Artwork for WDR Zeitzeichen
History

WDR Zeitzeichen

WDR

Der tägliche Podcast über Geschichte von der Antike bis heute, über Europa und die Welt, über die Geschichte der Menschheit: 15 Minuten zu historischen Persönlichkeiten und Erfindungen. Von George Washington bis Rosa Luxemburg, vom Büstenhalter bis Breaking Bad.

  • 600 episodes
  • Updated Today

Episodes600

  • Dec 27, 2025 · 13 min

    Machtpolitik im Mittelalter: Ferdinand I.

    Ferdinand I. ist ein mächtiger Herrscher auf der iberischen Halbinsel. Er bekämpft die Muslime, verbündet sich mit ihnen - und lässt sie zahlen. Er stirbt am 27.12.1065. In diesem Zeitzeichen erzählt Murat Kayı: wie seine Familie und seine Frau die Macht Ferdinands fördern und einschränken, was hinter Ferdinands Attacken gegen die muslimischen Reiche im Süden der spanischen Halbinsel steckt, was Ferdinand mit der Überführung der Gebeine des heiligen Isidor aus dem muslimischen Sevilla in das christliche León bezweckt, wie die Inschrift von Ferdinands Grab lautet. Wie sieht die Welt Ferdinands aus? Auf der Iberischen Halbinsel, dem heutigen Gebiet von Nordspanien und Teilen Portugals, gibt es eine Vielzahl christlicher Fürstentümer, eng verflochten durch ein enges Verwandtschaftsnetz. Die Aristokratie der Halbinsel ist im Grunde eine einzige große Familie - verbunden durch Ehen. Und Ferdinand hat seine Verwandten besiegt oder unterworfen. Der Süden der Halbinsel ist eine andere Welt. Hier blühen Poesie, Wissenschaft und Architektur. Muslime, Juden und Christen leben relativ friedlich zusammen. Das ist El-Andalus, auf dem Gebiet des heutigen Andalusien. Lange herrschte hier das Kalifat von Cordoba. Doch nun zerbricht es in mehr als 60 Fürstentümer. Diese Splitterreiche sind für Ferdinands Machthunger ein gefundenes Fressen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Robert Friedrich (wissenschaftlicher Mitarbeiter, LMU München) Mats Pfeifer (wissenschaftlicher Mitarbeiter, Otto-Friedrich-Universität Bamberg) Georg Bossong: Das Maurische Spanien. München 2007 Nikolas Jaspert: Die Reconquista. München 2019 Weiterführende Links: ARD alpha: Andalusien - Spaniens mythischer Süden BR-Podcast: Altes Arabien - Als Spanien arabisch war ARD alpha: Córdoba - Von der Moschee zur Kathedrale Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Murat Kayı Redaktion: Sefa Inci Suvak

  • Dec 26, 2025 · 14 min

    Wie die Betten zum Highway kamen: 100 Jahre Motel

    Parken, schlafen, weiterfahren - im Dezember 1925 öffnet in Kalifornien das erste Motel. Als perfekt passendes Übernachtungsangebot zum noch jungen Autoboom. In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog: wie Motels zum festen Bestandteil der amerikanischen Kultur werden, was Henry Fords Model T "Tin Lizzy" damit zu tun hat, warum Motels bei Touristen und Gangstern so beliebt sind, warum sie nicht für die Ewigkeit gebaut werden, wie eine Motel-Kette das größte Computernetzwerk neben dem Militär aufbaut. Ursprünglich heißt es "Milestone Inn", dann "Milestone Mo-Tel" und schließlich "Motel Inn": Im Dezember 1925 eröffnet Arthur Heinemann im kalifornischen San Luis Obispo die erste Unterkunft, die "Motel" im Namen trägt. Der Ort ist ideal, denn er liegt auf halbem Weg zwischen Los Angeles und San Francisco am Highway 101, der wichtigsten Verkehrsader zwischen den beiden Städten. Doch aus seinem Traum einer ganzen Motel-Kette wird nichts. Dafür kopieren andere sein Konzept. In den 1960er Jahren säumen knapp 61.000 Motels die Ausfallstraßen und Highways der USA. Am erfolgreichsten ist "Holiday Inn". Das Geheimnis des Erfolgs: gleicher Standard in allen Motels. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Jefferson Rogers, University of Tennessee at Martin John A. Jakle, Keith A. Skulle, Jefferson S. Rogers: The Motel in America, London (USA) 1996 Weiterführende Links: Lyell Henry: Exposing the "Motel Menace". SCA Journal, Spring 2012, Vol. 29, No. 1 Zeitzeichen 16.06.1903: Gründung der Ford Motor Company Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Martin Herzog Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

  • Dec 25, 2025 · 14 min

    Raubzug in Westminster: Der legendäre Stein der Schotten

    Der "Stein des Schicksals" ist mit Legenden aufgeladen - und ein Symbol schottischer Unabhängigkeit. Am 25.12.1950 wird er geraubt - nicht zum ersten Mal. In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg: warum Edward I. den Stein im Mittelalter nach London bringt, dass seit mehr als 700 Jahren britische Monarchen auf dem Stein gekrönt werden, dass es um den Stein ebenso lang Streit zwischen England und Schottland gibt, warum dem Stein nachgesagt wird, er könne sprechen, warum eine gruppe schottischer Studenten ihn im 20.Jahrhundert erst stehlen und dann zurückgeben. Eigentlich gehört der "Stone of Destiny" nach Schottland. Dort raubt ihn Edward I. im Mittelalter nach seiner Eroberung Schottlands und bringt ihn nach London. Die Westminster Abbey wird über Jahrhunderte seine neue Heimat. Hier wird er Zeuge vieler Krönungen englischer und britischer Monarchen. Trotzdem sind einige Schotten auch nach Jahrhunderten noch überzeugt: Der Stein gehört nicht nach London. Und so wird am 25. Dezember 1950 der mehr als 150 Kilogramm schwere Stein gestohlen. Doch bald darauf ist er wieder da, rechtzeitig zur Krönung von Elizabeth II. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Dauvit Broun, Universität Glasgow Ian Hamilton: Stone of Destiny. Edinburgh 2008 Weiterführende Links: Stone of Destiny im Perth Museum Zeitzeichen 06.02.1952: Elisabeth II. wird Königin Zeitzeichen 16.11.1272: Todestag von Heinrich III., Vater von Edward I. Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Daniela Wakonigg Redaktion: Frank Zirpins Technik: Jürgen Mönkediek

  • Dec 24, 2025 · 14 min

    Jesus von Nazareth: Fakten, Mythen und eine Frage des Glaubens

    Am 24.12 wurde Jesus geboren. Nur wo - und in welchem Jahr? Und was ist wirklich historischer Fakt an der Weihnachtsgeschichte? Und warum berührt sie so viele Menschen? In diesem Zeitzeichen erzählt Uwe Schulz: warum Jesus vermutlich vier bis sieben Jahre früher geboren wird, dass er wohl nicht in einem Stall geboren wird, weshalb König Herodes die Volkszählung eigentlich nicht befohlen haben kann, welche Beweise es gibt, dass Jesus tatsächlich gelebt hat. Jesus ist eine der besser bezeugten Personen in der Antike. Dennoch weiß man heute immer noch nicht genau, wann und wie er gelebt hat. Die vier Evangelien der Bibel entstehen erst, als auch die letzten möglichen Augenzeugen schon lange tot sind. Sie sind Versuche, schriftlich festzuhalten, was die Zeitgenossen von Jesus erzählt haben. Ein halbes Jahrtausend nach Christus' Geburt rechnet ein Mönch in Rom nach, um endlich einen verbindlichen Termin zu finden - nicht für Weihnachten, sondern fürs Osterfest. Mit dem, was die Bibel und die Archive des Papstes hergeben, kalkuliert er. Und macht bei der Berechnung einen entscheidenden Fehler. Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner: Prof. Simone Paganini, Bibeltheologe an der RWTH Aachen Prof. Annette Merz, Universität Amsterdam/Groningen apl. Prof. Wolfgang Reinbold, Ev.-luth. Landeskirche Hannover Prof. em. Klaus Wengst, Ruhr-Universität Bochum Hon. Prof. Roland Werner, Evangelische Hochschule Tabor Prof. Luzia Sutter Rehmann, Universität Basel Weiterführende Links: WDR: Die Religionen der Welt Planet Wissen: Die Geschichte des Kalenders Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Uwe Schulz Redaktion: Matti Hesse

  • Dec 23, 2025 · 14 min

    Wie Aborigines in Australien unterdrückt wurden

    Der Aborigines Act wurde am 23.12.1905 in Australien verabschiedet. Das Gesetz hat für die Indigenen vor allem eines bedeutet: Bevormundung und Unterdrückung. In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath: wie sich die Kolonisierung Australiens von Süden nach Norden vollzieht, wie brutal die weißen Kolonisten dabei gegen die Aborigines vorgehen, welche rassistische Politik sich hinter sogenannten Schutzgesetzen für Ureinwohner verbirgt. Die Briten wollen die indigene Bevölkerung besser kontrollieren. Darum erlassen sie 1905 für Westaustralien das Aborigines-Gesetz, um ihre Apartheidspolitik zu festigen. Sie führen damit auch das Amt des "Chief Protector of Aborigines" ein, also des "Chef-Beschützers der Aborigines". Doch mit Schutz hat das nichts zu tun. Der "Chief Protector" hat die gesetzliche Vormundschaft über die Kinder der Aborigines inne. Da er laut Gesetz das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht über alle Aborigines-Kinder unter 16 Jahren hat, kann er sie aus ihren Familien reißen. Die Kinder müssen zwangsweise in Erziehungsheimen, Schulen oder bei weißen Familien leben. Die schwarze Haut der Ureinwohner soll später durch gemischte Ehen verschwinden. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Henry Reynolds (australischer Historiker) Jacinta Walsh (Wissenschaftlerin am Monash Indigenous Studies Center) Henry Reynolds: Looking from the North. Australian history from the top down. Sydney 2025 Jacinta Walsh: Married to a British Subject. Australian Journal of Politics & History 2023 Gerhard Leitner: Geschichte Australiens. Ditzingen 2016 Weiterführende Links: DLF Kultur: Australiens Indigene – Aboriginal-Herkunft als Trend Funk: Die wahre Geschichte von Australiens Ureinwohnern ZDF: Australien-Saga - Auf den Spuren der Entdecker Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Kath Redaktion: Jakob Schiffer und Matti Hesse

  • Dec 22, 2025 · 14 min

    Musterstaat des Mittelalters: Das Königreich Sizilien Rogers II.

    Der junge normannische Graf Roger (geb. am 22.12.1095) macht Sizilien und den Süden Italiens zu einem modernen Staat – und zu seiner Machtbasis im Mittelmeer. In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember: warum noch unklar ist, was die Normannen aus dem Norden nach Süditalien verschlagen hat, wie Roger II. nur durch den Tod des Bruders zum Thronfolger wird, welche Rolle die Hochzeit seiner verwitweten Mutter für seinen Aufstieg spielt, weshalb es nach seinem Tod mit Sizilien bergab geht. Die Wurzeln des Königreichs Sizilien liegen bei den Normannen in Nordfrankreich und Skandinavien. Von dort macht sich Roger I. auf nach Süditalien und erobert Sizilien, wo Juden, Griechen, Lateiner und Araber zusammen leben. Damit er sich nicht im Kampf gegen die Minderheiten aufreibt, räumt er ihnen weitreichende Rechte ein. Nach seinem Tod übernimmt sein Sohn Roger II. die Herrschaft. Gut ausgebildet und visionär, fördert er die Seidenproduktion und baut eine Handelsflotte auf. Er schafft eine effiziente Verwaltung, die Gesetze in Latein, Griechisch und Arabisch festhält. So entsteht ein weitgehend friedliches Miteinander der Kulturen. Als er 1154 stirbt, hinterlässt er ein wohlhabendes und mächtiges Reich. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Theresa Jäckh, Historikerin, Universität Tübingen Theresa Jäckh: Raumgeschichte einer Hauptstadt: Palermo unter muslimischer und christlicher Herrschaft (ca. 800-1200). Berlin 2023 Hubert Houben: Die Normannen. München 2024 Weiterführende Links: Planet Wissen: Sizilien unter normannischer Herrschaft Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Heiner Wember Redaktion: Frank Zirpins Technik: Moritz Raestrup

  • Dec 21, 2025 · 14 min

    Ein Leben wie im eigenen Roman: Francis Scott Fitzgerald

    Am 21.12.1940 stirbt F. Scott Fitzgerald, im Alter von 44 Jahren. Erst posthum erlangt er Weltruhm mit seinem Roman "The Great Gatsby" - ein Klassiker des "Jazz Age". In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen: dass Francis Scott Fitzgerald trotz Alkoholverbot in Amerika ständig trinkt, welche Kränkung er durch seine Armut als Schriftsteller erfährt, über das Leben der Fitzgeralds als Glamourpaar, warum er fast zerbricht, als "Der große Gatsby" nicht zum Bestseller wird. Francis Scott Fitzgerald hat nur einen Wunsch: Er möchte dazugehören – zur glanzvollen Upper Class Amerikas. Seine Eintrittskarte wird seine Frau Zelda. Sie ist zwar nicht reich, aber schön, schillernd und voller Glamour. 1920 heiraten die beiden und stürzen sich in der Leben der wilden Zwanziger Jahre: frei von Konventionen, mit exklusiven Partys in New York, Paris und an der Côte d’Azur. Dort trinkt er viel Alkohol und sammelt Ideen. Fitzgerald schreibt im Akkord Kurzgeschichten, um seinen ausschweifenden Lebensstil zu finanzieren. Sein eigentliches Ziel ist ein Roman, der ihn unsterblich macht. 1924 entsteht "Der große Gatsby" – und findet kaum Beachtung. Erst nach seinem Tod am 21. Dezember 1940, wird der Roman zum Bestseller und Klassiker. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Horst Lauinger, Verleger Manesse-Verlag Michaela Karl, Biografin F. Scott Fitzgerald: Der Große Gatsby. neu übersetzt von Bernhard Robben. Zurück 2025 Michaela Karl: Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals – Zelda und F. Scott Fitzgerald – Eine Biografie. München 2013 Weiterführende Links: Deutschlandfunk: 100 Jahre "Der große Gatsby": Die übersehene Figur – der Nachbar Nick Carraway ARD Audiothek: Der Große Gatsby wird 100 Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Klasen Redaktion: Christoph Tiegel, Sefa Inci Suvak Technik: Nicolas Dohle

  • Dec 20, 2025 · 14 min

    Mutige Antikriegs-Mission: zwei Studenten "besetzen" Helgoland

    Am 20.12.1950 setzen zwei junge Heidelberger per Boot nach Helgoland über. Sie protestieren gegen britische Bombentests und fordern die Rückgabe der Insel an Deutschland. In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner: was billiger Schnaps und Heinrich Heine mit Helgoland zu tun haben, warum die Briten seit Ende des Zweiten Weltkrieges Helgoland als Bombenübungsplatz nutzen, weshalb viele Helgoländer gegen die Besetzung durch die Studenten sind, dass René Leudesdorff und Georg von Hatzfeld für ihr Helgoland-Engagement das Bundesverdienstkreuz bekommen. 1950 ist von Helgolands Schönheit nicht mehr viel übrig: Der britische Bombenhagel im Krieg und die folgende Sprengung des riesigen U-Boot-Bunkers haben die Insulaner aufs Festland vertrieben. Das ist ein klarer Rechtsbruch, finden die Studenten René Leudesdorff und Georg von Hatzfeld im fernen Heidelberg und entwickeln während einer Völkerrechtsvorlesung die kühne Idee: "Wir befreien Helgoland". Kurz vor Weihnachten 1950 brechen die beiden mit einem Schiffskutter zur Insel auf. Sie können die britischen Aufpasser passieren und hissen am einzigen noch stehende Gebäude die Flaggen von Deutschland, Europa und Helgoland. Die mitgereisten Journalisten bringen die Aktion in die Schlagzeilen – und damit das Schicksal der Helgoländer zurück ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Martin Krieger (Historiker, Universität Kiel) Martin Krieger: Die Geschichte Helgolands: Geschichte einer Insel. Hamburg 2015 Martin Krieger: Helgoland und der Kreis Pinneberg 1932–1952. Sonderedition 2022 im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Helgoländer Geschichte(n) – eine Insel im Wandel" René Leudesdorff: Wir befreiten Helgoland. Ein historischer Krimi. Bremen 1998 Weiterführende Links: Planet Wissen: Die Geschichte Helgolands Zeitzeichen: 02.08.1997 – Todestag des Schriftstellers James Krüss Stichtag: 18.04.1947 – Militäranlagen auf Helgoland werden gesprengt Zeitzeichen: 09.08.1890 – Helgoland geht in deutschen Besitz über Zeitzeichen: 26.08.1841 – Fallersleben dichtet "Deutschlandlied" Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Martina Meißner Redaktion: Christoph Tiegel, Frank Zirpins Technik: Moritz Raestrup

  • Dec 19, 2025 · 14 min

    Stammzellforschung: Wissenschaftsrevolution aus Großbritannien

    Am 19.12.2000 erlaubt das britische Parlament als erstes in Europa das Klonen von Embryos für die Forschung. In Deutschland fragt man sich: Wie weit darf Wissenschaft gehen? In diesem Zeitzeichen erzählt Doris Arp: wie viele Versuche es braucht, um das Schaf Dolly zu klonen, warum Dolly Begeisterung und Angst zugleich erzeugt, dass für die Forschung in Deutschland kein Embryo sterben darf, warum andere Länder andere Maßstäbe ansetzen, warum die Aufregung um die Stammzellenforschung sich wieder gelegt hat. Wann beginnt der Mensch mit allen fundamentalen Schutzrechten? Für die einen ab dem Moment der Verschmelzung von Ei und Samenzelle, andere sehen nur eine kleine Zellkugel, ohne Schmerzempfinden und ohne Menschenwürde. Der Bundestag befasst sich im Jahr 2002 mit drei Anträgen zu Import und Forschung an Stammzellen - und wählt in dieser schwierigen Frage schließlich den Mittelweg. Großbritannien ist da schon deutlich weiter: Am 19. Dezember 2000 erlaubt das britische Unterhaus Wissenschaftlern, menschliche Embryonen extra für die Forschung zu züchten. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Sigrid Graumann, Biologin und Philosophin an der evangelischen Fachhochschule Bochum Prof. Oliver Brüstle, Stammzellforscher am Bonner Institut für Reproduktive Stammzellforschung Hartmut Kreß: Medizinische Ethik. Gesundheitsschutz, Selbstbestimmung, Rechtspolitik. Stuttgart 2024 Weiterführende Links: Stichtag 25.07.1978: Erstes Retorten-Baby der Welt geboren 22. Tätigkeitsbericht der Zentralen Ethik-Kommission für Stammzellenforschung Fachkonferenz des BMBF zur Verwendung von humanen Embryonen in der medizinischen Forschung Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Doris Arp Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak Technik: Nikita Sulzhenko

  • Dec 18, 2025 · 14 min

    "Der weiße Hai": Urängste im Kinosaal

    Als "Der weiße Hai" am 18.12.1975 in die deutschen Kinos kommt, verändert er den Blick aufs Meer. Steven Spielberg hat ein Monster erschaffen, das die Menschen das Fürchten lehrt. In diesem Zeitzeichen erzählt Ulli Schäfer: wie "Der weiße Hai" mit einer unsichtbaren Bedrohung Millionen fesselt, warum der Hai im Film nur selten zu sehen ist, wie aus einer chaotischen Produktion ein Welterfolg wird. Als Steven Spielbergs "Der weiße Hai" 1975 in die Kinos kommt, trifft er einen Nerv. Ein rätselhafter Angriff im Meer, ein Badeort in Aufruhr und ein Monster, das man kaum sieht, aber umso stärker fürchtet: Spielberg spielt mit Andeutungen und Erwartungen und baut so Spannung auf. Einen großen Einfluss hat auch die markante Musik von John Williams, die mit wenigen Tönen Gefahr ankündigt und die Unsichtbarkeit des Hais noch wirkungsvoller macht. Trotz explodierender Kosten, endloser Drehtage und eines unfertigen Drehbuchs wird „Der weiße Hai“ zum Kinoerfolg des Jahres - und der erst 27-jährige Regisseur schlagartig bekannt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Gerhard Wegner, Taucher, Haiexperte und Gründer der Haischutzorganisation "Sharkproject" Prof. Nicole Maruo-Schröder, Amerikanistin und Kulturwissenschaftlerin, Uni Koblenz Wieland Schwanebeck: Der weiße Hai revisited: Steven Spielbergs Jaws und die Geburt eines amerikanischen Albtraums, München 2015 Gerhard Wegner und Christine Gstöttner: Blind Dates. Das große Buch der Haibegegnungen. Hrsg.: Sharkproject International e.V., München 2019 Weiterführende Links: Zeitzeichen 20.11.1820: Der wahre Moby Dick - Wie ein Pottwal die Essex angriff Planet Wissen: Tiere im Wasser - Haie Planet Wissen: Der weiße Hai Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Ulli Schäfer Redaktion: Sefa Inci Suvak

  • Dec 17, 2025 · 14 min

    Wie ein Gemüsehändler den Arabischen Frühling startete

    Massenarbeitslosigkeit, Armut und Korruption: In der Jasmin-Revolution tragen die Tunesier ihren Unmut lautstark auf die Straße – und stürzen ihren Diktator. In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg: von der Euphorie beim Ausbruch des Arabischen Frühlings, welche Rolle Social Media bei der Jasmin-Revolution gespielt hat, wie die Revolution den Islamismus befeuert, warum der Arabische Frühling heute als gescheitert gilt. Seit sein Vater tot ist, muss Mohamed Bouazizi Mutter und Geschwister ernähren. Dafür verkauft der Tunesier Gemüse auf der Straße. Als die Polizei wieder einmal grundlos seinen Wagen konfisziert, übergießt sich der 26-Jährige mit Benzin und zündet sich vor der Stadtverwaltung an. Ein Protest gegen Willkür und Korruption des Systems. Mohamed Bouazizis Selbstverbrennung löst landesweite Proteste gegen die Alleinherrschaft von Präsident Zine el-Abidine Ben Ali aus – und gilt als Initialzündung des Arabischen Frühlings. Von Tunesien aus schwappt die Bewegung bald in die Nachbarländer Ägypten, Libyen und Syrien. Millionen Menschen fordern: Freiheit, Würde, Arbeit und Demokratie. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Julia Gerlach, von 2008 bis 2015 freie Korrespondentin für Nordafrika, Buchautorin Dr. Maria Josua, Giga-Institut Hamburg Prof. Kmar Bendana, Geschichte der Gegenwart, Universität von Manouba (unweit von Tunis) Julia Gerlach: Der verpasste Frühling. Woran die Arabellion gescheitert ist. Berlin 2016 Jörg Armbruster: Der arabische Frühling. Als die islamische Jugend begann, die Welt zu verändern. Frankfurt/Main 2011 Gilles Kepel: Chaos. Die Krisen in Nordafrika und im Nahen Osten verstehen. München 2019 Domenica Preysing: Tunesien: Vorreiter des Aufbruchs, Vorbild des Wandels? In: Annette Jünemann, Anja Zorob: Arabellions. Zur Vielfalt von Protest und Revolte im Nahen Osten und Nordafrika. Wiesbaden 2013 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 25.07.1957 – Tunesien wird Republik Stichtag: 25. Januar 2011– Ägyptischer Volksaufstand beginnt Planet Wissen: Der Arabische Frühling 2011 Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Vormweg Redaktion: Jakob Schiffer, David Rother Technik: Thomas Bleul

  • Dec 16, 2025 · 14 min

    Vorbild für den Paten: Mafia-Boss Paul Castellano

    Als Castellano am 16.12.1985 erschossen wird, endet die große Zeit der Cosa Nostra in New York. Neue kriminelle Organisationen übernehmen, doch ganz verschwindet die Mafia nicht. In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck: wie die Prohibition in den 1920er-Jahren der Mafia zu enormer wirtschaftlicher Macht verhilft, warum der Mord an Paul Castellano wie eine Szene aus einem Hollywoodfilm wirkt, wie die Cosa Nostra mit Angst und Bestechung ihre Macht absicher und ihr kriminelles Imperium erweitert, welche Rolle die Mafia in den USA heute noch spielt. Paul Castellano, Italo-Amerikaner der zweiten Generation und Boss der Gambino-Familie, steigt vom jungen Fleischer zum "Paten der US-Mafia" auf. Er herrscht mit Terror, kauft Gewerkschaften und kontrolliert das Bau- und Transportgewerbe in New York. Am 16. Dezember 1985 endet seine Macht abrupt: Drei Männer erschießen ihn vor einem Steak House in Manhattan. Sein Tod steht im Kontext einer Reihe großer Mafia-Prozesse, wegen der die Cosa Nostra ihre Schlagkraft einbüßt. Doch noch heute wird vermutet, die Mafia stecke hinter zahlreichen Betrugsfällen. Sicher ist allerdings nur: Ganz verschwunden ist sie nie. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Misha Glenny, Historiker und Direktor des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (Wien), Experte für globales organisiertes Verbrechen Jeffrey Sussman: Big Apple Gangsters. The Rise and Decline of the Mob in New York, London 2020 Misha Glenny: McMafia. Die grenzenlose Welt des organisierten Verbrechens, München 2008 Joseph F. O’Brian und Andris Kurins: Boss of Bosses. The FBI and Paul Castellano, New York 1991 Weiterführende Links: Planet Wissen: Geschichte der Mafia Zeitzeichen 18.05.1938: Todfeind der Mafia - Der italienische Richter Giovanni Falcone ZDF: Mafia Killer Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Almut Finck Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse Technik: Annette Skrzydlo

  • Dec 15, 2025 · 14 min

    Sitting Bull: Unbeugsamer Chief und sein gewaltsames Ende

    Am 15.12.1890 wird Sitting Bull, Stammesführer der Sioux, erschossen. Sein Tod markiert das Ende des Widerstands - was bleibt von seinem Kampf bis heute? In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer: über den Morgen, an dem Soldaten Sitting Bull töten, wie zwei Wochen nach seinem Tod indigene Frauen und Mädchen bei einem Massaker sterben, was Deutschland mit der Ausbeutung der indigenen US-Bevölkerung zu tun hat, warum heute ausgerechnet Spielcasinos den Indigenen helfen. Sein Vater nennt ihn Tatanka Iyotake, bekannt wird der 1831 geborene indigene Junge allerdings als Sitting Bull. Der Name beschreibt einen widerständigen Büffel und steht für Stolz und Entschlossenheit. Tatsächlich entwickelt sich Sitting Bull zu einem mutigen Häuptling, vor allem im Kampf gegen die Übergriffe der Siedler. Im Sommer 1876 gelingt ihm sein wohl größter Coup: Er bringt mehrere Stämme zusammen; gemeinsam besiegen sie die Regierungs-Truppen von George Armstrong Custer. Der Sieg am Little Bighorn River macht Sitting Bull zur Legende. Doch die Freude währt nicht lange – die US-Regierung schränkt die Rechte der Native Americans immer weiter ein. Sitting Bull kämpft weiter gegen Enteignung und Verfolgung. Zeitweise reist er mit einer Unterhaltungsshow durchs Land, um sein Volk vorzustellen und die Siedlerpolitik zu kritisieren. Seine Mühen sind vergeblich: Am 15. Dezember 1890 wird er von Truppen der US-Regierung erschossen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Norbert Finzsch, em. Professor für amerikanische Geschichte, Köln, Berlin Michael Koch, Verein Tokata-LPSG RheinMain e.V. (Verein zur Unterstützung indianischer Jugend-, Kultur- und Menschenrechtsprojekte) Ernie Lapointe (Urenkel von Sitting Bull): Sitting Bull. Sein Leben und Vermächtnis, Hohenthann 2011 Weiterführende Links: Stichtag: 25. Juni 1876 – Die Schlacht am Little Bighorn River SWR Kultur: Darf man noch "Indianer" sagen? Planet Wissen: Indianer / Indigene Völker Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Irene Geuer Redaktion: Matti Hesse Technik: Joseph Baader

  • Dec 14, 2025 · 14 min

    Paul Löbe: Ein Leben für Demokratie - und gegen die Extreme

    Paul Löbe (geb. 14.12.1875) kann davon berichten, wie eine parlamentarische Demokratie aufgebaut wird, wie sie funktioniert und wie schnell sie zu Grunde gehen kann. In diesem Zeitzeichen erzählt Rüdiger Weidenfeld-Kramer: welchen Beruf Paul Löbe ursprünglich lernt, wie sein Motto lautet, welche Höhen und Tiefen des deutschen Parlamentarismus Löbe in vier politischen Systemen erlebt, wie das Paul-Löbe-Haus in Berlin zu seinem Namen kommt, wie der Politiker nach 1945 zum viel interviewten "Elder Statesman" wird. Eigentlich will Paul Löbe nicht in die Politik. Seine Parteifreunde von der SPD sind da anderer Meinung: Sie wollen ihn in den Reichstag schicken, als es nach der deutschen Revolution von 1918 um eine verfassungsgebende Versammlung geht. Löbe wird einstimmig als Kandidat nominiert und gibt schließlich nach. Nachdem die SPD 1920 bei der ersten Reichstagswahl die stärkste Fraktion geworden ist, macht Löbe Karriere als Parlamentspräsident der Weimarer Republik - von 1920 bis 1932, unterbrochen nur durch wenige Monate. Dann wird die NSDAP stärkste Fraktion und Hermann Göring sein Nachfolger. Auch im letzten Akt seines langen politischen Werdegangs bekleidet Paul Löbe noch einmal ein Amt, das er sich nicht selbst ausgesucht hat: Er wird der Alterspräsident des ersten deutschen Bundestages. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Victoria Krummel (Löbe-Biografin und Redenschreiberin mehrerer Bundestagspräsidenten) Victoria Krummel: Paul Löbe - Ein Leben für die Demokratie. Hamburg 2025 Thomas Mergel: Parlamentarische Kultur in der Weimarer Republik - Politische Kommunikation, symbolische Politik und Öffentlichkeit im Reichstag. Düsseldorf 2002 Philipp Austermann: Der Weimarer Reichstag: Die schleichende Ausschaltung, Entmachtung und Zerstörung eines Parlaments. Wien/Köln/Weimar 2020 Paul Löbe: Der Weg war lang - Lebenserinnerungen von Paul Löbe. Berlin 1954 Weiterführende Links: RBB: Wie ich angefangen habe: Paul Löbe (1957) WDR: Paul Löbe erklärt Geschichte und Funktion einer Volksvertretung (1953) SWR: Der Reichstag vor Hitler - Parlamentsdebatten 1931 bis 1933 Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Rüdiger Weidenfeld-Kramer Redaktion: Matti Hesse Technik: Nico Söllner

  • Dec 13, 2025 · 14 min

    Skandal und Sensation: Bertolt Brechts "Die Maßnahme"

    Revolutionäre Klänge, Arbeitersänger und ein Theaterskandal: Am 13.12.1930 wird Brechts Stück "Die Maßnahme" uraufgeführt, als Sensation gefeiert - und dann jahrzehntelang verboten. In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld: warum Brecht und Eisler ein kongeniales Gespann bilden, was die Uraufführung des Lehrstücks so besonders macht, warum es 1947 zu einem Aufführungsverbot kommt, weshalb das Stück 1998 erstmals wiederaufgeführt wird - und danach kaum noch. Um 1930 entwickelt Bertolt Brecht unter anderem mit Hanns Eisler das avantgardistische Konzept der Lehrstücke. Darin sollen die Spielenden selbst gesellschaftliche Konflikte erkennen, diskutieren und verstehen. Sein Lehrstück "Die Maßnahme" geht in die Literatur- und Musikgeschichte ein: Darin wird die Frage verhandelt, ob ein Mensch getötet werden darf, um politische Ziele zu erreichen. Die Uraufführung wird zu einer Sensation. Doch dann verbieten Brecht und Eisler jede musikalische Aufführung des Stücks. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Jan Knopf, Leiter der Arbeitsstelle Bertolt Brecht am Institut für Germanistik des Karlsruher Instituts für Technologie Bertolt Brecht: Gesammelte Werke 2, Stücke 2, Berlin 1967 Jan Knopf: Brecht-Handbuch Band 1, Stücke, Heidelberg 2001 Jan Knopf: Bertolt Brecht, Berlin 2006 Fritz Hennenberg: Hanns Eisler, Mainz 2017 Friederike Wissmann: Hanns Eisler, München 2012 Klaus Dieter Krabiel: Brechts Lehrstücke, Heidelberg 1993 Weiterführende Links: Zeitzeichen 14.08.1956: Todestag von Bertolt Brecht Zeitzeichen 06.09.1962: Todestag des Komponisten Hanns Eisler Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christian Kosfeld Redaktion: Sefa Inci Suvak

  • Dec 12, 2025 · 14 min

    Schloss Neuschwanstein: König Ludwigs Rückzugsort vor der Welt

    Am 12.12.1880 schläft Ludwig II. erstmals auf der Baustelle Neuschwanstein. Er hat große Pläne für sein Schloss. Und am Ende so große Schulden, dass er es nie fertig sieht. In diesem Zeitzeichen erzählt Laura Dresch: mit welcher Idee Ludwig II. die Statiker während des Baus von Neuschwanstein überrascht, wie teuer das Bauprojekt am Ende ist, welche Verbindung zwischen Ludwig II. und dem Opern-Komponisten Richard Wagner besteht, warum der König das fertige Schloss Neuschwanstein nie sieht, weshalb das Schloss nach Ludwigs Tod für die Untertanen geöffnet wird. Abgeschieden von der Welt - so stellt sich Ludwig II. sein Leben auf Neuschwanstein vor. Das will er in einer kalten Nacht auf der Baustelle testen. Der König lebt in seiner eigenen Welt mit eigenem Tagesrhythmus. Frühstück gibt es gegen 16 Uhr. Wenn er überhaupt noch einen Termin wahrnimmt, dann spätabends. Repräsentative Pflichten interessieren ihn nicht. Ihm ist es völlig egal, dass Besuche an anderen Höfen zu seinen Aufgaben zählen. Nachts zieht er lieber mit einem dicken Wintermantel über die Baustelle. Nur ein Diener begleitet ihn, der ihm das Licht hält. Statt mit seinem Land in die Zukunft zu gehen, zieht er sich ins Mittelalter zurück. Schon als Kind ist er fasziniert von Ritterromantik. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Marcus Spangenberg (Kunsthistoriker) Marcus Spangenberg: Ludwig II. - Der andere König. Regensburg 2012 Weiterführende Links: Zeitzeichen 05.09.1869: Grundsteinlegung Schloss Neuschwanstein Zeitzeichen 22.05.1872: Grundsteinlegung für das Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth Zeitzeichzeichen 21.05.1878: Grundsteinlegung Schloss Herrenchiemsee Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Laura Dresch Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

  • Dec 11, 2025 · 14 min

    Kalte Einöde: Erstmals überwintern neun Frauen in der Antarktis

    Frauen in der Antarktis? Und dann noch über den Winter? Für das Alfred-Wegener-Institut undenkbar – bis im antarktischen Winter des Jahres 1990 neun Frauen das Eis brechen. In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach: welche Bedingung die männlichen Entscheider den Forscherinnen für den Einsatz stellen, welches Überlebenstraining die Frauen zur Vorbereitung absolvieren müssen, warum die Wissenschaftlerinnen beim Verlassen der Forschungsstation schwitzen, wie die Frauen nach dem Mauerfall Kontakt zu den 700 Kilometer entfernten DDR-Forschern in der Antarktis aufnehmen, welchen Einfluss die Pionierleistung der Frauen auf die Geschlechterzusammensetzung heutiger Forschungsteams hat. Der Kontinent der Superlative: Die Antarktis. Der kälteste, stürmischste und lebensfeindlichste Kontinent der Erde, größer als Europa, bedeckt von Tausenden Metern ewigen Eises. Ein halbes Jahr geht die Sonne am Südpol nicht unter, die andere Hälfte herrscht dunkle Nacht. Im arktischen Winter gibt nur noch der Mond Licht. Es herrschen Temperaturen um minus 40 Grad. Unter diesen Bedingungen müssen die Forscherinnen ausharren. Sie führen wissenschaftliche Experimente durch und überprüfen auch Messgeräte, die kilometerweit von der Station entfernt sind. Im Januar 1991 endet die Überwinterung der neun Frauen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Estella Weigelt (Geophysikerin, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven) Tim Heitland (Mediziner, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven) Monika Sobiesiak und Susanne Korhammer (Hg.): Neun Forscherinnen im ewigen Eis. Die Erste Antarktisüberwinterung eines Frauenteams. Basel 1994 Weiterführende Links: Stichtag: 12. Februar 1990 - Reinhold Messner und Arved Fuchs durchqueren die Antarktis Zeitzeichen: 04.10.1991 - Das Umweltschutzprotokoll zum Antarktis-Vertrag wird unterzeichnet Zeitzeichen: 15.07.1980 - Gründung des Alfred-Wegener-Instituts Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach Redaktion: Frank Zirpins Technik: Sarah Fitzek

  • Dec 10, 2025 · 14 min

    Emily Dickinson: Frühe queere Ikone und visionäre Dichterin

    Sie schreibt fast 1800 Gedichte, doch Ruhm will sie nicht – zumindest nicht zu Lebzeiten. Heute zählt Dickinson (geb. am 10.12.1830) zu den größten Lyrikerinnen der USA. In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Fischer: woran man Gedichte von Emily Dickinson auf den ersten Blick erkennt, wer die wichtigste Frau in ihrem Leben ist, was Dickinson mit Taylor Swifts "Evermore" zu tun hat, warum Emily Dickinson so zurückgezogen lebt, warum ihre Gedichte auch heute noch so erfolgreich sind. Als Tochter aus gutem Haus ist Emily Dickinson auf keinen Ehemann oder Beruf angewiesen. So hat sie Zeit, sich dem Schreiben von Gedichten zu widmen. Anonym veröffentlicht Dickinson ein paar ihrer Texte. Am Erfolg als Dichterin hat sie jedoch kein Interesse. Einen Großteil ihres Lebens verbringt sie zurückgezogen. Von den fast 1800 heute bekannten Dickinson-Gedichten erscheinen die meisten erst nach ihrem Tod. Dickinson hat sie sorgfältig notiert – und Hunderte in Briefen an berühmte Menschen ihrer Zeit und ihre geliebte Freundin geschickt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Dr. Christine Gerhardt, Universität Bamberg Prof. Dr. Cristanne Miller, University at Buffalo Gunhild Kübler (Hg.): Emily Dickinson. Sämtliche Gedichte. München 2015 Lola Gruenthal (Hg.): Emily Dickinson. Guten Morgen, Mitternacht. Gedichte und Briefe. Zürich 2011 Dominique Fortier: Städte aus Papier. Vom Leben der Emily Dickinson. München 2022 Weiterführende Links: SWR Kultur: Song of America (3/10) - Emily Dickinson Planet Wissen: Romantik Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Jana Fischer Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins

  • Dec 9, 2025 · 14 min

    Glanz und Gewalt: Aztekenprinzessin Tecuichpotzin

    Ihr Reich zerbricht, ihre Familie wird ausgelöscht. Doch die Aztekenprinzessin Tecuichpotzin findet Wege, im kolonialen Mexiko zu bestehen. Sie stirbt am 9. Dezember 1550. In diesem Zeitzeichen erzählen Markus Harmann und Joachim Heinz: wie Isabel zu ihrem Titel "Tecuichpotzin" kommt und was er bedeutet, wie Hernán Cortés das Leben der Aztekenprinzessin und ihrer Familie auf den Kopf stellt, von Isabels teils sehr kurzen Ehen und was diese ihr bringen, was ihr Testament über Doña Isabel de Moctezuma aussagt. Doña Isabel de Moctezuma ist die Tochter des legendären Aztekenkaisers. Und damit eins von mutmaßlich 150 Kindern, die Moctezuma mit schätzungsweise 50 Haupt- und Nebenfrauen zeugt. Isabel erlebt schon als Kind zahlreiche Schicksalsschläge: Ihr Vater, ihre Mutter und ihre Geschwister werden getötet. Außerdem ist sie Zeugin von der Eroberung und Zerstörung ihrer Heimatstadt Tenochtitlan. Trotzdem meistert sie den Übergang von der aztekischen zur spanischen Welt erfolgreich. Doña Isabel überlebt zahlreiche Ehemänner und behauptet sich als Frau und Mutter. Durch ihre insgesamt sieben Kinder begründet sie mehrere Adelsstämme, die noch heute Moctezuma im Namen führen. Ihr mutmaßliches Todesdatum ist der 9. Dezember 1550. Manche Forscher glauben aber, dass die Aztekenprinzessin länger lebt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Antje Gunsenheimer, Ethnologin und Spezialistin für Altamerikanische Gesellschaften und Kulturen, Universität Bonn Stefan Rinke: Conquistadoren und Azteken. Cortés und die Eroberung Mexikos. München 2019 Wolfgang Behringer: Der große Aufbruch. Globalgeschichte der Frühen Neuzeit. München 2023 Wolfgang Reinhard: Die Unterwerfung der Welt. Globalgeschichte der europäischen Expansion 1415-2015. München 2016 Margarita Menegus Bornemann und María Castañeda de la Paz: Isabel Moctezuma, familia y encomienda. Mexiko-Stadt 2021 Weiterführende Links: Stichtag: 8. November 1519 - Hernán Cortés erreicht Tenochtitlan Stichtag: 30. Juni 1520 - Aztekenherrscher Moctezuma stirbt Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autoren: Markus Harmann und Joachim Heinz Redaktion: Sefa Inci Suvak

  • Dec 8, 2025 · 14 min

    Sammy Davis Jr.: Witz als Waffe gegen Rassismus

    Er nannte sich einen "einäugigen schwarzen Juden" und verwandelte persönliche Brüche in eine einzigartige Karriere. Am 8.12.1925 wurde Sammy Davis Jr geboren. In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Mau: mit welchem Trick Sammy das Auftrittsverbot für Kinder umgeht und schon in jungen Jahren auf der Bühne steht, welche rassistischen Anfeindungen er in der US-Armee erlebt, wie Sammy Davis jr. Mitglied der Entertainer-Gruppe "Rat Pack" wird, womit US-Präsident John F. Kennedy seinen Unterstützer Sammy tief verletzt, wie Sammy in Teilen der schwarzen Community für Irritationen sorgt, welche Darbietung er bei der Gala zu seinem 60. Bühnenjubiläum präsentiert. Sammy Davis jr. erlebt jeden Tag Rassismus: Mit seinen Shows im "Sands Casino" in Las Vegas sorgt er für ein volles Haus, darf aber in derselben Straße als Schwarzer nicht im Hotel wohnen. Auf der Bühne macht er das mit viel Humor immer wieder zum Thema. Der US-Amerikaner scheint Handicaps zu sammeln: Er ist mit 1,56 Meter von kleiner Statur, verliert bei einem Unfall sein linkes Auge, konvertiert zum Judentum und ist noch dazu als schwarzer Mann eine Zeit lang mit einer weißen Frau verheiratet - was seinerzeit in den USA als geradezu skandalös gilt. Dennoch entwickelt sich Sammy Davis jr. zu einem der größten Showstars als Sänger, Entertainer und Schauspieler. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Matthew Frye Jacobson (Professor für African American Studies an der Yale University) Matthew Frye Jacobson: Dancing down the barricades: Sammy Davis Jr. and the long civil rights era - A cultural history. Oakland 2023 Sammy Davis Jr. (with Burt and Jane Boyar): Yes, I Can. New York 1965 Sammy Davis Jr. (with Burt and Jane Boyar): Why me?. New York 1989 Weiterführende Links: DLF: Reihe zu Sammy Davis jr. NDR: Sammy Davis jr. - "The Candy Man" Zeitzeichen 12.12.1915: Frank Sinatra wird geboren Stichtag 25.12.1995: Dean Martin stirbt in Beverly Hills Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Mau Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse