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Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Episodes702

  • Apr 3, 2024 · 2 min

    Warum hören viele nicht, dass sie falsch singen?

    Kaum Training des eigenen Gehörs im Alltag Das kann daran liegen, dass sie generell nicht gut darin sind, feine Tonhöhenunterschiede wahrzunehmen. Das liegt in vielen Fällen daran, dass sie es gar nicht gewohnt sind, darauf zu achten. Nehmen wir das Klischee: Gesänge im Stadion oder auf einer Party. Da achten die wenigsten auf die Korrektheit der Intonation, auch nicht die der anderen, weil es darum nicht geht. Schiefe Töne kann man durch Übung erkennen – so gut wie ein Profi Wer es nicht gewohnt ist, darauf zu achten, hat entsprechend wenig Übung darin, schiefe Töne zu erkennen. Wenn man das aber übt, geht das eigentlich recht schnell. Es gab vor ein paar Jahren eine Studie vom Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt, die sogar zu dem Ergebnis kam, dass Laien im Grunde genauso gut hören, wenn jemand falsch singt, wie eine ausgebildete Musikerin. Sogar bei kleinen Kindern kann man zeigen, dass sie schiefe Töne oft recht gut erkennen können. Es gibt wenige Menschen mit einer angeborenen Amusie – die können zum Beispiel keine Melodien erkennen oder wiedergeben. Aber von denen abgesehen können die meisten Menschen schiefe Töne bei anderen durchaus wahrnehmen. Eigene Stimme hören wir über die Luft und den Körper Das ist dann auch eine gute Voraussetzung, um die Treffsicherheit der eigenen Stimme richtig einzuschätzen. Aber wenn es um den eigenen Gesang geht, ist die Situation ein bisschen anders, da wir unsere eigene Stimme anders hören als die von anderen. Wir hören unseren eigenen Gesang nämlich nicht nur über die Luft, sondern auch über den Körper – gerade unsere Schädelknochen vibrieren nämlich mit, wenn wir reden oder sprechen. Auch diese Schwingungen kommen im Innenohr an. Weil das ein etwas anderes Hören ist, kann es passieren, dass wir schiefe Töne bei anderen zwar schnell erkennen, bei uns selbst aber nicht so gut. Wechsel zu "bequemeren" Tonlagen während des Singens Hinzu kommt, dass wir zum eigenen Gesang buchstäblich weniger Abstand haben. Wir sind quasi zu beschäftigt, um uns selbst objektiv zuzuhören. Und dann passiert es, dass zum Beispiel die Melodie eines Liedes immer weiter ansteigt und die Töne Höhen erreichen, die ungemütlich werden, wo es uns anstrengt. Viele Leute reagieren dann unbewusst, indem sie die Töne etwas tiefer singen – aber eben damit auch falsch. Auch das ist eine Übungssache. Es gibt viele Apps, die Tonhöhen anzeigen. Mit denen kann man sehr schnell sehen, ob der Ton, den man singt, auch der ist, den man singen will. So kriegen die meisten Menschen recht schnell ein Gefühl – zumindest dafür, zu erkennen, dass sie schief singen. Und das ist der erste Schritt, um zu üben, die Töne richtig zu treffen. Kann man "gutes Singen" objektiv beurteilen, oder sind das soziale Normen? Beides. Ob man Töne richtig trifft oder nicht, ist ein objektives Kriterium. Ein weiteres ist, ob man mit der richtigen Atmung und Haltung singt, sodass es nicht anstrengt und man das beste aus seiner Stimme herausholt. Aber ob eine Stimme an sich schön ist oder nicht, ist ziemlich subjektiv. Am Ende kommt es darauf an, ob jemand es schafft, uns mit seiner Stimme zu berühren. Das hat wenig mit starren Regeln zu tun als viel mehr damit, ob es jemand schafft, seinet Stimme einen einerseits emotionalen, gleichzeitig aber auch authentischen, glaubwürdigen Ausdruck zu verleihen.

  • Mar 20, 2024 · 2 min

    Wie lange dauert der Sonnenuntergang am Nordpol?

    Am Äquator ist die Sonne im Nu hinterm Horizont verschwunden. Bei uns dauert die Dämmerung schon etwas länger – und noch länger dauert der Untergang, wenn wir weiter nach Norden fahren, nach Skandinavien oder Schottland. Ab dem Polarkreis geht die Sonne an manchen Sommertagen gar nicht mehr unter. Und am Nordpol herrscht bekanntlich eine Extremsituation. Dort steht die Sonne ein halbes Jahr lang durchgehend am Himmel – ein halbes Jahr lang ist "Tag", gefolgt von einem halben Jahr "Nacht". Diese Polarnacht beginnt am Tag der Wintersonnenwende, nämlich um den 23. September herum. Ein Sonnenuntergang, der länger als ein Tag dauert Ich sage: "um … herum", weil der Sonnenuntergang tatsächlich länger dauert als einen Tag, nämlich etwas mehr als 32 Stunden – also einen ganzen Tag und noch 8 Stunden dazu! So viel Zeit vergeht von dem Zeitpunkt an, in dem die Sonne den Horizont gerade so berührt bis zu dem Moment, wo sie ganz dahinter verschwunden ist. Das kommt daher, dass die Sonne in einem sehr flachen Winkel absinkt. Selbst am Sommeranfang, am 21. Juni, steht die Sonne nur 23,5° über dem Horizont. Dann hat sie drei Monate Zeit, von diesem ohnehin schon niedrigen Punkt wieder Richtung Horizont abzusinken. Man kann sich vorstellen, dass auch die Schlussphase sehr lange dauert. Und währenddessen dreht sich die Erde ja auch am Nordpol um sich selbst. In der Konsequenz bedeutet das: Während des Sonnenuntergangs am Nordpol streift die Sonne einmal ringsum den gesamten Horizont – und braucht dann noch weitere 8 Stunden, um endgültig zu verschwinden.

  • Mar 12, 2024 · 5 min

    Könnte man etwas unsichtbar machen, wenn man es mit ultravioletter Farbe bestreicht?

    Nein, aber die Idee klingt natürlich bestechend. Andererseits: Wenn es möglich wäre, hätte das wohl schon mal jemand gemacht. Wo also ist der Haken? Andersherum gefragt: Wann ist etwas überhaupt sichtbar? Sichtbar sind entweder Objekte, die selber Licht erzeugen und ausstrahlen – wie die Sonne oder eine Glühlampe – oder Objekte, Oberflächen, die Licht reflektieren. Fast alles, was wir täglich sehen, sind Oberflächen, die Sonnenlicht reflektieren. Quelle: Hans Kricheldorf, Professor für makromolekulare Chemie Und weiter: Man muss unterscheiden, dass es zwei Arten von „sehen“ gibt. Nämlich das physikalische Sehen – es kommt Licht und dringt in unser Auge ein. Das ist der physikalische Teil des Sehens. Aber was uns bewusst wird, bedarf einer Verarbeitung durch das Gehirn; das will ich als das „Wahrnehmen“ bezeichnen. Das ist nun wichtig, wenn wir fragen: Was ist unsichtbar und was ist sichtbar? Quelle: Hans Kricheldorf, Professor für makromolekulare Chemie Entsprechend, erklärt der Materialwissenschaftler, gibt es auch zwei Varianten der Unsichtbarkeit. Variante 1 bedeutet: Unsichtbar im Sinne von durchsichtig, transparent. Luft zum Beispiel oder eine hochtransparente Glasscheibe können wir physikalisch nicht sehen, weil von dort kein Licht zu uns zurückkommt. Quelle: Hans Kricheldorf, Professor für makromolekulare Chemie Und gleich die Einschränkung: Luft strahlt durchaus. Sie sendet elektromagnetische Wellen durch den Raum. Doch diese können wir nicht sehen, denn unsere Augen sind nur für einen winzigen Ausschnitt des elektromagnetischen Spektrums überhaupt empfänglich. Wir sehen keine Radiowellen – deren Wellenlänge ist viel zu lang. Wir sehen keine Röntgenstrahlen – die sind viel zu kurz. Unsere Augen sind eigentlich ziemlich beschränkt. Sie sehen nur die Farben des Regenbogens, und der ist ein dünner Strich in der Landschaft der elektromagnetischen Wellen. Würden wir die Wellenlängen der Regenbogenfarben in Schallwellen übersetzen, dann entspräche der Abstand zwischen dem inneren und äußeren Rand des Regenbogens gerade mal einer Oktave. Mehr nicht. Alle Lichtfrequenzen, die größer oder kleiner sind, sehen wir nicht. Alle diese diversen Strahlenbereiche, da strahlt Luft zum Beispiel im Mikrowellen- oder im Infrarotbereich. Wenn Sie Luft von Raumtemperatur vor eine kalte Wand blasen würden, dann würden Sie im Infrarot sehen, dass die Luft Wärme abstrahlt, Infrarotlicht abstrahlt. Dass wir Luft nicht sehen, ist also nur ein Phänomen des ganz kleinen Ausschnitts an Strahlung, den unser Auge wahrnimmt. Quelle: Hans Kricheldorf, Professor für makromolekulare Chemie Bleibt die Frage: Warum sind manche Stoffe dann durchsichtig – transparent – während andere das Licht reflektieren? Was ist es, was das Licht gewissermaßen im Stoff zur Umkehr zwingt? Es sind Elektronen, so der Experimentalphysiker Metin Tolan: Wenn elektromagnetische Wellen – Licht – auf einen bestimmten Stoff treffen, werden sie absorbiert oder nicht absorbiert. Das hängt von den Elektronen im Stoff ab. Wenn die Elektronen richtig mitschwingen können, wenn die richtig angeregt werden, werden die elektromagnetische Wellen absorbiert, die Elektronen verschlucken sie sozusagen. Im Glas können die Elektronen nicht so angeregt werden, deswegen ist das Glas durchsichtig. Quelle: Metin Tolan, Experimentalphysiker Glas oder auch Luft sind also durchsichtig, weil es keine Resonanz gibt – die Elektronen sind so eng an die jeweiligen Atome gebunden, dass sie sich von den Lichtstrahlen nicht stören oder gar zum Mitschwingen verleiten lassen. Deshalb geht das Licht einfach durch, ohne seine Energie abzugeben. Aber diese Stoffe sind bekanntlich eher die Ausnahme. Bei Metallen ist es genau nicht so. Da sind die Elektronen nicht so fest gebunden, die sind frei beweglich. Deshalb können Sie mit elektromagnetischen Wellen diese Elektronen natürlich auch ganz leicht anregen – und deshalb sind Metalle nicht durchsichtig. Diese Erklärung ist stark vereinfacht, aber das ist der Effekt. Quelle: Metin Tolan, Experimentalphysiker Zoomen wir uns nun wieder etwas heraus aus der Tiefenstruktur der Moleküle, der Atome und Elektronen. Denn da war ja noch die zweite Art der Unsichtbarkeit, von der Hans Kricheldorf gesprochen hat: In dieser Variante gelangen von einem Objekt zwar Lichtstrahlen in unser Auge – wir können es also physikalisch sehen – aber nicht wahrnehmen, einfach deshalb weil wir zwischen Objekt und Hintergrund keine Grenze erkennen können. Stellen Sie sich vor, dass Sie ein weißes Blatt Papier auf einen weißen Hintergrund kleben, der genau das gleiche Licht abstrahlt wie das weiße Papier. Jetzt gehen Sie 10 Schritte zurück, sodass Sie den Rand des Papieres nicht mehr sehen. Dann sehen Sie physikalisch das Papier, es strahlt Ihnen nämlich weißes Licht ins Auge – aber Ihr Gehirn kann es nicht mehr wahrnehmen. Und das ist der Witz von Tarnanstrichen oder Tarnüberzügen. Das machen Lebewesen in der Natur oder die Bundeswehr beim Einsatz. Quelle: Hans Kricheldorf, Professor für makromolekulare Chemie In der Frage , ob man etwas mit ultravioletter unsichtbar machen kann, werden nun genau diese beiden Varianten von Unsichtbarkeit vermischt. Beim Tarnen können Sie mit Anstrichen etwas erreichen, aber Sie können nicht durch Anstriche etwas komplett durchsichtig machen, so als ob es Luft wäre. Wenn Sie etwas Sichtbarem das reflektierte Licht wegnehmen wollen, würde die Sichtbarkeit für unser Auge nicht verschwinden. Denn wenn Sie einer Oberfläche, die Sie jetzt sehen, weil sie Licht reflektiert, diese Strahlung wegnehmen, dann ist sie einfach schwarz, aber als schwarzes Objekt natürlich sichtbar. Quelle: Hans Kricheldorf, Professor für makromolekulare Chemie Die "ultraviolette" Farbe wäre natürlich genauso schwarz.

  • Mar 5, 2024 · 1 min

    Woran merken Frauen den Beginn der Wechseljahre?

    Unregelmäßiger Zyklus, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen Hitzewallungen bekommen Frauen typischerweise erst, wenn die Eierstockfunktion nicht mehr viel macht. In der Zeit davor haben sie Hitzewallungen vielleicht nur ab und zu, vielleicht zum Zeitpunkt der Regelblutung. Typischerweise werden die Blutung ganz am Anfang ein bisschen unregelmäßiger. Der Zyklus verkürzt sich ein bisschen: Früher waren es 28 Tage, dann sind es plötzlich nur noch 26 und dann werden die Zyklen zunehmend unregelmäßiger. Und dann kommen diese Symptome wie Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen. Das ist der Klassiker, der in dieser ganz frühen Phase der Wechseljahre auftritt. Viele Stressfaktoren in der Lebensmitte: Kinder, Eltern, Job – und Klimakterium Es kann auch sein, dass die Frauen häufiger Migräne haben. Sie fühlen sich vielleicht nicht wohl, bemerken eine gewisse Ängstlichkeit, die sie vorher gar nicht hatten. Und ab und zu mal eine Hitzewallung. Aber die stehen häufig in dieser frühen Phase gar nicht im Vordergrund. Das Gemeine daran ist, dass das in eine Phase des Lebens fällt, wo so viel passiert. Es geht dann eben nicht nur um eine hormonelle Veränderungen, sondern man hat in der Lebensmitte vielleicht noch kleine Kinder oder die Kinder sind gerade in der Pubertät. Da stellt sich die Frage: Was mache ich dann mit meinem Leben – von Burn-out bis Bore-out gibt es einfach alles. Oder die Beziehung steht plötzlich noch mal zur Diskussion. Dann gibt es die Eltern, die kränker werden, der Job ... All das läuft parallel zu diesen hormonellen Veränderungen. Deshalb ist das manchmal schwer auseinanderzuhalten und Frauen denken oft gar nicht darüber nach, dass ihre Symptome eigentlich was mit dem Klimakterium zu tun haben könnten, sondern sie denken: Mein Gott, das ist der Job, ich kann nicht mehr, es ist alles viel zu viel geworden. – Das mag sein, aber vielleicht spielen die Hormone dann eben auch eine Rolle.

  • Mar 1, 2024 · 2 min

    Kehren Vögel an die alte "Adresse" zurück?

    Da gibt es momentan noch Unsicherheiten. Wir setzen aber große Hoffnung in das globale Beobachtungssystem, das wir in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickeln. Wenn das in zwei Jahren an der Internationalen Raumstation sitzt, können wir zum ersten Mal weltweit und auf dem ganze Zug eine Schwalbe beobachten. Dann können wir herausfinden, wohin die Schwalben gehen, die eben nicht mehr zurückkommen. Das ist für den Schutz der Tiere sehr wichtig, weil wir dann zum ersten Mal verstehen: Was passiert denen? Bleiben sie irgendwo über dem Mittelmeer in einem schlechten Wetter hängen und stürzen ab? Kommen sie nicht über die Sahara? Sind die Insekten im Sudan nicht mehr da oder werden die irgendwie Pestizid behandelt? Was passiert den Schwalben wirklich? Gibt es Vögel, die immer zum selben Nistkasten zurückkehren? Ja. Es ist sehr spannend, wie die den wiederfinden. Wir haben bereits einige Hinweise darauf, wie diese Navigation zwischen Kontinenten Jahr für Jahr funktionieren kann. Es ist faszinierend, dass eine Schwalbe zum selben Nest zurückkehrt und zwischendurch in Südafrika war. SWR 2014

  • Mar 1, 2024 · 2 min

    Wie ist die Krawatte entstanden?

    Kroatische Söldner kämpften mit Halstuch für König Ludwig XIII. Die Spur führt an den französischen Hof und zwar genau in die Zeit, in der die "Drei Musketiere" spielen: 1635, Ludwig XIII., Kardinal Richelieu, Dreißigjähriger Krieg. Just in jener Zeit heuerte der König Kämpfer aus dem Ausland an, darunter ein paar Tausend Söldner aus Kroatien. Diese kroatischen Reiter sollen nun auffallend geknotete Halstücher getragen haben. Allerdings sahen die noch nicht so aus wie der herabhängende Schlips von heute, sondern waren eher zu einem breiten Fächer geknotet. Beim Nachfolger von Ludwig XIII. – dem "Sonnenkönig" Ludwig XIV. – haben sich diese geknoteten Halstücher zunehmend durchgesetzt. Das ist zumindest die Legende. Vielleicht wurde da auch das ein oder andere dazugedichtet. Kroaten sind Namensgeber der heutigen Krawatte Unstrittig ist nur, dass die "Kroaten" – die sich selbst "Hrvati" nennen – zum Namensgeber dieses Tuches wurden, das wir heute als "Krawatte" kennen. Manche Historiker weisen allerdings darauf hin, dass die Ursprünge des Schlipses weiter zurück reichen. Grundsätzlich sind Halstücher von alters her Insignien der gehobenen Stände, beliebt seit dem Altertum auch speziell bei Soldaten. Aber die spezielle Variante, die schließlich Krawatte genannt wurde, ist wohl erst im 17. Jahrhundert entstanden. Es hat weitere 200 Jahre gedauert, bis im 19. Jahrhundert aus dem Halstuch der "Hrvati" der Langbinder wurde, den wir heute kennen, also der herabhängende zweiendige Schlips.

  • Feb 29, 2024 · 3 min

    Welches ist das härteste Metall?

    Wenn wir wirklich von reinen Metallen sprechen, also nicht von Legierungen wie Stahl oder von Metalloxiden, dann sind die härtesten Metalle Osmium bzw. Chrom. "Bzw." bedeutet: Es kommt darauf an, welche Definition von "Härte" man anwendet. Umgangssprachlich wissen wir ja ganz gut, was wir mit "hart" meinen: Je härter etwas ist, desto mehr tut’s weh, wenn man sich den Kopf daran stößt. Früher hat man Härte vor allem relativ definiert: Man hat mit einem Material ein anderes gekratzt. Und das Material, das das jeweils andere geritzt hat – also Kratzer hinterlassen hat – war das härtere Material. Chrom – unter den Metallen das "Ritzstärkste" nach Mohs Demnach ist Gips härter als Kreide oder Talk, Glas ist härter als Gips, Quarz ist härter als Gold, Rubin ist härter als Quarz und am allerhärtesten sind Diamanten. So entstand eine Skala von 1 bis 10 – man spricht von "Mohs-Härte". Talk hat demnach Härte 1, Diamant Härte 10 und Chrom hat hier eine Härte von 8,5. Chrom ist also deutlich dem Diamanten unterlegen, aber unter den Metallen eben das härteste im Sinne von das "Ritzstärkste". Heute wird Härte meist etwas anders definiert. Härte bezeichnet den Widerstand, den ein Material einem eindringenden Körper entgegenzusetzen hat. Wenn ich einen Stein auf ein Autoblech werfe, dringt er zum Ärger des Besitzers recht tief ein und verursacht eine bleibende Delle. Ein Autoblech ist somit nicht so hart wie beispielsweise eine Stahlplatte. Und so gibt es genau definierte Verfahren, um die Eindringtiefe in ein Material zu messen. Das ist die sogenannte "Brinell-Härte". Ähnlich dicht, aber härter als Platin: Osmium und Iridium Es gibt eine Reihe von ziemlich harten Metallen, die chemisch in die Gruppe der Platin-Metalle gehören. Die haben die Eigenschaft, dass sie ziemlich dicht sind; ein Kubikzentimeter Platin wiegt ungefähr 20 Gramm – also das Zwanzigfache von Wasser. Man kann sich vorstellen, dass die Dichte eines Metalls auch damit zu tun hat, wie hart es ist. Platin ist ja schon recht hart, aber es gibt ein paar Elemente, die sich im Periodensystem der Elemente nicht weit weg vom Platin befinden und ähnlich dicht sind, aber viel härter. Osmium – das härteste Metall nach Brinell Zu diesen Elementen gehören Osmium, Iridium und Wolfram; die sind alle sehr dicht. Osmium ist das dichteste Material, das es überhaupt gibt und das härteste Metall – wenn man diese Brinell-Härte anwendet, also Härte nach Eindringtiefe misst. Dass diese Metalle so dicht sind, bedeutet ja nichts anderes, als dass die einzelnen Atome sehr dicht und kompakt beieinander liegen. Und genau aus dem Grund haben sie auch eine hohe Schmelztemperatur: Osmium und Wolfram schmelzen erst bei über 3.000° C. Diese hohe Schmelztemperatur war auch einer der Gründe, dass zunächst Osmium, später auch Wolfram, als Leit-Metalle bei den frühen Glühlampen zum Einsatz kamen – also als Glühfäden. Wir kennen die bekannte Glühlampen-Firma Osram – der Name leitet sich aus dieser Verbindung ab: Osmium und Wolfram.

  • Feb 27, 2024 · 4 min

    Haben die Rothschilds eine besondere Macht?

    Nein – jedenfalls keine, die über die "Macht" anderer kleiner Banken hinausgeht. Die "Rothschilds" als geschlossenen Familienverbund gibt es so auch gar nicht mehr. Der Mythos Rothschild ist Bestandteil vieler antisemitischer Verschwörungstheorien. Um zu verstehen, woher er kommt, muss man zurück ins 19. Jahrhundert, als die Rothschild-Banken tatsächlich einen gewissen Einfluss hatten. Mayer Amschel Rothschild – ein jüdischer Kaufmann Das hat angefangen mit dem Frankfurter Kaufmann Mayer Amschel Rothschild, der in der Frankfurter Judengasse – also im Getto – geboren ist. Für Juden galten da strenge Regeln: Sie durften das Getto nachts nicht verlassen, sie durften außerhalb des Gettos keine Grundstücke besitzen und so weiter. Mayer Amschel Rothschild machte für sich das Beste daraus, er handelte mit Münzen und Antiquitäten, kam dadurch zu einem gewissen Wohlstand. Er stieg ins Bankgeschäft ein und war damit extrem erfolgreich. Ihm gelang es nicht nur, wichtige Banken und Adelige als Kunden zu gewinnen, sondern auch Fürsten wie den Landgrafen Wilhelm IX. von Hessen-Kassel. Zusammen mit anderen Kaufleuten hat er auch als Heereslieferant Unternehmungen durchgeführt. Das "Haus Rothschild" im 19. Jahrhundert Rothschild setzte schließlich eigene Staatsanleihen auf. Das heißt, er sammelte von Anlegern Geld, das er auch an Staaten wie Dänemark oder Großbritannien verliehen hat. Und Rothschild hat seine Söhne in die Geschäfte eingebunden. Einer von ihnen, Nathan Mayer Rothschild, hat sogar schon 1805 in London eine eigene Bank gegründet, bevor 1810 in Frankfurt das Bankhaus Mayer Amschel Rothschild und Söhne entstand. Später kam es zu weiteren Bankgründungen. Die Banken der Rothschilds bilden auch weltweit gesehen eine äußerst finanzstarke Unternehmensgruppe im 19. Jahrhundert. Und natürlich war damit auch ein gewisser Einfluss verbunden. Verschwörungslegenden: Die jüdischen Rothschilds als "Friedensgewinnler" In dieser Zeit wurden die Rothschilds Objekt von Verschwörungslegenden. Und dass es sich um ein jüdisches Bankhaus handelte, hat dem nur noch weiter Vortrieb geleistet. Ich will diese Legenden hier gar nicht wiederholen. Man muss sich nur klarmachen: Der Einfluss der Rothschilds war vor allem ein finanzieller – sie konnten Geld an Regierungen verleihen. Das heißt aber natürlich nicht, dass sie denen auch sagen konnten, was diese zu tun und zu lassen haben. Die Familie Rothschild: Verschwörungsmythen aus dem 19. Jahrhundert Gelegentlich wurde den Rothschilds nachgesagt, dass sie den ein oder anderen Krieg verhindert hätten. Es wurde unterstellt, dass sie aus geschäftlichen Gründen kein Interesse an Krieg und Rezession hatten und sich deshalb geweigert hätten, einzelnen Herrschern Geld für Kriege zur Verfügung zu stellen. Auch das wurde ihnen damals negativ angekreidet, aber ob ihr Einfluss wirklich so weit ging, ist heute schwer zu sagen. Was von den Rothschild-Unternehmen übrig blieb Die Söhne von Mayer Amschel Rothschild gingen also ins Ausland und gründeten eigene Bankhäuser und Investmentgesellschaften. Das hat sich mit der Zeit zerfasert: Manche Unternehmen haben sich aufgelöst, andere wurden verstaatlicht und wieder andere gingen an die Börse, sodass sie mehrheitlich gar nicht mehr im Besitz irgendwelcher Rothschild-Nachkommen sind. Es gab in den letzten 200 Jahren zahlreiche Generationswechsel, und wie man sich vorstellen kann, gibt es in so einer Familie auch immer wieder Zerwürfnisse. Jüdisches Leben in Deutschland – Historische Aufnahmen im Archivradio Geblieben sind heute im Grunde noch drei Finanzgruppen, eine britisch-französische unter dem Namen "Rothschild & Co.", die nach wie vor im Bereich Investmentbanking und Vermögensverwaltung aktiv ist. Dann eine zweite unabhängige britische Investmentgesellschaft "RIT Capital Partners", für die auch der im Februar 2024 verstorbene Baron Jacob Rothschild gearbeitet hat. Und schließlich die Schweizer Gruppe Edmond de Rothschild, die sich mehr auf Immobilien, Hotels und Weingüter konzentriert und der es gar nicht gepasst hat, dass sich das Unternehmen des britisch-französischen Familienzweigs – Paris Orleans SA – umbenannt hat in Rothschild & Co. Die Schweizer meinten, es gäbe nur Platz für eine Firma mit dem Namen Rothschild. Mythos statt Macht: Die große Zeit der Privatbanken ist vorbei Einzelne Mitglieder der Familie Rothschild besitzen auch privat nach wie vor große Vermögen, aber damit noch keine besondere "Macht". Ihre verbliebenen Banken sind längst Zwerge im Vergleich mit den heute wirklich großen Bankhäusern und Finanzunternehmen. Sucht man wiederum nach Verbindungen in die Politik, kann man vereinzelt das ein oder andere finden. Etwa, dass der französische Präsident Emanuel Macron mal eine Zeitlang als Investmentbanker bei Rothschild & Co. gearbeitet hat – so wie andere Politiker bei anderen Firmen gearbeitet haben. Die ehemaligen Schlösser von Mitgliedern der Rothschild-Familie sind – auch wenn sie teilweise noch "Rothschild" heißen – größtenteils längst verkauft. Das Palais Rothschild in Frankfurt etwa ging schon vor der NS-Zeit infolge der Weltwirtschaftskrise in den Besitz der Stadt Frankfurt über und beherbergt heute das Jüdische Museum – in dem man sich übrigens auch über die Geschichte der Rothschilds informieren kann.

  • Feb 26, 2024 · 1 min

    Warum zieht es "wie Hechtsuppe"?

    Man liest oft, "es zieht wie Hechtsuppe" komme von "hech sup(p)ha", ein angeblich jiddisch-hebräischer Ausdruck für "Windsbraut, starker Sturm". Allerdings finden sich die Worte so nirgendwo, wie der Jiddist Simon Neuberg bestätigt, schon gar nicht als Bezeichnung für schlecht schließende Fenster. Würzige Fischsuppe muss kräftig ziehen In Wirklichkeit bezog man sich im Deutschen auf die Ähnlichkeit von einer traditionell scharf gesalzenen und gepfefferten Fischsuppe mit einem scharfen Luftzug. Das hat damit zu tun, dass Fischsuppe ziehen muss, damit sich der Geschmack der Fische der Brühe mitteilt. Deswegen sagte man auch, wenn es durch Fensterritzen zog: "Das zieht wie eine Fischsuppe." Das hat sich dann um 1800 weiterentwickelt. Da war der Hecht ein besonders toller Fisch. Und so war "es zieht wie Hechtsuppe" statt "es zieht wie Fischsuppe" einfach eine verstärkende Variante.

  • Feb 23, 2024 · 5 min

    Wie entstand die Kunst?

    Evolutionär betrachtet, ist die Frage knifflig. Die Evolutionsforschung fragt ja meist nach dem Warum: Wozu ist Kunst gut? Theoretisch ist ja eine Welt denkbar, in der menschliche Wesen ihr Überleben genauso sichern wie wir – sie arbeiten, essen, pflanzen sich fort – produzieren aber keine Kunst, haben nicht einmal die Spur einer ästhetischen Erfahrung, malen keine Bilder und genießen auch nicht die Bilder von anderen. Die meisten Tiere brauchen das ja auch nicht. Zwar gibt es auch im Tierreich so etwas wie Attraktivität, sie spielt auch bei der Partnerwahl eine wichtige Rolle. Aber Attraktivität ist nicht das gleiche wie die Schönheit., die wir bei Kunstwerken erleben. 1. Dekoration: Gegenstände verzieren und ästhetisch anordnen Wie hat sich nun also Kunst in der Evolution entwickelt? In den archäologischen Spuren lassen sich drei Phasen erkennen. In der ersten Phase begannen unsere Vorfahren damit, Dinge einfach zu verzieren, also in irgendeiner Form ästhetisch zu bearbeiten. Das können ockerfarbene Linien oder geritzte Kerben sein, mit denen Menschen vor mehr als 70.000 Jahren in Südafrika Steine dekorierten. Doch die Entwicklung begann schon mit den frühen Werkzeugen. Vor zweieinhalb Millionen Jahren haben die frühen Vertreter der Gattung Homo begonnen, scharfkantige Steinwerkzeuge herzustellen. Diese Geröllsteine waren noch unförmig und offenbar reine Zweckgegenstände zum Bearbeiten von Stöcken und Fellen oder zum Graben. Doch rund 800.000 Jahre später tauchte dann eine neue Art von Werkzeugen auf: Faustkeile. Bei diesen alten Faustkeilen fällt etwas auf: Die Menschen, die sie herstellten, müssen schon einen Sinn fürs Ästhetische gehabt haben. Viele sind erstaunlich symmetrisch – symmetrischer, als es rein vom Zweck her erforderlich gewesen wäre. Manche sind sogar unhandlich groß, so als ginge es eher darum, damit zu imponieren. Vor knapp zwei Millionen Jahren scheinen also die frühen Menschen mit irgendeinem ästhetischen Sinn – zumindest für Symmetrie – ausgestattet zu sein. Anderes Beispiel: Neandertaler haben in der Bruniquel-Höhle in Frankreich vor 170.000 Jahren Tropfsteine abgebrochen und kreisförmig auf den Boden gestellt. Niemand weiß genau, warum, aber die fast perfekte Kreisform deutet darauf hin, dass auch hier ein gewisser ästhetischer Sinn eine Rolle spielte. Das ist also die erste Stufe – Dekoration: Unsere Vorfahren haben angefangen, Dinge zu verzieren oder irgendwie ästhetisch anzuordnen. 2. Schmuck: Dinge zu dekorativen Zwecken herstellen Die zweite Stufe ist Schmuck. Hier werden Gegenstände nicht nur verziert, sondern eigens zu dekorativen Zwecken hergestellt. Dazu gehören die durchlöcherten und mit Ocker eingefärbte Muschelschalen aus der südafrikanischen Blombos-Höhle und Marokko, beide um die 80.000 Jahre alt. Ähnlich alte Funde – wenn auch nicht so sicher datiert – stammen aus Israel und Algerien. Auch hier wurden die Gehäuse von Meeresschnecken offenbar zu Ketten aufgefädelt. Ein wichtiges Merkmal von Schmuck ist, dass er auch schon eine symbolische Bedeutung hat, dass etwas zum Ausdruck gebracht werden soll. Schmuck hat häufig die Funktion, den Status und das Prestige seines Besitzers aufzuwerten. In Algerien wurden die Schmuckstücke aus Muschelschalen 200 Kilometer von der Küste entfernt gefunden, was als Beleg gewertet werden kann, dass für sie ein gewisser Aufwand betrieben wurde. Sie waren etwas wert. Wer den Schmuck trug, fiel auf. 3. Kunst: schöpferisches Gestalten Die dritte Stufe schließlich ist die Kunst im eigentlichen Sinn. Dazu gehören die berühmten eiszeitlichen Skulpturen aus den Höhlen der Schwäbischen Alb, die Höhlen- und Felsmalereien in Frankreich, Spanien, aber auch am anderen Ende der Welt, in Australien. Kunstwerke haben wie Schmuck einen symbolischen Gehalt, aber nochmal auf einer anderen Ebene. Sie stellen etwas dar, sie bilden etwas ab, verweisen auf etwas Äußeres. Kunstwerke verlangen somit nochmal andere kognitive Leistungen als Schmuck. Die ältesten Kunstwerke aus der Schwäbischen Alb oder Australien sind etwa 40.000 Jahre alt und somit deutlich jünger als der älteste Schmuck. Deko – Schmuck – Kunst: 3 Stufen spiegeln kognitive Entwicklung Dekoration – Schmuck – und schließlich Kunst, das war also die Abfolge. Wie es genau zu dieser Entwicklung kam, darüber gibt es viele Theorien, aber ihr gemeinsamer Nenner ist, dass diese Abfolge eine gewisse kognitive Entwicklung widerspiegelt, insbesondere was die Fähigkeit zum symbolischen Denken betrifft. Dabei könnte auch die Entstehung der Sprache eine wichtige Rolle gespielt haben. Frühe Formen von Sprache entwickelten sich mutmaßlich vor rund 250.000 Jahren, möglicherweise aber auch schon deutlich früher. Zur Sprache gehört, dass es Wörter oder Laute gibt, denen eine Bedeutung zugeschrieben wird. Ein Wort bezeichnet etwas. So wie Schmuck oder Kunstwerke Zeichen für etwas sind. Das symbolische Denken war somit eine Voraussetzung sowohl für Sprache als auch für Kunst – und möglicherweise haben sich beide Fähigkeiten gegenseitig befruchtet.

  • Feb 19, 2024 · 2 min

    Welchen praktischen Nutzen hat Einsteins Relativitätstheorie?

    Relativitätstheorie ist wichtig für die Satellitennavigation Das beste Beispiel ist die Satellitennavigation. Um zu wissen, wo ich bin, hat mein Navigations-Gerät (GPS oder Galileo) Kontakt mit vier Satelliten. Jeder dieser Satelliten sendet ein Signal mit folgenden Informationen: Ich bin Satellit XY Ich befinde mich auf folgender Position Es ist jetzt so und so viel Uhr – wobei die letzte Angabe bis auf winzige Sekundenbruchteile genau ist Einstein: Je geringer die Gravitation, desto schneller vergeht die Zeit Aus diesen Angaben von vier Satelliten ermittelt mein Gerät seine Position: Dazu vergleicht es die eigene Zeit mit dem Zeitsignal des Satelliten – aus dem Unterschied lässt sich die Laufzeit des Signals und damit die Entfernung des Satelliten ermitteln. Das Problem ist aber: Die Zeiten stimmen leider nicht überein. Die Satelliten befinden sich 20.000 Kilometer von der Erde entfernt, dort ist das Gravitationsfeld schwächer. Je geringer die Gravitation, desto schneller vergeht laut Einstein die Zeit. Im Fall der Navigationssatelliten ist der Unterschied zwar winzig (ein Milliardstel Prozent!), aber vorhanden. Nur wenn dieser Fehler automatisch korrigiert wird, zeigt mein Navi mir verlässlich meine Position an. Hoffnung: Höhenmessung verbessern und Vulkanausbrüche genauer vorhersagen Wissenschaftler tüfteln an weiteren Anwendungsmöglichkeiten, um sich diese Zeitverzerrung durch die Relativitätstheorie zunutze zu machen. Eine ist die Höhenmessung. Vermutlich schon bald wird es Atomuhren geben, die so genau sind, dass sie "merken", wenn man sie 10 Zentimeter anhebt. Einfach aufgrund des geringeren Schwerefelds und der dort schneller vergehenden Zeit. Geophysiker wiederum hoffen auf bessere Vorhersagen für Vulkanausbrüche. Denn vor einem Vulkanausbruch sammelt sich im Untergrund Magma. Auch diese Ansammlung von Masse verändert das Gravitationsfeld – deshalb die Hoffnung, dies eines Tages mithilfe ultragenauer Uhren frühzeitig messen zu können.

  • Feb 19, 2024 · 1 min

    Wie funktioniert der Nahrungs-Replikator bei "Raumschiff Enterprise"?

    Replikatoren bauen aus Elementarteilchen neue Materie Die Nahrungs-Replikatoren sind Maschinen auf dem Raumschiff Enterprise, die die Nahrung generieren. Grob beschrieben: Wir haben irgendwo ein Lager an Material. Ähnlich wie beim Beamen nimmt man dieses Material, formt es um in seine Elementarteilchen und baut daraus eine andere Materie. Beim Beamen will man die Person genauso wieder haben. Beim Nahrungs-Replikator nimmt man irgendetwas, im einfachsten Fall Wasser, und macht daraus Wiener Schnitzel mit Pommes. Replikation von Nahrung auf diese Weise real nicht möglich Wenn wir das Beamen beherrschen würden, könnten wir natürlich auch das hier beherrschen. Wir bräuchten ja nur das "Rezept" einzugeben. Aber da sehe ich in nächster Zeit, zumindest für diese Art der Technologie, keine Chance, dass wir das erleben werden. Aber wir sind bei der Herstellung von Nahrung mit 3-D-Druckern auf einem Weg. Nun will ich das nicht direkt miteinander vergleichen. Aber ich glaube schon, dass es in Zukunft immer mehr kommen wird, dass wir Nahrung auf dieser Art herstellen werden. Wobei ich mir das ehrlich gesagt selbst nicht wünsche. Denn ich liebe ein gutes, saftiges Steak, wenn man das heute noch sagen darf, und möchte mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass wir Nahrung künstlich bei irgendwelchen Chemiefirmen herstellen.

  • Feb 8, 2024 · 3 min

    Schont ein Bio-Shampoo die Umwelt?

    Tenside, Duft- und medizinische Wirktstoffe im Shampoo Shampoos enthalten verschiedene umweltkritische Inhaltsstoffe. Dazu gehören Tenside – also das, was wäscht und schäumt – und Zusatzstoffe wie Duft- oder medizinische Wirkstoffe, etwa gegen Schuppen. Allerdings gibt es nur wenige Untersuchungen darüber, wie diese sich in der Umwelt tatsächlich auswirken. Die Tenside, die heute in konventionellen Shampoos verwendet werden, sind biologisch gut abbaubar. Es gibt aber Hinweise darauf, dass manche Zusatzstoffe hormonelle Wirkungen auf Organismen haben. Die stammen allerdings aus Laboruntersuchungen, bei denen Organismen ganz gezielt hohen Konzentrationen ausgesetzt sind, wie sie in der Natur gar nicht vorkommen. Deshalb folgt daraus noch nicht, dass diese Stoffe in den Mengen, in denen sie sich am Ende im Abwasser finden, wirklich einen nennenswerten Schaden anrichten. Das ist einfach schwer untersuchbar. Aber auch wenn man es nicht weiß, sollte man die Umwelt so wenig wie möglich schädigen und deshalb vorsorglich schadstoffarme Produkte verwenden. Was bedeutet "bio" beim Shampoo? Nun stellt sich aber die nächste Frage: Was bedeutet "bio" überhaupt bei Kosmetik? Der Begriff ist längst nicht so geregelt wie bei Lebensmitteln, wo mit "bio" eine bestimmte Form der Nahrungsmittelproduktion bezeichnet wird – z.B. kein mineralischer Dünger, keine chemischen Pestizide. Was aber sind Bio-Shampoos? Wir sprechen hier ja über Produkte der sogenannten Naturkosmetik. Da gibt es zwar verschiedene Zertifikate, aber die haben fast alle eins gemeinsam: Umweltaspekte spielen bei ihnen kaum eine Rolle. Die Zertifikate werden vielmehr nach anderen, vor allem mutmaßlich gesundheitlichen Gesichtspunkten vergeben. Verzicht auf Zusatzstoffe in Naturkosmetik Diese Kosmetika zeichnen sich in erster Linie dadurch aus, dass sie auf bestimmte Zusatzstoffe verzichten, die z.B. bei bestimmten Menschen Allergien auslösen können: Konservierungsstoffe, Emulgatoren oder eine synthetische Parfümierung. Konventionell oder natürlich: Zusatzstoff bleibt Zusatzstoff Vielleicht unterscheidet sich das Bio-Shampoo aber vom konventionellen auch einfach nur dadurch, dass es diese Stoffe ausschließlich aus natürlichen Quellen gewinnt, also etwa aus Pflanzen. Limonenduft kann z.B. natürlich oder synthetisch hergestellt sein. Sofern es aber chemisch gesehen letztlich die gleichen Substanzen sind, macht es für das Abwasser keinen Unterschied. D.h. je nachdem, welche Duftstoffe genau drin sind, sind die synthetischen genauso harmlos oder bedenklich wie die natürlichen. Man muss also genau hingucken, was beim jeweiligen Shampoo mit "bio" gemeint ist, um sagen zu können, ob es für die Umwelt wirklich besser ist. Ökologische Gesamtbilanz betrachten Außerdem muss man die ökologische Gesamtbilanz betrachten: Es kann sein, dass eine natürliche Zutat, die aus Pflanzen gewonnen wird, in der Herstellung sehr viel mehr Energie verbraucht als der entsprechende synthetisch hergestellte Stoff. Als Verbraucher ist man aber meist überfordert, das für jedes Produkt herauszufinden. Deshalb würde ich persönlich sagen: Es gibt in unserem Alltag so viele Dinge, von denen wir relativ sicher wissen, dass sie ökologisch gut oder eben schlecht sind. Wir wissen, Radfahren ist besser als Autofahren. Wir wissen, es ist für die Umwelt besser, wenn wir Dinge kaufen, die möglichst lange halten – von Klamotten bis zum Handy – und wenn wir uns nicht immer auf das neueste Gerät stürzen, das gerade auf den Markt kommt. Unser ökologischer Fußabdruck hängt im Wesentlichen von den Faktoren Wohnung, Essen, Mobilität, Kleidung, Essen und vielleicht noch Medienkonsum ab. Verglichen mit all dem, was wir hier gut oder schlecht machen können, ist die Frage, ob ich ein Bio-Shampoo oder ein konventionelles benutze, für die Umwelt relativ bedeutungslos – zumal dann, wenn man wissenschaftlich den Unterschied gar nicht so klar festmachen kann.

  • Feb 7, 2024 · 3 min

    Welche Art Musik verführt zum Tanzen?

    Der Rhythmus und seine Komplexität Ob ein Musikstück bei uns das Bedürfnis auslöst, uns instinktiv dazu zu bewegen oder gar zu tanzen, wird stark vom Rhythmus beeinflusst. Oder von dem, was man auch als "Groove" bezeichnet. Welche Faktoren das genau sind, dazu gab es 2019 ein sehr interessantes Experiment der dänischen Universität Aarhus. Dort gab es eine Studie mit 200 Menschen im Alter zwischen 17 und 70. Die haben natürlich einen sehr unterschiedlichen Musikgeschmack, aber ob ein Musikstück als groovig empfunden wird, man sich also mitbewegen will, lässt sich trotzdem an ein paar wenigen Faktoren festmachen. Vor allem an der rhythmischen Komplexität. Heino-Schlager: schlichtes Bumbum – Jazz: wechselhaft und zu komplex Musik verführt uns dann zum Mitbewegen, wenn der Rhythmus mittelkomplex ist, also nicht zu simpel und nicht zu anspruchsvoll. In diesem Stück von Heino z.B., völlig unabhängig davon, ob es einem gefällt oder nicht, ist der Rhythmus zu schlicht, um groovig zu sein. Es ist ein einfaches Bumm Bumm Bumm – und damit kein Rhythmus, der einem einen Tanzimpuls in die Beine jagt. Das andere Extrem wären sehr komplexe Rhythmen wie etwa im Jazz-Stück „Ghosts“ von Albert Ayler. Da ist der Rhythmus so komplex und wechselhaft, dass sich auch kein Groove entwickelt. Optimaler Tanz-Verführer: "Happy" von Pharrell Williams Rhythmen, die zum Bewegen animieren, müssen sich zwischen diesen Extremen bewegen. Die Forscher nennen explizit ein Stück, das sie für ziemlich optimal halten, nämlich "Happy" von Pharrell Williams. Der entscheidende Punkt ist, dass es zwar einen erkennbaren Grundrhythmus gibt, aber insgesamt ist das Stück sehr synkopisch, d. h. es ist kein Tak-Tak-Tak, sondern es gibt versetzte Zwischenschläge, die stärker betont sind als die eigentlichen Hauptschläge. Synkopen-Trick: Gehirn will fehlende Hauptschläge durch Bewegung "füllen" Genau das ist der Trick: Wir fühlen uns dann zum Mitbewegen animiert, wenn unser Gehirn die Hauptschläge zwar erwartet, sie aber nicht kommen, sondern stattdessen solche synkopischen Zwischenschläge. Denn das weckt das Bedürfnis, die fehlenden Hauptschläge – also die Lücken im Rhythmus – durch eigene rhythmische Bewegungen zu füllen. Das macht typische Funk-Musik aus, aber auch bei den Salsa-Klassikern funktioniert das so. Die mittelkomplexen Rhythmen sind also der wichtigste Faktor, um ein Stück groovig zu machen. Auch die Harmonieführung scheint eine Rolle zu spielen, auch wenn der Zusammenhang hier weniger klar ist. Vor allem aber hat die Harmonieführung einen Einfluss darauf, ob wir ein Stück mögen – und das wirkt sich dann natürlich auch darauf aus, wir Lust haben, darauf zu tanzen.

  • Jan 29, 2024 · 1 min

    Stirbt man beim Beamen?

    Beamen tötet – da lässt sich die Natur kaum überlisten Das geht ins Philosophische. Ich glaube, selbst wenn wir technisch in der Lage wären, so wie das in Star Trek gezeigt wird, einen Menschen auseinanderzunehmen – die Elementarteilchen, aus denen der Mensch besteht, und das Muster wie der Mensch zusammengebaut ist – und irgendwo anders hin zu transportieren – oder vielleicht auch nur das Muster und dort den Menschen wieder zusammenzusetzen – habe ich mich selbst schon gefragt, ob die Natur so etwas überhaupt zulassen würde. Wir würden den Menschen ja beim Beamen töten; er wäre als Lebensform in dem Moment nicht mehr existent. Könnten wir die die Natur so überlisten, dass wir einen Menschen zerlegen und irgendwo wieder neu erschaffen? Auf diese Frage gibt es keine Antwort, denn so etwas hat bisher noch niemand gemacht. Physik-Nobelpreisträger "beamt" Elementarteilchen Technisch gesehen sind wir aber zumindest auf einem Weg dahin, weil wir Elementarteilchen ja schon beamen können. Anton Zeilinger hat 2022 den Nobelpreis dafür bekommen, dass er Elementarteilchen von einem Ort zum anderen "gebeamt" hat. Aber ob das mit Lebensformen tatsächlich so möglich wäre, wie es in Star Trek gezeigt wird, das kann keiner wirklich beantworten.

  • Jan 13, 2024 · 3 min

    Können sich Katzen im Spiegel erkennen?

    Das lässt sich nicht so leicht sagen – man weiß nicht, was ein Tier denkt, wenn es in den Spiegel guckt. Aber diese Frage hat die Wissenschaft schon viel beschäftigt – und dazu gibt es viele Experimente. Selbstwahrnehmung bei Tieren Die Idee ist, dass man über solche Versuche herausfindet, inwieweit Tiere über ein Selbstbild oder eine Selbstwahrnehmung verfügen. Das ist ja auch eine philosophisch spannende Frage. Deshalb haben Verhaltensforscher solche Spiegeltests zu einem elementaren Experiment entwickelt: Wie reagiert das Tier? Reagiert es überhaupt? Und wenn ja, reagiert es eher wie gegenüber einem Artgenossen – also zum Beispiel, indem es aggressive Posen macht oder versucht, es zu beschnuppern oder ähnliches? Oder betrachtet es das Tier im Spiegel so, wie wir uns auch im Spiegel betrachten? Schimpanse, Delfin, Elster: einige Tiere bestehen den Spiegeltest – Katzen nicht Darum helfen Forscher zum Beispiel nach, indem sie dem Tier im Schlaf oder unter einer kurzen Betäubung eine Markierung ins Gesicht malen, die das Tier normalerweise nicht sehen kann – einen roten Fleck zum Beispiel. Den sieht es nur im Spiegel. Dann beobachtet man, was das Tier macht, wenn es in seinem Spiegelbild die Markierung entdeckt. Verhält es sich so, wie wir uns verhalten würden? Wenn Sie einen merkwürdigen Fleck in Ihrem Spiegelbild sehen, würden Sie vermutlich näher an den Spiegel herantreten und sich gerade die betreffende Gesichtspartie genau angucken. Vielleicht würden Sie auch mit dem Finger am Fleck reiben, um ihn zu entfernen. Wenn das Tier sich ebenso verhält – sich also dem Spiegel nähert oder sich gar mit der Pfote ins Gesicht langt – liegt der Verdacht nahe, dass ihm klar ist, dass es sich selbst sieht. Diesen Test hat man inzwischen bei ganz vielen Tieren gemacht. Früher glaubte man, dass das nur der Mensch über ein Selbstbild verfügt oder allenfalls noch unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen. Tatsächlich bestehen Schimpansen den Test, Orang Utans ebenfalls, Gorillas aber nicht – und das, obwohl sie näher mit uns verwandt sind als die Orang Utans. Auch Delfine bestehen den Test und sogar Elstern, wie Forscher an der Uni Bochum nachgewiesen haben. Katzen aber bestehen ihn nicht. Kinder bestehen den Spiegeltest ab 2 Jahren Bei Kindern hat man den Test ebenfalls gemacht. Das Ergebnis: Ab einem Alter von zwei Jahren bestehen Kinder den Spiegeltest. Auch das ist übrigens ein Hinweis, dass Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein zwei verschiedene Dinge sind. Kleinkinder unter zwei Jahren haben sicher so etwas wie ein Ich-Gefühl, eine Ich-Identität – auch wenn sie den Spiegeltest in diesem frühen Alter noch nicht bestehen.

  • Jan 13, 2024 · 3 min

    Ist die Temperaturskala nach oben offen?

    Nach oben keine Grenzen Es gibt für Temperaturen den absoluten Nullpunkt bei minus 273 Grad Celsius. Aber wie es bei den natürlichen Zahlen auch ist: Es gibt eine Null, aber nach oben gibt es keine Grenze. Warum das so ist, lässt sich am besten nachvollziehen, wenn man sich anschaut, wie die Wissenschaft darauf gekommen ist. Wissenschaftler haben vor ein paar hundert Jahren festgestellt, dass sich Gase, je wärmer sie sind, ausdehnen: Man hat ein bestimmtes Volumen von einem Gas, man erwärmt dieses Gas und es dehnt sich aus. Beim Messen stellt man fest, dass sich das Gas linear ausdehnt – je wärmer es wird, desto ausgedehnter wird das Gas. Wenn man ein Diagramm zeichnet und zu jeder Temperatur das dazugehörige Volumen einträgt, ergibt sich eine Linie. Wenn man diese Linie zurückverfolgt, es also immer kälter werden lässt, dann schrumpft das Gas in sich zusammen. Irgendwann würde sich ein Punkt ergeben, an dem es nach dieser Gesetzmäßigkeit überhaupt keine Ausdehnung mehr hätte. Am Nullpunkt hat das Gas kein Volumen mehr Man kann also ausrechnen, wo dieser Punkt wäre, und so hat man damals diesen absoluten Nullpunkt errechnet. Der wäre dort, wo das Volumen des Gases praktisch null ist. Aber diese Nullausdehnung kann man sich nicht vorstellen. Irgendeinen Raum muss jeder Stoff einnehmen. Der Nullpunkt ist also nicht erreichbar, und kleiner als Null geht nicht. Das war die erste Annäherung an das Problem. Jetzt könnte man sagen: Das ist sowieso kein reales Bild. Denn bei Gasen ist es ja auch so: Wenn es kälter wird, werden sie erst flüssig und dann fest. Dieses idealtypische Gasmodell funktioniert also in der Praxis gar nicht. Wissenschaftshistorisch gesehen kam dann der nächste Ansatz. Was ist denn überhaupt Temperatur? Was wir als Temperatur fühlen, ist ja im Grunde die Bewegungsenergie – die Bewegung der einzelnen Moleküle in einem Gas, aber auch in einem Festkörper. Auch in einem Festkörper gibt die Temperatur an, wie schnell die einzelnen Moleküle, die einzelnen Atome "wackeln". Auch da kann man ausrechnen, dass der absolute Nullpunkt der Punkt ist, an dem diese völlig zur Ruhe kommen, wo sich also nichts mehr bewegt. Diesen Punkt, an dem nichts mehr wackelt, kann man experimentell nicht erzeugen. Es ist eine theoretische Größe. Man kann die Atome und die Moleküle nicht zur absoluten Bewegungslosigkeit "verdammen" – dagegen steht zum Beispiel auch die Heisenbergsche Unschärferelation: Man kann nie sagen, dass ein Teilchen völlig starr ganz genau an einem bestimmten Ort ist. Es hat immer diese Unschärfe. Und die sorgt dafür, dass die Bewegungsenergie nie Null ist. Dieser absolute Nullpunkt ist deshalb ein theoretischer Punkt und nie erreichbar in der Praxis. Sind Trilliarden Grade denkbar? Rein theoretisch schon. Aber wie will man die in der Praxis erzeugen? Man müsste Geräte haben, die das aushalten. Solche Temperaturen gab es meines Wissens nur einmal: nämlich Bruchteile von Sekunden nach dem Urknall, danach nicht mehr. Aber rein physikalisch kann es solche Temperaturen geben. Weil der Raum auch unendlich ist, in dem sich die Moleküle ausdehnen können? Das muss gar nicht der Raum sein, das kann ja auch der Druck sein, den man immer weiter erhöht und in dem die sich dann immer schneller bewegen. Zum Vergleich: Im Inneren der Sonne sind es etwa 15 Millionen Grad. Nicht weil der Raum unendlich groß ist, sondern weil so ein enormer Druck herrscht. Nachtrag: "Aber die Lichtgeschwindigkeit!" Als wir diese Antwort publizierten, kamen mehrere Zuschriften mit einem zunächst einleuchtenden Einwand: Laut Einstein bewegt sich nichts schneller als Lichtgeschwindigkeit. Wenn die Temperatur von der Geschwindigkeit der Moleküle abhängt, müsste doch die Höchsttemperatur erreicht sein, wenn die Moleküle sich annähernd mit Lichtgeschwindigkeit bewegen. Der Haken an dieser Argumentation: Zwar steigt die Temperatur tatsächlich mit der Durchschnittsgeschwindigkeit der Teilchen, doch dabei hängt streng genommen die Temperatur nicht von der Geschwindigkeit als solcher ab, sondern von der Energie der Teilchen. Bei Zimmertemperatur läuft das letztlich aufs Gleiche hinaus. Doch sobald sich die Geschwindigkeit der Teilchen tatsächlich der Lichtgeschwindigkeit nähert, strebt laut Einstein ihre Bewegungsenergie gegen unendlich (weshalb sie die Lichtgeschwindigkeit auch nie erreichen können) – und das Gleiche würde dann nach diesen Gesetzen auch für die Temperatur gelten. Richtig ist allerdings: In solchen Fällen kann man "Temperaturen" kaum noch sinnvoll definieren, abschätzen oder gar messen. Denn bei solchen astronomisch hohen Temperaturen hätten sich jegliche Atome ohnehin längst in Strahlungsenergie aufgelöst. Bzw. die Teilchen würden ein Schwarzes Loch erzeugen. Dabei würde theoretisch eine Temperatur von 1,4 x 10³² °C entstehen – die sogenannte Planck-Temperatur, die in der Theorie auch unmittelbar nach dem Urknall herrschte. Insofern gibt es tatsächlich Temperaturen, die in unserem Weltall nicht überschritten werden, aber das ist keine Frage der "Skala".

  • Dec 27, 2023 · 3 min

    Wie sorgt man für schöne Erinnerungen?

    Wir erinnern uns an Erinnerungsversionen Ob man ein Ereignis als schön in Erinnerung behält, hängt nur zum Teil davon ab, ob man es in dem Moment als schön erlebt hat. Das aktuelle Erleben und die Erinnerung daran sind psychologisch tatsächlich zwei paar Schuhe. Die Hirnforschung hat nämlich gezeigt, dass eine Erinnerung jedesmal, wenn wir sie abrufen, neu bearbeitet und abgespeichert wird. Anders gesagt: Woran wir uns erinnern, ist nicht das Ereignis selbst, sondern die letzte Erinnerungsversion, die wir abgespeichert haben. Fotos halten schöne Erinnerungen lebendig So kann es passieren, dass wir mit der Erinnerung an ein Erlebnis eine Stimmung assoziieren, die wir in dem Moment gar nicht so erlebt haben. Auch Fotos können diesen Effekt auslösen, denn die meisten von uns fotografieren sehr selektiv die Highlights. Alle lächeln, machen irgendwelche fröhlichen Gesten und wir suchen für Fotos gerne die Highlights heraus und lassen das nicht so schöne außer Acht. Das ist zumindest gutes Erinnerungsmanagement, denn so frischen wir die Erinnerung an die schönen Momente immer wieder auf, während die anderen im Gedächtnis verblassen. Die Dauer des Ereignisses spielt keine Rolle Ansonsten gibt es dafür, wie positiv wir Ereignisse in Erinnerung behalten, zwei Gesetzmäßigkeiten, die auch der Psychologe Daniel Kahneman in seinem Buch "Schnelles Denken, langsames Denken" beschrieben hat. Die erste Regel ist: Die Dauer eines Ereignisses spielt keine Rolle – das gilt für positive wie negative Erlebnisse gleichermaßen. Wenn wir mit Schmerzen im Wartezimmer einer Zahnärztin sitzen, sind wir um jede Minute froh, die uns dort erspart bleibt. In der Rückschau spielt die Dauer jedoch keine Rolle mehr. Ob wir eine halbe Stunde oder drei Stunden gewartet haben – die Erinnerung daran wird trotzdem nicht immer schlechter. Umgekehrt, wenn man seinen Urlaub gerne am Strand verbringt, spielt es in der Erinnerung keine Rolle, ob man dort drei Tage oder zwei Wochen verbracht hat. Im Gedächtnis – sozusagen im "mentalen Fotoalbum" – stellt es gewissermaßen ein Bild dar. Emotional stärkster Moment und Ende des Ereignisses bleiben im Gedächtnis Die zweite Gesetzmäßigkeit: Wie wir eine Situation oder Erfahrung rückblickend bewerten, wird im Wesentlichen von der Antwort auf zwei Fragen geprägt: Wie angenehm oder unangenehm war der emotional stärkste Moment? Und wie war das Ende? Das ist die sogenannte "Höchststand-Ende-Regel" (peak-end-rule). Nehmen wir als Beispiel eine Wanderung. Sie führt durch eine mittelmäßig attraktive Landschaft. Aber zwischendurch gibt es ein oder zwei echte Highlights – etwa einen fantastischen Ausblick oder ein Bad im Fluss. Diese Highlights machen zeitlich vielleicht nur einen Bruchteil der Wanderung aus – trotzdem sorgen sie dafür, dass sie schöner in Erinnerung bleibt als vielleicht eine andere Wanderung, die durch eine insgesamt schönere Landschaft führt, bei der aber diese echten Highlights ausbleiben. Denn: Die Peaks – die Höhepunkte des Erlebens – beeinflussen maßgeblich die Gesamterinnerung. Und eben: das Ende. Ein Urlaub, bei dem die Stimmung anfangs mies war und dann immer besser wurde, wird rückblickend besser bewertet als einer, bei dem es genau andersherum war. Dieses Ende ist für die Bewertung der Erinnerung sogar noch wichtiger als die Peaks. Und es gibt noch eine tröstliche Nachricht: Positive Höhepunkte bleiben meist länger in Erinnerung als negative: Wenn mir im Urlaub das Portemonnaie gestohlen wurde, ich daneben aber auch unvergessliche Glücks-Momente erlebe, wird auf Dauer der Schmerz über den Diebstahl verblassen (davon habe ich ja vermutlich auch keine Fotos und ich werde die Erinnerung weniger oft abrufen), während die schönen Augenblicke dauerhaft die rückblickende Bewertung prägen werden.

  • Dec 25, 2023 · 1 min

    Wie entsteht ein Tsunami?

    Tsunami: "Hafen-Wellen" 2004 und 2011 mit katastrophalen Folgen Das Wort "Tsunami" kommt unverkennbar aus dem Japanischen – was schon darauf hinweist, dass Japan von dieser Art Katastrophe regelmäßig heimgesucht wird. "Tsunami" bedeutet eigentlich Hafen-Welle. Spätestens seit den Weihnachtstagen 2004 – als mehr als 200.000 Menschen in Indonesien und Sri Lanka ums Leben kamen – ist das Wort auch im Vokabular der deutschen Öffentlichkeit angelangt. 2011 führten ein Erdbeben mit anschließendem Tsunami zur Reaktorkatastrophe im Japanischen Fukushima. Tsunami setzt starkes Seebeben voraus Damit ein Tsunami entsteht, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein: Es muss ein sehr starkes Seebeben geben. Eine Magnitude von mehr als 6,3 gilt als Voraussetzung. Und der Erdbebenherd muss nahe dem Meeresgrund sein, sodass an einer Stelle der Meeresboden – und damit auch die darüber stehenden Wassermassen – plötzlich und kräftig nach oben gedrückt wird. Auf diese Weise wird eine Welle erzeugt, die sich dann sehr schnell in alle Richtungen ausbreitet, mit bis zu 1.000 Stundenkilometern. Tsunami-Welle ist oft mehrere hundert Kilometer lang Das ist der Unterschied zu gewöhnlichen Wellen, wie man sie von einem starken Seegang kennt: Da bewegt sich im Wesentlichen nur die Meeresoberfläche. Bei einem Tsunami ist die komplette Wassersäule in Bewegung. Und wenn diese sich als Welle auf eine Küste zu bewegt, wo das Meer ja immer flacher wird, dann hat die Welle immer weniger Platz und bäumt sich zu einer Riesenflutwelle auf – mit Höhen von manchmal mehreren Dutzend Metern. Entscheidend für die Schwere der Überschwemmung ist aber weniger die Wellenhöhe als vielmehr die Wellenlänge. Sie beträgt bei einem Tsunami oft mehrere hundert Kilometer. Wenn eine solche Welle sich an die Küste zu bewegt, wird somit eine gewaltige Wassermasse aufs Land geschoben. Deshalb sind Tsunamis so gefährlich.

  • Dec 24, 2023 · 3 min

    Warum besteht das Leben aus Kohlenstoff?

    Lebewesen setzen sich aus nur 6 Bausteinen zusammen Es gibt 118 chemische Elemente im Periodensystem. Von diesen 118 Elementen gehören nur 6 zu den Bausteinen, aus denen sich Lebewesen zusammensetzen: Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Phosphor und Schwefel. Kohlenstoff ist mit Abstand der wichtigste dieser Bausteine. Zwar besteht der menschliche Körper zu etwa 60 Prozent aus Wasser, aber beim eigentlichen organischen Material, bei den Zellen, den Proteinen, der DNA spielen Kohlenstoffverbindungen die Hauptrolle. Sie bilden das Gerüst, das alles zusammenhält. Kohlenstoff: wandlungsfähigstes chemisches Element Kohlenstoff ist von allen chemischen Elementen das wandlungsfähigste. Das macht ein Zahlenvergleich deutlich: Die Chemie kennt etwa 200.000 „anorganische“ Verbindungen, also Verbindungen ohne Kohlenstoff. Das klingt zwar viel, ist aber nichts im Vergleich zu 20 Millionen Verbindungen mit Kohlenstoff. Aus diesem Grund ist die organische Chemie, die sich ausschließlich mit Kohlenstoffverbindungen befasst, ein so riesiges Fachgebiet. Und ständig werden neue solcher Verbindungen synthetisiert. Warum erzeugt Kohlenstoff eine so große Vielfalt an Stoffen? Der Grund dafür liegt in der Natur des Kohlenstoffatoms. Es ist nämlich in der Lage, vier Bindungen zu anderen Atomen einzugehen. Das kann Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Phosphor oder Schwefel sein – es können aber auch andere Kohlenstoffatome sein; für die gilt dann wieder das Gleiche. Es können Einfach- oder Mehrfachbindungen sein. Auf diese Weise können große dreidimensionale Strukturen entstehen – von sehr einfachen kleinen Molekülen bis zu hochkomplexen Makromolekülen. All das brauchen wir zum Leben. Diese Vielfalt an Strukturen ist eine wichtige Voraussetzung. Denn damit Leben stattfindet, müssen viele verschiedene Stoffe viele verschiedene Aufgaben erfüllen. Sie müssen stabil sein, damit uns beispielsweise die Erdatmosphäre nicht zersetzt! Zu stabil dürfen sie aber auch nicht sein, denn Stoffe müssen sich trotzdem noch ineinander umwandeln können, damit z.B. aus Fetten und Proteinen, die wir mit der Nahrung aufnehmen, neue Körperzellen entstehen. Kohlenstoffverbindungen erfüllen all diese Voraussetzungen. Gibt es noch andere Elemente, die diese Bedingungen erfüllen könnten? Sowohl in der Science-Fiction als auch in der evolutionären Forschung wird oft Silizium genannt. Silizium und Kohlenstoff sind sich tatsächlich sehr ähnlich. Sie gehören im Periodensystem zur selben Gruppe, beide können vier Bindungen eingehen. Der Unterschied: Silizium ist ca. 3,5-mal so groß wie Kohlenstoff. Und das macht in der Welt der kleinsten Teilchen schon eine Menge aus! Siliziumverbindungen sind sowohl in Wasser als auch an der Luft instabil. Da reagiert Silizium sofort mit dem Sauerstoff des Wassers oder mit dem Luftsauerstoff. Silizium kann auch keine stabilen Mehrfachbindungen ausbilden, was die Vielfalt möglicher Verbindungen einschränkt. Auf der Erde erscheint es deshalb höchst unwahrscheinlich, dass Leben auf Silizium basiert. Trotzdem: Es wird fleißig danach gesucht! Die Forschungsgruppe der Nobelpreisträgerin Frances Arnold am California Institute of Technology hat es geschafft, ein Enzym aus einem Bakterium so zu modifizieren, dass es Stoffe mit Silizium-Kohlenstoffbindungen bildet. Da scheint der Schritt zu einem Bakterium, dass das Silizium in seinen Organismus einbaut, nicht mehr so weit.