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Der tägliche Podcast über Geschichte von der Antike bis heute, über Europa und die Welt, über die Geschichte der Menschheit: 15 Minuten zu historischen Persönlichkeiten und Erfindungen. Von George Washington bis Rosa Luxemburg, vom Büstenhalter bis Breaking Bad.

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  • June 25 · 14 min

    Hitlers Testpilotin: "Ehrenarierin" Melitta von Stauffenberg

    Melitta von Stauffenberg riskiert als Testpilotin für das NS-Regime ihr Leben. Am 25.6.1941 wird sie deshalb trotz jüdischer Wurzeln für "deutschblütig" erklärt - und dann doch festgenommen. In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog: wie Melitta von Stauffenberg mehr als 2.500 riskante Sturzflüge absolviert, wie die Ingenieurin und Testpilotin trotz jüdischer Vorfahren für das NS-Regime unentbehrlich wird, warum sie nach dem Attentat auf Adolf Hitler selbst ins Visier des Regimes gerät. Wenn Melitta von Stauffenberg ihr Flugzeug aus mehreren tausend Metern Höhe fast senkrecht Richtung Erde steuert, bleibt ihr nur ein kurzer Moment, um die Maschine wieder abzufangen. Solche Sturzflüge gehören zu ihrem Alltag. Die studierte Ingenieurin und leidenschaftliche Pilotin zählt zu den erfahrensten Testfliegern ihrer Zeit. Sie verbindet Forschung und Praxis, entwickelt Flugtechnik und testet ihre Konstruktionen selbst. Doch ihre Karriere fällt in die Zeit des Nationalsozialismus: Während ihre Arbeit der militärischen Aufrüstung dient, gerät sie wegen ihrer jüdischen Vorfahren selbst ins Visier der NS-Rassenpolitik. Weil ihre Fähigkeiten jedoch als unverzichtbar gelten, wird sie 1941 offiziell als "deutschblütig" eingestuft. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Angela Libal, Historikerin Johannes Tuchel, Professor für Politikwissenschaften (em.), ehem. Leiter Gedenkstätte Deutscher Widerstand Thomas Medicus: Melitta von Stauffenberg. Ein deutsches Leben, Berlin 2012 Weiterführende Links: Zeitzeichen: Erziehung im Sinne der NS-Ideologie - Johanna Haarer WDR-Podcast: Riefenstahl - Influencerin des Bösen Zeitzeichen: Anna Seghers, Schriftstellerin (Geburtstag 19.11.1900) Zeitzeichen: Mit der "Roten Kapelle" gegen Hitler - Cato Bontjes van Beek Zeitzeichen: Widerstand im Wasser - Gertrude Ederle durchquert den Ärmelkanal Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Martin Herzog Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

  • June 24 · 15 min

    Der perfekte Faschist und seine jüdische Frau

    Als die Jüdin Lilliana Weinman und der Faschisten Attilio Teruzzi am 24. Juni 1926 heiraten, liegt Rom dem Paar zu Füßen. Doch bald beginnt ein erbitterter Kampf. In diesem Zeitzeichen erzählt Anja Reinhard: wie unterschiedlich Weinman und Teruzzi aufwachsen, was Teruzzi an der Amerikanerin fasziniert, warum eine Scheidung nicht möglich ist und woran eine Annulierung der Ehe scheitert, wie eine Kiste voller Familienpapiere das faschistische Liebesdrama aufdeckt. Die Hochzeit von Lilliana Weinman und Attilio Teruzzi am 24. Juni 1926 in Rom ist ein spektakuläres gesellschaftliches Ereignis. Die gesamte faschistische Funktionselite ist anwesend, Trauzeuge Benito Mussolini inklusive. Die Ehe der gefeierten amerikanischen Opernsängerin und dem hochdekorierten Kriegsveteranen gilt als schillernd - dass Lilliana Jüdin ist, interessiert da noch niemanden. Doch mit dem Machtaufstieg des Faschismus verändert sich auch das Frauenbild. Lillianas Eigenständigkeit, ihr Glamour und ihre Freiheit werden zum Problem. Teruzzi fordert die Scheidung - seine Frau und die katholische Kirche aber denken gar nicht daran, dem zuzustimmen. Was folgt ist ein erbitterter, 18 Jahre andauernder Gerichtsstreit. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Victoria de Grazia, Autorin des Buches "Der perfekte Faschist" Sven Reichardt, Historiker und Faschismusforscher Victoria de Grazia: Der perfekte Faschist. Eine Geschichte von Liebe, Macht und Gewalt. Berlin 2024 Hans Woller: "Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert". München 2010 Antonio Scurati: "M. Der Sohn des Jahrhunderts" (Roman). Stuttgart 2020 Sven Reichardt: "Faschistische Kampfbünde. Gewalt und Gemeinschaft im italienischen Squadrismus und in der deutschen SA". Köln 2009 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 30. Oktober 1922 - Mussolini wird Italiens Ministerpräsident Stichtag: 19. Januar 1941 - Hitler trifft Mussolini auf dem Obersalzberg Unser Hörtipp: "Zeitenwende 1600 – Musik Macht Epoche" Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Anja Reinhard Redaktion: Sefa Inci Suvak

  • June 23 · 14 min

    Brexit: Als Populismus europäische Geschichte schrieb

    Am 23. Juni 2016 stimmen die Briten für den Brexit. Der Entscheidung gehen politische Machtkämpfe, populistische Versprechen, die Angst vor Migration und jahrelange Kulturkämpfe voraus. In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer: wie Premierminister David Cameron mit einem Referendum ein politisches Risiko eingeht und sich dabei verzockt, mit welchem Slogan Nigel Farage und die Brexit-Befürworter Millionen Menschen überzeugen, und warum viele Britinnen und Briten den Austritt aus der EU heute kritisch sehen. Am 23. Juni 2016 stimmt eine knappe Mehrheit der Britinnen und Briten für den Austritt aus der Europäischen Union. 51,9 Prozent votieren für "Leave", 48,1 Prozent für "Remain". Das Referendum spaltet das Land: Jung steht gegen Alt, Schottland und Nordirland gegen England, Stadt gegen Land. Doch der Brexit beginnt nicht erst 2016. Das Verhältnis Großbritanniens zu Europa ist seit dem Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft 1973 von Skepsis geprägt. Politiker wie Margaret Thatcher warnen vor einem europäischen Superstaat, Nigel Farage macht den EU-Austritt zum politischen Projekt. David Cameron will mit der Ankündigung eines Referendums seine konservative Partei befrieden. Stattdessen löst er eine Entwicklung aus, die das Land dauerhaft verändert. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Nicolai von Ondarza, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin Electoral Commission: Official result of the EU referendum, 24.06.2016. Europäischer Rat / EU-UK Summit: Strategic Partnership / Reset, 19.05.2025. House of Commons Library: Brexit timeline; End of transition period; Trade and Cooperation Agreement Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP): Veröffentlichungen und Expertise von Dr. Nicolai von Ondarza zu EU, Großbritannien und Post-Brexit-Beziehungen. Deutsche Welle (DW): Das Leben nach der EU: Brexit-Verlierer und Gewinner (Dokumentation) Weiterführende Links: Einigung zum Beitritt Großbritanniens zur EG (am 23.06.1971) Charles de Gaulle, frz. Staatspräsident (Todestag 9.11.1970) Vom Versager zum Retter vor den Nazis: Winston Churchill Margaret Thatcher, brit. Regierungschefin (Todestag, 08.04.2013) Wiener Kongress: Als Europas Landkarte neu gezeichnet wurde Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang Meyer Redaktion: Sefa Inci Suvak

  • June 22 · 13 min

    Forty Elephants: Eine Frauenbande mischt Londons Unterwelt auf

    Am 22.6.1896 wird Alice Diamond geboren: Mit 18 wird sie Anführerin der Forty Elephants, die Frauenbande räumt Luxusläden aus und dominiert lange Londons Unterwelt. In diesem Zeitzeichen erzählt Christopher Heimer: wie Alice Diamond zu ihrem Spitznamen "Diamond Annie" kommt, wie die Bandenchefin London in Reviere aufteilt und ihre Diebinnen mit fast militärischer Präzision organisiert, mit welchen verblüffenden Methoden sie Polizei und Kaufhausdetektive täuschen. Als Alice Diamond am 22. Juni 1896 im Lambeth Workhouse Hospital geboren wird, deutet wenig darauf hin, dass sie einmal die berühmteste Verbrecherin Großbritanniens werden soll. Doch die Tochter eines Kleinkriminellen wächst in einer Welt auf, die von Armut, Wohnungsnot und Gewalt geprägt ist. Schon als junge Frau schließt sie sich den Forty Elephants an: einer außergewöhnlichen Bande, die ausschließlich aus Frauen besteht. Mit Eleganz, Disziplin und ausgeklügelten Tricks stehlen die Mitglieder Schmuck, Pelze und Luxuswaren aus den vornehmen Geschäften Londons. Unter Alice Diamonds Führung entwickelt sich die Gruppe zu einem der erfolgreichsten kriminellen Netzwerke ihrer Zeit. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Paul Schilling, Filmregisseur ("Forty Elephants") Brian McDonald: Alice Diamond and the Forty Elephants, Wrea Green 2015 Emily Jane Burgess: Alice Diamond, giant-queen of the terrors: Female gangsterism, violence and criminal mythmaking in the late-nineteenth and early twentieth-century London ‘underworld‘, Abingdon 2025 Erin Bledsoe: The Forty Elephants, Ashland 2022 Weiterführende Links: Zeitzeichen: Der Gangsterboss, der das Verbrechen organisierte Zeitzeichen: Wie der Fall Vera Brühne zum Justiz-Krimi wurde Zeitzeichen: Boudicca - wie die keltische Rebellin London niederbrannte Zeitzeichen: Warhol-Attentäterin, radikale Feministin - Valerie Solanas Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christopher Heimer Redaktion: Matti Hesse

  • June 21 · 13 min

    Freistadt Christiania: Ein fast wahr gewordener Hippietraum?

    Die Hippie-Kommune Christiania ist weltberühmt: Für Autonomie und Drogenverkauf in der Pusher Street. Im Juni 2011 wird das Experiment legalisiert - doch zu welchem Preis? In diesem Zeitzeichen erzählt Merle Schaack: wie aus einer Hippie-Siedlung mitten in Kopenhagen eine selbstverwaltete "Freistadt" entsteht, warum Eigentum, Konsensdemokratie und Gemeinschaft hier radikal neu gedacht werden, wieso Drogenhandel und Gewalt das Experiment immer wieder bedrohen, wie ein Rechtsstreit über Jahre das Ende von Christiania heraufbeschwört, dass eine Stiftung die Rettung für die alternative Lebensform wird. Ein verwunschenes Gelände, auf dem einst Waffen lagerten, wird Anfang der 1970er Jahre zum Experimentierfeld: Menschen ziehen ein, bauen Hütten, schaffen sich eine Welt jenseits klassischer Besitzverhältnisse. Entscheidungen fallen im Konsens, die Gemeinschaft steht über allem. Ein Lebensentwurf zwischen Utopie und Chaos. Doch der Traum gerät unter Druck. Konflikte mit Staat und Polizei, Drogenhandel und organisierte Kriminalität bedrohen die Freistadt. Nach jahrelangem juristischen Ringen kommt es 2011 zum entscheidenden Wendepunkt: Christiania bekommt eine legale Grundlage - und muss sich zugleich an neue Regeln anpassen. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Knud Foldschack (Anwalt und "Architekt" der Stiftung "Fonden Fristaden Christiania") Mette Prag (Bewohnerin und Mitglied des Stiftungsvorstands) Nina Pontoppidan (Bewohnerin und Guide) Irma Clausen (ehemalige Bewohnerin) Offizielle Website der Freistadt Christiania Weiterführende Links: Zeitzeichen 26.09.1971: Ausruf der "Freistadt Christiania" Deutschlandfunk Kultur: Europas größtes alternatives Wohnprojekt Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Merle Schaack Redaktion: Matti Hesse

  • June 20 · 15 min

    Der Priester, der den Urknall entdeckte: George Lemaître

    Als Lemaître (gest. am 20.6.1966) sein Modell des Urknalls vorstellt, sieht der Papst darin einen Gottesbeweis. In der Wissenschaft wird er erst verspottet - und dann gefeiert. In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger: wie ein katholischer Priester die Urknall-Theorie entwickelt und damit die Kosmologie revolutioniert, warum Lemaître Wissenschaft und Religion strikt trennt - trotz seiner doppelten Berufung, weshalb seine Idee zunächst übersehen wird, während andere Forscher berühmt werden, wie die Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung ihm posthum recht gibt, warum der "Anfang von allem" bis heute ein ungelöstes Rätsel bleibt. Ein Universum, das sich ausdehnt, Galaxien, die auseinanderdriften, und ein Anfangspunkt, in dem alles enthalten ist: Georges Lemaître denkt das Weltall radikal neu. Als Priester und Physiker verfolgt er zwei Wege zur Wahrheit, ohne sie zu vermischen. Seine Theorie vom "Uratom" legt den Grundstein für das, was später Urknall genannt wird. Doch die Anerkennung kommt spät. Während andere Forscher Ruhm ernten, bleibt Lemaître lange im Schatten. Selbst als die Kirche seine Ideen als Beweis für Gott deuten will, widerspricht er entschieden. Für ihn bleibt der Glaube unabhängig von der Wissenschaft. Am Ende bestätigt ein kosmisches Echo seine Theorie. Doch die größte Frage bleibt offen: Was geschah vor dem Anfang? Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin: Dr. Susanne Hüttemeister (Astrophysikerin und Leiterin Planetarium Bochum) Weiterführende Links: Zeitzeichen 17.07.1894: Geburtstag von Georges Lemaître Zeitzeichen 23.11.1951: Papst Pius XII.: Urknall ist Schöpfung Unser Hörtipp: WDR 5 Alles in Butter, der Genuss-Podcast Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Ralph Erdenberger Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak

  • June 19 · 14 min

    Als die Bilder tanzen lernten: Filmkünstlerin Lotte Reiniger

    Ihre Silhouetten verzauberten die Leinwand, lange bevor Disney Filmgeschichte schrieb. Lotte Reiniger revolutionierte den Animationsfilm. Sie starb am 19. Juni 1981. In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk: wie Lotte Reiniger mit Schere, Pappe und Kamera Filmgeschichte schreibt, warum "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" als erster abendfüllender Animationsfilm gilt, und wie aus dem "Silhouettenmädchen" eine international gefeierte Filmkünstlerin wird. Ein schwarzer Fleck erscheint auf der Leinwand, verwandelt sich in einen Zauberer, dann in einen Reiter. Was damals wie Magie wirkt, ist das Werk von Lotte Reiniger. Die 1899 in Berlin geborene Künstlerin entdeckt schon als Kind ihr Talent für filigrane Scherenschnitte. Mit den ausgeschnittenen Figuren entwickelt sie eine völlig neue Kunstform: den Silhouettenfilm. Mit beweglichen Schnittfiguren, die Bild für Bild fotografiert wurden, schafft sie märchenhafte Welten voller Zauberer, Prinzessinnen und Fabelwesen. Ihr Meisterwerk "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" feiert 1926 Premiere und gilt heute als erster abendfüllender Animationsfilm der Geschichte – elf Jahre vor Disneys "Schneewittchen". Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Rike Reiniger, Autorin eines biographischen Romans Philipp Hanke, Kurator Filmmuseum Düsseldorf Rike Reiniger: 24 Bilder pro Sekunde - Lotte Reiniger, Pionierin des Trickfilms, Berlin 2026 Rike Reiniger: Berliner Trickfilm-Pionierin Lotte Reiniger: Queere Küsse im Jahr 1929. Berliner Zeitung 12. Mai 2024 Melanie Letschnig: Es war einmal kein Ofen. Über die märchenhaften Silhouettenfilme von Lotte Reiniger. Diplomarbeit, Universität Wien 2006 Weiterführende Links: Film: Die Abenteuer des Prinzen Achmed (Deutschland 1926, Kurz-Animationsfilm) Film: Der Scheintote Chinese (Deutschland 1928, Kurz-Animationsfilm) Lotte Reiniger, Carmen (Deutschland 1933/1934, Kurz-Animationsfilm) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Maren Gottschalk Redaktion: Sefa Inci Suvak

  • June 18 · 14 min

    Soldaten aus den Kolonien: Russland im Ersten Weltkrieg

    Die Kolonialmächte des frühen 20. Jahrhunderts schickten auch Menschen aus den Kolonien in den ersten Weltkrieg. Das Zarenreich zwang ab Juni 1916 Muslime in den Dienst. In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember: welche Katastrophe der Erlass des Zaren in Zentralasien auslöst, wie aus einer Rekrutierungsanordnung einer der größten Aufstände des Ersten Weltkriegs entsteht, weshalb der Erste Weltkrieg auch ein kolonialer Krieg ist. Im Sommer 1916 greift das Russische Reich zu einer Maßnahme, die den Kriegsverlauf positiv beeinflussen soll, stattdessen aber eine ganze Region erschüttert: Erstmals werden muslimische Männer aus Zentralasien für den Kriegsdienst des Zarenreichs herangezogen. Die Entscheidung trifft auf eine Bevölkerung, die sich seit Langem von Moskau beherrscht und benachteiligt fühlt. Was als Rekrutierungserlass beginnt, entwickelt sich innerhalb weniger Wochen zu einem Aufstand gegen die russische Herrschaft. Die Gewalt erfasst weite Teile Zentralasiens und fordert auf allen Seiten zahlreiche Opfer. Die Folgen prägen das Verhältnis vieler Menschen in der Region zu Russland bis heute. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Franziska Davies, Osteuropa-Historikerin am Leibniz-Zentrum für Historische Forschung in Potsdam Franziska Davies: Muslims in the Russian Army. New York 2025 Serge A. Zenkovsky: Pan-Turkism and Islam in Russia. Cambridge 1990 Weiterführende Links: Zeitzeichen: Niederlage an der Westfront im 1. Weltkrieg (am 08.08.1918) Zeitzeichen: Transsibirische Eisenbahn - der Wilde Osten auf 9.288 Kilometern Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Heiner Wember Redaktion: Frank Zirpins Technik: Moritz Raestrup

  • June 17 · 14 min

    Im Juni 1596: Wie Willem Barents ungewollt Spitzbergen entdeckte

    Eine Hochrisiko-Expedition ins Unbekannte soll 1596 die Nordostpassage nach China finden. Stattdessen schreibt sie Geschichte - hoch oben im arktischen Eis. In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler: warum niederländische Kaufleute im Jahr 1596 ausgerechnet Kurs auf das arktische Eis nehmen, wie eine Insel aus spitzen Bergen und weißen Schatten die Fantasie Europas beflügelt, wie aus einer gescheiterten Expedition zugleich eine Erfolgsgeschichte und der Beginn eines großen Raubzugs wird. Am 17. Juni 1596 sichtet die Expedition des niederländischen Navigators Willem Barents eine unbekannte Inselwelt weit im Norden. Die schroffen Berge, die steil aus dem Meer aufragen, geben ihr bis heute ihren Namen: Spitzbergen. Eigentlich sind Barents und seine Mannschaft auf der Suche nach der Nordostpassage – einem Handelsweg durch das Polarmeer nach China. Stattdessen stoßen sie auf eine raue Landschaft aus Eis, Felsen und gewaltigen Gletschern. In seinem Tagebuch schildert der Maat Gerrit de Veer die Begegnung mit Eisbären, Rentieren, Walrossen und Walen sowie die Herausforderungen einer Reise in bis dahin weitgehend unbekannte Gewässer. Die Entdeckung Spitzbergens bringt den erhofften Weg nach Asien zwar nicht näher. Doch sie lenkt den Blick Europas auf die arktische Inselwelt – und macht sie schon wenige Jahre später zum Zentrum einer aufstrebenden Walfangindustrie. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Frederic Theis, Archäologe und Historiker, Deutsches Schifffahrtsmuseum Gerrit de Veer: Warhafftige Relation. Der dreyen newen, unerhörten, seltsamen Schiffart, so die Holländischen und Seeländischen Schiff gegen Mitternacht drey Jar nach einander, also Anno 1594, 1595 und 1596 verricht. Noriberg Anno 1598. Weiterführende Links: Zeitzeichen: Verschollen im arktischen Eis: Polarforscher John Franklin Zeitzeichen: Henry Hudson entdeckt die Halbinsel Manhattan (am 11.9.1609) Zeitzeichen: Kalte Einöde: Erstmals überwintern neun Frauen in der Antarktis Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Marko Rösseler Redaktion: Matti Hesse Technik: Sarah Fitzek

  • June 16 · 14 min

    Zehn Songs für die Ewigkeit: "The Queen is dead"

    Für manche ist es das beste Album aller Zeiten: Mit "The Queen is dead" zeigen The Smiths am 16.6.1986, wie Popmusik auch relevant sein kann. In diesem Zeitzeichen erzählt Uli Hufen: wie "The Smiths" als ultimative Außenseiter-Band in den Mainstream vordringen, warum ihr drittes Album als künstlerischer Höhepunkt und Gesamtkunstwerk gilt, welche gesellschaftliche Sprengkraft in Songs über Monarchie, Arbeitslosigkeit und Einsamkeit steckt, wieso gerade Jugendliche sich in Morrisseys Texten wiederfinden, weshalb einzelne Songs bis heute als emotionaler Rettungsring für Hörer gelten. Die Smiths kommen aus Manchester, aus Arbeiterfamilien, geprägt vom sozialen Klima der Thatcher-Jahre. Ihr Außenseitertum ist Haltung und Inszenierung zugleich. Zwischen Selbstzweifel, Größenwahn und feiner Ironie entwickeln sie eine eigene Sprache für das Lebensgefühl der 1980er Jahre. "The Queen Is Dead" bündelt all das: politische Unruhe, poetische Rätsel und große Pop-Melodien. Das Album greift die britische Gesellschaft an und bleibt doch bewusst offen in seiner Deutung. Im Zentrum steht eine ungewohnte Botschaft für die Rockmusik - Sensibilität als Stärke und Freundlichkeit als Rebellion. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Simon Goddard (Musikkritiker) Oliver Fröschke (Designer und Betreiber des Plattenlabels Le Pop) Simon Goddard: The Smiths: Songs That Saved Your Life. Königswinter 2007 Simon Goddard: Mozipedia: The Encyclopaedia of Morrissey and the Smiths. 2010 Weiterführende Links: Rockpalast: Morrissey Simon Reynolds: Review zu "The Queen Is Dead" Morrissey Solo (Offizielle Website) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Uli Hufen Redaktion: Frank Zirpins Technik: Jürgen Beiner

  • June 15 · 14 min

    Jazz-Ikone Ella Fitzgerald: Vom Waisenkind zum Weltstar

    Vom Heim für "verwahrloste Mädchen" zur "First Lady of Jazz": Ella Fitzgerald dreht mit einer Amateurshow ihr Leben und verzaubert die Menschen mit ihrer Stimme. Sie stirbt am 15.6.1996. In diesem Zeitzeichen erzählt Susanne Rabsahl: mit welcher Bezeichnung Bing Crosby die Grand Dame des Jazz adelt, von der ärmlichen Kindheit, in der Ella Jane Fitzgerald aufwächst, wie sie in einer Züchtigungsanstalt landet, wie der 21. November 1934 zum Wendepunkt in Ellas Leben wird. Ella Fitzgerald wächst in ärmlichsten Verhältnissen auf, kommt nach dem Tod der Mutter zu einer Tante in New York. Nach ihrem Bühnendebüt 1934 lässt der Durchbruch zunächst auf sich warten. Ella tingelt durch Gesangswettbewerbe und wird Mitglied der Apollo-Theater-Band. 1939 nimmt sie ein Kinderlied im Swing-Stil auf: "A Tisket a Tasket". Für die von der "Großen Depression" bedrückten Amerikaner scheint der schwingende Sommerhit wie vom Himmel geschickt: Mehr als eine Million verkaufter Platten und wochenlange Chartplatzierungen verschaffen Ella Fitzgerald den Durchbruch. Die Leichtigkeit, die sie ihren Fans schenkt, findet sie selber nie. Fast völlig erblindet, dazu schwer herz- und zuckerkrank, zieht sie sich schließlich in ihre Villa in Beverly Hills zurück. Dort verbringt sie in zunehmender Verwirrung ihre letzten Jahre. Am 15. Juni 1996 stirbt der Weltstar, im Alter von 78 Jahren. Mit geschätzten rund 200 Tonträgern und unvergesslichen Auftritten ist die "First Lady of Song" schon zu Lebzeiten unsterblich. Weiterführende Links: Stichtag: 17. Juli 1959 - Todestag der Jazzsängerin Billie Holiday Zeitzeichen: 23.12.2007 - Todestag des Jazzpianisten Oscar Peterson Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Susanne Rabsahl Redaktion: Hildegard Schulte und David Rother

  • June 14 · 14 min

    Wie der Vatikan Bücher zensiert hat

    400 Jahre lang betreibt der Vatikan einen Index verbotener Bücher. Auf dieser Liste zu stehen, bedeutet für viele Autoren das Ende ihrer Karriere - bis der Index am 14.06.1966 auf kuriose Weise abgeschafft wird. In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach: welche Werke und Autoren auf den Index Librorum Prohibitorum gesetzt werden, warum sogar einzelne Fassungen der Bibel auf dem Index landen, dass Martin Luther gleich doppelt auf die Verbotsliste gesetzt wird, welches das geheimste Kirchenarchiv ist. 1559 erscheint der erste vatikanische Index. 407 Jahre später, bei seiner Aufhebung 1966, enthält er über 6.000 Titel und Autoren. Er ist der Giftschrank gefährlicher Werke, die Katholiken nicht lesen, nicht drucken, nicht verkaufen, nicht besitzen dürfen. Bei der Indizierung geht es nicht nur um Theologie, sondern um alles, was mit dem Medium Buch verbreitet wird. Es geht um alle Wissenschaften, um Literatur, es geht um Medizin. Es geht um ein Wissensmonopol. Mit der Aufklärung im 18. Jahrhundert verliert der Index zunehmend an Wirkmacht. Und im 20. Jahrhundert scheint er wie aus der Zeit gefallen. Längst lesen auch Katholiken die verbotenen Bücher, mal offen, mal heimlich. Mitte der 1960er-Jahre reformiert Papst Paul VI. die Verwaltung des Vatikans. Ihre oberste Behörde, die Glaubenskongregation, bis dato für den Index zuständig, soll entmachtet werden. In der Notifikation vom 14. Juni 1966 wird der Index aufgehoben. Es werden keine weiteren Bücher mehr verboten. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Hubert Wolf, Kirchenhistoriker, Universität Münster Hubert Wolf: Index - Der Vatikan und die verbotenen Bücher. München 2006 Nicola Roßbach, Hg.: Zensur, Baden Baden 2024 Weiterführende Links: Planet Wissen: Der Streit zwischen Kirche und Wissenschaft Planet Wissen: Martin Luther - Die Luther-Bibel Stichtag: 25. Juli 1968 - Paul VI. veröffentlicht Rundschreiben "Humanae vitae" Zeitzeichen: 20.05.1831: Heinrich Heine verlässt Deutschland und zieht nach Paris Zeitzeichen: 25.12.1961 - Zweites Vatikanische Konzil einberufen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach Redaktion: Jakob Schiffer und Frank Zirpins Technik: Sascha Schiemann

  • June 13 · 14 min

    Der "rote Elvis": DDR-Country-Star Dean Reed

    In den USA erfolglos, zieht Reed in die DDR. Dort wird der marxistische Sänger zum Liebling von Publikum und Politbüro, aber nicht glücklich. Am 13.6.1986 wird er tot aufgefunden. In diesem Zeitzeichen erzählt Rüdiger Weidenfeld-Kramer: wie ein singender Cowboy aus Colorado im real existierenden Sozialismus landet, dass Reeds Erfolg in den USA eher übersichtlich ist, dafür in Südamerika umso größer, wie Moskau Reeds propagandistisches Potential erkennt, was es mit dem "Woodstock des Ostens" auf sich hat, wie die "Perestroika" Reeds Stern zum Sinken bringt. Dean Reed aus Colorado unterschreibt 1958 seinen ersten Schallplattenvertrag. Doch der Newcomer enttäuscht zunächst die hohen Erwartungen. Aber in Südamerika verkauft sich eine von ihm selbst geschriebene Teenager-Schnulze dagegen überraschend gut. Dean Reed folgt dem Erfolg und verlässt die USA Richtung Südamerika. Nach einem Putsch wird Reed aber 1966 wegen pro-kommunistischer Aktivitäten aus Argentinien ausgewiesen. Ein Grund, ihn in die Sowjetunion einzuladen. Dean Reed ist einer der ersten Künstler, der in der UdSSR lange verpönte Musik auf die Bühne bringt. Anfang der 1970er-Jahre zieht es Reed in die DDR. Er wird zum Dauergast in Radio, Film und Fernsehen. Immer zwischen Entertainment und Propaganda. Aber ab den 1980er-Jahren wollen immer weniger Menschen seine linientreuen Lieder hören. Die jungen Leute in der DDR sehnen sich nach "echten" US-Rockstars, wie etwa Bruce Springsteen. Reed jagt dem künstlerischen Erfolg hinterher. Die politische Haltung rückt in den Hintergrund. Hinter der Fassade des stets gut gelaunten Entertainers vergrößert sich die Trübsal. Am 13. Juni 1986 setzt Dean Reed seinem Leben selbst ein Ende. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Stefan Wolle, Historiker, langjähriger wissenschaftlicher Leiter des DDR-Museums, Berlin Stefan Ernsting, Der rote Elvis, Berlin 2006 "Gewünscht, gespielt, gewonnen" mit Dean Reed 08.06.1984, Radio DDR "Eine Stunde mit Dean Reed" vom 05.10.1982, Berliner Rundfunk Weiterführende Links: Dean Reed - Politaktivist und DDR-Schlagerstar - DDR Museum Zeitzeichen: 10.06.2004: Todestag des Musikers Ray Charles Stichtag: 8. Januar 1935 - Geburtstag von Elvis Presley Planet Wissen: Das Leben in der DDR - Alltag in der DDR Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Rüdiger Weidenfeld-Kramer Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse Technik: Sarah Fitzek

  • June 12 · 14 min

    Menschen im Zoogehege: Kölns vergessene "Völkerschau" 1931

    Sie werden in der Südsee angeworben und dann im Kölner Zoo als angebliche "Menschenfresser" ausgestellt - am 12.6.1931 eröffnet im Kölner Zoo eine rassistische Show... In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg: was die Presse 1931 bei der Zurschaustellung von Menschen im Zoo gruselig findet, wie der Kölner Zoo den Eindruck eines exotischen Zuhauses in Neukaledonien vermitteln will, was heutzutage mit dem neuen Unterrichtsfach Geschichts- und Politikwerkstatt am Kölner Ursulinengymnasium gelehrt wird, wie der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer die Völkerschau als nationale Eigenwerbung verteidigt. "Kannibalen aus der Südsee zum ersten Mal in Europa. 35 prächtige Gestalten von den Loyalty-Inseln", heißt es in einer Anzeige des Kölner Zoos vom 12. Juni 1931. Beworben wird eine so genannte Völkerschau. Der damalige Zoodirektor Friedrich Hauchcorne will damit den wirtschaftlich angeschlagenen Zoologischen Garten mit der Zurschaustellung von Menschen einer fremden Kultur wieder in die Gewinnzone bringen. So genannte exotische Völkerschauen kommen in Europa Mitte des 19. Jahrhunderts als Folge von Imperialismus und Kolonialismus in Mode. Zwischen 1878 und 1932 werden im Kölner Zoo sieben solcher Ausstellungen präsentiert. Insgesamt werden in Deutschland in diesem Zeitraum mehr als 300 Menschengruppen zur Schau gestellt - vornehmlich bei Hagenbeck in Hamburg, im Berliner Tiergarten und auf der Münchner Wies'n. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartnerinnen: Professorin Marianne Bechhaus-Gerst, Afrikanistin, Universität zu Köln Judith Schoene, Geschichts-Lehrerin, Ursulinengymnasium Köln Anna Shen-Hengsbach, Schülerin, Ursulinengymnasium Sophia Rosario, Schülerin, Ursulinengymnasium Didier Daenincks: Reise eines Menschenfressers nach Paris. Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer. Berlin 2001 Weiterführende Links: Planet Wissen: Deutsche Kolonien - Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit Planet Wissen: Geschichte der Zoos Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Vormweg Redaktion: David Rother Technik: Thomas Bleul

  • June 11 · 14 min

    Die Hayden-Expedition und wie ein Nationalpark erfunden wird

    Der Yellowstone-Nationalpark in den USA zieht jährlich rund drei Millionen Touristen an. Zu verdanken ist dies auch einer Forschungsreise des Geologen Ferdinand Hayden. Sie begann am 11. Juni 1871. In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck: wie zwei Maler und ein Fotograf maßgeblich Anteil daran haben, dass Yellowstone weltweit erster Nationalpark wird, von der dynamischen und wirtschaftlichen Entwicklung nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs, vom tiefen kulturellen Graben zwischen den Städtern an den Küsten und den Menschen im "Herzland" der USA, von einem Geysir mit der Pünklichkeit eines Schweizer Uhrwerks. Reißende Flüsse, blubbernde Schlammlöcher, heiße Quellen, riesige Mammutbäume und fast 60 Prozent aller Geysire auf der Erde: Das ist der Yellowstone-Nationalpark im Nordwesten der USA. Heute kommen jedes Jahr rund drei Millionen Touristen. Zu verdanken ist dies vor allem dem Mediziner und Geologen Ferdinand Vandeveer Hayden. Siedler, Abenteurer und Schatzsucher ignorieren das schwer zugängliche Terrain mitten in den Rocky Mountains zunächst. Das ändert sich, als Hayden den Plan ergreift, die Region zu erforschen. Am 11. Juni 1871 bricht er mit 34 anderen Abenteurern, sieben Wagen und zwei Maultieren auf zum Fluss Yellowstone. Die Forschungsreisenden stoßen auf eine grandiose Vulkanlandschaft und unendliche Wälder voller Grizzlys, Bisons und Wölfen. Seine Erlebnisse notiert Hayden anschaulich auf den rund 500 Seiten seines Tagebuchs. Ende August 1871 ist die Expedition in Montana beendet. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Uwe Lübken, Amerika- und Umwelthistoriker Volker Depkat, Historiker, Amerikanist, Universität Regensburg Chris Magoc: Yellowstone. The Creation and Selling of an American Landscape. Princeton (PUP) 1999 Stephen Nash: Grand Canyon For Sale. Public Land versus Private Interests in the Era of Climate Change. Oakland 2017 Marlene Deahl Merrill: Yellowstone and the Great West: Journals, Letters, and Images from the 1871 Hayden Expedition. Lincoln 1999 Weiterführende Links: Planet Wissen: Gebirge - Rocky Mountains Planet Wissen: Neuzeit - Amerikanischer Bürgerkrieg 1861-1865 Planet Wissen: Übersichtsseite Nationalpark Eifel Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Almuth Finck Redaktion: Ronald Feisel und Frank Zirpins Technik: Annette Skrzydlo

  • June 10 · 14 min

    Wie Antoni Gaudí zum Star-Architekten wurde

    In Barcelona sind seine Bauten allgegenwärtig. Antoni Gaudí (gest. 10.06.1926) ist als Architekt der Sagrada Familia weltberühmt. Doch sein Weg startet holprig - mit Problemen an der Uni. In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen: wie Antoni Gaudí sich selbstbewusst mit der Stadtverwaltung Barcelonas anlegt, welche Schicksalsschläge dafür sorgen, dass Gaudí 30 Jahre lang allein mit seinem Vater lebt, wie ein außergewöhnliches Haus zu Gaudís "Visitenkarte" wird, wie das Märchen "Hänsel und Gretel" in Gaudís Arbeit einfließt, was Gaudís Säulen mit einem Gehstock gemeinsam haben. Wer durch Barcelona streift, begegnet Antoni Gaudí oft: Seine auffälligen Häuser sind überall in der Stadt verteilt. Das größte und berühmteste Bauwerk ist sicher die Sagrada Família. Eine Kathedrale, die so besonders und ungewöhnlich ist, wie ihr Architekt Antoni Gaudí selber. Obwohl Antoni Gaudí einer der berühmtesten Architekten seiner Zeit ist, tut er sich mit dem Studium schwer. Mit Ach und Krach schafft er seinen Abschluss und eröffnet mit 26 Jahren ein eigenes Architektenbüro. Seine Gebäude mit den komplexen Formen und Mustern polarisieren von Anfang an. Während Gaudí Anwesen für wohlhabende Barceloner entwirft, arbeitet er längst an seinem Hauptwerk: An der Sagrada Família, der vielleicht außergewöhnlichsten Kathedrale der Welt. Ab 1883 ist Gaudí Chef der Baustelle. Als Gaudí am 10. Juni 1926 mit 74 Jahren nach einem Unfall stirbt, steht etwa ein Achtel der Sagrada Família. Aber weil es zahlreiche Modelle gibt, können seine Mitarbeiter und deren Nachfolger weitermachen. Bis heute setzen sie seine Ideen um. Inzwischen peilt man für die Fertigstellung das Jahr 2034 an. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Kathrin Benz, Gaudí-Biografin Kathrin Benz: Antoni Gaudí - der Architekt Gottes, Freiburg im Breisgau 2025 Rainer Zerbst, Peter Gössel: Antoni Gaudí i Cornet - Das vollständige Werk 1852 - 1926“, Köln 2025 Cristina Montez und Aurora Cuito: Antoni Gaudí, Köln 2002 Weiterführende Links: Planet Wissen: Katalonien - Geschichte der Stadt Barcelona Planet Wissen: Geschichte Kataloniens Planet Wissen: Übersichtsseite Architektur Planet Wissen: Fotostrecke weltbekannter Kirchen Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Klasen Redaktion: Jakob Schiffer, Frank Zirpins Technik: Sarah Fitzek

  • June 9 · 14 min

    Gauguin in Tahiti: Die dunkle Wahrheit hinter dem Südseetraum

    Am 9.6.1891 erreicht Paul Gauguin Tahiti - und findet statt Paradies die koloniale Realität. Doch warum schaffen seine Werke einen Mythos, der bis heute unser Bild prägt? In diesem Zeitzeichen erzählt Laura Dresch: warum Paul Gauguin 1891 nach Tahiti reist, wieso sein Traum vom unberührten Südseeparadies schon bei der Ankunft zerbricht, wie seine Bilder bis heute unsere Vorstellung von Tahiti prägen. Als Paul Gauguin am 9. Juni 1891 in Papeete ankommt, sucht er tropische Natur, Ursprünglichkeit, ein Leben fern von Paris, Kunstmarkt und Industrialisierung. Doch am Hafen erwartet ihn nicht die erträumte Wildnis, sondern französische Architektur, koloniale Verwaltung und europäische Mode. "Das war ja Europa", notiert er enttäuscht. Gauguin bleibt trotzdem. In einem Dorf beginnt er, Tahiti in kräftigen Farben neu zu erfinden: Fischerinnen, Gärten, Rituale, Frauen am Strand. Doch viele dieser Bilder zeigen nur eine Collage aus Fantasie und kolonialen Klischees. Gauguin wird damit zum Wegbereiter der Moderne und zugleich zum Schöpfer eines Mythos, der das europäische Bild der Südsee bis heute prägt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Nadine Engel (Museum Folkwang) Paul Gauguin: Noa Noa, Paris 1901 Georg-W. Költzsch (Hrsg.): Paul Gauguin. Das verlorene Paradies (Ausstellungskatalog Museum Folkwang Essen; Neue Nationalgalerie Berlin), Essen 1998 Raphaël Bouvier und Martin Schwander (Hrsg.): Paul Gauguin (Ausstellungskatalog Fondation Beyeler, Riehen/Basel), Riehen/Basel 2015 Ralph Gleis und Anna Kærsgaard Gregersen (Hrsg.): Paul Gauguin. Why are you angry? (Ausstellungskatalog Alte Nationalgalerie Berlin), Berlin 2022 Weiterführende Links: Zeitzeichen: Kolonialismus kitschig verklärt: Frieda von Bülow Zeitzeichen: Renoir: Mit angebundenen Pinseln malt er gegen den Schmerz Zeitzeichen: Blaue Pferde, neue Kunst: Franz Marc (geb. am 8.2.1880) Zeitzeichen: Der Todestag des Malers August Macke (am 26.9.1914) Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Laura Dresch Redaktion: Matti Hesse

  • June 8 · 14 min

    Maggi: Vom einfachen Arme-Leute-Essen zur Kultwürze

    1886 erfindet Julius Maggi eine Würze, die Fleischgeschmack vortäuscht. Er macht Geschmacksverstärker zum beliebten Massenprodukt und begründet so ein Lebensmittel-Imperium. In diesem Zeitzeichen erzählt Kay Bandermann: wie Julius Maggi mit seiner Würze den Geschmack der Industrialisierung erfindet, weshalb eine kleine braune Flasche bis heute in fast jedem Küchenschrank steht, wieso ausgerechnet der Wunsch nach Fleisch die berühmte Maggi-Würze hervorbringt. Sie ist klein, kantig und unverwechselbar: die Maggi-Flasche. Seit 140 Jahren gilt die Rezeptur ihres Inhalts als streng gehütetes Geheimnis. Entwickelt wird die Würze in einer Zeit, in der viele Menschen wenig Geld, wenig Zeit und oft nur fades Essen haben. Denn mit der Industrialisierung verändert sich auch die Küche. Fertigprodukte halten Einzug in den Alltag. Der Schweizer Unternehmer Julius Maggi erkennt früh, wonach sich die Menschen sehnen: nach schnellen Mahlzeiten mit kräftigem Geschmack. 1886 entwickelt er die dunkle Würzsoße, die einfachen Suppen ein „fleischiges“ Aroma verleiht – auch ohne Fleisch. Das sind unsere Interviewpartner: Norbert Reiter, Geschäftsführer Maggi Deutschland Prof. Dr. Gunther Hirschfelder, Kulturhistoriker (Uni Regensburg) Prof. Dr. Sascha Rohn, Lebensmittel-Chemiker (TU Berlin) Weiterführende Links: Zeitzeichen: Eiskalte Revolution - Beginn der Tiefkühlkost-Ära Zeitzeichen: Einmachen in Blech - Nicolas Appert, Erfinder der Konservendose Zeitzeichen: 05.09.1949 - Der Tag, an dem Deutschland das Einkaufen neu lernte Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Kay Bandermann Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse Technik: Sarah Fitzek, Michael Franke und Sascha Schiemann

  • June 7 · 14 min

    Der stille Held hinter Schindlers Liste: Mieczyslaw Pemper

    Die Welt kennt Oskar Schindler und seine große Rettungstat. Kaum jemand kennt den Mann, der ihm ganz entscheidend dabei geholfen hat: Mieczyslaw Pemper (gest. am 7.6.2011). In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer: wie Mietek Pemper im Büro des KZ-Kommandanten Amon Göth täglich zwischen Todesgefahr und Überleben pendelt, warum ausgerechnet seine Kenntnisse von Schreibmaschine und Kurzschrift später mehr als 1200 Menschen das Leben retten, weshalb Oskar Schindlers berühmte Liste ohne Pemper vermutlich nie entstanden wäre. Mietek Pemper ist kein Held, der sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Die Arbeit des gebürtigen Krakauers im Büro des KZ-Kommandanten ist Zwangsarbeit. Und doch verschafft ihm genau diese Position Zugang zu Informationen, die über Leben und Tod entscheiden werden. Während draußen Menschen deportiert und ermordet werden, arbeitet Pemper im Zentrum der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Gemeinsam mit Oskar Schindler nutzt er geschönte Statistiken und gefälschte Produktionszahlen, um jüdische Zwangsarbeiter vor Auschwitz zu bewahren. Durch den Film "Schindlers Liste" wird die Geschichte weltweit bekannt – doch den klugen Kopf dahinter kennt lange kaum jemand. Das sind unsere wichtigsten Quellen: Viktoria Hertling: Mietek Pemper. Der kluge Kopf hinter Oskar Schindlers Liste, Berlin 2020 Mietek Pemper, Viktoria Hertling und Marie Elisabeth Müller: Der rettende Weg. Schindlers Liste - Die wahre Geschichte, Hamburg 2005 Weiterführende Links: Zeitzeichen: Emilie Schindler (Geburtstag 22.10.1907) Zeitzeichen: René Carmille: Mit Lochkarten gegen Hitler? Zeitzeichen: Widerstand als Lebensweg - Lisa Fittko Zeitzeichen: Widerstand im Ring - Sinto-Boxer Rukelie Trollmann Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Herwig Katzer Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

  • June 6 · 14 min

    Ein großes Herz für Freund und Feind in Not: CARE-Pakete

    Im Juni 1946 senden die USA die ersten CARE-Pakete nach Europa, um die die Not der Menschen zu lindern. Vor allem in Deutschland werden sie zum Symbol der Nachkriegszeit. In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock: über die Hungersnot in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg, wie die Besatzer die Ernährung der Bevölkerung auch für ihre politischen Zwecke nutzen, warum die Care-Pakete nicht nur den Hunger stillen. US-Präsident Harry S. Truman geht mit gutem Beispiel voran und kauft persönlich 100 Care-Pakete. Und er ruft die amerikanische Bevölkerung auf, es ihm gleichzutun. Initiiert wird die Aktion von der "Kooperative für amerikanische Hilfslieferungen nach Europa", kurz CARE. Erst freuen sich die Franzosen über die Extra-Portion Zucker, Fleisch & Co. Am 6. Juni 1946 heben die USA dann das Verbot auf, Pakete ins besetzte Deutschland zu schicken. Bereits einen Monat später legt der erste Hilfsfrachter in Bremerhaven an. Ein Paket sei wie ein Lottogewinn gewesen, berichten Empfänger später über die Hilfslieferungen. Bis 1960 erreichen 100 Millionen Care-Pakete Europa, zehn Millionen davon gehen nach Deutschland. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Kerstin Bandsom, Leiterin Kommunikation bei CARE Deutschland Karl-Otto Zentel, Geschäftsführer CARE Deutschland Thorsten Smidt, Ausstellungsdirektor der Stiftung Haus der Geschichte, Bonn Klaus Naumann: Nachkrieg in Deutschland, Hamburg 2001 Johannes-Dieter Steinert: Nach Holocaust und Zwangsarbeit. Britische humanitäre Hilfe in Deutschland, Osnabrück 2007 Hermann Glaser: 1945. Beginn einer Zukunft, Frankfurt am Main 2005 Weiterführende Links: Zeitzeichen: 01.05.1950 - Das Ende der Lebensmittelkarten in der Bundesrepublik Stichtag: 30. Dezember 1947 - Kälte- und Hungerwinter in Deutschland Stichtag: 26. Oktober 1945 - Beginn der "Aktion Storch" Hilfsorganisation Care Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autoren: Ulrich Biermann und Veronika Bock Redaktion: Matti Hesse