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Morgenimpuls

DOMRADIO.DE

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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  • 36 episodes
  • daily
  • Avg 68 hr 37 min
  • German
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  • August 9 · 63 hr 3 min

    Gott ist wie ein Sonnenschirm / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Unterm Sonnenschirm wird man trotzdem braun. Das sage ich hier zuhause ständig. Man muss sich ja nicht mitten in die pralle Sonne setzen. Wobei manche das trotzdem lieben. Stundenlang. Ohne Schatten. Ohne Sonnencreme. Und hinterher wundern sie sich über den Sonnenbrand. Den man immer erst viel später nach dem Sonnenbaden bemerkt. Ganz ohne Schutz — das ist eben doch gefährlich. Und manchmal denke ich: Mit Menschen ist das ähnlich. Es gibt Menschen, bei denen man sich sicher fühlt, ohne dass sie einen einengen. Die nicht alles von einem fernhalten. Aber die trotzdem da sind. Wie ein Sonnenschirm eben. Die Sonne ist noch da. Das Leben auch. Der Stress. Die Fragen. Die Verletzungen. Aber es trifft einen nicht ganz so ungeschützt. Manchmal merken wir allerdings erst spät, wie sehr wir so einen Schutz eigentlich brauchen. Weil wir lieber stark wirken wollen. Weil wir denken, wir müssten alles alleine schaffen. Oder weil wir Angst haben, anderen zur Last zu fallen. Und dann gibt es diese stillen Menschen, die einfach bleiben. Die nicht sofort Lösungen haben. Aber Nähe. Ruhe. Aufmerksamkeit. Vielleicht können Menschen füreinander genau das sein: ein bisschen Schatten in zu großer Hitze. Und vielleicht ist das auch der Gedanke hinter den Schutzpatronen. Menschen, die selbst geglaubt haben, dass sie getragen und beschützt sind von Gott. Nicht vor allem bewahrt. Aber eben nicht allein. Ich glaube nämlich: Wer sich selbst beschützt weiß, kann oft auch andere besser beschützen. Nicht perfekt. Nicht immer stark. Aber da. Vielleicht ist Glaube manchmal genau das. Nicht die Sonne verschwindet. Aber jemand achtet darauf, dass wir nicht verbrennen.

  • August 8 · 60 hr 16 min

    Unser Glaube ist keine Flucht / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Manchmal ist man länger am Flughafen als später in der Luft. Und ich mag das eigentlich.Dieses Warten. Dieses Dazwischen. Kinder stehen an den großen Fenstern und beobachten staunend die Flugzeuge beim Starten und Landen. Menschen ziehen mit viel zu großen Rucksäcken vorbei. Irgendwo riecht es nach Kaffee und Fernweh. Mich packt das dann sofort.Dieses Gefühl, dass man einfach wegkönnte. Ein paar Stunden später könnte und wird vielleicht alles anders aussehen. Andere Straßen. Anderes Licht. Vielleicht auch ein anderes Lebensgefühl. Flughäfen sind Sehnsuchtsorte.Vielleicht auch ein bisschen Fluchtorte. Für einen Moment lässt man den Alltag zurück. Die Termine. Die Sorgen. Das, was zu eng geworden ist. Und trotzdem warten manche Dinge nach dem Rückflug wieder zuhause. Spätestens dann, wenn man in Deutschland landet und merkt, dass die Sommerkleidung plötzlich nicht mehr passt. Ich frage mich manchmal, ob Glaube auch so etwas sein kann: eine kurze Flucht aus dem Alltag. Aber vielleicht geht es gar nicht darum, wegzukommen. Vielleicht braucht man manchmal nur Abstand, um wieder klarer sehen zu können. Um sich neu auszurichten. Beten, Rituale, Gemeinschaft — das alles hat für mich nur dann wirklich mit Glauben zu tun, wenn es wieder zurückführt ins Leben. In den Alltag. In Beziehungen. In eine Haltung, die offener und aufmerksamer macht. Dann ist Glauben keine Flucht. Sondern eher wie dieses Staunen am Flughafenfenster:Ein kurzer Moment, der den Blick verändert, bevor es weitergeht.

  • August 7 · 83 hr 3 min

    Ein Angebot machen, nicht den Glauben überstülpen / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    Rund 50.000 Menschen studieren in Düsseldorf. Viele von ihnen schreiben irgendwann Zeugnisse, Prüfungen, bekommen Noten und Leistungsnachweise. Ein Zeugnis ist immer eine Bestandsaufnahme.Es hält fest, wo jemand steht; im Wissen, im Können, im Leben. Auch die Heilige Schrift, die Bibel, ist ein Zeugnis, ein Zeugnis vom Wort Gottes. Menschen haben darin ihre Erfahrungen mit Gott festgehalten. Oft wird beim Glauben gesagt, das sei etwas rein Subjektives, etwas Gefühliges. Und dann stellt man ihm das Objektive gegenüber. Ich finde, das greift zu kurz. Wann immer Wahrheit etwas mit dem Leben zu tun hat, stehen lebendige Menschen im Mittelpunkt. Der Glaube ist mehr als Wissen. Er ist ein Wissen, das mich fordert, mein Leben verändert und mich selbst zum Zeugen macht. Zugleich braucht der Glaube Demut vor dem Wissen. Er weiß um die Wirklichkeit Gottes und darum, dass dieses Zeugnis helfen kann, das eigene Leben zu gestalten. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für diese Haltung ist Blaise Pascal, der französische Mathematiker und Philosoph. Er machte im Jahr 1654 eine tiefe Glaubenserfahrung und hielt sie auf einem kleinen Pergamentstreifen fest, den er bis zu seinem Tod bei sich trug. Der Text lautet: „Jahr der Gnade 1654, Montag, den 23. November. Seit ungefähr abends zehneinhalb bis ungefähr eine halbe Stunde nach Mitternacht: Feuer, Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, nicht der Philosophen und Gelehrten. Gewissheit, Gewissheit, Empfinden, Freude, Friede, der Gott Jesu Christi. Dein Gott ist mein Gott. Er ist allein auf den Wegen zu finden, die das Evangelium lehrt. Größe der menschlichen Seele, gerechter Vater. Die Welt kennt dich nicht, ich aber kenne dich. Freude, Freude, Freude, Freudentränen. Das aber ist das Ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen. Jesus Christus, Jesus Christus, ewige Freude für einen Tag der Mühe auf Erden.“ Das ist Blaise Pascals Glaubenszeugnis. Und jedes Zeugnis beschreibt einen Istzustand, auch im Glauben. Er darf wachsen, sich vertiefen, sich verändern, wie ein gutes Zeugnis im Leben. Eines aber bleibt. Christlicher Glaube entsteht aus Begegnung. Wer das erfahren hat, wird anderen den Glauben nicht überstülpen wollen. Zeugnis geben heißt, ein Angebot machen. Als Hochschulpfarrer erlebe ich, wie wichtig solche Zeugnisse sind. Nicht nur auf dem Papier, sondern eben durch Menschen. Menschen, die Orientierung geben, die zeigen: Glaube ist kein abgeschlossenes Wissen, sondern ein Weg, der trägt.

  • August 6 · 77 hr 13 min

    Licht, das zerstört und Licht, das heilt / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    Vor 81 Jahren fiel die Atombombe auf Hiroshima. Wenn das Licht ausgeht, ist es dunkel. Ein heller Lichtblitz zerstörte eine ganze Stadt mit ihren Menschen. Wenn das Licht ausgeht, ist es dunkel. "Kam, kam, kam ein Licht. Wollt leuchten, wollt leuchten." Diese Zeilen stammen von Paul Celan. Und sie haben etwas sehr Menschliches in uns. Dunkelheit kann Angst machen. Sie nimmt uns den Blick in die Zukunft. In die Zukunft zu schauen, ist immer riskant. Aber das mussten die Menschen nach diesem Blackout. Es gibt Unwägbarkeiten, Entwicklungen, die wir nicht beeinflussen können, in denen wir Opfer sind. Und solche, die uns überraschen: Wissenschaftliche Prognosen, gesellschaftliche Trends und unsere eigenen Pläne. Manches trifft ein, manches nicht. Die Geschichte des Menschen ist nie linear. Sie ist immer geprägt von Unvorhersehbaren. Verantwortung zu übernehmen bedeutet, den Blick auf das Kommende zu richten. Veränderungen, Rahmenbedingungen, Entwicklungen nüchtern zu prüfen und zugleich den Blick für Gottes Gegenwart in unserem Leben nicht zu verlieren. Denn das ist die Erfahrung des Volkes Gottes. Immer wieder bricht Gott die Geschichte auf, überrascht uns. Und Christus selbst war eine solche Überraschung. Lange erwartet und doch anders, als die Menschen es sich vorgestellt hatten. Der Apostel Paulus schreibt: Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Ein Bild für Hoffnung mitten in der Dunkelheit. Und vielleicht auch ein Bild für uns. Wenn wir warten, ist es manchmal besser, nicht starr zu verharren, sondern auf die Schritte Gottes zuzugehen, die uns entgegenkommen. Für die Zeiten der Dunkelheit gibt Gott uns kleine Lichter mit auf den Weg. Sie helfen uns weiterzugehen, uns nicht zu verlieren und die Richtung zu behalten. Diese Lichter sind Begegnungen, Hoffnungen, Mut, kleine Zeichen, an denen wir spüren, du bist nicht alleine. Vielleicht ist das die wichtigste Erfahrung: Wer bereit ist, sein Herz zu öffnen, wer die kleinen Lichter wahrnimmt, der kann Gott begegnen, mitten in der Dunkelheit, mitten im Alltag. Denn das Licht kommt auf uns zu, auch wenn wir es nicht immer vorhersehen können. Und so bleibt: immer wieder aufbrechen, Licht suchen, den Blick öffnen und dem Licht erlauben, uns zu führen.

  • August 5 · 80 hr 50 min

    Chaos ist viel mehr als Unordnung / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    Um zu verstehen, was Chaos bedeutet, reicht manchmal ein Blick auf einen Schreibtisch, ehrlicherweise sogar manchmal auf meinen eigenen. Aber auf der anderen Seite ist das, was das Wort Chaos angeht, eigentlich harmlos. Denn Chaos ist mehr als die Unordnung auf dem Schreibtisch. Sprachforscher führen das Wort Chaos auf das Griechische zurück, verwandt mit dem Bild eines gähnenden Abgrunds. Chaos ist das, wo der Boden fehlt, wo alles ins Rutschen gerät. In der Bibel hat dieses Chaos ein berühmtes Bild, das Meer. Darum spricht das Markus-Evangelium nicht einfach vom See von Kafarnaum, sondern ganz auffällig vom Meer. Das ist kein Urlaubsbild, kein Strandkorb. Das Meer steht für ihn, für Gewalt, für Bedrohung, für diesen Abgrund. Und genau dort sitzen die Jünger im Boot. Der Sturm tobt, Orientierung geht verloren, Lebensgefahr, Chaos pur. Solches Chaos kennen wir auch nach einem Verlust, nach einer Trennung, nach einem beruflichen Scheitern oder mitten in einer schweren Krankheit; Momente, in denen man keinen Ausweg mehr sieht. Der Abgrund ist nah. Das ist Chaos. Die Bibel nennt diesen Zustand auch Tohuwabohu, ungeordnet, haltlos, schutzlos. Und dort beginnt Gottes Schöpfung. Schweig, sei still, mit diesen Worten setzt Jesus dem Chaos eine Grenze. Gott schafft Kosmos. Aus Tohuwabohu wird Ordnung, aus Sturm wird Stille. Bemerkenswert an der Bibelstelle: Jesus schläft zunächst auf dem Boot. Kein hektisches Eingreifen, kein panischer Aktionismus. Er ruft nicht aus der Situation heraus. Er ruft zur Gestaltung, zum Innehalten, zum Vertrauen. Das Wunder, das Zeichen besteht nicht nur darin, dass der Sturm sich legt, sondern darin, dass Gott mitten im Chaos gegenwärtig ist. Paulus sagt es so: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Vielleicht ist das die entscheidende Frage: Wie kann ich mit ihm auch mein Chaos gestalten und zum Kosmos werden lassen? Wie kann ich lernen, nicht nur in den Abgrund zu starren, sondern mit Christus neue Ordnung, neue Hoffnung, neues Leben zu wagen? Denn Gott spricht nicht nur über das Chaos. Er spricht mitten hinein und es wird still.

  • August 4 · 79 hr 43 min

    Feindesliebe bedeutet nicht Naivität / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    "Du sollst deinen Nächsten lieben, du sollst deine Feinde lieben. Wahrscheinlich, weil es oft die gleichen Menschen sind." Dieser provokante Satz stammt von Gilbert Keith Chesterton, einem englischen Autor. Feinde machen das Leben nicht leichter. Man kann sich an ihnen abarbeiten. Sie verursachen Ärger und doch führen sie manchmal zu ungeahnten Verbindungen. Vielleicht hat Siegmund Freud deshalb von der Unmöglichkeit der Feindesliebe gesprochen, doch wer ist eigentlich mein Feind? Manchmal sogar ich selbst. Und wie kann man Feindesliebe überhaupt erreichen? König David und König Saul aus dem Alten Testament sind ein bekanntes Beispiel dafür. Saul hat Angst, dass David seine Amt will. David zeigt Können, verschont aber Saul, seinen Schwiegervater. Er achtet die Auserwählung des gesalbten Königs. David ist dabei kein Engel. Im Gegenteil: Intrigen, Ehebruch, Machtspiele; er hat alles drauf. Und trotzdem endet der Streit bei ihm. Saul und David begegnen sich danach nie wieder. Die Feindschaft hat ihr Ende, zumindest bei David. Feindesliebe heißt nicht naiv zu sein. Es heißt, Feindschaft und Verantwortung klar zu benennen. Vergeben bedeutet nicht gut heißen, aber: "Jesus ist der Meister des Unmöglichen", sagt Charles de Foucauld. Die Gemeinde in Korinth war völlig zerstritten. Paulus gibt das menschlich Unmögliche nicht auf, indem er die göttliche Möglichkeit in den Streit der Menschen hineinbringt. Er erinnert uns daran, was ist unser Streit, wenn wir das Himmelreich als Ziel in Jesus Christus nicht vergessen. Denn dieses Vergängliche, so schreibt er, muss sich mit Unvergänglichkeit bekleiden und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit. Ein Perspektivwechsel kann Wunder wirken; wer ist Freund und wer ist Feind, wer ist mein Feind und wie kann ich ihn überwinden? Indem ich mich von Gott lieben lasse, kann ich auch im anderen Gott lieben. Indem ich mich von Gott tragen lasse, kann ich den Feind in mir selbst überwinden. Beileibe: Feindesliebe ist kein leichter Weg und nicht etwas, das man so nebenbei macht, aber sie ist möglich durch Liebe, Geduld und Vertrauen in Gott.

  • August 3 · 77 hr 13 min

    Jede Verabschiedung kann ein Anfang sein / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    Sommerzeit ist Urlaubszeit und so darf ich euch heute alle begrüßen beim DOMRADIO-Morgenimpuls. Ich darf euch in den nächsten Wochen ein bisschen intensiver begleiten, denn Schwester Katharina hat sich in ihren wohlverdienten Sommerurlaub aufgemacht und so grüßen wir sie ganz, ganz herzlich hier aus dem DOMRADIO in Köln und wir sagen auf Wiedersehen, bis sie zum nächsten Mal wieder hier bei uns sein wird (24. August). Auf Wiedersehen, für Gott, tschüss, adieu – Worte, die wir jeden Tag verwenden, fast automatisch. Verabschiedungen sind mehr als Floskeln. Sie tragen immer auch eine Botschaft, einen Wunsch, eine Zusage, manchmal sogar eine Erwartung. Sie zeigen, wir nehmen den anderen in unsere Gedankenwelt mit, auch wenn wir gerade auseinandergehen. In der Liturgie der Kirche werden wir am Ende der Messe mit den Worten verabschiedet: „Gehet hin in Frieden!“ Frieden? Ein Auftrag oder eine Hoffnung? Vielleicht beides. Es ist nicht einfach, ein leises Tschüss, sondern ein Aussenden, ein Gesendetsein. Wir sind aufgerufen, den Frieden weiterzutragen, Hoffnung sichtbar zu machen, anderen Menschen ein Zeichen von Vertrauen, Geborgenheit und Zuversicht zu schenken. Hoffnung ist dabei aber nicht nur ein schönes Gefühl, sie ist eine Tugend, eine innere Haltung, aus der wir handeln. Tugenden prägen unser Leben, sie formen unseren Blick auf die Welt, sie lenken unsere Entscheidungen, sie wirken in unseren Handlungen. Hoffnung zeigt uns, dass es über das Hier und Jetzt etwas gibt, das uns trägt, dass das Leben nicht nur ein Immer-Weiter-So ist, sondern Sinn hat, dass Gott uns hält und dass das Ewige Leben eine reale Perspektive ist. „Gehet hin in Frieden“ - diese Verabschiedung ist nicht nur für uns selbst. Wir werden gesendet, wir dürfen hinausgehen in die Welt, in unsere Familien, in unsere Nachbarschaft, an unsere Arbeitsplätze und ein Stück Hoffnung weitertragen. Wir dürfen Menschen zeigen, dass es mehr gibt als Sorgen, Konflikte und Hektik, dass Vertrauen, Frieden und Geborgenheit möglich sind. Jede Verabschiedung kann so ein kleiner Anfang sein, ein Zeichen dafür, dass wir Hoffnung haben, dass wir aus Frieden handeln und dass wir ausgesandt sind. Und so verabschieden wir uns nicht nur im Alltag, sondern im Leben mit Hoffnung, mit Frieden und mit der Gewissheit, dass wir gesendet sind, um Zeichen des Lebens und der Liebe in diese Welt zu bringen. Info der Redaktion: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina außerhalb ihres Sommerurlaubs von ihren Gedanken zu Gott und die Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

  • August 2 · 70 hr 50 min

    Jesus ist unsere Lebensversicherung / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    Haben Sie eigentlich eine Lebensversicherung? Keine Angst, ich will Ihnen keine verkaufen. Aber viele Menschen haben Lebensversicherungen, um sich abzusichern für das Alter oder um den Angehörigen etwas zu hinterlassen. Aber wie seltsam ist das eigentlich? Wir versuchen unser Leben zu versichern, etwas, das wir nicht verlängern oder zurückholen können. Unser Leben ist nämlich endlich. Und dann? Und dann gibt es die Ewigkeit. Daran glauben wir als Christen und zugleich können wir sie uns kaum vorstellen. Unser Verstand ist nämlich auf Zeitlichkeit ausgerichtet. Anfang, Ende, Abläufe. Ewigkeit kennt keinen Anfang, kennt kein Ende, kein Mehr, kein Besser, keine Routine. Jesus spricht von dieser Ewigkeit und sie unterscheidet sich radikal von allem, was wir kennen. Es ist nicht bloß unendliche Zeit. Es ist Begegnung mit Gott, Erfüllung, die alles, was wir kennen, übersteigt. Der heilige Irenaeus von Lyon beschreibt es so: Die Menschen werden Gott schauen und dadurch leben, denn durch das Schauen werden sie unsterblich und tauchen ein in Gott. Ewigkeit ist keine Langeweile, sie ist kein mehr Desgleichen, sie ist Fülle, sie ist Ganzheit oder ein bisschen fromm gesagt, sie ist Liebe. Und wir können schon jetzt einen kleinen Schritt in diese Ewigkeit investieren. Tägliches Gebet, in der Heiligen Schrift lesen, Gottes Wirken im Alltag wahrnehmen. Glauben lebt durch Vergebung, Demut und gute Taten. Das Ewige Leben wird nicht verändert, aber der Glaube an das Ewige Leben verändert, wie wir hier und jetzt leben. Wie bei einer Lebensversicherung zahlen wir regelmäßig ein, wir investieren Zeit und Vertrauen in Gott, in die Liebe, in die Hoffnung, in den Glauben und wir wissen, Gott hält sein Versprechen. Gott selbst versichert uns durch seinen Sohn Jesus Christus, sein Tod und seine Auferstehung sind unsere Lebensversicherung, über den Tod hinaus in seine Ewigkeit. Wer an ihn glaubt, lebt mit der Perspektive, die über das Irdische hinausgeht. Wer auf ihn vertraut, lebt getragen von der Hoffnung: Du lebst und Gott ist bei dir, jetzt und in Ewigkeit.

  • August 1 · 74 hr 10 min

    Bleibt alles anders / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    "Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern." Fast 80 Jahre ist es her, dass Luchino Visconti den Roman "Il Gattopardo" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa verfilmte. Ein 168-minütiges Meisterwerk der Filmgeschichte! Buch und Film erzählen die Geschichte des Niedergangs des Adels in Sizilien. Don Fabrizio, der Fürst von Salina, sieht seine Welt zerfallen, während sich die Zeit wandelt. Im Zentrum des Romans steht aber auch Tancredi, sein Lieblings-Neffe, der über die Transformation nachdenkt und den berühmten Satz prägt: "Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern." Ein Gedanke, den man manchmal als Gattopardismo bezeichnet: Wandel inszenieren, um alles beim Alten zu belassen. Doch die Geschichte zeigt, dass dieser Ansatz trügerisch ist. Denn die Veränderungen, die kommen, halten sich nicht an Pläne und niemand entkommt dem Fluss der Geschichte. Die Erzählung macht eindrücklich sichtbar, wie schwierig es ist, das Alte zu bewahren und gleichzeitig Neues zu wagen. Don Fabrizio erkennt, dass seine Zeit vorbei ist: dass Macht, Besitz und Status zerfallen; alles scheint zu zerbrechen und doch eröffnet gerade der Wandel neue Perspektiven - auch für die Kirche, für Gesellschaft und für jeden einzelnen gilt: Ohne die Bereitschaft zu bewahren, was wertvoll ist, gibt es keinen echten Wandel und ohne Scheitern kein Lernen, keine Neuausrichtung. Der Roman und der Film zeigen: Fortschritt ist nie einfach, er erfordert Geduld, Blick für das Wesentliche, Mut zur Veränderung und manchmal das Loslassen von dem, was vertraut ist. Der Regisseur Visconti selbst sah sein Werk als Sinnbild dieser Spannung: Alte Regeln und Strukturen brechen, während sich Neues formiert, oft widersprüchlich, manchmal widerspenstig. So entsteht Erneuerung; nicht durch den abrupten Bruch, sondern durch die stetige Bewegung zwischen bewahren und wandeln. Giuseppe Tomasi di Lampedusa erlebte den Erfolg seines Romans nicht mehr. Er starb, bevor das Buch veröffentlicht wurde. Seine Geschichte ist ein stiller Hinweis: Wandel ist unausweichlich. Doch wer das Bewahren, das Lernen aus der Vergangenheit ernst nimmt, wird fähig, den Wandel zu gestalten. Und so bleibt das Motto von Tancredi ein Denkanstoß für uns heute: Alles kann sich ändern und doch hängt alles davon ab, was wir bewahren. Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern.

  • July 31 · 80 hr 33 min

    Ab in den Urlaub mit Ignatius / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Dank einer Kanonenkugel zum Ordensgründer. Ein Stoff für Hollywoodm, aber tatsächlich geschehen. Ignatius war das zwölfte Kind einer Adelsfamilie in Loyola. In seiner Jugend war er bis 1517 Bediensteter am Hof von Ferdinand V. von Kastilien Er war ein Lebemann, kam mit dem Gesetz in Konflikt, wurde Offizier im Dienst des Vizekönigs von Navarra und Pamplona, und sein Lebensplan war eine Karriere beim Militär. Dann zwang ihn eine steinerne Kanonenkugel, die ihn am 20. Mai 1521 bei der Verteidigung der Feste Pamplona gegen die Franzosen traf und sein Bein zertrümmerte, für lange Zeit aufs Krankenbett zuhause im Schloss von Loyola. Während seiner Genesung hat er gelesen - weil es im Schloss nichts anderes zu lesen gab - religiöse Schriften wie das „Leben Christi“ des Kartäusers Ludolf von Sachsen und die Heiligenlegenden der “Legenda Aurea“, was zu seinem Entschluss führte, sich einem geistlichen Leben zu verschreiben. In einem unglaublich energischen Kampf und Weg wird er Gründer des Jesuitenordens und betreibt sehr erfolgreich die katholische Reform in Europa. In den geistlichen Übungen entdeckt er einen Weg, den jeder Mensch gehen kann, der sich in den Dienst Gottes und der Menschen stellen will und schreibt diese Übungen in seinem Exerzitienbüchlein nieder. Ich habe ein paar Zitate gefunden, die uns Heutigen, fünfhundert Jahre später, immer noch sehr aktuelle Weisung sein können. Er sagt zum Beispiel: "Wer Seelenfrieden sucht, kann ihn nicht finden, solange er den Grund des Unfriedens in sich selbst hat." Ich glaube, das kennen viele von uns. Es gibt einen inneren Unfrieden und bis der nicht geklärt, nicht gelöst und nicht befriedet ist, kann es auch keine äußere Ruhe geben. Und vielleicht noch einen ganz konkreten Tipp für heute und jeden Tag der Woche. "Reserviere eine bestimmte Zeit für dich selbst und halte dich ruhigen Gemüts in Erfolg und Misserfolg, frei von Unruhe und Verwirrung, sowohl bei frohen als bei traurigen Anlässen." Mir scheinen das auch zwei gute Weisungen in meinen Urlaub in den nächsten drei Wochen zu sein. Es geht ja zum einen immer um Tapetenwechsel, um andere Leute, andere Städte, andere Gegenden kennen zu lernen, aber auch, um ein wenig innere Sortierung, Befreiung von Sorgen, Ängsten, Zwängen und anderen inneren Unruheherden. Ich bin gespannt und freue mich darauf und die Worte des Ignatius können mich und vielleicht auch Dich dabei gut begleiten. Sr. Katharina geht für drei Wochen in den Urlaub. Den täglichen Morgenimpuls gibt es aber dennoch, Pfarrer Stefan Wißkirchen und Vanessa Grbavac übernehmen für diese Zeit die Impulse am Morgen.

  • July 30 · 73 hr 3 min

    Dankbar auf ein langes Leben schauen / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Priester-, Ordens- und Ehejubiläen sind eine wunderbare Gelegenheit, sich mit vielen Menschen zu treffen, einen festlichen Gottesdienst zu feiern und bei einem Glas Sekt oder feinem Essen sich zu erinnern und Anekdoten und Geschichten aus langen Jahren zu erzählen.Ein sechzigjähriges Priesterjubiläum konnten wir am Wochenende hier in Olpe mitfeiern. Diamantenes Jubiläum nennt man das auch. Und wenn man nach Bedeutung eines Diamanten nachforscht, erhält man zur Antwort: der Diamant als Symbol steht für Härte, Stärke und Unzerbrechlichkeit und soll bedeuten, dass nach so vielen Jahren eine Beziehung ein Dienst so wertvoll und stark wie ein Diamant geworden ist.Hart, stark und unzerbrechlich wirkte der Jubilar gar nicht, aber ich war schon erstaunt über seine klare Stimme und die noch sichere Art den Gottesdienst zu feiern.In der Predigt habe ich dann Erklärungen gehört, die mir sehr viel besser zu diesem alten Priester und seinem jahrzehntelangen Beten, Arbeiten und Leben zu passen schienen.Da hieß es: „Du bist und warst da zum Heilen. Wenn heilen nicht mehr ging, zum Lindern, wenn lindern nicht mehr ging, zum Trösten und wenn auch trösten nicht mehr ging und geht, warst und bist Du immer da.“ Treu da sein war und ist das, was zählt. Da sein im Dienst und vielfältigen Aufgaben, da sein in schwierigen eigenen Lebenslagen, da sein, wenn Ansprüche und Aufgaben von außen zu groß scheinen, da sein, wenn es bleibt, bei und mit denen zu sein, die in Alter, Schwachheit und Krankheit aushalten und da sein, wenn einstige Weggefährten sterben. Von Detlef Jöcker gibt es ein Lied, dass genau diese Eigenschaften Gottes besingt:1. Du bist da, wo Menschen leben, du bist da, wo Leben ist.2. Du bist da, wo Menschen lieben, du bist da, wo Liebe ist. 3. Du bist da, wo Menschen hoffen, du bist da, wo Hoffnung ist.Und wenn man von einem Menschen nahezu dasselbe sagen kann, was man in diesem Lied von Gott singt, kann man wohl ins Staunen geraten und für ein gelungenes Leben danken.

  • July 29 · 78 hr 20 min

    Gott ist immer mittendrin / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Gleich nachher setzen wir uns mit einer Handvoll Schwestern ins Auto und fahren nach Paderborn zum Liborifest. Wer es nicht kennt, dem kann man es auch kaum beschreiben.Es ist seit vielen Jahrhunderten eines der großen und ältesten Volksfeste in Deutschland. „Mittendrin – Libori 26!“ Unter diesem Motto lädt das Erzbistum Paderborn ein. Gemeinsam mit der Stadt feiert man den gemeinsamen Patron, den heiligen Liborius. Vor über 1000 Jahren überreichte der Bischof von Le Mans in Frankreich dem jungen Bistum Paderborn die Reliquien des Bischofs Liborius – seitdem wird sein Gedenktag mit Hingabe begangen. Damals wollte man versuchen, mit dieser Verbindung zu dem Heiligen Liborius, den Glauben der Menschen des jungen Bistums zu stärken und ihnen die universelle Kirche deutlich zu machen. Das Libori-Fest vereint Kirche, Kirmes und Kultur zu einem einzigartigen Erlebnis. Die Gottesdienste und Gebetszeiten und die typischen Kirmesangebote sind einfach so herrlich verquickt, dass man merkt, dass es echt zusammengehört. Die Verbindung von Le Mans in Frankreich und Paderborn in Deutschland ist die weltweit älteste Städtepartnerschaft und sie hat unglaubliche Widerstände und Katastrophen in diesen 1000 Jahren erlebt und überstanden. Selbst die Erzfeindschaft der beiden Völker und die großen Kriege des 20. Jahrhunderts konnten dieser Partnerschaft nichts anhaben. Die einzelnen Tage des Festes sind einzelnen Gruppen zugeordnet und heute ist der Tag der Ordensleute und Missionare und der Missionare auf Zeit. Missionare und Missionare auf Zeit zeigen seit vielen Jahren, dass es ein wechselseitiges Geben und Nehmen ist, wenn Christen aus aller Welt zu uns kommen und junge Missionare auf Zeit hinaus in ferne Länder gehen, um miteinander zu arbeiten, zu leben, zu dienen und zu beten. Und Ordenschristen als die, die in der Kirche immer auch Vorreiter waren und sind: im Engagement für die Armen und Benachteiligten, für eine Liturgie, in der es um Christus geht, für eine Form des Zusammenlebens, die ihre Ämter und Dienste demokratisch und auf Zeit wählt, für unerschütterliches Stehen zur Kirche auch in nicht gerade begeisternden Zeiten und in der Treue zum Gebet und zur Anbetung Gottes die deutlich macht: Gott ist immer der Größere und immer mittendrin.

  • July 28 · 67 hr 30 min

    Wenn Lieder Orientierung geben / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    In den Laudes hier bei uns im Konvent singen wir meist die angegebenen Hymnen im Stundenbuch. Und es gibt einen Hymnus für das Morgenlob, den ich sehr gern mag und ihn auch immer mal zwischendurch auswähle. Nicht nur, weil er auch eine schöne Melodie hat und wir ihn gern singen, sondern auch, weil er mir mal ganz klar und deutlich Handlungsanweisungen gibt. Da singen wir:Öffne meine Augen, Herr, für die Wunder deiner Liebe. Mit dem Blinden rufe ich: Heiland, mache, dass ich sehe. Öffne, meine Ohren, Herr, für den Anruf meiner Brüder. Lass nicht zu, dass sich mein Herz ihrer großen Not verschließe. Öffne meine Hände, Herr, Bettler stehn vor meiner Türe und erwarten ihren Teil. Christus, mache, dass ich teile. Aber wenn ich noch ein bisschen müde in der Kapelle sitze und mit dem Gebet anfangen will, beginnt das genauso, wie jetzt der Hymnus: Da muss ich auch erst bitten, dass mir Gott die Lippen öffnet, damit ich überhaupt in der Lage bin, ihn zu loben.Im Hymnus bitte ich dann zunächst, dass er mir die Augen öffnet, damit ich fähig werde, die Wunder der Herrlichkeit zu sehen, die immer da sind und für die ich oft keinen Blick habe vor lauter Alltagskram. In Städten ist manchmal aufs Straßenpflaster gemalt: Blick heben! Und dann tut man das automatisch. Dann bitte ich um offene Ohren, damit ich mitbekomme, wenn jemand auch nur ganz leise flüsternd oder in verklausulierter Sprache um Hilfe bittet. Und dann kann ich um offene Hände bitten, damit ich großzügig geben kann, wenn andere Bittende vor unserer Tür stehen, oder eine Mail schicken, oder am Telefon ganz kompliziert einen einfachen Wunsch haben. Manchmal wundere ich mich darüber, wie genau und aktuell manche Lieder und Gebete sind und wiesehr sie uns in die richtige Richtung des Lebens als Christen hinweisen.

  • July 27 · 73 hr 3 min

    "Ich bin dann mal weg" / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    "Ich bin dann mal weg" – mit diesem Slogan, dem Titel eines Buches von Hape Kerkeling, ist etwas wieder in den Vordergrund des Bewusstseins gekommen, dass es immer gab, aber dann, zumindest im deutschsprachigen Raum, zum Boom geworden. Das Pilgern auf den Jakobswegen nach Santiago de Compostela, zum Grab des Apostels Jakobus, dessen Fest wir am Samstag gefeiert haben. Jakobus gehörte mit seinem jüngeren Bruder Johannes zu den ersten Jüngern Jesu. Jakobus und Johannes – die Söhne des Zebedäus – und Simon Petrus waren den Evangelien zufolge sowohl bei der Verklärung Jesu als auch bei seiner Gefangennahme im Garten Getsemani anwesend. Die Apostelgeschichte geht weniger auf das weitere Leben von Jakobus ein. Es wird aber berichtet, dass er während der Herrschaft von König Herodes Agrippa I. im Jahr 43 n. Chr. in Judäa hingerichtet wurde. Jakobus war damit der erste Märtyrer der Apostel. Aber die Pilgerwege zu seinem Grab haben über die Jahrhunderte eine unglaubliche Bedeutung gehabt. Es ging sogar so weit, dass verurteilte Verbrecher, wenn sie den Jakobsweg gegangen und wieder zuhause angekommen sind, alle Strafen erlassen bekommen haben und als freie Menschen ihrer Wege gehen konnten. Manche Pilger, die heute den Jakobsweg gehen, tun das aus sportlichen Gründen und weil die Herausforderung sie reizt. Viele andere gehen den Weg, weil sie ahnen, dass es etwas mit ihrem Glauben an Christus und den nächsten Stationen ihres Lebensweges zu tun haben könnte. Und manche machen Erfahrungen und treffen Entscheidungen, die ihr ganzes Leben prägen werden. Viele Geschichten ranken sich um die Pilger und ihre Wege. Von Königen und Fürsten, die diesen Weg inkognito gegangen sind, um ihre Untertanen kennenzulernen, von Verzweifelten, die unterwegs wieder Lebensmut gefunden haben, von verfeindeten Geschwistern, die unterwegs wieder zueinander gefunden haben. Eine besonders hübsche ist die, dass die Jakobspilger ja unterwegs oft anhalten und erstmal arbeiten mussten, um wieder Geld für die weiteren Weg zu haben. Und in Köln haben sie dann als Kellner in den vielen Brauhäusern der Stadt ihr Geld verdient. Jakobspilger hießen auf gut Kölsch "Köbes" also "kleines Jaköbchen" und so heißen die Kellner dort noch heute. Pilgern ist weiterhin absolut in und vielleicht hast Du ja einen Plan oder eine Idee und wenn es nur für ein kurzes Pilgern am nächsten Wochenende ist.

  • July 26 · 62 hr 30 min

    Zufrieden sein / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    In den Ferien mag ich besonders die Tage, an denen wir keinen Plan haben. Tage, an denen nichts im Kalender steht. Tage, an denen ich keine Armbanduhr trage. Für viele meiner Schüler sowieso eher ein unnötiges Schmuckstück. An solchen Tagen weiß ich morgens manchmal noch gar nicht, was ich später tun möchte. Und genau das liebe ich. Ausschlafen. Kaffee trinken. Irgendwann überlegen, ob man lesen möchte, spazieren geht oder einfach nur in der Hängematte liegen bleibt. Irgendwie stelle ich mir so manchmal das Paradies vor. Keine Termine. Kein Zeitdruck. Kein "Ich muss noch schnell…". Und gleichzeitig merke ich ziemlich schnell: So ganz würde ich vermutlich gar nicht ins Paradies passen. Zumindest nicht in meiner Vorstellung davon. Nach ein oder zwei Tagen ohne Aufgabe werde ich unruhig. Dann mache ich doch wieder irgendwas für die Schule. Nicht offiziell natürlich. Aber ich lese Fachliteratur oder notiere Ideen. Dann liege ich mit schwerer pädagogischer Kost, gerne auch theologischer, in der Hängematte und rede mir ein, das wäre Erholung. Und vielleicht ist genau das der Punkt: Ich glaube nämlich gar nicht mehr, dass das Paradies einfach nur ein Ort ist, an dem man nichts tut. Ich glaube, das Paradies ist eher ein Zustand. Ein Zustand, in dem der Mensch zufrieden ist. Nicht dauerhaft glücklich oder euphorisch. Ich glaube, das würde mich auf Dauer sogar anstrengen. Aber zufrieden. In dem Wort Zufriedenheit steckt für mich auch Frieden. Und Frieden bedeutet vielleicht gar nicht, dass alles perfekt ist. Sondern dass etwas in mir ruhig wird. Dass mein eigenes Ich befriedet ist. Dass Ansprüche und Erholung, Sehnsucht und Wirklichkeit irgendwie in Balance kommen. So wie ich in der Hängematte liege, mit einem Buch auf dem Bauch und plötzlich merke: Genau jetzt muss ich gerade nirgendwo anders sein. Hier bin ich richtig. Und ich glaube, genau in solchen kleinen Momenten kann man Gottes Gegenwart spüren. Nicht laut. Nicht spektakulär. Sondern leise. Wie Frieden eben manchmal ist. Eben leise, schnell zu überhören.

  • July 25 · 54 hr 43 min

    Für einen Moment im Einklang sein / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Man merkt sofort, wenn Ferien anfangen.Plötzlich gibt es viele To-Dos. Reisepass suchen.Koffer vom Speicher holen.Nochmal Wäsche waschen.Fenster putzen.Und wenn’s regnet, vielleicht endlich den Kleiderschrank ausmisten.Oder bei gutem Wetter doch endlich das Gartenhaus streichen. Ferien haben ja oft diesen heimlichen Auftrag:Jetzt muss endlich alles gut werden und in Ordnung gebracht werden. Ordentlich. Erholt. Leicht. Und genau das setzt mich manchmal unter Druck. Dann denke ich von Urlaub zu Urlaub.Von Ferien zu Ferien.Immer in der Hoffnung: Danach wird’s ruhiger in mir. Aber Frieden funktioniert bei mir selten auf Knopfdruck. Eher in kleinen Momenten.Wenn ich plötzlich nicht mehr gegen mich selbst arbeite.Wenn Gedanken, Erwartungen und Gefühle für einen Augenblick nicht in meinem Kopf durcheinanderlaufen. Vielleicht ist Frieden genau das:nicht alles im Griff haben — sondern für einen Moment im Einklang sein. Im Einklang sein mit dem, was mir geschenkt wird. Zeit. Im Einklang sein mit dem, was ich mir vorgenommen habe. Im Einklang sein mit dem, wofür ich überhaupt grade Kraft habe. Und ich glaube, solche Momente kann man nicht machen.Man bekommt sie geschenkt.

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