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Der tägliche Podcast über Geschichte von der Antike bis heute, über Europa und die Welt, über die Geschichte der Menschheit: 15 Minuten zu historischen Persönlichkeiten und Erfindungen. Von George Washington bis Rosa Luxemburg, vom Büstenhalter bis Breaking Bad.

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  • Aug 10, 2025 · 15 min

    Die "rote" Gräfin: Sophie von Hatzfeldt

    Im revolutionären Vormärz wird die Scheidung der Gräfin (geb. 10.8.1805) zum Kampf um Demokratie und Frauenrechte. Mitten drin: Arbeiterführer Ferdinand Lassalle. In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka: welche Ehe-Hölle für die 17-jährige Sophie 1822 beginnt, wie alt Sophie von Hatzfeldt ist, als sie ihren jüngeren Lebensgefährten Ferdinand Lassalle kennenlernt, was die "rote" Gräfin mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, einem Vorläufer der SPD, zu tun hat, warum Marx und die Frauenbewegung sich mit Sophie von Hatzfeldt schwer tun, wie Sophie von Hatzfeldt einsam in Wiesbaden stirbt. Die Scheidung der Gräfin Sophie von Hatzfeldt ist einer der spektakulärsten Prozesse des 19. Jahrhunderts: Die Schlammschlacht zieht sich über acht Jahre hin - begierig verfolgt der Öffentlichkeit. Dass die Gräfin Freiheit und Selbstbestimmung fordert, gilt als unerhört. Und dann hat sie als Rechtsbeistand auch noch den jungen Revolutionär Ferdinand Lassalle erwählt. Es gärt damals in Europa: Auch in Deutschland erheben sich im Vormärz immer mehr Menschen gegen die alten Eliten mit ihren Privilegien. Sie fordern einen liberalen Nationalstaat und mehr Mitbestimmung. Lassalle erkennt sofort, dass der Hatzfeldt-Prozess auch als ein Kampf für die deutsche Demokratie funktionieren könnte. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Christiane Kling-Mathey (Historikerin, Biografin) Christiane Kling-Mathey: Gräfin Hatzfeldt 1805-1881 - Eine Biographie. Bonn 1989 Helmut Hirsch: Sophie von Hatzfeldt in Selbstzeugnissen, Zeit- und Bilddokumenten. Düsseldorf 1981 Britta Stein: Der Scheidungsprozess Hatzfeldt (1846 - 1851). Berlin und Münster 1999 Annette Seemann: Sinnlichkeit und Eigensinn - Außergewöhnliche Frauenleben. Reinbek bei Hamburg 2002 Weiterführende Links: Portal Rheinische Geschichte: Sophie von Hatzfeldt - Aktivistin der Arbeiterbewegung Planet Wissen: Der Vormärz 1815 bis 1848 Planet Wissen: Deutsche Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert Zeitzeichen 23.05.1863: Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein gegründet Stichtag 31.08.1864: Ferdinand Lassalle stirbt in Genf Hörtipp: Der ARD-History-Podcast "Vier Töne gegen Stalin – der Fall Schostakowitsch" Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Christiane Kopka Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse Technik: Theo Kramer

  • Aug 9, 2025 · 14 min

    Der Mann, der zwei Atombomben überlebte: Tsutomu Yamaguchi

    Verletzt überlebt Yamaguchi die erste Atombombe von Hiroshima. Irgendwie schafft er es zurück zu seiner Familie nach Nagasaki - dann fällt am 9.8.1945 die zweite Bombe. In diesem Zeitzeichen erzählt Gianna Felicita Scholten: wie ein Mann zur Arbeit geht und dabei zwei Atombomben überlebt, warum das Überleben in Japan lange als Makel gilt, wie ein Löffel Kokosöl zu einem Akt der Menschlichkeit wird, und wie er den Schmerz der Erinnerung zunächst nur durch Gedichte in Worte fasst. Am 6. August 1945 explodiert über Hiroshima die erste Atombombe. Tsutomu Yamaguchi, 29 Jahre alt, wird verletzt - aber überlebt. Am nächsten Tag reist er zurück in seine Heimatstadt. Drei Tage später fällt auch über Nagasaki eine Atombombe. Und Yamaguchi überlebt ein zweites Mal. Jahrzehntelang schweigt er über das Erlebte. Zu groß ist die Angst vor Ausgrenzung als "Hibakusha", als einer, der der Explosion ausgesetzt war. Erst spät beginnt er zu sprechen, in Schulen, bei den Vereinten Nationen, in Gedichten: "Denkt an die Verzweiflung der Sterbenden unter der Bombe", sagt er. "Lernt aus der Geschichte." Tsutomu Yamaguchi stirbt 2010 in Nagasaki - als der einzige Mensch, der offiziell anerkannt beide Atombomben überlebt hat. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Chad Diehl, Historiker mit Schwerpunkt moderne japanische Geschichte Tsutomu Yamaguchi: Double A bomb Victim. My Life beneath the Atomic Clouds. Nagasaki 2007 Chad Diehl: And the River Flowed as a Raft of Corpses. The Poetry of Yamaguchi Tsutomu, Survivor of Both Hiroshima and Nagasaki. New York 2010 Chad Diehl (Hg.): Shadows of Nagasaki. Trauma, Religion, and Memory after the Atomic Bombing. New York 2024 Weiterführende Links: Zeitzeichen 06.08.1945: Abwurf der Atombombe auf Hiroshima Terra X History: Hiroshima – Chronik einer Tragödie Weltspiegel: Japan – warum die zweite Bombe fiel Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Gianna Felicita Scholten Redaktion: Matti Hesse Technik: Christine Reinartz

  • Aug 8, 2025 · 14 min

    Geheime Waffe im US-Bürgerkrieg: Das Rätsel um das U-Boot "Hunley"

    Am 8.8.2000 wird die "Hunley" geborgen: das erste U-Boot, das ein gegnerisches Schiff versenkt hat – und das schon im US-Bürgerkrieg. Doch warum sank es selbst? In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann: warum ein U-Boot aus dem amerikanischen Bürgerkrieg 130 Jahre lang verschollen bleibt, wie ausgerechnet ein Bestsellerautor zu seiner Bergung beiträgt, und weshalb der Fund der "Hunley" mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet. Charleston, South Carolina, 8. August 2000. Ein Kran hebt langsam ein metallenes Wrack aus dem Wasser. Es ist die "H. L. Hunley" – das erste U-Boot der Geschichte, dem es gelungen ist, ein feindliches Kriegsschiff zu versenken. 1864 führt die Hunley ihren Angriff unter dramatischen Umständen durch. Dann verschwindet sie. Spurlos. Über 130 Jahre lang bleibt unklar, warum sie nicht zurückkehrt – und wo sie liegt. Jahrzehntelang wird das Wrack gesucht – und schließlich gefunden. Nur 300 Meter von der Untergangsstelle entfernt. Doch der Fund wirft neue Fragen auf: Die Männer an Bord sitzen noch immer auf ihren Plätzen, keine Spur von Panik. War es ein technischer Defekt? Ein Feindschuss? Bis heute geben die letzten Minuten der Hunley Rätsel auf – und liefern Stoff für eine der ungewöhnlichsten Geschichten der Militär- und Technikgeschichte. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Michael Scafuri, Meeresarchäologe, Leiter des Restaurationsteams der "H. L. Hunley" Spencer Dunmore: Gesunkene U Boote - von der Hunley bis zur Kursk - Untergang, Verlust und Bergung, München 2002 Robert Hutchinson: War beneath the Waves, London 2001 Originaldokumente der U.S. Navy: The Sinking of the USS Housatonic by the Submarine CSS H.L. Hunley, off Charleston, South Carolina, 17 February 1864 Weiterführende Links: Planet Wissen: Geschichte der U-Boote Planet Wissen: Amerikanischer Bürgerkrieg 1861-1865 Zeitzeichen 08.03.2018: Der Untergang des sowjetischen U-Boots K-129 ZDF Info: U-Boote – Aufbruch in die Tiefe Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Tiemann Redaktion: Matti Hesse

  • Aug 7, 2025 · 14 min

    Sex, Drugs und Sexismus: Der Beginn der Hippie-Bewegung

    Eines der folgenreichsten Treffen von Hippies am 7.8.1965 offenbart deren Sexismus. Die Frauen der Bewegung kontern: mit männerfreien Kommunen und einer Welle des Feminismus. In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Werthschulte: wie San Francisco zum Hippie-Mekka wird, von den Merry Pranksters, der berühmtesten Gruppe der Hippie-Zeit, und ihrer Freundschaft zu den Hells Angels, vom Frauenbild in der Szene und warum es oft dem der restlichen USA ähnelt. Selbstbestimmung, Freiheit und das Streben nach Glück - darauf gründen die USA ihre Identität. Mitte der 60er Jahre werden diese Werte aber vor allem von einer Gruppe hochgehalten, die so gar nicht US-amerikanisch wirkt: den Hippies. Junge Menschen mit langen Haaren und Interesse an Selbsterfahrung und neuen Lebensformen. Die Hippie-Bewegung hat ihren Ursprung in und um San Francisco. In La Honda, rund eine Autostunde südlich der Stadt, lädt der Schriftsteller Ken Kesey am 7. August 1965 zu einer LSD-Party. Gemeinsam high sein, dazu gute Musik - doch das Treffen offenbart auch die Abgründe der Bewegung. Dem Ansturm der Jugend aus aller Welt sind die Ur-Hippies in San Francisco nicht gewachsen. Harte Drogen und Gewalt halten Einzug in die Szene. Schon Ende der 60er beginnt der Niedergang der Bewegung. Und trotzdem: Der gesellschaftliche Traum der Hippies prägt die USA und auch Europa bis heute. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Diederich Diederichsen, Kulturwissenschaftler Nona Willis-Aronowitz, Journalistin Dominick Cavallo: A Fiction of the Past. The Sixties in American History, New York 1999 Diedrich Diederichsen und Anselm Franke (Hg.): The Whole Earth. Kalifornien und das Verschwinden des Außen. Berlin 2013 Gretchen Lemke-Santangelo: Daughters of Aquarius. Women of the Sixties Counterculture, Lawrence 2009 Tom Wolfe: Der Electric Kool-Aid Acid Test, München 2009 Ellen Willis: Out of the Vinyl Deeps, Minneapolis 2011 Weiterführende Links: Stichtag: 17. September 1935 - Geburtstag des Schriftstellers Ken Kesey Rockpalast: Liebe, Frieden, Harmonie: die Hippie-Ära WDR 4 Meilensteine und Legenden: Woodstock - Mythos oder Katastrophe? Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christian Werthschulte Redaktion: Carolin Rückl und David Rother

  • Aug 6, 2025 · 14 min

    Der gescheiterte Versuch, human hinzurichten

    "Man hätte es besser mit einer Axt getan", lautet das Urteil aller Zeugen nach der ersten Hinrichtung eines Menschen mit Elektrizität am 6. August 1890. Die Justiz hält dennoch an der Tötungsmethode fest. In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock: wie Elektrizität die Medizin des 19. Jahrhunderts verändert, von grausamen Tierversuchen im Dienste der Wissenschaft, vom "Stromkrieg" zwischen Thomas Edison und George Westinghouse, vom qualvollen Todeskampf des William Kemmler. Im Jahr 1888 erlässt New York ein Gesetz, das den elektrischen Stuhl als Hinrichtungsmethode vorschreibt. Sauber, bequem und effektiv soll die neue Technik sein. Die erste Anwendung an einem Menschen findet am 6. August 1890 statt. Der Alkoholiker William Kemmler wird gegen 6.30 Uhr in die Todeskammer geführt. Er hat laut Urteil nach einem Saufgelage seine Lebensgefährtin mit einer Axt erschlagen. Nach dem ersten Stromstoß lebt Kemmler noch. Ein zweiter Stromstoß ist nötig - nach einer Erholungspause für den Generator. Kemmler leidet und wird schließlich langsam elektrisch verbrannt. Trotz dieses Desasters halten Justiz, Medizin und Politik an der neuen Methode fest. Die Technik wird weiterentwickelt, die Voltzahl erhöht. Bis heute sind in den USA fast 4.500 Verurteilte durch den elektrischen Stuhl getötet worden. Mittlerweile wird er kaum noch eingesetzt, ist überhaupt nur noch in vier US-Staaten erlaubt. In allen übrigen, in denen es die Todesstrafe noch gibt, wird die Giftspritze verwendet. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Markus Hedrich, Historiker The New York Times, 7. August 1890: Far worse than hanging. Kemmler's Death Proves an Awful Spectacle. Weiterführende Links: Zeitzeichen: 12.03.1914 - Todestag von George Westinghouse Quarks: Unter Spannung - wie Elektrizität unser Leben bestimmt Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autoren: Ulrich Biermann und Veronika Bock Redaktion: Frank Zirpins

  • Aug 5, 2025 · 14 min

    Der schwule preußische Kronprinz, aus dem der "Alte Fritz" wurde

    Am 5.8.1730 flieht Preußens Kronprinz Friedrich vor seinem tyrannischen Vater. Friedrichs Freund ist eingeweiht und wird später vor seinen Augen hingerichtet - ein Wendepunkt im Leben des "Alten Fritz". In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember: wie aus dem jungen, fröhlichen Friedrich ein zynischer alter Fritz wird, was der Begriff "effeminiert" bedeutet, welche fragwürdigen Aktivitäten König Friedrich Wilhelm mit seinen Gästen im "Tabakskollegium" pflegt, wie drakonisch König Friedrich Wilhelm seinen Sohn und dessen vermutlichen Geliebten nach der gescheiterten Flucht des Kronprinzen bestraft. Preußens Kronprinz Friedrich ist ein sensibles Kind. Er musiziert, verehrt die französische Literatur - und fühlt sich zu Männern hingezogen. Auch wenn Friedrich seine Homosexualität nie offen auslebt, ist seine "weibische" Art seinem Vater ein Dorn im Auge. Der sogenannte Soldatenkönig Friedrich Wilhelm drillt seinen Sohn - und das mit Gewalt. Um sich den drastischen Erziehungsmethoden seines Vaters zu entziehen, plant der 18-jährige Friedrich seine Flucht. Am 5. August 1730 will er sich auf dem Pferd zunächst nach Frankreich absetzen, ehe es weiter Richtung England gehen soll. Zu seinen wichtigsten Helfern gehören Leutnant Hans Hermann von Katte und Peter Karl Christoph von Keith. Das Unternehmen ist jedoch so dilettantisch vorbereitet, dass es bereits bei Sinsheim scheitert. Keith kann fliehen, Friedrich und Katte werden festgenommen und wegen Hochverrats und Desertion angeklagt. Wohl auch um seinen Sohn zu bestrafen, setzt der König für Katte das Todesurteil durch. Zwar wird Friedrich selbst begnadigt, das tödliche Drama um seinen Freund aber prägt ihn für den Rest seines Lebens. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professorin Barbara Stollberg-Rilinger (Präsidentin Wissenschaftskolleg zu Berlin) Tim Blanning: Friedrich der Große - König von Preußen. Eine Biographie. Übersetzung aus dem Englischen: Andreas Nohl. München 2018 Ewald Frie: Friedrich II. Reinbek 2012 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 12.06.1733 - Hochzeit von Kronprinz Friedrich Zeitzeichen: 8. August 1736 - Erster Brief des Kronprinzen Friedrich an Voltaire Stichtag: 26. Mai 1940 - Todestag von Wilhelm Friedrich Prinz von Preußen Planet Wissen: Deutsche Geschichte - Preußen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Heiner Wember Redaktion: David Rother Technik: Alexander Buske

  • Aug 4, 2025 · 14 min

    Frankreichs vergessener König: Wer war Philipp der Erste?

    Mit nur acht Jahren wird Philipp am 4.8.1060 zum König. Fast ein halbes Jahrhundert regiert er - stets bedroht von machthungrigen Nachbarn und dem Druck der Kirche. In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer: warum Thronwechsel im Mittelalter eine riskante Sache sind, womit Philipps Mutter Anna ihrem Sohn zusetzt, nach welchem Ereignis Papst Gregor VII. den französischen König als Raubritter bezeichnet. Philipp I. hat ein durchaus wechselhaftes Verhältnis zu den Päpsten Gregor VII. und Urban II. Grund hierfür ist unter anderem sein Privatleben: Er ist mit Bertha von Holland verheiratet, liebt aber die schöne, allerdings auch verheiratete Bertrada von Anjou. Philipp verstößt seine eigene Frau, entführt Bertrada und lässt die Verbindung mit ihr vom Bischof von Senlis als rechtmäßige Ehe segnen. Auch als König steht Philipp I. Schwierigkeiten gegenüber. Seine Regentschaft ist geprägt von der Bedrohung Frankreichs durch Wilhelm den Eroberer, der 1066 England einnimmt und auch auf die französische Krone aus ist. Trotzdem regiert Philipp I. fast 50 Jahre lang. Es ist die drittlängste Amtszeit eines französischen Königs. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Rolf Große, Historiker und Biograf von Philipp I. Hanna Vollrath, Mittelalter-Historikerin Rolf Große: Philipp I. von Frankreich, in: Joachim Ehlers, Heribert Müller und Bernd Schneidmüller (Hrsg.): Die französischen Könige des Mittelalters, München 1996 Joachim Ehlers: Geschichte Frankreichs im Mittelalter, Darmstadt 2009 Hanna Vollrath: Wilhelm I., der Eroberer, in: Hanna Vollrath und Natalie Fryde (Hrsg.): Die Englischen Könige im Mittelalter, München 2018 Weiterführende Links: Zeitzeichen 09.09.1087: Todestag von König Wilhelm I. Planet Wissen: Päpste Planet Wissen: Leben im Mittelalter Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Herwig Katzer Redaktion: Viviane Jelenc und Matti Hesse

  • Aug 3, 2025 · 14 min

    Vertrag von Greenville 1795: Indigene Völker verlieren ihr Land

    Ursprünglich bestellen die indigenen Völker Nordamerikas ihre Felder nach ihren Regeln. Die europäischen Siedler übernehmen das Land und ändern die Eigentumsverhältnisse. Der Vertrag von Fort Greenville wird am 3.8.1795 unterzeichnet. In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Friedrich: wieso viele indigene Gruppen im Unabhängigkeitskrieg auf der Seite der britischen Krone kämpfen, warum das heutige Ohio ohne eine Holzfestung mitten im Niemandsland vielleicht nie ein Bundesstaat geworden wäre, weshalb Privateigentum im amerikanischen System politische Mitsprache bedeutet – und Landverlust Sprachlosigkeit, und warum Shawnee-Krieger Tecumseh im Vertrag kein Friedensabkommen, sondern Verrat sieht. 3. August 1795. Fort Greenville - ein militärischer Vorposten im Grenzland. Dort unterzeichnen die USA und Vertreter mehrerer indigener Völker einen Vertrag, der den blutigen Northwest Indian War beenden soll. Doch der Frieden hat seinen Preis: Die First People treten riesige Landflächen ab. Im Gegenzug versprechen die USA Lebensmittel, Werkzeuge, Decken - ein Grundeinkommen auf Zeit. Der Vertrag öffnet das heutige Ohio für weiße Siedlerfamilien und markiert so den Beginn einer folgenreichen Verdrängung und das Ende eines kulturellen Miteinanders im sogenannten „Middleground“. Was auf dem Papier wie ein gerechter Ausgleich wirkt, bedeutet für viele Native Nations den endgültigen Verlust von Land, Mitspracherecht und Zukunft. Das sind unsere InterviewpartnerInnen: Prof. Dr. Barbara Buchenau, Nordamerikastudien, Universität Duisburg-Essen Prof. Dr. Michael Hochgeschwender, Nordamerikanische Kulturgeschichte, Empirische Kulturforschung und Kulturanthropologie, Ludwig-Maximilians-Universität München Und das sind unsere wichtigsten Quellen: Barbara Buchenau et.al.: Revolutionszeit und frühe Republik, in: Hubert Zapf und Timo Müller (Hg.): Amerikanische Literaturgeschichte, Berlin, Heidelberg 2024, S. 45-104. Michael Hochgeschwender: Die amerikanische Revolution. Geburt einer Nation 1763-1815, München 2021. Michael Hochgeschwender: Der amerikanische Bürgerkrieg, München 2020. Aram Mattioli: Verlorene Welten. Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910, Stuttgart 2018. Tecumseh, in: Lenelotte Möller und Renate Kiefer (Hg.): Die großen Reden der Indianer. Marixwissen, Wiesbaden 2016, S. 104-118. Weiterführende Links: Zeitzeichen 26.05.1830: Der US-Kongress verabschiedet den "Indian Removal Act" Planet Wissen: Indigene Völker Nordamerikas Planet Wissen: Kolonialismus – Europas Kolonien Planet Wissen: Ist die Bezeichnung "Indianer" diskriminierend? Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Claudia Friedrich Redaktion: Frank Zirpins

  • Aug 2, 2025 · 14 min

    Roms blutige Niederlage gegen Hannibal: Die Schlacht bei Cannae

    Eine der größten Schlachten der Antike findet (wahrscheinlich) am 2.8.216 v. Chr. statt: Rom unterliegt Karthagos Truppen - und gewinnt später doch den Zweiten Punischen Krieg. In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger: warum dem karthagischen Feldherrn Hannibal der Durchblick fehlt, mit welcher ausgeklügelten Taktik Hannibal die Römer ins offene Messer laufen lässt, warum viele Römer sterben, ohne dass Karthager die Hände im Spiel haben, womit die Römer in ihrer Verzweiflung auf die Niederlage reagieren, was die Operation "Desert Storm" im Zweiten Golfkrieg mit der Schlacht von Cannae zu tun hat. Nachdem der erste Punische Krieg zwischen Karthagern und Römern vorwiegend auf See und auf Sizilien geführt wird, orientiert sich der karthagische Feldherr Hannibal im zweiten Krieg Richtung Rom. Mit vermutlich 37 Kriegselefanten und 50.000 Infanteristen und Reitern überquert er die Alpen, gewinnt eine Schlacht nach der anderen und richtet schließlich in Cannae südlich von Rom sein Lager ein. Rom reagiert und schickt Hannibal bis zu 85.000 Soldaten entgegen. Am 2. August 216 vor Christus stehen sich die gewaltigen Verbände gegenüber. Hannibals Truppen sind in der Unterzahl, aber ihr Anführer verfolgt eine Strategie, die noch Jahrtausende später berühmte Feldherren wie Napoleon inspiriert. Dank seiner Taktik siegen Hannibals Truppen. Mehr als 70.000 Römer verlieren ihr Leben. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Christian Rollinger, Althistoriker an der Universität Trier Polybios: Historien, 3. Buch, Ditzingen 1974 Livius: Ab urbe condita, 22. Buch, Ditzingen 2000 Michael Sommer: Schwarze Tage. Roms Kriege gegen Karthago, München 2021 Jan-Markus Kötter: Hannibal. Roms größter Feind, München 2024 Weiterführende Links: Planet Wissen: Das antike Rom Zeitzeichen: 10.03.241 v. Chr. - Römer siegen im Ersten Punischen Krieg Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Ralph Erdenberger Redaktion: David Rother

  • Aug 1, 2025 · 14 min

    Pionierin der Kriegsfotografie: Sie erfand Robert Capa

    Ihren eigenen Ruhm hat Gerda Taro (geboren am 1.8.1910) nicht mehr erlebt. Zu jung ist sie im Spanischen Bürgerkrieg gestorben. Ihr Vermächtnis: Ein Koffer voller Negative und zwei Namen. In diesem Zeitzeichen erzählt Michael Richmann: warum Paris Mitte der 1930er Jahre nicht nur die Stadt der Liebe ist, warum Gerda Taro während ihrer Zeit in Paris ganze Wochenenden im Bett verbringt, wie aus der gebürtigen Gerta Pohorylle "Gerda Taro" und aus Endre Ernö Friedmann "Robert Capa" wird, wie Gerda Taro zur Jeanne d'Arc der Linken im Spanischen Bürgerkrieg wird. Mit Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs im Juli 1936 entschließt sich das Fotografen-Paar Gerda Taro und Robert Capa, das Geschehen vor Ort zu dokumentieren. In den folgenden Monaten fotografieren sie aus republikanischer Sicht und prägen damit bis heute das deutsche Bild vom Spanischen Bürgerkrieg. Gut fürs Geschäft, dass Robert Capa schon im September 1936 das ikonische Bild vom "Fallen Soldier" macht. Sein großer Name führt aber auch dazu, dass viele Magazine nur noch unter dem Label "Capa/Taro" publizieren - oder komplett ohne Taros Namen. Doch Gerda Taro will auch eigene Wege gehen. Die französische Zeitschrift "Ce Soir" schickt sie als Fotografin zur Schlacht bei Brunete. Es ist ihr letzter Auftrag. Die deutsche Legion Condor bombt alles in Schutt und Asche. Auf der Flucht wird Gerda Taro von einem Panzer überrollt. Am 26. Juli 1937 stirbt sie im Alter von 26 Jahren in einem Krankenhaus in Escorial. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Irme Schaber (Biografin) Nora Pester (Leiterin des Capa-Hauses in Leipzig) Rosario Peiro (Kuratorin des Museo Sofia Reina) Rolf Sachsse (Foto-Historiker) Irme Schaber: Freiheit im Fokus - Gerda Taro und Robert Capa in Leipzig. Berlin/Leipzig 2024 Irme Schaber: Gerda Taro, Fotoreporterin - Mit Robert Capa im Spanischen Bürgerkrieg. Die Biografie. Marburg 2013 Richard Whelan: Robert Capa - Die Sammlung. New York 2005 Weiterführende Links: Bundeszentrale für politische Bildung: Die Geschichte der fotografischen Kriegsberichterstattung Kontext: Wochenzeitung: Gerda Taro - Eine aus Stuttgart BR: Tatort Geschichte: Kamera als Waffe - Gerda Taro im Spanischen Bürgerkrieg Stichtag: 26. April 1937 - Die "Legion Condor" zerstört Guernica Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Michael Richmann Redaktion: Frank Zirpins

  • Jul 31, 2025 · 14 min

    Rumration gestrichen: Das Ende des "Daily Tot" in der Royal Navy

    Am 31. Juli 1970 kippt die Royal Navy eine jahrhundertealte Tradition: die tägliche Rumration für britische Matrosen - das Ende des legendären "Daily Tot". In diesem Zeitzeichen erzählt Erik Hlacer: wie Glockenschlag und Dudelsackpfeife zum heimlichen Signal für einen besonderen Moment an Bord werden, wie ein Admiral mit altmodischem Mantel dem Grog seinen Namen gibt, was Rum mit Sklaverei und kolonialer Kontrolle zu tun hat, weshalb der tägliche "Tot" an Bord mehr ist als nur Seemannsroutine, und wie die letzte Rumration 1970 zur feierlichen Beerdigung auf See wird. Jahrhundertelang gehört der "Daily Tot" zum rauen Alltag auf See: eine genau abgemessene Portion Rum, täglich, für jeden Seemann der Royal Navy. Im 18. Jahrhundert verfügt Admiral Edward Vernon, dass Rum nur noch mit Wasser, als Grog, getrunken werden darf, weil er genug von taumelnden Matrosen hat. Trotzdem bleibt Rum für viele mehr als ein Rauschmittel: Trost in stürmischen Zeiten, Mittel gegen Keime, Vitamin-C-Lieferant – und ein Stück gelebte Tradition. Doch am 31. Juli 1970 ist Schluss: Der sogenannte "Black Tot Day" markiert das Ende des Rumausschanks. Manche Matrosen tragen schwarze Armbinden, andere inszenieren einen Leichenzug. Die Rumfässer werden feierlich versenkt. Eine Ära geht unter – und lebt doch in Geschichten und Gläsern bis heute weiter. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Matthew Heaslip (Marine-Historiker) Marco Pierini (bezeichnet sich selbst als Rumhistoriker) James Pack: Nelson's Blood: The Story of Naval Rum. Annapolis, Maryland 1995. Weiterführende Links: Zeitzeichen 28.02.1695: Der Seefahrer Henry Every erklärt sich zum Piraten Zeizeichen 06.06.1868: Geburtstag des britischen Marineoffiziers Robert Falcon Scott Planet Wissen: James Cook - Skorbut Planet Wissen: Europas Kolonien Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Erik Hlacer Redaktion: Matti Hesse Technik: Petra Laubach

  • Jul 30, 2025 · 14 min

    Revolutioniert die Geologie vom Schreibtisch aus: Marie Tharp

    Marie Tharp (geb. am 30.7.1920) kartiert als Erste den atlantischen Meeresboden. Sie beweist auch, dass Kontinentalplatten sich bewegen. Nur glaubt ihr lange niemand. In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger: bei wem Marie Tharp kartografieren lernt, was der japanische Angriff auf Pearl Harbor mit ihrem Geologiestudium zu tun hat, wie Marie Tharp mit den Daten von Echolot-Messungen Tiefenprofile des Meeresbodens erstellt, wie Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau ihre Hypothese der Kontinental-Drift bestätigt, welches Resümee Marie Tharp am Ende ihrer Karriere zieht. Der Pionierin der Ozeanografie darf kein Forschungsschiff betreten. Frauen sind zu ihren Lebzeiten an Bord verpönt. So muss Marie Tharp das geologische Weltbild vom Schreibtisch aus revolutionieren. Dazu setzt sie die Einzeldaten von Echolotmessungen in einer unendlichen Puzzlearbeit zusammen. Das Ergebnis ist eine Sensation: Es zeigt ein Abbild des Meeresbodens. Zu sehen ist, dass sich quer durch den Atlantik zwei Gebirgsketten ziehen. Und in ihrer Mitte: eine tiefe Senke. Damit liefert Marie Tharp einen Beleg für die sogenannte Kontinental-Drift, die ständige langsame Bewegung der Kontinentalplatten. Die männlich dominierte Wissenschaftswelt, die ihre Thesen zunächst als "Girls Talk" abkanzelt, muss ihr schließlich recht geben. Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin: Professor Heidrun Kopp (Geophysikerin, Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel) Weiterführende Links: Planet Wissen: Theorie der Plattentektonik SWR: Geburtsstunde der Plattentektonik - Marie Tharps Entdeckung Stichtag 07.12.1941: Japan greift US-Flotte in Pearl Harbor an Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Ralph Erdenberger Redaktion: Carolin Rückl und Sefa İnci Suvak

  • Jul 29, 2025 · 14 min

    Todesurteil für eine Lehrerin mit Gewissen: Elisabeth v. Thadden

    In der Nazi-Zeit reicht es für ein Todesurteil, seinem Gewissen zu folgen und kritisch zu sein: Dies ist die Geschichte der Elisabeth von Thadden, geboren am 29.7.1890. In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug: wie die Lehrerin Elisabeth von Thadden von einer Schülerin bei den Nationalsozialisten denunziert wird, dass sie daraufhin die von ihr gegründete Mädchenschule verliert, wie sie unwissend einen Gestapo-Spitzel einlädt und damit ihre Hinrichtung einleitet, warum Marianne Wellershoff, Journalistin und von Thaddens Nichte, beim Verräter ihrer Tante ein narzisstisches Problem erkennt. "Wir wollten soziale Hilfe leisten, in dem Augenblick, wo diese Hilfe Not tat. Wir wollten barmherzige Samariter sein", schreibt Elisabeth von Thadden während ihrer Gefangenschaft. Angeklagt ist sie wegen Wehrkraftzersetzung und Feindbegüngstigung. Den Nationalsozialisten ist sie schon lange ein Dorn im Auge. Denn Elisabeth von Thadden will ihre christlichen Werte nicht gegen die Ideologie von Adolf Hitler eintauschen. Sie setzt auf Nächstenliebe statt auf Hass. Geboren wird sie am 29.7.1890 in eine preußisch-evangelische Adelsfamilie hinein, in der die Sorge um andere gelebt wird. So unterrichtet die Lehrerin noch jüdische Kinder, obwohl dies von den Nazis längst verboten war. Sie verweigert den Hitler-Gruß, kritisiert die Gewalt des NS-Regimes und hilft Opfern der Nationalsozialisten. Im Januar 1944 wird Elisabeth von Thadden verhaftet und zum Tode verurteilt. Ihren festen Glauben können auch ihre Mörder nicht brechen. Auf dem Weg zum Schafott singt sie das Kirchenlied: "Mach End’, o Herr, mach’ Ende mit aller unserer Not." Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Marianne Wellershoff, Spiegel-Redakteurin und Nichte von Elisabeth von Thadden Marianne Wellershoff: Wie ein Verräter meine Tante an das NS-Regime auslieferte (Der Spiegel) Irmgard von der Lühe: Eine Frau im Widerstand. Elisabeth von Thadden und das Dritte Reich. Freiburg 1980 Weiterführende Links: Gedenkstätte Plötzensee: Elisabeth von Thadden Gedenkstätte Deutscher Widerstand: Elisabeth von Thadden Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus: Elisabeth von Thadden (Stiftung Gedenkstätte Deuscher Widerstand) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Klug Redaktion: David Rother Technik: Holger Maerten

  • Jul 28, 2025 · 14 min

    Mythos Cyrano: scharfe Zunge, kurze Lunte und lange Nase

    Frecher Dichter, notorischer Duellant, kühner Kirchenkritiker? Wer war dieser Cyrano de Bergerac wirklich? Auch sein früher Tod am 28.7.1655 gibt bis heute Rätsel auf. In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg: was die katholische Kirche mit den USA und "America first" zu tun hat, dass Zeitgenossen, die Cyrano wegen seiner großen Nase schräg anschauen, gefährlich leben, welcher weltberühmte Satz im 17. Jahrhundert Gelehrte erschüttert, warum Cyrano sich vor der Kirche in Acht nehmen muss. Cyrano de Bergerac wird im März 1619 als Hector Savinien de Cyrano geboren. Mit seinem Schulfreund Henri Le Bret, seinem späteren Nachlassverwalter, zieht es ihn noch als Minderjährigen zu den Waffen. Doch lange bleibt er nicht Soldat. Nach seiner zweiten Verwundung quittiert er mit Anfang 20 den Dienst und beginnt zu schreiben. Cyrano will die neuen Erkenntnisse der Wissenschaften unters Volk bringen: Nicht die Sonne dreht sich um die Erde, sondern umgekehrt – wie Kopernikus schon ein Jahrhundert vorher beschrieben hat. Sein bekanntestes Werk wird die "Reise zum Mond und zur Sonne", eine wilde Mischung aus Burleske, philosophischem Roman, Populärwissenschaft, Science-Fiction, Utopie und Satire. Die Veröffentlichung erlebt er nicht mehr: 1655 wird Cyrano de Bergerac unter mysteriösen Umständen erschlagen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Andreas Gipper, Professor für Französische und Italienische Kulturwissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz Cyrano de Bergerac: Reise zum Mond und zur Sonne, Frankfurt am Main 2004 Edmond Rostand: Cyrano de Bergerac. Romantische Komödie in fünf Aufzügen, Berlin 2016 Andreas Gipper: Wunderbare Wissenschaft. Literarische Strategien naturwissenschaftlicher Vulgarisierung in Frankreich. Von Cyrano de Bergerac bis zur Encyclopédie, München 2001 Cyrano von Bergerac. Spielfilm nach dem Theaterstück von Edmond Rostand. Regie: Jean-Paul Rappeneau, Concorde 1990 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 11. Februar 1650 - Todestag von René Descartes Zeitzeichen: 15. Januar 1622 - Der Dichter und Schauspieler Jean-Baptiste Molière wird geboren Stichtag: 27. Dezember 1948: Geburtstag von Gérard Depardieu Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Vormweg Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse

  • Jul 27, 2025 · 15 min

    Alles geben für einen Olivenzweig: Die ersten Spiele von Olympia

    Die Siegerliste des ersten Wettkampfs in Olympia im Juli 776 v. Chr. ist kurz: Der Name eines einzigen Läufers ist dort eingemeißelt. Schon in der Antike wird ein riesiges Sportfest daraus. In diesem Zeitzeichen erzählt Nik Berger: welchen Beruf der erste Olympia-Sieger Koroibos von Elis gehabt haben soll, was die Olympischen Spiele in der Antike mit Religion zu tun haben, welche blutige Disziplin zeitweise zu den Olympischen Spielen gehört, warum die Sportler damals wohl nackt zu den Wettkämpfen antreten, was es bei den Spielen in Olympia zu gewinnen gibt. Bei den Olympischen Spielen herrschen strenge Regeln. Zum einen, was das Fair-Play angeht: Sportler und Schiedsrichter müssen einen Eid schwören. Zum anderen, was Teilnahmebedingungen für Athleten und Zuschauer angeht: Mitmachen dürfen nur freie Männer mit belegbarer griechischer Herkunft. Zusehen dürfen auch Frauen - aber nur, wenn sie unverheiratet sind. Sklaven sind theoretisch ebenfalls als Publikum zugelassen. Obwohl sich mehrere der teilnehmenden Stadtstaaten immer wieder untereinander bekriegen, laufen die Spiele weitgehend friedlich ab. Das liegt daran, dass in Olympia keine Waffen erlaubt sind und der sogenannte Olympische Frieden gilt. Mit der Eroberung Griechenlands durch die Römer im 2. Jahrhundert vor Christus nehmen die Spiele an Bedeutung ab. Im Jahr 393 werden sie beendet. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Hans Beck (Geschäftsführender Direktor des Seminars für Alte Geschichte an der Universität Münster) Professor Stephan Wassong (Direktor des Zentrums für Olympische Studien der Deutschen Sporthochschule Köln) Rosmarie Günther: Olympia. Kult und Spiele in der Antike. Darmstadt 2004 Ulrich Sinn: Das antike Olympia. Götter, Spiel und Kunst. München 2004 Weiterführende Links: Stichtag 06.04.1896: Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit werden eröffnet Stichtag 01.08.1936: Hitler eröffnet die Olympischen Spiele in Berlin Zeitzeichen 26.08.1972: Eröffnung der Olympischen Spiele in München Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Nik Berger Redaktion: Frank Zirpins

  • Jul 26, 2025 · 14 min

    "Pakal der Große" wird König der Maya-Stadt Palenque

    Am 26.7.615 besteigt K’inich Janaab Pakal I. den Thron von Palenque. Heute gilt er als einer der berühmtesten Maya-Könige - der Fund seines Grabes war eine Sensation. In diesem Zeitzeichen erzählt Tobias Sauer: welche Schlüsse Forschende aus dem Skelett des Königs K’inich Janaab Pakal I. ziehen können, welchen Torturen sich Maya-Könige aussetzen, um die Aufmerksamkeit der Götter zu gewinnen, wie Pakal auch als bedeutender Bauherr in die Geschichte eingeht, welche Rätsel der Maya-Stadt Palenque bis heute ungelöst sind. Im Jahr 1949 erreicht der Archäologe Alberto Ruíz im Urwald der mexikanischen Halbinsel Yucatán die uralte Maya-Stadt Palenque. Bei den folgenden Grabungen stoßen die Archäologen in 25 Metern Tiefe auf eine Grabkammer. Ruíz findet in einem luftdicht verschlossenen Sarkophag ein Skelett. Die Inschriften kann zunächst niemand entziffern. Erst Jahrzehnte später gelingt es Forschern, rund zwei Drittel der Schriftzeichen zu entschlüsseln. Deshalb kennen sie heute den Namen des hier bestatteten Königs: K'inich Janaab Pakal. K'inich heißt große Sonne oder stark wie die Sonne. K'inich Janaab Pakal besteigt am 26. Juli 615 den Thron von Palenque und führt die Stadt in eine außergewöhnliche Blütezeit. Nach 68 Herrschaftsjahren auf dem Thron stirbt Pakal im Jahr 683. Er wird 80 Jahre alt. Zwei seiner Söhne folgen Pakal nacheinander auf den Thron. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Vera Tiesler, Archäologin, Universidad Autonoma de Yucatán Nikolai Grube, Altamerikanist, Universtät Bonn Simon Martin und Nikolai Grube: Chronicle of the Maya Kings and Queens. New York 2008 Berthold Riese: Die Maya. 8., überarbeitete Auflage. München 2018 Vera Tiesler und Andrea Cucina (Hrsg.): Janaab' Pakal of Palenque. Reconstructing the Life and Death of a Maya Ruler. Tucson 2006 Weiterführende Links: Planet Wissen: Völker - Die Maya Planet Wissen: Völker - Die Azteken Planet Wissen: Anden - Die Inka Planet Wissen: Übersichtsseite Archäologie Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Tobias Sauer Redaktion: Matti Hesse Technik: Nicolas Dohle

  • Jul 25, 2025 · 14 min

    Mathilde von England wird mit acht Jahren römisch-deutsche Königin

    Ihr Wille zur Herrschaft und ihr politisches Talent gelten als unweiblich, obwohl sie beliebt bei ihren Untertanen ist und sogar Heere anführt. Am 25.7.1110 wird Mathilde von England in Mainz zur Königin gekrönt. In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk: warum Heinrich V. um die Hand einer sechsjährigen englischen Prinzessin anhält, warum Mathilde einen großen Teil ihrer Kindheit beim Erzbischof von Trier verbringt, wie die 25-jährige Mathilde nach dem Tod ihres Mannes mit einem 15-Jährigen verheiratet wird, wie Mathilde und ihr Cousin Stefan von Blois England in einen Bürgerkrieg stürzen, wie Mathilde in einem letzten Coup Ahnherrin eines neuen Königsgeschlechts wird. Mathilde von England wird um das Jahr 1102 geboren. Über ihre Kindheit ist wenig bekannt, aber als Tochter des englischen Königs genießt sie mit Sicherheit eine sorgfältige Erziehung, um eines Tages als gute Heiratskandidatin zu gelten. Denn genau das wird von Prinzessinnen erwartet: Sie sind die Bande, mit denen die Königshäuser Europas verknüpft werden. Und tatsächlich ist Mathilde erst sechs oder sieben Jahre alt, als der römisch-deutsche König Heinrich V. um ihre Hand anhält. Am 25. Juli 1110 wird die achtjährige Mathilde im Dom von Mainz zur römisch-deutschen Königin gekrönt. Als Mathilde zwölf Jahre alt ist, heiraten sie und Heinrich V., der inzwischen die Kaiserkrone trägt. 1117 wird auch Mathilde in Rom zur Kaiserin ernannt, allerdings nicht vom legitimen Papst, der wegen eines Streits mit Heinrich der Stadt fernbleibt. Mathilde behält daher zunächst ihren Titel als Königin bei. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Dr. Claudia Zey, Universität Zürich Claudia Zey: Frauen und Töchter der salischen Herrscher. Zum Wandel salischer Heiratspolitik in der Krise, in Tilman Struwe: Die Salier, das Reich und der Niederrhein, Köln 2008 Claudia Zey: Mathilde von England, in Amalie Fößel: Die Kaiserinnen des Mittelalters. Regensburg 2011 Karl Schnith: Kaiserin Mathilde. Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Graz 1997 Weiterführende Links: Planet Wissen: Christentum - die römisch-katholischen Bischöfe Planet Wissen: Mittelalter - Leben im Mittelalter Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Maren Gottschalk Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Sascha Schiemann

  • Jul 24, 2025 · 15 min

    Mutiger Liebesratgeber des Mittelalters: Albrecht von Eyb

    Er schreibt über Ehe und Liebe. Offen, klug und riskant. Sein "Ehebüchlein" stellt damals unerhörte Fragen. Am 24.7.1475 stirbt der Jurist und Geistliche Albrecht von Eyb. In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer: warum ein eheloser katholischer Geistlicher sich um die Ehe kümmert, welches Frauenbild Albrecht von Eyb zugrunde legt, wieso das Ehebüchlein zur Vorlage für viele spätere Eheratgeber wird. Albrecht von Eyb hat Glück: Er kommt 1420 als fränkischer Adliger zur Welt und wird vom Vater für den geistlichen Stand bestimmt. Mit dem Geld der Familie im Rücken studiert er Theologie und Jura und lässt es sich 15 Jahre in Italien gutgehen. Jenseits der Alpen kommt im 15. Jahrhundert der italienische Humanismus mit einem im mittelalterlichen Franken noch unbekannten Wertekanon auf: Selbstbestimmung, Bildung, Gewaltfreiheit und Respekt vor jeden Menschen rücken in den Fokus. Diese humanistischen Ideale nimmt Albrecht von Eyb mit nach Deutschland und lässt sie 1472 in seinem Ehe-Ratgeber "Ob eynem manne sey zunemen ein eelichs weyb oder nicht" einfließen. Sein Tipp: Die Auserwählte sollte nicht allzu schön sein – weil sie sonst auch anderen Männern gefällt. Sie sollte nicht allzu reich sein – sonst fühlt sie sich zu unabhängig. Und bitte: Hütet euch vor Witwen! Überprüfen konnte Albrecht von Eyb seine Tipps nicht. Er stirbt am 24. Juli 1475 – wie es die katholische Kirche von ihm verlangt – unverheiratet. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Jakob Frohmann, Sammlungskurator für Handschriften, Inkunabeln und Alte Drucke an der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg (Goethe-Universität Frankfurt am Main) Albrecht von Eyb: Ob eynem manne sey zunemen ein eelichs weyb oder nicht. Mit einer Einführung zum Neudruck von Helmut Weinacht (=Texte zur Forschung. Band 36), Darmstadt 1984. Weiterführende Links: Jakob Frohmann: Die Bibliothek des Frühhumanisten Abrecht von Eyb (1420-1475) Zeitzeichen 1469: Vermutetes Geburtsjahr des niederländischen Humanisten Erasmus von Rotterdam Zeitzeichen im Jahr 1340: Das Wiener Stadtrecht befiehlt das Pfählen bei Ehebruch Hörtipp: Quarks Daily - der tägliche Wissenspodcast über die Frage: Hass, Wut und Spaltung - Driften wir immer weiter auseinander? Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang Meyer Redaktion: Christoph Tiegel / Frank Zirpins

  • Jul 23, 2025 · 14 min

    Warum Revolutionen scheitern: Poppers Warnung vor der Utopie

    Karl Popper flieht vor den Nazis und analysiert totalitären Terror. In "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" plädiert er 1945 für Demokratie - und gegen Heilslehren. In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach: aus welchem Elternhaus Karl Popper stammt, nach welchem Erlebnis der jugendliche Karl aus der Kommunistischen Partei austritt, wie er als bekannter Philosoph den Nazis entgeht, was Platon, Hegel und Marx nach Poppers Meinung mit Hitler und Stalin zu tun haben, warum Popper die britische Königin Elisabeth II. trifft. Karl Popper ist einer der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts. "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" ist sein berühmtestes Werk. Es umfasst 1.000 Seiten und wird in 23 Sprachen übersetzt. Darin fragt er: "Wie kann eine Gesellschaft dauerhaft offenbleiben: für Kritik, Reform und individuelle Freiheit, um so der totalitären, geschlossenen Gesellschaft entgegenzuwirken?" Seine Antwort: Das utopische Denken vom idealen Staat müsse vermieden werden. Genau dieses Denken habe zu totalitären, mörderischen Ideologien des frühen 20. Jahrhunderts geführt. Popper propagiert friedfertige Reformen, keine gewaltsamen Revolutionen. Er sagt: "Wir haben die Wahrheit nicht in der Tasche." In die Wissenschaftstheorie geht seine Position als "Kritischer Rationalismus" ein. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Hans-Peter Müller (Soziologe, Humboldt-Universität Berlin) Professor Volker Gerhardt (Philosoph, Humboldt-Universität Berlin) Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Tübingen 2003 Robert Zimmer, Martin Morgenstern: Karl R. Popper. Tübingen 2015 Jürgen August Alt: Karl R. Popper. Frankfurt 2001 Weiterführende Links: Zeitzeichen 28.07.1902: Geburtstag des Philosophen Karl Popper Scobel: Wann Wissenschaft wahr ist - nach Karl Popper Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak Technik: Nicolas Dohle

  • Jul 22, 2025 · 14 min

    Rose Kennedy: 104 Jahre zwischen Macht, Glanz und Tragödie

    Rose Kennedy (geboren am 22.7.1890) begründet eine mächtige Politikerfamilie. Die Mutter von "JFK" muss Schicksalsschläge verkraften - und lange ein Geheimnis hüten. In diesem Zeitzeichen erzählt Kolja Sand: welches Geheimnis Rose Kennedy um ihre Tochter Rosemary macht, wie streng und perfektionistisch sie als Mutter ist, welche tödlichen Familientragödien Rose Kennedy erleben muss. Ihr Vater - ein bekannter Politiker und der Bürgermeister von Boston - nimmt Rose als junges Mädchen oft mit zu Veranstaltungen. Doch selbst darf sie keine Karriere machen. Statt ans College zu gehen, muss sie 1908 nach Europa in eine Klosterschule. Roses Karriere ist es, Mutter zu sein und eine Familie hervorzubringen. Und dieser Karriere widmet sie ihr Leben und ihr ganzes Können. Rose Kennedy hilft, das perfekte Image der Familie aufzubauen - aber sie fällt nie politische Entscheidungen. In den Hinterzimmern der Macht sitzen andere: ihr Mann und ihre Söhne. Rose nimmt an anderer Stelle Einfluss. Sie setzt sich für Kinder mit Behinderungen ein und ermutigt deren Mütter, offen über ihre Kinder zu sprechen. Über ihre eigene Tochter Rosemary jedoch ist sie bis zum Ende ihres Lebens nie vollkommen ehrlich. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professorin Barbara Perry (Kennedy-Forscherin) Barbara Perry: The Life and Times of a Political Matriarch. New York 2013 Rose Kennedy: Alles hat seine Stunde - Meine Lebenserinnerungen. Frankfurt am Main 1974 Kate Clifford Larson: Rosemary: The Hidden Kennedy Daughter. New York 2015 Weiterführende Links: Zeitzeichen 29.05.1917: Geburtstag von John F. Kennedy Zeitzeichen 13.09.1918: Geburtstag von Rosemary Kennedy Zeitzeichen 10.07.1921: Geburtstag von Eunice Kennedy-Shriver Zeitzeichen 22.10.1962: John F. Kennedy kündigt Kuba-Blockade an Zeitzeichen 05.06.1968: Attentat auf Robert Kennedy Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Kolja Sand Redaktion: David Rother Technik: Alexander Buske