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Morgenimpuls

DOMRADIO.DE

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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  • 43 episodes
  • daily
  • Avg 69 hr 18 min
  • German
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  • Today · 63 hr 3 min

    Gott nimmt mir den Weg nicht ab / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Im Sommer laufe ich gerne barfuß. Ich mag das Gefühl von warmem Asphalt oder frisch gemähtem Gras unter den Füßen. Im Urlaub passiert mir das ständig. Schuhe aus. Einfach loslaufen. Irgendwie fühlt sich das nach Freiheit an. Jetzt sind die Ferien vorbei. Für viele hat das neue Schuljahr begonnen. Für manche ist es einfach die nächste Klasse. Für andere beginnt etwas ganz Neues: eine neue Schule, neue Mitschüler, neue Lehrer. Oder überhaupt das erste Mal Schule. Und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, was dieses Schuljahr für mich bereithält. Wem ich begegnen werde. Welche Gespräche mich erwarten. Was gelingt und woran ich wachsen muss. Vielleicht fühlt sich jeder Neubeginn ein bisschen an wie barfuß laufen. Barfuß spürt man jeden Stein. Man merkt sofort, wenn der Weg uneben wird. Das macht verletzlich. Gleichzeitig nimmt man den Boden viel bewusster wahr. Man läuft anders. Aufmerksamer. Natürlich könnte ich auch dicke Sicherheitsschuhe anziehen. Die schützen. Aber sie machen die Schritte schwer. Und manchmal habe ich den Eindruck, wir ziehen uns im übertragenen Sinn genau solche Schuhe an. Wir wollen nichts falsch machen. Niemandem wehtun. Bloß nicht stolpern. Bloß nicht auffallen. Ich merke das bei mir selbst. Dabei beginnt ein neuer Weg selten damit, dass ich schon alles weiß. Er beginnt mit einem ersten Schritt. Und dann muss ich mich morgens tatsächlich entscheiden, welche Schuhe ich anziehe. Bequeme Sneaker? Etwas Festliches? Oder Wanderschuhe? Je nachdem, was der Tag von mir verlangt. Vielleicht ist das gar kein schlechtes Bild für den Glauben. Gott nimmt mir den Weg nicht ab. Aber er lädt mich ein, ihn zu gehen. Mal mutig. Mal vorsichtig. Mal leichtfüßig. Und manchmal eben auch barfuß. Ich wünsche mir, dass ich etwas von dieser Leichtigkeit des Sommers mit in den Alltag nehme. Nicht, weil das Leben immer leicht wäre. Sondern weil ich darauf vertraue, dass Gott jeden meiner Schritte kennt – auch die vorsichtigen. Auch barfuß.

  • Yesterday · 70 hr 50 min

    Mit Hass und Hetze kann man kein Land regieren / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Ich bin unruhig und nervös und ein bisschen ängstlich und verwundert und will trotzdem nicht hoffnungslos sein. Am Sonntag ist die Wahl in Sachsen-Anhalt und viele Menschen sind besorgt, dass eine undemokratische Partei scheinbar so viele Menschen überzeugt, dass sie eine gute Wahl wäre. Ich bin aus Thüringen und bekomme auch mit, wie schwierig es ist, zwischen dem lauten Gebrüll der wenigen und deren fremdenfeindlichen Gebaren all die vielen zu sehen und zu hören, die nicht so sind und die sich kümmern um eine freie und vielfältige Gesellschaft. Alles Für und Wider ist in den letzten Monaten hinlänglich besprochen und von allen Seiten angeschaut worden und ich war zwischendurch immer wieder entsetzt, wie, was, wer ganz ungestraft herumbrüllen kann und wie viele Menschen dann johlen und klatschen und gar nicht zu merken scheinen, welchen gefährlichen Leuten sie da auf den Leim gehen. Aber mit Hass und Hetze und populistischen Parolen kann man kein Land regieren. Und so mag ich bei aller Sorge in diesen Tagen vor dieser Wahl ein Gebet mit dir beten, das schon mehr als 110 Jahre alt und aktueller denn je ist: Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist; dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht; dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält; dass ich Licht entzündete, wo Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt. Herr, lass mich trachten nicht nur, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste; nicht nur, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehen; nicht nur, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe. Denn wer sich hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet; wer verzeiht, dem wird verziehen; und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

  • Thursday · 75 hr 16 min

    Knecht der Knechte / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Er oder sie waren ganz Große in ihrer Zeit, ganz früher oder auch heute.Es gibt einige Menschen, denen haben über die Jahrhunderte Menschen den Titel: der oder die Große verliehen und Gregor war einer von ihnen.Er war Diplomat, Politiker, Mönch und dann der erste Mönchspapst der Geschichte, galt als genialer Krisenmanager, hat Europa ein neues Gesicht gegeben, war ein umtriebiger Briefeschreiber, (allein 850 von ihnen sind erhalten) er hat die Versorgung der Armen nach einer Überschwemmungskatastrophe im pestgeplagten Rom krisenfest umorganisiert, und die Liturgie neu geprägt. Von den Menschen seiner Generation wird er bald Gregor der Große genannt. Sich selber aber bezeichnet er ganz anders: Knecht der Knechte Gottes. In einem Brief, den er 39 Missionaren, die er zu den Angelsachsen auf die Insel gesandt hat, schreibt er: „Weder die Beschwerlichkeiten der Reise, noch das Gerede der Leute soll euch also abschrecken, sondern vollendet mit aller Anstrengung und aller Begeisterung, was ihr auf Gottes Antrieb begonnen habt.“ Seit dieser Zeit bis in die nächsten drei Jahrhunderte werden viele tausend Missionare und Wanderprediger nach Europa kommen und Religion, Bildung, Schrift, Verwaltung, Kunst und Kultur des Kontinentes entscheidend prägen. Wenn ich in solchen Lebensbeschreibungen lese, bin ich immer sehr erstaunt, was ein einzelner Mensch mit zunächst ruhigem Studium, dann einem energischen Umschwung in seiner Lebensweise und mit der ihm durch Wahl verliehene Macht erreichen und über Jahrhunderte zum Positiven prägen kann. Mir scheint sein Wort vom „Knecht der Knechte Gottes“ ein Synonym für sein Verständnis von Leitung und Leben im Allgemeinen: ich verstehe meine Arbeit als Dienst, erledige meine Aufgaben in bester Weise, schaue mit Neugier und Eifer in die Heilige Schrift, damit sie mir Ideen für das Zusammenleben der Menschen gibt und verstehe alles, was ich tue als Dienst an den Menschen. Und da bekommt das auch für mich Hand und Fuß und ist geeignet für alle, die nach Orientierung suchen für den Alltag und das normale Leben heute.

  • Wednesday · 77 hr 13 min

    Nicht schweigen oder wegsehen / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Eine junge Frau macht eine Ausbildung zur Krankenschwester und ist im dritten Jahr. Sie hat eine mündliche Zwischenprüfung und ist tagelang unruhig und aufgeregt, lernt viel und gönnt sich kaum Ruhe. Und jede und jeder von uns kann sich aus eigenem Erleben vielleicht daran erinnern. Und bevor sie losfährt, bittet sie darum, gesegnet zu werden, damit sie mit Gottes Segen in die Prüfung gehen kann. Und dann kommt sie strahlend wieder und ich brauche gar nicht zu fragen. Sie hat bestanden, mit Note 1,1. Ich habe unglaublich viel Achtung und Ehrfurcht vor ihr und vielen jungen Leuten, die hier eine Ausbildung machen und vorher erst die Sprache lernen mussten und dann noch, wie in diesem Fall, die vielen oft lateinischen Fachbegriffe. Und meine Beispielfrau ist indische Ordensfrau einer anderen Gemeinschaft, die seit drei Jahren mit uns im Konvent lebt. Und wir leben zusammen und beten, und kochen und essen und feiern und spielen und putzen und waschen und machen alles zusammen, was das Leben ausmacht. Und wir lernen unendlich viel voneinander von der je anderen Kultur und Familientradition, von den anderen Kochkünsten und Traditionen und auch von der jeweils anderen geistlichen Prägung unserer Ordensgemeinschaften. Es ist ein Geben und Nehmen und ein Zusammenhalt, der gut tut. Und nein, sie ist nicht Nutznießerin des Gesundheitssystems, wie der Bundeskanzler kürzlich gegenüber einer Kinderärztin behauptet hat, sondern jemand, die sich, wie viele Hundertausende auch, für Kinder, Kranke und alte Menschen einsetzt und ihr Herzblut, ihre Kraft und Intelligenz einsetzt, um sie zu pflegen und zu unterstützen, in allem, was sie brauchen. Für die Gebetszeiten im Stundenbuch gibt es immer wieder Vorschläge, worum wir beten können. Und heute ist einer der Vorschläge: „Unser Tagewerk sei dir geweiht; - gib, dass wir nichts Böses tun und kein Unrecht gutheißen.“ Nichts Böses tun wollen, ist bei den meisten Menschen die normale Gewissensentscheidung und durch Erziehung und Bildung grundgelegt. Aber die Bitte, uns dabei zu helfen, dass wir kein Unrecht gutheißen, wird immer wichtiger. Das schweigende Hinwegsehen über vieles, was Unrecht ist, ist nicht christlich und bleibt eine Daueranfrage für jede und jeden Christen heute.

  • Tuesday · 81 hr 23 min

    Unbewaffnet, aber nicht hilflos / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Heute ist der erste September. Eigentlich ein normales Datum. Eigentlich. Aber ehrlicherweise verbinde ich und viele Menschen hierzulande dieses Datum eher mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939. Das Datum ist eingebrannt in unsere Geschichte und in unser einzelnes und kollektives Gedächtnis. Seit den 50er Jahren ist er Antikriegstag und in den 2000ern hatte man das Gefühl, eine breite Friedenspolitik in Europa wird den Frieden auf lange Zeit sichern. Leider wissen wir seit den russischen Überfällen auf die Krim und die Ukraine, dass der Krieg wieder da ist und die Bedrohung wieder näher rückt. Eine wirkliche Friedenspolitik scheint nicht mehr möglich, wenn ein Aggressor nur durch militärische Gegenmacht aufzuhalten ist. Das ist echt entmutigend. Die Botschaft des Papstes zum kommenden Weltfriedenstag lädt die Menschheit dazu ein, die Logik von Gewalt und Krieg abzulehnen und sich für einen echten Frieden einzusetzen, der auf Liebe und Gerechtigkeit basiert. Jeden Tag werden Menschen in Kriegen und Bürgerkriegen verletzt oder getötet. Jeden Tag sterben Menschen an Hunger und Not oder auf der Flucht, verursacht durch Kriege und bewaffnete Gewalt. Viele mühen sich, wenigstens eine Waffenruhe herbeizuführen, eine Basis zu finden, auf der eine friedlichere Zukunft vor Ort aufgebaut werden kann. Oft, viel zu oft, scheint dies völlig nutzlos zu sein. Unsicherheit macht sich breit, Angst. „Was ist zu tun? Ist auch der Friede bei uns bedroht?“, fragen sich viele Menschen. Mitten hinein in diese Situation ruft Papst Leo uns die Friedensbotschaft 2026 zu: „Friede sei mit euch“. So lautet der erste Teil der Botschaft. Zunächst denkt man dann: Diese Botschaft klingt so weit, so wenig spektakulär. Aber die Botschaft geht weiter: „... auf dem Weg zu einem unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“. Mit dem Geschenk des göttlichen Friedens, der auf Gerechtigkeit und Liebe aufbaut, ausgestattet, bin ich aufgefordert, mich auf den Weg zu machen – unbewaffnet, aber nicht hilflos und mit einem klaren Auftrag: für den entwaffnenden Frieden einzutreten und das meinige dafür zu tun, dass er Wirklichkeit werden kann: in Worten und Umgangsformen und in Taten, die friedlich und entgegenkommend sind, ohne Hass und Hetze.

  • Monday · 74 hr 26 min

    Nicht als Besserwisser und Alleskönner / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Herzlich willkommen zum Gebet am Montag. Ich habe im Urlaub ein dickes Buch zum größten Teil, und hier zu Hause dann zu Ende gelesen. Es geht in diesem historischen Roman um den Dreikönigsschrein im Kölner Dom und seinen Erschaffer, einen Goldschmied aus Frankreich. Diese Geschichte hat mich entführt in die Zeit des 12. Jahrhunderts und das Leben in Köln und in Mitteleuropa damals, um viele echte handelnde und natürlich viele erdachte Personen dazu. Und die Zeitläufe damals waren verwirrend und zum Teil verstörend, geprägt von Kriegen und Feldzügen, von Machtspielen zwischen Erzbischöfen, Kaisern, Königen und Päpsten, zwischen Getreuen und Willkürlichen, zwischen Leben und Überleben, zwischen äußerer Frömmigkeit und wirklichem Glauben, zwischen Mord und Totschlag, zwischen Krankheiten und Katastrophen und Festen und Feierlichkeiten. Unglaublich vielfältig und atemlos scheinend. Und dazwischen dieser Goldschmied, der seinen Auftrag, diesen Dreikönigsschrein zu erschaffen, immer treu bleibt und mit vielen Stellen aus der Bibel seine Wahl der Personen belegt und immer wieder verteidigt, die auf den verschiedenen Seiten des Schreins erstehen sollen. Und an seinem Auftrag entlang erlebt er seinen Glauben und sein Zweifeln, wenn seine Frauen und Kinder ihn und seinen Glauben immer wieder auf die Probe stellen und er manchmal nicht mehr weiß, was wirklich gut und richtig ist. Und immer zwischendurch ist es mir leichtgefallen, Vergleiche zu ziehen zu heute und unserem Leben hier. In vielem, was wir tun und woran wir engagiert arbeiten, gibt es immer wieder Anfragen und Gegenwind und Unterstützung und Hilfe und immer wieder frage ich mich selbst an, wo und wie da meine Position ist. So ist Leben eben. Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth: "Als ich zu euch kam, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten. Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch." In Schwäche und Furcht, schreibt er, also nicht als Besserwisser und Alleskönner will er sein Zeugnis für Gott verbreiten und Christus verkünden. Das kommt dem Hauptdarsteller in meinem Buch und auch meinem und Deinem Verständnis von Leben aus dem Glauben wahrscheinlich ziemlich nahe.

  • Sunday · 68 hr 3 min

    Aus dem Hören wächst Handeln / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    Aus dem Zusammenhang gerissen, das ist eine der häufigsten Floskeln in hitzigen Diskussionen. Ein Satz, ein Zitat, ein Bild wird rein isoliert betrachtet und verliert dann seine eigentliche Bedeutung. Ähnlich geht es oft mit biblischen Texten. Nehmen wir die Geschichte von Martha und Maria: Schnell liest man sie als Gegenüberstellung: aktiv sein oder zuhören, helfen oder einfach da sitzen. Und sofort scheint Maria die Bessere zu sein. Martha bekommt nur noch eine Belehrung ab. Doch, das greift etwas kurz. Die Erzählung gehört in einen größeren Zusammenhang. Lukas schreibt direkt davor: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben und deinen Nächsten wie dich selbst." Zwei Geschichten folgen darauf: der barmherzige Samariter, ein Bild für gelebte Nächstenliebe, und Maria, die Jesus zuhört, ein Bild für gelebte Gottesliebe. Erst im Zusammenspiel wird deutlich: Wahre Liebe zu Gott lebt beides. Wahre Liebe zu den Menschen lebt beides. Martha steht für uns alle, die wir engagiert, pflichtbewusst und hilfsbereit sind, aber innerlich zerrissen, überfordert, hin- und hergerissen von Sorgen. Ihre Liebe ist echt, aber sie verliert das Wesentliche aus den Augen. Jesus ruft sie nicht zur Untätigkeit auf, sondern zur Neuordnung: Sorge nicht zuerst um das Viele, sondern nimm dir Zeit für das Eine. Maria dagegen zeigt uns: Hören ist der Ursprung der Liebe. Sie setzt sich zu Jesus. Damals ein Platz für männliche Schüler. Und wählt den guten Teil nicht, weil sie besser ist, sondern weil ihre Haltung zeigt, wo alles beginnt: in der Beziehung zu Gott. Wer die Geschichte von Martha und Maria nur isoliert liest, übersieht leicht ihren Sinn. Es geht nicht um ein Gegeneinander von Maria und Martha. Es geht darum, die rechte Ordnung zu finden. Aus der Gottesliebe erwächst die Nächstenliebe. Aus dem Hören wächst das Handeln. Wenn wir das im Blick behalten, dann gerät unsere Liebe nicht in Vergessenheit, dann wird sie ganz, ganz wie das Bild, das Jesus uns vorlebt: Gottesliebe, die uns Nächstenliebe möglich macht, und Nächstenliebe, die uns an die Liebe zu Gott erinnert.

  • August 29 · 71 hr 56 min

    Für einen "Lebensstil der Gnade" / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    Heute denkt die Kirche an die Enthauptung Johannes des Täufers, etwas platt gesagt könnte man sagen, er ist Opfer einer öffentlichen Bloßstellung geworden, eines Shitstorms, vielleicht nicht mit Social Media, aber dennoch in der Öffentlichkeit bloßgestellt. Manchmal werden Menschen bloßgestellt, öffentlich und vermittelt heute eben in Shitstorms, vor allem in Social Media. Und ich erlebe es als Hochschullehrer auch manchmal an der Uni. Da stellt sich die Frage: Wie gehen wir mit den scheinbaren Fehlern anderer um? Im Evangelium sehen wir Jesus in genau so einem Moment. Die Pharisäer bringen eine Frau zu ihm. Sie soll bloßgestellt werden. Gesetz oder Gnade, Prinzip oder Mitgefühl, sie wollen ihn in eine Falle locken. Doch Jesus reagiert mal wieder anders. Er schreibt auf den Boden. Er schaut nicht direkt in die Gesichter der Ankläger, sondern er wendet sich dem Boden zu. Manchmal ist es klüger, nicht sofort auf Provokationen zu reagieren. Distanz kann helfen, klar zu bleiben. Wie bei einer beleidigenden Nachricht in einer WhatsApp-Gruppe: sofort antworten oder erst einmal durchatmen? Dann spricht er den berühmten Satz: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Dieser Satz enthüllt die Heuchelei, ruft zur Selbstreflexion auf, nicht zur schnellen Verurteilung. Wer ist schon perfekt? Fehler in Prüfungen, kleine Schwächen, Missverständnisse. Jeder kennt das. Und dann die befreiende Gnade: Die Ankläger gehen, aber Jesus bleibt. Er vergibt. Er gibt eine Chance. Nicht die Sünde zu ignorieren, sondern: Du bist nicht nur definiert durch deine Fehler. „Geh und sündige nicht mehr“, sagt er. Gnade und Verantwortung gehen bei ihm Hand in Hand. Was bedeutet das für uns heute? In Freundschaften, in der Familie, im Studium, auf der Arbeit: Urteilen wir zu schnell oder erlauben wir Neuanfänge für andere und vielleicht sogar für uns selbst? Es ist eine Anleitung zu unserem Lebensstil der Gnade: nicht wegsehen, nicht alles entschuldigen, aber Zeit nehmen, zu verstehen, zu helfen, Mut zu machen – mit Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

  • August 28 · 71 hr 23 min

    "Alle lieben" / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Herzlich willkommen zum Gebet am Freitag. Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht, wenn Du Lebensbeschreibungen von bedeutenden Menschen liest oder Podcasts darüber hörst. Ich bin oft völlig erschlagen von all dem Vielen, was Menschen in ihrem Leben geleistet, geschrieben, erkannt und gelehrt haben, und frage mich immer, wie das in ein einzelnes Leben passt. So geht mir das auch mit dem Heiligen Augustinus, an den wir heute denken. Überliefert sind von ihm fast 1000 seiner Predigten, 113 Bücher und 218 Briefe. Aber es gibt einen Ausschnitt aus einem Vortrag und eine Geschichte über ihn, die Dir und mir vielleicht helfen, einen guten Start in diesen Tag zu schaffen. Und was bei mir manchmal hängenbleibt von einer Predigt, einem Vortrag, einem Artikel oder einem Buch, sind oftmals eher diese kurzen, bedeutenden Geschichten oder Begebenheiten. Und die vielleicht bekannteste kleine Story über den großen Augustinus geht so: Eine der zahlreichen Legenden erzählt, wie Augustinus am Strand des Meeres spazieren geht und in tiefes Nachdenken versunken einen kleinen Jungen sah, der mit einer Muschel Wasser schöpfte und in eine Sandgrube goss. Auf die Frage, was er denn da tue, antwortete das Kind: "Dasselbe, was du tust! Du willst die Unergründlichkeit Gottes mit deinen Gedanken ausschöpfen – ich versuche, das Meer auszuschöpfen!" Da wurde ihm klar, dass das unmöglich ist. Und dann spricht Augustinus von sich und seinen alltäglichen Aufgaben im Sermon 340, 3: "Unruhestifter zurechtweisen, Kleinmütige trösten, sich der Schwachen annehmen, Gegner widerlegen, sich vor Nachstellungen hüten, Träge wachrütteln, Händesuchende zurückhalten, Eingebildeten den rechten Platz anweisen, Streitende besänftigen, Unwissende belehren, Armen helfen, Unterdrückte befreien, Gute ermutigen, Böse ertragen, und – ach – alle lieben!" Das ist Programm für mehr als einen Tag, eine Woche, ein Jahr, für jeden Christen.

  • August 27 · 76 hr 23 min

    Liebe, Gebet, Ausdauer und Geduld statt Zwang und Belehrung / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Hast Du eine Monika in Deinem Bekanntenkreis, oder heißt Du selbst so? Die Frau mit diesem Namen ist eine der außergewöhnlichen Frauen in der Kirchengeschichte. Es kommt nämlich nicht sehr häufig vor, dass im Heiligenkalender an Frauen gedacht, sie geehrt und gefeiert werden. Und wenn, dann sind es meistens Kaiserinnen und Königinnen, Ordensgründerinnen oder ähnliches. Heute aber wird an eine Frau gedacht, die bekannt geworden ist als Mutter des heiligen Augustinus. Und genau durch ihn und sein Buch der "Confessiones", der "Bekenntnisse", wissen wir ziemlich viel von ihr. Sie stammt aus einer christlichen Familie, heiratet und hat drei Kinder. Aber sie leidet sehr an ihrem Mann, der als jähzornig, unbeherrscht und regelmäßig Ehebruch begehend geschildert wird. Aber sie gibt ihn nicht auf und davon ist er so beeindruckt, dass er sich kurz vor seinem Tod bekehrt. Bei ihrem Sohn Augustinus war es so ähnlich. Ihm war in seinen wilden Jahren, als er sich vom katholischen Glauben abgewandt, eine Konkubine und mit ihr ein Kind hatte und nichts mehr von seiner Mutter wissen wollte, schon klar, dass sie ihn nicht verloren geben würde. Er wird später schreiben: "Sie weinte um mich mehr, als andere Mütter um ihre toten Kinder weinen." Er spürt, dass es ihr um seine unsterbliche Seele ging und sie mit Gott um ihn rang mit Glauben, Vertrauen und vielen Gebeten. Er sagt später, dass seine Mutter das geistige Rückgrat seiner Entwicklung war. Sie wusste, dass nicht Zwang und Belehrung, sondern Liebe, Gebet, Ausdauer und Geduld die wirksameren Mittel waren. Inständig und ausdauernd bestürmte Monika Gott in Gebeten, ihr Sohn möge zum Glauben finden. Und sie erlebt es noch. Ein halbes Jahr vor ihrem Tod wird Augustinus in der Osternacht 387 im Dom von Mailand von Bischof Ambrosius getauft, jener Ambrosius, der ihr einmal gesagt hatte: "Ein Kind so vieler Tränen kann nicht verloren gehen." Und so wurde es. Aus diesem Sohn, um dessen Leben und Glauben sie so beharrlich gerungen hatte, wurde einer der größten Theologen der Kirchengeschichte. Ich kenne viele Mütter, die über die Wege ihrer Kinder nicht begeistert sind und auch darunter leiden. Und den meisten geht es wie Monika: Sie werden diese Kinder nicht aus ihrem Herzen reißen, sondern bleiben ihnen immer nahe, oft viele schwierige Jahre lang in Geduld und Ausdauer. Und manche beten genau für diese Kinder mehr als für alles andere. Das beeindruckt mich immer wieder sehr.

  • August 26 · 65 hr 50 min

    Gesang ist doppeltes Gebet / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Singst Du eigentlich gern? Viele Leute werden bei dieser Frage eher nachdenklich und wissen es nicht so genau. Bei manchen ist noch eine Aussage des Musiklehrers im Kopf, der behauptet hat, dass Du nicht singen kannst und dann hast Du es gelassen. Andere sagen, ja unter der Dusche geht es ganz automatisch und man trällert vor sich hin. Da hört es ja keiner und es ist nur für mich allein. Außerdem gibt es nicht mehr so viele Gelegenheiten zu singen. Außer man geht sonntags zum Gottesdienst oder ins Stadion oder zum Konzert, wo Mitsingen der Inbegriff des Begeistertseins ist oder man singt tatsächlich in einem Chor oder oder. Am Sonntag waren 90 Sangesfreudige bei uns im Mutterhaus zum Sommersingen. Und es war ein sehr vergnüglicher Nachmittag mit Sommer-, Wander- oder heiteren Liedern zum Zusammenbleiben. Und dann habe ich in den Plauderpausen ein bisschen nachgefragt, warum denn Singen Spaß macht. Und da kamen sehr viele Antworten von denen, die meistens betont haben, dass das gemeinsame Singen durch Mark und Bein geht, Gänsehaut macht und einfach das Beste ist. Aber auch, dass man beim Singen auflebt und dass es mich frei macht, war eine Aussage. Singen macht Spaß, obwohl ich nicht gut singen kann, war eine erwartete Antwort und was mir sehr gefallen hat war: Es erfreut die Ohren. Wir Deutschen sind immer noch ein sangesfreudiges Völkchen und es gibt immer noch unendlich viele Chöre und Chorgemeinschaften. Einige Sprichwörter sagen auch etwas über das Singen. Mir gefällt davon am besten: "Gesang ist doppeltes Gebet". Und ich glaube nicht, dass damit nur fromme Kirchenlieder gemeint sind, sondern dass wir den Schöpfer damit loben, wenn wir unsere Stimme, die er uns ja gegeben hat, einfach zum Singen nutzen. Im Brief an die Kolosser heißt es so schön: "Ermutigt einander, indem ihr miteinander Psalmen und Lieder singt und damit Gott die Ehre gebt." Es ist also ganz einfach. Zusammen singen macht Spaß und bildet Gemeinschaft und entwickelt eine innere Kraft, die einfach umwerfend wohltut und Freude macht und Gott ehrt.

  • August 25 · 67 hr 30 min

    Begegnungen geben Anstoß zum eigenen Denken und Tun / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Begegnungen beleben oft sehr und geben Anstöße für eigenes Tun und Denken. In der Mittagspause auf einem Jubiläumsfest vergangene Woche hat mir beim Spaziergang eine Mitschwester Szenen aus ihrer Arbeit erzählt. Sie arbeitet in der Seelsorge für Menschen, die in Köln auf der Straße leben und von deren Problemen in den letzten unglaublichen heißen Wochen in der Stadt. Eines Tages ist sie mit einem Bollerwagen voller Wasserflaschen unterwegs gewesen, um an den ihr bekannten Treffpunkten Wasser anzubieten und zu verteilen. Und dabei hat eine Touristin aus New York sie beobachtet und angesprochen. Und als sie verstanden hatte, worum es hier geht, ist sie mitgegangen, hat geholfen und hat, als der Wagen leer war, im nächsten Geschäft einige Kisten mit Wasser gekauft und mit ihrem Geld bezahlt, damit weiterhin Wasser verteilt werden konnte. Ganz oft ist es genau so. Menschen erleben, dass es Probleme und Schwierigkeiten gibt und beginnen damit, an Lösungen zu arbeiten und etwas zu tun. Und meist ist sehr schnell ein kleinerer oder größerer Kreis von Menschen angesteckt von der guten Idee und macht mit. Vor fast 500 Jahren hat sich ein junger Priester und Jurist aus Spanien auf den Weg nach Rom gemacht. Und dort ist er völlig entsetzt von der Not und Verwahrlosung der Straßenkinder dort. In Trastevere beginnt er sofort mit einer Schule, die für alle Kinder dort kostenlos war. Und auch hier waren viele junge Leute so angetan von der Aufgabe und dem Engagement dieses Josef von Calasanza, dass sie mitmachen wollten und an diesem Werk für Kinder arbeiten. Also wurde eine Ordensgemeinschaft gegründet und über die nächsten Jahrhunderte gab es immer mehr Schulen für arme Kinder und die Lebensverhältnisse haben sich durch die dann gut ausgebildeten Jugendlichen stark verbessert. Begegnungen geben Anstoß zum eigenen Denken und Tun. Jesus sagt: Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Manchmal ist es dann Wasser austeilen an Bedürftige, manchmal ist es eine Schule gründen für mittellose Kinder, manchmal ist es etwas ganz anderes, was Dir heute begegnet und was Dich anregt, aus diesem Wort heraus etwas zu tun.

  • August 24 · 76 hr 23 min

    Das eine tun und das andere nicht lassen / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Herzlich willkommen zum Gebet am Montag. Nach drei Wochen Urlaub bin ich nun wieder da, um mit Dir über Gott und die Welt, über das Leben und vieles, was unser Leben ausmacht, zu plaudern, Erfahrungen zu teilen und Ideen weiterzugeben, wie es gehen kann, den Glauben an Gott heute zu leben. In diesen letzten drei Wochen gab es vieles innerhalb und außerhalb meiner Urlaubsgegend. Thüringen ist einfach schön und ich habe mehrere kleine und größere Städte besucht. Einige, wo ich noch nie war, wie Schmalkalden, wo mir ganze Lichter aufgegangen sind über die Zeitläufe vor, während und nach der Reformation. Ich habe selten ein so schönes Städtchen und eine so kluge Ausstellung gesehen. Oder auch einige größere Städte, wo ich einzelne Sachen anschauen wollte, die sonst eher abseits des Weges der normalen Touris liegen. Und natürlich gab es Begegnungen und Erlebnisse, die eine solche Zeit so besonders machen. Mitten auf der Krämerbrücke in Erfurt geht eine Familie an mir vorbei und der jüngere Mann kommt zurück und fragt mich, ob ich eine Klarissin oder so etwas sei. Solch eine Schwester hat er schon mal in einem Film gesehen. Also sind wir mitten auf der belebten und bewohnten Brücke stehen geblieben und haben uns über Orden und Kirche und meine Aufgaben unterhalten und zum Ende hat er mir alles Gute gewünscht und ich ihm und seiner Familie auch. Schön war das, und wunderbar neugierig und herrlich vorurteilsfrei. Und ich habe in den Nachrichten natürlich auch ein wenig von den Zeitläufen außerhalb meiner Urlaubswelt mitbekommen. Es gab Brände wie schon jedes Jahr, und auch sehr große hier in Deutschland und in den Nachbarländern und anschließend Wasserfluten ungeahnten Ausmaßes. Die Waldbrände haben Flächen vernichtet, von denen wir nicht so eine richtige Vorstellung haben. Der Sommer war und ist immer noch heiß und weltweit zu trocken und wir ahnen, dass etwas geschehen muss, wenn unser schöner blauer Planet nicht verbrennen und vertrocknen soll. Als Kind und Jugendliche habe ich noch die Flurprozessionen erlebt, die singend und betend über die Felder gezogen sind und Gott um Bewahrung vor schädlichem Wetter und um eine gute Ernte gebeten haben. Das ist auch bis heute nicht falsch, aber es reicht nicht, wenn wir gleichzeitig zu viel Wasser verschwenden, Schadstoffe in die Luft jagen und schon im Juni den Anteil der Rohstoffe verbrauchen, den Mutter Erde in einem ganzen Jahr für uns ersetzen kann. Das eine tun, und das andere nicht lassen, ist zu allen Zeiten ein gutes Motto für uns Menschen und Christen. Tun, was in unseren Kräften und Möglichkeiten steht und Gott um seine Hilfe und seinen Segen bitten. Er wird es tun.

  • August 23 · 63 hr 36 min

    Teil von etwas Größerem / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Sommerzeit ist Festivalzeit. Dieses Jahr war ich zum ersten Mal bei Rock am Ring. Was für eine Atmosphäre. Musik, die man nicht nur hört, sondern spürt. Die Bässe. Die Beats. Und diese vielen Menschen. Alle schwarz gekleidet, alle irgendwie entspannt. Ich kenne kaum eine Menschengruppe, die so friedlich und freundlich ist wie Rocker und Metaller. Ich gehe generell gern auf Konzerte, obwohl ich einen entscheidenden Nachteil habe: Ich bin ziemlich klein. In Menschenmengen habe ich selten den Überblick. Bei Rock am Ring waren rund 90.000 Menschen. Eine Zahl, die ich kaum greifen kann. Und das Verrückte ist: Man merkt sie gar nicht. Natürlich weiß ich, dass da Zehntausende sind. Aber ich sehe nur die Menschen direkt um mich herum. Ich höre die Stimmen in meiner Nähe. Ich nehme die paar Reihen vor und hinter mir wahr. Mehr nicht. Und trotzdem singen da Tausende denselben Song. Als ich später darüber nachgedacht habe, musste ich an die Kirche denken: Katholisch bedeutet ja "weltumfassend". Und genau das mag ich eigentlich am Katholischsein. Wenn ich im Urlaub irgendwo einen Gottesdienst besuche, dann finde ich mich meistens sofort zurecht. Die Abläufe, die Gebete, die Gesten – vieles ist vertraut. Egal, ob in Deutschland oder anderswo. Manchmal wirkt Kirche auf mich ziemlich klein. Dann sehe ich die Menschen in meiner Gemeinde, die vertrauten Gesichter in den Kirchenbänken, und denke: ganz schön wenige, ganz schön traurig. Aber eigentlich weiß ich, dass das nicht stimmt. So wie ich bei Rock am Ring nicht wirklich erfassen konnte, dass da 90.000 Menschen gemeinsam feiern, kann ich auch nicht erfassen, wie viele Menschen weltweit glauben, hoffen, zweifeln, beten und nach Gott suchen. Ich sehe nur meinen kleinen Ausschnitt. Vielleicht geht es vielen so. Wir nehmen vor allem das wahr, was direkt vor uns ist. Die Menschen in unserem Umfeld. Die, die wir kennen. Und vergessen dabei manchmal, dass wir Teil von etwas viel Größerem sind. Bei Rock am Ring habe ich das für einen Moment gespürt: Ich war eine von 90.000. Und trotzdem nicht verloren.

  • August 22 · 63 hr 3 min

    Im Kleinen zum Segen werden / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Ich versuche regelmäßig Blut spenden zu gehen. Das ist mir irgendwie wichtig. Und ehrlich gesagt fühle ich mich danach immer ziemlich gut. Klar, ich habe ja auch etwas Gutes getan. Bei einer meiner ersten Blutspenden bekam ich eine kleine Blechdose mit Minzbonbons geschenkt. Die Bonbons fand ich toll. Und die Dose auch. Die passte perfekt vorne ins kleine Ablagefach im Auto unter dem Radio. Da lag sie dann erstmal ziemlich lange herum. Irgendwann fiel mir auf, dass auf der Dose ein Bild eingeprägt war. Erst wirkte das einfach nur rot-orange auf mich. Das fand ich logisch. Blutspende, DRK – da passten die Farben für mich erstmal einfach zum Design. Aber als ich genauer hinschaute, erkannte ich die Szene sofort. Religionslehrerin eben. Es war der barmherzige Samariter. Ein fremder Mann hilft einem Verletzten, an dem andere längst vorbeigegangen waren. Er versorgt seine Wunden, bringt ihn in ein Gasthaus und bezahlt dafür, dass man sich weiter um ihn kümmert. Dann zieht er weiter. Und irgendwie fand ich den Vergleich zwischen mir und dem Samariter erstmal fast ein bisschen drüber. Ich habe doch nur Blut dagelassen. Mehr nicht. Ich habe noch nicht mal eine besonders seltene Blutgruppe. Ich habe einfach kurz die Augen zugemacht, als die Nadel kam, und danach eine Cola getrunken. Ich habe doch eigentlich gar nichts Besonderes getan. Und trotzdem blieb mir diese Dose lange im Kopf. Vielleicht, weil sie mich an etwas erinnert hat, das ich selbst oft vergesse. Wie oft denken wir eigentlich, wir hätten gar nichts verändert? Dabei wissen wir manchmal überhaupt nicht, was unser kleines Handeln bei anderen bewirken kann. Dabei reicht manchmal schon erstaunlich wenig: Ein bisschen Zeit. Ein offenes Ohr. Eine kleine Geste. Ein paar Worte. Für mich fühlt sich das oft klein an. Fast unbedeutend. Und vielleicht war es für jemand anderen genau das, was gefehlt hat. Der barmherzige Samariter macht ja eigentlich auch nichts Spektakuläres. Er zaubert nicht. Er nimmt dem Verletzten nicht plötzlich allen Schmerz. Er hilft einfach. So gut er eben kann. Und dann geht er weiter. Vielleicht liegt genau darin etwas Segen. Dass Hilfe nicht immer groß sein muss, um etwas zu verändern. Und dass wir oft gar nicht merken, wo wir anderen längst zum Segen geworden sind.

  • August 21 · 55 hr 16 min

    Ein Gott, der berührt / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    In den Sommerferien mache ich oft Dinge, zu denen ich sonst nie komme. Zum Beispiel Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt. Ich bin da wirklich schlecht drin. Ich vergesse es. Ich ignoriere es. Und manchmal will ich vielleicht auch einfach gar nicht wissen, ob da irgendwas in mir schlummert. Und ehrlich gesagt sitze ich auch einfach unfassbar ungern in Wartezimmern. Vielleicht kennst du das ja? Es ist gar nicht die Langeweile. Die kriegt man heute mit dem Smartphone sowieso besser rum als früher mit den abgegriffenen Zeitschriften auf dem Tisch. Es ist eher dieses Gefühl von: Hoffentlich steckt man sich hier nicht mit irgendwas an. Genau aus dem Grund fällt es mir manchmal auch schwer, in Krankenhäuser zu gehen. Für mich sind das oft Orte potenzieller Ansteckung. Wie widersprüchlich eigentlich. Ich gehe ungern zur Vorsorge und habe gleichzeitig Angst, mich anzustecken. Und vielleicht steckt darin etwas Größeres. Denn Krankheit macht oft einsam. Krankheit grenzt aus. Das merke ich auch in der Schule. Wenn Lernende länger krank waren und zurückkommen, dann sind sie oft erstmal "die, die lange weg waren". Man ist rausgefallen. Man muss wieder Anschluss finden. Und ich merke diese Berührungsängste auch bei mir selbst. Wenn ich im Wartezimmer unruhig auf meinem Stuhl hin und her rutsche. Oder wenn ich manchmal gar nicht möchte, dass andere merken, dass es mir vielleicht selbst nicht gut geht. Krankheit schafft Distanz. Zwischen Menschen. Zwischen dem, was man zeigen will, und dem, was wirklich ist. Und genau deshalb berührt mich Jesus an dieser Stelle so sehr. Denn Jesus hatte diese Berührungsängste nicht. Er hat Menschen berührt, die längst ausgeschlossen waren. Menschen, denen andere lieber aus dem Weg gegangen sind. Kranke Menschen. Einsame Menschen. Menschen, die niemand mehr anfassen wollte. Und genau dort beginnt plötzlich wieder Beziehung. Ich glaube, das ist eines der größten Wunder: Dass Gott keine Angst vor Nähe hat. Keine Angst vor dem, was verletzt, krank oder zerbrochen ist. Gott hält Abstand nicht aus, sondern überwindet ihn.

  • August 20 · 66 hr 40 min

    Du hast uns im Blick / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Wenn man jetzt in den Ferien an der Autobahnauffahrt Brühl-Süd vorbeifährt, dann sieht man dort morgens oft lange Schlangen. Alle wollen in den Freizeitpark. Ein Ort voller Achterbahnen, Themenwelten und Abenteuer. Wir fahren da auch manchmal mit Schulklassen hin. Ich selbst bin allerdings eher nicht so der Achterbahn-Fan. Mir reicht schon eine kurvige Autofahrt durch die Eifel und mir wird schlecht. Deshalb bin ich oft diejenige, die wartet, während die anderen fahren. Und ehrlich gesagt mag ich das sogar ein bisschen. Nicht das Warten an sich. Aber das Beobachten. Das Staunen. Diese Freizeitparks sind ja mit unglaublich vielen Details gestaltet. Überall Musik, Kulissen und kleine Welten, in die man eintaucht. Beim letzten Besuch in besagtem Freizeitpark stellten sich mein Mann und meine Schwester direkt morgens an einer Achterbahn an. Ich nahm Handys, Taschen und alles, was sonst der Schwerkraft zum Opfer gefallen wäre, holte mir einen Kaffee und setzte mich auf eine Bank. Und dann begann ich einfach die Menschen zu beobachten. Dafür gibt’s in meiner Familie sogar einen extra Begriff. „Äppen“. Ein junger Mann ist mir dabei besonders aufgefallen. Ich musste direkt grinsen. Er betrat diese Themenwelt mit so einer Begeisterung, als wäre er gerade in einem Film angekommen. Der Mund stand offen, die Augen weit aufgerissen. Und bei dieser epischen Musik stemmte er die Hände heroisch in die Hüften. Dabei sah er eigentlich gar nicht so aus wie jemand aus einem Abenteuerfilm. Mit Regenjacke um die Hüfte gebunden und einem Rucksack auf dem Rücken wirkte er eher wie irgendein ganz normaler Besucher. Aber genau das fand ich so schön. Er sah gar nicht so aus, wie er sich scheinbar fühlte. Und die meisten Menschen um ihn herum haben das wahrscheinlich gar nicht bemerkt. Aber ich hatte ihn irgendwie im Blick. Und seine Freude hat mich plötzlich selbst angesteckt. Und vielleicht ist Gott genauso. Vielleicht sieht Gott uns viel genauer, als wir selbst denken. Nicht nur das Außen. Nicht nur das, was andere wahrnehmen. Sondern auch das, was in uns lebendig ist. Unsere Freude. Unser Staunen. Unsere Begeisterung. Vielleicht schaut Gott uns manchmal genau in solchen Momenten an und freut sich einfach mit. Nicht von weit weg. Nicht über uns. Sondern mitten in unserem Leben.

  • August 19 · 49 hr 43 min

    Ein warmes Licht / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Kennst du das? Du gehst durch die Stadt. Oder suchend durch den Supermarkt. Und plötzlich fühlt sich alles an deinem Gehen falsch an. Weil da jemand ist, den du kennst. Oder jemand, bei dem du nicht weißt, ob man sich jetzt grüßen müsste. Und auf einmal denkt man über Dinge nach, über die man sonst nie nachdenkt. Wie man geht.Wohin man schaut.Was die Hände machen.Ob man gerade zu schnell läuft.Oder krampfhaft locker wirken will. Plötzlich fühlt sich sogar normales Gehen wie Schauspielern an. Als würden alle hinschauen. In der Psychologie gibt es dafür einen Begriff: Spotlight-Effekt. Weil wir oft glauben, viel stärker im Mittelpunkt zu stehen, als wir es tatsächlich tun. Und ehrlich gesagt: Ich finde dieses Rampenlicht meistens gar nicht schön. Es macht mich eher unsicher. Als würde ich beobachtet statt einfach gesehen. Vielleicht fällt es manchen Menschen deshalb auch schwer, an Gott zu glauben. Weil die Vorstellung unangenehm ist, ständig im Blick zu sein. Ich selbst glaube aber nicht an einen Gott, der mich bloßstellt. Nicht an ein kaltes Scheinwerferlicht, das alles sichtbar macht und mich dabei klein werden lässt. Eher an ein warmes Licht. Eins, das nicht entblößt, sondern Orientierung gibt. Das mich nicht vorführt, sondern freundlich ansieht. Und manchmal reicht mir dieser Gedanke schon, wenn ich mich wieder zu sehr im Blick der anderen verliere. Dass da einer ist, der mich sieht, ohne dass ich mich verstellen muss. Ein Licht, das ich Gnade nenne.

  • August 18 · 60 hr 50 min

    Wirklichkeit durch Versprechen / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Heute ist unser Hochzeitstag. Aber nur der "kleine" Hochzeitstag. Ich habe vor einigen Jahren ganz bewusst in den Sommerferien standesamtlich geheiratet. Ich dachte damals: Dann ist das mit dem Namenswechsel für alle einfacher. Und ehrlich gesagt, hatte ich davor schon ein bisschen Angst. Nicht vor der Ehe. Aber davor, plötzlich anders zu heißen. Nicht mehr wie meine Schwester. Nicht mehr wie meine Mutter. Und dann auch noch mit einem Nachnamen, den ständig jemand falsch ausspricht. Ein Name ist eben Identität. Und ich glaube, ich hatte wirklich Sorge, mich plötzlich irgendwie anders zu fühlen. Diese große Identitätskrise blieb allerdings aus. Die standesamtliche Trauung selbst war wunderschön. Es wurde viel gelacht. Freunde standen plötzlich mit Blumen vor der Tür und überraschten uns. Abends wollten wir noch gemeinsam feiern. Und trotzdem saßen mein Mann und ich danach irgendwann alleine im Auto und sagten beide fast gleichzeitig: "Wow … war das jetzt alles?" Nicht enttäuscht. Aber irgendwie überrascht davon, wie normal sich alles anfühlte. Ich war immer noch ich. Und er war immer noch er. Und dann hatte ich plötzlich zwei Wochen Zeit, mich komplett hineinzusteigern, dass die kirchliche Hochzeit jetzt bestimmt DAS große, alles verändernde Ereignis werden müsste. Und ja … irgendwie wurde sie das auch. Bis heute feiern wir beide Hochzeitstage. Einen im August und einen im September. Aber das eigentliche Versprechen, das uns verbindet, das gab es nur einmal. Und vielleicht ist genau das das Besondere an Versprechen. Sie verändern nicht plötzlich den ganzen Menschen. Aber sie schaffen etwas Neues zwischen Menschen. Eine Verbindung. Eine Wirklichkeit, die vorher noch nicht da war. Vielleicht spürt man das gerade deshalb bei einer kirchlichen Trauung so stark. Weil dort nicht nur zwei Menschen nebeneinander stehen und etwas unterschreiben. Sondern weil aus Worten plötzlich etwas Wirkliches wird. Ein "Ich bleibe." Ein "Ich gehe mit." Ein "Ich liebe dich." Und ich glaube, genau dort ist Gott. In diesem Sakrament. In der Wirklichkeit, die die Eheleute sich gegenseitig schenken.

  • August 17 · 64 hr 43 min

    Schmetterling / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Immer wenn ich im Sommer viele Schmetterlinge sehe, dann muss ich an Erdbeben denken. Komisch eigentlich. Denn ich finde Schmetterlinge wunderschön. Und sogar mein Vorname ist von einer Schmetterlingsart abgeleitet. Warum also ausgerechnet Erdbeben? Irgendwann habe ich mal aufgeschnappt, dass viele Schmetterlinge Vorboten für Erdbeben sein sollen. Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber kennst du das? Manche Gedanken verbinden sich mit etwas – und dann wird man sie kaum noch los. Schmetterlinge und Erdbeben. Und wenn ich weiterdenke, dann steckt da vielleicht mehr drin als ich zuerst gedacht habe. Denn so ein Schmetterlingsleben ist ja eigentlich auch eine Erschütterung. Am Anfang ist da diese kleine Raupe. Ganz nah an der Erde. Langsam unterwegs. Versteckt zwischen Blättern, damit sie niemand entdeckt. Und sie frisst und frisst, wird größer, schwerer … vermutlich ist das alles ziemlich mühsam. Und dann passiert etwas, das ich fast beneidenswert finde. Diese Raupe verwandelt sich. In einen Schmetterling. Aber auch das ist ja keine sanfte Veränderung. Das ist ein Umbruch. Eine Verwandlung, die alles durcheinanderbringt. Im Kokon geschieht etwas, das wir kaum verstehen können. Und ich frage mich: Weiß der Schmetterling eigentlich noch, dass er einmal eine Raupe war? Ich glaube, ich muss gar nicht neidisch sein. Denn diese Verwandlung ist bestimmt nicht nur schön. Sondern auch anstrengend. Vielleicht sogar schmerzhaft. Und auf jeden Fall: erschütternd. Und genau deshalb ist der Schmetterling ja auch so ein starkes Bild. Gerade im Glauben. Für Auferstehung. Für Veränderung. Für dieses: Es wird nicht einfach nur anders – es wird neu. Eine Veränderung, die leicht machen kann. Die uns fliegen lässt. Die etwas bewegt. Manchmal sogar mehr, als wir denken. Es gibt diesen Gedanken, dass ein Flügelschlag eines Schmetterlingsirgendwo auf der Welt etwas Großes auslösen kann. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Aber ich mag die Vorstellung. Dass etwas Kleines eine Wirkung haben kann, die größer ist als es selbst. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Verbindung. Nicht Erdbeben und Angst. Sondern Erschütterung, die etwas in Bewegung bringt.

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