Was fangen wir mit der Wut an? / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac
Ich kann es einfach nicht lassen. Kennst du das? Du weißt genau, dass dir etwas nicht guttut – und machst es trotzdem. Ich lese mir fast immer die Kommentare zu den Morgenimpulsen durch. Und ja, da steht auch Unschönes. Von Ablehnung bis hin zu richtigen Beleidigungen. Und ja, das trifft mich. Und dann ärgere ich mich manchmal fast noch mehr darüber, dass es mich überhaupt trifft. Denn eigentlich möchte ich doch einfach Persönliches teilen. Über meinen Glauben sprechen. Über Zweifel. Über das, was mir selbst manchmal schwerfällt. Weil ich glaube, dass andere Menschen genau das auch kennen. Ich möchte Glauben nicht weit weg formulieren, sondern mitten in unserem Alltag suchen. Dort, wo wir gerade stehen. Fragend. Suchend. Nicht perfekt. Und trotzdem merke ich: Kritik macht etwas mit mir. Sie verletzt mich. Und manchmal mach sie mich auch wütend. Und lange dachte ich, das dürfte ich vielleicht gar nicht so fühlen. Gerade als Christin. Man sollte doch verständnisvoll sein, ruhig bleiben, sich nicht provozieren lassen. Aber ich glaube inzwischen: Wut ist erstmal nichts Schlechtes. Wut zeigt oft, dass etwas wichtig ist. Dass eine Grenze berührt wurde. Dass uns etwas nicht egal ist. Die Frage ist nur, was wir mit dieser Wut anfangen. Ob wir zurück verletzen. Oder ob wir versuchen, mit dieser Energie trotzdem etwas Gutes zu tun. Und dann versuche ich genauer hinzuschauen. Denn neben den verletzenden Kommentaren gibt es eben auch die anderen. Menschen, die Mut machen. Menschen, die ehrlich zuhören. Menschen, die schreiben, dass sie sich verstanden fühlen. Und dann gibt es vielleicht auch dich. Du kommentierst vielleicht gar nicht. Du liest oder hörst einfach nur zu. Vielleicht, weil du froh bist, dass jemand auch über Zweifel spricht. Über Alltag. Über Glauben, der manchmal suchend und tastend bleibt. Und vielleicht brauchen wir genau dafür manchmal Mut in all der Wut. Nicht, um perfekt zu glauben. Sondern um ehrlich zu bleiben. Trotz der Angst, missverstanden zu werden. Trotz der Sorge, nicht zu genügen. Und vielleicht ist Gott genau dort besonders nah. Nicht in unserer Unverletzlichkeit. Sondern mitten in allem, was uns bewegt.