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Artwork for Perfekt Imperfekt
Health & FitnessMental Health

Perfekt Imperfekt

Gabriel Beyer

Willkommen in meinem Podcast über die 3 Prinzipien – oder wie ich’s nenne: das menschliche Betriebssystem.
Hier geht’s nicht um „optimier dich endlich“, sondern um den Moment, in dem du merkst: „Ah.“ Ich bin nicht kaputt. Ich hab gerade nur 37 Tabs offen und glaube, was ich denke!
Gedanke ist die Software, Bewusstsein ist der Bildschirm, Mind ist das WLAN, das immer da ist – selbst wenn du’s kurz vergessen hast.
Kurz: Weniger Drama im Kopf, mehr Klarheit im Leben. Direkt, witzig, radikal ehrlich und mit echten Aha-Momenten.

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  • 45 episodes
  • daily
  • Avg 15 min
  • German
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  • S1 · E236
    Yesterday · 15 min

    #236 Die Superpower Bewusstsein

    Folge 236 - Die Superpower Bewusstsein Bei meinen Kindern herrschte gerade noch Krieg. Da wurde über Sterben gesprochen, über Dramatik, die Welt war eindeutig der schlimmste Ort, den es überhaupt gibt. Und ich bin voll eingestiegen. Hab das total ernst genommen, wollte schlichten, erklären, verstehen, was denn genau los ist. Ein paar Minuten später spielen die beiden wieder zusammen, als wäre nie etwas gewesen. Und ich? Steh immer noch da, mitten in meiner komischen Ernstnehmstimmung. Der Einzige im Raum, der noch im Krieg ist. Ehrlich gesagt ziemlich lustig, wenn ich heute dran denke. Kinder springen. Superschnell. Von ganz unten bis ganz oben, ohne Technik, ohne dass ihnen jemand erklärt, wie das geht. Bei den meisten Erwachsenen dauert das ewig. Bei mir früher auch. Und da steckt für mich eine der krassesten Superkräfte drin, die wir Menschen haben: Bewusstsein. Wir denken, und in dem Moment, in dem ein Gedanke da ist, macht Bewusstsein ihn lebendig. Es fühlt sich an wie 3D Kino, 360 Grad, nur noch viel krasser, weil die Gefühle immer gleich mitkommen. Full Body Experience. Und das erleben wir als Realität. Nicht die Welt. Unser Denken über die Welt, lebendig gemacht. Je nachdem, auf welchem Bewusstseinslevel ich gerade bin, lebe ich in einer völlig anderen Welt. Bin ich oben, können da draußen Leute Auto fahren wie Psychopathen, und ich lass die vor und fahr in meiner Ruhe weiter. Bin ich unten, kann jemand pupsen und ich raste aus. Gleicher Tag, gleiche Straße, komplett andere Welt. Der Tag macht nicht die Stimmung. Die Stimmung macht den Tag. Ich dachte lange, ich müsste da irgendwie hochkommen und dann oben bleiben. Am besten dauerhaft in den oberen zehn Prozent. Funktioniert so nicht. Das System springt ständig bei mir, bei dir und bei jedem. Und das Schöne ist: Genau das ist die Freiheit. Ein einziger frischer Gedanke, und das Level ist ein anderes. Nicht weil ich es mache, sondern weil es einfach passiert. So wie bei den Kindern. Wir sind so gebaut. Und dann gibt es noch etwas, das mich lange verwirrt hat. Sydney Banks hat von einem Super Conscious State gesprochen, einem Zustand der Superbewusstheit. Ich hab ehrlich gesagt jahrelang nicht verstanden, was er damit meint. Heute würde ich sagen: Es ist der Moment, in dem ich sehe, dass ich gerade eine Welt erschaffe. Dass ich in diesem Rückprojektionsraum stehe und der Film läuft, und ich sehe, dass es ein Film ist. Ich gebe einem Gedanken Kraft; er baut mir eine Welt, und ich fühl mich darin. Und dann seh ich das. Und plötzlich ist da Platz. Deswegen treffe ich unten keine großen Entscheidungen mehr und diskutiere nicht, wenn alle im Keller sind. Da kommt nur übles Zeug raus. Ich warte, bis das Level wieder springt. Es springt immer. Bin ich jetzt immer der entspannte Papa, der lächelnd danebensteht, während die Kinder Krieg führen? Nein. Manchmal bin ich immer noch der Letzte, der aus dem Krieg rauskommt. Aber ich sehe schneller, wo ich gerade bin. Nicht immer, aber immer öfter. Das ist für mich die Superpower. Nicht mehr unten sein. Sondern zu wissen, dass es nur ein Stockwerk ist. In der Folge rede ich darüber, was Bewusstsein eigentlich ist, warum es die unterschätzteste Superpower von uns Menschen ist und was das mit Kindern, Psychopathen im Straßenverkehr und Sydney Banks zu tun hat. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E235
    Wednesday · 7 min

    #235 Wir sind die ProgrammiererInnen & nicht das Spiel

    Folge 235 - Wir sind die ProgrammiererInnen & nicht das Spiel Ein Blick. Mehr hat es nicht gebraucht. Meine Ex-Frau hat mich auf eine bestimmte Art angeschaut, und schon ging bei mir das Spiel los. Automatisch. Ein bestimmtes Gefühl, der Verteidigungsmodus, und aus diesem Gefühl heraus habe ich gehandelt. Nicht präsent, nicht im Jetzt, sondern komplett vorprogrammiert, mit allen Geschichten im Gepäck, warum sie so ist, wie sie ist. Jahrelang. Und ich war felsenfest überzeugt: Das macht sie mit mir. Was, wenn das eine völlige Fehlannahme ist? Heute sehe ich es so: Wir sind die Programmierer des Computerspiels, in dem wir stehen. Wir schreiben den Code. Wir stellen den Schwierigkeitsgrad ein. Wir entscheiden, ob es ein happy Spiel wird oder ein ganz schön trauriges. Und dann stehen wir mittendrin, scheitern auf Level 7 und beschweren uns lautstark über das Spiel. Über ein Spiel, das wir selbst programmiert haben. Ich finde das total irre. Und ich war richtig gut darin, ehrlich gesagt. Ich hatte so sauber programmiert, dass ein einziger Blick gereicht hat, und das komplette Level ist hochgefahren. Profi-Niveau. Nur halt in die völlig falsche Richtung. Das Dumme daran war nicht, dass ich dumm bin. Das Dumme war, dass keiner dieser Gedanken aus meiner Weisheit stammte. Das war einfach Bullshit im Kopf, mit dem Schwierigkeitsgrad auf Anschlag. Denn so sind wir gebaut: Wir fühlen unser Denken. Nicht den Blick. Nicht die andere Person. Denken und Fühlen sind eine Energie; sie kommen im selben Moment als Full-Body-Experience, und das erleben wir als Realität. Deswegen sieht das Spiel so verdammt echt aus. Es fühlt sich an, als würde die Welt da draußen unsere Gefühle steuern. Es ist 180 Grad andersrum. Und nein, das heißt nicht "du bist selbst schuld". Überhaupt keine Frage, Menschen verhalten sich manchmal mies, und das ist nicht in Ordnung. Aber niemand da draußen hat Macht über dein Gefühl. Das ist keine Anklage. Das ist Entlastung. Und das Schöne ist: Sobald ich sehe, dass das alles programmiert ist, dass nichts davon die hundertprozentige Wahrheit ist, nichts, gar nichts, verliert das Spiel seinen Griff. Ganz von allein, ohne Technik, ohne Übung. Ich kann heute in ihr wieder das sehen, was ich gar nicht programmiert habe. Den Menschen. Das Wesen, das selbst programmiert. Nicht mein Programm über sie. Und ich kann ihr mit einer Freiheit begegnen, die ich früher für unmöglich gehalten hätte. Bei meinen Kindern ist es genauso. Wenn ich wirklich da bin, höre ich mein Kind. Nicht mein Programm darüber, wie mein Kind ist. Früher war das ab und zu möglich. Viel zu selten. Verstehen ist dabei übrigens nur die Vorstufe. Verstanden hatte ich das tausend Bücher lang. Sehen ist 100 Prozent. Fall ich noch rein? Klar. Ich bin immer noch Mensch; ich zocke ab und zu ein ziemlich düsteres Level. Ich wache nur schneller auf. Nicht immer, aber immer öfter. Es ist ein bisschen wie nach Stunden im Spiel, wenn du plötzlich den Kopf hebst und merkst: Da sitzt ja jemand vor dem Bildschirm. Und das bin ich. In der Folge rede ich darüber, warum wir die ProgrammiererInnen sind und nicht das Spiel, und was sich verändert, wenn man das nicht nur versteht, sondern es wirklich sieht. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E234
    Tuesday · 18 min

    #234 Wir sind die Programmierer unserer eigenen Welt und merken es nicht!

    Folge 234 - Wir sind die Programmierer unserer eigenen Welt und merken es nicht! Es gibt Dinge, auf die ich immer gleich reagiere. Jemand macht eine bestimmte Bewegung, sagt einen bestimmten Satz, und zack, bin ich in einer blöden Welt. Ich hab das im Podcast mal mit einem bescheuerten Beispiel erklärt: Jemand hebt das linke Bein, und ich reagiere jedes Mal gleich, und ich mag es überhaupt nicht. Klingt absurd. Es ist aber genauso absurd, wie wir funktionieren. Lange dachte ich, das ist halt so. Das Bein ist das Problem. Die Person ist das Problem. Ich bin nun mal so gestrickt. Und wenn mich jemand blöd angemacht hat, hab ich sofort in mir gesucht: Was hab ich falsch gemacht, bin ich wirklich so? Ich hab das alles für die Welt gehalten. Für Fakten. Was ich nicht gesehen hab: Das war Code. Mein eigener. Ich hab ihn selbst geschrieben, Zeile für Zeile, über Jahre hinweg. Jeder Gedanke ist wie ein Paket vom Postboten, und ich entscheide, wie viel Macht ich ihm gebe. Und wenn ich bestimmten Paketen genug Zeit gebe, werden sie zu Gewohnheiten. Und dann laufen sie im Hintergrund, automatisch, wie ein Programm, das beim Hochfahren startet. Und dann sieht es so aus, als wäre das die Welt. Als wäre das die Realität. Dabei ist es nur mein eigenes Programm, das ich vergessen hab, geschrieben zu haben. Bei mir war das zum Beispiel, wie ich mit meinen Kindern umgegangen bin. Teilweise wirklich dramatisch bescheuert, weil ich von völligen Fehlannahmen ausgegangen bin. Aus meiner Logik heraus war das ganz logisch. Aus meiner Sicht war alles superlogisch. Und da schwingt bei uns allen eine gewisse Unschuld mit. Wir wissen nicht, was wir tun, weil wir nicht sehen, dass wir es tun. Und das Schöne ist: Was ich programmiert hab, ist nicht fix. Mein Denken ist kein Gesetz. Schubladen sind nichts anderes als festgeklebtes Denken. Ich kann immer noch mal neu denken, frisch denken. Ich muss den alten Code nicht mühsam mit Technik und Disziplin umschreiben. Es reicht zu sehen, dass es Code ist. Dann verliert er seine Macht, ganz von allein. Und ein frischer Gedanke schreibt eine neue Welt. Das heißt nicht, dass meine alten Programme weg sind. Die Gewohnheitsgedanken laufen manchmal noch los, bevor ich es merke. Nur muss ich dann besonders lächeln, weil ich sehe, dass ich mich gerade wieder selbst einschränke. Nicht immer, aber immer öfter. Wir sind alle Programmierer. Über acht Milliarden. Und die allermeisten von uns glauben, sie seien nur Nutzer. In der Folge rede ich darüber, wie wir unsere eigene Welt programmieren, warum wir es nicht merken und was passiert, wenn man es plötzlich sieht. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E233
    Monday · 14 min

    #233 Intuition ist unser Navi & und unser bester, wichtigster und vertrauenswürdigster Berater

    Folge 233 - Intuition ist unser Navi & und unser bester, wichtigster und vertrauenswürdigster Berater Ich war mein Leben lang ein extremer Kopfmensch. Ich dachte, ich muss alles durchdenken, alles planen, alles ausbaldowern, und wenn ich das nicht intellektuell durchgekaut hab, dann wird es nicht funktionieren. Hart denken, ganz arg konzentrieren, dann kommen die Ideen. So hab ich es gelernt. Und trotzdem kamen die besten Ideen nie am Schreibtisch. Sondern unter der Dusche. Kennst du das? Oder beim Spazierengehen. Oder im Urlaub, in der zweiten Woche, wenn du endlich runtergefahren bist. Das kommt nicht von ungefähr. Was ich lange nicht verstanden hab: Es ist genau umgekehrt. Je mehr ich relaxe, desto klarer sehe ich, desto frischer sind meine Ideen, desto leichter mache ich die Schritte vorwärts. Wir sind alle an eine größere Intelligenz angeschlossen. Ich meine das überhaupt nicht magisch, es hat was Magisches, überhaupt keine Frage, aber so sind wir gebaut. Man kann es Intuition nennen, Bauchgefühl, aufs Herz hören. Ich nenne es gern die große Datenbank, nicht die kleine in meinem Kopf. Und diese Intelligenz funktioniert für mich wie ein Navi. Sie labert nicht stundenlang. Sie sagt leise: Hier links. Und wenn ich falsch abbiege, weil ich lieber auf das Gebrüll in meinem Kopf gehört hab, dann schimpft sie nicht, sie berechnet einfach neu. Mein Denken dagegen ist wie ein Beifahrer, der alle drei Sekunden eine neue Panikroute vorschlägt. Das hab ich am krassesten beim Drehen gelernt. Bei Reportagen, bei denen du keine zweite Chance hast, bei denen du an Leuten dranbleiben musst und nichts wiederholen kannst. Wenn ich da mit einem fertigen Plan im Kopf reingehe, verpasse ich das Beste. Wenn ich mich entspanne und einfach aus dem Bauch heraus reagiere, dann höre ich, was hinter mir passiert, und sehe im Augenwinkel, was gleich kommt. Wie 3D präsent sein. Und das Schöne ist: Dieser Berater kostet nichts, ist immer da und hat keine eigene Agenda. Er braucht nur ein bisschen Ruhe, damit ich ihn hören kann. Wenn ich nicht inspiriert bin und mich durchbeiße, fühlt sich alles an, als würde ich ein Kanu barfuß ein trockenes Flussbett hochtragen. Das Bild stammt von Michael Neill. Wenn ich auf die Intuition höre, treibe ich im Kanu den Fluss hinunter und schaue, dass ich in der Strömung bleibe und nicht am Flussrand aufsetze. Das heißt nicht, dass ich das immer schaffe. Ich höre immer noch oft auf den panischen Beifahrer und fahre Umwege. Aber ich merke schneller, wenn mein Genick wieder komisch wird, dass es Zeit ist, kurz anzuhalten. Nicht immer, aber immer öfter. In der Folge rede ich darüber, warum unsere Intuition der vertrauenswürdigste Berater ist, den wir haben, und warum wir sie am besten hören, wenn wir aufhören, nach ihr zu suchen. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E232
    Sunday · 17 min

    #232 Techniken können helfen. Das hier ist transformativ!

    Folge 232 - Techniken können helfen. Das hier ist transformativ! Ich hab mal ein großartiges Buch gelesen, "Der Aladdin-Faktor". Da geht es darum, wie man um Dinge bittet und mit einem Nein umgeht. Ich fand das richtig gut. Und ich hab versucht, das anzuwenden. Ein Nein als Information sehen, nicht persönlich nehmen und weitermachen. Eine Technik, ein paar Sätze, die man sich sagt. Hat auch geholfen. Ein bisschen. Für eine Weile. Und dann kam das nächste Nein, und ich war wieder mittendrin. Kann ich das überhaupt? Darf ich so jemanden fragen? Was, wenn ich abgelehnt werde? Ich hab sofort in mir gesucht, was mit mir nicht stimmt, und die Technik lag irgendwo im Bücherregal. So ging es mir mit fast allem, was ich in der Personal-Development-Welt gelernt hab. Tausende Bücher, viele Kurse. Natürlich gab es Techniken, die kurzfristig geholfen haben. Natürlich gab es Methoden, die sich sinnvoll anhörten. Meditieren hilft, tanzen hilft, das will ich gar nicht schlecht machen, überhaupt keine Frage. Aber es ist immer ein Prozess, den ich durchlaufen muss, um dorthin zu gelangen. Und wenn ich gerade mitten im Sturm stehe, hab ich keine zwanzig Minuten für die Technik 735. Wobei die Drei Prinzipien mir geholfen haben, ist was anderes. Kein neues Werkzeug. Ich hab gesehen, wie ich gebaut bin. Dass das Nein mit mir gar nichts machen kann. Es ist eine Information. Alles, was ich draufpacke, ist mein persönliches Denken, und das fühle ich. Egal ob positiv oder negativ. Wenn ich das sehe, brauche ich keine Geschichte mehr, um das Nein zu verkraften. Dann nehme ich, wenn ich für ein Ziel 500 Neins brauche, auch tausend in Kauf. Nicht weil ich mich zusammenreiße, sondern weil ich es nicht mehr persönlich nehme. Und das Schöne ist: Sehen reicht. Das klang für mich am Anfang total komisch. Gib mir doch was, womit ich was tun kann! Aber das System beruhigt sich von alleine, wenn ich weniger denke. Früher lag meine Ablenkung im Laufe des Tages vielleicht bei 80 Prozent. Heute sind es meistens noch fünf. Manchmal mehr, manchmal weniger. Ohne dass ich irgendeine Technik anwende. Das meine ich mit transformativ. Eine Technik verändert, was ich tue. Das hier hat verändert, wer ich glaube zu sein. Das heißt nicht, dass ich nie wieder reinfalle. Ich nehme ein Nein immer noch manchmal persönlich und baue mir einen kleinen Horrorfilm draus. Nur ist er kürzer, und ich weiß, woher er kommt. Nicht immer, aber immer öfter. Die Wolke, die vorbeizieht, der Ballon, der wegfliegt, das sind alles schöne Bilder. Aber es sind nur Bilder. Worauf sie zeigen, ist eine einzige Wahrheit: Wir müssen unser Denken nicht so ernst nehmen. In der Folge rede ich darüber, wo Techniken helfen, wo sie aufhören und was passiert, wenn man nicht mehr am Film dreht, sondern das Kino sieht. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E131
    Saturday · 11 min

    #231 Der Traum, die Illusion die mich mein Denken erleben lässt

    Folge 231 - Der Traum, die Illusion die mich mein Denken erleben lässt Kennst du das Holodeck aus Star Trek? Ein Raum, in dem alles projiziert wird. Boden, Decke, alle Wände, Surround Sound. Und du stehst mittendrin, und es sieht genauso echt aus wie wenn du draußen über die Erde läufst. So beschreibe ich gern, wie wir Menschen leben. Ein 360-Grad-Projektionsraum, und der Projektor sitzt in uns. Ich hab jahrzehntelang in diesem Raum gewohnt, ohne zu wissen, dass es einer ist. Ich dachte, das sei die Welt. Ich bin unsicher, weil ich nun mal so bin. Der Tag ist mies, weil der Tag mies ist. Der Autofahrer macht mich wütend, weil er mich wütend macht. Und ich hab in dieser Welt ziemlich viel gelitten, Zeiten erlebt, in denen ich nicht sein wollte, und mich gefragt, wie ich da rauskomme. Ich hab an den Wänden gekratzt, hab versucht, die Bilder zu reparieren. Bessere Bilder, schönere Bilder. Und es blieb ein Raum. Was ich nicht gesehen hab: Ich kann die Welt gar nicht anders wahrnehmen als durch mein Denken. Ich denke etwas und fühle es im selben Moment mit meinem ganzen Körper. Herz, Haut, Muskeln, alles reagiert. Und genau deswegen fühlt es sich so echt an. Das ist kein Fehler, sondern ein fantastisches Werkzeug, das wir da mitbekommen haben. Die ganze Bandbreite des Menschseins, von Hölle bis Himmel. Nur ist es nicht die Realität. Es ist meine Realität. Eine Illusion, eine Fata Morgana, die ich aus meinem eigenen Denken erschaffe. Und das Schöne ist: Sobald ich sehe, dass es ein Projektionsraum ist, kann ich aufwachen. Nicht für immer, aber für einen Moment. Ich trete einen Schritt zurück und sehe: Ah, fuck, das ist der Mechanismus. Ich hab gerade wieder eine Welt gebaut, aus drei Informationen und einem Haufen Bedeutung. Und das bin nicht ich. Ich bin nicht der Film. Ich bin der, der ihn denkt. Der vor dem Denken schon da war. Und der nächste frische Gedanke baut eine neue Welt, und die alte ist weg. Das heißt nicht, dass ich jetzt draußen stehe. Die Illusion ist so verdammt echt, dass ich den Riss in der Leinwand nur ab und zu sehe. Ich falle ständig rein und ich werde mein Leben lang reinfallen, so sind wir nun mal gebaut. Aber ich wache immer wieder auf. Nicht immer, aber immer öfter. Ich will die Illusion übrigens gar nicht loswerden. Ich will nur wissen, dass ich im Kino sitze. Dann darf der Film auch mal traurig sein. In der Folge rede ich darüber, was dieser Traum ist, warum er sich so echt anfühlt und was passiert, wenn man für einen Moment daraus erwacht. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E230
    October 16 · 18 min

    #230 Das geschlossene System DenkenFühlen

    Folge 230 - Das geschlossene System DenkenFühlen Ich sitze im Kino. Der Film ist ein Horrorfilm, und mein Puls steigt. Hände feucht, Schultern oben, dieses ganze Full-Body-Programm. Und zwei Reihen weiter sitzt jemand, der grinst und Popcorn isst. Derselbe Film. Dieselbe Leinwand. Zwei komplett verschiedene Erlebnisse. Und ich bin früher rausgegangen und hab gesagt: „Der Film war krass.“ Als wäre das Gefühl im Film gewesen. Das war mein Grundirrtum, nicht nur im Kino. Ich dachte, da draußen passiert was, das geht in mich rein, und dann fühle ich es. Außen rein, innen Gefühl. Wie ein Schlauch, um den sich die Welt dreht. Logisch, so fühlt es sich an. Nur stimmt es nicht. Was ich inzwischen sehe: Denken und Fühlen sind nicht zwei Dinge. Es ist eine Energie. Ich denke was, und ich fühle es im selben Moment, nicht nacheinander. Das ist wie meine linke und rechte Herzhälfte. Das Herz ist ein Ding; es funktioniert nur mit beiden. Genau so funktioniert mein Denken nur mit Fühlen zusammen. Und in dieses System geht nichts von außen rein. Es ist geschlossen. Der Horrorfilm liefert Bilder, überhaupt keine Frage. Aber das Grauen, das ich spüre, ist meine Interpretation der Bilder, und die fühle ich. Nicht die Leinwand. Das klingt erstmal abstrakt, aber es hat alles verändert. Weil ich jahrelang versucht hab, am Film zu schrauben. Bessere Umstände, andere Leute, weniger Stress von außen. Und dabei lag der Projektor die ganze Zeit in mir. Nicht mal das Finanzamt kann mir Druck machen. Geht technisch nicht. Nicht meine Partnerin, nicht meine Kinder, kein Mensch auf diesem Planeten kommt in dieses System rein. Nur ich, mit dem, was ich gerade denke. Und das Schöne ist: Dann muss ich die Welt nicht reparieren, um mich gut zu fühlen. Und ich muss auch das Denken nicht kontrollieren, das werde ich eh nie können. Das Einzige, was ich kann, ist zu sehen, wie viel Power ich einem Gedanken gebe. Nehme ich den Höllengedanken für bare Münze und geh mit ihm noch tiefer, bis es glüht? Oder sehe ich, ah, Gedanke, gefühlt, Film. Und mit dem nächsten Gedanken ist es ein anderer Film. Das heißt nicht, dass die Hände nicht mehr feucht werden. Ich sitze immer noch im Horrorfilm und glaube, es ist die Leinwand. Nur erinnere ich mich schneller daran, dass ich in meinem persönlichen Kino sitze. Nicht immer, aber immer öfter. Zwei Seiten einer Münze, Gedanken und Gefühle. Du kannst keine Seite alleine in die Hand nehmen. Und niemand außer dir hat die Münze. In der Folge rede ich darüber, warum Denken und Fühlen ein geschlossenes System bilden und was das für jeden Stress bedeutet, den du je hattest. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E229
    October 15 · 6 min

    #229 Das Geheimnis des Lebens

    Folge 229 - Das Geheimnis des Lebens Ich hab als kleiner Junge immer nach Leuten gesucht, die es wissen. Es gab welche, die alt waren und trotzdem Humor hatten, herzlich waren, aus sich rausgehen konnten, Dinge nicht böse nahmen. sie waren irgendwie innerlich frei. Und ich hab mich gefragt: Wieso schaffen das manche, und wieso schaffen das die allermeisten nicht? Was wissen die, was die anderen und ich nicht wissen? Das war meine Frage, mein Leben lang. Ich hab sie in der Wissenschaft, im Buddhismus, im Christentum, in Naturreligionen, in der Quantenphysik und in Tausenden von Büchern gesucht. Alles hat in eine ähnliche Richtung gezeigt, überhaupt keine Frage. Aber immer blumig gemacht, mit Geschichten, mit Ritualen, mit Regeln drumherum. Das Geheimnis war irgendwo da drin versteckt, nur kam ich nie dran. Und dann sitzt da ein Schweißer. Schottisch, neunte Klasse abgebrochen, später in Kanada. Keine Ausbildung, kein Profipsychologe, nichts. Und der hat 1973 etwas gesehen. Nicht gelernt, gesehen. Wie unser Mechanismus funktioniert. Und dann hat er versucht, das in Worte zu fassen, und das sind die drei Prinzipien. Drei Hinweisschilder, Schilder, die auf eine Wahrheit, zeigen, die in jedem von uns stattfindet. Was er gesehen hat, ist lächerlich simpel. Da ist eine Kraft, die uns alle durchflutet. Die dafür sorgt, dass sich Zellen teilen, dass Blut fließt, dass wir atmen, dass überhaupt ein Baby entstehen kann. Eine Urkraft hinter allem. Und dieselbe Kraft füttert uns mit Gedanken, formlos, bevor ein einziger Gedanke Form hat. Und sie gibt uns die Fähigkeit, diese Gedanken zu erleben, als Gefühl, als Körper, als Welt. Das ist alles. Daraus erschaffen wir jedes Erlebnis, das wir je hatten. Jede Hölle, jeden Himmel. Von innen nach außen. Und das Schöne ist: Das Geheimnis war nie versteckt. Es war nur so nah dran, dass ich es nicht sehen konnte. Wie ein Fisch, der nach Wasser sucht. Die alten Menschen, die ich als Kind bewundert habe, hatten keine Technik. Die haben nur ihr Denken nicht so ernst genommen und sind deswegen näher an dieser Kraft geblieben. An ihrer Natur. Und ich kann das auch. Jeder kann das, weil es nichts zu lernen gibt, sondern etwas zu sehen. Das heißt nicht, dass ich es jetzt dauernd sehe. Ich verliere es ständig, lebe wieder in meinem Film, halte meine Gedankenpäckchen für die Welt. Nur weiß ich inzwischen, dass die Kraft darunter nie weg ist. Nicht immer, aber immer öfter erinnere ich mich daran. Wir sind spirituelle Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen, hat mal jemand gesagt. Ich meine das überhaupt nicht magisch. Es hat was Magisches, keine Frage. Aber es ist einfach nur so, wie wir gebaut sind. In der Folge rede ich darüber, was ich für das Geheimnis des Lebens halte. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E228
    October 14 · 21 min

    #228 Dem 8-jährigen Gabriel würde ich folgendes Schreiben

    Folge 228 - Dem 8-jährigen Gabriel würde ich folgendes Schreiben Lieber Gabriel, du bist acht und wunderst dich gerade, warum um dich herum so viel Angst herrscht. Bei den Erwachsenen, in der Welt, in der Schule, überall. Du spürst, dass da was nicht stimmt, und du hast recht. Nur wirst du es in den nächsten Jahren übernehmen, dieses Ängstliche, weil du denkst, so geht das Leben eben. Ich schreibe dir, damit du weißt: Es geht auch anders. Und du wusstest das eigentlich schon. Du willst, dass es den Menschen besser geht. Du sitzt da und denkst: Ich kann die Welt verändern. Das ist kein Kinderkram. Das ist genau das, was ich heute mache: Coaching, Training, ein Podcast, von dem du noch nicht weißt, worum es geht. Ich bin nur einen ziemlichen Umweg gegangen, weil ich irgendwann aufgehört hab, auf dich zu hören. Auf diese innere Stimme, die weiß, was genau für Dich richtig ist. Und jetzt das Wichtigste, das Fach, das dir keine Schule beibringen wird: Du fühlst nicht die Welt. Du fühlst dein Denken. Wenn du dich schwer fühlst, hast du schwer gedacht. Wenn du Angst hast, hast du ängstlich gedacht. Nicht, weil du ängstlich bist. Das wirst du mir noch jahrelang nicht glauben, und du wirst dich für einen ängstlichen Menschen halten, weil du dich ja ständig ängstlich fühlst. Logisch, denkst du. Aber es ist 180 Grad andersrum. Niemand da draußen kann in Dich ein Gefühl hineinzaubern. Nicht deine Eltern, die Lehrer, die Großen, der Typ, der dich blöd anmacht. Die können sich mies verhalten – das ist nicht okay –, aber sie kommen nicht an deine Gefühle heran. Das machst nur du, mit deinem Denken. Und das Schöne ist: Dann kann es auch keiner kaputt machen. Das, was dich gerade so frei macht, dieses Neugierige, dieses Loslaufen, ohne vorher alles hundertmal abzuwägen, das ist deine Natur. Die geht nie weg. Die wird nur überlagert. Von so viel Denken, dass du irgendwann glaubst, du wärst nicht gut konstruiert. Du bist perfekt konstruiert. Du wirst nur ein paar Jahre lang vergessen, wie das System funktioniert. Ich sag dir nicht: Mach dies oder lass das. Du brauchst keine Technik, keine Übung, kein Programm. Du brauchst nur zu wissen, dass das Gefühl immer von innen kommt. Mehr nicht. Alles andere beruhigt sich von selbst, wenn du dein Denken nicht so ernst nimmst. Und falls du irgendwann morgens im Bett liegst und die Filme laufen: Das sind Filme. Du bist das Kino. Ich fall da heute noch rein, nur kürzer. Nicht immer, aber immer öfter komme ich schneller raus. Du wirst das alles zum ersten Mal mit ungefähr vierzig Jahren sehen, bei einem schottischen Schweißer mit Blumenkranz. Es wäre schön gewesen, es mit acht zu wissen. Deswegen dieser Brief. Dein Gabriel In der Folge lese ich diesen "Brief" und rede darüber, was ich dem Jungen von damals heute sagen würde und warum. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E227
    October 13 · 25 min

    #227 Was dieses Verständnis in mir gemacht hat

    Folge 227 - Was dieses Verständnis in mir gemacht hat Ich sitze hier vor dem Mikro und es ist mir im Grunde vollkommen egal, was Leute über diesen Podcast denken. Im besten Sinne. Nicht, weil mir Menschen egal sind, überhaupt nicht. Sondern weil ich sehe, wie wir gebaut sind. Und wenn ich dir sage, dass für mich das früher undenkbar gewesen ist, dann ist das noch untertrieben. Ich war unsicher. Nicht ein bisschen, sondern so, dass ich mich nicht getraut hab, auf Leute zuzugehen. Ich hab mich versteckt, mich eingeschlossen, mir aus unfassbar bescheuerten Geschichten über mich selbst ein Gefängnis gebaut und bin da drin eingezogen. Ich hab innere Kriege geführt, jahrelang, und dachte, der Gegner sitzt da draußen. Und mit meinen Kindern bin ich teilweise dramatisch bescheuert umgegangen, weil ich von völlig falschen Annahmen ausging. Das sag ich nicht gern, aber es stimmt. Diese Gedanken tauchen auch heute noch auf! Sie sind nicht 100 % weg! Aber ich gebe ihnen keine Macht mehr. Deshalb sind sie seltener und impotent. Als ich gesehen habe, dass mein Erleben von innen kommt. Dass mein Denken diese Gefühle auslöst, nicht die Welt. Holy Mother of God. Keine Person, keine Situation, kein Krieg auf diesem Planeten hat Macht darüber, wie ich mich fühle. Einzig und allein ich. Das fühlt sich an wie ein Coming Home, ein in mein echtes Zuhause zurückkehren. Das ist ein unfassbar gutes Gefühl. Was es in mir bewirkt hat: Ich komme viel mehr aus meiner Ruhe heraus und bin präsenter. Dabei bin ich bei ziemlich vielen Sachen deutlich effizienter geworden, weil ich nicht von meinem angstvollen Denken abgelenkt werde. Meine Performance ist durch die Decke gegangen, weil mir plötzlich Dinge egal sind, die mir vorher durch mein Denken nicht egal waren. Nicht, weil ich mich jetzt wie ein Arschloch verhalte, sondern weil ich mich vorher kleingeredet hab und mein Denken zu ernst genommen hab. Und die Kriege, die ich noch führe, sind klein und kurz, und ich weiß, dass sie hier drin stattfinden und nicht da draußen. Und das Schöne ist: Das Verhältnis hat sich komplett gedreht. Früher war ich die meiste Zeit in meinen Gedanken gefangen und ab und zu in meiner Essenz. Heute ist es andersrum. Und selbst wenn ich mich schlecht fühle, weiß ich, woher es kommt. Das allein macht allen Unterschied der Welt. Das heißt nicht, dass ich angekommen bin. Ich bin immer noch von Zeit zu Zeit in diesem menschlichen Denken gefangen; ich kann nur schneller rausgucken. Ich hab immer noch schlechte Gefühle, überhaupt keine Frage. Nicht immer, aber immer öfter sehe ich sie als das, was sie sind. Nur deswegen gibt es diesen Podcast. Nicht, weil ich so mutig geworden bin. Sondern weil die Angst, die mich früher davon abgehalten hätte, nie von da draußen kam. In der Folge rede ich darüber, was sich bei mir konkret verändert hat, seit ich dieses Verständnis gesehen habe, und was gleich geblieben ist. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E226
    October 12 · 17 min

    #226 Die Physik zu sehen ist Gold wert

    Folge 226 - Die Physik zu sehen ist Gold wert Ich hatte irgendwann keinen Bock mehr. Morgens drei Techniken, abends noch eine, und dann geht es mir gut. Selbst wenn das funktionieren würde, wäre es anstrengend. So dachte ich läuft es wenn man. Ich wollte einfach leben und nicht jeden Tag Zeit investieren, um mich okay zu fühlen. Und ich war ehrlich gesagt verzweifelt, denn egal wie viel ich gemacht hab, es hat sich angefühlt, als würde ich mich selbst anlügen. Positive Sätze vorm Spiegel, und tief drin weiß ich genau, dass ich mich gerade beschissen fühle. Über dieses Verständnis bin ich dann gestolpert. Gestolpert trifft es wirklich. Ich hab nicht nach Physik gesucht, ich hab nach der nächsten Technik gesucht. Und plötzlich sagt da einer: Es hat mit keiner Technik zu tun, sich gut zu fühlen. Es hat mit keiner Technik zu tun, mit Selbstbewusstsein durch die Welt zu gehen oder aus der Ruhe heraus kreativ zu sein. Du musst nur sehen, wie du gebaut bist. Und das ist die Physik. Nicht meine Gedanken, nicht meine Stimmungen, sondern das, was darunter liegt und überhaupt erst dafür sorgt, dass ich ein Erleben hab. Ich denke etwas, und ich fühle es im selben Moment. Denken und Fühlen, eine Energie. Dieses Fühlen kann niemals aus der Außenwelt stammen. Nie von einer Person, nie von einem Ereignis. Es ist meine Interpretation eines Ereignisses, aber es stammt nicht aus dem Ereignis. Das klingt nach einem kleinen Unterschied. Es ist der Unterschied, der alles ändert. Denn solange ich glaube, dass mein Gefühl von da draußen kommt, versuche ich die Welt zu reparieren. Den Kollegen, den Kunden, die Situation, meinen Partner. Sobald ich die Physik sehe, kann ich die Welt so nehmen, wie sie ist. Menschen so nehmen, wie sie sind. Weil ich weiß, dass sie in mir gar nichts auslösen können. Kein einziges Gefühl. Geht nicht. So funktioniert das System nicht. Und das Schöne ist: Das ändert, wie ich durch den Tag gehe. Wie ich in Teams arbeite, wie ich mit Kollegen und meinen Kindern umgehe. Ohne Technik, ohne Ritual, ohne mir irgendwas gutzureden. Ich sehe es einfach, und dann verhalte ich mich anders. Automatisch. Deswegen sag ich: Die Physik zu sehen ist Gold wert. Nicht, weil man dann nie mehr schlecht drauf ist. Sondern weil man weiß, woher es kommt. Das heißt nicht, dass ich es immer sehe. Ich bin immer noch Mensch; ich falle ständig rein und denke, der da draußen sei schuld. Nur sehe ich schneller, dass ich gerade wieder die Welt reparieren will, statt zu sehen, dass es mein Denken war. Nicht immer, aber immer öfter. Ich hab in meinem Leben wahrscheinlich tausend Techniken ausprobiert. Keine davon war Gold wert. Das Sehen war es. In der Folge rede ich darüber, was ich mit Physik meine, warum sie keine Technik ist und warum ich sie für das Wertvollste halte, was ein Mensch sehen kann. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E225
    October 11 · 14 min

    #225 Ein Gespräch über die Physik - Den Kern - Das Nugget

    Folge 225 - Ein Gespräch über die Physik - Den Kern - Das Nugget Ich hab nicht nachgezählt, aber es geht in die Tausende. Bücher, Hörbücher, Kurse. Personal Development, Psychologie, Positive Psychology, you name it. Ich war ein total verkopfter Typ, der in einer sehr, sehr kleinen Welt gelebt hat, und ich hab gesucht wie ein Verrückter. Nach dem einen Ding, das erklärt, warum ich so bin, wie ich bin, und warum ich so fühle, wie ich fühle. Und ich hab jedes Mal was gefunden. Eine Technik, die kurzfristig geholfen hat. Eine Methode, die sich sinnvoll anhört. Und jedes Mal war es ein weiterer Film. Eine neue Geschichte darüber, wie ich besser werden könnte. Nie das Kino. Nie das, was den Film überhaupt erst möglich macht. Und dann sitzt da dieser schottische Schweißer, Sydney Banks, mit einem Hawaii-Blumenkranz um den Hals und spricht über drei Prinzipien. Mind, Consciousness, Thought. Drei Wörter, die erstmal gar nichts bedeuten. Ich kam seiner Sprache null hinterher. Und trotzdem hat es Peng gemacht in meinem Kopf und in meinem ganzen System. Weil er nicht über den Film geredet hat. Er hat über Physik geredet. Physik heißt für mich: das, was da sein muss, damit ich überhaupt ein Erleben haben kann. Nicht mein Denken, nicht meine Gefühle, nicht meine Geschichten. Davor. Drei Superkräfte, die wir alle mitgebracht haben, die Fähigkeit, aus fast nichts ein Erleben zu erschaffen. Wir können das sogar im Traum, mit geschlossenen Augen, ohne einen einzigen Fakt da draußen. Das ist der Kern. Und ab da ist alles andere Engineering. Mit meinem Denken baue ich Welten, Identitäten, Bedeutungen, Probleme. Das ist mein magischer Pinsel. Aber die Bilder, die ich mit dem Pinsel male, sind nicht das, was ich im Kern bin. Und das Schöne ist: Sobald ich das Nugget gesehen hab, muss ich den Film nicht mehr reparieren. Ich muss nicht mehr tausend Bücher lesen, um meine Gedanken besser zu managen. Ich sehe nur: Ah, Film. Gemacht aus Thought, gesehen durch Consciousness, belebt von Mind. Und darunter ist etwas, das vor meinem Denken schon da war und wahrscheinlich nach mir noch da ist. Mein Nugget. Die Essenz. Der Denker, nicht das Gedachte. Das heißt nicht, dass ich das jetzt immer sehe. Ich verwechsle noch ständig den Film mit dem Kino und halte mein Engineering für die Wahrheit. Nur merke ich schneller, dass ich gerade in meinem eigenen Rendering sitze. Nicht immer, aber immer öfter. Dieses Mal rede ich darüber nicht alleine. Es ist ein Gespräch über genau das: die Physik hinter unserem Erleben, was dieser Kern ist und warum er für mich das Nugget war, nach dem ich mein Leben lang gesucht hab. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E224
    October 10 · 20 min

    # 224 Höre auf Deine innere Stimme

    Folge 224 - Höre auf Deine innere Stimme Als Kind hab ich Sachen gesehen und gedacht: Ich will wirklich, dass es den Menschen besser geht. Ganz einfach. Kein Plan, kein Konzept, nur dieses Gefühl: Ich kann die Welt verändern. Ich war innerlich viel freier damals und hab viel mehr gelebt. Und ich hab ständig auf diese Stimme gehört, weil ich gar nicht wusste, dass man das auch nicht tun kann. Dann hab ich angefangen zu denken. Und versucht, so zu leben, wie man anscheinend leben muss. Ich bin einen völlig anderen Weg gegangen, der sinnvoll war, überhaupt keine Frage. Es sind großartige Sachen passiert. Ich will das gar nicht schlecht machen. Aber ich hab immer mehr in die Außenwelt geguckt. Was denken die anderen, was machen die anderen, wie darf ich mich verhalten, was sollte ich tun. Und immer weniger nach innen. Irgendwann hab ich mich gefühlt wie ein emotionaler Zombie. Ich lief rum und hab funktioniert, aber der Lebenshauch war irgendwie weg. Dabei war die Stimme nie weg. Das ist das Verrückte. Sie war die ganze Zeit da. Ich hab sie nur überlagert, mit so viel Denken, so viel Geräuschkulisse, so viel "ich muss, ich sollte, man macht das so". Wir werden als pures Potenzial geboren, und dann fangen wir an zu denken und machen uns klein. Erwachsene sind die Oberzweifler. Kinder wissen im Grunde genau, was sie wollen. Und das Schöne ist: Ich muss die Stimme nicht suchen. Ich muss nicht lauter hinhören oder irgendeine Technik anwenden, damit sie spricht. Sobald sich mein Denken beruhigt, sobald der Schnee in der Kugel sich setzt, ist sie einfach da. Leise, klar, ohne Drängen. Und wenn ich mir heute anschaue, was ich mache, Coaching, dieser Podcast, dann ist das nichts anderes als das, was ich als kleines Kind schon wollte. Ich bin nur einen ziemlichen Umweg gegangen, weil ich dreißig Jahre lang auf das laute Zeug gehört hab. Das heißt nicht, dass ich sie jetzt immer höre. Ich schaue ständig noch in die Außenwelt und frage mich, was die anderen wohl denken. Nur merke ich schneller, dass das nicht meine Stimme ist, sondern mein Denken über die anderen. Und das kann ich fühlen, und es fühlt sich nicht gut an! Die Stimme fühlt sich dagegen großartig an. Auf die innere Stimme zu hören braucht keine Übung. Es ist ein Zurückerwachen. Zu einer Freiheit, die wir als Kinder alle hatten und die nie weg war. In der Folge rede ich darüber, warum wir diese Stimme verlernen, warum sie trotzdem nie verschwindet und was bei mir passiert ist, seit ich ihr wieder zuhöre. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E223
    October 9 · 17 min

    #223 Die einzige 100% vertrauenswürdige Stimme

    Folge 223 - Die einzige 100% vertrauenswürdige Stimme Ich hab den Brief vom Finanzamt auf dem Tisch liegen gehabt. Da stand, dass ich ABC machen soll. Und in mir ging sofort das Theater los. Eine Stimme sagt: „Mach das jetzt." Die Nächste sagt; „Ach, morgen reicht auch." Die dritte erzählt mir, dass ich Sachen fürs Finanzamt halt einfach nicht mag, so bin ich eben. Und die vierte macht aus dem ganzen Ding ein Drama, das mit dem Brief gar nichts mehr zu tun hat. So lief das bei mir jahrelang. Nicht nur beim Finanzamt. Bei fast allem. Ich hab auf die lautesten Stimmen in meinem Kopf gehört, weil ich dachte, dass Lautes wichtig sei. Und ich hab versucht, mit noch mehr Nachdenken rauszufinden, welche davon recht hat. Das ist, als würdest du die Schneekugel noch stärker schütteln, damit du besser durchsiehst. Was ich dabei nicht gesehen habe: Keine von diesen Stimmen war die, auf die ich hätte hören sollen. Das waren alle meine Gedanken. Laut, überzeugend, meistens ängstlich. Und mein Denken ist nicht die Wahrheit; es ist ein Film, den ich gerade produziere. Darunter gibt es noch etwas anderes. Etwas, das viel leiser ist. Mein inneres Wissen. Manche nennen es Weisheit, Intuition, Bauchgefühl oder aufs Herz hören. Ich nenne es gern die ultimative Bibliothek, an die wir alle angeschlossen sind. Und die wusste beim Finanzamt die ganze Zeit Bescheid: „Mach es einfach.“ Jetzt. Dann ist Ruhe. Und das Schöne ist: Diese Stimme hat sich noch nie geirrt. Nicht ein einziges Mal. Jedes Mal, wenn ich wirklich auf sie gehört hab und nicht auf das Geschrei drüber, war es richtig. Nicht immer bequem, aber richtig. Sie liefert mir genau die Antwort, die ich jetzt brauche. Nur nicht, wenn ich sie erzwingen will. Sondern wenn ich in die Ruhe komme, wenn sich der Schnee setzt, dann ist die Antwort plötzlich einfach da. Ich hab als Kind auf diese Stimme gehört. Ständig. Und dann hab ich angefangen zu denken, bin erwachsen geworden, ein Oberzweifler, und hab immer weniger hingehört. Ich hab stattdessen in die Außenwelt geguckt, was denken die anderen, wie soll ich mich verhalten, was sollte ich tun. Dabei war die einzige Stimme, der ich zu hundert Prozent vertrauen kann, die ganze Zeit in mir. Das heißt nicht, dass ich sie jetzt immer höre. Ich lass mich ständig vom lauten Zeug übertönen und glaube, die Panikstimme meint es gut mit mir. Nur erkenne ich den Unterschied schneller. Die lauten Stimmen drängen. Die leise nicht. Nicht immer, aber immer öfter. Beim Finanzamt erledige ich es inzwischen meistens sofort. Nicht, weil ich disziplinierter geworden bin. Sondern weil ich weniger auf die falschen Stimmen höre. In der Folge rede ich darüber, woran ich diese eine Stimme erkenne, warum sie so leise ist und warum sie trotzdem die einzige ist, die immer recht hat. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E222
    October 8 · 19 min

    #222 Was unsere persönliche Welt erschafft

    Folge 222 - Was unsere persönliche Welt erschafft Vorgestern bin ich mit dem Auto über einen Zebrastreifen gefahren. Ganz langsam, weil da richtig viele Leute kamen, sonst wäre ich nie rübergekommen. Dann stand ich mitten drauf, und von links kamen schon wieder welche. Und das Erste, was ich durch die Scheibe höre, ist jemand, der zu mir sagt: "Was für ein Vollpfosten." Das Einzige, was ich in dem Moment konnte, war grinsen. Nicht aus Arroganz. Sondern weil ich so vollkommen verstehen konnte, woher dieses Denken kommt. Der Mensch hat in seiner Welt gerade einen Vollpfosten gesehen, der mitten auf dem Zebrastreifen steht. In meiner Welt stand da jemand, der ganz langsam versucht, niemandem im Weg zu sein. Dieselben Fakten. Zwei komplett verschiedene Welten. Früher wäre das anders gelaufen. Wenn ich blöd angemacht wurde, hab ich sofort in mir selbst gesucht. Was hab ich falsch gemacht? Ah, ich bin wirklich so. Ich hab mir aus einem einzigen Satz von einem Fremden eine ganze Welt gebaut, in der ich der Vollpfosten bin, und hab in der dann den Rest des Tages gewohnt. Was ich heute sehe: Es gibt da draußen Fakten, überhaupt keine Frage. Es gibt Zebrastreifen, Autos, Menschen. Aber ich kann diese Fakten nicht neutral wahrnehmen. Ich kann die Welt nur durch mein eigenes Rendering sehen, durch meine Interpretation, meine Gewichtung, mein Fettmachen von manchen Sachen und Kleinmachen von anderen. Das ist mein magischer Pinsel. Damit male ich meine Welt. Und der andere malt seine. Deswegen laufen auf diesem Planeten über acht Milliarden verschiedene Welten gleichzeitig rum, und mit jedem neuen Gedanken wird eine neue draus. Ich bin dabei immer der Produzent. Ich bekomme bestimmte Mittel zugestellt, den Zebrastreifen, den Satz, die Situation. Aber den Film mache ich selber. Nicht die Außenwelt, nicht die andere Person, nicht der Umstand. Und das Schöne ist: Wenn ich sehe, dass meine komplette Welt in mir erschaffen wird, nehme ich Dinge nicht mehr so leicht persönlich. Weil ich sehe, dass der Satz vom Zebrastreifen nie was mit mir zu tun hatte. Der kam aus seiner Welt. Und ich muss in der nicht wohnen. Das heißt nicht, dass ich immer grinse. Ich falle ständig noch rein und baue mir aus einem Blick, einer Mail, einem Halbsatz eine Welt, in der ich der Depp bin. Nur erkenne ich den Baustil inzwischen schneller. Nicht immer, aber immer öfter. Irgendwann hatte ich das Gefühl, auf einem freundlicheren, schöneren Planeten aufgewacht zu sein. Dabei war um mich herum alles gleich. Nur der Produzent hatte einen anderen Film gedreht. Und ich habe erkannt, dass der Film von mir selbst produziert wurde, also ich der Produzent bin, war und immer sein werde. In der Folge rede ich darüber, was unsere persönliche Welt wirklich erschafft, und warum das, was uns das Leben so schwer macht, dieselbe Kraft ist, die es leicht machen kann. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E221
    October 7 · 17 min

    #221 Zu viel Denken ist der Killer von Fortschritt

    Folge 221 - Zu viel Denken ist der Killer von Fortschritt Vor ein paar Jahren hatte ich Grauen Star. Auf dem rechten Auge, meinem Sucherauge. Also genau dem Auge, mit dem ich als Kameramann in den Sucher gucke, um ein gutes Bild zu machen. Ich hab zu dem Zeitpunkt wirklich nichts mehr gesehen, nur noch eine weiße, strahlende Fläche, wie eine Milchglasscheibe vor dem Auge. Und das Drehen war damals das Einzige, womit ich Geld verdient hab. Ich hatte mega Schiss vor der OP. Natürlich. Und die alte Version von mir hätte jetzt genau das gemacht, was sie immer gemacht hat: nachdenken. Nochmal nachdenken. Alle Szenarien durchspielen. Was, wenn ich danach nicht mehr arbeiten kann? Was, wenn die Linse nicht passt? Was, wenn, was, wenn. Ich kenne diesen Modus in- und auswendig; ich hab Jahrzehnte darin gelebt. Du drehst dich im Kreis, es fühlt sich an wie Arbeit, und am Ende hast du dich keinen Millimeter bewegt. Damals kannte ich die Drei Prinzipien schon. Und das Faszinierende war: Ich hab die Angstgedanken gesehen, aber mich nicht von ihnen treiben lassen. Die Fakten waren klar, ich hab Grauen Star, es gibt eine OP, die gehört zu den häufigsten überhaupt. Alles andere war mein Film. Ich hab mich sogar gegen den Rat entschieden und eine trifokale Linse genommen, weil ich keinen Bock auf eine Brille hatte. Und bin relativ entspannt da reingegangen. Was ich seitdem immer klarer sehe: High Performance ist Kapazität minus Ablenkung. Und die Ablenkung, das sind nicht die anderen, das ist nicht das Handy. Die größte Ablenkung ist das Overthinking. Dieses angstvolle Denken, dieses alles hundertmal abwägen wollen, diese ganzen Zweifel. Das ist der Killer. Nicht weil die Gedanken böse sind, sondern weil sie meine Kapazität zudecken. Je mehr ich denke, desto weniger sehe ich. Je weniger ich sehe, desto weniger bewege ich mich. Und das Schöne ist: Ich muss mich nicht zum Machen zwingen. Das war mein Irrtum aus tausend Personal-Development-Büchern, dass ich irgendeine Technik brauche, um ins Handeln zu kommen. Wenn das Denken runterfährt, komme ich automatisch ins Machen. Weil Machen unsere Natur ist. Keiner von uns will den ganzen Tag rumliegen. Wir sind gebaut, um vorwärtszugehen, und wir bremsen uns nur mit unserem Kopf. Das heißt nicht, dass ich nicht mehr überdenke. Ich sitze immer noch manchmal vor einer Entscheidung und fange an, die achtzehnte Variante durchzurechnen. Nur merke ich schneller, dass ich gerade die Handbremse ziehe, statt zu fahren. Nicht immer, aber immer öfter. Die OP hat übrigens ein paar Minuten gedauert. Mein Nachdenken darüber hätte Wochen dauern können. In der Folge rede ich darüber, warum Overthinking kein Zeichen von Gründlichkeit ist, sondern das, was uns am meisten vom Vorankommen abhält. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E220
    October 6 · 12 min

    #220 Stress ist mein Denken über die Aussenwelt

    Folge 220 - Stress ist mein Denken über die Aussenwelt Ich fahre Auto, und einer zieht knapp vor mir rein. Richtig knapp. Ich bin kurz geschockt, hab für eine Sekunde dieses krasse Gefühl, weil ich denke: Jetzt passiert ein Unfall. Dann ist es vorbei, nichts passiert, und ich entspanne mich wieder. An dem Tag war ich in so einem Verliebtsein-Modus, und zack, war ich wieder drin. Das Ganze hat vielleicht zehn Sekunden gedauert. Ich kenne die gleiche Situation, aber auch anders. An einem anderen Tag zieht einer genauso rein, und ich streite zwei Stunden später in meinem Kopf mit ihm. Derselbe Typ, dieselbe Aktion. Und ich hätte dir an beiden Tagen geschworen, dass der Autofahrer mein Gefühl macht. Genau so bin ich mein Leben lang gelaufen. Der Stress kommt von der Deadline. Der Stress kommt vom Brief des Finanzamts. Von dem Kunden, vom Chef, von den anderen Verkehrsteilnehmern, die sich wie Psychopathen verhalten. Das wird uns ja auch so beigebracht: Bestimmte Situationen führen dazu, dass wir gestresst sind. Die Außenwelt hat direkten Einfluss darauf, wie ich mich fühle. Und dabei funktionieren wir so überhaupt nicht. Technisch geht das gar nicht, rein von unserem Betriebssystem her. Das Finanzamt kann mir keinen Druck machen. Nicht mal mein Chef, nicht mal meine Kinder, kein Präsident, kein Diktator auf dieser Welt kann dafür sorgen, dass ich mich auf eine bestimmte Weise fühle. Was ich fühle, ist immer mein Denken über das Finanzamt, über den Chef, über den Autofahrer. Es gibt da draußen Fakten, überhaupt keine Frage. Aber sobald ich anfange zu denken, baue ich eine Geschichte um eine Situation herum. Und die Geschichte fühle ich, nicht die Situation. Ehrlich gesagt fand ich das am Anfang richtig blöd. Weil ich auf einmal niemandem mehr die Schuld geben konnte. Nicht dem Amt, nicht der Situation, nicht dem Idioten auf der Autobahn. Und das rechtfertigt übrigens nicht, dass sich Leute wie Arschlöc*** verhalten. Überhaupt nicht. Es heißt nur, dass sie keinen Zugang zu meinem Gefühl haben. Den hab nur ich. Und das Schöne ist: Genau das ist die beste Nachricht ever. Wenn der Stress von da draußen käme, müsste ich die ganze Welt umbauen, damit es mir gut geht. Kommt er aus meinem Denken, muss ich gar nichts umbauen. Ich muss nur sehen, dass ich gerade einen Film produziere. Und ein frischer Gedanke reicht, damit der Film wechselt. Das heißt nicht, dass ich keinen Stress mehr hab. Ich erwache immer wieder aus diesem Traum und merke: Oh, fuck, stimmt, ich erschaffe das gerade selber. Nicht immer, aber immer öfter. Und auch wenn ich mittendrin stecke, weiß ich inzwischen, dass es ein Film ist. Das macht ihn deutlich kürzer. In der Folge rede ich darüber, warum Stress nie von da draußen kommt und warum das keine schlechte, sondern die befreiendste Nachricht ist, die ich je gehört hab. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E219
    October 5 · 11 min

    #219 State before Strategy

    Folge 219 - State before Strategy Es gibt Drehs, die ich gern als Hardcore-Reportagen bezeichne. Du stehst mit der Kamera mitten im Geschehen, es gibt keine zweite Wahl, nichts lässt sich wiederholen, du musst an die Leute ran und einfach reagieren. Und ich hab da irgendwann gemerkt: Jedes Mal, wenn ich mit einem fertigen Plan im Kopf reingegangen bin, mit Strategie, mit "erst das, dann das", wurde das Material schlechter. Jedes Mal, wenn ich mich vorher relaxter entspannt habe und dann einfach im Fluss reagiert habe, wurde es gut. Dabei war ich früher ein Weltmeister im Planen. Ich hab Pläne gemacht und noch mehr Pläne und dann einen Plan für den Plan, weil ich dachte, wenn ich nur die richtige Strategie hab, fühl ich mich endlich auch sicher. Ich bin im Grunde mein Leben lang Auto gefahren, im ersten Gang, Handbremse angezogen, und hab gedacht: So fährt man eben. Was ich nicht gesehen hab: Die beste Strategie der Welt ist nichts wert, wenn ich sie aus einem miesen Zustand herausmache. Aus Angst, aus Druck, aus "Ich muss das jetzt hinkriegen". Weil ich dann nicht klar sehe. Ich sehe dann nur meinen Film, den ich gerade mit meinem Denken produziere. Und aus dem Film heraus plane ich. Logisch, dass da nichts Gutes dabei rauskommt. Und das Schöne ist: Umgekehrt funktioniert es. Wenn ich in meiner Ruhe bin, bin ich kreativ. Wenn ich in meiner Ruhe bin, sehe ich klarer. Dann bin ich fokussierter und kann Dinge wirklich viel leichter erledigen. Da kommen die frischen Ideen her, da kommen die guten Entscheidungen her. Nicht aus dem Druck. Der Druck sieht nur so aus, als würde er mir helfen, was hinzukriegen. Es sieht nur so aus. Lange dachte ich, du dürftest dich dann gut fühlen, wenn du das und das erreicht hast. Erst die Leistung, dann der Zustand. Dabei ist es genau andersrum. Unser gutes Gefühl ist der beste rote Teppich, um tolle Sachen zu erreichen. Und das gilt beim Dreh genauso wie bei der Steuer, bei einem schwierigen Gespräch oder beim Planen eines neuen Angebots. Zustand zuerst. Dann kommt die Strategie von allein, und zwar eine bessere, als ich mir je hätte ausdenken können. Das heißt nicht, dass ich keine Pläne mehr mache. Ich mache welche, nur sind sie heute eher eine grobe Richtung als ein Sicherheitsgurt. Und ich falle auch immer noch in den Druckmodus und glaube, ich müsste jetzt mal richtig Gas geben. Nur sehe ich es schneller. Nicht immer, aber immer öfter. Es gibt 15 Gänge in diesem Auto. Und der erste Schritt war nie, besser zu schalten. Der erste Schritt war, die Handbremse zu lösen. In der Folge rede ich darüber, warum ich State before Strategy für die wichtigste Reihenfolge überhaupt halte, in Firmen, im Coaching und bei mir selbst. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E218
    October 4 · 11 min

    #218 Unser geilstes Messinstrument

    Folge 218 - Unser geilstes Messinstrument Ich bin mal bei einer Kleinanzeigen-Sache um ungefähr 2.100 Euro betrogen worden. Und ich kann dir sagen: In dem Moment, in dem ich es gecheckt hab, ist die Nadel in mir voll nach oben geschossen. Hitze, Puls, Wut, dieses ganze Full-Body-Programm. Aber es war erstaunlich kurz. So kurz, dass ich dachte: Wow, diesen Film sehe ich, wie er Macht gewinnt. Ich habe aber keine Lust, diesen Gefühlen Macht zu geben, also gebe ich den destruktiven Gedanken keine Macht. Früher hätte ich das Gefühl so gelesen: Ich wurde betrogen, deswegen fühle ich mich so. Logisch. Die Welt macht was mit mir, und mein Gefühl zeigt mir, wie schlimm sie ist. Das war meine Sicht auf mein Leben, solange ich mich erinnern kann. Der Betrüger ist schuld, die Steuer ist schuld, der Typ im Verkehr ist schuld, und mein Gefühl ist der Beweis. Und das ist eine völlige Fehlannahme. Mein Gefühl misst nicht die Welt. Mein Gefühl misst mein Denken. Wir fühlen unser Denken, nichts anderes. Fühle ich mich schwer, hab ich schwer gedacht. Fühle ich mich grandios, hab ich was Grandioses gedacht. Fühle ich mich wütend, hab ich wütende Gedanken. Das Gefühl ist nur das Feedback darüber, auf welchem Level ich gerade unterwegs bin. Und zwar Jetzt. Und das Schöne ist: Dann ist das Gefühl kein Feind mehr, vor dem ich Angst haben muss. Es ist das geilste Messinstrument, das ich hab. Ich muss den Gedanken nicht mal zurückverfolgen. Ich muss nicht rausfinden, was genau ich gedacht hab. Ich sehe nur: Ah, okay, da war gerade nichts Konstruktives am Start. Und mit einem frischen Gedanken baue ich eine neue Welt. Das macht das System so genial. Beim Betrug hab ich das so erlebt: Die Nadel ging hoch, überhaupt keine Frage. Aber ich hab viel schneller gesehen, dass sie mein Denken anzeigt und nicht den Betrüger. Und dann konnte ich mich viel schneller wieder einfangen und das Ding in Ruhe angehen, statt drei Wochen in einem Kopfkino zu leben, in dem ich den Typen hundertmal verprügle. Das heißt nicht, dass ich das Instrument jetzt immer richtig lese. Ich lese ständig falsch und glaube, die Außenwelt sei schuld. Und manchmal will ich mich auch einfach mal traurig fühlen oder einen Horrorfilm im Kopf laufen lassen, aber mir reicht das dann nur für kurze Zeit. Nicht immer, aber immer öfter. Für mich ist das wie ein Tacho im Auto. Ich muss den Tacho nicht anschreien, wenn er 180 anzeigt. Ich nehme einfach den Fuß vom Gas. In der Folge rede ich darüber, warum unsere Gefühle das Beste sind, was wir an Bord haben, und warum ich sie so lange für meinen Gegner gehalten habe. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E217
    October 3 · 16 min

    #217 Einfach besser leben

    Folge 217 - Einfach besser leben Ich lag im Bett und hab nachgedacht. Nicht über was Schönes. So destruktives Zeug, du kennst das, Sachen, die noch nicht erledigt sind, Sachen, die schiefgehen könnten, und ich hab mich mit jedem Gedanken ein Stockwerk tiefer gefühlt. Dann bin ich aufgestanden. Und sofort war ich auf einem anderen Level. Keine zwei Minuten später stand ich in der Küche und hab überlegt, wie wir heute noch ins Schwimmbad kommen, und dass ich vorher noch mit den Hunden Gassi muss. Dieselbe Welt. Derselbe Tag. Derselbe Gabriel. Früher hätte ich daraus eine Technik gemacht. Aufstehen gegen schlechte Gedanken, fünf Schritte, du kennst das. Ich hab tausende Bücher gelesen, Personal Development, Psychologie, you name it, und bei jedem Buch dachte ich, jetzt mache ich noch mehr und dann wird mein Leben besser. Und es wurde nicht besser. Es wurde voller. Was ich damals nicht gesehen hab: Es war nie das Schwimmbad, das mich gut gelaunt hat. Und es war nie das Bett, das mich runtergezogen hat. Es war mein Denken, in beiden Fällen. Ich denke was, fühle es und bin dann in dem Raum, den ich mir gerade gebaut hab. So einfach ist es. Es sind nicht die anderen, es ist nicht die Situation, es ist, wie ich gerade über eine Situation denke. Nichts anderes. Und das Schöne ist: Dann muss ich nichts tun. Das klingt so bescheuert, wenn ich es ausspreche, weil wir Menschen ständig im Tun-Machen-Modus sind. Aber je weniger ich mein Denken ernst nehme, desto mehr beruhigt sich das System von alleine. Und aus der Ruhe heraus kriege ich im Kern alles besser hin. Ich sehe klarer, ich bin kreativer, ich bin netter mit den Leuten um mich rum. Es war auch nie die Steuer, die mich gestresst hat, sondern mein Denken über das Steuermachen. Nicht das Putzen, das mich genervt hat, sondern mein Denken darüber. In der Zwischenzeit höre ich beim Putzen Hörbücher oder spreche Texte in eine Transkriptions-App. Manchmal bin ich sogar inspiriert dabei. Inspiration muss nichts Riesiges sein. Ich kann inspiriert die Küche aufräumen, inspiriert kochen, inspiriert Zeit mit meinen Kindern verbringen. Das heißt nicht, dass ich jetzt den ganzen Tag auf Wolke sieben schwebe. Ich lieg immer noch manchmal im Bett und fahr mit dem Aufzug in den Keller. Nur bleibe ich da nicht mehr so lange, weil ich sehe, dass es ein Film ist. Nicht immer, aber immer öfter. Für mich ist besser leben nicht mehr Aufwand geworden, sondern weniger. Weniger Schütteln an der Schneekugel. Und dann setzt sich der Schnee von alleine. In der Folge rede ich darüber, warum es bei mir heute meistens einfach ist, besser zu leben, und es bei jedem anderen Menschen auch so sein kann. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

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