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Artwork for Perfekt Imperfekt
Health & FitnessMental Health

Perfekt Imperfekt

Gabriel Beyer

Willkommen in meinem Podcast über die 3 Prinzipien – oder wie ich’s nenne: das menschliche Betriebssystem.
Hier geht’s nicht um „optimier dich endlich“, sondern um den Moment, in dem du merkst: „Ah.“ Ich bin nicht kaputt. Ich hab gerade nur 37 Tabs offen und glaube, was ich denke!
Gedanke ist die Software, Bewusstsein ist der Bildschirm, Mind ist das WLAN, das immer da ist – selbst wenn du’s kurz vergessen hast.
Kurz: Weniger Drama im Kopf, mehr Klarheit im Leben. Direkt, witzig, radikal ehrlich und mit echten Aha-Momenten.

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  • 29 episodes
  • daily
  • Avg 14 min
  • German
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  • S1 · E220
    Yesterday · 12 min

    #220 Stress ist mein Denken über die Aussenwelt

    Folge 220 - Stress ist mein Denken über die Aussenwelt Ich fahre Auto, und einer zieht knapp vor mir rein. Richtig knapp. Ich bin kurz geschockt, hab für eine Sekunde dieses krasse Gefühl, weil ich denke: Jetzt passiert ein Unfall. Dann ist es vorbei, nichts passiert, und ich entspanne mich wieder. An dem Tag war ich in so einem Verliebtsein-Modus, und zack, war ich wieder drin. Das Ganze hat vielleicht zehn Sekunden gedauert. Ich kenne die gleiche Situation, aber auch anders. An einem anderen Tag zieht einer genauso rein, und ich streite zwei Stunden später in meinem Kopf mit ihm. Derselbe Typ, dieselbe Aktion. Und ich hätte dir an beiden Tagen geschworen, dass der Autofahrer mein Gefühl macht. Genau so bin ich mein Leben lang gelaufen. Der Stress kommt von der Deadline. Der Stress kommt vom Brief des Finanzamts. Von dem Kunden, vom Chef, von den anderen Verkehrsteilnehmern, die sich wie Psychopathen verhalten. Das wird uns ja auch so beigebracht: Bestimmte Situationen führen dazu, dass wir gestresst sind. Die Außenwelt hat direkten Einfluss darauf, wie ich mich fühle. Und dabei funktionieren wir so überhaupt nicht. Technisch geht das gar nicht, rein von unserem Betriebssystem her. Das Finanzamt kann mir keinen Druck machen. Nicht mal mein Chef, nicht mal meine Kinder, kein Präsident, kein Diktator auf dieser Welt kann dafür sorgen, dass ich mich auf eine bestimmte Weise fühle. Was ich fühle, ist immer mein Denken über das Finanzamt, über den Chef, über den Autofahrer. Es gibt da draußen Fakten, überhaupt keine Frage. Aber sobald ich anfange zu denken, baue ich eine Geschichte um eine Situation herum. Und die Geschichte fühle ich, nicht die Situation. Ehrlich gesagt fand ich das am Anfang richtig blöd. Weil ich auf einmal niemandem mehr die Schuld geben konnte. Nicht dem Amt, nicht der Situation, nicht dem Idioten auf der Autobahn. Und das rechtfertigt übrigens nicht, dass sich Leute wie Arschlöc*** verhalten. Überhaupt nicht. Es heißt nur, dass sie keinen Zugang zu meinem Gefühl haben. Den hab nur ich. Und das Schöne ist: Genau das ist die beste Nachricht ever. Wenn der Stress von da draußen käme, müsste ich die ganze Welt umbauen, damit es mir gut geht. Kommt er aus meinem Denken, muss ich gar nichts umbauen. Ich muss nur sehen, dass ich gerade einen Film produziere. Und ein frischer Gedanke reicht, damit der Film wechselt. Das heißt nicht, dass ich keinen Stress mehr hab. Ich erwache immer wieder aus diesem Traum und merke: Oh, fuck, stimmt, ich erschaffe das gerade selber. Nicht immer, aber immer öfter. Und auch wenn ich mittendrin stecke, weiß ich inzwischen, dass es ein Film ist. Das macht ihn deutlich kürzer. In der Folge rede ich darüber, warum Stress nie von da draußen kommt und warum das keine schlechte, sondern die befreiendste Nachricht ist, die ich je gehört hab. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E219
    Monday · 11 min

    #219 State before Strategy

    Folge 219 - State before Strategy Es gibt Drehs, die ich gern als Hardcore-Reportagen bezeichne. Du stehst mit der Kamera mitten im Geschehen, es gibt keine zweite Wahl, nichts lässt sich wiederholen, du musst an die Leute ran und einfach reagieren. Und ich hab da irgendwann gemerkt: Jedes Mal, wenn ich mit einem fertigen Plan im Kopf reingegangen bin, mit Strategie, mit "erst das, dann das", wurde das Material schlechter. Jedes Mal, wenn ich mich vorher relaxter entspannt habe und dann einfach im Fluss reagiert habe, wurde es gut. Dabei war ich früher ein Weltmeister im Planen. Ich hab Pläne gemacht und noch mehr Pläne und dann einen Plan für den Plan, weil ich dachte, wenn ich nur die richtige Strategie hab, fühl ich mich endlich auch sicher. Ich bin im Grunde mein Leben lang Auto gefahren, im ersten Gang, Handbremse angezogen, und hab gedacht: So fährt man eben. Was ich nicht gesehen hab: Die beste Strategie der Welt ist nichts wert, wenn ich sie aus einem miesen Zustand herausmache. Aus Angst, aus Druck, aus "Ich muss das jetzt hinkriegen". Weil ich dann nicht klar sehe. Ich sehe dann nur meinen Film, den ich gerade mit meinem Denken produziere. Und aus dem Film heraus plane ich. Logisch, dass da nichts Gutes dabei rauskommt. Und das Schöne ist: Umgekehrt funktioniert es. Wenn ich in meiner Ruhe bin, bin ich kreativ. Wenn ich in meiner Ruhe bin, sehe ich klarer. Dann bin ich fokussierter und kann Dinge wirklich viel leichter erledigen. Da kommen die frischen Ideen her, da kommen die guten Entscheidungen her. Nicht aus dem Druck. Der Druck sieht nur so aus, als würde er mir helfen, was hinzukriegen. Es sieht nur so aus. Lange dachte ich, du dürftest dich dann gut fühlen, wenn du das und das erreicht hast. Erst die Leistung, dann der Zustand. Dabei ist es genau andersrum. Unser gutes Gefühl ist der beste rote Teppich, um tolle Sachen zu erreichen. Und das gilt beim Dreh genauso wie bei der Steuer, bei einem schwierigen Gespräch oder beim Planen eines neuen Angebots. Zustand zuerst. Dann kommt die Strategie von allein, und zwar eine bessere, als ich mir je hätte ausdenken können. Das heißt nicht, dass ich keine Pläne mehr mache. Ich mache welche, nur sind sie heute eher eine grobe Richtung als ein Sicherheitsgurt. Und ich falle auch immer noch in den Druckmodus und glaube, ich müsste jetzt mal richtig Gas geben. Nur sehe ich es schneller. Nicht immer, aber immer öfter. Es gibt 15 Gänge in diesem Auto. Und der erste Schritt war nie, besser zu schalten. Der erste Schritt war, die Handbremse zu lösen. In der Folge rede ich darüber, warum ich State before Strategy für die wichtigste Reihenfolge überhaupt halte, in Firmen, im Coaching und bei mir selbst. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E218
    Sunday · 11 min

    #218 Unser geilstes Messinstrument

    Folge 218 - Unser geilstes Messinstrument Ich bin mal bei einer Kleinanzeigen-Sache um ungefähr 2.100 Euro betrogen worden. Und ich kann dir sagen: In dem Moment, in dem ich es gecheckt hab, ist die Nadel in mir voll nach oben geschossen. Hitze, Puls, Wut, dieses ganze Full-Body-Programm. Aber es war erstaunlich kurz. So kurz, dass ich dachte: Wow, diesen Film sehe ich, wie er Macht gewinnt. Ich habe aber keine Lust, diesen Gefühlen Macht zu geben, also gebe ich den destruktiven Gedanken keine Macht. Früher hätte ich das Gefühl so gelesen: Ich wurde betrogen, deswegen fühle ich mich so. Logisch. Die Welt macht was mit mir, und mein Gefühl zeigt mir, wie schlimm sie ist. Das war meine Sicht auf mein Leben, solange ich mich erinnern kann. Der Betrüger ist schuld, die Steuer ist schuld, der Typ im Verkehr ist schuld, und mein Gefühl ist der Beweis. Und das ist eine völlige Fehlannahme. Mein Gefühl misst nicht die Welt. Mein Gefühl misst mein Denken. Wir fühlen unser Denken, nichts anderes. Fühle ich mich schwer, hab ich schwer gedacht. Fühle ich mich grandios, hab ich was Grandioses gedacht. Fühle ich mich wütend, hab ich wütende Gedanken. Das Gefühl ist nur das Feedback darüber, auf welchem Level ich gerade unterwegs bin. Und zwar Jetzt. Und das Schöne ist: Dann ist das Gefühl kein Feind mehr, vor dem ich Angst haben muss. Es ist das geilste Messinstrument, das ich hab. Ich muss den Gedanken nicht mal zurückverfolgen. Ich muss nicht rausfinden, was genau ich gedacht hab. Ich sehe nur: Ah, okay, da war gerade nichts Konstruktives am Start. Und mit einem frischen Gedanken baue ich eine neue Welt. Das macht das System so genial. Beim Betrug hab ich das so erlebt: Die Nadel ging hoch, überhaupt keine Frage. Aber ich hab viel schneller gesehen, dass sie mein Denken anzeigt und nicht den Betrüger. Und dann konnte ich mich viel schneller wieder einfangen und das Ding in Ruhe angehen, statt drei Wochen in einem Kopfkino zu leben, in dem ich den Typen hundertmal verprügle. Das heißt nicht, dass ich das Instrument jetzt immer richtig lese. Ich lese ständig falsch und glaube, die Außenwelt sei schuld. Und manchmal will ich mich auch einfach mal traurig fühlen oder einen Horrorfilm im Kopf laufen lassen, aber mir reicht das dann nur für kurze Zeit. Nicht immer, aber immer öfter. Für mich ist das wie ein Tacho im Auto. Ich muss den Tacho nicht anschreien, wenn er 180 anzeigt. Ich nehme einfach den Fuß vom Gas. In der Folge rede ich darüber, warum unsere Gefühle das Beste sind, was wir an Bord haben, und warum ich sie so lange für meinen Gegner gehalten habe. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E217
    Saturday · 16 min

    #217 Einfach besser leben

    Folge 217 - Einfach besser leben Ich lag im Bett und hab nachgedacht. Nicht über was Schönes. So destruktives Zeug, du kennst das, Sachen, die noch nicht erledigt sind, Sachen, die schiefgehen könnten, und ich hab mich mit jedem Gedanken ein Stockwerk tiefer gefühlt. Dann bin ich aufgestanden. Und sofort war ich auf einem anderen Level. Keine zwei Minuten später stand ich in der Küche und hab überlegt, wie wir heute noch ins Schwimmbad kommen, und dass ich vorher noch mit den Hunden Gassi muss. Dieselbe Welt. Derselbe Tag. Derselbe Gabriel. Früher hätte ich daraus eine Technik gemacht. Aufstehen gegen schlechte Gedanken, fünf Schritte, du kennst das. Ich hab tausende Bücher gelesen, Personal Development, Psychologie, you name it, und bei jedem Buch dachte ich, jetzt mache ich noch mehr und dann wird mein Leben besser. Und es wurde nicht besser. Es wurde voller. Was ich damals nicht gesehen hab: Es war nie das Schwimmbad, das mich gut gelaunt hat. Und es war nie das Bett, das mich runtergezogen hat. Es war mein Denken, in beiden Fällen. Ich denke was, fühle es und bin dann in dem Raum, den ich mir gerade gebaut hab. So einfach ist es. Es sind nicht die anderen, es ist nicht die Situation, es ist, wie ich gerade über eine Situation denke. Nichts anderes. Und das Schöne ist: Dann muss ich nichts tun. Das klingt so bescheuert, wenn ich es ausspreche, weil wir Menschen ständig im Tun-Machen-Modus sind. Aber je weniger ich mein Denken ernst nehme, desto mehr beruhigt sich das System von alleine. Und aus der Ruhe heraus kriege ich im Kern alles besser hin. Ich sehe klarer, ich bin kreativer, ich bin netter mit den Leuten um mich rum. Es war auch nie die Steuer, die mich gestresst hat, sondern mein Denken über das Steuermachen. Nicht das Putzen, das mich genervt hat, sondern mein Denken darüber. In der Zwischenzeit höre ich beim Putzen Hörbücher oder spreche Texte in eine Transkriptions-App. Manchmal bin ich sogar inspiriert dabei. Inspiration muss nichts Riesiges sein. Ich kann inspiriert die Küche aufräumen, inspiriert kochen, inspiriert Zeit mit meinen Kindern verbringen. Das heißt nicht, dass ich jetzt den ganzen Tag auf Wolke sieben schwebe. Ich lieg immer noch manchmal im Bett und fahr mit dem Aufzug in den Keller. Nur bleibe ich da nicht mehr so lange, weil ich sehe, dass es ein Film ist. Nicht immer, aber immer öfter. Für mich ist besser leben nicht mehr Aufwand geworden, sondern weniger. Weniger Schütteln an der Schneekugel. Und dann setzt sich der Schnee von alleine. In der Folge rede ich darüber, warum es bei mir heute meistens einfach ist, besser zu leben, und es bei jedem anderen Menschen auch so sein kann. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E216
    Friday · 13 min

    #216 Unsere wahre Natur ist perfekt

    Folge 216 - Unsere wahre Natur ist perfekt Ich hab den Satz mal laut ins Mikro gesprochen: "Ich bin nicht gut konstruiert." Und ich hab ihn sofort gespürt. Hier oben, im Brustkorb. Ein Satz, Bruchteile von Sekunden, und schon war das Gefühl da. Mit genau dem Satz bin ich ziemlich lange durchs Leben gelaufen. Zu schwach, zu feige, zu komisch, you name it. Ich hatte so viel Angst davor, rauszutreten und irgendwas zu machen, weil es ja nicht perfekt sein könnte. Dieser Perfektionismus war wirklich eine krankhafte Ader bei mir. Und dann hab ich lieber gar nichts gemacht. Logisch, aus dieser Logik heraus. Was ich dabei nie gesehen habe: Dieses "ich bin nicht gut konstruiert" war kein Fakt über mich. Das war ein Gedanke. Und ich fühle meine Gedanken. Immer. Deswegen hat es sich so wahr angefühlt, weil ich es gedacht habe, nicht, weil ich so bin. Sydney Banks hat mal gesagt, wir sitzen alle in der Mitte mentaler Gesundheit. Das war für mich erstmal eine Frechheit, ehrlich gesagt, weil ich mich die meiste Zeit meines Lebens beschissen gefühlt hab. Aber in der Zwischenzeit sehe ich das auch. Da ist ein Fundament in mir, das schon da war, bevor ich angefangen habe zu denken. Und dann fange ich an, Zeug draufzuladen. Ich kann das nicht. Darf ich das überhaupt? Was, wenn ich ein Nein kriege? Alles selbstgeschaffene Emotionen, die ich dann selbstverständlich fühle. Schau dir ein Baby an. Das weiß noch gar nicht, wie die Welt funktioniert, und trotzdem weiß es genau, wie sie funktioniert. Neugier, Freude, der Welt mit offenen Armen begegnen. Das ist unsere Natur, unser wahres Ich. Die ist nie kaputtgegangen. Sie wird nur überlagert. Von so viel Denken, von so viel dramatischem Scheiß. Bei mir war es ganz viel Scheiß, und es ist immer noch welcher da, nur viel, viel weniger. Und das Schöne ist: Ich muss das Fundament nicht reparieren. Ich muss mich nicht erst perfekt machen. Das Perfekte ist der Teil, der nie weg war. Alles, was unperfekt ist, sind Filme, die drüberlaufen. Und ein Film ist immer in Bewegung, weil Gedanken ständig in Bewegung sind. Deswegen heißt der Podcast so. Perfekt Imperfekt. Das heißt nicht, dass ich das jetzt immer sehe. Ich falle ständig noch rein. Ich schüttel meine Schneekugel, hab blödes Denken, denk, ich muss noch mehr drüber nachdenken, und schüttel noch stärker. Dabei müsste ich die Kugel einfach nur abstellen und warten, bis der Schnee sich setzt. Dann ist da wieder Ruhe. Nicht immer, aber immer öfter. Und seit ich das sehe, hat sich diese Idee, dass ich erst gut genug sein muss, bevor ich rausgehe, ziemlich in Luft aufgelöst. Ich kann da rausgehen und machen. Das ist meine Natur. Das ist unser aller Natur. In der Folge rede ich darüber, was ich meine, wenn ich sage, dass unsere wahre Natur perfekt ist, und warum ich das trotz meines imperfekten, äh, unperfekten Denkens behaupte. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E215
    Thursday · 16 min

    #215 Wir sind unglaublich mächtig Gedanken Power zu geben

    Folge 215 - Wir sind unglaublich mächtig Gedanken Power zu geben Jahrelang hab ich das Finanzamt vor mir hergeschoben. Und immer, wenn ich dran gedacht hab, war da dieses schwere Gefühl. Also hab ich es noch weiter nach hinten geschoben. Und zwischendrin ganz viel drüber nachgedacht, was – kleiner Spoiler – überhaupt nicht geholfen hat. Ich war fest davon überzeugt, dass das Finanzamt mir Druck macht. Logisch, oder? Da ist dieser Brief, da ist diese Frist, da ist dieser Druck. Nur: Das Finanzamt kann mir gar keinen Druck machen. Das geht technisch überhaupt nicht. Nicht mal mein Kunde, nicht mal mein Partner, niemand. Was da passiert ist: Ich hab einem Gedanken Power gegeben. Immer wieder. Und dann hab ich das Gefühl dieses Gedankens gespürt und dachte, es sei das Gefühl vom Finanzamt. So wie ich es heute sehe, funktioniert das ungefähr so. Den ganzen Tag klingelt dieser universelle Postbote und liefert Päckchen. Gedanken. Und da kommt so viel Scheiß und Bullshit, Sachen, auf die ich überhaupt keinen Bock hab. Und da kommen auch schöne Sachen. Über das, was da geliefert wird, hab ich keine Kontrolle. 0 %. Aber ob ich so ein Päckchen aufmache, ob ich ihm den roten Teppich ausrolle, mich drauf stürze, es immer wieder auspacke, bis daraus eine extreme Full Body Experience wird, bis es zu meiner Welt wird, zu meiner Identität, zu dem, was ich glaube zu sein, darüber hab ich alle Macht der Welt. Oder anders: Es fahren ständig Züge in meinen Bahnhof ein. Welche kommen, entscheide ich nicht. In welchen ich einsteige, schon. Und das ist die Stelle, an der es mich immer wieder umhaut. Wir sind unglaublich mächtig. Wir können aus einem einzigen kleinen Gedanken ein ganzes Gefängnis bauen. Manchmal sogar richtig schön angemalt. Und dann sitzen wir drin und denken, dass das die Realität ist. Sydney Banks hat in einem Moment erkannt, dass er kein unsicherer Mensch ist, sondern unsichere Gedanken hat. Ich hab mich früher für zu schwach gehalten, zu feige, you name it. Auch das waren Päckchen, denen ich Power gegeben hab. Immer wieder. Und das Schöne ist: Die gleiche Macht, mit der wir diese Welten bauen, lässt sie auch wieder in sich zusammenfallen. Nicht, indem ich gegen den Gedanken ankämpfe, das wäre ja wieder Power. Sondern indem ich sehe, dass es ein Gedanke ist. Dann bleibt das Päckchen einfach vor der Tür stehen. Und irgendwann ist es weg. Ich muss mein Denken dann gar nicht mehr so ernst nehmen. Und das ist pure Freiheit. Das heißt nicht, dass ich nie mehr einsteige. Ich steig immer noch in die falschen Züge, manchmal fahr ich ein paar Stationen mit, bevor ich merke, wo ich eigentlich bin. Aber ich merke es schneller. Nicht immer, aber immer öfter. Und die Steuer? Die mache ich inzwischen manchmal fast schon inspiriert. Außen hat sich daran nichts geändert. In der Folge rede ich darüber, wie mächtig wir als Menschen sind, wenn es darum geht, welchem Gedanken wir Power geben, und warum genau das die beste Nachricht ist, die ich kenne. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E214
    September 30 · 16 min

    #214 Selbstbewusstsein - Von welchem Selbst reden wir überhaupt?

    Folge 214 – Selbstbewusstsein – Von welchem Selbst reden wir überhaupt? "Ich bin selbstbewusst. Ich bin selbstbewusst. Ich bin selbstbewusst." Kennst du das? Du fühlst dich eigentlich überhaupt nicht selbstbewusst, und dann redest du dir das ein. Und irgendwas in dir nimmt es dir nicht ab. Mich hat das schon immer irritiert, ehrlich gesagt. Dieses Gefühl, mich gerade selbst anzulügen. Ich hab mich jahrelang für einen ängstlichen Menschen gehalten. Logisch, dachte ich, ich fühl mich ja ständig ängstlich. Also bin ich so. Was ich nicht gesehen hab: Ich hab mich ängstlich gefühlt, weil ich ängstlich gedacht hab. Nicht, weil das mein Kern ist. Und genau da wird die Frage spannend. Wenn wir über Selbstbewusstsein reden, von welchem Selbst reden wir denn da überhaupt? Ich hab so lange gesucht, in der ganzen Personal-Development-Welt und in der Psychologie-Welt. Was ist denn der Kern von mir? Was bin ich, bevor ich anfange, irgendeine Identität über mich zu konstruieren, ein Bild davon, wie ich bin, wie die Welt ist, wie die anderen sind? Und so wie ich es heute sehe, gibt es zwei Dinge. Es gibt die Essenz, das, was wir wirklich sind. Und dann haben wir diesen magischen Pinsel mitbekommen, das Denken, und damit malen wir Bilder. Davon, wer wir sind. Was es bedeutet, wenn jemand ABC zu uns sagt. Sydney Banks hat dieses gemalte Bild "the image of self-importance" genannt, das Bild der Selbstwichtigkeit. Und das meine ich gar nicht negativ, das ist einfach, was Menschen machen. Nur: Dieses Bild muss ich ständig verteidigen. Sagt jemand was über mich, das nicht zum Bild passt, dann geh ich sofort in den Verteidigungsmodus. Und das "Ich bin nicht selbstbewusst" ist auch nur ein Pinselstrich auf dieser Leinwand. Und das Schöne ist: Es gibt einen Kern in mir, dem das komplett egal ist. Der ist grundsätzlich selbstbewusst, und zwar nicht, weil ich mir das einrede, sondern weil er gar nichts beweisen muss. Den muss ich nicht bauen, nicht trainieren, nicht optimieren. Der ist schon da, unter dem ganzen Denken. Sobald ich sehe, dass das Bild ein Bild ist, muss ich es nicht mehr verteidigen. Und das ist pure Freiheit. Überhaupt keine Frage, ich falle immer noch rein. Manchmal liege ich morgens im Bett im Panikmodus, da laufen die Filme, und für einen Moment glaube ich, dass ich das bin. Aber ich sehe schneller, dass es sich um Filme und nicht um meine wahre Identität handelt. Und dann entspannt sich etwas, ganz von allein, ohne Technik, ohne Affirmation. Nicht immer, aber immer öfter. Ich kann in meiner Identität gar nicht gefangen sein. Ich kann mich nur selber gefangen nehmen, diese Gefängnisse baue ich selbst, und manche sind richtig schön angemalt. Aber sie sind aus Gedanken gebaut. Und Gedanken verändern sich ständig. In der Folge rede ich darüber, von welchem Selbst wir eigentlich reden, wenn wir von Selbstbewusstsein sprechen, und warum das Echte gar nicht gestärkt werden muss. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E213
    September 29 · 14 min

    #213 Geisteszustand ist der Nr. 1 Erfolg GameChanger

    Folge 213 - Geisteszustand ist der Nr. 1 Erfolg GameChanger Finanzamt. Das war bei mir ganz lange so ein Riesending. Ich hatte so viel destruktives Denken darüber, dass ich es so lange wie möglich hinausgezögert habe. Nicht jetzt. Nicht jetzt. Morgen. Und zwischendrin hab ich ständig darüber nachgedacht, was überhaupt nicht geholfen hat, es zu tun. Das hat nur geholfen, mich schlecht zu fühlen. Bis der Druck irgendwann so groß war und die Deadline so nah, dass ich endlich ins Machen gekommen bin Und daraus hab ich lange den falschen Schluss gezogen: Ich brauch halt Druck. Ohne Druck krieg ich nichts hin. Was ich nicht gesehen hab: Der Druck hat gar nichts gebracht. Er hat nur dafür gesorgt, dass ich irgendwann aufgehört habe zu denken. Und erst dann ging's. Der Druck war eine Fata Morgana. Heute mache ich meine Steuer sogar inspiriert. Klingt verrückt, ich weiß. Die Steuer ist dieselbe geblieben. Die Formulare sind dieselben. Was sich verändert hat, ist mein Geisteszustand, aus dem ich da rangehe. Und genau das ist für mich der Game Changer schlechthin. Nicht mehr Disziplin. Nicht die bessere Methode. Nicht noch ein Tool. Sondern der Zustand, aus dem ich handle. Ich habe das mal an mir selbst beobachtet, an einem ganz normalen Tag. Ich hatte vier Folgen in mein Scheduling-Tool eingetragen, zwei neue aufgenommen, Wäsche gewaschen, Müll runtergebracht, Spülmaschine eingeräumt. Und trotzdem habe ich gedacht: Irgendwie bin ich heute nicht so effektiv. Irgendwie nicht motiviert. Warum? Weil ich in einer Stimmung war, in der sich alles schwer angefühlt hat. Nicht der Tag hat die Stimmung gemacht. Die Stimmung hat den Tag gemacht. Das ist die Physik dahinter: Ich denke was und fühle es im selben Moment. Mein Denken macht meine Gefühle, meine Gefühle machen meine Stimmung, und die Stimmung ist die Brille, durch die ich alles andere sehe. Die Kunden. Den Computer, der abstürzt. Die anderen Autofahrer. Wenn ich auf einem hohen Level bin, sehe ich klarer, fällt mir alles leichter und die Ideen kommen von allein. Wenn ich auf einem tiefen Level bin, kann jemand pupsen, und ich raste aus. Zum Glück ist es bei mir nicht so dramatisch. Aber du weißt genau, was ich meine. Meine Stimmung ist das Nitroglyzerin für ein erfolgreiches Leben. Michael Neill hat dafür ein schönes Bild: Wenn ich inspiriert bin, ist es wie im Kanu den Fluss hinunter. Ich muss kaum paddeln, nur ein bisschen gucken, damit ich nicht am Ufer andocke. Und wenn ich mich durchbeiße, ohne jedes gute Gefühl, weil ich glaube, dass ich mich erst gut fühlen darf, wenn ich's geschafft habe? Dann trage ich das Kanu barfuß über die Felsen, den Fluss hinauf. Und das Schöne ist: Um in einen besseren Zustand zu kommen, muss ich nichts tun. Keine Technik. Wenn ich aufhöre, noch mehr Gedanken reinzuschmeißen, setzt sich das von allein. Heißt das, ich bin immer im Kanu? Nein. Ich trage es immer noch ab und zu die Felsen hoch. Aber ich merke inzwischen viel schneller, dass ich das gerade mache. Nicht immer, aber immer öfter. In der Folge rede ich darüber, warum dein Geisteszustand mehr über deinen Erfolg entscheidet als alles, was du dir so an Strategie zurechtlegst. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E212
    September 28 · 12 min

    #212 Die WAHRHEIT darüber wie wir funktionieren

    #212 Die WAHRHEIT darüber wie wir funktionieren Schon als Kind habe ich mich gewundert, warum um mich herum so viel Angst ist. So viel Furcht. Und ich fand das nie sinnvoll, nie eine lebenswerte Art zu leben. Und hab's trotzdem übernommen. Ich hatte einen Freund, früh in meiner Jugend, der einfach frei heraus gelebt hat. Und ich konnte das nicht. Ich war total verkopft. Kann ich das? Darf ich so sein? Darf ich mich so verhalten? Ich habe in einer sehr, sehr kleinen Welt gelebt und mich die meiste Zeit beschissen gefühlt. Dachte, ich bin zu schwach, zu feige, you name it. Also habe ich gesucht. Personal Development, Psychologie, Positive Psychologie. Hunderte von Büchern, inzwischen bestimmt Tausende, Coaches, Hörbücher, Kurse. Und klar, manche Techniken haben kurz was gebracht. Aber den Kern habe ich nie gefunden. Und ehrlich, diese Affirmationen haben mich immer irritiert. Ich stell mich hin, fühl mich überhaupt nicht selbstbewusst und sag mir: Ich bin selbstbewusst. Ich bin selbstbewusst. Ich bin selbstbewusst. Und irgendwas in mir merkt ganz genau: Du lügst dich gerade an. Das Problem war, dass fast alles, was ich gelesen habe, sich mit dem Film beschäftigt hat. Mit dem, was ich denke, und wie ich mich verhalte. Aber keiner hat mir das Kino erklärt. Also: Was ist das eigentlich für ein System, in dem dieser Film überhaupt läuft? Warum fühle ich, wie ich fühle? Und dann bin ich auf die Drei Prinzipien von Sydney Banks gestoßen. Und das hat Peng gemacht. In meinem Kopf, in meinem ganzen System. Weil ich auf einmal gesehen habe, wie die Zahnräder ineinandergreifen. Ich denke was und fühle es im selben Moment. Denken und Fühlen, das ist ein Vorgang. Und daraus entsteht meine ganze Realität, die sich so wahnsinnig echt anfühlt. Das heißt: Mein Gefühl kann niemals aus der Außenwelt kommen. Niemals von einer anderen Person. Niemals von einem Ereignis. Ja, ich interpretiere ein Ereignis, aber das Gefühl kommt nicht vom Ereignis. So funktioniert das System einfach nicht. Kein einziges Gefühl. Klingt vielleicht nach einem Detail. Macht aber den Unterschied der Welt. Solange ich glaube, es ist die Welt da draußen, versuche ich die Welt zu ändern. Die anderen. Die Umstände. Sobald ich sehe, dass es mein Denken ist, kann ich Menschen nehmen, wie sie sind. Situationen nehmen, wie sie sind. Und das Schöne ist: Dafür brauche ich keine Technik. Kein Ritual morgens, keins abends. Ich muss mir nichts einreden. Da ist ein Kern in mir, der schon da war, bevor ich überhaupt einen Gedanken gefasst habe. Und der ist nicht unsicher, dem ist das alles egal. Das, was sich unsicher fühlt, ist das Bild von mir, das ich mir durch mein Denken selbst gebaut habe. Und das ist eher wie eine Nebelschwade. Wenn sie sich verzieht, seh ich wieder klar. Bin ich jetzt immer frei? Nein. Ich bin immer noch Mensch, ich lande immer noch in meinem Film. Aber ich weiß jetzt, dass es ein Film ist. Ich sehe jetzt schneller das Kino. Nicht immer, aber immer öfter. In der Folge rede ich darüber, wie wir Menschen wirklich funktionieren. Und warum das so viel einfacher ist, als ich so lange dachte. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org

  • S1 · E211
    September 27 · 19 min

    #211 Ruhe, Kreativität und Klarheit sind unsere Natur keine Ausnahme

    #211 Ruhe, Kreativität und Klarheit sind unsere Natur keine Ausnahme Ich hatte auf dem rechten Auge Grauen Star. Und das rechte Auge ist mein Sucherauge. Damit gucke ich als Kameramann in die Kamera und mache das Bild. Irgendwann hab ich da nur noch so eine weiße, strahlende Fläche gesehen, wie eine Milchglasscheibe vorm Auge. Und die Kamera war damals das Einzige, womit ich Geld verdient hab.Also klar: OP. Und klar: Ich hatte mega Schiss.Die Filme gingen los. Was, wenn's schiefgeht? Was, wenn ich danach nicht mehr drehen kann? Was, wenn … Ich kenn diesen Modus sehr gut, ich hab ganz lange darin gelebt.Aber diesmal war was anders. Ich kannte die Drei Prinzipien schon. Und immer wenn der Film losging, hab ich irgendwann gesehen: Ah ja, okay, ich bin schon wieder am Horrorszenarien-Spinnen. Und dann bin ich wieder in meine Ruhe zurückgekehrt. Nicht, weil ich mich zusammengerissen hab. Sondern weil sich das System von ganz allein beruhigt, sobald ich aufhöre, noch mehr Gedanken reinzuschmeißen.Die OP ist gut gegangen. Aber das Spannende war eigentlich die Zeit davor. Da hab ich zum ersten Mal richtig gemerkt: Die Ruhe war nicht weg. Sie war nur zugedeckt.Früher hab ich gedacht, ich müsse hart denken. So hab ich's gelernt. Ganz arg konzentrieren, alles hundertmal abwägen, dann kommen die Ideen, dann werde ich kreativ, dann werde ich klar. Und dabei ist es genau umgekehrt.Kennst du das? Die besten Ideen kommen unter der Dusche. Beim Spazierengehen. Im Urlaub, so in der zweiten Woche, wenn du endlich runtergefahren bist. Das kommt nicht von ungefähr. Das ist keine Ausnahme. Das ist, wer wir sind, wenn wir nicht ständig dazwischendenken.Für mich ist das wie eine Schneekugel. Wenn ich blöde Gedanken hab, denk ich, ich muss noch mehr drüber nachdenken. Und schüttel die Kugel noch stärker. Dabei müsste ich sie nur hinstellen und warten, bis sich der Schnee setzt. Dann ist die Sicht wieder da. Ganz von allein.Und das Schöne ist: Ruhe, Kreativität und Klarheit muss ich mir nicht erarbeiten. Ich muss sie nicht herstellen, nicht trainieren, nicht verdienen. Das ist unsere Natur. Guck dir kleine Kinder an, die haben diese Neugier, diese Freude, diese Kreativität, ohne dass ihnen irgendwer eine Technik beigebracht hätte. Das sind wir alle. Wir haben nur gelernt, das mit ganz viel Denken zu überlagern.High Performance ist für mich nichts anderes als Kapazität minus Ablenkung. Meine Kapazität hat sich nicht verändert. Aber die Ablenkung, also das Zuvieldenken, die Zweifel, das Im-Kreis-Drehen, ist dramatisch weniger geworden. Und deswegen mache ich heute Sachen wie diesen Podcast, schreibe an einem Buch und das aus einer Ruhe heraus, die ich früher für eine Ausnahme gehalten hätte.Heißt das, dass ich immer ruhig bin? Nein. Ich bin immer noch Mensch, und die Filme laufen immer noch los. Aber ich weiß inzwischen, wo ich zu Hause bin. Und da komm ich immer schneller wieder hin. Nicht immer, aber immer öfter. Und das Tolle ist, das funktioniert bei uns allen gleich!In der Folge rede ich darüber, warum Ruhe, Kreativität und Klarheit nicht die seltenen guten Tage sind, sondern das, was drunter liegt. Die ganze Zeit.Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.orgIch wünsche dir VIEL.Gabriel

  • S1 · E210
    September 26 · 18 min

    #210 Wir sind unglaublich gebaut und du bist keine Ausnahme

    #210 Wir sind unglaublich gebaut und du bist keine Ausnahme Vor ein paar Wochen stand ich mit meinem VW-Bus mitten auf einem Zebrastreifen. Ganz langsam reingerollt, weil ständig Leute kamen, und dann kamen noch mehr, von links, von rechts, und ich stand da. Ein Mann wollte von links rüber und ist quasi auf den Bus aufgelaufen, hinten links, auf Höhe der Schiebetür. Und ruft: "Was für ein Vollpfosten!" Und ich? Musste grinsen. Nicht, weil ich so ein erleuchteter Typ bin! Sondern weil ich in dem Moment gesehen hab, wo sein Ärger herkommt. Nicht von mir. Nicht vom Zebrastreifen. Von seinem Denken. Und mein Gefühl kam auch nicht von ihm. Früher hätte mich so ein Satz den ganzen Tag begleitet. Ich hätte sofort in mir gesucht: Was hab ich falsch gemacht? Bin ich wirklich so einer? Ich hab mich jahrelang für einen ängstlichen Menschen gehalten, weil ich mich ja ständig ängstlich gefühlt hab. Logisch, dachte ich. Was ich nicht gesehen hab: Ich hab mich ängstlich gefühlt, weil ich ängstlich gedacht hab. Nicht, weil ich so bin. Das klingt nach einem kleinen Unterschied. Für mich ist es der Unterschied zwischen Himmel und Hölle. Ich hab tausende Bücher gelesen. Personal Development, Psychologie, you name it. Ich hab so lange nach dem Kern gesucht. Und dann sitzt da dieser Typ, Sydney Banks, ein schottischer Schweißer, in einem Sessel, mit einem Hawaii-Blumenkranz um den Hals, und redet in Worten, denen ich null hinterherkam. Ehrlich, ich fand das erstmal mega schwierig. Aber er hat etwas gesagt, das mich nicht mehr losgelassen hat: Wenn wir Menschen nur eine einzige Sache lernen würden, nämlich keine Angst mehr vor unserem eigenen Erleben zu haben, dann würde das allein die Welt verändern. Denn wir fühlen unser Denken. Nicht die Welt. Nicht den Typen am Zebrastreifen. Nicht die Vergangenheit. Mein Gefühl ist ein Messinstrument, das mir anzeigt, wie ich gerade denke. Fühl ich mich schwer, hab ich schwer gedacht. Fühl ich mich leicht, hab ich leicht gedacht. Das ist alles. Und es ist die wichtigste Sache, die ich je gelernt hab. Das Fach, das ich in keiner Schule hatte. Und das Schöne ist: Sobald ich das in mir sehe, nicht nur im Kopf verstehe, sondern wirklich sehe, kann ich es nicht mehr ungesehen machen. Dann gibt es keine andere Person mehr, die Macht über mein Gefühl hat. Keine Situation. Keine Vergangenheit. Und das ist pure Freiheit. Das heißt nicht, dass ich immer grinse. Manchmal lieg ich morgens im Bett und bin im Panikmodus, da laufen die Filme. Ich bin immer noch Mensch, ich fall immer noch rein. Aber ich seh schneller, dass es Filme sind. Und dann entspannt sich was, ganz von allein, ohne Technik, ohne Übung. Nicht immer, aber immer öfter. Als ich das zum ersten Mal wirklich gesehen hab, hatte ich das Gefühl, auf einem anderen Planeten aufzuwachen. Einem freundlicheren, netteren. Dabei war um mich herum alles genau gleich. In der Folge rede ich darüber, was diese eine Sache ist und warum sie bei mir so viel verändert hat. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

  • S1 · E209
    September 25 · 17 min

    #209 DIE WICHTIGSTE SACHE

    #209 DIE WICHTIGSTE SACHE Nina hat sich einen freien Nachmittag organisiert. Endlich Zeit für sich. Handy lautlos, Lieblingsplatz auf dem Balkon, Kaffee dabei. Nach drei Minuten fällt ihr ein, dass sie diese Zeit sinnvoll nutzen sollte. Vielleicht etwas lesen, das sie weiterbringt? Meditieren? Ihre Ziele überdenken? Sie könnte auch kurz recherchieren, wie man sich eigentlich richtig erholt. Zehn Minuten später hat ihre Pause eine To-do-Liste. Wir Menschen kriegen das hin. Selbst aus dem Nichtstun machen wir ein Projekt, bei dem wir anschließend das Gefühl haben, nicht gut genug gewesen zu sein. Und dabei wollen wir doch etwas ziemlich Einfaches: gut leben. Uns verbunden fühlen. Freude haben. Mit dem, was gerade ansteht, umgehen. Was ist dafür die wichtigste Sache? Für mich ist es, zu sehen, wie unser eigenes Erleben entsteht. Denn dieses Erleben begleitet uns bei allem, was wir tun. Du kannst dein Unternehmen aufbauen, deine Kinder begleiten, eine schwierige Entscheidung treffen oder auf dem Balkon sitzen: Du erlebst all das durch das, was gerade in dir lebendig wird. Nina sitzt bereits in ihrer freien Zeit. Aber in ihrem Denken ist sie bei einer Prüfung: Nutze ich sie richtig? Müsste ich entspannter sein? Warum können andere das besser? Und diese Prüfung fühlt sie. Das ist die Richtung, in die das Verständnis der Drei Prinzipien zeigt: Wir besitzen die kreative Fähigkeit zu denken. Durch Bewusstsein wird dieses Denken zu einer lebendigen Erfahrung. So überzeugend, dass wir leicht übersehen, wie viel wir gerade selbst zur erlebten Situation hinzufügen. Auch eine stille halbe Stunde kann sich dann wie eine Aufgabe anfühlen, an der wir scheitern. Was passiert, wenn Nina das bemerkt? Vielleicht muss sie lachen. Ah, okay. Ich sitze hier und bewerte meine Leistung beim Ausruhen. Mit diesem kleinen Erkennen kann etwas leichter werden. Der Gedanke darf da sein, ohne dass sie ihm gleich den ganzen Nachmittag hinterherlaufen muss. Das finde ich so wertvoll: Wir können etwas über unser Menschsein entdecken, das uns mitten im Alltag hilft, klarer zu sehen. Und aus dieser Klarheit heraus fällt uns oft wieder auf, was gerade sinnvoll ist. Ein Gespräch führen. Eine Grenze setzen. Eine Aufgabe erledigen. Oder tatsächlich mal sitzen bleiben. Deshalb ist dieses Verständnis für mich so fundamental. Es berührt die Art, wie wir allem begegnen – auch unseren eigenen Gedanken über uns selbst. Wie viel Aufmerksamkeit schenken wir dem Inhalt unseres Lebens? Den Terminen, den Zielen, den Problemen? Und wie selten schauen wir auf das, wodurch wir das alles überhaupt erleben? Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Entdeckung. Nina lässt jedenfalls ihr Handy liegen. Ihr Kaffee ist inzwischen kalt. Sie trinkt ihn trotzdem. Ganz ohne persönliches Entwicklungsziel. Ich wünsche euch was. Ciao, ciao.

  • S1 · E208
    September 24 · 18 min

    #208 Was, wenn all das, was du über menschliche Psychologie weißt, eine einzige große Lüge ist?

    #208 Was, wenn all das, was du über menschliche Psychologie weißt, eine einzige große Lüge ist? Mara sagt: „Ich bin einfach unsicher. War ich schon immer.“ Zehn Minuten später erzählt sie begeistert von einer Reise. Sie lacht, gestikuliert und diskutiert mit einer Freundin darüber, ob man für ein Wochenende wirklich drei Paar Schuhe braucht. Ihre Unsicherheit? Gerade nicht auffindbar. Aber frag sie nach ihrem Selbstbild, und sie wird dir erklären, dass sie unsicher ist. Steht quasi in ihrer inneren Personalakte. Seit 1998. Nie wieder überprüft. Was, wenn wir Menschen ganz viel über uns gelernt haben, das wir inzwischen für unumstößlich halten? Du bist so. Menschen funktionieren so. Deine Vergangenheit bestimmt, wer du heute bist. Wenn jemand das macht, musst du dich schlecht fühlen. Und bevor du frei leben kannst, musst du erst mal gründlich an dir arbeiten. Was, wenn wir da einiges durcheinandergebracht haben? Der Titel dieser Folge ist provokant. Klar. Mit „Lüge“ meine ich hier eine grundlegende Verwechslung, die wir in bester Absicht weitergeben können. Daraus folgt weder, dass die gesamte Psychologie falsch ist, noch, dass uns jemand absichtlich täuscht. Mich interessiert etwas, das du bei dir selbst beobachten kannst: Wie wird aus einem Gedanken über dich eine scheinbar feste Wahrheit? Mara erlebt Unsicherheit. Dann kommt der Gedanke: „So bin ich.“ Und plötzlich beschreibt sie mit einem vorübergehenden Gefühl ihre ganze Identität. Wie oft machen wir das? Wir fühlen uns überfordert und halten uns für unfähig. Wir haben einen ängstlichen Gedanken und sehen darin den Beweis dafür, dass wir dem Leben nicht gewachsen sind. Unser Kopf erzählt etwas mit großer Überzeugung, und wir denken: Der wird’s ja wissen. Es ist schließlich meiner. Aber Überzeugung ist noch kein Beweis. Für mich öffnet das Verständnis der Drei Prinzipien hier eine riesige Tür: Was wir erleben, bekommt durch Denken und Bewusstsein im Moment seine Form. Auch unser Bild von uns selbst entsteht immer wieder neu. Deshalb kann Mara sich eben noch klein fühlen und kurz darauf völlig selbstverständlich ihre Meinung sagen. Ihre starre Beschreibung von sich erfasst nur einen winzigen Bruchteil dessen, was in ihr möglich ist. Und das ist für mich die spannende Frage: Wie viel von dem, was du für deine Grenze hältst, ist ein vertrauter Gedanke, den du bisher nie als Gedanken erkannt hast? Unsere Lebensgeschichte ist passiert. Äußere Schwierigkeiten sind real. Gleichzeitig lohnt es sich, hinzuschauen, welche Bedeutung wir ihnen gerade geben und was wir daraus über uns ableiten. Vielleicht entdeckst du dabei mehr Beweglichkeit, mehr Klarheit und mehr Freiheit, als deine innere Personalakte zulässt. Die darf übrigens veraltet sein. Du musst ihr nicht für den Rest deines Lebens recht geben. Ich wünsche euch was. Ciao, ciao.

  • S1 · E207
    September 23 · 15 min

    #207 Das Nugget, nach dem wir Menschen seit Menschengedenken auf der Suche sind

    Folge 207 - Das Nugget, nach dem wir Menschen seit Menschengedenken auf der Suche sind Stell dir eine Frau vor, die an einem Fluss nach Gold sucht. Sie steht mit ihrer Schüssel im Wasser, schwenkt den Sand hin und her und denkt: Irgendwo muss es doch sein. Dieses eine Nugget. Wenn ich das finde, habe ich es geschafft. Weiter flussaufwärts soll es besser sein. Also zieht sie weiter. Dann hört sie von einem anderen Fluss. Bessere Chancen, größere Nuggets, begeisterte Erfahrungsberichte. Fehlt eigentlich nur noch der Onlinekurs: „Gold finden in sieben Schritten“. Und irgendwann sitzt sie erschöpft am Ufer und legt ihre ganze Ausrüstung ab. Zum ersten Mal an diesem Tag schaut sie einfach aufs Wasser. Hört die Vögel. Atmet durch. Für einen Moment braucht sie überhaupt nichts. Und genau dieses Gefühl lässt sie aufhorchen. Moment mal. Diese Ruhe. Dieses einfache Gutsein. War das nicht das, was sie sich vom Gold erhofft hatte? Ich glaube, da können wir Menschen uns ziemlich gut wiedererkennen. Wir suchen nach Erfolg, nach Anerkennung, nach der richtigen Beziehung. Nach Sicherheit. Nach der Version von uns, die endlich gut genug ist. Und daran hängt häufig dieses Versprechen: Wenn ich das habe, kann ich mich entspannen. Dann darf ich mich freuen. Dann bin ich angekommen. Da wird aus einem Wunsch plötzlich eine Bedingung fürs eigene Glück. Und das ist das Spannende: Dieses Gefühl von Angekommensein taucht manchmal mitten in einem völlig unfertigen Leben auf. Beim Lachen. In einem Gespräch. Wenn wir für einen Moment vergessen, was angeblich alles mit uns nicht stimmt. Die offenen Fragen sind noch da. Der Kontostand hat sich nicht verändert. Und trotzdem erleben wir gerade Frieden. Was, wenn das Nugget, nach dem wir suchen, viel näher liegt, als wir denken? Für mich zeigt das Inside-Out-Verständnis genau in diese Richtung. Unser Erleben entsteht von innen heraus. Denken nimmt durch Bewusstsein für uns Gestalt an. Und wenn unser Denken über all das, was uns angeblich noch fehlt, leiser wird, kann etwas spürbar werden, das wir zuvor schlicht übersehen haben. Diese Lebendigkeit. Diese Verbundenheit. Dieses gute Gefühl, einfach da zu sein. Das heißt überhaupt nicht, dass wir keine Wünsche mehr haben dürfen. Bau dein Unternehmen auf. Verliebe dich. Mach etwas Verrücktes. Schau, was möglich ist! Wie viel freier können wir all das angehen, wenn daran nicht mehr die Frage hängt, ob wir als Mensch dann endlich vollständig sind? Vielleicht dürfen wir entdecken, dass wir schon etwas mitbringen, das sich durch keinen Erfolg der Welt herstellen lässt. Und vielleicht sitzen wir dann irgendwann am Ufer, schauen auf unsere Goldsuchschüssel und müssen ein bisschen lachen. So lange unterwegs gewesen. Und dieses einfache Gefühl, nach Hause zu kommen, ist gerade hier. Ich wünsche euch was. Ciao, ciao.

  • S1 · E206
    September 22 · 11 min

    #206 Wir sind für das JETZT gemacht

    #206 Wir sind für das JETZT gemacht Stell dir vor, du stehst mit einer Freundin in der Küche. Sie schneidet Gemüse, du erzählst. Irgendwann lacht ihr so sehr, dass sie das Messer lieber kurz weglegt. Und dann fällt dir ein: Morgen ist dieses Gespräch. Zack. Du stehst immer noch in derselben Küche, aber innerlich erklärst du dich bereits vor drei Menschen, die gerade überhaupt nicht da sind. Du hörst Einwände, formulierst Antworten und bist vorsichtshalber schon mal beleidigt. Deine Freundin fragt: „Willst du auch Zucchini?“ Schwierige Frage. Du bist gerade in einer Krisensitzung. Ist das nicht faszinierend, was wir Menschen können? Wir können eine Situation gedanklich so lebendig machen, dass wir mitten beim Gemüseschneiden anfangen, mit unserer Vorstellung zu diskutieren. Und dabei übersehen wir leicht etwas: Das Gespräch von morgen findet gerade als Gedanke statt. Wir erleben jetzt, was unser Denken daraus macht. Für mich steckt genau darin etwas unglaublich Befreiendes. Wir sind für das JETZT gemacht. Schau mal, wie viel dir im direkten Kontakt mit dem Leben einfällt. Jemand stellt eine Frage, und eine Antwort entsteht. Etwas klappt nicht, und du siehst eine andere Möglichkeit. Du hörst wirklich zu und merkst plötzlich etwas, das du vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hattest. Diese Fähigkeit ist da. Wir können frisch sehen. Wir können reagieren. Wir können etwas entdecken, das in unseren bisherigen Überlegungen noch gar nicht vorkam. Trotzdem versuchen wir manchmal, das gesamte nächste Jahr mit den Gedanken von heute zu bewältigen. Inklusive aller Schwierigkeiten, die uns mit etwas Fantasie noch einfallen. Kein Wunder, dass uns das viel vorkommt. Natürlich können wir planen. Einen Termin vorbereiten, Geld zur Seite legen, aus einer Erfahrung lernen. Auch das machen wir jetzt. Aber irgendwann ist der Termin vorbereitet. Und dann sitzen wir vielleicht noch zwei Stunden da und führen ihn innerlich siebzehnmal. Beim achtzehnten Durchgang wird auch der imaginäre Kollege langsam anstrengend. Das Schöne ist: Daraus muss keine neue Aufgabe entstehen. „Jetzt muss ich aber endlich mehr im Jetzt sein!“ Damit hätten wir gleich die nächste Beschäftigung für unseren Kopf. Vielleicht reicht erst mal dieses kleine Erkennen: Ah, ich erlebe gerade meine Vorstellung von morgen. Da kann wieder Platz entstehen. Für deine Freundin. Für das Gemüse. Für eine Idee, die du beim ganzen Vorausdenken gar nicht hören konntest. Du musst heute noch nicht jede Antwort haben, die du morgen brauchst. In jedem Moment steht dir deine Fähigkeit, zu sehen und zu reagieren, wieder zur Verfügung. Und jetzt? Ist vielleicht erst mal die Zucchini dran. Ich wünsche euch was. Ciao, ciao.

  • S1 · E205
    September 21 · 11 min

    #205 Inside-Out Coaching & Training zeigt auf unsere kreative Kapazität

    #205 Inside-Out Coaching & Training zeigt auf unsere kreative Kapazität Du sitzt vor einem Problem und denkst: „Ich weiß einfach nicht weiter.“ Also denkst du noch mal drüber nach. Und noch mal. Gleiche Gedanken, gleiche Sackgasse. Irgendwann kennst du die Sackgasse so gut, dass du dort eigentlich deinen Wohnsitz anmelden könntest. Und dann fällt dir beim Spazierengehen etwas ein, das vorher überhaupt nicht auf deinem Radar war. Ein frischer Gedanke. Plötzlich siehst du eine Möglichkeit. Wo war die denn vorher? Genau auf diese Fähigkeit zeigt Inside-Out Coaching & Training: unsere natürliche kreative Kapazität. Die Fähigkeit, etwas Neues zu sehen. Zu verstehen. Eine Antwort zu finden, die wir vor fünf Minuten noch nicht hatten. Kreativität geht weit über Malen, Musik oder eine originelle Geschäftsidee hinaus. Sie steckt auch darin, wie wir unser Leben von Moment zu Moment erleben. Wie aus Denken eine scheinbar feste Welt wird – inklusive unserer Vorstellungen davon, wer wir sind und was für uns möglich ist. „Ich bin halt so.“ „Das wird sowieso nichts.“ „Dafür gibt es keine Lösung.“ Solche Gedanken können sich unglaublich endgültig anfühlen. Als hätte jemand das Leben fertig beschrieben und unten unterschrieben. Dabei geht unser Denken weiter. Wir können etwas sehen, das unsere bisherige Sicht völlig verändert. Das kennen wir alle: diesen Moment, in dem wir sagen: „Ach so! Jetzt verstehe ich.“ Inside-Out-Coaching zeigt genau dorthin. Auf das menschliche Betriebssystem, durch das unser Erleben entsteht. Auf die Beweglichkeit, die wir auch dann noch haben, wenn sich gerade alles festgefahren anfühlt. Daraus kann Vertrauen wachsen: Ich muss jetzt noch nicht jede Antwort kennen. Ich darf zuhören, hinschauen, ins Gespräch gehen. Mir kann unterwegs etwas einfallen. Und das Schöne ist: Selbst der Gedanke „Ich bin überhaupt nicht kreativ“ entsteht durch diese kreative Fähigkeit. Wir benutzen sie gerade, um uns zu erklären, dass wir sie nicht haben. Schon irgendwie faszinierend. 😂 In dieser Folge geht es um diese Kraft in uns – und darum, was möglich wird, wenn wir anfangen, sie zu erkennen. Viel Freude beim Zuhören. Euer Gabriel

  • S1 · E204
    September 20 · 16 min

    #204 Den menschlichen Realitätserschaffungsmechanismus zu sehen ist Gold wert

    #204 Den menschlichen Realitätserschaffungsmechanismus zu sehen ist Gold wert. Stell dir vor, Anna sitzt am Sonntagabend auf ihrem Sofa. Handy in der Hand. Sie hat vor zwei Stunden einer Freundin geschrieben. Keine Antwort. Und jetzt passiert etwas absolut Beeindruckendes. Aus einem kleinen grauen Häkchen baut Anna innerhalb von sieben Minuten eine komplette Netflix-Serie. Staffel 1: „Sie ist bestimmt sauer.“ Staffel 2: „Ich hab irgendwas falsch gemacht.“ Staffel 3: „Eigentlich behandelt sie mich schon länger komisch.“ Staffel 4: „Vielleicht war unsere ganze Freundschaft eine Lüge.“ Staffel 5: Anna zieht gedanklich nach Portugal und eröffnet dort eine Strandbar, weil Menschen grundsätzlich untreu sind. Holy shit. Die Frau sitzt immer noch auf demselben Sofa. In derselben Wohnung. Mit demselben Handy. Die Freundin hat einfach noch nicht geantwortet. Mehr ist draußen bisher nicht passiert. Aber IN Anna? Bürgerkrieg. Und dann passiert etwas Seltsames. Für einen winzigen Moment sieht sie es. Nicht die Geschichte. Den Mechanismus. Sie sieht plötzlich: Moment. Meine Freundin sitzt gar nicht hier drin. Sie hat keinen kleinen Steuerknüppel in meinem Kopf. Sie bedient nicht meine Gefühle. Sie produziert nicht dieses Drama. ICH erlebe gerade eine komplette Welt, die in mir entsteht. Gedanke liefert das Material. Bewusstsein macht daraus 8K-Surround-Sound-Realität. Und diese unfassbare Lebensintelligenz stellt überhaupt erst den Strom für die ganze Show bereit. 💥 Kopfexplosion. Nicht weil Anna jetzt „positiver denken“ muss. Nicht weil sie sich einreden soll: „Meine Freundin liebt mich bestimmt.“ Darum geht’s überhaupt nicht. Das Gold liegt woanders. Sie sieht zum ersten Mal die Maschine hinter dem Film. Den menschlichen Realitätserschaffungsmechanismus. Und in diesem Moment verliert der Film seine Diktatur. Denn zwischen „Sie ignoriert mich“ und „Ah … ich erschaffe gerade eine Realität, in der sie mich ignoriert“ liegen vielleicht nur wenige Worte. Aber dazwischen passt ein verdammtes Universum. Das ist für mich eines der wertvollsten Dinge, die ein Mensch sehen kann. Nicht WAS du denken sollst. Sondern wie aus Denken eine Welt wird. Wie aus Bedeutung Gefühl wird. Wie aus einem unsichtbaren Gedanken plötzlich eine Freundin wird, die angeblich gegen dich ist. Ein Chef, der dich fertig macht. Eine Zukunft, die gefährlich aussieht. Eine Vergangenheit, die dich angeblich für immer festlegt. Und dann siehst du: Fuck. Da draußen ist nicht mein psychologisches Kontrollzentrum. Es läuft HIER. Nicht als Schuld. Als Freiheit. Anna schaut wieder aufs Handy. Neue Nachricht: „Sorry, war mit meiner Tochter schwimmen ❤️“ Fünf Staffeln. Komplett umsonst produziert. Oscarreif. Und genau deshalb ist es Gold wert, irgendwann nicht nur den Film zu sehen. Sondern den Projektor.

  • S1 · E203
    September 19 · 16 min

    #203 SUPERCONSCIOUS STATE Dieser superbewusste Zustand, von dem Sydney Banks sprach.

    Folge 203 - SUPERCONSCIOUS STATE Dieser superbewusste Zustand, von dem Sydney Banks sprach. Nina steht im Supermarkt. Samstag. 17:42 Uhr. Sie hat Hunger, drei Leute stehen mit ihren Einkaufswagen quer im Gang, irgendwo schreit ein Kind und eine Frau diskutiert seit gefühlten 14 Minuten darüber, ob Hafermilch jetzt wirklich Milch heißen darf. Ninas Kopf übernimmt sofort die Einsatzleitung. „WARUM SIND HIER SO VIELE MENSCHEN?“ „Warum steht DER DA?“ „Ich hätte morgens gehen sollen.“ „Mein ganzes Leben ist schlecht organisiert.“ Innerhalb von 40 Sekunden hat Nina aus einem Einkauf einen psychologischen Katastrophenfilm produziert. Und dann passiert … nichts. Also wirklich nichts. Ein kurzer Moment. Stille. Sie sieht die ältere Frau vor sich, die gerade verzweifelt versucht, ein Glas Gurken aus dem Regal zu bekommen. Nina greift hoch. „Das hier?“ Die Frau lächelt. „Ja. Danke.“ Und plötzlich ist Nina wieder da. Nicht in ihrem Film. Nicht in ihrer Bewertung. Nicht in der Netflix-Serie „Menschen nerven mich – Staffel 37“. Einfach da. Und genau dieser Zustand fasziniert mich. Sydney Banks sprach immer wieder von einer tieferen Ebene von Bewusstsein – von etwas jenseits unseres persönlichen, permanent kommentierenden Denkens. Ich nenne das manchmal: SUPERCONSCIOUS STATE. Nicht weil du plötzlich hell leuchtest. Nicht weil du die Lottozahlen empfängst. Und auch nicht weil deine Aura an der Käsetheke WLAN bekommt. Sondern weil für einen Moment dieser kleine persönliche Kommentator leiser wird. Der, der alles schon kennt. Alles bewertet. Alles mit gestern vergleicht. Alles kontrollieren möchte. Und darunter? Ist etwas verdammt Intelligentens. Frische Intelligenz. Kreativität. Liebe. Humor. Intuition. Dieses tiefe Wissen, bei dem du manchmal einfach weißt: Ruf sie an. Mach es. Lass es. Geh. Bleib. Sag die Wahrheit. Und du hast keine Ahnung, woher diese Klarheit kommt. Genau DAS finde ich so spannend. Vielleicht müssen wir Weisheit gar nicht produzieren. Vielleicht müssen wir nicht mehr denken. Vielleicht liegt unsere größte Intelligenz genau dort, wo wir für einen Augenblick weniger mit unserem persönlichen Denken beschäftigt sind. Thought baut unsere persönliche Welt. Consciousness macht sie lebendig. Und Mind – diese unfassbare Lebensintelligenz dahinter – hört niemals auf zu liefern. Wir versuchen nur manchmal, mit unserem kleinen Verstand dazwischenzufunken: „Danke Universum, ich übernehme ab hier.“ Großartige Idee. So wie eine Ameise, die bei der NASA ins Kontrollzentrum läuft und sagt: „Leute. Zur Seite. Ich hab’s.“ Vielleicht ist dieser superbewusste Zustand deshalb gar nichts, was wir erreichen müssen. Vielleicht ist er das, was übrig bleibt, wenn wir für einen Moment aufhören, uns selbst mit unserem Denken zuzuschütten. Und plötzlich ist da wieder Raum. Weite. Leben. Und eine Gurke im Glas. Willkommen im Jetzt.

  • S1 · E202
    September 18 · 12 min

    #202 Der Tag macht nicht die Stimmung! Die Stimmung macht den Tag

    Folge 202 - Der Tag macht nicht die Stimmung! Die Stimmung macht den Tag Mara wacht auf und weiß sofort: Scheißtag. Noch bevor ihr rechter Fuß den Boden berührt hat. Draußen Regen. Der Kaffee ist alle. Das Handy zeigt 14 Nachrichten. Die Spülmaschine piept aggressiv, als hätte sie persönlich etwas gegen sie. Mara schaut aus dem Fenster und denkt: „Na toll.“ Der Himmel: grau. Die Straße: grau. Die Menschen: offenbar alle leicht bekloppt. Um 8:17 Uhr ist der Fall abgeschlossen: Der Tag ist einfach scheiße. Komisch nur: Der Tag hat noch fast gar nichts gemacht. Er steht eigentlich nur herum. Der Regen fällt. Das Handy liegt da. Die Spülmaschine hat vermutlich keine psychologische Agenda. Aber Mara ist in einer miesen Stimmung. Und aus dieser Stimmung heraus bekommt alles plötzlich einen kleinen Scheißfilter. Der Nachbar grüßt nicht? Arrogantes Arschloch. Die Freundin schreibt nur „Okay“? Aha. Irgendwas stimmt nicht. Die Ampel wird rot? Natürlich. Das Universum persönlich hat offenbar entschieden, Mara heute zu verarschen. Und dann passiert etwas komplett unspektakuläres. Sie geht mit dem Hund raus. Der Hund schnüffelt ungefähr sieben Minuten an einem vollkommen uninteressanten Busch, während Mara danebensteht und keine Lust mehr hat, über ihr Leben nachzudenken. Irgendwann wird es stiller in ihrem Kopf. Nicht weil sie sich „positiv ausgerichtet“ hat. Nicht weil sie zehn Affirmationen in den Himmel gebrüllt hat. Ihr Denken beruhigt sich einfach. Und plötzlich sieht sie dieselbe Straße. Den gleichen Regen. Die gleichen Menschen. Nur jetzt denkt sie: Eigentlich riecht Regen ziemlich geil. Der Typ vom Kiosk lacht sie an. Ein kleines Mädchen springt mit beiden Füßen in eine Pfütze und sieht dabei aus, als hätte sie gerade Disneyland gekauft. Mara muss lachen. Und auf einmal ist es ein ziemlich guter Morgen. Moment. Was hat der Tag gemacht? Gar nichts. Der Tag ist nicht besser geworden. Mara hat sich verändert. Oder genauer: Ihr momentanes Erleben hat sich verändert. Ihr Bewusstseinslevel ist höher. Und genau das finde ich so unfassbar spannend. Wir sagen: „Heute ist ein schlechter Tag.“ Aber ein Tag besitzt keine Stimmung. Montag hat keine schlechte Energie. Regen trägt keine Depression in kleinen Wassertröpfchen. Eine E-Mail hat keinen Stress eingebaut. Wir bringen das Erleben mit. Thought liefert gerade eine Version der Welt. Consciousness macht diese Version verdammt echt. Und schon laufen wir mitten durch unseren persönlichen Directors Cut des Tages. In schlechter Stimmung sieht dieselbe Welt enger, schwerer und problematischer aus. Wenn unser Kopf ruhiger wird, kann exakt dieselbe Welt plötzlich wieder weit, leicht und voller Möglichkeiten aussehen. Das bedeutet nicht: Du musst gute Laune haben. Überhaupt nicht. Stimmungen kommen und gehen. Das Entscheidende ist etwas anderes: Vielleicht muss ich meinem schlecht gelaunten Gehirn nicht sofort die Weltherrschaft übergeben. Vielleicht ist ein Scheißgefühl nicht automatisch der Beweis für einen Scheißtag. Vielleicht ist es einfach Wetter. Inneres Wetter. Und dann muss ich nicht gleich das Klima retten. Ich kann warten. Denn manchmal liegt zwischen „Dieser Tag kann weg“ und „Fuck, eigentlich ist das Leben ziemlich geil“ nur ein bisschen weniger Denken. Der Tag macht nicht die Stimmung. Die Stimmung macht den Tag.

  • S1 · E201
    September 17 · 15 min

    #201 Kinder zeigen uns, was möglich ist

    Folge 201 - Kinder zeigen uns, was möglich ist Lea steht mit ihrer sechsjährigen Tochter Frieda auf einem Spielplatz. Es regnet. Nicht romantischer Instagram-Regen. So richtiger deutscher Nieselregen, bei dem Erwachsene automatisch anfangen, über Funktionsjacken, Erkältungen und den Sinn des Lebens nachzudenken. Lea denkt: Super. Jetzt ist der Nachmittag auch noch im Arsch. Frieda denkt offenbar etwas anderes. Sie rennt los. Springt in eine Pfütze. Wasser bis zur Unterhose. Lacht, als hätte sie gerade persönlich das Konzept Wasser erfunden. Zehn Sekunden später streitet sie mit einem anderen Mädchen um eine rote Schaufel. Weltkrieg. „DIE HAT MIR DIE WEGGENOMMEN!!!“ Tränen. Entrüstung. Kompletter emotionaler Zusammenbruch des Abendlandes. Lea denkt: Na toll. Jetzt geht DAS auch noch los. Doch während Lea innerlich bereits den pädagogisch korrekten Friedensgipfel vorbereitet, passiert etwas Merkwürdiges. Frieda sieht einen Regenwurm. Schaufel vergessen. Krieg beendet. Vergangenheit gelöscht. „MAMA!!! GUCK MAL!!!“ Und beide Mädchen hocken plötzlich zusammen vor diesem Regenwurm, als wäre gerade ein außerirdisches Raumschiff im Sandkasten gelandet. Das fasziniert mich an Kindern. Nicht, weil Kinder keine Gedanken haben. Holy shit, natürlich haben die Gedanken. Sie bauen innerhalb von Sekunden komplette Universen. Sie können aus einer roten Schaufel eine internationale Krise machen. Aber häufig wohnen sie nicht drei Wochen darin. Sie schreiben nicht abends ins Tagebuch: „Seit dem Schaufelvorfall kann ich Menschen nicht mehr vertrauen.“ Sie gründen keine Identität: „Ich bin einfach jemand, dem immer die roten Schaufeln weggenommen werden.“ Der Gedanke kommt. Die Welt entsteht. Das Gefühl ist vollständig da. Und dann … kommt ein Regenwurm. Neues Denken. Neue Welt. Genau darin zeigen uns Kinder etwas Gewaltiges. Wie beweglich menschliches Erleben eigentlich ist. Thought erschafft Form. Consciousness macht daraus eine verdammt echte Full-Body-Welt. Und dahinter läuft dieses riesige Ding namens Leben einfach weiter. Frisch. Kreativ. Nicht nachtragend. Nicht beleidigt, weil die Szene vor drei Minuten anders war. Wir Erwachsenen können das auch. Wir haben es nicht verloren. Wir sind nur Weltmeister darin geworden, unsere alten Filme wieder und wieder aufzuführen. Director’s Cut. Remastered. Mit Audiokommentar. „Warum sie mir damals die Schaufel genommen hat und was das heute über meine Bindungsfähigkeit aussagt.“ Vielleicht müssen wir gar nicht wieder Kinder werden. Vielleicht dürfen wir nur öfter sehen, was Kinder uns täglich vormachen: Eine Realität kann sich unglaublich echt anfühlen … und trotzdem fünf Sekunden später verschwunden sein. Nicht weil wir sie positiv wegdenken. Sondern weil Denken von Natur aus beweglich ist. Und dahinter wartet kein perfekter Mensch. Da wartet Leben. Frisch. Neugierig. Unverschämt frei. Und manchmal braucht es nur einen Regenwurm, um uns daran zu erinnern.

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