Gott nimmt mir den Weg nicht ab / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac
Im Sommer laufe ich gerne barfuß. Ich mag das Gefühl von warmem Asphalt oder frisch gemähtem Gras unter den Füßen. Im Urlaub passiert mir das ständig. Schuhe aus. Einfach loslaufen. Irgendwie fühlt sich das nach Freiheit an. Jetzt sind die Ferien vorbei. Für viele hat das neue Schuljahr begonnen. Für manche ist es einfach die nächste Klasse. Für andere beginnt etwas ganz Neues: eine neue Schule, neue Mitschüler, neue Lehrer. Oder überhaupt das erste Mal Schule. Und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, was dieses Schuljahr für mich bereithält. Wem ich begegnen werde. Welche Gespräche mich erwarten. Was gelingt und woran ich wachsen muss. Vielleicht fühlt sich jeder Neubeginn ein bisschen an wie barfuß laufen. Barfuß spürt man jeden Stein. Man merkt sofort, wenn der Weg uneben wird. Das macht verletzlich. Gleichzeitig nimmt man den Boden viel bewusster wahr. Man läuft anders. Aufmerksamer. Natürlich könnte ich auch dicke Sicherheitsschuhe anziehen. Die schützen. Aber sie machen die Schritte schwer. Und manchmal habe ich den Eindruck, wir ziehen uns im übertragenen Sinn genau solche Schuhe an. Wir wollen nichts falsch machen. Niemandem wehtun. Bloß nicht stolpern. Bloß nicht auffallen. Ich merke das bei mir selbst. Dabei beginnt ein neuer Weg selten damit, dass ich schon alles weiß. Er beginnt mit einem ersten Schritt. Und dann muss ich mich morgens tatsächlich entscheiden, welche Schuhe ich anziehe. Bequeme Sneaker? Etwas Festliches? Oder Wanderschuhe? Je nachdem, was der Tag von mir verlangt. Vielleicht ist das gar kein schlechtes Bild für den Glauben. Gott nimmt mir den Weg nicht ab. Aber er lädt mich ein, ihn zu gehen. Mal mutig. Mal vorsichtig. Mal leichtfüßig. Und manchmal eben auch barfuß. Ich wünsche mir, dass ich etwas von dieser Leichtigkeit des Sommers mit in den Alltag nehme. Nicht, weil das Leben immer leicht wäre. Sondern weil ich darauf vertraue, dass Gott jeden meiner Schritte kennt – auch die vorsichtigen. Auch barfuß.