an der Universität Münster) Brigitte Röthlein: Schrödingers Katze. Einführung in die Quantenphysik. München 1999 John Gribbin: Auf der Suche nach Schrödingers Katze. Quantenphysik und Wirklichkeit. München 1991 Wolfgang W. Osterhage: Eine Rundreise durch die Quantenphysik. Von der Unschärferelation bis zu Schrödingers Katze. Heidelberg 2014 Weiterführende Links: ARD-Archivradio: Erwin Schrödingers Vortrag "Unsere Vorstellung von der Materie" Zeitzeichen 06.02.1924: Albert Einstein erklärt die Relativitätstheorie im Rundfunk Zeitzeichen 04.10.1947: Todestag von Max Planck Zeitzeichen 18.11.1962: Todestag von Niels Bohr Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Daniela Wakonigg Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Moritz Raestrup

  • Aug 18, 2025 · 14 min

    Laborheld und Kinderliebling: Siegeszug des Goldhamsters

    Alle Goldhamster weltweit stammen von vier Tieren ab - ein Inzucht-Experiment. Der erste Wurf in Gefangenschaft kommt am 18.8.1930 in Jerusalem zur Welt. In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler: wer den Syrischen Goldhamster, den Vorläufer des heutigen Goldhamsters, im 18. Jahrhundert zum ersten Mal schriftlich erwähnt, warum Hamster-Mütter in besonderen Fällen ihren Nachwuchs totbeißen, woran Labor-Weibchen die von ihnen zur Paarung favorisierten Wild-Männchen erkennen, weshalb Kinder und Hamster nur schlecht zusammenpassen. 1930 untersuchen Forscher der Universität Jerusalem die Entstehung und Übertragung einer Tropenkrankheit. In Tierversuchen sollen Behandlungsmöglichkeiten erforscht werden. Dafür werden chinesische Streifenhamster genutzt, die aber teuer importiert werden müssen. Sie im Labor zu züchten, gelingt offenbar nicht. Deshalb sollen syrische Hamster als Ersatz dienen. Eine Expedition gräbt schließlich in der Gegend von Aleppo auf einem Weizenfeld ein Hamster-Nest aus - mit einer Mutter und elf Jungen. Davon überleben schließlich vier Geschwister: ein Weibchen und drei Männchen. Da neugeborene Tiere nach rund einem Monat selbst geschlechtsreif sind, beginnt schon bald die Zucht. Am 18. August 1930 werden im Parasitologischen Institut der Hebräischen Universität Jerusalem die ersten Goldhamster in Gefangenschaft geboren. Sie erweisen sich als leicht zu reproduzierende Labortiere mit erstaunlicher Fertilität - ein einziger Wurf bringt im Schnitt acht Junge. Auch als Haustiere werden sie entdeckt. Sie alle sind direkte Nachkommen der vier Hamster-Geschwister aus Aleppo. Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner: Peter Fritsche (Verhaltensbiologe, Spezialgebiet Hamster) Anna Lena Reister (Hamsterhilfe NRW) Weiterführende Links: ARD-Wissen: Was treibt die Hamster ins Hamsterrad Wissen macht Ah: Warum haben Hamster Backentaschen, und was ist "hamstern"? Löwenzahn: Hamster Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Marko Rösseler Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Sarah Fitzek

  • Aug 17, 2025 · 14 min

    Die Freimaurer: eine Loge im Fadenkreuz der NS-Propaganda

    Die Freimaurer stehen für eine Welt mit Toleranz, Freiheit und Humanität. Am 17.8.1935 werden sie von den Nationalsozialisten als "verschwörerischer Geheimbund" verboten. In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug: warum Freimaurer sich selbst nicht als Geheimgesellschaft verstehen, wie die Freimaurer sich schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts vom Handwerkerbund zur geistig-symbolischen Gemeinschaft wandeln, wie sich bei den Freimaurern auch nationalistische und antisemitische Tendenzen breitmachen, wen Rudolf Hess als "abgefeimteste Feinde" ausmacht. Schon Anfang der 1930er beginnen die Nationalsozialisten mit Einschüchterungen und auch mit der Auflösung von Freimaurerlogen. Das offizielle Verbot folgt 1935, wird damals allerdings nicht einmal im Reichsgesetzblatt veröffentlicht. Lediglich eine ministerielle Verfügung geht an die Behörden und Polizeistellen, die das Verbot durchsetzen sollen. Das Vermögen der Freimaurer wird beschlagnahmt, ihre Bibliotheken geplündert. Ab 1945 bauen die Freimaurer unter schwierigen Bedingungen ihre Strukturen in Deutschland wieder auf. Logenhäuser müssen wiederhergestellt, Ritualgegenstände aufgebaut werden. Gegen eine Folge des Verbots während des Nationalsozialismus kommen die Freimaurer bis heute nicht an: Verschwörungsmythen über die Gesellschaft. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Werner H. Heussinger, Ökonom, Autor und Vorsitzender einer Freimaurerloge Werner H. Heussinger, Heike Görner, Ralph-Dieter Wilk und Hans-Peter Quandt: Freimaurer in Deutschland zwischen den Weltkriegen. Verfolgt, verboten, wiederauferstanden. München 2021 Weiterführende Links: Planet Wissen: Freimaurer Planet Wissen: Wie Deutschland 1933 zur Diktatur wurde Stichtag: 17. August 1987 - Rudolf Heß bringt sich im Gefängnis um Die Logen der "Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland" Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Klug Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak Technik: Holger Maerten

  • Aug 16, 2025 · 14 min

    Kaschmir: ein Paradies im ständigen Belagerungszustand

    So schön die Region am Fuß des Himalayas ist, so konfliktbeladen ist sie seit Jahrzehnten. Im August 1965 beginnt der zweite Kaschmir-Krieg zwischen Indien und Pakistan. In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Pfaff: wie Trump sich 2025 im Kaschmirkonflikt mal wieder selbst Lorbeeren verleiht, was der britische Vizekönig Lord Mountbatten im August 1947 mit viel Pathos und Naivität verkündet, in welcher Angelegenheit USA und Sowjetunion in den 1960ern überraschend einmütig handeln, warum man bis heute nicht weiß, was die Menschen in Kaschmir selbst wollen. Die Region Kaschmir mit ihren Grenzen zu Indien, Pakistan und China ist strategisch wichtig. Seit 1949 ist sie geteilt in einen indischen Teil mit 12,5 Millionen Menschen und einen pakistanischen mit knapp fünf Millionen. Es ist eines der am stärksten militarisierten Gebiete der Welt: Allein im indischen Teil sind 500.000 Soldaten und Paramilitärs stationiert. Im August 1965 startet Pakistan den zweiten Versuch, Kaschmir zu erobern - oder, aus pakistanischer Sicht, zu befreien. Anfangs gelingen Geländegewinne, doch man hat sich verkalkuliert. Die indische Armee kontert mit einem militärischen Gegenschlag außerhalb von Kaschmir im pakistanischen Punjab. Es droht ein langer Stellungskrieg. Auf Drängen der USA, Sowjetunion und der UNO wird ein Abkommen geschlossen, das gerade mal fünf Jahre hält. Schon 1971 kommt es zum nächsten Krieg zwischen Indien und Pakistan. Pakistan verliert dabei seinen östlichen Teil, der sich als Staat Bangladesch unabhängig erklärt. Das ist unsere wichtigste Quelle und unsere Interviewpartnerin: Pascale Schild, Ethnologin an der Universität Basel und Friedensforscherin bei Swisspeace Arundhati Roy: Das Ministerium des Äussersten Glücks. Frankfurt 2017 Weiterführende Links: Planet Wissen: Kolonialismus - Europas Kolonien Planet Wissen: Asien - Indien Stichtag: 14. August 1947 - Indien und Pakistan werden unabhängig Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Pfaff Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse Technik: Beate Prantner

  • Aug 15, 2025 · 14 min

    Ein Betrugsskandal erschüttert Versailles: Die Halsband-Affäre

    Versailles, 15.8.1785: Kardinal de Rohan wird verhaftet - wegen eines Betrugs um ein Collier von unfassbarem Wert. Ein Vorspiel zur Französischen Revolution. In diesem Zeitzeichen erzählt Anja Reinhardt: in welcher Situation Kardinal de Rohan festgenommen wird, warum Königin Marie Antoinette den Kardinal seit ihrer Jugend nicht ausstehen kann, wie raffiniert die Drahtzieherin der Affäre, Jeanne de la Motte, ihre Intrige inszeniert, wie teuer das Diamant-Halsband ist, das König Ludwig XVI. für seine Frau zum Kauf angeboten wird, weshalb die Halsband-Affäre zum Sturz des Ancien Régime beiträgt. Die Halsband-Affäre am Hof von König Ludwig XVI. hat einen langen Vorlauf: Kardinal de Rohan, der das höchste geistliche Amt bekleidet, möchte die Gunst des Herrschers erlangen. Darum versucht er zunächst, einen guten Kontakt zu Königin Marie Antoinette aufzubauen. Rohans Wunsch ist so groß, dass er der Betrügerin Madame de La Motte gern glaubt. Sie genießt angeblich das Vertrauen der Königin und bietet dem Kardinal eine unglaubliche Chance: Er kann für die Königin ein teures Collier kaufen und in mehreren Raten bezahlen, um später das Geld von der Herrscherin zurückzuerhalten. Doch das Halsband kommt nie bei der Königin an und die Raten nicht beim Hofjuwelier. De la Motte verkauft das Schmuckstück auf eigene Rechnung. Der Kardinal wird vor Gericht zwar freigesprochen, aber der Skandal hat politische Auswirkungen: Das Ancien Régime ist am Ende. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Michaela Lindinger (Kuratorin im Wien Museum) Leonhard Horowski (Historiker) Michaela Lindinger: Marie Antoinette. Wien 2023 Leonhard Horowski: Das Europa der Könige. Hamburg 2018 Benedetta Craveri: Marie Antoinette und die Halsbandaffäre. Berlin 2015 Stefan Zweig: Marie Antoinette. Leipzig 1932 Weiterführende Links: Zeitzeichen 16.05.1770: Marie Antoinette heiratet den französischen Dauphin Ludwig-August Zeitzeichen 11.12.1792: Der Prozess gegen König Ludwig XVI. beginnt Planet Wissen: Die Französische Revolution Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Anja Reinhardt Redaktion: Matti Hesse

  • Aug 14, 2025 · 14 min

    Vom Flop zum Kult: Die Geburt der "Rocky Horror Picture Show"

    Am 14.8.1975 kommt das Trash-Musical in London ins Kino - und floppt. Heute gilt es als Kultfilm der queeren Szene und Symbol sexueller Befreiung. In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka: wie durch einen Marketing-Trick aus einem Flop doch noch ein Hit gemacht wird, was den Erfolg der "Rocky Horror Picture Show" ausmacht, wie ein ehemals mäßig erfolgreicher Apostel einen Blockbuster kreiert, welche Bezüge zur Kulturgeschichte in der Show eingebaut sind, was die "Rocky Horror Picture Show" mit dem "Weißen Hai" zu tun hat. Die "Rocky Horror Picture Show" ist an grandioser Verrücktheit kaum zu überbieten: Ein Außerirdischer aus der Galaxie Transsylvanien will einen künstlichen Menschen erschaffen. Vorher muss er jedoch den Rocker Eddie beseitigen, der aus dem Eisschrank ausgebrochen ist. Das biedere Paar Brad und Janet verliert in der Nacht nicht nur seine Unschuld, sondern weiß bald gar nicht mehr so genau, wer es eigentlich ist. Das Ende der 1960er und die frühen 1970er sind eine angstbesetzte Zeit für viele homosexuelle und queere Menschen. Ein Coming-out ist schwierig. Umso gewagter erscheint die "Rocky Horror Picture Show": Lustvoll verstößt sie gegen alle gängigen Normen und Moralvorstellungen. Für viele junge Schwule und Lesben wirkt sie wie eine Befreiung. Der Reiz der "Rocky Horror Picture Show" ist unverwüstlich: Die "Museum Lichtspiele" in München zeigen den Film seit nunmehr 48 Jahren ununterbrochen jedes Wochenende. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Dr. Susanne Bach, Anglistin an der Universität Kassel Matthias Stolz, Kino-Betreiber Prof. Dr. Susanne Bach: Vom B-Movie zum Be-Movie. The Rocky Horror Picture Show. In: Angela Fabris und Jörg Helbig (Hg.): Science-Fiction-Kultfilme. Marburg 2016 Mick Rock: Rocky Horror. Das Buch zum Kultfilm. Berlin 2005 Jeffrey Andrew Weinstock (Hg.): Reading Rocky Horror. The Rocky Horror Picture Show and Popular Culture. New York 2008 Weiterführende Links: Stichtag: 20. Januar 1980 - Deutsche Bühnenpremiere der "Rocky Horror Show" Planet Wissen: "Rocky Horror Show" Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Christiane Kopka Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Theo Kramer

  • Aug 13, 2025 · 14 min

    Der vergessene Krieg: Die Schlacht bei Warschau 1920

    Am 13.8.1920 beginnt die Schlacht um Warschau. Polen schlägt überraschend die sowjetische Rote Armee zurück. Wurde so die bolschewistische Weltrevolution verhindert? In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog: wie konfliktreich es nach dem Ersten Weltkrieg in Osteuropa weitergeht, welche Bevölkerungsgruppe unter den polnisch-sowjetischen Kämpfen am meisten leidet, mit welcher Taktik es den Polen gelingt, Warschau zu verteidigen, warum es in Warschau einen Gedenkstein für den polnischen Priester Ignacy Skorupka gibt, was Stalin von der Grenzziehung im Riga-Vertrag von 1921 hält. Der Erste Weltkrieg endet in Westeuropa 1918. Der östliche Teil des Kontinents hingegen versinkt in einer Reihe bewaffneter Regionalkonflikte - alle ausgelöst durch den Kollaps der europäischen Kaiserreiche: Russland, Österreich-Ungarn und Deutschland. Ein Machtvakuum entsteht. Wie andere osteuropäische Länder erklärt auch Polen seine Unabhängigkeit und beansprucht seine alten Staatsgrenzen. Doch das widerspricht den sowjetischen Interessen. Es kommt zum Polnisch-Sowjetischen Krieg. Nach anfänglichen Erfolgen muss die polnische Armee die eroberten Gebiete weitgehend aufgeben. Im August 1920 stehen sowjetische Truppen kurz vor Warschau. Dann gelingt es der polnischen Armee überraschend, die Rote Armee zu stoppen. Der Preis für das "Wunder an der Weichsel": 10.000 sowjetische Leben und 4.500 polnische. Der Wendepunkt sichert Polens Unabhängigkeit - vorläufig. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Stephan Lehnstaedt (Lehrstuhl für Holocauststudien, Touro University, Berlin) Professor Maciej Górny (Polnische Akademie der Wissenschaften) Stephan Lehnstaedt: Der vergessene Sieg - Der Polnisch-Sowjetische Krieg 1919-1921 und die Entstehung des modernen Osteuropa. München 2019 Maciej Górny: Der vergessene Weltkrieg - Europas Osten 1912-1923. Stuttgart 2018 Weiterführende Links: SWR: Der polnisch-sowjetische Krieg 1919 bis 1921 - Weichenstellung für Osteuropa? BR: Polen und Russland - Im Schatten des imperialen Nachbarn Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Martin Herzog Redaktion: Matti Hesse

  • Aug 12, 2025 · 15 min

    Japans "Titanic-Moment": Der Absturz von Flug "JL 123"

    Bei keinem einzelnen Flugzeugabsturz sind bisher mehr Menschen gestorben als beim Absturz von Flug "JL 123" am 12.08.1985. Doch Japan hat aus dem Unglück gelernt. In diesem Zeitzeichen erzählt Frank Zirpins: wie eine überlebende JAL-Stewardess die Situation im abstürzenden Flugzeug schildert, wie erstaunlich lange die Piloten die Maschine noch in der Luft halten können, welche Nachrichten die verzweifelten Passagiere für ihre Angehörigen notieren, warum in Japan immer wieder eine Neuuntersuchung des Unglücks gefordert wird, wie die Japan Airlines seit 2006 an den Absturz erinnert. Um 18.12 Uhr hebt der Jumbo-Jet der Japan Airlines ab. An Bord des Fluges "JL 123" sind 509 Passagiere. Geschäftsleute wie der Präsident des Baseball-Teams Hanshin-Tigers. Ein bekannter Sänger. Menschen auf dem Weg zu ihren Verwandten in Osaka, um das Obon-Fest zu feiern - wie ein Neunjähriger, der zum ersten Mal allein zu den Großeltern fliegen darf. Betreut wird das Flugzeug von 15 Besatzungsmitgliedern, drei davon im Cockpit. Plötzlich kommt es zu einem Druckverlust. Die Kabinenluft entweicht explosionsartig. In der Kabine bildet sich weißer Rauch, Teile der Deckenverkleidung fallen herunter. Das Heck des Jumbos wird abgesprengt. Das Flugzeug verliert sein Leitwerk - und kann nicht mehr gesteuert werden. Es rast in einen Bergkamm. 520 Menschen sterben beim Absturz, doch es gibt auch Überlebende: vier Frauen können gerettet werden. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Christopher P. Hood (Japanologe, Universität Cardiff) Andreas Spaeth (Flugforensik.de) Weiterführende Links: Zeitzeichen Sonderfolge vom 24.3.2025 zur Germanwings-Katastrophe vom 24.03.2015: Der Germainwings-Flug 4U9525 stürzt ab Stichtag 28.08.1988: Flugschau-Katastrophe in Rammstein Stichtag 25.07.2000: Absturz der "Concorde" bei Paris Stichtag 12.11.2001: Airbus-Absturz über New York Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Frank Zirpins Redaktion: David Rother

  • Aug 11, 2025 · 14 min

    Antiker Cold Case: Mord an der Universalgelehrten Hypatia

    Hypatia ist einzigartig für eine Frau der Antike: Sie ist Mathematikerin, Philosophin, Astronomin und politische Beraterin. 415 wird sie von christlichen Fanatikern ermordet. In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach: was Kyrill, der Patriarch von Alexandria, mit dem Lynchmord zu tun haben könnte, wie die Philosophin die Lehren von Platon und Aristoteles unter die Bevölkerung Alexandrias bringt, warum Hypatia wohl auch eine begabte Konstrukteurin von wissenschaftlichem Gerät ist, wie gefährlich ihr Kontakt zu Orestes, dem kaiserlich-römischen Präfekten von Ägypten, ist, welche Folgen der Lynchmord hat. Über die Hintergründe der Tat an der Mathematikerin und Philosophin Hypatia kann bis heute nur spekuliert werden: Warum richtet sich derart entfesselte Gewalt gegen eine einzelne Frau? Fest steht: Eine weibliche Universalgelehrte, Philosophin, Mathematikerin und Astronomin, ist ungewöhnlich in einer von Männern dominierten Gelehrtenwelt. Leider sind von Hypatia selbst keine Schriften überliefert. Aber die wenigen Quellen über sie berichten mit höchster Bewunderung. Der antike Kirchenhistoriker Cassiodor notiert zum Beispiel: "Sie war die Tochter des Philosophen Theon und hatte in ihrer Gelehrsamkeit solche Fortschritte gemacht, dass sie die Philosophen ihrer Zeit weit hinter sich ließ." Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professorin Henriette Harich-Schwarzbauer (Altphilologin, Universität Basel) Professor Johannes Hahn (Althistoriker, Universität Münster) Henriette Harich-Schwarzbauer: Hypatia - Die spätantiken Quellen. Bern 2011 Hartmut Leppin: Theodosius der Große. Darmstadt 2003 Weiterführende Links: Zeitzeichen 19.01.0379: Theodosius wird Kaiser im Osten des Römischen Reiches Zeitzeichen 16.10.2002: Eröffnung der neuen Bibliothek in Alexandria ZDF: Revolutionäre - Galileo Galilei, Giordano Bruno und Hypatia Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse Technik: Nicolas Dohle