Nicht als Besserwisser und Alleskönner / Morgenimpuls mit Schwester Katharina
Herzlich willkommen zum Gebet am Montag. Ich habe im Urlaub ein dickes Buch zum größten Teil, und hier zu Hause dann zu Ende gelesen. Es geht in diesem historischen Roman um den Dreikönigsschrein im Kölner Dom und seinen Erschaffer, einen Goldschmied aus Frankreich. Diese Geschichte hat mich entführt in die Zeit des 12. Jahrhunderts und das Leben in Köln und in Mitteleuropa damals, um viele echte handelnde und natürlich viele erdachte Personen dazu. Und die Zeitläufe damals waren verwirrend und zum Teil verstörend, geprägt von Kriegen und Feldzügen, von Machtspielen zwischen Erzbischöfen, Kaisern, Königen und Päpsten, zwischen Getreuen und Willkürlichen, zwischen Leben und Überleben, zwischen äußerer Frömmigkeit und wirklichem Glauben, zwischen Mord und Totschlag, zwischen Krankheiten und Katastrophen und Festen und Feierlichkeiten. Unglaublich vielfältig und atemlos scheinend. Und dazwischen dieser Goldschmied, der seinen Auftrag, diesen Dreikönigsschrein zu erschaffen, immer treu bleibt und mit vielen Stellen aus der Bibel seine Wahl der Personen belegt und immer wieder verteidigt, die auf den verschiedenen Seiten des Schreins erstehen sollen. Und an seinem Auftrag entlang erlebt er seinen Glauben und sein Zweifeln, wenn seine Frauen und Kinder ihn und seinen Glauben immer wieder auf die Probe stellen und er manchmal nicht mehr weiß, was wirklich gut und richtig ist. Und immer zwischendurch ist es mir leichtgefallen, Vergleiche zu ziehen zu heute und unserem Leben hier. In vielem, was wir tun und woran wir engagiert arbeiten, gibt es immer wieder Anfragen und Gegenwind und Unterstützung und Hilfe und immer wieder frage ich mich selbst an, wo und wie da meine Position ist. So ist Leben eben. Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth: "Als ich zu euch kam, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten. Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch." In Schwäche und Furcht, schreibt er, also nicht als Besserwisser und Alleskönner will er sein Zeugnis für Gott verbreiten und Christus verkünden. Das kommt dem Hauptdarsteller in meinem Buch und auch meinem und Deinem Verständnis von Leben aus dem Glauben wahrscheinlich ziemlich nahe.