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Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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  • Dec 25, 2025 · 3 min

    Wann und warum löst Musik Gänsehaut aus?

    Dicht am Geschehen: Gänsehaut durch Nahaufnahmen und wörtliche Rede Mindestens die Hälfte der Menschen kennt Gänsehaut, wenn sie bestimmte Musik hört. Häufig setzt die Gänsehaut ein, wenn der Refrain beginnt oder die Musik auf einen Höhepunkt zusteuert. Aber Menschen bekommen auch Gänsehaut bei Filmen. Und zwar bei ganz bestimmten Stellen, sagt Eugen Wassiliwizky. Er erforscht solche Gänsehautmomente am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt: "Wenn Sie eine Gänsehaut haben in einem Film, dann wird in diesen Momenten überproportional häufig ein Close-up verwendet, also eine nahe Distanz von der Kamera zum Gesicht des Schauspielers. Das kann man objektiv messen." Menschen bekommen Gänsehaut sogar bei Gedichten, und auch da sind es wieder ganz bestimmte Momente. Eugen Wassiliwizky: "Was wir erkennen ist, dass die Gänsehautmomente sich häufen zum Ende von Zeilen, zum Ende von Strophen und zum Ende des ganzen Gedichts." In manchen Gedichten, etwa bei Balladen, kommt auch wörtliche Rede vor. Auch diese Stellen gehören zu den typischen Gänsehaut-Momenten. Eugen Wassiliwizky: "Wenn in einer Ballade eine Person zu einer anderen spricht, ist es viel wahrscheinlicher, dass Sie in diesen wörtlichen Redeabschnitten Gänsehaut erleben werden als in den narrativen-deskriptiven Teilen der Ballade." Gänsehaut als Schutzmechanismus Doch warum bekommen Menschen bei Musik, Gedichten oder Filmen überhaupt Gänsehaut? Eigentlich hat Gänsehaut ja eine Schutzfunktion: Sie bewahrt uns vor Kälte, indem sie die kleinen Muskeln an den Haaransätzen aktiviert und gleichzeitig dafür sorgt, dass sich die Haare aufstellen und ein isolierendes Luftpolster bilden. Aber warum bei Musik, bei Gedichten, bei emotionalen Momenten? Eugen Wassiliwizky: "Eine Idee ist, dass es ein bestimmter Schutzmechanismus ist. Es ist ja ein Schutzmechanismus für den Körper. Der Körper aktiviert ihn, auch wenn er sich bedroht fühlt emotional. Deswegen auch unser Credo, dass bei der Gänsehaut irgendeine Art von negativer Emotion enthalten sein muss, damit sie in Gang gesetzt wird." Bedrohung oder Abschied vom Gewohnten Anders gesagt: Gänsehautmomente entstehen auch bei Filmen, Musik oder Gedichten an Stellen, die sich durch eine besondere Spannung auszeichnen, wo eben nicht alles schön und gut ist, sondern wo auch negative Emotionen mit hineinspielen, die dann besonders bewegend sind. Vielleicht eine Bedrohung oder ein Konflikt oder ein großer Moment, in dem etwas Neues beginnt, was aber mit dem Abschied von etwas Altem verbunden ist. Auch wenn solche Momente schön sind, kann es diese negativen Begleitemotionen geben, auf die der Körper dann mit Gänsehaut reagiert, so die Vermutung. Doch so ganz ist das Phänomen bis heute nicht verstanden.

  • Dec 24, 2025 · 5 min

    Waren die Germanen die Ur-Deutschen?

    Kein Volk bezeichnete sich als "Germanen" Das Bild von den "alten Germanen" als den Ur-Deutschen ist aus mehreren Gründen schief. Erstmal gab es nie ein Volk, das sich selbst als "die Germanen" bezeichnet hat. Das Wort war eine Fremdbezeichnung der Römer für verschiedene Stämme in dem Gebiet nördlich der Alpen und östlich des Rheins, erklärt der Frankfurter Historiker Andreas Fahrmeir: Die Germanen waren es aus der Wahrnehmung der Römer, die sich allerdings auch bewusst sind, dass es ganz viele verschiedene Gruppen gibt, die in dem, was sie Germanien nennen, siedelten. Es gibt aber nicht eine einheitliche Volksgruppe, die sich als Germanen verstehen würde. Quelle: Andreas Fahrmeir, Historiker Mit den "Germanen" verhält es sich also ein wenig wie mit den "Indianern" – beides sind kollektive Fremdbezeichnungen, die von außen auf Völker übergestülpt werden, die sich selbst nicht gar als eine gemeinsame Einheit betrachtet haben. Gründungsmythos Varusschlacht Das, was die Römer Germanien nannte, hätte Kaiser Augustus sich gerne einverleibt, doch seine Legionen wurden im Jahr 9 n. Chr. in der berühmten Varusschlacht von dem Cherusker Arminius und seinen Verbündeten geschlagen. Sehr viel später wurde dieses Ereignis zu einer Art deutschem Gründungsmythos verklärt. Auch das zu Unrecht, denn das war kein gesamtgermanischer Befreiungsschlag gegen die Römer, sondern ein regional begrenzter Aufstand. Arminius, im Deutschen auch Hermann genannt, kämpfte nicht für die Germanen, die es in ihrer Gesamtheit ja gar nicht gab, sondern nur als Cherusker; das war einer von vielen Stämmen. "Germania" – Schrift des römischen Geschichtsschreibers Tacitus Es war der römische Historiker Tacitus, der dieses Ereignis festgehalten und auch ein Buch mit dem Titel "Germania" geschrieben hat. – Dieses Buch ist, allerdings erst Jahrhunderte später, der Anlass, die Germanen als die ursprünglichen Deutschen zu betrachten. "Die Vorstellung kommt im 15. Jahrhundert auf", sagt Fahrmeir – also fast anderthalb tausend Jahre nach der der Varusschlacht – "als Tacitus' Text wiederentdeckt wird und in der Diskussion über den Wert von Kulturen in Europa die Germanen als Stellvertreter für die Deutschen aufkommen und in der Konkurrenz zu Italien und Frankreich diskutiert werden." Völkerwanderung: Teil der Stämme sucht sich neue Heimat Die Gleichsetzung der alten germanischen Stämme mit den späteren Deutschen scheitert noch aus einem anderen Grund: Denn nach dem Zerfall des römischen Reichs gab es noch die sogenannte Völkerwanderung. Und mindestens ein Teil der Stämme, die zwischen Alpen und Nord- und Ostsee lebten, haben sich eine neue Heimat gesucht. Franken zogen nach Westen, Angeln und Sachsen auf die britischen Inseln, Westgoten nach Spanien, Ostgoten Richtung Schwarzes Meer. Wobei es heute eher als fraglich gilt, dass wirklich ganze Völker gewandert sind: Wie groß diese Gruppen sind, ist in der Forschung nicht so klar. Das heißt, es kann sein, dass nur ganz wenige Personen wirklich wandern, aber dass das zur Veränderung von Ortsnamen, zur Veränderung von Sprachen, zur Veränderung von kulturellen Gewohnheiten führt, die dann in der rückblickenden Erklärung als Wanderung eines ganz großen Bevölkerungszuges gedeutet werden. Quelle: Andreas Fahrmeir, Historiker Wort "deutsch" kommt in der Zeit des Heiligen Römischen Reichs auf Das Wort "deutsch" kommt erst Jahrhunderte später auf, in der Zeit des Heiligen Römischen Reichs. Ursprünglich hieß es "theodiscus", was so viel bedeutete wie "volkstümlich" oder "zum Volk gehörig". Der Begriff tauchte zur Zeit Karls des Großen auf, also um das Jahr 800, ohne schon konkret eine deutsche Sprache zu meinen. Er bedeutet aber einfach nur: Eine Sprache des Volks, nicht: Die Sprache deutsch, sondern einfach eine Sprache, die nicht Latein ist. Quelle: Andreas Fahrmeir, Historiker Erst nachdem das Reich Karls des Großen zerfiel, wurde "deutsch" zur Bezeichnung für die Art von Sprache, die das Volk eben im Ostfränkischen Reich vor allem sprach – und das war ja nur eine von vielen germanischen Sprachen, eben eine westgermanische Sprache im Unterschied etwa zu den nordgermanischen, wie sie in Skandinavien gesprochen werden. Doch das Reich hieß noch immer "Heiliges Römisches Reich". Die Bewohner lebten noch lange nicht im Bewusstsein, dass sie "Deutsche" wären. Bis überhaupt das Heilige Römische Reich den Zusatz "Deutscher Nation" bekam, dauert es bis Ende des 15. Jahrhunderts. Es bedeutet nicht, dass das Reich auf Deutsch verwaltet würde, die Verwaltungssprache bleibt lange Latein. Große Teile des östlichen Frankreichs gehören damals auch zu diesem Reich – Burgund etwa, Norditalien. – Insofern ist das Reich von der Konzeption her alles andere als deutsch. Quelle: Andreas Fahrmeir, Historiker Ab dem 19. Jahrhundert: Nation und Identität Bis zum Selbstverständnis einer gemeinsamen deutschen Identität vergingen noch Jahrhunderte. Erst im 19. Jahrhundert mit dem "Deutschen Bund" und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 wurde Deutsch-Sein wirklich zu einem prägenden Teil des Identitätsgefühls seiner Bewohner.

  • Dec 24, 2025 · 1 min

    Warum knurrt der Magen?

    Borborygmus ist normal Das Magenknurren – medizinisch auch Borborygmus genannt – ist etwas ganz Normales. Denn der Magen arbeitet "blind" – er weiß nicht, ob er gerade etwas zu verdauen hat oder ob er leer ist, er schafft einfach immer weiter, das heißt, er zieht sich ständig zusammen und versucht, Nahrung in den Darm zu schieben. Luft wird in den Darm gedrückt Solange der Magen gut gefüllt ist, gibt es auch keine Geräusche. Sobald aber der Magen seine Mahlzeit bewältigt hat, ist er leer. Weil er aber weiter arbeitet und kein Essen mehr hat, was er umherschieben kann, wirbelt er nur noch Luft herum, Luft in Verbindung mit Magensäften. Das eigentliche Geräusch entsteht am Ende des Magens, am Übergang zum Darm. Das ist nur eine enge Öffnung. Wenn da der Magen versucht, Luft hineinzupressen, passiert ähnliches wie bei einem Dudelsack oder wie bei einem Luftballon, wenn man die Luft langsam herauslässt: Es gibt ein Geräusch. Und das hören wir von außen als Knurren.

  • Dec 23, 2025 · 2 min

    Warum gibt es Weihnachtsgeschenke in verschiedenen Ländern an unterschiedlichen Terminen?

    Goldene Äpfel vom Nikolaus Weihnachten war ursprünglich kein primäres Schenkfest. Die Hauptgeschenke wurden in unseren Regionen am Nikolaustag gemacht. Nikolaus ist der klassische Schenkheilige. Über ihn gibt es eine sehr frühe Legende, wonach er drei Jungfrauen beschenkt hat, die nicht standesgemäß heiraten konnten. Er hat ihnen daher drei goldene Äpfel, Goldklumpen, geschenkt. Damit waren sie "saniert" und die große Not war abgewendet. Martin Luther und der Heilige Christ Martin Luther sagte dann, dass nicht der Heilige Nikolaus im Vordergrund stehen sollte, sondern Christus selbst. Daher hat er in Konkurrenz dazu den "Heiligen Christ" betont, der dann auch seine Geschenke gebracht hat. So haben wir heute zwei Schenktermine und beschenken uns sowohl an Nikolaus als auch an Weihnachten. Dezember oder Januar, morgens oder abends: Geschenke werden gern gesehen In Südeuropa schenkt man erst an Dreikönig. In Italien z.B. kommt die Befana, eine gutmütige Hexengestalt, und bringt die Geschenke nach der Jahreswende, am 6. Januar. In Deutschland ist die Bescherung am 24. Dezember gegen 17 oder 18 Uhr. In anderen Ländern am Morgen des 25. Dezember. Nikolaus schenkt abends, weil die Legende besagt, dass er nachts gekommen sei und heimlich, als die drei Jungfrauen schliefen, seine Geschenke aufs Bett gelegt habe. Deshalb kommt der Nikolaus bis heute bei Eintritt der Dunkelheit. In manchen Gegenden Europas tritt er dagegen gar nicht wirklich in Erscheinung, sondern wirft seine Gaben in den Kamin oder legt sie in die Schuhe. Das übertrug sich später auf das Christkind. Das kommt auch erst am Abend. Tradition am Vorabend großer Feste: Vigil Dahinter steckt aber noch eine andere Tradition, nämlich dass man bei großen Festen eine Vigil gefeiert hat, einen Vorabend. So haben wir das in der Osternacht, aber auch in der Heiligen Nacht. Und am Vigiltermin hat man bereits geschenkt. Wo man diese Vigil nicht so wörtlich nimmt, wird am Tag selbst geschenkt – in diesem Fall also am Morgen des 25. Dezember.

  • Dec 23, 2025 · 4 min

    Warum tanzen wir?

    Menschen wurden musikalisch, als sie in Gruppen lebten Ich tanze, um dem Weibe näherzukommen. Quelle: Helmut Kohl Auch losgelöst von Altkanzler Kohl ist die Evolution des Tanzens ein interessantes Phänomen. Dass wir uns zu Rhythmen, mit denen wir beschallt werden, passend bewegen – das ist etwas zutiefst Menschliches: Kein Tier macht das! Und es führt zu der Frage, warum der Mensch überhaupt Musik macht. Wenn man das in der Evolution zurückverfolgt, spricht vieles dafür, dass die frühen Menschen in dem Moment musikalisch wurden, als sie angefangen haben, in Gruppen zu leben. Das war vor ungefähr zwei Millionen Jahren. Erst der Rhythmus, dann die Melodie Musik und Tanz stellen zunächst eine Form der Kommunikation dar. Nicht in dem Sinn, dass man jemandem etwas mitteilt, sondern gemeinsames Musizieren und Tanzen ist etwas, was Menschen verbindet – auf einer sehr tiefen, nicht-sprachlichen Ebene. Nun kann man vielleicht vor 2 Millionen Jahren noch nicht von Musizieren sprechen, denn damals gab es noch keine Musikinstrumente, höchstens haben die Leute Stöcke gegeneinander geschlagen. Sie haben also vermutlich Rhythmen erzeugt, bevor sie in der Lage waren – abgesehen von der Stimme – Melodien zu produzieren. Die gemeinsamen rhythmischen Bewegungen haben das Gemeinschaftsgefühl betont. Hat das Tanzen mit dem Leben in der Gruppe zu tun und dient nicht der Annäherung an das andere Geschlecht? Doch, das ist auch möglich; dazu gibt es eine etwas speziellere Theorie. Die sagt: Das Tanzen und das Rhythmusgefühl haben sich als Qualitätsmerkmal in der sexuellen Selektion entwickelt. Nicht in dem Sinn, dass das Tanzen dazu dient, einen Partner oder eine Partnerin anzubaggern, sondern die Theorie sagt: Gute Tänzer demonstrieren über ihre Körperkontrolle und ihr Rhythmusgefühl ihre körperliche Gesundheit. Um diese Theorie zu untermauern, gab es eine Untersuchung bei Jugendlichen auf Jamaika. 183 Teenager wurden beim Tanzen gefilmt. Anschließend sollten sie anonymisiert gegenseitig ihre Tanzqualitäten beurteilen. Es stellte sich heraus, dass vor allem diejenigen Jungs, die von den Mädchen als die besten Tänzer beurteilt wurden, auch den symmetrischsten Körperbau hatten. Symmetrischer Körperbau als Zeichen für Gesundheit? Aus anderen Studien weiß man, dass Menschen mit symmetrischem Körperbau allgemein als gesünder und auch als attraktiver wahrgenommen werden. So haben damals die Wissenschaftler geschlussfolgert: Beim Tanzen können die Männer den Frauen zeigen, dass sie gesund und somit in der Lage sind, gesunde Nachkommen zu zeugen und für sie zu sorgen. Das mag alles plausibel klingen, aber diese Zusammenhänge lassen sich nur schwer beweisen. Also: Tanz und Musik haben auf jeden Fall zunächst ein Kommunikationsbedürfnis gestillt. Ob das primär die Kommunikation in der großen Gruppe war oder bei der Partnersuche, lässt sich heute schwer sagen, vielleicht war’s auch schon immer beides. Es kommt ja auch ein bisschen auf die Musik an ...

  • Dec 15, 2025 · 2 min

    Warum gelten Eulen als weise?

    Eulen nach Athen tragen Historisch lässt sich das klar auf die griechische Mythologie zurückführen. Die Eule war das Begleittier der Göttin Athene. Athene war nicht nur Schutzgöttin der Stadt Athen, sondern auch die Göttin der Weisheit. Auf den alten griechischen Silbermünzen war deshalb auf der einen Seite ein Bild der Athene eingeprägt, auf der anderen das einer Eule. Und von diesen Münzen waren in Athen ziemlich viele in Umlauf. Daher die Redewendung "Eulen nach Athen tragen" als Ausdruck für einen überflüssigen Vorgang – weil es in Athen schon so viele Eulen in Form von Münzen und Statuen gab. Ruhiges Tier mit melancholisch-abgeklärtem Blick Trotzdem stellt natürlich die Frage, warum die Eule – und nicht ein Esel oder eine Eidechse? Etwas muss die Eule an sich gehabt haben, was es nahelegte, ausgerechnet sie mit der Weisheitsgöttin in Verbindung zu bringen. Vermutlich war dieses Tier eine gute Projektionsfläche: Die Eule mit ihrem ruhigen, beobachtenden, melancholisch-abgeklärten Blick wirkt nun mal weiser als eine Möwe oder ein Moorhuhn. Homer beschreibt Göttin Athene als "eulenäugig" Hinzu kam, dass die Göttin Athene von Homer als "eulenäugig" beschrieben wird, wobei sich die Gelehrten nicht ganz einig sind, was Homer damit sagen wollte: ob Athene einfach schöne große Augen hat? Oder ob sie Dinge sieht, die sich im Dunklen abspielen? Auch das hat ja im übertragenen Sinn etwas mit Weisheit zu tun: Dinge sehen, die andere nicht sehen, weil sie sich im Dunklen, im Verborgenen abspielen. Komischer Kauz: Eulen gelten nicht überall auf der Welt als weise Eulen mit Weisheit in Verbindung zu bringen, ist eine griechische Besonderheit. Denken wir nur an unsere eigene Sprache. Zu den Eulen gehört ja auch der Kauz. Die Eulenart, die mit der Athene in Verbindung gebracht wird, ist streng genommen der Steinkauz. Im Deutschen bezeichnet man als Kauz aber eher einen etwas eigenwilligen spinnerten Sonderling – nicht gerade der Inbegriff der Weisheit. Euro: noch immer werden "Eulen nach Athen" getragen Letztlich sind das ohnehin alles Projektionen, denn rein zoologisch betrachtet sind Eulen auch nicht intelligenter als die meisten anderen Vögel. Aber Mythen sind ja recht langlebig. Als der Euro eingeführt wurde, haben die Griechen ihre 1-Euro-Münzen wie in der Antike mit dem alten Motiv der Eule versehen. Der finanz- und haushaltspolitischen Weisheit hat das, wie wir wissen, nichts genützt. Deshalb – Ironie der Geschichte – tragen wir ja heute "Euro nach Athen", und damit indirekt auch wieder Eulen; zumindest wenn es sich um griechische Euro-Münzen handelt.

  • Dec 14, 2025 · 2 min

    Gefriert warmes Wasser schneller als kaltes?

    Man hat ein Gefäß mit warmem Wasser und ein Gefäß mit der gleichen Menge kälteren Wassers, stellt das im Winter auf die Terrasse und siehe da: Das Wasser, das am Anfang wärmer war, gefriert schneller. Das klingt verwirrend, weil man ja denkt: Dem warmen Wasser muss doch mehr Energie entzogen werden, es hat auf dem Weg zum Gefrierpunkt sozusagen einen längeren Weg vor sich als das kalte. Wie kann das sein? Der wichtigste Effekt ist die Verdunstung Wenn wir ein Glas mit kaltem Wasser und eins mit warmem Wasser ins Kalte stellen, sieht man über dem warmen viel mehr Dampf als über dem kalten. Also noch mal die Situation: Man hat zwei Gefäße, eins mit wärmerem und eins mit kälterem Wasser. Wenn die auf der Terrasse stehen, ist nach einer Weile aus dem warmen Gefäß mehr Wasser verdampft als aus dem kalten. Das heißt, wir haben nach einer Weile immer noch zwei Gefäße, nur dass vom warmen Wasser weniger übrig ist. Wenn aber vom warmen Wasser weniger übrig ist, ist damit ja auch weniger Wasser da, das abgekühlt werden muss. Folglich geht das schneller. Auf diese Weise kann sozusagen das warme Wasser das kalte Wasser beim Abkühlen "überholen". Mpemba-Effekt wird bei der Herstellung von Speiseeis eingesetzt Es gibt noch ein paar andere Effekte, die mit reinspielen können, die Verdunstung ist aber der wichtigste. Man sieht aber auch: Es hängt an den Ausgangsbedingungen. Es kommt also darauf an, bei welchen Temperaturen der Versuch startet, wie viel Wasser in den Gefäßen ist, wie groß die Verdunstungsfläche im Verhältnis zum Volumen ist, wie groß die Außentemperatur ist. Es sind nur ganz spezielle Bedingungen, bei denen dieser Effekt eintritt. Dieser Effekt heißt übrigens Mpemba-Effekt – benannt nach dem tansanischen Wissenschaftler Erasto Mpemba, der den Effekt 1963 entdeckt und bei der Herstellung von Speiseeis eingesetzt hat.

  • Dec 13, 2025 · 1 min

    "Wie die Jungfrau zum Kinde kommen" – woher kommt das?

    Unverhofft kommt oft Über diese Redewendung wundern sich nicht nur junge Menschen, sondern auch solche ohne christliche Erziehung. Sie heißt soviel wie "Unverhofft kommt oft" oder "etwas ohne sein Zutun bekommen". Viel diskutierte Theorie: Befruchtung durchs Ohr Die übliche Art, wie die Jungfrau zum Kind kommt, ist hier nicht gemeint, eher schon eine überraschende Art, beispielsweise die Befruchtung durchs Ohr. Tatsächlich gehörte diese Idee zu den viel diskutierten Theorien scholastischer Theologen vor etwa 1.000 Jahren. Sie versuchten damit, die geheimnisvolle Menschwerdung Christi zu erklären. Denn es geht in der Redensart nicht um irgendeine Jungfrau, sondern um die Mutter Jesu. Die Jungfrau, die noch mit keinem Mann zusammen gewesen war, nennt man medizinisch eine virgo intacta. Aber Maria musste, so dachten die Theologen, doch irgendwie den göttlichen Samen in ihre Gebärmutter bekommen haben. Die Scholastiker kamen unter anderem durch den Text des Johannes-Evangeliums "Das Wort ward Fleisch" auf eine Vermutung: Es waren die Ohren Mariens, durch welche die göttlichen Worte des Engels gekommen waren – und damit waren sie auch die Eingangspforte für die Befruchtung. Wie auch immer es technisch möglich wurde: Maria konnte im Brustton der Überzeugung sagen: "Das war wohl der Heilige Geist". Die Redensart hat heute eine ganz andere Bedeutung, nämlich eine vorwurfsvolle. Maria damals aber kam unschuldig, ohne Bemühung, ohne Erwartung und vollkommen überraschend zum Heiland: eben wie die Jungfrau zum Kinde. Jungfrauengeburt auch aus anderen Mythen bekannt Die Jungfrauengeburt kommt übrigens nicht nur im Christentum vor, sondern auch in anderen Mythen. Im Alltag dagegen bedeutete es oft großes Unglück, wenn eine Jungfrau plötzlich schwanger wurde. Ein beliebtes Sprichwort warnte trotzdem vor zu strikter Behütung: "Jungfrauen soll man nicht als Heiligtum einschließen, sonst tun sie Wunderzeichen, die man nicht gern verkündet."

  • Dec 12, 2025 · 2 min

    Warum löst sich Butter besser in heißem als in kaltem Wasser?

    Fette sind hydrophob In der Chemie würde man nicht von einer "Lösung" sprechen, denn anders als z.B. ein Salz, das sich im Wasser richtig auflöst, kann sich Fett nicht in Wasser lösen. Fette sind "hydrophob", das heißt, sie können mit Wasser keine Verbindung eingehen. Aber natürlich können sie sich vermischen. Man spricht dann von einer Emulsion. Emulsion: Energie beschleunigt den Prozess Tatsächlich geht das bei höheren Temperaturen leichter als bei niedrigen, weil dieser Vorgang, das Emulgieren, Energie braucht: Je höher die Temperatur, desto mehr Energie steht zur Verfügung, und desto schneller und effizienter läuft der Prozess ab. Eine Faustregel aus der Alltagschemie sagt: Steigt die Temperatur um 10 Grad Celsius, dann beschleunigt sich der chemische Prozess um mindestens das Doppelte. Man kann sich also ausrechnen, was es für einen Unterschied macht, ob man 15 Grad warmes Wasser nimmt oder 50 Grad warmes Wasser. Was wir als Temperatur fühlen, ist die Geschwindigkeit der Moleküle Man kann sich gut vorstellen, warum das so ist: Was wir als Temperatur fühlen, ist in Wirklichkeit die Geschwindigkeit der beteiligten Moleküle. Das heißt: Bei niedrigen Temperaturen bewegen sich die Moleküle langsam, bei hohen Temperaturen bewegen sie sich schnell. Und je schneller sich alle Moleküle bewegen, desto schneller vermischen sie sich auch. Das kann man sich wie einen Billardtisch vorstellen: Auf der einen Seite des Tisches liegen lauter schwarze Kugeln, auf der anderen Seite lauter weiße Kugeln. Die schwarzen sollen das Fett sein, die weißen das Wasser. Wenn ich jetzt anfange, am Tisch zu rütteln, vermischen sich die Kugeln irgendwie. Und je schneller ich rüttele, je schneller die sich also bewegen, desto schneller vermischen sie sich. Und so ist es auch auf der Molekülebene: Je schneller sich die Moleküle bewegen, desto eher vermischen sie sich. Fettmoleküle ziehen sich gegenseitig an Man kann die Analogie noch weiter treiben und sich vorstellen, dass die schwarzen Kugeln durch eine Art Magnetkraft zusammengehalten werden. Das heißt, sie ziehen sich gegenseitig an. So wie die Fettmoleküle auch. Dann haben es die weißen Kugeln relativ schwer, dazwischenzugehen, um die schwarzen Kugeln zu trennen; da brauchen sie schon eine bestimmte Mindestgeschwindigkeit. Übertragen auf die Butter kann man sich also vorstellen, dass das Wasser eine bestimmte Mindesttemperatur braucht, um sich zwischen die einzelnen Fett-Teilchen zu drängeln und sie davonzuspülen.

  • Dec 11, 2025 · 1 min

    Woher kommt der Ausdruck "alter Schwede"?

    Schwedische Ausbilder in der preußischen Armee Der Dreißigjährige Krieg lief für die Protestanten einige Zeit nicht besonders gut. Da griff der Schwedenkönig mit seinen Leuten ein, was für die Protestanten sehr positiv war. Nach dem Krieg wurden dann verdiente schwedische Soldaten als Ausbilder vor allem in den preußischen Armeen eingestellt. Diese Leute nannte man respektvoll "alte Schweden". So konnte man auch zu einem "echten" Mann von Schrot und Korn einfach als Lob sagen: "Alter Schwede!". Weil das nicht so häufig vorkam, konnte sich diese Wendung auch als Ausdruck der Überraschung ausbilden. Streichemacher unter Dorpats Studenten Unterstützt wurde die Entwicklung darüber hinaus, dass man in der Studentensprache Dorpats [Anmerkung der Redaktion: estnische Universitätsstadt, heutiger Name: Tartu], aber auch anderer Gegenden im Norden, zu lustigen Studenten, die zu Scherzen aufgelegt waren: "Du bist ein alter Suitier". Das kommt vom französischen "suite" für "Streich" und bedeutet so viel wie "Streichemacher". Und aus dem Niederdeutschen wissen wir, dass es vom "Swietje" zum "Swiet" oder zum Schweden nicht mehr weit ist. Wahrscheinlich haben sich diese beiden Versionen gegenseitig beeinflusst, bis es zu unserem Lob- oder Überraschungsausdruck kommen konnte – "Alter Schwede!"

  • Dec 10, 2025 · 3 min

    Was ist die Chaostheorie?

    Die "Chaostheorie" ist, anders als man meinen könnte, keine Theorie vom Chaos. Theorie und Chaos sind im Grunde ein Widerspruch in sich. Chaos ist ein Zustand, der keinen erkennbaren Regeln folgt, in dem sich kein Muster erkennen lässt. Könnte man diesen Zustand mit einer Theorie beschreiben oder gar berechnen, wäre es kein Chaos mehr. Deshalb ist das totale Chaos für die "Chaosforschung" eigentlich uninteressant – sie interessiert sich vielmehr für die Ordnung im vermeintlichen Chaos oder für den Übergang von Ordnung zu Chaos. Beispiel tropfender Wasserhahn Ein Beispiel ist der tropfende Wasserhahn: Wenn er tropft, dann tropft er meist im Takt; zwischen zwei Tropfen vergeht immer gleich viel Zeit. Wir können nun den Wasserhahn immer ein kleines Stückchen aufdrehen. Dann wird der Abstand zwischen zwei Tropfen schneller, wobei manchmal, wenn man genau hinguckt, die Tropfen dabei gelegentlich auch aus dem Takt geraten. Wenn man noch weiter aufdreht, geht das Tropfen in einen geordneten Wasserstrahl über – mit geordnet meine ich, dass der Strahl eine klar erkennbare Form hat. Von außen betrachtet wirkt er glasig-transparent. Wenn man weiter aufdreht, wird er plötzlich turbulent und unberechenbar. Manchmal wechselt der Wasserstrahl aber auch zwischen mehreren Zuständen hin und her. Zum Beispiel, dass in unregelmäßigen Abständen plötzlich noch ein Seitenspritzer rauskommt, der dann eine Sekunde später wieder verschwindet. Das heißt, auch wenn der Wasserstrahl scheinbar ungeordnet-chaotisch ist, gibt es stabile Zwischenzustände, zwischen denen er hin- und herwechselt. Genau für solche Phänomene interessiert sich die Chaosforschung: Wann und wie gehen Prozesse von einem geordneten in einen ungeordneten Zustand über? Und mithilfe der Mathematik versucht man dann, immer wiederkehrende Muster im Chaos zu erkennen und zu beschreiben. Beispiel Wetter Wir wissen, das Wetter lässt sich nicht länger als drei Tage voraussagen, weil sich da so viele Faktoren gegenseitig beeinflussen, dass das Wetter als ein chaotisches System angesehen werden kann. Aber wir wissen auch, dass es in jeder Region bestimmte typische stabile Wetterlagen gibt, die immer wiederkommen. Das kann man mathematisch beschreiben; dann findet man eben doch eine Ordnung im Chaos. Ein wichtiges Merkmal chaotischer Prozesse ist, dass kleine Veränderungen in den Ausgangsbedingungen zu völlig unterschiedlichen Endbedingungen führen können. Ist das dieser berühmte Schmetterlingseffekt? Von der Idee her ja. In der ursprünglichen Formulierung war es ein Schmetterling in Brasilien, der einen Wirbelsturm in Texas auslöst. Man muss nur klar sehen, dass das immer nur eine Metapher, ein Bild war, um einen Gedanken zu veranschaulichen. Begriff "Chaostheorie" in der Wissenschaft eher unüblich Es wäre aber völlig falsch zu sagen: "Die Chaosforschung besagt, dass ein Schmetterling das Wetter auf der anderen Seite der Erde beeinflussen kann." Das war immer nur eine Metapher und nicht etwa die Kernbotschaft der Chaostheorie. Die gibt es so auch gar nicht – der Begriff Chaostheorie ist in der Wissenschaft eher unüblich. Denn es gibt nicht die eine Theorie, sondern es handelt sich bei der Chaosforschung eher um ein Sammelsurium verschiedener mathematischer Werkzeuge. Sie ist aber kein großartiges welterklärendes Theoriegebäude wie die Relativitäts- oder die Evolutionstheorie.

  • Dec 9, 2025 · 3 min

    Fühlen Fische Schmerzen?

    Spontan würde man als Tierfreund sagen: Na, selbstverständlich fühlen Fische Schmerzen! Aber die Frage ist berechtigt: Woher wissen wir das eigentlich? Fische können nicht schreien – man hört sie also nicht. Und wenn man es ganz philosophisch betrachtet, muss man letztlich sagen: Die Frage, ob Fische oder sonstige Lebewesen Schmerzen empfinden, wird sich nie mit hundertprozentiger Sicherheit beantworten lassen, einfach weil es prinzipiell unmöglich ist, objektiv zu messen, was ein anderes Lebewesen empfindet. Fische besitzen Nozizeptoren Aber dieses philosophische Dilemma hilft hier nicht weiter. Man kann jedoch pragmatisch an die Sache herangehen. Und das haben britische Wissenschaftler getan. Sie gingen von folgender Überlegung aus: Wir Menschen sind schmerzempfindlich und wir haben auch bestimmte Nervenzellen, die zum Beispiel in der Haut schmerzhafte Reize empfangen und ans Gehirn weiterleiten. Das sind sogenannte Nozizeptoren. Die Wissenschaftler*innen schauten also, ob Fische auch solche Nozizeptoren haben. Dabei stellten sie fest, dass Fische diese Nervenzellen tatsächlich besitzen – also Nerven, die dann – und nur dann – aktiv sind, wenn sie schmerzhaften Reizen ausgesetzt sind. Das ist schon mal ein erster Hinweis. Wie Menschen auf Schmerz reagieren Jetzt könnte man natürlich skeptisch sein und sagen: Das sagt noch gar nichts. Denn man könnte sich ja vorstellen, dass die Reize zwar ans Gehirn geleitet und dort verarbeitet werden, dass das aber völlig unbewusst erfolgt und der Fisch trotzdem nichts dabei empfindet. Deswegen beobachtet man als nächstes das Verhalten. Wir Menschen haben zwei Arten, auf Schmerzen zu reagieren: Unmittelbare Reaktion auf Schmerz beim Menschen: Wir kommen mit der Hand auf die heiße Herdplatte und ziehen sie sofort weg. Das Entscheidende hier: Dieser Wegzieh-Reflex tritt bereits ein, bevor wir den Schmerz bewusst wahrnehmen. Das heißt, in dem Moment, in dem wir die Hand wegziehen, fühlen wir streng genommen noch keine Schmerzen im Sinne einer bewussten Empfindung. Das tritt erst hinterher ein. Dann folgt die zweite Art von Schmerzverhalten, wenn wir zum Beispiel die schmerzende Hand mit der anderen festhalten. Oder wenn wir lange Kopfweh haben, vergeht uns der Appetit. Wie verhalten sich Fische, wenn sie typischen Reizen ausgesetzt sind, die wir als schmerzhaft empfinden würden? Reagieren sie nur reflexartig oder ändert sich das gesamte Verhalten? Und auch das haben Wissenschaftler getestet, indem sie den Fischen gezielt Schmerzen zugefügt haben. Fische zeigen komplexes Schmerzverhalten Sie haben zum Beispiel die Wassertemperatur erhöht oder ihnen unter Narkose eine Substanz in die Lippe injiziert, die ähnlich wirkt, wie wenn wir uns an einer Brennnessel verbrennen. Es waren also wohl keine unerträglichen Schmerzen, aber schon unangenehm. Und entsprechend haben die Fische reagiert. Sie haben sich von einer Seite auf die andere gedreht. Sie haben sich im Kies gewälzt, sie haben ihr Maul an der Wand des Fischtanks gerieben und ihnen ist offenbar auch der Appetit vergangen, denn sie haben vorübergehend aufgehört zu fressen. Die Fische haben Schmerzrezeptoren, sie zeigen ein typisches komplexes Schmerzverhalten – also liegt die Vermutung nahe, dass sie auch Schmerzen empfinden. Und die Wissenschaftler erweisen sich am Ende dann doch nicht als Sadisten, denn ihre Schlussfolgerung lautet: Wenn Fische Schmerzen empfinden, dann muss das Konsequenzen haben. Tierleid durch Angelhaken und Treibnetze Angeln mit Angelhaken ist höchstwahrscheinlich sehr schmerzvoll, sagen sie. Das gleiche gilt, wenn Fische in Treibnetzen in einem langwierigen Prozess verenden. Die Forderung aus diesen Forschungen ist daher ein Verbot solcher Methoden, da der Fischfang in der heutigen Form vielen schmerzempfindenden Wesen tatsächlich viele Schmerzen zufügt.l

  • Dec 8, 2025 · 3 min

    Warum sagt man "Mitteldeutschland" zu Bundesländern im Osten?

    Mitteldeutschland: historischer Begriff ist älter als das geteilte Deutschland Historisch geht der Begriff "Mitteldeutschland" weiter zurück als bis zur Teilung Deutschlands. Vor der deutschen Teilung war nämlich mit "Mitteldeutschland" weniger die Mitte zwischen Ost und West, sondern vielmehr die Mitte zwischen Nord und Süd gemeint. Ursprünglich war "mitteldeutsch" bis ins 19. Jahrhundert hinein vor allem die Bezeichnung für einen Sprachraum – zwischen den bayerisch-schwäbisch-alemannischen Dialekten im Süden und den niederdeutschen Dialekten im Norden. Dieses mitteldeutsche Gebiet zog sich von der belgisch-luxemburgischen Grenze bis nach Sachsen, also einmal quer durch Deutschland. Ehemals Gebiet zwischen Norden und Süden, nicht Westen und Osten Entsprechend hat man Anfang des 19. Jahrhunderts als Mitteldeutschland all die kleinen Fürsten- und Herzogtümer zwischen Preußen im Norden und Bayern, Württemberg und Baden im Süden bezeichnet. Mitteldeutschland war also ein breiter Streifen zwischen Nord- und Süddeutschland. Erst später hat sich der Begriff dann ungefähr auf den Raum konzentriert, den heute die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bilden – in denen sah man sprachlich-kulturell eine natürliche Einheit. In der Weimarer Republik gab es Überlegungen, diesen Raum zu einer Verwaltungseinheit "Mitteldeutschland" zusammenzufassen. Daraus ist aber – auch bedingt durch die Machtübernahme der Nazis – nichts geworden. Dann kam der Zweite Weltkrieg und danach wurde der Begriff "Mitteldeutschland" erst zu dem umgemünzt, was viele noch im Kopf haben: nämlich das Wort, das Leute verwendeten, die nicht „DDR“ sagen wollten. Aber das war eben nicht die ursprüngliche Bedeutung. Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) und Mitteldeutsche Zeitung Mit der Wiedervereinigung 1990 kam es zu einer Rückbesinnung auf die ursprüngliche Bedeutung von Mitteldeutschland im Sinne jener Region zwischen Harz und Erzgebirge. Es wurde der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) gegründet, so wie auch die Mitteldeutsche Zeitung. Der Begriff taucht in vielen weiteren Verbindungen auf. Das hat aber nichts zu tun mit "Wir denken noch in den Grenzen von 1937", sondern ist einfach eine historische Bezeichnung für diesen Kulturraum – wenn er auch zu der kleinen sprachlichen Paradoxie führt, dass "Mitteldeutschland" heute die südliche Hälfte von "Ostdeutschland" ist.

  • Dec 8, 2025 · 3 min

    Gibt es emotionale Intelligenz wirklich?

    Wir Psychologen haben dazu eine klare Auffassung: Es ist eine "Verunreinigung" des Intelligenzbegriffs, wenn man ihn mit allen möglichen anderen Kompetenzen kombiniert. Man kann natürlich auch sagen, es gibt eine Partyintelligenz oder eine Kochintelligenz oder was auch immer. Das ist nicht verboten, aber es bringt auch nichts. Sozialverhalten hat viele Facetten Es gibt ganz klare Unterschiede in der emotionalen Regulation. Manche Menschen haben sich, einfach ausgedrückt, besser im Griff als andere. Manche werden von ihrem Emotionen überrannt und verhalten sich anders, als sie eigentlich wollen. Das ist im Prinzip nicht gut. Psychologen können versuchen, diese Schwachstellen zu messen, aber es gelingt nicht ansatzweise so gut wie bei der kognitiven Intelligenz. Die Tests, die dazu entwickelt wurden, sind nicht so zuverlässig. Ich würde daher auf dieser Grundlage keine Einstellung vornehmen. Soziale Intelligenz nicht zuverlässig messbar Und so sieht es auch mit der sogenannten sozialen Intelligenz aus. Die gibt es auch nicht in dem Sinn, dass man sie zuverlässig messen könnte. Natürlich unterscheiden sich Menschen darin, wie sie auf andere zugehen. Aber das Sozialverhalten ist sehr vielfältig. Manche Menschen sind erst ein bisschen distanzlos. Da ist die Frage, ob das jetzt wirklich soziale Intelligenz ist. Andere sind zunächst sehr zurückhaltend, können dann aber sehr gut auf auf Emotionen anderer eingehen. Begriff der emotionalen Intelligenz kommt aus den USA Die Vielfalt an Möglichkeiten, Sozialverhalten zu zeigen, ist so groß, dass sie sich nicht wirklich messen lässt. Und das Gleiche gilt für emotionale Intelligenz. Die Begriffe wurden in Amerika eingeführt und haben sich dann über die ganze Welt ausgebreitet, weil man es in Amerika vielleicht ein bisschen mit der Intelligenzmessung übertrieben hatte. Das ist in Europa nicht der Fall gewesen. Dort hätte man häufiger mal Entscheidungen auf der Grundlage von Intelligenztests treffen sollen. In Amerika wurde einem das manchmal wie ein Stempel aufgedrückt und es wurde manchmal auch sehr diskriminierend gehandhabt. Denn man hat bei Menschen, die in einem sehr ungünstigen sozialen Umfeld aufgewachsen sind, die kaum in die Schule gegangen sind, die Intelligenz gemessen, was man ja eigentlich nicht darf, und hat sie dann als dumm abgestempelt. Das ist sehr häufig passiert. Als Gegenreaktion hat man dann überlegt, ob die kognitive Intelligenz vielleicht gar nicht so wichtig ist. Aber das war keine gute Reaktion. Man hätte sehr viel mehr betonen müssen, dass man nur bei Menschen, die die Möglichkeit hatten, sich zu entwickeln, die kognitive, also die geistige Intelligenz, messen kann.

  • Dec 7, 2025 · 1 min

    Entzieht Kaffee dem Körper Wasser?

    Dass Kaffee oder Schwarztee dem Körper Wasser entzieht, hat man mal geglaubt. Das ist aber längst überholt. Der Mensch soll ja täglich möglichst anderthalb bis zwei Liter Wasser pro Tag trinken, bei Hitze entsprechend mehr. Kaffee wirkt harntreibend, aber Wasser bleibt Wasser Früher sagte man: Kaffee darf man da nicht mitrechnen – oder muss ihn wieder "abziehen", weil er den Körper entwässere. Diese Idee kam auf, weil sowohl Kaffee als auch Tee harntreibend wirken. Das ist zwar richtig, ändert aber nichts daran, dass das Wasser im Kaffee immer noch Wasser ist – und vom Körper auch so behandelt wird. Wir gehen nach zwei Tassen vielleicht bald aufs Klo – aber der Körper gleicht das intern wieder aus; wir brauchen deshalb in der Summe nicht mehr Flüssigkeit zu uns zu nehmen. Kaffee ist kein Durstlöscher Natürlich sollte man Kaffee nicht unbedingt als Durstlöscher verwenden. Das hat aber nichts mit dem Wasserhaushalt zu tun, sondern vor allem mit seinen sonstigen Wirkungen auf Herz und Kreislauf. Koffeinfreier Kaffee ist da natürlich schonender. Er hat auch nicht die harntreibende Wirkung wie normaler Kaffee. Aber allein für den Wasserhaushalt des Körpers ist es unerheblich, ob Sie normalen Kaffee trinken oder entkoffeinierten. Das Gleiche gilt übrigens auch für Tee.

  • Dec 6, 2025 · 1 min

    Woher kommt der Ausdruck "eine Josephsehe führen"?

    Ohne ihn geht es nicht im Advent. Ohne ihn gäbe es keine Weihnachtsgeschichte: Joseph. Wer hätte schließlich Maria vor Schande bewahrt? Wer hätte sonst seinen Mann an der Krippe gestanden, obwohl es nicht ums eigene Kind ging? Wer hätte klug geträumt, dass nur eine rasche "Flucht nach Ägypten" das Jesulein vor "dem bethlehemitischen Kindermord" schützen könnte? Übrigens auch zwei redensartliche Wendungen im Weihnachtsumfeld. Wenn der Mann die Frau nicht "berührt" Und doch wurde Joseph gar nicht so selten stiefmütterlich oder spöttisch behandelt oder in Redewendungen auf seine seltsame Rolle reduziert. Am bekanntesten ist: "Eine Josephsehe führen". Man sagt von mittelalterlichen Herrschern wie Kaiser Heinrich II., er habe mit seiner Kaiserin Kunigunde so etwas gemacht, indem er eben nichts mit ihr "machte", sie nicht berührte. Hohn und Spott für mehr oder weniger ahnungslose Väter Hatte ein Ehepaar kein Kind, musste es sich ebenfalls den Spruch von der Josephsehe gefallen lassen. Hielt man den Mann für schuld, dann spottete man auch: "Der spielt den heiligen Joseph". In der Umgangssprache entstand um 1920 auch eine ähnliche Redewendung "den Joseph spielen" oder "den ahnungslosen Joseph spielen", wenn man jemandem unterstellte nur so zu tun – wie der wirklich ahnungslose Verlobte Mariens. Heiliger Joseph: pragmatisch, menschlich, klug Im ländlichen Raum freilich war und ist der brave und gottesfürchtige Handwerker außerordentlich beliebt, weil er pragmatisch, menschlich und klug zugleich handelte: ein Heiliger zum Anfassen.

  • Dec 5, 2025 · 2 min

    Woher kommt der Ausdruck "Schlitzohr"?

    Ohrring als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Handwerkszunft "Schlitzohr" – das ist die Bezeichnung für einen durchtriebenen Menschen, für einen listigen bis hinterlistigen Gesellen. Und wenn ich Geselle sage, dann sind wir schon gleich im richtigen Milieu, denn die Bezeichnung wird auf die Handwerkszünfte zurückgeführt. Ring ausreißen als Strafe und sichtbares Zeichen für Unehrenhaftigkeit? Früher trugen die Handwerker als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu einer Zunft oft einen goldenen Ohrring. Es wird berichtet, dass dieser Ohrring auch so etwas wie eine Geldanlage für knappe Zeiten bzw. für besondere Ausgaben war. Wenn dieser Handwerker aber etwas Schlimmes anstellte, wurde ihm der Ring aus dem Ohr gerissen – sozusagen zur Strafe und als Zeichen dafür, dass er aus der Zunft ausgeschlossen worden ist. Und so lief er fortan als Schlitzohr durch die Welt. Sprachwissenschaftler bemängeln fehlende Belege Das ist die gängigste Deutung dieses Begriffs. Dies könnte man noch weiterführen und damit den Ausdruck "gerissen" erklären"; der könnte den gleichen Ursprung haben. Es gibt aber auch Sprachwissenschaftler, die an diese Erklärung mit dem Ring nicht glauben. Sie sagen, dass es keine Belege für diese Strafe des Ring-aus-dem-Ohr-Reißens gibt. Man weiß, dass Betrügern schon mal das Ohr abgeschnitten wurde, aber das ist ja etwas anderes. Das Ergebnis wäre ja kein Schlitzohr, sondern ein "Kein-Ohr". Alternative Erklärung: Anspielung auf den Teufel Im Etymologischen Wörterbuch von Pfeifer habe ich zumindest noch eine alternative Erklärung gefunden. Demnach könnte die Bezeichnung "Schlitzohr" eine Anspielung auf den Teufel sein, der in manchen frühen Vorstellungen nicht nur geschlitzte Füße hatte, sondern eben auch geschlitzte Ohren.

  • Dec 4, 2025 · 2 min

    Wie wird man Jude?

    Judentum missioniert nicht Das Judentum ist nicht darauf aus, Menschen, die nicht gebürtige Juden sind. irgendwie zu überzeugen, jüdisch zu werden. Aber wenn das jemand aus eigener Initiative möchte, beispielsweise wenn jemand einen jüdischen Partner hat und bereit ist, jüdisch zu werden, damit die Familie später eins ist, dann sagen die Juden: Das ist okay. Kind einer jüdischen Mutter ist von Geburt an jüdisch Allerdings kann der Übertritt natürlich nur auf der religiösen Schiene vollzogen werden, denn die Mutter kann ich dann ja nicht mehr auswechseln. Der Sohn oder die Tochter einer jüdischen Mutter ist automatisch per Geburt Jude oder Jüdin. Das ist unabhängig davon, ob diese Person in ihrem späteren Leben eine sehr gläubige Person ist oder nicht. Diese Person ist jüdisch. Man kann also nur auf der religiösen Ebene zum Judentum übertreten, aber das ist ein langer Prozess. Man muss sehr viel lernen. Eine Frau muss vorweisen, dass sie eine koschere Küche führen kann. Wenn es ein Mann ist, muss er zeigen, dass er im Gottesdienst mitkommt. Es sind viele Erfordernisse, die im engeren, religiösen Sinne und vielleicht auch im juristischen Sinne relevant sind. Tauchbad und Beschneidung Wenn der Kandidat oder die Kandidatin die entsprechende Prüfung vor einem Gericht von drei Rabbinern abgelegt hat, bekommt der Kandidat oder die Kandidatin den Zettel mit dem Stempel. Wenn es eine weibliche Kandidatin ist, geht sie einmal ins Tauchbad. Wenn es ein männlicher Kandidat ist, wird außerdem noch eine medizinische Beschneidung vollzogen. Ab dem Zeitpunkt, wo er oder sie die ganze Prozedur überstanden hat, sind beide zu hundert Prozent akzeptiert als Mitglieder der jüdischen Gemeinde und als Juden.

  • Dec 3, 2025 · 2 min

    Wie wird das Alter von Metallen bestimmt – etwa das Gold bei der Himmelsscheibe von Nebra?

    Unterschiedliche Methoden je nach Metall Zunächst schaut man sich das Objekt und die Technologien an, mit denen das Objekt bearbeitet wurde. Das gibt einen ersten guten Hinweis darauf, wann das Objekt entstanden ist. Wenn das nicht ausreicht und man z.B. für eine Echtheitsprüfung wissen möchte, ob etwas wirklich alt oder kürzlich erst gefälscht wurde, gibt es verschiedene Prüfmöglichkeiten. Die unterscheiden sich jedoch von Metall zu Metall. C14-Methode bei kohlenstoffreichem Eisen Wenn Sie z.B. ein kohlenstoffreiches Eisen haben, letztlich Stahl, können Sie die C14-Methode anwenden und damit den Kohlenstoff datieren. Denn das radioaktive Isotop C14 zerfällt regelmäßig; und wenn man feststellt, wie viel davon noch da ist, kann man berechnen, wann der Stahl geschmiedet wurde. Himmelsscheibe von Nebra: Fälschung oder echt? – Gold gibt Aufschluss! Bei Gold gibt es ebenfalls Möglichkeiten zur Datierung; denken wir z.B. an die Himmelsscheibe von Nebra. Da stellte sich die Frage, ob das Objekt wirklich alt oder möglicherweise doch eine Fälschung ist. Diese Feststellung gelang Mithilfe der Auflagen aus Gold. Gold-Patina: Analyse unterm Elektronenmikroskop Gold ist zwar ein Edelmetall, das sich eigentlich nicht verändert. Aber wenn es im Boden liegt, bildet sich über einen sehr langen Zeitraum hinweg eine ganz spezielle Patina. Diese Patina lässt sich chemisch analysieren und ihren Aufbau kann man im Elektronenmikroskop betrachten. So kann man feststellen, ob sie echt oder gefälscht ist. Denn wenn sie echt ist, gibt ihre Dicke bzw. die Menge, die sich gebildet hat, einen sehr guten Aufschluss darüber, wie alt das Objekt ist bzw. zumindest darüber, wie lange es im Boden gelegen hat.

  • Dec 2, 2025 · 2 min

    Haben eineiige Zwillinge identische Fingerabdrücke?

    Muster der Papillarleisten sind genetisch angelegt Ganz klar: nein – die Fingerabdrücke von eineiigen Zwillingen sind nicht identisch! Die Handlinien und auch die Fingerabdrücke sind zwar oft ähnlich, aber nie identisch. Man hat bisher noch keine Zwillinge gefunden, die tatsächlich identische Fingerabdrücke hatten. Die Linien heißen in der Fachsprache Papillarleisten. Im vierten Embryonalmonat sind sie voll ausgebildet und bleiben unverändert erhalten bis zum Tod. Umwelteinflüsse im Mutterleib Dieses Muster ist zwar genetisch angelegt, aber offenbar spielen auch Umwelteinflüsse im Mutterleib eine Rolle. Welche das genau sind, weiß man nicht, da kann man nur spekulieren: Ernährung, Temperatur, Stress – was auch immer. Allerdings sind ja die Zwillinge im Mutterleib der gleichen Umwelt ausgesetzt – insofern müsste man sich natürlich fragen: Warum entwickelt es sich beim einen Zwilling so, beim anderen anders? Man weiß es nicht. Aber es gibt ja auch bei eineiigen Zwillingen immer kleine Unterschiede – nicht nur bei den Fingerabdrücken, sondern z. B. auch im Gesicht oder bei Muttermalen – und die Handlinien und Fingerabdrücke gehören eben auch zu diesen Unterschieden. Erbgut eineiiger Zwillinge ist identisch In der Kriminalistik spielen die Fingerabdrücke eineiiger Zwillinge eine wichtige Rolle: Nehmen wir an, es passiert ein Einbruch oder ein anderes Verbrechen, und ein Zwilling gerät unter Verdacht. Dann stellt sich ja die Frage, ob es nun der eine oder der andere Zwilling war. Mit der DNA-Analyse, die es heute gibt, kann man das nicht unterscheiden, weil das Erbgut beider Zwillinge identisch ist. Aber: Die Fingerabdrücke unterscheiden sich; das ist auch von den Gerichten anerkannt. Die Fingerabdrücke helfen also ganz eindeutig, den einen Täter z.B. von seinem Zwillingsbruder zu unterscheiden.