Artwork for 1000 Antworten
Science

1000 Antworten

SWR

Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

  • 702 episodes
  • Updated Monday

Episodes702

  • Nov 2, 2025 · 2 min

    Warum können wir uns Handgeschriebenes besser merken?

    Schreiben mit dem Stift aktiviert das Gehirn Wenn wir mit der Hand schreiben, passiert im Gehirn mehr, als wenn wir nur tippen. Denn über 30 Muskeln und 15 Gelenke arbeiten dabei zusammen – das ist echte Feinarbeit für unser Gehirn. Und genau diese Bewegung hilft uns beim Merken. Die Schreibbewegungen aktivieren das feinmotorische Areal und das visuelle Gedächtnis. Das Gehirn muss viel tun. Wir können uns deshalb gut an den Text erinnern. Wenig los im Gehirn: Getipptes A unterscheidet sich nicht sehr vom getippten Z Wenn wir Maus und Tastatur benutzen, sind die Bewegungen einfach und wiederholen sich. Egal, ob wir ein A oder ein Z tippen: Die Bewegung ist immer gleich und im Gehirn ist weniger los. Wenn wir also beim Schreiben gleichförmige, repetitive Bewegungen ausführen, merken wir uns den Text nicht so gut. Embodied Cognition: Denken, Fühlen und Bewegung hängen eng zusammen Für den positiven Merkeffekt ist es nicht notwendig, analog mit Stift und Papier zu schreiben. Denn es geht um die Motorik. Und die kann man genauso gut mit einem digitalen Stift auf einem Tablet ausführen. Hauptsache die Hand ist so richtig in Bewegung. Forscher sprechen dabei von "Embodied Cognition". Das bedeutet: Denken, Fühlen und Bewegen hängen eng zusammen. Somit ist nicht nur die Schreibbewegung für unseren Merkprozesses relevant Auch das Gefühl, den Stift in der Hand zu halten und übers Papier zu streichen, hilft beim Erinnern. Noch besser können wir uns Dinge merken, wenn Gefühle im Spiel sind, denn starke Emotionen setzen Hormone und Botenstoffe frei und im Gehirn ist wieder richtig was los. Genau das hilft beim Erinnern. Beim Lesen längerer Texte analog wohl vorteilhafter als digital Aber wie ist das beim Lesen? In Deutschland ist das noch wenig erforscht. Doch es gibt Hinweise: Wer sich in einen längeren Text vertiefen will, kommt mit Papier besser klar. Das zeigt auch der Alltag: Besonders junge Leute greifen gerne zum "echten" Buch. Das überrascht. Schließlich ist das genau die Generation, die für lange Bildschirmzeiten bekannt ist. Für kurze Texte oder zum schnellen Überfliegen macht es keinen Unterschied. Da ist digital genauso gut wie gedruckt. Wir halten fest: Wenn man sich an etwas erinnern will, sollte man lieber kritzeln statt tippen und blättern statt scrollen.

  • Nov 1, 2025 · 2 min

    Ist im Winter weniger Sauerstoff in der Atmosphäre?

    Globaler Ausgleich Einen messbaren Unterschied bzw. einen, der sich auf uns auswirkt, machen die jahreszeitlichen Schwankungen nicht aus. Aber es ist trotzdem eine interessante, wenn auch eher mathematisch-spielerische Frage. Denn es stimmt: Wenn es weniger Grün gibt, dann produzieren die Pflanzen im Schnitt weniger Sauerstoff. Die Frage ist, ob sich das auswirkt. Da gibt es mehrere Antworten. Die eine ist: Wenn man die ganze Erde betrachtet, dann gleicht sich das etwas aus, denn wenn auf der Nordhalbkugel Winter ist, ist auf der Südhalbkugel Sommer. Zumindest rein rechnerisch dürfte die Erde global im Großen und Ganzen nicht mehr oder weniger Sauerstoff im Winter oder im Sommer produzieren. Tag-Nacht-Schwankung größer als die zwischen Sommer und Winter Aber wie sieht es lokal aus, wenn man durch den Park läuft? Gibt es da mehr Sauerstoff oder weniger? Hier spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Denn nicht nur die Pflanzen produzieren Sauerstoff, sondern Sauerstoff wird auch verbraucht. Von Pflanzen, von Tieren und von Mikroorganismen im Boden. Deren Aktivität ist im Winter aber auch reduziert. Das heißt, die Pflanzen produzieren zwar ein bisschen weniger Sauerstoff, aber es wird auch ein bisschen weniger Sauerstoff verbraucht. Das gleicht sich aus. Vor allem aber: Dieser gesamte Sauerstoffwechsel der Biosphäre ist, gemessen an dem, wie viel Sauerstoff überhaupt in der Atmosphäre ist, minimal. Wir haben 21 Prozent Sauerstoff in der Atmosphäre. Und was wir täglich davon umsetzen – rein in die Pflanzen, raus aus den Pflanzen – das ist vernachlässigbar. Letztlich sind die Schwankungen zwischen Tag und Nacht – nachts verbrauchen Pflanzen ja auch Sauerstoff – größer als die zwischen den Jahreszeiten. Aber trotzdem ist es ein schönes Rechenspiel. Wenn Ihnen also das nächste Mal beim Laufen im Winter die Luft wegbleibt, dann können Sie es leider nicht mehr auf die Bäume schieben, die im Winter weniger Sauerstoff produzieren.

  • Oct 30, 2025 · 3 min

    Warum flackern Kerzen?

    Gleichgewicht bei Wachszufuhr erforderlich Wenn es nicht der Wind ist, dann kommt das Flackern meist daher, dass an der Flamme ein Ungleichgewicht zwischen Verbrennung und Brennstoffnachschub besteht. Auslöser ist dabei häufig ein zu langer Docht. Eine Kerze funktioniert ja so: Die Flamme erhitzt das Wachs im Docht, das dann in der Flamme verdampft und vor allem verbrennt – das Gelbe in der Flamme ist ja nichts anderes als die verglühenden Wachsteilchen. Das Wachs, das verbrennt, wird ersetzt durch nachströmendes flüssiges Wachs von unten. Im idealen Fall, bei einer ruhigen Kerze, besteht dann ein Gleichgewicht: Die Flamme verbrennt immer gerade so viel Wachs, wie nachströmt. Zum Flackern kommt es, wenn dieses Gleichgewicht gestört ist. Wachsdefizit löst Flackern aus Nehmen wir an, der Docht ist zu lang: Dann kann eine Situation entstehen, in der die Flamme eine relativ große Menge Brennstoff zur Verfügung hat, nämlich alles Wachs, was sich in dem langen Docht befindet. Wenn sie viel Brennstoff hat, flammt sie stärker auf. Weil dadurch aber in kurzer Zeit viel Wachs verbrannt wird, entsteht in dem langen Docht ein Defizit, denn das flüssige Wachs kann von unten gar nicht so schnell durch den langen Docht nachströmen – und plötzlich ist die Flamme unterversorgt, bricht kurzfristig zusammen, wird also sichtbar schwächer. In der Zwischenzeit strömt aber weiter flüssiges Wachs in den Docht, und so wird aus dem Defizit an Wachs im Docht kurz darauf wieder ein Überschuss. Die Flamme flammt erneut auf, und so geht das hin und her – das ist vergleichbar mit dem Stottern eines Automotors, der nicht richtig eingestellt ist. Docht kürzen hilft nur kurzfristig Man kann Abhilfe schaffen, indem man den Docht ein bisschen kürzt. Aber das hilft oft nur kurzfristig, denn bei den Kerzen, bei denen das einmal passiert, dass der Docht zu lang wird, passiert das in der Regel immer wieder, weil die Dicke des Dochts nicht optimal gewählt ist. Kerze ins Gefrierfach Unter bestimmten Umständen kann es helfen, die Kerze vor dem Anzünden ins Gefrierfach zu legen. Denn wenn die Kerze kalt ist, braucht das Wachs mehr Energie, um zu schmelzen. So strömt auch nicht so viel Wachs in den Docht nach; die Kerze brennt langsamer ab. Im besten Fall kommt dadurch das Verhältnis von Verbrennung und nachströmendem Wachs wieder ins Gleichgewicht, sodass die Kerze nicht mehr flackert. Aber eine Garantie ist das nicht.

  • Oct 29, 2025 · 2 min

    Warum jucken Wunden, wenn sie heilen?

    Wenn es juckt, kommunizieren die Zellen Menschliche Zellen kommunizieren miteinander, und das Jucken ist im Grunde das "Rauschen" in dieser Kommunikation – gerade, wenn sich Zellen neu bilden. Die Situation: Die Haut ist verletzt, Zellen sind zerstört. Die Wunde hat geblutet, jetzt ist das Blut geronnen, Gewebezellen bilden sich neu. Doch sie müssen sich abstimmen, damit das neue Gewebe eine Struktur bekommt mit Oberhaut und Unterhaut und so weiter. Dazu muss jede neue Zelle wissen: Welcher Typ von Zelle soll ich werden? Wann soll ich aufhören, mich zu vermehren? Dazu tauschen die Zellen Signale aus, und das läuft über chemische Botenstoffe. Die wiederum reizen bestimmte Nervenrezeptoren an der Haut. Beim Gehirn kommt das als "Jucken" an. Jucken kann ein wichtiges Signal sein – oder einfach nur lästig Doch warum hat es die Natur so eingerichtet, dass Wunden jucken? Denn es führt ja dazu, dass wir uns kratzen, was aber für die Wundheilung meist nicht gut ist. Insofern hat das Jucken vordergründig keinen "Sinn". Aber es juckt ja nicht nur, wenn Wunden heilen, sondern auch z. B. wenn die Haut von Flöhen oder Läusen befallen ist. Auch hier weist das Jucken darauf hin, dass irgendwas an der Haut nicht in Ordnung ist. Wenn unsere Vorfahren darauf mit Kratzen reagierten, haben sie unter Umständen Ungeziefer an der Haut entfernt. Insofern ist der Juckreiz an sich schon ein sinnvolles Alarmsystem. Der Preis dafür ist aber, dass es manchmal auch dann juckt – wie im Fall der Wunden – wenn es überhaupt nichts bringt, wenn es einfach nur lästig ist.

  • Oct 28, 2025 · 1 min

    Warum schließen wir beim Niesen die Augen?

    Zusammenkneifen der Augen beim Niesen ist ein Reflex Vermutlich, damit keine Krankheitserreger in die Augen gelangen. Es ist schwierig nachzuweisen, warum sich in der Evolution bestimmte Dinge entwickelt haben. Denn die Evolution ist ja kein denkendes Wesen, ist kein Ingenieur, den man fragen kann, was er sich bei einer bestimmten Vorrichtung gedacht hat. Man kann davon ausgehen: Dass wir die Augen beim Niesen reflexhaft zusammenkneifen – gar nicht anders können – hat sich sicher nicht ohne Grund so entwickelt. Zwei mögliche Erklärungen Was aber ist der Nutzen heute? Vor allem zwei Gründe werden immer wieder diskutiert: Beim Niesen entsteht ein enormer Druck. Um diesem Druck entgegenzuwirken, schließen wir die Augen. Wir würden damit sozusagen verhindern, dass die Augäpfel aus der Augenhöhle gedrückt werden. Die meisten Experten halten diese Erklärung allerdings für ziemlich unwahrscheinlich. Denn die Augen sind zwar mit den Atemwegen verbunden, allerdings nur über den schmalen Tränenkanal; über den kann dieser Druck gar nicht so schnell ans Auge abgeführt werden. Das Zukneifen der Augen verhindert, dass Krankheitserreger, die wir herausniesen, in die Augen gelangen. Diese Erklärung halten die meisten Experten für plausibler.

  • Oct 26, 2025 · 2 min

    Wie funktioniert der Geruchssinn?

    Duftmoleküle schwirren durch die Luft Alles was riecht, gibt Düfte in Form von winzigen Molekülen in die Luft ab, die wie Staubkörner überall herumschwirren. Beim Einatmen gelangen mit unserer Atemluft die Duftmoleküle in unsere Nase. In der obersten Etage befinden sich die Riechzellen. Davon hat der Mensch 20 Millionen. Jede dieser Riechzellen hat einen kleinen Nervenfortsatz, der durch den Schädelknochen hindurch in unser Gehirn zieht. Darum hat der Schädel auch kleine Löcher. Kontaktaufnahme mit Riechzelle nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip Wenn nun ein Duftmolekül wie zum Beispiel der Vanille in der Luft herumschwirrt, dann würde dieses Duftmolekül Kontakt mit einer der Riechzellen aufnehmen. Die Riechzellen sind Spezialisten: Die einen haben sich auf Vanille spezialisiert, die anderen auf Moschus und die Dritten auf Buttersäure. Sie besitzen Sensoren bzw. Rezeptoren, wie wir die nennen – das sind die "Schlösser". Und das Duftmolekül ist der passende Schlüssel dazu. Wenn also das Vanilleschloss aufgesperrt wird, sendet die Zelle ein Signal ins Gehirn und sagt: "Ich, die Vanillezelle, habe ein Molekül gerochen! Jetzt ist Vanille in der Luft." Wie funktioniert der Geruchssinn bei Duftkombinationen? Wenn man einen Wein hat, dann sind da vielleicht schon 100 verschiedene Zellentypen im Einsatz. Insgesamt haben wir 350 verschiedene; damit decken wir die ganze Duftwelt ab. Wie viele unterschiedliche Gerüche können wir wahrnehmen? Bei 350 unterschiedlichen Geruchsrezeptoren ist die Kombination unendlich groß. Es ist ähnlich wie beim Alphabet: Wir haben 350 "Buchstaben" zur Verfügung. Und die "Duftwörter" können 100 oder 150 Buchstaben lang sein; so viele verschiedene Duftstoffe können also zusammengemischt sein. Und damit haben wir natürlich eine unglaubliche Zahl von Möglichkeiten, verschiedene Düfte wahrzunehmen.

  • Oct 24, 2025 · 4 min

    Wo in Deutschland entspricht unsere Uhrzeit dem Sonnenstand?

    Deutschland von Ost nach West: gute halbe Stunde Unterschied beim Sonnenstand Es kommt darauf an, wo in Deutschland man lebt. Wir haben alle mal in der Schule gelernt: Mittags um 12 Uhr steht die Sonne am höchsten. Die Wahrheit ist: Das stimmt fast nirgends in Deutschland. Im Sommer trifft das für keinen einzigen Ort zu, im Winter nur für eine Stadt. Ich sage gleich, welche. In Deutschland gilt überall die gleiche Zeit, wir haben nur eine Zeitzone fürs ganze Land. Das ist im Winter die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) und im Sommer die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Allerdings erreicht die Sonne keineswegs überall gleichzeitig ihren Höchststand. Denn die Erde dreht sich von Westen nach Osten. Deshalb sind die östlichsten Gegenden Deutschlands den westlichsten Zipfeln eine gute halbe Stunde voraus, was den Sonnenstand betrifft. Die Sonne geht im Osten früher auf, erreicht früher ihren Höchststand und geht früher unter. Sonne erreicht im Winter in Greenwich um 12 Uhr ihren Höchststand Wie weit östlich ein Ort liegt, kommt im Längengrad zum Ausdruck. Die Längengrade oder "Meridiane" sind die gedachten Linien, die vom Nordpol zum Südpol verlaufen. Die Zählung beginnt in Greenwich (London): Durch das Observatorium in Greenwich läuft der sogenannte Nullmeridian. Dort hat die Sonne nach britischer Zeit tatsächlich mittags um 12 Uhr ihren höchsten Punkt erreicht, jedenfalls in der Winterzeit. Dort beginnt also die Zählung der Längengrade nach Osten und nach Westen, in beide Richtungen jeweils 180 Grad. Deutschland erstreckt sich über 9 Längengrade Geht man also auf dem Globus vom Nullmeridian nach Osten, dann stößt man beim 6. Längengrad auf die westlichste Ecke Deutschlands; die liegt bei Aachen. Die östlichste Ecke bei Görlitz liegt auf dem 15. Längengrad. Deutschland erstreckt sich also von West nach Ost über 9 Längengrade. Das bedeutet: Überall in Deutschland gilt dieselbe vereinheitliche Uhrzeit. Doch die entspricht fast nirgends der natürlichen Sonnenzeit am jeweiligen Ort. Also der Zeit, die gelten würde, wenn man sich dort streng nach der Sonne richten würde. Diese natürliche Sonnenzeit, die dem wahren Sonnenstand entspricht, heißt deshalb auch wahre Ortszeit. Die Erde dreht sich 15° pro Stunde Jetzt habe ich gesagt: Die östliche Gegend in Deutschland liegt bei Görlitz auf dem 15. östlichen Längengrad. Dieser Längengrad ist deshalb interessant, weil der 15. Längengrad quasi die zentrale Achse der Mitteleuropäischen Zeitzone ist und 15 Längengrade auf dem Globus genau einer Stunde Zeitverschiebung entsprechen. Das kommt daher: Ein Kreis hat 360°, also hat auch die Erde 360 Längengrade – eben von London aus je 180 nach Osten und nach Westen. Wenn sich die Erde einmal um sich selbst gedreht hat, also einmal um 360°, dann ist ein Tag vergangen, also 24 Stunden. So kann man leicht ausrechnen: 360° geteilt durch 24 Stunden macht 15° pro Stunde. Die Erde dreht sich also in jeder Stunde 15 Grad weiter. Das heißt umgekehrt: Immer, wenn man sich 15 Längengrade weiter nach Osten bewegt, ist man eine Stunde weiter, was den Sonnenstand betrifft. 15. Längengrad berührt Deutschland in Görlitz und Neißeaue Und das bedeutet: Wenn der Nullmeridian in Greenwich der Mittelpunkt der englischen Ortszeit ist – dann bildet der 15. östliche Längengrad die zentrale Achse unserer Zeitzone, der Mitteleuropäischen Zeit. Dieser 15. Längengrad berührt Deutschland aber nur ganz im Osten, eben in Görlitz und in der kleinen Nachbargemeinde Neißeaue. Das sind die einzigen Orte in Deutschland, in denen im Winter wirklich die Sonne genau mittags um 12 Uhr Ortszeit am höchsten steht. (Es gibt noch kleinere Schwankungen, die lassen wir hier aber außen vor. Wer sich dafür interessiert, findet sie unter dem Stichwort "Zeitgleichung") Ansonsten zieht sich der 15. Längengrad in unseren Breiten vor allem durch Polen, Tschechien und Österreich. Linie Aurich – Dortmund – Pirmasens Im Rest von Deutschland – westlich von Görlitz – hinkt die Uhrzeit dem Sonnenstand immer hinterher: Die Sonne erreicht fast überall erst nach 12 Uhr ihren höchsten Punkt. Es gibt sogar Gegenden im Westen Deutschlands, die astronomisch eigentlich schon näher an der Greenwich-Zeit sind, also an der Londoner Ortszeit. Welche das sind, kann man leicht ermitteln. Denn wenn 15 Längengrade einer Stunde entsprechen, dann entspricht eine halbe Stunde 7,5°. Der Längengrad 7,5° zieht sich von Ostfriesland bei Aurich über Dortmund bis in die Pfalz bei Pirmasens. Alles, was westlich dieser Linie liegt, ist, was den Sonnenstand betrifft, näher an Greenwich als an Görlitz. Gäbe es keine Ländergrenzen, würde man diese Orte also eher der britischen Zeit zuordnen. Doch im deutschen Westen hört die Mitteleuropäische Zeit noch gar nicht auf. Frankreich und Spanien benutzen sie ebenfalls, obwohl sie geografisch größtenteils in der britischen Zeitzone zuzuordnen wären. MESZ entspricht der mittleren Sonnenzeit in Kiew Bisher haben wir nur über den Winter geredet. Im Sommer, wenn die Uhren eine Stunde vorgestellt sind, ist es noch krasser. Dann gibt es in Deutschland keinen einzigen Ort mehr, in dem die Sonne mittags um 12 Uhr am höchsten steht, sondern frühestens um 13 Uhr. In Aachen ist der Sonnenhöchststand im Sommer fast um 13:40 Uhr. Der Grund: Unsere Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) entspricht dem, was im Winter die Osteuropäische Zeit ist. Die entspricht dann nicht mehr dem Sonnenstand in Görlitz, sondern dem in Kiew. Das gilt wieder nicht nur für uns, sondern auch die Uhren im Westen Spaniens zeigen immer Sommer eine Zeit an, die dem Sonnenstand in der zentralen Ukraine entsprechen.

  • Oct 23, 2025 · 2 min

    Wie schnell fallen Regentropfen?

    Neulich hatten wir mal die Frage: Wie schnell fällt ein Mensch vom Himmel? Die Antwort war: 200 km/h, in Extremfällen sogar 500 km/h. Davon ist ein Regentropfen weit entfernt, und zwar aus zwei Gründen: Er ist viel kleiner und leichter – dadurch erfährt er einen deutlich höheren relativen Luftwiderstand. Und wenn er doch mal größer ist und schneller werden könnte, wird der Tropfen genau durch diesen Luftwiderstand in einer Weise verformt, die ihn eher noch weiter abbremst. Die Tropfenform ist ein Mythos Das hat nichts mit der sogenannten "Tropfenform" zu tun – dass also Regentropfen unten rund sind und oben spitz, so wie das Tropfensymbol auf der Wetterkarte. So sehen Tropfen höchstens mal kurz aus, wenn der Wasserhahn ganz langsam tropft. Im Normalfall aber sind kleine Tropfen kugelrund, und größere werden durch das Fallen von unten plattgedrückt. Sie gehen in die Breite – und eben das bremst sie noch weiter. So kommt es, dass Regentropfen ungefähr zehnmal langsamer fallen als Menschen im freien Fall. So ein typischer Topfen mit 1 bis 2 Millimetern Durchmesser hat eine Geschwindigkeit von, ganz grob, 20 Stundenkilometern. Aber das hängt eben vor allem von der Größe ab. Bei Niesel- oder Sprühregen sind die Tropfen klein und langsam, fallen vielleicht nur mit fünf Stundenkilometern. Bei einem Gewitter- oder Platzregen sind sie groß und etwas schneller und können 30 bis 40 Stundenkilometer erreichen. Es hängt auch von den Windverhältnissen ab. Je nachdem, wie der Wind weht – aufwärts oder abwärts – kann er die Regentropfen bremsen oder beschleunigen. Wie lang ist so ein Tropfen unterwegs? Das hängt davon ab, wie hoch er startet. Nehmen wir an, der Tropfen fällt aus einer typischen Stratuswolke; die hängen relativ tief auf 1.000 Meter Höhe. Wenn wir von einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern ausgehen, dann braucht er ganz grob 3 Minuten. Wenn die Wolke höher hängt, entsprechend länger.

  • Oct 22, 2025 · 2 min

    Ist alleine essen ungesund?

    Forschung zum Alleinessen: Folgen für die Gesundheit sind individuell Dem Magen und dem Darm ist natürlich egal, ob beim Essen neben uns jemand sitzt oder nicht. Schlagzeilen darüber, dass allein essen ungesund sei, liest man dennoch immer öfter. Ganz abzuweisen sind diese Aussagen jedenfalls nicht. Die Forschung weiß: Ob allein essen ungesund wirkt, entscheidet sich am persönlichen Kontext. Alleinessen wird zum beliebten Trend Im Bordbistro des ICE, in der Mittagspause im Homeoffice oder noch schnell vor dem Schlafengehen. Fest steht: Wir essen immer häufiger allein. Das ist lästig und ungesund, aber wen wundert‘s, werden manche sagen. Die moderne Arbeitswelt und Social Distancing zwingen uns ja dazu. Nicht ganz, sagen die anderen: Allein essen vermag ganz eigene kulinarische Erfahrungen zu ermöglichen. Das berichten zumindest zahlreiche Internetblogs. Mit der nötigen Portion Achtsamkeit heißt Alleinessen dann auf einmal "Solo-Dining" und wird zum beliebten Trend. Nicht mal davor, allein ins Restaurant zu gehen, wird sich noch gescheut. Das zeigen Daten von Online-Reservierungsportalen. Gesundheitliche Bedenken? Eher nicht, sagen die Blogger. Es kommt auf unsere Ernährungsgewohnheiten an Systematische Forschung dazu gibt es allerdings auch. Die sagt: Ob allein essen der Gesundheit schadet, hängt zunächst davon ab, wie wir uns ernähren. Eher gesund oder nicht so gesund eben. Das fand eine Studie heraus. Man konnte zeigen, dass Personen, die sich insgesamt gesund ernähren, das auch beim Alleinessen tun. Wer sich jedoch überwiegend ungesund ernährt, tut das sowohl allein als auch in Gesellschaft. Diese Menschen essen zudem häufig allein und unregelmäßig. Dafür, dass Menschen mit ungesunder Ernährung öfter allein essen, lassen sich bisher nur schwer gemeingültige Aussagen formulieren. Es ist nämlich selbst im Einzelfall nicht immer zu klären, was zuerst da war: Das Alleinessen oder die ungesunde Ernährung. Wenn andere nicht dabei sind, fällt es mir schließlich leichter, meiner sündigen Phantasie, zwei Eisbecher mit Sahne hintereinander zu verdrücken, Taten folgen zu lassen. Hin und wieder ist das gesundheitlich kein Problem. Wird diese Vorliebe allerdings zwanghaft, dann esse ich auch bevorzugt allein, um dem Verlangen nachzugehen. Ein Teufelskreis. Ein Zusammenhang zwischen Alleinessen und Erkrankungen ist erwiesen Legt man eine Studie an, bei der viele Menschen befragt werden, kann man einen solchen Effekt auf die Gesundheit tatsächlich nachweisen. Eine viel beachtete Studie aus Südkorea fand Folgendes heraus: Verglichen mit Personen, die immer mit anderen essen, sind Personen, die oft allein essen, häufiger fettleibig und haben öfter einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Diese Menschen sind damit auch anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Typ II. Indem es ein ungesundes Essverhalten begünstigt, kann Alleinessen somit tatsächlich krank machen. Mögliche Folgen auch für die psychische Gesundheit – aber es bleibt komplex Auch eine Wirkung auf das psychische Wohlbefinden gibt es. Denn Alleinessen setzt ja das Alleinsein voraus. Ein ebenfalls zunächst bedenkenloser Zustand. Unfreiwillig allein zu sein – und allein essen ist ja ein Merkmal davon – kann allerdings nachweislich einsam machen. Auf Dauer ist auch das ungesund. All das passiert aber nicht ohne Weiteres. Schadhafte Essverhalten oder gar Essstörungen sind komplex in ihrer Entstehung und häufiges Alleinessen ist dabei nur eine von vielen möglichen Zutaten. Hier gilt: Genauso, wie jeder Mensch unterschiedlich gern mit sich allein ist, hängt auch das Verhältnis zum Alleinessen von persönlichen Einstellungen und der jeweiligen Esskultur ab. Zum Beispiel: Für junge Erwachsene in Frankreich hat das gemeinsame Essen den größten Stellenwert. Jungen Erwachsenen in Deutschland ist das gemeinsame Kochen am wichtigsten. In den meisten Esskulturen haben junge Menschen heute aber insgesamt weniger Vorbehalte, allein zu essen, als ältere. Das erklärt warum der Trend zum Alleinessen vor allem in der jüngeren Generation beliebt ist. Ist gemeinsam essen immer gesünder? Quatsch mit Soße Wie individuell das Ganze ist, wird zuletzt am Wissenstand über gemeinsames Essen nochmal deutlicher. Hier weiß man, dass gemeinsame Mahlzeiten länger dauern, meistens fetthaltiger sind und öfter aus Fleisch bestehen als die, die man allein isst. Auch die Portionen sind größer. Zwangsläufig gesünder ist gemeinsam essen also nicht. In Gesellschaft zu essen und unter Leuten zu sein spricht jedoch auch für ein großes soziales Netz und das, so weiß man, ist wiederum gut für die Gesundheit. Fazit Ob das Dinner for one ungesund ist, bleibt von Mensch zu Mensch unterschiedlich zu bewerten. Als freiwilliger Trend ist allein essen unproblematisch. Ungewollt oder unter Zwang kann das allerdings ungesund sein.

  • Oct 22, 2025 · 2 min

    Warum haben viele Comicfiguren nur vier Finger?

    Disney-Zeichner sparten Zeit Viele Comicfiguren haben nur einen Daumen und drei weitere Finger. Natürlich sind vier Finger leichter zu zeichnen, aber das ist nicht der einzige Grund. Denn bei Comic-Heften wäre das wirklich ein vernachlässigbarer Aufwand. Ich habe mal zwei Comic-Zeichner gefragt – nämlich Markus Witzel ("Mawil") und Felix Görmann ("Flix"). Die haben mir erklärt, dass die Tradition der "vier Finger" auf die frühen Zeichentrickfilme der 1920er- und 1930er-Jahre zurückgeht, vor allem auf die alten Disneyfilme. Die waren ja, verglichen mit heutigen Animationsfilmen, noch sehr einfach gezeichnet. Und da die Zeichner für die Filme viele Bildabfolgen zeichnen mussten, haben sie tatsächlich Zeit gespart, wenn sie einen Finger weggelassen haben. Für alle wesentlichen Ausdrucksformen reichen vier Finger Man kann über die Gestik mit Daumen und Zeigefinger schon ziemlich viel ausdrücken, den Mittelfinger bräuchte man nur für irgendwelche obszönen Gesten, als Stinkefinger, der aber in diesen klassischen Comics nicht vorkommt. Mit den Trickfilmen hat das also angefangen – und später haben die Figuren die vier Finger beibehalten. Heute hat der Verzicht auf einen Finger oft stilistische Gründe. Man findet die 4-Finger-Hand vor allem bei den Figuren, die eher skizzenhaft gezeichnet sind, wie ein Cartoon. Auch Calvin aus "Calvin und Hobbes" hat nur vier Finger. Ebenso "Hägar der Schreckliche". In diesen Fällen, so sagen mir die Comic-Experten, würde es sogar überladen oder unharmonisch aussehen, wenn eine an sich einfache, knubbelige Figur plötzlich fünf filigrane Finger hätte. Bei den Comics dagegen, die schon aufwändiger gezeichnet sind und mehr von den Details leben, haben die Figuren dann meist auch fünf Finger. Asterix zum Beispiel hat fünf Finger. Tim aus "Tim und Struppi" hat ebenfalls fünf Finger, weil Hergé ein sehr genauer Zeichner war.

  • Oct 21, 2025 · 3 min

    Warum heißt Tee in manchen Ländern "Chai" oder "Cha"?

    Verschiedene Varianten von "Tee" gehen aufs Chinesische zurück Das ist ein interessantes Phänomen und erzählt viel über die Kolonialgeschichte. Tee heißt auf Persisch Chai, ähnlich klingt der Name im Arabischen oder im Türkischen – Çay. Aber Chay heißt er auch in Russland, der Ukraine und in den Balkanstaaten. Doch dann gibt es plötzlich eine Sprachgrenze. Auf Deutsch heißt er eben Tee, auf Englisch "tea". Auf Französisch, Spanisch, aber auch auf Schwedisch und Finnisch wird das Getränk zwar unterschiedlich geschrieben, aber überall mehr oder weniger immer als "Tee" ausgesprochen. So lassen sich fast alle Länder der Welt in zwei Schubladen sortieren. In der einen spricht man das Getränk "Te" oder so ähnlich aus. In der anderen ist es eine Variante von Chay, Cay oder Cha. Das ursprüngliche chinesische Wort war aber das gleiche, so erklärt es der Kieler Tee-Historiker Martin Krieger. Tee und Cha – das sind unterschiedliche chinesische Dialekte. Einige Kaufleute lernten Tee als "Tee" kennen, andere als "Tschai" oder "Tscha". Auf diese Weise entwickelten sich diese beiden Bezeichnungen für Tee und gingen um die Welt. Quelle: Prof. Martin Krieger "Chai" kam auf dem Landweg über Indien, Persien und Russland Die Faustregel lautet: Dort, wo man Chai oder Tschai sagt, kam der Tee einst auf dem Landweg über Indien und Persien oder eben Russland an. Denn Cha war eigentlich sogar das gängigere Wort in China. Und als der Tee in Persien ankam, hatte er einen i-Auslaut verpasst bekommen, sodass aus "Cha" dann "Chai" wurde. Auf diesem Weg gelangte der Tee mit Karawanen noch weiter bis in die Türkei, den Balkan und den ganzen arabischen Raum. Deshalb heißt er fast überall dort Chai oder so ähnlich. "Tee" erreichte Westeuropa per Schiff Doch nach Westeuropa kam der Tee nicht auf dem Landweg, sondern über die Kolonialschiffe der Niederländer, Briten und Dänen. Die Niederländer waren die ersten, die Tee in großem Stil importieren, und deren Hauptanlaufstelle war in den Anfängen des Kolonialhandels die chinesische Südküste. Dort wurde die chinesische Sprache Min Nan gesprochen und in dieser Sprache klingt das Getränk eher wie Tee. Das haben dann auch die Briten und Dänen übernommen. Deshalb verrät der Name des Getränks in der Regel, ob ein Land den Tee ursprünglich über den Landweg oder den Seeweg bezogen hat. Hörtipp: SWR2 Wissen - Tee in der Weltgeschichte Gegen die Regel: In Portugal heißt der Tee "Cha" Doch es gibt eine interessante Ausnahme dieser Faustregel. Zwar ist ganz Westeuropa "Tee"-Land, doch ganz im Südwesten Europas, in Portugal, heißt der Tee plötzlich wieder "Cha". Das kommt daher, dass die Portugiesen in der Nachfolge von Vasco da Gama die ersten Europäer, die Schiffe ins ferne Asien schickten, noch vor den Niederländern. Sie beherrschten die asiatischen Meere im 16. Jahrhundert, ihr wichtigster Umschlagsplatz in China war aber Macau, und dort hieß der Tee nun mal "Cha", wie im überwiegenden Teil Chinas. Deshalb ist Portugal auf der europäischen Tee-Landkarte ein sprachlicher Ausreißer. Herbata und arbata: Polen, Litauen und Belarus leiten vom Lateinischen ab Ein anderer findet sich Polen, Litauen und Belarus. Diese Länder passen teemäßig in keine der beiden Schubladen Tee oder Chai, sondern dort heißt der Tee herbata oder arbata. Da steckt das lateinische "Herba" drin – zu Deutsch "Kraut". Und tatsächlich war "Herba Thea" eine frühe botanische Bezeichnung für die Teepflanze. Die gibt es zwar nicht mehr, aber in Polen, Litauen und Belaraus hat sie sich gehalten, nur dass aus Herba Thea eben "Herbata" wurde.

  • Oct 20, 2025 · 2 min

    Wie entstand der Kuss?

    Entstehung des Kusses ist unklar Ja, wenn man das so genau wüsste, wer wen als erstes küsste ... Man kann nur spekulieren, denn unsere Vorfahren, die die Küsse erfunden haben, haben ihre Motive ja leider nicht aufgeschrieben. Eine traditionelle Mutmaßung lautet, das es ein Relikt aus archaischen Zeiten sei. Wir kennen ja im Tierreich viele Fälle, wo Mütter ihre Jungen mit dem Schnabel füttern, bei Vögeln zum Beispiel, und dass das Küssen daher rührt. Allerdings ist das wahrscheinlich viel zu sehr um die Ecke gedacht. Denn mit den Vögeln sind wir nicht so eng verwandt, zwischen uns und denen liegt doch evolutionär eine große Lücke. Auch Tiere zeigen Zuneigung durch Berührung Die intensivsten Küsse bei uns Menschen gibt es ja bekanntlich auch nicht zwischen Mutter und Kind, sondern zwischen sich liebenden Partnern. Da findet man natürlich auch im Tierreich ein paar Verhaltensweisen, die zumindest vergleichbar sind: Elefanten wickeln ihre Rüssel umeinander, Pferde beknabbern sich zärtlich, Affen stupsen ihre Nasen aneinander. Da geht es schon um Zuneigung. Generell beschnüffeln sich viele Tiere im Vorfeld eines Sexualkontakts, wobei das dann eher eine asymmetrische Geschichte ist: Da geht also nicht Nase an Nase, sondern Nase an Hinterteil. Den leidenschaftlichen Liebeskuss, mit Mund zu Mund, wie wir Menschen ihn kultiviert und zur Reife gebracht haben, den findet man im Tierreich nicht. Unter den Menschen ist der Kuss nicht überall verbreitet. Man findet ihn zwar auf allen Kontinenten. Aber Anthropologen haben vor ein paar Jahren festgestellt, dass für die Mehrheit der – vor allem indigenen – Kulturen der romantische Kuss unüblich ist. So ist zum Beispiel in den Kulturen südlich der Sahara das Küssen wenig verbreitet. Somit ist es offenbar keine angeborene Verhaltensweise. Gleichzeitig ist es aber doch so weit verbreitet, dass man schon fragen kann, was das Küssen eigentlich soll? Idealer Ausdruck von Intimität Vieles spricht dafür, dass es vor allem eine sexuelle Signalfunktion hat, es bringt ein intimes Verhältnis zum Ausdruck. Denn beim Küssen sind ja vor allem Lippen und Zunge beteiligt. Dort befinden sich unglaublich viele sensorische Rezeptoren – viel mehr als normalerweise auf der Haut. Man merkt das, wenn man etwas zwischen den Zähnen hat oder auf einem Zahn eine Unebenheit spürt. Die fühlt sich mit der Zunge immer wahnsinnig groß an, obwohl die Störung objektiv ganz klein ist. Das liegt auch daran, dass die Dichte der Sensoren auf der Zunge, aber eben auch auf den Lippen, so groß ist. Somit sind Küsse vom Gefühl her sehr intensiv und ideal dafür geeignet, Intimität auszudrücken.

  • Oct 19, 2025 · 3 min

    Wie konnte das Inka-Reich so groß werden?

    Das Inka-Reich war das größte in Amerika. In der Alten Welt gab es noch das Mongolenreich oder Reich Alexanders des Großen. Das Römische Reich war von seiner Ausdehnung her längst nicht so groß wie das der Inka. Wie konnte es also so groß werden? Die Inka hatten kein großes stehendes Heer und zunächst auch keinen so großen Drang, sich auszudehnen. Als sie in das Tal von Cusco eingewandert sind, mussten sie zunächst einen kleinen Staat aufbauen. Schließlich hatte man ein Reich, das vom heutigen südlichen Kolumbien bis südlich von Santiago de Chile reichte. Diplomatie, Geschenke und geschickte Heiratspolitik Angesichts der Topographie, der hohen Berge, hätte man dieses Gebiet gar nicht mit einem Riesenheer erobern können. Vielmehr hat man das wohl durch Diplomatie erreicht. Man heiratete geschickt. Wenn der Inka-König als der große Herrscher anerkannt war, was durch bestimmte Mechanismen geschah, hatte er mehrere Frauen und entsprechend viele Kinder. Die Frauen wurden vom König „verteilt“ und es wurde geschickte „Geschenkpolitik“ betrieben. Von Bedeutung waren wertvolle Textilien, die von den sogenannten Sonnenjungfrauen in ihren Klöstern hergestellt wurden. Diese Textilien wurden ebenfalls verschenkt und die Gegengabe war die Subordination, also die Unterordnung unter den Häuptling. Ausdehnungsbewegung begann im 14. Jahrhundert Früher nahm man an, dass diese Entwicklung unter dem Vater und Großvater des letzten Königs Atahualpa (der von Francisco Pizarro ermordet wurde) geschah und dass diese drei Generationen es also geschafft haben sollen, das Reich so weit auszudehnen. Das ist jedoch so unwahrscheinlich, dass man als Archäologe feststellen muss, dass das so schnell nicht funktioniert haben kann. Konkret: Die Inka wurden 1532 von den Spaniern erobert. Man war lange davon ausgegangen, dass sie ein Reich hatten, das nicht mal 100 Jahre alt war. Doch inzwischen kann man noch mal 100 Jahre dazurechnen. Im 14. Jahrhundert entstand also die Ausdehnungsbewegung.

  • Oct 17, 2025 · 2 min

    Wie funktioniert Meerwasserentsalzung?

    Gängiges Verfahren: Umkehrosmose Das gängigste Verfahren ist die sogenannte Umkehrosmose. Dazu braucht man eine Membran, die Wassermoleküle durchlässt, aber die Salzbestandteile zurückhält. Im Grunde eine Art physikalisch-chemisches Sieb mit winzig kleinen Löchern im Nanometerbereich. Durch die wird das Wasser gepresst, sodass man auf der einen Seite salzfreies Wasser hat und auf der anderen Seite die übrigbleibende Salzlake. Man kann aber das Wasser nicht ganz durchpressen, weil sich sonst die Konzentration in der Salzlake immer weiter erhöhen würde, und irgendwann würden die Poren in der Membran durch Salzkristalle verstopft. "Umkehrosmose" heißt das deshalb, weil normalerweise solche Membranen dazu führen, dass sich Salzkonzentrationen ausgleichen. Normalerweise – wenn man keinen äußeren Druck ausübt – würde das Wasser sich also in Richtung der höheren Salzkonzentration bewegen. Das kommt in der Natur ständig vor. Wenn wir eine Tomate salzen, geben die Zellen durch die Zellmembran hindurch Wasser ab. Auch viele Vorgänge in unserem Körper beruhen auf dieser Osmose. Bei der Umkehrosmose geht der Prozess in die andere Richtung, indem das Wasser mit viel Druck gegen seine natürliche Richtung durch die Membran gepresst wird. Das ist derzeit noch das am meisten genutzte Verfahren, mit dem Trinkwasser auf Hochseeschiffen gewonnen wird oder auch in den großen Entsalzungsanlagen in Trockengebieten, etwa im Nahen Osten. Weitere Möglichkeit: Destillation Eine andere Möglichkeit besteht darin, das Wasser zu destillieren. Das Meerwasser wird erhitzt, verdampft dabei – und wenn es verdampft, bleibt das Salz zurück; der Wasserdampf ist also nicht salzig. Dieser Wasserdampf wird in Rohren aufgefangen und gekühlt. Durch die Kondensation wird aus dem Wasserdampf wieder flüssiges Wasser, welches frei von Mineralien ist. Auch das ist eine Möglichkeit, Wasser zu entsalzen. Es ist ein Verfahren ähnlich wie beim Brennen von Schnaps, nur eben mit Meerwasser. Das Verfahren ist etwas aufwändiger, mit ein paar Zwischenschritten mehr und natürlich in viel größeren Dimensionen. Aber das physikalische Prinzip ist das gleiche. Wenig Mineralstoffe, viel Energie: Beide Verfahren haben Mängel In beiden Fällen ist das Wasser zwar salzfrei, aber dadurch so mineralarm, dass es auch nicht gut ist. Zum einen ist destilliertes Wasser als Trinkwasser nicht besonders empfehlenswert, zum anderen verstärkt es die Korrosion der Rohre in den Anlagen. Deshalb werden dem entsalzten Wasser hinterher Mineralien in Form von Kalziumkarbonat, sprich Kalk zugesetzt. Der zweite Haken ist der Energieaufwand. Denn egal, ob ich Wasser mit viel Druck durch eine Membran presse oder erhitzen muss, um es verdunsten zu lassen – das braucht viel Energie. Allerdings haben die Regionen, wo man solche Anlagen braucht, meist ein großes Potenzial an erneuerbaren Energien: An den Küsten gibt es viel Wind, im Nahen Osten viel Sonne; diese Energie kann man nutzen. Der Trend geht zunehmend in diese Richtung. Trotzdem arbeitet die Forschung an Verfahren, Meerwasserentsalzungsanlagen zu konstruieren, die mit weniger Energie auskommen.

  • Oct 16, 2025 · 2 min

    Wie kamen die ersten Juden nach Deutschland?

    Archäologische Funde: Die ersten Juden kamen mit den Römern Strenggenommen kamen sie nicht "nach Deutschland", sondern sie lebten schon hier, lange bevor es so etwas wie "Deutschland" gab, nämlich im 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus. Damals war das, was heute Süddeutschland ist, Teil des Römischen Reiches. Das heißt, die ersten Juden kamen mit den Römern. Archäologische Zeugnisse aus jener Zeit belegen das: Objekte etwa, die an den traditionellen siebenarmigen Leuchter, die Menora, erinnern. Wir haben viele spätantike Funde aus dem 2. bis 4. Jahrhundert. Öllampen, die das Motiv der Menora tragen; die haben wir aus Trier, aus Augsburg. Wir haben Bleiplomben, auf denen eine solche Menora dargestellt ist. Quelle: Thomas Otten, Jüdische Museum im Archäologischen Quartier Köln MiQua Archäologische Funde aus dieser Zeit gibt es nördlich der Alpen nur in den Gebieten des Römischen Reiches, also innerhalb des Limes. Das legt den Schluss nahe, dass die Juden zusammen mit dem römischen Militär kamen. Das ist plausibel, denn nach der Eroberung Jerusalems durch die Römer, nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 und dem niedergeschlagenen Bar-Kochba-Aufstand verließen die meisten der noch verbliebenen Juden ihre Heimat Judäa oder wurden versklavt. Ihre Nachfahren verteilten sich über Italien auch in den Norden des Römischen Reiches – als Teil der römischen Armee oder als Händler, worauf die besagten Lampen schließen lassen, aber auch Schmuckstücke mit jüdischer Symbolik. Erste schriftliche Erwähnung 321 in einem Erlass von König Konstantin Im Jahr 321 werden Juden erstmals schriftlich erwähnt, und zwar in einem Erlass von Kaiser Konstantin von 321. Das Edikt regelt reichsweit, dass jüdische Bürger in die Räte der Städte berufen werden durften. Was natürlich impliziert, dass es Juden in den Städten gegeben hat. Und zwar nicht nur irgendwelche, sondern auch Juden mit Einfluss und entsprechender sozialer Stellung. Quelle: Thomas Otten, MiQua Denn in den Stadtrat berufen zu werden, war nicht nur eine Ehre, sondern auch mit finanziellen Verpflichtungen verbunden. Da die Städte in den römischen Provinzen immer knapp bei Kasse waren, hofften sie, über jüdische Händler in den Stadträten etwas flüssiger zu werden. Köln wird explizit genannt. Es ist höchstwahrscheinlich so, dass der Rat der Stadt Köln den Kaiser angeschrieben und um eine Regelung gebeten hat. Der Kaiser hat dann eine Regelung getroffen, hat sie aber reichsweit getroffen, also das reichsweit zu regeln und zu erlassen. Quelle: Thomas Otten, MiQua Hierzulande lebten Juden, bevor es "Deutsche" gab Dieses kaiserliche Edikt stammt aus dem Jahr 321 und war der Anlass, dass das Jahr 2021 zum Jubiläumsjahr erklärt wurde. Man spricht von "1700 Jahren jüdischem Leben in Deutschland". Aber das ist zum einen eine Untertreibung, denn Juden lebten schon vorher hier. Und es ist eine Verkürzung, denn weder gab es Deutschland, noch eine deutsche Sprache, noch nicht einmal "deutsch" als Begriff oder Idee. Anders gesagt: Hierzulande lebten Juden, lange bevor es "Deutsche" gab.

  • Oct 14, 2025 · 4 min

    Warum gibt es mehr Rechtshänder als Linkshänder?

    An den alten Rittersleuten liegt die Linkshändigkeit nicht Hierzu gab es schon alle möglichen Theorien. Zum Beispiel, dass die Linkshändigkeit ein Überbleibsel aus der Ritterzeit wäre, als die Ritter in der rechten Hand das Schwert führten, während sie mit der linken Hand mit dem Schild ihr Herz schützten. Die Theorie gilt längst als überholt, weil Archäologen anhand prähistorischer Werkzeuge und Faustkeile herausgefunden haben, dass schon unsere Vorfahren vor zwei Millionen Jahren mehr mit der rechten Hand gearbeitet haben. Die hatten aber noch keine Schwerter. Allerdings trugen auch sie das Herz auf der linken Seite Das Mutterherz führt nicht zur Lösung Wegen dieser Position des Herzens gibt es einen weiteren Erklärungsversuch, der weniger mit Rittern als mit Müttern zu tun hat: Möglicherweise haben damals Mütter ihre Säuglinge mehr auf der linken Seite getragen, damit die Babys näher am Herzen sind und sich vom Herzschlag beruhigen lassen. Die Mütter hätten dann die rechte Hand frei gehabt, die sich dann immer mehr als Arbeitshand durchgesetzt hat. Aber auch das ist Spekulation. Auch Hirnforschung steht vor Rätsel Leider hilft auch die Hirnforschung nicht wirklich weiter. Aus der Hirnforschung wissen wir, dass unsere beiden Gehirnhälften jeweils die gegenüberliegenden Organe steuern: Die linke Gehirnhälfte steuert die rechte Hand und den rechten Fuß und umgekehrt. Gleichzeitig befindet sich bei den meisten Menschen in der linken Gehirnhälfte auch das Sprachzentrum sowie generell die Hirnareale, die stärker für rationales, analytisches und logisches Denken verantwortlich sind. Aus dieser Spezialisierung der linken Hirnhälften könnte also die Spezialisierung der rechten Hand folgen. Allerdings stellt sich da die Frage: Warum sollten Sprache und logisches Denken beeinflussen, mit welcher Hand wir lieber einen Ball werfen? Man könnte höchstens eine Verbindung herstellen indem man sagt: Sprache ist Kommunikation und mit den Händen haben unsere Vorfahren auch kommuniziert. Aber ob das als Erklärung reicht? Das zweite Problem mit dieser Erklärung ist, dass es zwar tatsächlich Linkshänder gibt, bei denen die Gehirnhälften andersherum spezialisiert sind, aber das ist eine Minderheit. Zwei Drittel der Linkshänder haben ihr Sprachzentrum genau wie die Rechtshänder auf der linken Seite. Viele Linkshänder im Spitzensport Es ist auch fraglich, ob die Rechtshändigkeit überhaupt mit einem evolutionären Vorteil erklären kann. Denn weder sind die Linkshänder ausgestorben, noch scheinen sie irgendwelche Nachteile im Kampf ums Überleben zu haben. Es gibt sogar unter erfolgreichen Spitzensportlern überdurchschnittlich viele Linkshänder, vor allem bei Zweikampfsportarten. Das wird damit erklärt, dass sich Linkshänder besser in einen rechtshändigen Gegner hineinversetzen können als umgekehrt. Ein Linkshänder und ein Rechtshänder bei eineiigen Zwillingen Obwohl es so ein alltägliches Phänomen ist, hat die Wissenschaft noch keine Ahnung, warum sich die rechte Hand durchgesetzt hat. Und sie weiß noch nicht einmal, wie man überhaupt zum Linkshänder wird. Klar scheint zumindest: Kurz nach der Geburt steht bereits fest, ob jemand Links- oder Rechtshänder ist. Aber es ist bisher kein Linkshänder-Gen identifiziert worden, sondern im Gegenteil kommt es vor, dass von zwei eineiigen Zwillingen einer ein Rechts- und einer ein Linkshänder ist. "... und alle Fragen offen" Andererseits: Wenn beide Eltern Linkshänder sind, ist die Wahrscheinlichkeit zumindest leicht erhöht, dass ihre Kinder es auch sind. Aber die Gene spielen wohl nur eine untergeordnete Rolle. Möglicherweise wird die Händigkeit auch von Hormonen im Mutterleib beeinflusst. Und es scheint einen Zusammenhang mit den Umständen der Geburt zu geben: Frühchen mit einem Geburtsgewicht von unter 1000 Gramm werden überdurchschnittlich häufig zu Linkshändern, ebenso Mehrlingskinder. Und im Sommer werden aus irgendeinem Grund mehr Linkshänder geboren als im Winter. Niemand weiß warum.

  • Oct 13, 2025 · 1 min

    Tee und Kaffee sorgen für Harndrang und kalte Füße – warum?

    Beide Effekte hängen miteinander zusammen. Viele Leute bekommen kalte Füße, wenn sie einige Tassen Kaffee bzw. schwarzen oder grünen Tee getrunken haben. Das ist gerade im Winter etwas schade, wenn man den Tee zum Aufwärmen trinkt. Das funktioniert zwar erstmal, der Tee wärmt von innen, aber wenn Hände und Füße nach einer Weile kalt werden, ist der schöne Effekt dahin. Und dann muss man meist auch bald schon aufs Klo. Koffein sorgt für Verengung der Blutgefäße Tatsächlich bedingt das eine auch das andere – und das liegt am Koffein. Koffein ist sowohl im Kaffee als auch im schwarzen und grünen Tee enthalten. Und Koffein hat viele Wirkungen. Eine ist, dass sich die Muskelfasern rund um die Blutgefäße zusammenziehen und sich die Blutgefäße dadurch verengen. Damit haben wir schon die Erklärung für die kalten Hände und Füße, denn dort, in den Extremitäten, spüren wir diese Kontraktion der Blutgefäße am schnellsten. Blutdruck steigt und die Nieren werden aktiver Wenn sich aber nun die Blutgefäße zusammenziehen, steigt außerdem der Blutdruck – denn das Blut in den Adern hat dann weniger Platz und steht somit buchstäblich stärker unter Druck. Diese Wirkung ist nur kurzfristig und klingt nach einer halben Stunde wieder ab. Doch der Körper versucht, diesen erhöhten Blutdruck abzubauen. Das geschieht, indem die Nieren aktiver werden. Die Nieren haben die Aufgabe, das Blut zu filtern, holen die Stoffe heraus, die ausgeschieden werden sollen, und mit ihnen Flüssigkeit. Wenn nun die Nieren aktiver werden, produzieren sie mehr Urin – und das sorgt für den verstärkten Harndrang. So hängt alles – die kalten Füße, der erhöhte Blutdruck und die harntreibende Wirkung – miteinander zusammen. Und Auslöser ist das Koffein im Kaffee oder Tee.

  • Oct 12, 2025 · 3 min

    Warum drehen sich Windräder immer im Uhrzeigersinn?

    Rotoren sind weltweit gleich gebaut – Uhrzeigersinn hat sich durchgesetzt Das hat sich einfach so ergeben. Es hat also nichts mit der "Hauptwindrichtung" zu tun. Wäre das so, könnte man das Windrad ja einfach andersherum aufstellen und linksherum drehen lassen. Es hat auch nichts mit der "Corioliskraft" zu tun, wie auf manchen Internetseiten steif und fest behauptet wird: Die Corioliskraft ist eine Kraft, die sich durch die Erddrehung ergibt und dafür sorgt, dass sich Hochdruckgebiete auf der Nordhalbkugel rechtsherum drehen. Aber Windräder drehen sich überall rechtsherum, nicht nur auf der Nordhalbkugel. Das liegt einfach daran, dass die Rotoren so gebaut sind. Praktisch für den Windkraftanlagen-Markt: weltweiter Standard Die Drehrichtung ist für die Funktionsweise völlig egal. Es ist nur einfach praktischer, wenn es eine einheitliche Richtung gibt. Der Uhrzeigersinn hat sich durchgesetzt. Früher, in der Zeit der Windmühlen, waren die Traditionen sehr unterschiedlich: Es gab Länder wie Dänemark und Holland, wo sich die meisten Windmühlen linksherum gedreht haben, in Norddeutschland drehten sie sich eher rechtsherum. Bei den modernen Windkraftanlagen war es anfangs auch so. Die frühen Windräder in Dänemark haben sich linksherum gedreht. Diese regionalen Traditionen gibt es bei den Windkraftanlagen nicht mehr, weil das ja einen weltweiten Markt betrifft. Da hat sich die Drehung im Uhrzeigersinn einfach als weltweiter Standard durchgesetzt – auch wenn es dafür keine offizielle Norm gibt. Es ist sinnvoll, weil die Produktion dadurch einfacher ist: Die Rotorblätter der Windräder sind im Längsprofil asymmetrisch geformt – sie haben eine Luv- und eine Leeseite, sodass sie die Windkraft möglichst effizient in eine Drehbewegung umsetzen. Wollte man jetzt neben den rechtsdrehenden auch linksdrehende Windräder bauen, bräuchte man zusätzlich spiegelverkehrt gebaute Rotorblätter. Das wäre technisch kein Problem, würde aber mehr Aufwand bedeuten als wenn man immer nur einen Typ herstellt. Gleichmäßiges Drehen ruft Windkraftgegner nicht zusätzlich auf den Plan Neben diesen praktischen Gründen kommen vielleicht auch noch ästhetische hinzu: Windräder werden ohnehin schon von vielen als eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes wahrgenommen. Wenn sich nun in einem großen Windpark die einen Räder rechtsrum und die anderen linksrum drehen, würde das unter Umständen noch unruhiger wirken als wenn sich alle Räder in die gleiche Richtung drehen. Johannes, Erik und Eriks Frau diskutieren: der Uhrzeigersinn gewinnt Warum aber gerade der Uhrzeigersinn? Dazu gibt es eine Geschichte, die man sich in der dänischen Windindustrie erzählt. Demnach fiel die Entscheidung 1970 in Dänemark. Es gab zwei Brüder, die beide in der Windbranche tätig waren: Erik und Johannes Grove-Nielsen. Diese Brüder waren Konkurrenten. Der eine, Erik, hat nun eines Abends am Küchentisch seine Rotorblätter entworfen und dabei mit seiner Frau auch die Drehrichtung besprochen. Daraufhin meinte die Frau sinngemäß: Die Blätter vom Johannes laufen linksherum, deshalb sollten sich unsere rechtsherum drehen. Und nachdem sich Eriks Firma in den darauf folgenden Jahren zu einem weltweit führenden Rotorblatthersteller entwickelt hat, so die Geschichte, hätten sich die rechtsdrehenden eben durchgesetzt.

  • Oct 11, 2025 · 2 min

    Warum ist Feuer rot-gelb?

    Hitze bringt Rußteilchen zum Glühen Das Rot-Gelbe, das wir in den Flammen am Kaminfeuer oder in der Kerze sehen, ist nichts anderes als glühender Ruß. Die Farbe kommt also nur von der Hitze, die die Rußteilchen zum Glühen bringt. Sie hat mit dem Verbrennungsprozess als solchem nur insofern zu tun, als die Verbrennung die Hitze liefert. Denn was passiert, wenn wir Holz oder – in einer Kerze Wachs – verbrennen? In beiden Fällen wird der darin enthaltene Kohlenstoff oxidiert, d.h. er verbindet sich mit dem Sauerstoff in der Luft. Dadurch entsteht als Abfallprodukt entweder das berüchtigte Kohlendioxid oder auch Kohlenmonoxid – also Gase. Das ist eine chemische Reaktion. Weil aber in einer normalen Flamme die Sauerstoffzufuhr eingeschränkt ist, erfolgt die Verbrennung immer unvollständig – es bleibt immer eine Menge Kohlenstoff übrig, der nicht oxidiert – das ist der Ruß. Bei der Verbrennung wird aber gleichzeitig Wärme frei. Und so entstehen in der Flamme Temperaturen von 1200 bis 1400 Grad. Bei dieser Hitze fangen die Rußteilchen an zu glühen – das ist das Gelb-Rote, was wir sehen. Warum wird etwas rot, wenn es heiß wird und glüht? Im Regelfall ist das die sogenannte Schwarz-Körper-Strahlung. Das klingt widersprüchlich, weil der Körper ja gerade nicht schwarz ist, sondern rot. Der Ausdruck soll aber sagen, dass diese Strahlung unabhängig ist von der Farbe, die ein Gegenstand sonst hat. Das heißt, bei jeder Temperatur sendet ein Körper eine gewisse Grundstrahlung aus. Meist sehen wir die nicht, weil sie nicht im Bereich des sichtbaren Lichts ist. Aber wenn der Körper heißer wird – also etwa bei 1200 Grad – dann nimmt diese Grundstrahlung eine rot-gelbe Farbe an. Und wenn er noch heißer wird, kommen immer mehr bläuliche Anteile dazu, sodass der Körper insgesamt weißer wird. Und wenn die Flamme blau ist? Blaue Flammen sind eher ein Zeichen dafür, dass der Brennstoff vollständig verbrannt wird und eben kein Ruß entsteht. Manche Stoffe nehmen aber auch eine typische Farbe an, wenn sie verbrennen. Wir kennen das vom Feuerwerkskörper, wo verschiedene Metalle verwendet werden, um am Himmel bestimmte Farben zu erzeugen. Das ist aber dann keine "Glüh-Farbe", sondern da entsteht die Farbe aus einer chemischen Reaktion heraus.

  • Oct 10, 2025 · 2 min

    Warum sind Teekannen anders geformt als Kaffeekannen?

    Das hat zum einen historische Gründe, die sich aus der traditionellen Zubereitung beider Heißgetränke herleiten. Kaffee wurde früher aufgekocht. Dabei schäumt er; deshalb die hohe Kaffeekanne. Die bauchigen Teekannen aber kamen mit ihrer Form der früher gängigen Tee-Zubereitungsart entgegen, sagt Teehändler Ernst Janssen: "In einer bauchigen Kanne entwickelte sich der Tee besser, weil er – als Siebe noch nicht gebräuchlich waren – einfach freier schwimmen konnte." Zartes Porzellan – besseres Aroma Die Form der Kannen wiederum wurde zum Teil auf die Tassen übertragen, damit sich ein einheitliches Bild ergibt: Zur bauchigen Teekanne passen eher weite rund geschwungene Tassen. Aber es gibt auch geschmackliche Gründe: Aus einer weiten Tasse getrunken, möglichst mit dünnem Rand, entfaltet sich das Aroma deutlich besser als etwa aus einem typischen Mug – also einer dieser hohen zylinderförmigen Tassen mit dicker Wand, wie sie gerne in Büros stehen. Die sind zwar schön stabil und es passt viel rein – aber für den wahren Teegenuss sind sie weniger empfehlenswert als das klassische Teegeschirr. Tassenhenkel: eine europäische Erfindung Tassen mit Henkel sind übrigens eine Erfindung der Europäer. Als die europäischen Händler im 18. Jahrhundert Tee aus China importierten, brachten sie auch Tassen aus Porzellan mit – die hatten aber noch keine Henkel. Henkel wurden erst in Europa nachträglich "drangebappt". Und erst mit der Zeit stellten sich auch die Chinesen auf diese Vorliebe der Europäer ein und stellten Tassen mit Henkel her. Warnung vor dem Stövchen In der deutschen Teekultur hat sich darüber hinaus ein weiteres Utensil verbreitet, vor dem Ernst Janssen ausdrücklich warnt. Denn etwas sollte man mit Tee nicht tun: ihn aufs Stövchen setzen. Warum? Weil die Hitze durch die Kerze im Stövchen dafür sorgt, dass der Tee "nachzieht". Sie macht ihn dadurch immer bitterer und ungenießbarer.