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Perfekt Imperfekt · Monday · 11 min

#219 State before Strategy

Folge 219 - State before Strategy Es gibt Drehs, die ich gern als Hardcore-Reportagen bezeichne. Du stehst mit der Kamera mitten im Geschehen, es gibt keine zweite Wahl, nichts lässt sich wiederholen, du musst an die Leute ran und einfach reagieren. Und ich hab da irgendwann gemerkt: Jedes Mal, wenn ich mit einem fertigen Plan im Kopf reingegangen bin, mit Strategie, mit "erst das, dann das", wurde das Material schlechter. Jedes Mal, wenn ich mich vorher relaxter entspannt habe und dann einfach im Fluss reagiert habe, wurde es gut. Dabei war ich früher ein Weltmeister im Planen. Ich hab Pläne gemacht und noch mehr Pläne und dann einen Plan für den Plan, weil ich dachte, wenn ich nur die richtige Strategie hab, fühl ich mich endlich auch sicher. Ich bin im Grunde mein Leben lang Auto gefahren, im ersten Gang, Handbremse angezogen, und hab gedacht: So fährt man eben. Was ich nicht gesehen hab: Die beste Strategie der Welt ist nichts wert, wenn ich sie aus einem miesen Zustand herausmache. Aus Angst, aus Druck, aus "Ich muss das jetzt hinkriegen". Weil ich dann nicht klar sehe. Ich sehe dann nur meinen Film, den ich gerade mit meinem Denken produziere. Und aus dem Film heraus plane ich. Logisch, dass da nichts Gutes dabei rauskommt. Und das Schöne ist: Umgekehrt funktioniert es. Wenn ich in meiner Ruhe bin, bin ich kreativ. Wenn ich in meiner Ruhe bin, sehe ich klarer. Dann bin ich fokussierter und kann Dinge wirklich viel leichter erledigen. Da kommen die frischen Ideen her, da kommen die guten Entscheidungen her. Nicht aus dem Druck. Der Druck sieht nur so aus, als würde er mir helfen, was hinzukriegen. Es sieht nur so aus. Lange dachte ich, du dürftest dich dann gut fühlen, wenn du das und das erreicht hast. Erst die Leistung, dann der Zustand. Dabei ist es genau andersrum. Unser gutes Gefühl ist der beste rote Teppich, um tolle Sachen zu erreichen. Und das gilt beim Dreh genauso wie bei der Steuer, bei einem schwierigen Gespräch oder beim Planen eines neuen Angebots. Zustand zuerst. Dann kommt die Strategie von allein, und zwar eine bessere, als ich mir je hätte ausdenken können. Das heißt nicht, dass ich keine Pläne mehr mache. Ich mache welche, nur sind sie heute eher eine grobe Richtung als ein Sicherheitsgurt. Und ich falle auch immer noch in den Druckmodus und glaube, ich müsste jetzt mal richtig Gas geben. Nur sehe ich es schneller. Nicht immer, aber immer öfter. Es gibt 15 Gänge in diesem Auto. Und der erste Schritt war nie, besser zu schalten. Der erste Schritt war, die Handbremse zu lösen. In der Folge rede ich darüber, warum ich State before Strategy für die wichtigste Reihenfolge überhaupt halte, in Firmen, im Coaching und bei mir selbst. Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org Ich wünsche dir was. Gabriel

0:00-11:11

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show notes

Folge 219 - State before Strategy


Es gibt Drehs, die ich gern als Hardcore-Reportagen bezeichne. Du stehst mit der Kamera mitten im Geschehen, es gibt keine zweite Wahl, nichts lässt sich wiederholen, du musst an die Leute ran und einfach reagieren. Und ich hab da irgendwann gemerkt: Jedes Mal, wenn ich mit einem fertigen Plan im Kopf reingegangen bin, mit Strategie, mit "erst das, dann das", wurde das Material schlechter. Jedes Mal, wenn ich mich vorher relaxter entspannt habe und dann einfach im Fluss reagiert habe, wurde es gut.


Dabei war ich früher ein Weltmeister im Planen. Ich hab Pläne gemacht und noch mehr Pläne und dann einen Plan für den Plan, weil ich dachte, wenn ich nur die richtige Strategie hab, fühl ich mich endlich auch sicher. Ich bin im Grunde mein Leben lang Auto gefahren, im ersten Gang, Handbremse angezogen, und hab gedacht: So fährt man eben.


Was ich nicht gesehen hab: Die beste Strategie der Welt ist nichts wert, wenn ich sie aus einem miesen Zustand herausmache. Aus Angst, aus Druck, aus "Ich muss das jetzt hinkriegen". Weil ich dann nicht klar sehe. Ich sehe dann nur meinen Film, den ich gerade mit meinem Denken produziere. Und aus dem Film heraus plane ich. Logisch, dass da nichts Gutes dabei rauskommt.


Und das Schöne ist: Umgekehrt funktioniert es. Wenn ich in meiner Ruhe bin, bin ich kreativ. Wenn ich in meiner Ruhe bin, sehe ich klarer. Dann bin ich fokussierter und kann Dinge wirklich viel leichter erledigen. Da kommen die frischen Ideen her, da kommen die guten Entscheidungen her. Nicht aus dem Druck. Der Druck sieht nur so aus, als würde er mir helfen, was hinzukriegen. Es sieht nur so aus.


Lange dachte ich, du dürftest dich dann gut fühlen, wenn du das und das erreicht hast. Erst die Leistung, dann der Zustand. Dabei ist es genau andersrum. Unser gutes Gefühl ist der beste rote Teppich, um tolle Sachen zu erreichen. Und das gilt beim Dreh genauso wie bei der Steuer, bei einem schwierigen Gespräch oder beim Planen eines neuen Angebots. Zustand zuerst. Dann kommt die Strategie von allein, und zwar eine bessere, als ich mir je hätte ausdenken können.


Das heißt nicht, dass ich keine Pläne mehr mache. Ich mache welche, nur sind sie heute eher eine grobe Richtung als ein Sicherheitsgurt. Und ich falle auch immer noch in den Druckmodus und glaube, ich müsste jetzt mal richtig Gas geben. Nur sehe ich es schneller. Nicht immer, aber immer öfter.


Es gibt 15 Gänge in diesem Auto. Und der erste Schritt war nie, besser zu schalten. Der erste Schritt war, die Handbremse zu lösen.


In der Folge rede ich darüber, warum ich State before Strategy für die wichtigste Reihenfolge überhaupt halte, in Firmen, im Coaching und bei mir selbst.


Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.org


Ich wünsche dir was.

Gabriel