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Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Episodes702

  • Dec 1, 2025 · 4 min

    Beeinflusst die Eisschmelze an den Polen die Erdrotation?

    Theoretisch: Rotation verlangsamt sich, wenn mehr Wasser am Äquator ist Ja es gibt einen, wenn auch kleinen Effekt: Denn wenn Eispanzer und Gletscher schmelzen, wird Masse auf der Erde umverteilt; das wirkt sich auf die Rotation aus. Das ist derselbe Effekt, den Eiskunstläufer nutzen: Wenn sie sich schneller drehen möchten, ziehen sie ihre Arme an den Körper. Dadurch holen "Masse" von außen näher an die Körperachse, und das führt zu einer Beschleunigung der Eigenrotation. Übertragen wir das nun auf die Eismassen der Erde – etwa das Eis der Antarktis. Das liegt nahe am Südpol, also nahe an der Erdachse. Wenn es schmilzt, wird es zu Wasser. Dieses Wasser bleibt aber nicht am Südpol, sondern es verteilt sich über die gesamten Weltmeere. Der Meeresspiegel steigt. Dabei gelangt zumindest ein Teil des Wassers in die Nähe des Äquators. Am Äquator ist das Wasser aber, verglichen mit der Antarktis, relativ weit weg von der Erdachse. Deshalb würde das Gleiche passieren, wie wenn eine Eiskunstläuferin ihre Arme ausstreckt: Die Rotation – in dem Fall der Erde – würde sich etwas verlangsamen. Landhebung durch Eisschmelze Dies wird durch einen zweiten Effekt noch verstärkt: Wenn große Gletscher abschmelzen werden auch die darunter liegenden Kontinente von der schweren Eisdecke entlastet. Dann passiert dasselbe wie bei einem Boot, wenn Leute aussteigen oder Fracht abgeladen wird: Es hebt sich – und genauso heben sich die Kontinente, wenn das Eis auf ihnen schmilzt. In Schottland oder Skandinavien kann man das gut beobachten. Skandinavien lag während der Eiszeit unter mächtigen Gletschern. Dieses Eis ist vor 10.000 Jahren abgeschmolzen, und in der Folge hebt sich Skandinavien noch heute um etwa 1 cm pro Jahr. In hundert Jahren liegen also manche Abschnitte der norwegischen Küste einen Meter höher als heute. Auch eine solche Landhebung führt nun dazu, dass sich Masse – in dem Fall: Landmasse – ein kleines Stückchen vom Erdmittelpunkt bzw. von der Erdachse entfernt. Das passiert heute schon und wird sich verstärken, wenn auf der Antarktis oder Grönland das Eis schmilzt. Also auch dadurch würde sich – wieder durch den Eisläufereffekt – die Erdrotation verlangsamen. Schmelzende Gletscher: Auswirkungen auf Erdoration sind kaum messbar Man kann den Effekt ausrechnen. Allerdings stellt sich dabei heraus, dass die Eismassen im Verhältnis zur Gesamtmasse der Erde so klein sind, dass die Auswirkungen auf die Rotation kaum messbar sind. Verlangsamung der Erdrotation durch Eisschmelze spielt so gut wie keine Rolle Nach Auskunft von Maik Thomas vom Geoforschungszentrum in Potsdam ist die theoretische "klimabedingte" Verlangsamung der Erdrotation so klein, dass wir nicht einmal eine zusätzliche Schaltsekunde einführen müssten, um sie auszugleichen. Gezeitenkräfte sind sehr viel stärker und einflussreicher Hinzu kommt: Die Erde dreht sich ohnehin mit der Zeit immer langsamer – völlig unabhängig vom Eis. Das liegt vor allem an den Gezeitenkräften, also daran, dass die Masse des Mondes zweimal am Tag Flut und Ebbe auslöst. Dadurch haben wir auf der Erdoberfläche täglich ein großes "Geschwabbel". Das bremst ebenfalls die Rotation, und zwar stärker als all die Effekte, die durch das Schmelzen des Eises entstehen. Diese Verlangsamung ist tatsächlich nachweisbar – aber es ist schwer, in dieser gezeiten-bedingten Verlangsamung die klimabedingte Verlangsamung heraus zu rechnen.

  • Nov 30, 2025 · 2 min

    Woher kommt der Brauch der Adventskränze?

    Zu diesem Thema findet man immer wieder falsche Erklärungen: Der Adventskranz habe etwas mit dem Lebensrad zu tun und sei ein uraltes Symbol. Das ist nicht richtig. Der Adventskranz ist, gemessen an anderen Bräuchen, ganz jung; und man kennt sogar seinen Erfinder. Der erste Adventskranz hing in einem Hamburger Heim für Jugendliche Es handelt sich um den evangelischen Pastor Johann Hinrich Wichern, der sehr stark in der christlichen Soziallehre verankert war und sich – typisch für das 19. Jahrhundert – besonders für Kinder engagierte, die in benachteiligten sozialen Verhältnissen lebten. Wichern hängte Mitte des 19. Jahrhunderts den allerersten Adventskranz im "Rauhen Haus" in Hamburg auf – einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche. Dieser Kranz hatte zunächst noch 24 Kerzen, für jeden Dezembertag eine. Später hat Wichern dieses System dann vereinfacht und auf die vier Sonntage reduziert. Adventskranz hat klare pädagogische Funktion: Zeit sichtbar machen Die Visualisierung von "Zeit" ist für Kinder besonders wichtig, denn die können sich unter "vier Wochen" nichts vorstellen. Man muss Kindern vor Weihnachten sagen: Du musst noch so und so oft schlafen, dann kommt das Christkind. – Wenn sie das an Kerzen abzählen können, ist die Zeit bis Weihnachten für sie viel besser erkennbar. Auch der Adventskalender war eine evangelische Erfindung Zum Adventskranz gehört darüber hinaus noch eine zweite Visualisierung der Zeit, die übrigens ebenfalls eine evangelische Erfindung ist: der Adventskalender. Der evangelische Pastorensohn Gerhard Lang entwickelte kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert den ersten Adventskalender. Anfangs waren das noch Bilder zum Aufkleben, später erfand er selbst bereits die Türchenform, wie wir sie heute noch kennen. All das dient dazu, die Zeit bis Weihnachten sichtbar zu machen, den Advent, die "Ankunft", zu visualisieren.

  • Nov 29, 2025 · 2 min

    Was hat die "Marotte" mit der biblischen Maria zu tun?

    Marienverehrung war weit verbreitet Wir wissen aus der Bibel leider nichts über Marias mögliche Marotten, aber wir wissen immerhin, dass die Gottesmutter und die Marotte zusammengehören. Die heilige Jungfrau war gerade wegen der zu Herzen gehenden Weihnachtsgeschichte überaus volkstümlich. Die Gefahr, als unverheiratete Schwangere in Schande zu geraten, und die Last einer Geburt unter einfachsten Umständen – das rührte vor allem Frauen an. Viele "Kosenamen" für Marienstatuen: Mariole, Marion, Marotte, Marionette Deshalb wurde Maria nicht nur in Kirchen und Kapellen verehrt, sondern in Millionen von Häusern, Höfen und Hüttchen. Dort stellte man kleine Marienstatuen aus Holz auf, um private Andachten abzuhalten, erst recht im Advent. Diese Figürchen nannte man liebevoll mit verkleinernden Marien-Kosenamen wie "Mariole", "Marion", "Marotte" und "Marionette". Von den Heiligenstatuen übertrug man die Ausdrücke "Marionette" und "Marotte" auf Handpuppen oder Drahtpuppen, weil es schon im späten Mittelalter geistliche Puppenspiele gab. Naheliegend, dass man bald alle beweglichen Kinderpuppen und vor allem diejenigen an Drähten, wie sie in der "Augsburger Puppenkiste" auftreten, "Marionetten" nannte. Narrenzepter wurde ebenfalls als "Marotte" bezeichnet Doch weshalb bezeichnet "Marotte" einen Spleen? "Marotte" bezeichnete auch den Herrscherstab der Narren. Der war eine Art komisches Zepter mit einem Narrenkopf am oberen Ende und ähnelte insofern einer Puppe. Deshalb sagte man ab dem 17. Jahrhundert in Frankreich: "Er hat eine ganz schöne Marotte." Damit meinte man, er habe kuriose Ideen, seltsame Verhaltensweisen und Vorlieben, die er wie das Narrenzepter mit sich herumtrage und die ihn sogar selbst zum Narren machten. Von Frankreich aus übernahmen wir im 18. Jahrhundert den Ausdruck, der heute gar nicht mehr an Maria erinnert und eher nachsichtig und freundlich klingt.

  • Nov 28, 2025 · 2 min

    Gibt es Tiere mit nur einem Nasenloch?

    Delfine haben ein Blasloch Ja, wenn man den Begriff "Nase" etwas weiter fasst: Delfine. Man spricht bei Delfinen nicht von einer Nase, sondern von einem Blasloch, das sie oben am Kopf haben. Das Blasloch hat die gleiche Funktion wie bei Menschen die Nase: Es dient zur Atmung, und es hat sich aus der Nase von Landsäugetieren entwickelt. Delfine und andere Wale sind evolutionär Säugetiere, die wieder ins Wasser gegangen sind. Ihre Vorfahren hatten Nasen im Gesicht – allerdings ist diese Nase im Laufe der Evolution und der Anpassung an das Leben im Wasser nach hinten bzw. oben gewandert. Speziell bei den Zahnwalen – zu denen auch die Delfine gehören – sind dabei die ursprünglich zwei Nasenlöcher zu einem Blasloch zusammengewachsen. Viele Fische haben vier Nasenlöcher Im Gegensatz dazu haben viele Fische sogar vier "Nasenlöcher" – allerdings ist die Fischnase etwas völlig anderes: Sie dient zwar dem Geruchssinn – also der Wahrnehmung chemischer Stoffe im Wasser. Aber Fische atmen nicht durch ihre Nase. Bei Walen ist es genau umgekehrt: Sie atmen zwar durch ihre Blaslöcher, aber im Wasser ist das Loch geschlossen, sodass sie damit nichts riechen können. Fast alle anderen Tiere hat die Evolution mit zwei Nasenlöchern ausgestattet. So wie wir auch zwei Ohren und zwei Augen haben. Warum ist das so? Weil zwei Augen uns eine Tiefenwahrnehmung ermöglichen – wir sehen die Welt dreidimensional. Die beiden Ohren rechts und links haben eine ähnliche Funktion – sie erlauben ein räumliches Hören. Auf diese Weise können wir Schallquellen relativ zuverlässig orten – wir wissen meist sofort, woher ein Geräusch kommt, sprich, wohin wir unsere Aufmerksamkeit richten müssen. Ostamerikanischer Maulwurf riecht "stereo" Anders ist es beim Riechen. Wir riechen die Welt nicht wirklich "stereo". Wozu also zwei Nasenlöcher? Offenbar, weil wir es mal konnten, unser Geruchssinn aber verkümmert ist. Denn zumindest bei einigen Tieren ist nachgewiesen, dass sie tatsächlich stereo riechen. Dazu gehört der ostamerikanische Maulwurf. Maulwürfe sind bekanntlich blind. Dafür ist ihre Nase umso besser. Vor einigen Jahren haben Forscher gezeigt, dass diese Tiere ihre Beute wie beispielsweise Regenwürmer nur dann effektiv finden, wenn beide Nasenlöcher offen sind. Sobald eins zu ist, verlieren sie die geruchliche Orientierung. Ähnlich, wenn auch etwas schwächer ausgeprägt, wurde das bei Wanderratten nachgewiesen.

  • Nov 27, 2025 · 1 min

    "Bis in die Puppen" feiern – woher kommt das?

    Friedrich II. und seine Götterstatuen im Berliner Tiergarten "Bis in die Puppen" ist eine ganz lustige Berliner Redensart. König Friedrich II. hat, als er inthronisiert wurde, am Großen Stern im Tiergarten Götterstatuen aufstellen lassen. Die Berliner waren ein bisschen respektlos und sagten, dass seien die Puppen des Königs. Der spielt sozusagen mit diesen Puppen und lässt sie dort aufstellen. Die Berliner unternahmen gerne von der Stadtmitte aus einen Spaziergang "bis in die Puppen". Das waren so zwei, drei Kilometer, also schon eine ganz schöne Strecke. Deshalb hat sich das zunächst als Redensart herausgebildet für eine lange Strecke, eine große Entfernung. Aus "lange Strecke" wird "langer Zeitraum" Nun gibt es recht häufig die Entwicklung, dass ein langer Zeitraum auf eine lange Wegstrecke oder umgekehrt eine lange Wegstrecke auf einen langen Zeitraum übertragen wird – und das war hier eben auch so. So sagte man in Berlin irgendwann "bis in die Puppen" wenn man meinte "etwas sehr lange tun".

  • Nov 25, 2025 · 1 min

    Warum sagt man: "Dir fällt kein Zacken aus der Krone"?

    Brautkrone sollte makellos sein Ursprünglich geht es hier um den Brautkranz. Der Brautkranz ist ja oft mit schönen Steinen oder Perlen geziert. Da galt es als besonders übles Zeichen, wenn ein Stein aus dieser Brautkrone herausfiel. Da hat sich in deutschen Landen, vor allem in Thüringen und Sachsen, auch ein Spruch herausgebildet: "Da wird dir nicht gleich eine Perle aus der Krone fallen." Das heißt also: "Stell dich nicht so an, das wird jetzt sicher nicht so schlimm." Adelskrone: Auf die Zahl der Zacken kommt es an Das hat sich dann verbunden mit den Kronen, die es tatsächlich gab. Man weiß ja, dass eine Königskrone mehr Zacken hat als eine Grafenkrone. Hat man also einen Zacken weniger oder zwei, dann ist man auch im Rang niederer. Diese beiden Wendungen haben sich verbunden. Und so konnte man dann sagen: "Da wird dir schon kein Zacken aus der Krone fallen."

  • Nov 23, 2025 · 1 min

    Bei Regen gehen oder rennen: Wie wird man weniger nass?

    Eine knifflige Frage. Einerseits läuft man beim Rennen in ziemlich viele Tropfen hinein, andererseits ist man beim langsameren Gehen insgesamt länger im Regen. Was macht also unterm Strich mehr aus? Gehen wir mal davon aus, dass es gleichmäßig regnet, dass also der Regen nicht stärker oder schwächer wird – dann ist es auf jeden Fall besser, wenn man rennt. Warum? Aus folgender Überlegung: Wir gehen ja davon aus, dass es gleichmäßig regnet. Das heißt, zu jedem Zeitpunkt befindet sich eine bestimmte Menge an Tropfen in der Luft. Je langsamer man geht, desto mehr Tropfen bekommt man ab Jetzt stellen wir uns vor, wir könnten die Szene, wie beim Film, einfrieren. Das heißt, wir halten die Zeit an, alles steht still und alle Regentropfen bleiben in der Luft stehen. Ich könnte dann die Tropfen zählen, die auf der gesamten Strecke, die mein Körper zurücklegen muss, in der Luft sind. Nehmen wir an, das sind 10.000 Tropfen, die vor mir in der Luft sind, dann muss ich durch diese 10.000 Tropfen durch, und zwar völlig unabhängig davon, ob ich gehe oder renne. Wenn ich langsam gehe, sind es natürlich andere Tropfen, die mich nass machen, aber in der Summe sind es über die Strecke gesehen immer diese 10.000 Tropfen, die mich von vorne treffen. Von daher also kein Unterschied, ob ich gehe oder renne. Aber es kommen ja noch die Tropfen hinzu, die mich von oben treffen. Wenn ich nun aber schnell renne, brauche ich natürlich weniger Zeit. Und in dieser kurzen Zeit fallen weniger Tropfen auf meinen Kopf als wenn ich langsam gehe. Insofern lautet die Antwort: Je langsamer ich gehe, desto mehr Tropfen bekomme ich ab. Mit Schirm besser nicht rennen Wenn ich einen Schirm habe, ist es umgekehrt – da ist es natürlich besser, ich gehe langsam. Denn wenn ich langsam genug gehe, werde ich ja überhaupt nicht nass; dann prasselt der Regen entweder auf den Schirm oder aber die Tropfen fallen in einem genügend großen Abstand vor mir auf den Boden. Wenn ich dagegen mit einem Schirm renne, dann werde ich ab einer bestimmten Geschwindigkeit nass – denn dann sind einige der Tropfen noch in der Luft, wenn ich in sie hineinrenne. Wenn ich mit Schirm renne, laufe ich also doch Gefahr, etwas nass zu werden, während ich, wenn ich langsam gehe, komplett trocken bleiben kann.

  • Nov 21, 2025 · 2 min

    Werden alte Römerstraßen heute noch für den Verkehr genutzt?

    Via Appia – längste gerade Straße in Europa Das bekannteste Beispiel ist sicherlich die Via Appia in Italien, auf deren Verlauf heute die italienische Fernverkehrsstraße SS7 von Rom nach Brindisi führt. Der erste Abschnitt von Rom nach Terracina ist typisch römisch schnurgerade, und das über 62 km – das ist die längste gerade Straße in Europa. Natürlich fahren die Autos heute nicht mehr auf der alten Pflasterung, sondern die alte Via Appia ist über weite Teile asphaltiert. Und dort, wo sie noch im Originalzustand ist, verläuft die moderne Fernstraße etwas versetzt davon. Spuren alter Römerstraßen auch in Trier, Mainz und Frankfurt Auch in Deutschland hat das römische Straßensystem seine Spuren hinterlassen, sowohl innerhalb der Städte als auch im Fernverkehr. In den Städten sind die Spuren oft stärker. Denn wenn in einer Stadt ein Netz von Straßen besteht, werden auch die Gebäude entlang dieser Straßen gebaut; dadurch bleibt ein solches System lange bestehen. Denn das Straßennetz zu ändern hieße ja in der Regel, ganze Häuserzeilen abzureißen; das macht niemand gerne. In Trier z.B. gibt es ein grobes Raster von Straßen – Saarstraße, Kaiserstraße, Feldstraße oder die Paulinstraße im Norden, die auf die Porta Nigra zuführt – das sind Überbleibsel aus dem alten römischen Straßennetz. In Mainz folgt vor allem die B40 einer alten Römerstraße; das gilt etwa im Süden, wo die B40 auf die Autobahn A63 mündet. Auch die Theodor-Heuss-Brücke, die nach Mainz-Kastel führt, steht an einer Stelle, wo schon zu römischen Zeiten eine Brücke stand. Wenn man von Mainz nach Frankfurt über die A66 fährt, fährt man ebenfalls über weite Abschnitte auf der alten Römerstraße. Verlängert man auf der Landkarte den letzten gerade Abschnitt der A66 mit einem Lineal, dann sieht man, wie sich diese Straße in der heutigen Frankfurter Heerstraße fortsetzt und schließlich in einer Siedlung endet, die noch heute "Römerstadt" heißt. Optimal Streckenführung schon bei den Römern Diese Straße zwischen Mainz und Frankfurt zeigt darüber hinaus, dass auch außerhalb von Siedlungen Fernstraßen gelegentlich entlang alter Römerstraßen verlaufen, und zwar logischerweise vor allem dann, wenn die Fernstraßen zwei alte römische Städte verbinden. Das muss nicht deshalb sein, weil die modernen Straßenbauer sich die alten Römer zum Vorbild nehmen, sondern einfach, weil die Römer ihre Straßen bereits sehr gut geplant haben. Denn wenn es darum geht, zwei Städte A und B zu verbinden, gibt es meist eine optimale Streckenführung – das ist heute nicht viel anders als bei den Römern. Insofern ist der Verlauf oft ähnlich. Nur dass die Römer manchmal in den Bergen auch steilere Anstiege in Kauf nahmen, während beim Bau von Autostraßen die Steigungen begrenzt sind. Deshalb machen moderne Straßen manchmal kleine Umwege, schlängeln sich an Stellen, wo die Römerstraßen direkter und geradliniger verlaufen.

  • Nov 21, 2025 · 4 min

    Was ist Zeit?

    Pragmatische Definition: Zeit ist, was Uhren messen Physikalisch gesehen ist Zeit das, was Uhren messen. Das mag unbefriedigend klingen, aber diese Definition entspricht nicht nur unserem Alltagsverständnis, sondern auch Einsteins Relativitätstheorie. Einstein hat gesagt, Zeit ist relativ. Damit meinte er, dass Uhren, die sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit durch den Raum bewegen, unterschiedlich schnell ticken. Das hat man auch nachgewiesen: Wenn man eine hochpräzise Uhr in einem Flugzeug einmal um die Erde fliegen lässt, dann geht diese Uhr langsamer, als wenn sie an Ort und Stelle geblieben wäre. Sie geht nicht deshalb langsamer, weil sie im Flugzeug durch irgendetwas gebremst worden wäre, sondern weil die Zeit in schnell bewegten Körpern wirklich langsamer vergeht – relativ zu einem statischen Beobachtungspunkt. Zeit ist in diesem Sinn also wirklich das, was Uhren messen. Auch die Maßeinheit der Zeit, die Sekunde, ist nur auf diese Weise definiert. Die "Uhr" ist in diesem Fall allerdings ein Cäsium-Atom: Ein Cäsium-Atom "schwingt" rund 9 Milliarden Mal in der Sekunde und deshalb sagt die Physik einfach: Das ca. 9,192 Milliarden-Fache dieser Schwingungsdauer definieren wir als "Sekunde". Wie kann man das tiefere Wesen der Zeit beschreiben? Die Frage ist: Muss man sich die Zeit als etwas vorstellen, was immer kontinuierlich "fließt"? Die Physik weiß heute: Zum einen ist die Zeit – ähnlich wie der Raum – nichts, was unabhängig von allem einfach da wäre. Wir stellen uns die Zeit oft wie ein Raster zwischen Vergangenheit und Zukunft vor, das "da ist", und dann "passiert" darin irgendetwas. Auch da hat Einstein gezeigt, dass das nicht so ist. Sowohl Raum als auch Zeit werden durch die Materie und die Energie im Weltall erst aufgespannt. Zum mutmaßlichen Beginn des Universums, beim sogenannten Urknall, versagen diese physikalischen Gesetze und es ist völlig unklar, ob es überhaupt eine Zeit vor dem Urknall gab oder ob die Zeit als solche erst mit dem Urknall angefangen hat zu existieren. Die Frage "Was war vorher?" ergäbe dann auch keinen Sinn mehr, denn wenn es keine Zeit gibt, gibt es auch kein "vorher" und "nachher". Ein weiteres Phänomen der Zeit ist, dass sie möglicherweise im Kleinen "gequantelt" ist. Das heißt, bildhaft gesprochen, verrinnt die Zeit nicht gleichmäßig, sondern sie tropft in winzig kleinen Zeitportiönchen, die viel kürzer sind, als wir das wahrnehmen können. Unterschied zum Raum: Man kann sich in der Zeit nicht rückwärts bewegen Ein weiteres Merkmal ist der sogenannte Zeitpfeil. Die Zeit kennt in unserem Empfinden nur eine Richtung. Die Zeit können wir nicht anhalten, nicht zurückdrehen, sie fließt von der Vergangenheit in die Zukunft und trennt Ursache und Wirkung. Die Vergangenheit ist das, was geschehen ist und sich nicht mehr ändern lässt, die Zukunft ist offen. Das ist erstaunlich, weil in der klassischen Physik – auch bei Einstein – die Zeit keine Richtung hat. Die Bewegungsgesetze gelten vorwärts wie rückwärts. Wenn ich eine Billardkugel filme, wie sie auf dem Billardtisch rollt, könnte ich den Film auch rückwärts laufen lassen, ohne dass es auffallen würde. Anders ist es, wenn ich eine Glasscheibe filme, die zerbricht – hier sehe ich sofort, wenn der Film rückwärts läuft: Die Scherben setzen sich wieder zur Scheibe zusammen. Das liegt an der sogenannten Entropie: Ereignisse entwickeln sich so, dass die Welt insgesamt tendenziell unordentlicher wird. Und wenn sie doch irgendwo ordentlicher wird – etwa, wenn wir den Abwasch machen – dann geht das nur, weil wir anderswo – in dem Fall im Abwasser – Unordnung schaffen. Diese Zunahme der Unordnung ist es, die physikalisch der Zeit eine Richtung gibt. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Energie des Universums muss am Anfang extrem "geordnet" gewesen sein – sonst gäbe es nicht die Möglichkeit, immer ungeordneter zu werden. Wenn man das aber zu Ende denkt, ist es vorstellbar, dass das Universum in vielen Milliarden Jahren irgendwann einen maximal ungeordneten Zustand annimmt. Das wäre dann eine Art Strahlenbrei. In diesem maximal ungeordneten Zustand würde sich der Zeitpfeil sozusagen auflösen, das Universum wäre so monoton, dass sich zumindest im Kleinen die Vergangenheit nicht mehr von der Zukunft unterscheidet; es gibt keine Ursachen und keine Wirkung.

  • Nov 20, 2025 · 1 min

    Warum heißt die Krankheit Krebs "Krebs"?

    Tumoren: breiten sich aus und sind hart Das geht auf die alten Griechen zurück. Bereits bei Hippokrates wurden solche Geschwülste mit dem griechischen Wort für Krebs bezeichnet: "Karkinos". Hippokrates erklärt das damit, dass gerade Tumoren in der Brust äußerlich gewisse Ähnlichkeiten haben mit Krebsbeinen – von der Art, wie sie sich ausbreiten, aber auch, weil Geschwülste im Vergleich zum umliegenden Gewebe ja relativ hart sind. Das ist wohl die wahrscheinliche Entstehungsgeschichte, allerdings halten sich auch die etymologischen Wörterbücher etwas bedeckt. Man weiß nicht hundertprozentig, ob Hippokrates den Begriff wirklich geprägt oder nur übernommen hat. Auf jeden Fall hat der Name der Krankheit tatsächlich mit dem Tier zu tun.

  • Nov 19, 2025 · 1 min

    Warum werden weiche Kekse hart und harte Kekse weich, wenn sie rumliegen?

    Feuchtigkeit verdunstet mit der Zeit Das liegt daran, dass sich mit der Zeit die Feuchtigkeitsunterschiede zwischen dem Gebäck und der Umgebung ausgleichen. Die weichen Kekse sind weich, weil sie noch viel Feuchtigkeit enthalten, und zwar mehr Feuchtigkeit als die Luft in der Umgebung. Wenn sie lange herumliegen, verdunstet diese Feuchtigkeit und sie werden hart. Das Gleiche gilt für Brot. Frisches Brot besteht zu 40 Prozent aus Wasser; außerdem hat es noch eine Kruste. Da wandert die Feuchtigkeit zunächst von innen nach außen. Deshalb wird das Brot zwar innen zunächst härter, die Kruste aber lätschig. Im weiteren Verlauf verdunstet die Feuchtigkeit dann auch von dort, und das komplette Brot wird steinhart. Trockenes Gebäck zieht Feuchtigkeit an Genau umgekehrt ist es bei den Gebäcksorten, die von Anfang an ziemlich trocken sind, wie Zwieback, Knäckebrot oder normale Butterkekse. Die sind so trocken, dass sie – wieder in Folge des Feuchtigkeitsausgleichs – Wasser von der umgebenden Luft aufnehmen, und damit werden sie weicher. Das gilt auch besonders für Salzstangen. Hier spielt die besondere Eigenschaft des Salzes eine Rolle: Salz ist "hygroskopisch", d.h. es zieht Feuchtigkeit an. Deshalb werden Salzstangen, aber auch generell die Kruste von Laugengebäck bzw. Brezeln, so schnell weich. Bei Zucker ist es ähnlich. Zuckerkristalle ziehen auch Feuchtigkeit an, wenn auch nicht so stark wie Salz. Das führt ebenfalls dazu, dass gezuckertes Gebäck an der Oberfläche leicht weich und vor allem klebrig wird.

  • Nov 18, 2025 · 1 min

    Gallier und ihre Druiden: Sind die Kelten bei Asterix realistisch dargestellt?

    Nein, denn der Comic vereinfacht sehr stark. In den Heften finden sich viele Bemerkungen aus den historischen Überlieferungen, aber die Kelten waren natürlich ganz anders gekleidet. Richtig ist, dass sie Hosen trugen, aber eben auch entsprechende Hemden und Mäntel. Das kommt im Comic ein bisschen kurz. Aber der soll ja auch unterhalten und nicht Geschichte unterrichten. Wie sahen die Druiden aus? Trugen sie Rauschebart und Sichel wie bei Asterix? Leider wissen wir nicht, wie ein Druide aussah. Es ist historisch überliefert, dass es Druiden gab. Wir tun uns aber sehr schwer, diese Druiden in den Gräbern nachzuweisen. Es gibt zwar ein paar Gräber, in denen man besondere medizinisch nutzbare Instrumente gefunden hat, aber wie genau ein Druide aussah, kann man aufgrund dieser wenigen Funde nicht sagen. Was weiß man über die Funktion, die die Druiden bei den Kelten hatten? Die Druiden waren Priester und Kultdiener und haben die Religion organisiert. Meist waren sie von adeliger Herkunft. Der einzige Druide, dessen Name wir kennen, ist Diviciacus – einer der großen Haeduer-Fürsten. Er ist Druide, fällt aber mit dem Schwert in der Hand – ist also auch Krieger. Die Druiden waren nicht das, was wir uns unter einem Klerus oder einer Geistlichkeit vorstellen, sondern haben aktiv am politischen Leben mitgewirkt.

  • Nov 17, 2025 · 3 min

    Ist "Eifersucht" tatsächlich eine Sucht?

    "Krankhafte Verbitterung": Eifersucht kommt aus dem Althochdeutschen Es gibt den alten Satz "Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft." Aber das ist nicht mehr als ein konstruiertes, wenn auch schönes Wortspiel. Wenn man nach den Wurzeln des Wortes sucht, dann liegen die in einer Zeit, in der die Begriffe "Sucht" und "Eifer" noch nicht die gleiche Bedeutung hatten wie heute. Im Althochdeutschen bedeutete "eibar" so viel wie "scharf, bitter", zum Teil auch in der Bedeutung "schmerzhaft". Und das Wort "Sucht" war ursprünglich weiter gefasst. "Suht" im Althochdeutschen war eine allgemeine Bezeichnung für Krankheit, verwandt mit dem heutigen Wort "Seuche". Der Begriff "Eifersucht" bedeutete ursprünglich also so viel wie "krankhafte Verbitterung" oder "Bitterkeit". Ähnlichkeit mit klassischem Suchtverhalten: Kontrollverlust Ob der Zustand trotzdem zu einer Art Sucht werden kann? Diese Frage stellt sich vor allem bei der krankhaften Eifersucht, bei der der Betreffende also ein wahnhaftes Misstrauen an den Tag legt und wie besessen nach Anhaltspunkten für eine mögliche Untreue sucht. Hat das was mit Sucht zu tun? Da muss man sagen: Nur sehr entfernt. Die wichtigste Ähnlichkeit mit klassischem Suchtverhalten ist der Kontrollverlust: So wie der Drogensüchtige weiß, dass er sich schadet, aber trotzdem nicht anders kann als die Droge zu konsumieren, weiß der krankhaft Eifersüchtige oft auch, dass sein Misstrauen übertrieben ist und mit der Realität wenig zu tun hat. Trotzdem kann er nicht anders. Eifersucht: keine echte Sucht, aber Verbindungen und Parallelen Die zweite Ähnlichkeit ist, dass sich der Eifersüchtige ähnlich wie der Drogenabhängige in diesen krankhaften Zustand allmählich hineinsteigert. Aber es gibt auch große Unterschiede: Der Drogenabhängige erlebt, wenn er die Droge konsumiert, vorübergehend eine Belohnung – so funktioniert ja die Abhängigkeit: über das Belohnungssystem im Gehirn. Mit der Droge aktiviert er sein Belohnungssystem – er bekommt ein kurzfristiges Hochgefühl, um dann hinterher umso tiefer abzustürzen. Die Eifersucht dagegen stellt gar keine, nicht einmal eine kurzfristige Belohnung dar; die Betroffenen leiden von Anfang an und erleben kein Hochgefühl. Das ist ein wichtiger Unterschied. Weitere Vergleiche sind schwierig, denn was genau im Gehirn bei Eifersucht passiert, ist noch nicht so genau erforscht. Weitere Ähnlichkeiten gibt es bei den Entstehungsbedingungen: Bestimmte Faktoren, die Drogensucht begünstigen, begünstigen auch krankhafte Eifersucht. Also z.B. ein schwaches Selbstwertgefühl. Man weiß auch, dass Alkoholiker eine erhöhte Anfälligkeit für krankhafte Eifersucht haben. Insofern ist Eifersucht zwar keine echte Sucht wie Drogensucht, Spielsucht oder Computersucht, aber es gibt durchaus Verbindungen und Parallelen.

  • Nov 14, 2025 · 3 min

    Wie misst man Temperaturen am absoluten Nullpunkt?

    Der absolute Nullpunkt liegt bei -273,15° C. Das weiß man aber nicht deshalb, weil man den mal irgendwann mit einem Thermometer gemessen hätte, sondern man hat den absoluten Nullpunkt zunächst nur berechnet. Im 17. Jahrhundert beobachtete man, dass sich ein Gas, wenn man es erwärmt, ausdehnt. Wenn man es abkühlt, zieht es sich zusammen. Das folgt einem ziemlich einfachen Gesetz: je niedriger die Temperatur, desto kleiner das Volumen. Als man diesem Zusammenhang auf die Schliche kam, rechnete man aus: Wie kalt müsste das Gas denn sein, damit das Volumen auf Null zusammenschrumpft? So kam man auf einen Wert von -240°C – wohlgemerkt ohne dass man diese Temperatur auch nur annähernd irgendwo „gemessen“ hätte. Das war für das Jahr 1699 schon eine ganz gute Schätzung. Bald war aber klar, dass die Rechnung so nicht gehen kann. Denn man kann sich zwar vorstellen, dass das Volumen eines Gases schrumpft – aber dass es auf Null geht, also gar nicht mehr vorhanden ist, ist erstens unlogisch und zweitens realitätsfremd. Denn jedes Gas wird beim Abkühlen ab einer bestimmten Temperatur etwas ganz anderes machen, nämlich seinen Aggregatzustand ändern – sich also verflüssigen oder sogar gefrieren. Temperatur: Bewegung von Teilchen Man hat den absoluten Nullpunkt dann auf eine andere Art ermittelt. Temperatur ist physikalisch ein Ausdruck für die Bewegung von Teilchen – beim Gas die Bewegung der einzelnen Moleküle, in einem Festkörper das Zappeln der Atome. Alle Atome haben eine Eigenbewegung, und auch diese Eigenbewegung wird immer langsamer, je kälter es wird. So sagte man: Der absolute Nullpunkt wäre dann erreicht, wenn die Eigenbewegung aufhört, wenn sich die Atome nicht mehr bewegen, also alles total eingefroren ist. Da hat man erst mal nur rechnerisch den Wert -273,15° Celsius ermittelt. Parallel entwickelte man Verfahren, um immer kältere Temperaturen zu erreichen. Man hat Gase verflüssigt, sogar Wasserstoff und Helium, was wirklich eine große Leistung war: Man muss Helium auf 4 Grad über dem absoluten Nullpunkt – also -269° Celsius runterkühlen, damit es sich verflüssigt. Das ist gelungen. Man kann heute im Labor Temperaturen von Bruchteilen von Graden über dem absoluten Nullpunkt erzeugen. Aber man weiß auch, man kann diesem Nullpunkt zwar beliebig nahe kommen, aber erreichen kann man ihn nicht. Mehr Messgenauigkeit durch Platindraht und radioaktives Kobalt Wenn man diese Temperaturen erzeugt – woher weiß man, wie kalt das Helium ist? Wie misst man das? Das geht natürlich nicht mit der Art von Thermometern, die wir kennen. Die beruhen darauf, dass sich eine Flüssigkeit unter Temperatureinfluss ausdehnt bzw. zusammenzieht. Bei so tiefen Temperaturen ist aber Quecksilber, oder was man sonst nehmen kann, längst gefroren. Tiefere Temperaturen kann man bestimmen, indem man einen Platindraht dazu tut und den elektrischen Widerstand misst. Auch das ist ein physikalisches Gesetz: Je kälter der Draht, desto schwächer der Widerstand. Aber auch diese Methode hat Grenzen. Wenn man dem absoluten Nullpunkt schon ganz nah ist, etwa bei 0,1 Grad über dem Nullpunkt, dann nutzt man spezielle Kristalle, die radioaktives Kobalt enthalten. Das Kobalt zerfällt mit einer bestimmten Rate zu Nickel, dabei entsteht Gammastrahlung. Und je weniger Gammastrahlung man misst, desto näher ist man dem absoluten Nullpunkt gekommen.

  • Nov 8, 2025 · 4 min

    Warum sind Schaumblasen in der Badewanne stabiler als Seifenblasen?

    Seifenblasen sind Einzelgänger, Schaumblasen treten im Verbund auf Im Grunde sind Schaum- und Seifenblasen physikalisch das gleiche Phänomen. Der Unterschied liegt darin, dass man bei normalen Seifenblasen vor allem an diese isolierten Blasen denkt, die Kinder gerne durch Pusten herstellen oder die von einer Seifenblasenmaschine erzeugt werden. Solche Blasen sind einzeln, während im Schaum die Seifenblasen ja in einem Verbund sind, mit ganz vielen anderen Seifenblasen zusammenhängen. Um zu verstehen, warum es Seifenblasen überhaupt gibt und warum sie zerplatzen, muss man sich klarmachen, wie sie aufgebaut sind. Die Wand einer Seifenblase besteht aus drei Schichten. In der Mitte besteht sie aus Wasser. Das Wasser wird aber außen und innen umhüllt von den Tensiden – d.h. von den Seifenmolekülen. Also eine Sandwich-Struktur, bei der das Wasser durch die Tensidschicht eingeschlossen, quasi in Schach gehalten wird und daran gehindert wird, einen Tropfen zu bilden oder andere Dinge zu benetzen. Warum platzen Seifenblasen? Zum einen zerfallen sie ganz natürlich, weil die Seifenflüssigkeit langsam nach unten läuft. Die Blase wird dadurch oben immer dünner und irgendwann reißt sie. Die andere Möglichkeit ist durch Berührung. Wenn ich mit dem Finger eine Seifenblase berühre, passiert Folgendes: Sobald der Finger die äußere Tensidschicht durchdringt, kommt er direkt mit der Wasserschicht in Berührung. Wegen seiner Oberflächenspannung „schmiegen“ sich die Wassermoleküle aber an den Finger, sie benetzen ihn – ähnlich wie wenn man einen Finger auf eine Wasseroberfläche legt – und verdrängen dadurch die Tensidmoleküle. Oder die Tensid-, also die Seifenmoleküle, fließen dem Wasser, das den Finger benetzt, hinterher und reißen hinter sich ein Loch auf. So oder so, am Ende reißt die Wand auf und bringt die Blase zum Platzen. Wie empfindlich eine Seifenblase ist – das wissen wir alle – hängt auch davon ab, wie dick die Wand der Blase ist. Deswegen sind – wenn man Seifenblasen bläst – die großen Blasen empfindlicher, weil dort die gleiche Menge Seifenflüssigkeit ein größeres Volumen umschließt, dadurch ist die Wand zwangsläufig dünner. Genau wie Luftballons immer empfindlicher werden, je mehr man sie aufbläst. Schaumblasen: kleiner, dickere Tensidschicht, nicht isoliert Chemisch gesehen sind Schaumblasen und normale Seifenblasen ähnlich aufgebaut, aber es gibt ein paar Faktoren, warum sie gegen Berührungen weniger empfindlich sind. Zum einen sind sie in der Regel kleiner, nicht so aufgeblasen, dadurch sind die Wände dicker. Vor allem aber sind beim Schaum die Blasen nicht isoliert, sondern hängen mit ganz vielen anderen Blasen zusammen. Die gesamten Seifenmembranen im Schaum bilden letztlich eine große Oberfläche, über die sich die Seifenflüssigkeit verteilen kann. Wenn man an einer Stelle eine Schaumblase berührt und die Oberfläche infolgedessen etwas dünner wird, dann gibt es im Schaum immer noch genügend Nachschub an Seifenwasser. Deshalb sind die Schaumblasen insgesamt weniger empfindlich gegenüber Berührungen. Es ist aber nicht immer so, dass Seifenblasen sofort zerplatzen, wenn man sie berührt. Es gibt Varieté-Nummern, wo die Künstler oder Clowns mit Seifenblasen jonglieren – diese Blasen haben eine dickere Wand. Seifenblasen halten es sogar aus, wenn ein Regentropfen durch sie durchfällt.

  • Nov 6, 2025 · 2 min

    Führt Kälte zu Erkältungen?

    Nasse Badehosen auf zugigen Fluren und schlotternde Studenten im Keller Nein, weder Kälte noch die berüchtigte "Zugluft" lösen Erkältungen aus. Das ist durch viele Experimente belegt. Zum Beispiel gab es schon 1950 einen Versuch in England: Probanden mussten in nassen Badehosen auf einem zugigen Flur ausharren, stundenlang. In nassen Socken auf und abgehen. Anschließend infizierte der Forscher seine Versuchspersonen mit Erkältungsviren. Doch Probanden in der Kälte wurden nicht häufiger krank als Kontrollpersonen, die es warm gehabt hatten. Im selben Jahr führten amerikanische Forscher ganz ähnliche Versuche durch, um den Zusammenhang von Kälte und Erkältung zu zeigen: Spärlich bekleidete Studenten mussten in einem Keller frieren. Eine zweite Gruppe durfte immerhin Winterbekleidung tragen, musste dafür allerdings zwei Stunden in eine Kühlkammer. Das Ergebnis: Beide Gruppen zeigten keine erhöhten Erkältungsraten. Im Jahr 2005 waren es wieder britische Forscher, die Kälte als Ursache für Erkältung aufzeigen wollten. Jetzt mussten Probanden ihre Füße mit Eis unterkühlen. Eine Kontrollgruppe hatte genau gleiche Bedingungen – bis auf das Eis. Diesmal gab es in der Kältegruppe eine minimal erhöhte Erkältungsrate. Doch für einen wissenschaftlichen Beweis für Erkältung durch Kälte war das Ergebnis zu schwach. Mehr Viren in der kalten Jahreszeit unterwegs Dass es im Winter mehr Erkältungen gibt liegt daran, dass dann mehr Viren unterwegs sind. Aber das ist eher Folge der vermehrten Ansteckungen und nicht Ursache. Ein Grund für die Erkältungssaison könnte ein durch Winterdepression in dunkler Jahreszeit geschwächtes Immunsystem sein. Bewiesen ist das allerdings nicht. Nasenschleimhäute schlecht durchblutet und trocken Die plausibelste Theorie bezieht sich auf die Nase, die in der Winterluft – auf Wärmebildern kann man das erkennen – auskühlt. Die empfindlichen Schleimhäute sind in der unterkühlten Nase schlecht durchblutet. Hier zirkulieren weniger Abwehrzellen als in einer warmen Nase. So können Erkältungsviren leichter ins Gewebe eindringen. Für Empfindliche ist es also durchaus eine Option, mit einem Nasenwärmer durch die kalte Winterluft zu gehen. Auch trockene Luft in überheizten Winterräumen ist Stress für Nasenschleimhäute. Und wer mehr Zeit in Innenräumen verbringt, hat mehr Gelegenheit zum Austausch von Viren. Der Klassiker: das Wartezimmer beim Arzt. Beihilfe zur Epidemie im besonders schweren Fall. Ein gutes Argument gegen die simple Vorstellung, dass Kälte für Erkältungen verantwortlich ist, liefern Menschen, die Kälte gegen Erkältungen einsetzen. Das ist wahrlich keine Strategie für Warmduscher. Aber: Das winterliche Eisbaden – das sagen vor allem die eingefleischten Kältefans – härtet ab und schützt vor der Erkrankung. Und tatsächlich: Gezieltes Kältetraining stärkt das Immunsystem. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

  • Nov 4, 2025 · 3 min

    Kann man auf Fotos Sonnenaufgang von Sonnenuntergang unterscheiden?

    Sonnenuntergänge tendenziell kräftiger rot und orange Egal ob die Sonne auf- oder untergeht: Es sieht auf Fotos immer spektakulär aus. Aber kann man auf Fotos tatsächlich erkennen, ob die Sonne gerade auf- oder untergeht? Jein. Man erkennt es zwar nicht an jedem einzelnen Foto, aber wenn man ganz viele Fotos von Sonnenaufgängen und Sonnenuntergängen vergleicht und analysiert, kann man tatsächlich eine Tendenz feststellen. Sonnenuntergang: Abends wird's dreckig Sonnenuntergänge sind nämlich in der Regel viel kräftiger rot und orange gefärbt als Sonnenaufgänge. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Luft abends in der Regel schmutziger ist als morgens. Wie kommt das? Im Laufe des Tages heizt sich die Erde auf und dadurch wird die unterste Luftschicht wärmer, dehnt sich aus und wird dadurch leichter. Leichte Luft steigt nach oben, dadurch entsteht ein Aufwind und der transportiert Aerosole, die sich in Bodennähe angesammelt haben, in die Höhe. Aerosole sind kleinste Teilchen; da ist alles dabei: Ruß aus Fabriken, aus Verbrenner-Motoren und aus Schornsteinen, aber auch kleinste Kristalle von Meeressalz und kleine Teilchen aus Saharastaub. Schmutzpartikel lassen weniger blaues Licht zu unserem Auge Bevor das Licht einer untergehenden oder aufgehenden Sonne unser Auge erreicht, muss es durch diese Luftschicht durch, also an den Aerosolen vorbei. Vereinfacht kann man sagen: Je mehr Schmutzpartikel in dieser Luftschicht sind, desto weniger blaues Licht kommt bei uns an. Denn Sonnenlicht besteht aus unterschiedlichen Farben und wenn die Luft besonders dreckig ist, also abends, wird das relativ kurzwellige blaue Licht besonders stark gestreut. Es wird also von den Aerosolen in der Luft in andere Richtungen abgelenkt, auch in Richtung Weltraum. Rotes Licht dagegen hat eine größere Wellenlänge als blaues und lässt sich von den Schmutzteilchen in der Luft weniger ablenken. Dadurch schafft es rotes Licht leichter durch die Atmosphäre und in unsere Augen. Das passiert abends noch stärker als morgens. Deshalb sind die Farben abends oft kräftiger als morgens. Ist das immer so? Nein. Die Atmosphäre ist dynamisch. Wenn es zum Beispiel kurz vor dem Sonnenuntergang geregnet hat, dann ist die Luft relativ sauber und die Farben wirken nicht viel kräftiger als morgens. Aber ganz grundsätzlich kann man sagen: Die Farben von Sonnenuntergängen sind in der Regel kräftiger als bei Sonnenaufgängen. Doppler-Effekt spielt keine Rolle – die Lichtstreuung ist's Was man immer wieder liest, ist, dass angeblich der Doppler-Effekt eine Rolle spielen soll. Man kennt das von Sirenen: Wenn ein Polizeiauto oder ein Krankenwagen auf einen zufährt, dann klingt die Sirene heller. Und wenn das Auto vorbeigefahren ist, klingt sie immer tiefer. Bei Licht ist es ähnlich: Bewegt sich eine Lichtquelle von uns weg, werden die Wellen ein kleines bisschen in die Länge gezogen, das Licht verschiebt sich ins Rote. Jetzt könnte man denken: Bei Sonnenuntergang "dreht" sich die Erde "von der Sonne weg", daher die Rotverschiebung. Theoretisch stimmt das. Aber wenn man es ausrechnet, spielt dieser Effekt faktisch keine Rolle. Denn damit dieser Effekt bei Lichtstrahlung eintritt, müsste sich die Erde viel schneller bewegen als sie es tut. Entscheidend für die leichten Farbunterschiede bei Sonnenaufgang bzw. Sonnenuntergang ist wirklich die Lichtstreuung in der Amosphäre.

  • Nov 3, 2025 · 2 min

    Warum erinnern sich Alzheimer-Patienten an ihre Kindheit, aber nicht ans letzte Frühstück, Eckart von Hirschhausen?

    Unser Gehirn besteht aus verschiedenen Bereichen. Es gibt ältere und neuere Teile. Zum Beispiel erinnern sich viele an Gerüche aus der Kindheit – die sind im Hippocampus abgespeichert. Das ist ein sehr tiefer, ursprünglicher Teil vom Gehirn. Es ist der Teil des Gehirns, der aber auch für die Bildung und das Abrufen neuer Erinnerungen zuständig ist. Bei Alzheimer-Demenz ist die Region des Hippocampus besonders früh betroffen. Musik wiederum hat die Eigenschaft, dass sie sehr stabile Erinnerungen schafft. Und die Musik, die wir so zwischen 15 und 25 gehört haben, die bleibt sehr lange im Gedächtnis erhalten. Man vermutet, dass sich in dieser Zeit die Identität maßgeblich entwickelt. Ein Mann, den ich für meine Doku getroffen habe, der gar nicht mehr wusste, wohin er gereist ist, wusste noch, wie Bob Dylan klingt und wie das Lied weitergeht. Das hängt damit zusammen, dass Erinnerungen, die schon lange her sind, also vor allem solche aus der Kindheit, oft stabiler sind und stärker in mehreren Hirnarealen verankert. – Wahrscheinlich sind sie also auch außerhalb des Hippocampus abgespeichert, weil sie über die Jahre hinweg oft wiederholt und abgespeichert wurden. Die Erinnerungen sind nicht notwendigerweise sonderlich detailreich oder lebhaft. Stattdessen wurden sie in den Wissensbestand über das eigene Leben und die Identität aufgenommen. Deshalb sind diese Gedächtnisinhalte robuster als die Erinnerungen aus der jüngeren Vergangenheit. Wenn eine Person, die an Alzheimer erkrankt ist, also jeden Morgen seit 40 Jahren dasselbe Frühstück isst, wäre das wohl eine eher stabile Erinnerung. War es ein spontanes Frühstück, wäre eine Anekdote aus den Jugendjahren wahrscheinlich viel klarer. Das ist auch ein wichtiger Hinweis auf eine therapeutische Dimension, denn wir können unser Musikgedächtnis nicht nur trainieren, indem wir Musik hören, sondern auch aktiv werden, singen, tanzen, musizieren – und auch wenn man das als Jugendlicher nicht gemacht hat, das lohnt sich in jeder Lebensphase. Was bedeutet das für die Therapie? Wir bilden ja beim Erinnern immer wieder neue Erinnerungen. Wir rufen also Dinge aus dem Gedächtnis auf, stellen uns Dinge dazu vor und speichern dann beides wieder ab. Da gibt es den Reminiszenz-Effekt. Der ist auch therapeutisch wichtig, indem Menschen, die sich an bestimmte Dinge über einen Alltagsgegenstand, ein Musikstück oder über ein Foto erinnern können, sich dann auch wieder an andere Dinge erinnern können. Auch eine gute Heimversorgung versucht darauf einzugehen, dass man dann zum Beispiel die Tapeten aus der Zeit hat oder auch Fotos von den großen Stars aus der Zeit. Insofern ist dieser Reminiszenz-Effekt therapeutisch wichtig, weil er Sicherheit und Vertrauen geben kann. Manche Alzheimer-Betroffene "springen" gedanklich zurück in die Zeit, in der sie sich noch sicher und orientiert gefühlt haben. Mehr dazu in der ARD Doku "Hirschhausen und das große Vergessen"

  • Nov 3, 2025 · 1 min

    Woher kommt der Begriff "Alzheimer", Eckart von Hirschhausen?

    Die Diagnose "Alzheimer" ist schon über hundert Jahre alt. Der Name geht auf den deutschen Nervenarzt Alois Alzheimer zurück. Der erkannte 1906 auffällige Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit und Sprachprobleme bei einer Patientin. Nach ihrem Tod fand er bei der Obduktion die heute charakteristischen Eiweißablagerungen im Gehirn. Das war die Geburtsstunde der Diagnose "Alzheimer-Krankheit" – benannt nach ihrem Entdecker. Der Begriff "Demenz" ist noch älter als "Alzheimer". Den gibt es schon seit dem 18. Jahrhundert – als Fachbegriff für den geistigen Abbau bei alten Menschen. Aus dem Lateinischen übersetzt heißt Demenz nämlich so viel wie "ohne Geist" oder "Verlust des Geistes". Dass sich die verschiedenen Formen von Demenz aber auch in ihren Ursachen unterscheiden, hat die Forschung erst im Laufe des 20. Jahrhundert allmählich erkannt. Wann haben sich diese Begriffe in der Alltagssprache durchgesetzt? Das ging erst so in den 1970er- und 1980er-Jahren los. Die nicht mehr ganz Jungen unter uns werden sich erinnern: Früher hat man oft auch flapsig gesagt, jemand ist "verhuscht" oder "verkalkt" – man hat sich die Ablagerungen im Gehirn landläufig so vorgestellt wie Kalkablagerungen in Wasserleitungen. "Verkalkt" trifft es aber eigentlich nur bei einem Teil der vaskulären Demenzen, bei denen sich Kalzium abgelagert hat. Ansonsten müsste man "vereiweißt" sagen, denn es sind Proteine, die da verklumpen. Erst in den 1970er-Jahren erkannte man zum Beispiel, dass viele ältere Menschen mit sogenannter "seniler Demenz" in Wirklichkeit an Alzheimer litten. Ab den 1980er-Jahren haben auch Prominente beitragen, etwa die Schauspielerin Rita Hayworth oder der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan, der seine Alzheimer-Diagnose öffentlich gemacht hat. Mehr dazu in der ARD Doku "Hirschhausen und das große Vergessen"

  • Nov 3, 2025 · 2 min

    Alzheimer und Demenz – was ist der Unterschied, Eckart von Hirschhausen?

    Demenz ist der Oberbegriff für Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache, Orientierung oder Urteilsvermögen nachlassen. Insgesamt gibt es über 50 Formen von Demenz. Alzheimer ist also nur eine Form von Demenz, aber bei weitem die häufigste. Sie macht etwa zwei Drittel aller Fälle aus. Die Krankheit tritt meist nach dem 65. Lebensjahr auf und gehört zu den neurodegenerativen Demenzen, das heißt, dass sie durch fortschreitenden Nervenzellenabbau hervorgerufen wird. Außerdem wird Alzheimer mit Beta-Amyloid und Tau-Ablagerungen im Gehirn in Verbindung gebracht, die fehlerhaft verarbeitet wurden. Die Symptome von Alzheimer sind vor allem Gedächtnis- und Orientierungsverlust und kommen meist erst schleichend mit dem Alter auf. Welche anderen Formen von Demenz gibt es noch und wie unterscheiden die sich von Alzheimer? Es gibt neben Alzheimer auch andere Formen von Demenz, die von anderen Störungen im Gehirn ausgelöst werden. Den zweitgrößten Anteil der Demenzerkrankungen nach Alzheimer machen die vaskulären Demenzen aus. Für die sind Durchblutungsstörungen im Gehirn der Auslöser, die zum Absterben von Nervenzellen führen. Diese Art von Demenz tritt beispielsweise nach Schlaganfällen oder in Verbindung mit Bluthochdruck auf. Die Symptomatik beginnt je nach Ursprung oft schleichend, so wie Alzheimer auch. Es kommt aber häufig zu stufenweiser und schlagartiger Verschlechterung. Im Vordergrund stehen meist nicht Gedächtnisstörungen, sondern Verlangsamung, Denkschwierigkeiten oder Stimmungslabilität. Und es gibt auch Mischformen zwischen Alzheimer und vaskulären Demenzen, die machen etwa 10 bis 15 Prozent der primären Demenzen aus. Alle bisher genannten Demenztypen, bei denen wirklich eine Störung im Gehirn vorliegt, bezeichnet man auch als primäre Form. Das sind auch die häufigsten und grundsätzlich irreversibel. Ihr Krankheitsverlauf lässt sich oft lediglich herauszögern. Daneben gibt es aber auch sekundäre Formen von Demenz. Die machen etwa 10 Prozent der Demenzerkrankungen aus und haben den Ursprung außerhalb des Gehirns. Die werden also beispielsweise durch Stoffwechselfehler, Vitaminmangel oder Infektionen ausgelöst – das haben wir auch bei der Post-Covid-Diskussion gehabt, dass auch Virenerkrankungen das Hirn angreifen können. Sekundäre Demenzen sind behandel- und oft heilbar. Wenn die Demenzerkrankung beispielsweise auf Vitaminmangel oder Alkoholmissbrauch zurückzuführen ist, können die Demenzsymptome in manchen Fällen sogar vollständig bekämpft werden – indem man die Grunderkrankung bekämpft. Gibt es noch weitere Arten von Demenz? Es gibt eine Demenzform, die gerade besonders ins Licht der Wissenschaft rückt, das ist die Frontotemporale Demenz, auch FTD genannt. Das ist die Form von Demenz, an der auch Bruce Willis erkrankt ist. Hier bleibt das Gedächtnis noch recht lange erhalten, stattdessen verschlechtern sich hier oft Impulskontrolle, Sprache bis hin zu Persönlichkeitsveränderungen. Wie der Name schon sagt, sterben bei dieser Krankheit vor allem Nervenzellen im Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns ab, von wo aus vor allem Emotionen und Sozialverhalten gesteuert werden. Deshalb zeigt sich hier die Symptomatik vor allem darin, dass die Krankheit das Sprachvermögen und die Persönlichkeit verändert, Betroffene werden beispielsweise vermehrt reizbar, unberechenbar, taktlos oder ungehemmt. FTD kann auch bei jüngeren Menschen auftreten – da ist die Risikogruppe zwischen 50 und 60. Können denn auch junge Menschen an Alzheimer-Demenz erkranken? Alzheimer-Demenz kommt in den allermeisten Fällen zwar erst ab dem 65. Lebensjahr vor, aber es gibt auch die sogenannte früh-beginnende Alzheimer-Demenz. Die betrifft etwa 5 bis 10 Prozent der Alzheimer-Erkrankten weltweit und kann Menschen schon in den 30ern und 40ern betreffen. Häufig hat das dann genetische Ursachen oder wird von äußeren Faktoren wie Hirnverletzungen oder Umweltfaktoren ausgelöst. Ansonsten sind die Gene nicht der entscheidende Auslöser für eine Demenz, sondern unser Lebensstil, und da kann man viel tun: Nicht rauchen, bewegen, Gemüse – wie immer – eine pflanzenbasierte Ernährung ist gut fürs Herz und gut fürs Hirn. Diabetes behandeln und hohe Blutfette senken hilft auch bei der Vorbeugung. Mehr dazu in der ARD Doku "Hirschhausen und das große Vergessen"