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Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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  • Jul 29, 2024 · 3 min

    Warum sieht man in Frankreich viel mehr Wassertürme als bei uns?

    Industrialisierung: Stadtbewohner brauchten Trinkwasser In Frankreich stehen ungefähr 16.000 Wassertürme – in Deutschland sind es vielleicht 2.000. Das hat zum Teil historische Gründe. Die meisten Wassertürme sind Bauwerke des 19. Jahrhunderts und sehen oft auch schön aus. Sie sind während der Industrialisierung entstanden, als die Städte gewachsen sind und es dort einen großen Bedarf an sauberem Trinkwasser gab. Die Türme haben geholfen, einen konstanten Wasserdruck in den Leitungen aufrecht zu erhalten. Das funktioniert nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren: Wenn ich Wasser von einem Punkt aus einer bestimmten Höhe durch eine Leitung herablasse, "will" das Wasser am anderen Ende der Leitung wieder diese Höhe erreichen. – Die Gebäude, in die die Leitungen münden, liegen niedriger. Deshalb steht das Wasser am Ende der Leitung – also am Wasserhahn – unter einem entsprechend konstanten Druck. Das war die Idee hinter den Wassertürmen. Deutsche waren Vorreiter beim neuen Erdspeicher-Verfahren Heute kann man das aber mit elektrischen Pumpwerken einfacher und billiger lösen. Wassertürme sind aber teuer: Sie müssen instand gehalten werden, man muss sicherstellen, dass sich kein Unbefugter Zutritt verschafft, Sicherheitsvorschriften sind zu beachten. Da sind Erdbehälter mit Pumpen im Verhältnis vier bis fünf Mal günstiger. In gebirgigeren Gegenden tun es auch Wasserbehälter auf einer Anhöhe über der Stadt. Franzosen setzten auf Türme aus Stahlbeton Zurück zur Geschichte der Wassertürme: Die Deutschen waren Anfang des 20. Jahrhunderts Vorreiter bei diesen neuen Erdspeicher-Verfahren und sind deshalb früher auf Erdspeicher umgestiegen. Dagegen setzten die Franzosen weiter auf Wassertürme, zumal man damals mithilfe des aufkommenden Stahlbetons solche Türme relativ schnell und schlicht bauen konnte. So gibt es in Frankreich heute in der Tat mehr solcher Türme – oft sind das aber keine schönen Backsteinbauten wie bei uns, sondern diese sehr funktionalen Betonbauten. Wassertürme dienen heute anderen Zwecken Was den deutschen und den französischen Wassertürmen aber gemeinsam ist: Die allerwenigsten werden noch in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt. Eben weil man heute andere, billigere Techniken hat. Die Wassertürme, die man heute noch sieht, stehen oft unter Denkmalschutz oder dienen einer anderen Verwendung – als Veranstaltungsort, Planetarium, Hotel, Fitnesscenter, als Fernsehturm wie auf dem Heidelberger Königstuhl oder einfach als Baudenkmal wie der bekannte Wasserturm in Mannheim.

  • Jul 28, 2024 · 2 min

    Braucht man heute keine Blitzableiter mehr?

    Bei Wohnhäusern sind meist keine Blitzableiter vorgeschrieben Doch. An den Empfehlungen und Richtlinien hat sich nichts geändert. In der Regel sind aber gerade bei Wohnhäusern keine Blitzableiter vorgeschrieben. In den Vorschriften gibt es eine Blitzschutz-Pflicht nur für besonders gefährdete Bauten. Damit sind dann wirklich entweder besonders exponierte Gebäude gemeint oder solche Bauten, bei denen ein Blitzschlag zu großen Schäden führen können. Das können auch alte denkmalgeschützte Häuser sein. Schaden durch Blitzeinschlag ist bei modernen Gebäuden kalkulierbar Natürlich kann ein Blitz auch in einem Neubau erheblichen Schaden anrichten. Aber er ist in der Regel kalkulierbar. So fangen moderne Häuser nicht mehr so schnell Feuer wie Fachwerkhäuser oder Häuser mit Strohdach. Die Gefahr, dass bei einem Blitzschlag gleich das ganze Haus abbrennt, ist heute deutlich geringer als früher. Allerdings haben wir heute auch viel mehr elektrische Geräte im Haus – Fernseher, Computer – sodass hier die Blitze, wenn sie einschlagen, oft einen größeren Schaden anrichten. Da geht dann nicht nur das Gerät kaputt, sondern der Blitz kann die ganze Elektroinstallation lahmlegen, wenn kein Blitzschutz vorgesehen ist. Dazu gehört übrigens nicht nur der Blitzableiter auf dem Dach, sondern auch der Überspannungsschutz in der Elektroanlage. Das alles ist für die normalen Wohnhäuser aber nicht vorgeschrieben, und das mag ein Grund sein, warum viele Hausbesitzer oder auch Architekten sagen: Blitzableiter brauchen wir nicht. Blitzschutz ist Kostenfaktor beim Hausbau Es ist ja auch eine Kostenfrage. Früher gab es Anreize, zum Beispiel einen Nachlass bei der Brandschutzversicherung für Häuser mit Blitzschutz. Den gibt es heute in der Regel nicht mehr. Wenn es wirklich stimmt, dass immer weniger Häuser einen Blitzableiter haben, liegt es vielleicht genau daran: Dass es die Hausbesitzer Geld kostet. Und dann schauen die sich um und denken: Na ja, um mein Haus herum gibt’s Bäume oder andere Häuser, die noch höher sind, da wird der Blitz sich nicht gerade mein Haus aussuchen – und wenn, dann geht im schlimmsten Fall zwar die Elektrik kaputt, aber das zahlt ja die Versicherung. – Hier vermute ich den Grund dafür, dass Blitzableiter heute weniger verbreitet sind als früher, auch wenn ich dazu keine harten Zahlen gefunden habe. Aber wenn es stimmt, mögen das die Gründe sein: Eine geringere Risikowahrnehmung, die nur zum Teil sachlich wirklich gerechtfertigt ist. Danke an: Klaus Stimper, Universität der Bundeswehr, und Jochen Stoiber, Architektenkammer Baden-Württemberg.

  • Jul 28, 2024 · 1 min

    Wie gefährlich ist es, wenn Medikamente heiß werden?

    Asthmaspray kann Wirkung verlieren, Pillen sind weniger empfindlich Wenn zum Beispiel ein Asthmaspray zu lange in der direkten Sonne steht, dann heizt es sich sehr stark auf und dadurch kann es die Wirkung verlieren. Zumindest ist nicht mehr sichergestellt, dass immer genau die richtige Menge Wirkstoff raus kommt – das kann bei einem Asthma-Anfall gefährlich werden. Tabletten oder Kapseln hingegen sind relativ unsensibel, die haben in der Regel keine großen Probleme mit hohen Temperaturen. Es wird aber trotzdem empfohlen, sie bei höchstens 25° zu lagern – einfach als Vorsichtsmaßnahme. Welche Medikamente sind besonders betroffen ? Vor allem die Medikamente, die ganz generell kühl gelagert werden sollen. Dabei bedeutet kühl tatsächlich im Kühlschrank. Insulin zum Beispiel – das gilt aber das ganze Jahr über und nicht nur im Hochsommer. Auch Zäpfchen sind empfindlich – die bestehen aus Fett und lösen sich bei Hitze auf. Aber auch Cremes und Salben können schmelzen und sich in ihre Bestandteile auftrennen. Wenn ein Medikament einmal geschmolzen ist, sollte man es übrigens auch dann nicht mehr verwenden, wenn es wieder abgekühlt und fest geworden ist. Der Wirkstoff könnte sich nämlich in der flüssigen Form ungleichmäßig verteilt haben und dann haben das Zäpfchen oder die Salbe nicht mehr die gewünschte Wirkung. Wie merke ich, dass ein Medikament seine Wirkung verloren hat ? Die meisten Veränderungen sind von außen nicht erkennbar. Aber wenn man sieht, dass die Tabletten spröde werden oder sich verfärben, wenn Salben oder Säfte die Konsistenz verändert haben, also wenn man irgendeine Veränderung an den Medikamenten wahrnimmt, dann sollte man lieber einmal in der Apotheke nachfragen, bevor man sie weiter nimmt. Das Gleiche gilt, wenn man sich nicht sicher ist, ob ein Medikament vielleicht doch zu heiß geworden ist. Lieber einmal zu viel nachfragen. Wie gehe ich mit Medikamenten bei großer Hitze um? Alles, was nicht sowieso in den Kühlschrank muss, sollte in der Wohnung an einen halbwegs kühlen Ort. Das könnte zum Beispiel der Hausflur sein. Bei den paar extrem heißen Tagen muss man sich aber noch keine Sorgen machen, gerade Tabletten halten das aus. Es muss also nicht vorsichtshalber die komplette Hausapotheke in den Kühlschrank umziehen. Wichtig ist aber: Die Medikamente sollten nicht in der prallen Sonne liegen und auch nicht in einem geparkten Auto gelagert werden – das erreicht schnell Temperaturen, die auch die stärkste Tablette nicht aushält. Falls man aber in die Hitze muss und seine Medikamente mitnehmen muss, dann sollte man die auf jeden Fall in eine Isoliertasche oder Styroporbox packen.

  • Jul 27, 2024 · 2 min

    Können Spinnen hören?

    Spinnen haben keine Ohren – nach heutigem Forschungsstand Spinnen haben nach heutigem Stand keine Ohren. Sie können trotzdem im weitesten Sinn so etwas wie "hören". Man kann sich das vorstellen, wenn wenn man überlegt, wie unsere Ohren funktionieren. Die registrieren Luftschwingungen – Schall ist ja nichts anderes als Luftschwingungen – und zwar mithilfe von ganz feinen Härchen im Innenohr. Spinnen registrieren kleinste Schwingungen und Vibrationen Spinnen haben ebenfalls ganz viele feine Härchen, allerdings nicht in einem Ohr, sondern an den Beinen und auch sonst am Körper. Auch diese Härchen registrieren kleinste Schwingungen bzw. Vibrationen – seien es Bewegungen auf dem Ast, auf dem sie sich gerade befinden, oder der Hauswand, aber eben auch Luftschwingungen. Das heißt nicht, dass sie hören können in dem Sinn, dass sie so etwas wie einen Klang wahrnehmen. Aber sie können die Art von Luftschwingungen, die für uns einen Klang erzeugen, durchaus registrieren. Und das teilweise sogar über eine Entfernung von mehreren Metern, wie Forscher an Springspinnen herausgefunden haben. Ob sie dann weglaufen, ist noch eine andere Frage, aber sie können sie registrieren. Als Sinnesorgan ist es jedoch eher ein Tastsinn als ein Hörsinn. Das heißt, sie haben zwar keine Ohren, aber verschiedene andere Sinnesorgane, die wir nicht haben und die wirklich feinste Bewegungen registrieren. Kann es sein, dass bei Spinnen doch noch Ohren entdeckt werden? Ich hatte ja gesagt, nach "heutigem Stand" haben sie keine. Denn bei Insekten, also Fliegen, Mücken dachte man auch lange, dass sie keine Ohren haben. Erst vor ein paar Jahren hat man dann entdeckt, dass sie doch welche haben. Das Kuriose bei den Insekten: Diese Hörorgane sitzen an ganz verschiedenen Orten – also nicht unbedingt am Kopf, sondern auch mal an den Flügeln oder unten am Bauch. Manchmal natürlich auch am Kopf. Das hat man erst vor wenigen Jahren entdeckt. Deshalb: Wer weiß, vielleicht entdeckt man ja bei den Spinnen auch noch Ohren.

  • Jul 26, 2024 · 2 min

    Sind Algen Pflanzen?

    Viele Unterschiede zwischen Algen und Pflanzen Es gibt verschiedene Definitionen, aber in der Regel werden die Algen nicht zu den Pflanzen gezählt. Unstrittig ist auf jeden Fall die evolutionäre Verbindung: Es waren Grünalgen, aus denen vor Urzeiten die ersten Landpflanzen hervorgegangen sind. Das waren damals vor allem Moose. Unstrittig sind auch die Gemeinsamkeiten: Algen betreiben Photosynthese, genau wie Pflanzen – sie nutzen also Sonnenlicht, um zu wachsen. Speziell die Grünalgen nutzen dafür auch die gleichen Arten von Zellbestandteilen, nämlich die Chloroplasten. Aber es gibt eben auch große Unterschiede: Algen sind viel einfacher gebaut als Landpflanzen, Algen haben keine Wurzeln, keinen Stamm oder Stängel. Das alles brauchen sie nicht, denn sie sind ja von Wasser umgeben. Die Fortpflanzung läuft auch anders ab: Pflanzen sind „Embryophyten“. Sie bilden Samen, über die sie sich vermehren. Algen dagegen vermehren sich hauptsächlich über Zellteilung und über Sporen. Und bei den Algen gibt es auch viele einzellige Arten. Meist denken wir zuerst an die großen Algen, die an die Strände gespült werden oder im Wasser treiben und die man in die Hand nehmen kann. Das sind die sogenannten Makroalgen. Aber für die Meeresökologie fast noch wichtiger sind die einzelligen Algen, die Mikroalgen, die man mit bloßem Auge gar nicht erkennt. Das wird auch Phytoplankton genannt. Mikroalgen: Einzellige Algen unterscheiden sich klar von Bakterien Diese einzelligen Algen haben mit Landpflanzen noch weniger Ähnlichkeit. Früher hat man die eher mit Bakterien verwechselt. Noch immer kursiert der Ausdruck Blaualge für bestimmte Einzeller, die aber in Wirklichkeit keine Algen, sondern Bakterien sind und heute als Cyanobakterien bezeichnet werden. Der Unterschied zwischen Bakterien und einzelligen Algen ist ganz klar: Algen haben einen Zellkern, Bakterien nicht. Das ist ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal. Algen sind Protoctisten Weil sich nun Algen sowohl ganz klar von Bakterien als auch recht stark von Landpflanzen unterscheiden, werden sie in der Biologie einer Art „Zwischenreich“ zugeordnet, nämlich den Protoctisten – das ist ein eigenes biologisches Reich irgendwo zwischen den Bakterien und den noch höheren Organismen, also Pflanzen, Tieren und Pilzen. Zu diesen Protoctisten gehören zum Beispiel auch Wimperntierchen und Schleimpilze. Es gibt allerdings auch Definitionen, wonach Algen in einem weiteren Sinn doch zu den Pflanzen gerechnet werden. In dieser Logik bestehen Pflanzen aus Landpflanzen einerseits und Algen andererseits. Das hat auch damit zu tun, dass die Algenkunde traditionell aus der Botanik, also der Pflanzenwissenschaft, hervorgegangen ist. In der Natur sind die Übergänge nun mal fließend – insofern sind verschiedene Definitionen möglich. Nach der vorherrschenden sind Algen aber keine Pflanzen. Algen blühen nicht Man hört auch immer wieder von "Algenblüten", darf sich davon aber nicht täuschen lassen: Algen blühen nicht; es gibt keine Blüten. Der Begriff "Algenblüte" bezeichnet lediglich ein explosionsartiges Algenwachstum, das in den Weltmeeren immer mal wieder vorkommt. In den letzten Jahren sogar immer häufiger.

  • Jul 25, 2024 · 2 min

    Warum vergeht die Zeit im Alter schneller?

    Schon viel erlebt Zum einen setzen wir die Zeit, die wir erleben, ins Verhältnis zu der Zeit, die wir schon erlebt haben. Für einen Zehnjährigen ist ein Jahr ein Zehntel seiner gesamten Lebenszeit, für eine Fünfzigjährige ist das selbe Jahr nur ein Fünfzigstel – sie hat schon 49 andere erlebt. Das ist ein Grund, warum uns das fünfzigste Lebensjahr kürzer vorkommt als das zehnte. Hinzu kommt: Die Zeit erscheint uns im Rückblick umso länger, je mehr passiert ist. Das bestätigt der Psychologe Marc Wittmann, der sich in Freiburg intensiv mit dem Phänomen Zeiterleben beschäftigt: Je mehr Inhalte im Gedächtnis, auch emotionale Inhalte – wenn ich zurückblicke auf den letzten Tag, die letzte Woche, das letzte Jahr – desto länger kommt mir dann auch dieses Zeitintervall vor. Quelle: Marc Wittmann In den ersten 30 Jahren passiert mehr Neues Und das gilt auch fürs ganze Leben. In den ersten dreißig Lebensjahren passiert viel: Wir werden groß, Schule, Ausbildung, oft eine Reihe von Partnerschaften. In den zweiten dreißig Jahren kann sich auch noch einiges tun, aber in der Regel weniger. Wir bleiben so groß wie wir sind, die Persönlichkeit ist schon ausgebildet, unser Alltag ändert sich über lange Zeit oft nur wenig. Im Alter passiert weniger "zum ersten Mal" Deshalb kommen Menschen im Rückblick die ersten 30 Jahre länger vor. Denn da passiert so viel, auch emotional. Vieles passiert zum ersten Mal, erste Liebe, erster Sex, erste eigene Wohnung, erster Urlaub ohne Eltern, der erste Job, alles aufregend. Je älter wir werden, desto mehr haben wir schon von der Welt gesehen, desto weniger passiert "zum ersten Mal". Es gibt weniger einschneidende Ereignisse. Auch das erklärt, warum die Zeit im Alter scheinbar schneller vergeht. Kürzere Zeitspannen werden ähnlich lang erlebt Zumindest gilt das, wenn wir auf längere Zeitspannen zurückblicken, etwa auf die letzten fünf oder zehn Jahre. Bei kürzeren Zeitspannen trifft das nicht unbedingt zu. Eine Woche oder einen Tag empfindet eine 20-Jährige nicht unbedingt länger als ein 60-Jähriger. Da kommt es sehr stark darauf an, was in dieser Zeit konkret passiert. Langweilige Zeiten sind in der Erinnerung kurz Und dabei gibt es noch ein interessantes Phänomen. Psychologen unterscheiden nämlich zwischen der Zeit, die aktuell vergeht, und der Zeit, auf die wir zurückblicken. Ein aufregender zweiwöchiger Urlaub mit vielen eindrucksvollen Erlebnissen vergeht gefühlt recht schnell – in der Erinnerung nehmen diese zwei Wochen aber viel mehr Raum ein, als wenn man die selben zwei Wochen im Büro verbracht hätte. Umgekehrt: zwei Stunden im Wartezimmer einer Arztpraxis können sich endlos hinziehen – im Gedächtnis bleiben sie dagegen allenfalls als kurze Momentaufnahme. Anders ausgedrückt: Langweilige Zeiten sind in der Erinnerung kurz und kurzweilige in der Erinnerung lang – und das gilt für Jung und Alt gleichermaßen.

  • Jul 15, 2024 · 1 min

    Warum nimmt ein feuchter Schwamm Wasser besser auf als ein trockener?

    Kapillareffekt: Wasser wird ins Gewebe gezogen Ein Schwamm oder ein Lappen kann nur deshalb Wasser aufnehmen, weil sich zwischen den Fasern im Gewebe kleine Hohlräume befinden, in die Wasser eindringen kann. Auf der Mikroebene passiert das über den sogenannten Kapillareffekt. Das Wasser wird regelrecht ins Gewebe hineingezogen. Das heißt, es heftet sich an die Fasern, zieht dann andere Wassermoleküle nach und dringt so immer weiter ins Gewebe vor. Das gleiche Prinzip kann man beobachten, wenn man sich versehentlich Wasser, Wein oder Tee auf die Hose kippt – die Flüssigkeit bleibt nicht, wo sie ist, sondern breitet sich im Gewebe schnell aus. Wassermoleküle heften sich gerne an andere Wassermoleküle Genau das passiert auch bei einem Schwamm. Und es funktioniert noch viel besser, wenn der Schwamm schon etwas feucht ist, wenn sich an den Fasern also bereits etwas Wasser befindet. Denn dieses Wasser zieht das andere Wasser nach. Ein Wassermolekül heftet sich nämlich an ein zweites Wassermolekül viel leichter als an anderen Substanzen. Deshalb tun sich Wassermoleküle leichter, in einen schon feuchten Lappen einzudringen als in einen trockenen. Feuchte Fasern quellen auf Ein zweiter Grund ist, dass trockene Schwämme und Lappen starr sind. Es ist kein Wasser drin, deshalb sind die Fasern zusammengeschrumpft. Wenn sie erstmal Wasser aufgenommen haben, quellen sie auf. Dadurch werden zum einen die Hohlräume größer, zum anderen wird der Schwamm bzw. Lappen biegsam und elastisch. Dann kann man das Gewebe viel besser zusammendrücken. Auch deshalb können sie Wasser, das sich auf einer Oberfläche angesammelt hat, besser aufnehmen.

  • Jul 1, 2024 · 3 min

    Warum sind Böden im Süden oft so rot?

    Klima und Oxidation spielen eine Rolle Das hat mit dem Klima zu tun, und zumindest am Mittelmeer auch mit den dort typischen Gesteinen. Diese leuchtend roten Böden kann man in Italien sehen, in Spanien, auf dem Balkan bis runter nach Griechenland – aber nicht nur da, auch noch weiter südlich in den Tropen, vielerorts in Afrika, Südamerika oder Südostasien. Die erste Erklärung ist: Die rote Farbe ist oxidiertes Eisen. Es handelt sich also um das gleiche Rot wie bei einem verrosteten Stück Eisen. Aber es gibt verschiedene Arten, wie diese Böden entstehen können. Eisenhaltige Mineralien aus kalkhaltigen Böden oxidieren Die roten Böden in den Mittelmeerländern entstehen vor allem dort, wo der Untergrund aus Kalkgestein besteht. In den Bergen in den Mittelmeerländern gibt es ziemlich viel Kalkstein. Kalk entsteht aus Meeresablagerungen, und die ganze Gegend zwischen den heutigen Alpen und Afrika war früher ein großes Meer, das Tethys-Meer. Als Afrika und Europa kollidierten, wurden diese Meeressenken zu Gebirgen aufgefaltet. Deshalb gibt es in den europäischen Mittelmeerländern so viel Kalkstein. Nun enthält Kalk eigentlich nicht besonders viel Eisen. Aber in Kalksteinen sind immer auch kleine Mengen eisenhaltige Minerale eingeschlossen. Wie die "Terra Rossa" entsteht" Im Lauf vieler Jahrtausende passiert nun Folgendes: Kalk ist dafür bekannt, dass er sich unter bestimmten Bedingungen in Wasser auflöst – so entstehen z.B. Tropfsteinhöhlen. Das passiert auch an der Oberfläche. Und wenn sich das Kalkgestein im Wasser auflöst und abtransportiert wird, bleiben eisenreiche Mineralien zurück, die sich im Lauf der Jahrtausende anreichern. Das ergibt einen eisenreichen Lehm, der verwittert. Hinzu kommt das besondere Mittelmeerklima: Im Winter ist es feucht und kalt, im Sommer heiß und trocken. Dieser Wechsel aus feucht und trocken begünstigt die „Rostbildung“ – also dass das Eisen in den Böden oxidiert und diese rote Farbe bildet. Das ist die gängige Erklärung, warum die Böden am Mittelmeer oft so rot sind. Sie werden entsprechend auch „Terra Rossa“ genannt – rote Erde. Sahara-Staub kann zur Rotfärbung beitragen 2010 gab es eine Studie, die noch einen anderen Faktor ins Spiel brachte: Nämlich Staub aus der Sahara. Der weht in letzter Zeit öfter mal zu uns – und die Mittelmeerländer sind viel näher an der Sahara, bekommen also noch mehr von diesem Staub ab. Diese Theorie kann allerdings nicht erklären, warum sich diese roten Terra-Rossa-Böden vor allem dort bilden, wo der Untergrund aus Kalk- oder Karbonatgestein besteht. Denn dem Saharastaub ist ziemlich egal, was für Gesteine im Untergrund liegen. Insofern tragen vermutlich beide Faktoren – der Saharastaub und die Kalkverwitterung – zur Bildung dieser roten Böden bei. Ferralsole im tropischen Regenwald Gehen wir jetzt noch weiter in den Süden, in die feuchten Tropen, vor allem in die tropischen Regenwaldgebiete, finden wir dort auch rote Böden – aber die sind teilweise viel tiefer als die am Mittelmeer. Da kommt es auf den Kalk im Untergrund nicht mehr an. Denn da hat das heiße feuchte Klima für eine so intensive Gesteinsverwitterung gesorgt, dass über 250 bis 300 Millionen Jahre alle möglichen Tonminerale ausgewaschen wurden und Eisen und Aluminium im Boden zurückgeblieben ist – was dann wieder oxidiert ist. Diese Böden werden heute als Ferralsole bezeichnet – weil in ihnen Eisen (lat. Ferrum) und Aluminium im Boden (lat. Solum) angereichert ist. Rotliegend: Als Mitteleuropa noch am Äquator lag Vergleichbare Verwitterungsbedingungen gab es "hierzulande" vor Urzeiten auch mal: Das belegen alte Gesteinsschichten in Mitteleuropa, die vielerorts bis heute erhalten sind und in der internationalen Geologie mit dem deutschen Begriff "Rotliegend" bezeichnet werden – wegen ihrer Färbung. Doch diese Gesteine sind 250 bis 300 Millionen Jahre alt und stammen aus dem Erdzeitalter des Perm, als das heutige Mitteleuropa in der Nähe des Äquators lag.

  • Jun 26, 2024 · 1 min

    Wie muss man sich König Davids Harfe vorstellen?

    Winkelharfe für die Armbeuge Die antike Harfe, auf die bei David Bezug genommen wird, ist an vielen Stellen abgebildet. Auch in der Literatur des Mittelalters finden sich zahlreiche Abbildungen von antiken Harfen. Wir müssen uns ein relativ kleines Instrument ich Dreieckform vorstellen, ohne die große Stange, die wir heute bei den Harfen kennen; die mündet oben im Kapitell. Das Instrument hatte nicht so viel Zug, deshalb konnte es als Winkelharfe gebaut werden. Es war nur über eineinhalb Oktaven diatonisch besaitet. Es gab also nur für die Ganztöne eine Saite oder ein Saitenpaar. Dieses Instrument kann man in die Armbeuge setzen und solche Instrumente sind bis weit ins Mittelalter hinein gespielt worden. Zimbeln sind Instrumente, die ganz hell klingen. Das sind Glöckchen, die gespielt werden. Das kennen wir aus dem Mittelalter; dort werden diese Glöckchen immer wieder beschrieben.

  • Jun 25, 2024 · 1 min

    Verschwinden Bakterien aus Spüllappen und Schwamm in der Waschmaschine?

    Lappen lassen sich besser waschen Sie können Keimwachstum in Spüllappen und insbesondere in Spülschwämmen nicht verhindern. Die Mikroben wachsen in kürzester Zeit immer wieder hoch. Die Waschmaschine ist wahrscheinlich das Beste, was sie tun können. Spüllappen bei 60°C und Vollwaschmittel in Pulverform waschen, genauso die Handtücher. Das reduziert die Keimzahl massiv. Aber steril ist das Ding danach auch nicht. Das heißt, nach ein paar Tagen müssen Sie es wieder in die in die Waschmaschine tun. Auf Spülschwamm am besten ganz verzichten In der Küche hat ein Schwamm zum Reinigen eigentlich nichts zu suchen – auch wenn die Leute ihn lieben; das weiß ich mittlerweile. Tücher sind besser, weil sie einfach besser in der Waschmaschine performen. Wenn Sie die Wahl haben zwischen Schwamm und Bürste nehmen Sie die Bürste – die ist besser.

  • May 22, 2024 · 1 min

    Gleichen sich Kurz- und Weitsichtigkeit im Alter aus?

    Weitsichtigkeit ist hier nicht der richtige Begriff; wir müssten von Alterssichtigkeit sprechen. Wer normal sieht, sieht in der Ferne scharf und in jungen Jahren auch in der Nähe, weil die Linse elastisch ist und sich auf die Nähe einstellen kann. Wer kurzsichtig ist, sieht in der Nähe scharf, in der Ferne unscharf. In der Jugend kann er viel näher herangehen. Das ist ein Vorteil. Aber wenn er diese Einstellungsfähigkeit verliert, dann bleibt er trotzdem kurzsichtig. Kurzsichtigkeit wird durch Alterssichtigkeit nicht ausgeglichen Die Weitsichtigen sehen in der Ferne gut, aber eigentlich ist der Scharfpunkt gar nicht in der Ferne, sondern dahinter. Ich muss mich als Weitsichtiger also schon anstrengen, um in der Ferne scharf zu sehen. Wenn die Alterssichtigkeit einsetzt und die Einstellungsfähigkeit der Linse erlischt, dann sehe ich auch in der Ferne unscharf. Bei Kurzsichtigkeit hat man im Alter also wenigstens noch den Vorteil, dass man Dinge in der Nähe sehen kann. Aber es gleicht sich eben leider überhaupt nicht aus.

  • May 18, 2024 · 1 min

    Wie oft muss ich die Bettwäsche wechseln, um vor Milben sicher zu sein?

    Bettmilben sind nur für Allergiker wirklich ein Problem Gesundheitlich sind Milben nur dann ein Problem, wenn jemand tatsächlich allergisch auf die Ausscheidung dieser Tiere reagiert. Bettzeug gut lüften, Bettwäsche alle ein bis zwei Wochen wechseln Was Sie gegen Milben tun können: Sie sollten das Bett morgens, nachdem sie aufgestanden sind, nicht gleich machen. Lassen Sie es erst mal offen liegen zum Auslüften. Das ist ganz wichtig. Wenn Sie können, hängen sie es raus in die Sonne, an die frische Luft, sodass es gut durchtrocknet. Eine typische Frage ist immer: Wie häufig muss sich die Bettwäsche wechseln? Das hängt ein bisschen von der eigenen Hygiene ab. Alle ein, zwei Wochen – je nachdem, wie Sie schlafen. Faustregeln für die Betthygiene Ganz wichtig: Tiere gehören nicht ins Bett. Und gegessen wird eigentlich auch nicht im Bett. Das sind ein paar Faustregeln für die Betthygiene. Grundsätzlich holt man sich im Bett durch die Bettwäsche keine Infektionskrankheit.

  • May 14, 2024 · 6 min

    Wann ist Israelkritik antisemitisch?

    Kritik an konkreten Handlungen ist legitim Wie jede Regierung, so muss sich die israelische Regierung Kritik gefallen lassen – von der Opposition im eigenen Land und ebenso vom Ausland. Auch die Bundesregierung kritisiert die israelische Politik immer wieder mal, trotz des, historisch bedingt, besonderen Verhältnisses zum jüdischen Staat. Der entscheidende Punkt ist: Diese Kritik bezieht sich auf konkrete Entscheidungen oder Handlungen der israelischen Regierung. Etwa auf den jüdischen Siedlungsbau in der Westbank, der auch aus deutscher Sicht völkerrechtswidrig ist. Oder wenn es Pläne gibt, die Unabhängigkeit der Justiz zu beschränken. Solche konkrete Kritik ist völlig legitim. Auch wenn sich Israel gegen Terror aus dem Gazastreifen mit massiven Gegenangriffen wehrt, ist es legitim, die Frage nach der Verhältnismäßigkeit zu stellen – egal, wie man sie dann für sich beantwortet. 3-D-Regel zur Überprüfung: Wann ist Israelkritik antisemitisch? Doch es gibt bestimmte Argumentationsmuster, bei denen Israelkritik antisemitische Züge bekommt. Als Faustregel gilt dabei die sogenannte 3-D-Regel. Der israelische Politiker Natan Scharanski hat sie entwickelt. Die drei D stehen für Doppelstandards, Dämonisierung und Delegitimierung. Wenn Israelkritik eins dieser drei Merkmale enthält, dann gilt sie nach dieser Regel als antisemitisch. Doppelstandards: Von Israel mehr erwarten als von anderen Doppelstandards bedeutet, dass Israel politisch-moralisch mit anderen Maßstäben gemessen wird als andere Staaten. Wenn Israel in der Kritik viel schlimmer erscheint als andere Regierungen, denen man ihre Menschenrechtsverletzungen durchgehen lässt. Schlimmer als Diktaturen, die Oppositionelle umbringen lassen. Schlimmer als ein Terrorregime, das wahllos Zivilisten ermordet oder Frauen ein selbstbestimmtes Leben verweigert. Kurz: Wenn man von Israel Dinge erwartet, die man von anderen nicht erwartet, dann ist das nach der 3-D-Regel ein guter Anhaltspunkt zu sagen: Die Kritik ist antisemitisch, denn sie wendet doppelte Standards an. Dafür steht das erste D. Dämonisierung: Israel als "teuflische Macht" und "Grundübel" Das zweite D steht für Dämonisierung. Wenn Israel als teuflische Macht dargestellt wird, als das Grundübel schlechthin, dann ist das keine Kritik mehr, die sich auf konkrete Politik bezieht. Auch wenn Israel mit dem NS-Regime gleichgesetzt wird, ist nicht nur der Vergleich historisch absurd (zur Erinnerung: Die Nazis haben in Vernichtungslagern Millionen Menschen systematisch ermordet, haben den 2. Weltkrieg angefangen und duldeten keinerlei Opposition). Ein solcher Vergleich zielt ausschließlich darauf ab, das Land zu dämonisieren (und nebenbei den Holocaust zu relativieren). Manchmal erscheint Israel auch als böser Akteur in irgendwelchen Verschwörungserzählungen. Das ist dann immer ein Hinweis darauf, dass sich Leute auf Israel als Hassobjekt fixieren – was dann eben Hass ist und keine Kritik. Natürlich könnten sich Menschen, die diesen Verschwörungserzählungen anhängen, auf den Standpunkt stellen, sie haben nichts gegen Juden, aber sie dürften doch wohl die angebliche Wahrheit über Israel sagen. Die Frage, die sich diese Leute meist nicht stellen: Warum glauben sie oder beschäftigen sie sich mit solchen Verschwörungstheorien genau dann, wenn sie mit Israel zu tun haben? Warum hört man nie Verschwörungstheorien über Österreich oder Island? Diese Fixierung auf Israel als jüdischem Staat gilt deshalb als starkes Indiz für antisemitische Prägung, auch wenn sie den Betroffenen selbst nicht bewusst sein mag. Delegitimierung: Existenzberechtigung Israels infrage stellen Das dritte D steht für Delegitimierung. Dazu ein Vergleich: Viele kritisieren die Politik der Bundesregierung – aber kaum jemand stellt deshalb Deutschland als Staat infrage oder sieht sich als "Deutschland-Kritiker". Manche Israelkritik läuft aber darauf hinaus, Israel als Staat die Legitimation abzusprechen – als hätte das Land keine Existenzberechtigung. Dies ist aber historisch und völkerrechtlich schlicht falsch. Und tatsächlich gibt es Formen von Israelkritik, die vielleicht nicht explizit sagen, dass Israel kein Existenzrecht hat, die aber im Ergebnis darauf hinauslaufen. Wenn Israel Ziele der Hamas oder der Hisbollah angreift, kann man immer diskutieren, ob das im konkreten Fall zielführend und verhältnismäßig ist. Aber wer Israel grundsätzlich dafür verurteilt, dass es versucht, sich gegen Angriffe wirksam zu verteidigen, stellt indirekt das Existenzrecht des jüdischen Staats infrage. Das sind also die drei D: Doppelstandards, Dämonisierung und Delegitimierung. – Viele offizielle Stellen haben diese Kriterien übernommen, als Anhaltspunkte dafür, wo hinter vermeintlicher Israelkritik eine antisemitische Einstellung erkennbar ist. Antisemitismus: Einstellung, die alles Jüdische negativ bewertet Antisemitismus, verstanden als eine Einstellung, die alles Jüdische negativ bewertet oder zumindest mit einem Vorbehalt versieht. Seien es die Juden als Kollektiv oder auch jüdische Einrichtungen von der Synagoge bis zum Staat Israel. Nach diesem Verständnis ist es deshalb auch antisemitisch, wenn Juden in Deutschland für die Politik Israels verantwortlich gemacht werden. Auch an diesem Punkt handelt es sich nicht mehr um normale Israelkritik, sondern um eine antisemitische Gleichsetzung völlig verschiedener Gruppen, deren Gemeinsamkeit primär im Jüdischsein besteht. Ob ein Mensch Antisemit ist, ist schwer zu belegen In öffentlichen Debatten geht es oft heiß her und da wird schnell mal jemandem nach einer bestimmten Äußerung Antisemitismus vorgeworfen. Dabei empfiehlt es sich jedoch, zu unterscheiden zwischen der Äußerung und der Person. Ob jemand als Mensch ein Antisemit ist oder eine Antisemitin, ist ein sehr weitgehender Vorwurf und meist schwer zu belegen. Zum einen ist es immer schwierig, in die Köpfe von Menschen hineinzuschauen und zu erkennen, was sie wirklich denken. Zum anderen gibt es Menschen, die sich wirklich nicht als Antisemiten sehen. Doch plötzlich rutscht ihnen eine Bemerkung heraus, die einen antisemitischen Inhalt transportiert, weil sie das vielleicht selbst irgendwo aufgeschnappt haben. Zu diskutieren, ob jemand in Wahrheit Antisemit ist oder nicht, hilft in der Diskussion oft nicht weiter, zumal die Diskussion dann schnell sehr persönlich wird. Aber festzustellen, dass eine Äußerung antisemitisch ist – dafür gibt es klare Indizien wie eben die 3-D-Regel. Grenzen der 3-D-Regel Aber auch bei dieser Regel bleiben manchmal Unsicherheiten: Nehmen wir eine gebürtigen Palästinenserin, die von der israelischen Politik unmittelbar betroffen ist – die vielleicht im Westjordanland den israelischen Siedlungsbau erlebt oder deren Angehörige in Gaza bei einem israelischen Angriff ums Leben kamen. Aufgrund ihrer persönlichen Betroffenheit ist sie auf Israel schlecht zu sprechen, während sie sich für die Menschenrechtsverletzungen Chinas, Russlands oder der Taliban weniger interessiert. Von außen betrachtet, wendet sie also doppelte Standards an und so könnte man ihr streng nach der 3-D-Regel Antisemitismus vorwerfen. Nur wird damit ihr Verhalten nicht angemessen eingeordnet. Eindeutiger wird es dagegen, wenn sie in Deutschland vor einer Synagoge demonstriert, eine israelische Fahne verbrennt oder Morde an jüdischen Zivilisten bejubelt – das ist dann Antisemitismus in Reinkultur.

  • May 8, 2024 · 3 min

    Wie macht man alkoholfreies Bier?

    Wasser, Malz, Hopfen und Gerste stecken auch im alkoholfreien Bier Die gute Nachricht für Biertraditionalisten ist: Zur Herstellung von alkoholfreiem Bier werden keine anderen Zutaten verwendet wie für "normales" Bier. Also Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Das Prinzip beim Bierbrauen ist ja: Man nimmt Getreide, meistens Gerste, und macht daraus Malz. Dazu weicht man die Gerste in warmem Wasser ein. Sie keimt dann kurz und wird wieder getrocknet. Bei diesem Prozess wandeln natürliche Enzyme die Stärke im Getreidekorn in Zucker um. Dann gibt man Hefe dazu, die wiederum den Zucker vergärt, also den Zucker in Alkohol umwandelt. Und nebenbei entstehen alle möglichen Aromastoffe, die das Bier ausmachen. Vakuum-Destillation: Alkohol wieder aus dem Bier herausholen Will man alkoholfreies Bier haben, gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit: Man holt aus dem entstandenen Bier den Alkohol wieder heraus. Das Standardverfahren dafür ist die Vakuum-Destillation oder "Rektifikation". Man lässt dabei den Alkohol verdampfen – und zwar nicht, indem man das Bier erhitzt, dann würden ganz viele Aromastoffe mit flöten gehen. Sondern man macht das bei niedriger Temperatur im (fast) Vakuum. Ein paar Aromastoffe verdampfen dann zwar mit, aber die kann man hinterher wieder ins Bier zurückführen. Hefepilze während des Brauens abtöten Die zweite Möglichkeit ist, von Anfang an dafür zu sorgen, dass gar nicht erst so viel Alkohol ins Bier reinkommt. Ich sage bewusst "nicht so viel", denn auch im "alkoholfreien Bier" ist Alkohol drin – es darf nur nicht mehr als ein halbes Prozent sein. Das kann man dadurch erreichen, dass man die Gärung vorzeitig abbricht. Dazu wird das Gebräu noch während der Gärung kurz stark erhitzt. Das tötet die Hefepilze ab, sodass sie aufhören, Zucker in Alkohol umzuwandeln. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass mehr Zucker im Bier bleibt – deshalb schmecken manche alkoholfreien Biere etwas süßer. Daher wendet man das Verfahren auch vor allem bei solchen Bieren an, die eh ein bisschen süß sein dürfen, Weizenbiere zum Beispiel. Bei herberen Bieren wie Pils nutzt man eher die Vakuum-Destillation. Membranen und Umkehrosmose nutzen Eine weitere Möglichkeit ist, mitmilfe von dünnen Membranen und dem Verfahren der Umkehrosmose Alkohol und Wasser aus dem Bier herauszupressen – die Aromastoffe bleiben in der Lösung und werden hinterher wieder mit Wasser verdünnt. Alle Verfahren erfodern zusätzliche Energie bei der Herstellung Alle Verfahren haben eine Gemeinsamkeit: Sie alle beinhalten einen zusätzlichen energieaufwändigen Schritt. Denn entweder muss man das Bier zusätzlich erhitzen oder ein Vakuum erzeugen oder es mit Druck durch eine Membran pressen. Allerdings: In der Gesamtbilanz der Bierherstellung fällt dieser zusätzliche Energieaufwand fürs alkoholfreie Bier nicht wirklich ins Gewicht.

  • May 8, 2024 · 2 min

    Benutzen wir wirklich nur zehn Prozent unseres Gehirns?

    Von Scientology verbreitetes Gerücht Vermutlich benutzen wir hundert Prozent – wenn auch nicht immer gleichzeitig. Falls Sie das Gerücht im Kopf haben, Einstein hätte gesagt, wir nutzen nur zehn Prozent unseres Gehirnpotenzials, vergessen Sie’s! Weder gibt es einen Beleg, dass Einstein das gesagt hat, noch stimmt es inhaltlich. Das Gerücht hat der Gründer von Scientology, Ron Hubbard, in die Welt gesetzt. Es wird heute noch von Scientology verbreitet, verbunden mit der mehr oder weniger explizit ausgesprochenen Botschaft: "Scientology hilft Ihnen, auch die restlichen 90 Prozent Ihres Gehirns zu nutzen!" – Das ist nur ein hohles Versprechen. Ständig neue Verbindungen zwischen Nervenzellen durchs Lernen Dass an den "10 Prozent" nichts dran ist, kann man sich leicht klarmachen: Es gibt viele Patienten, bei denen – zum Beispiel durch einen Unfall oder einen Schlaganfall – Teile des Gehirns geschädigt sind. Würden wir wirklich nur 10 Prozent nutzen, dann würden die meisten Hirnschädigungen ohne Folgen bleiben. In Wirklichkeit führt aber fast jede Hirnschädigung zu irgendwelchen Einschränkungen. Das heißt im Umkehrschluss, dass all die betroffenen Hirnregionen vorher zu etwas gut gewesen sein müssen. Wir können uns das Gehirn vorstellen als ein großes Knäuel von Milliarden von Nervenzellen. Diese Milliarden von Nervenzellen sind untereinander wiederum durch Milliarden von Verbindungen vernetzt. Die Hirnforschung hat gezeigt, dass das Hirn sehr plastisch ist: Sobald wir etwas lernen, bilden sich neue Verbindungen zwischen Nervenzellen. Und sobald wir diese Verbindungen nicht mehr nutzen, fangen sie ziemlich schnell an zu verkümmern. Auch das spricht dafür, dass wir wirklich alle Bereiche des Gehirns nutzen. Denn alles, was wir nicht nutzen, wird mit der Zeit abgebaut und wäre dann gar nicht mehr vorhanden. Immer nur die Gehirnteile nutzen, die gerade gebraucht werden Aber natürlich sind nicht sämtliche Teile des Gehirns immer ausgelastet. Nicht alle Nervenzellen feuern immer und ständig. Das wäre auch gar nicht gut. Wir würden dann nämlich ständig herumzappeln, könnten uns auf nichts mehr konzentrieren und hätten keine Kontrolle mehr über uns. Insofern ist es schon ganz in Ordnung, dass wir zu jedem Zeitpunkt immer nur die Teile des Gehirns nutzen, die wir für eine konkrete Aufgabe gerade brauchen. Somit ist auch schon die Grundannahme falsch, die dem "Zehn-Prozent-Gerücht" zugrunde liegt. Denn es ist eben nicht so, dass das geistige Potenzial um so größer ist, je mehr Gehirnanteile aktiv sind. Unter Umständen wächst das geistige Potenzial auch gerade mit der Fähigkeit, bestimmte Aktivitäten, die von einer Aufgabe eher ablenken, auch mal herunterzufahren. Prozentangaben sind nicht sinnvoll Und wie viel "Gehirn" ist nun normalerweise aktiv? Das lässt sich relativ schwer in Prozent angeben. Das unterscheidet das Gehirn von einer Festplatte: Beim Computer kann ich leicht feststellen, dass ich nur ein Viertel meines Speichers benutzte und drei Viertel ungenutzt sind. Aber das Gehirn ist ja keine Festplatte, und man darf es sich auch nicht so vorstellen, dass einzelne in sich geschlossene Hirnareale aktiv wären und alle anderen ruhten. Sondern das Gehirn arbeitet oft so, dass viele entfernte Bereiche sich miteinander vernetzen. Erinnerungen zum Beispiel, Gedächtnisinhalte sind nicht an einem bestimmten Ort gespeichert, sondern entstehen eher durch Aktivitätsmuster, bei denen ganz entfernte Teile des Gehirns aktiv sind. Deshalb sind Prozentangaben schwierig und nicht sehr sinnvoll.

  • May 6, 2024 · 23 sec

    Wie oft sollte man den Kühlschrank reinigen?

    Ein- oder zweimal im Monat sollte man den Kühlschrank mit Spüli-Wasser auswischen. Man kann auch Essigwasser oder Zitronensäure nehmen. Man sollte die Dichtungen nicht vergessen und bei der Lagerung der Lebensmittel darauf achten, dass nichts offen ist.

  • Apr 28, 2024 · 1 min

    Dom, Münster, Kathedrale, Basilika – Was sind die Unterschiede?

    Kathedralen sind Bischofssitze Ein Dom ist ein großes, historisch bedeutsames Kirchenhaus. Das gleiche gilt für eine Kathedrale, aber Kathedrale ist eigentlich kein architektonischer Begriff, sondern sagt nur, dass es sich bei der jeweiligen Kirche um einen katholischen, orthodoxen oder – in Großbritannien – anglikanischen Bischofssitz handelt. Kathedra ist griechisch und heißt "Sitz". Nicht jeder Dom ist also eine Kathedrale. Der Kölner Dom oder der Dom zu Speyer sind gleichzeitig Kathedralen, aber der Frankfurter Kaiserdom zum Beispiel nicht. Unterschied zwischen Dom und Münster meist regional Jetzt zum Münster. Da steckt das Wort Monasterium drin. Also Kloster. Und das war auch die ursprüngliche Bedeutung, eine Kirche mit angeschlossenem Kloster. Aber heute wird der Begriff Münster auch für andere große Stifts- und Pfarrkirchen verwendet, vor allem in Baden-Württemberg und Bayern. Große Kirchen, die anderswo Dom heißen würden, heißen hier eher Münster. Ob eine Kirche Dom oder Münster heißt, hängt also in der Regel vor allem von der Region, nicht der Religion ab. Basilika: mindestens drei Schiffe "Basilika" ist nun wieder ein architektonischer Begriff. Er bezieht sich auf eine bestimmte räumliche Anordnung einer Kirche, die aus dem Römischen kommt. Eine Basilika ist eine Kirche mit mindestens drei Schiffen, wobei das mittlere Schiff höher ist als die beiden seitlichen und einen eigenen Lichteinfall hat. Unabhängig von der Architektur: Basilika kann auch Ehrentitel sein Das Wort Basilika wird aber auch vom Vatikan als Ehrentitel für bestimmte Kirchen verliehen – unabhängig davon, wie sie gebaut sind.

  • Apr 25, 2024 · 1 min

    Einen Zahn zulegen – woher kommt das?

    Falsche Info zum Ursprung der Redewendung hält sich hartnäckig Man hört es auf Burgen, in Freilandmuseen oder bei Stadtführungen. Es ist fast unausrottbar, denn immer wieder wird behauptet, es gehe hierbei um den Kräuel, eine Art Zahnstangenaufhängung für Töpfe. Wenn man den nach unten hänge, dann werde das Essen schneller gar. Das hört sich gut an. Das Problem: In keiner Sprache der Welt ist sprachlogisch "nach unten" "mehr". "Zulegen" bedeutet aber "mehr". Mehr Dampf auf den Kessel! Dieser Aufhängemechanismus ist sehr alt. Die Redensart kommt aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts in Schwang, und zwar mit der Industrialisierung und mit den Lokomotiven. Der Volksmund stellte sich vor, dass an einem Zahnrad ein Zahn mehr zu mehr Geschwindigkeit antriebe. Viele Lokomotiven, die damals das Zeichen der Moderne waren, hatten einen Halbzahnkranz am Bodenblech, mit dem man mithilfe eines Hebels den Dampfdruck regulieren konnte. Und wenn man da einen Zahn zulegte, den Hebel also nach vorne schob, dann hatte man mehr Dampf und mehr Geschwindigkeit.

  • Apr 10, 2024 · 4 min

    Wozu ist Gähnen gut?

    Die klassische Antwort ist: Wer gähnt, ist müde. Das stimmt zwar meist, aber erstens gibt es auch Ausnahmen und zweitens erklärt das aber ja noch nicht, was der wahre Auslöser ist. Theorien, warum wir Gähnen müssen: Ist Sauerstoff der Grund? Da ist die Wissenschaft seit Jahrzehnten dabei, Antworten zu finden. 2010 gab es sogar einen Internationalen Gähn-Kongress in Paris. Dort haben sich die Fachleute zwei Tage lang über die verschiedenen Studien und Theorien ausgetauscht. Davon gibt es nämlich einige: Besonders bekannt ist die Sauerstoff-Hypothese. Gähnen ist wie ein tiefes Atmen, wir führen dem Körper besonders viel frische Luft und damit viel Sauerstoff zu. Also könnte man vermuten, dass genau das der Sinn ist: Wir gähnen, um einen Sauerstoffmangel zu beheben. Was gegen die Sauerstoff-Hypothese spricht Allerdings wurde diese These schon 1987 von dem US-Psychologen Robert Provine widerlegt: Bei seiner Studie erhielt ein Teil der Probanden reinen Sauerstoff, die anderen normale Luft. Am Ende kam dabei raus, dass beide Gruppen gleich viel gähnen mussten – die Sauerstoffzufuhr ist also eher ein positiver Nebeneffekt. Dient Gähnen der Temperatur-Regulation des Gehirns? Alternativ gibt es noch die Gehirnkühlungs-Hypothese. Das heißt: Gähnen dient der Thermoregulation im Gehirn. So haben vergleichende Untersuchungen an Vögeln, Ratten und Menschen gezeigt, dass das Gähnen die Gehirn- und Körpertemperatur senkt. Außerdem zeigen Studien, dass wir weniger gähnen, wenn es draußen sehr kalt oder zu warm ist. Im Winter wäre der Kühleffekt zu stark und würde das Gehirn verwirren. Im Hochsommer kann es hingegen vorkommen, dass Körpertemperatur und Umgebungstemperatur gleich hoch sind – wodurch keine Kühlung stattfinden kann. Gähnen macht munter. Stimmt das? Da ist sich die Forschung uneinig. Eigentlich belegt eine Studie aus der Schweiz, dass die Hirnaktivität vor und nach dem Gähnen gleich ist. Dennoch sind viele Forschende überzeugt, dass die Aufmerksamkeit durch Gähnen gesteigert wird. Denn beim Gähnen strecken und dehnen wir ja auch bestimmte Körperpartien und das heißt wiederum, dass bestimmte Muskeln aufgeweckt werden. Aber Gähnen ist eben auch nicht immer nur ein Zeichen von Müdigkeit. Es gibt noch weitere Situationen. Zum Beispiel wenn man Hunger hat – oder gestresst oder aufgeregt ist. Bei mir war das zum Beispiel in der Schule oft der Fall. Vor einem Vortrag musste ich immer minutenlang gähnen – egal, wie viel ich davor geschlafen hatte. Irgendwann habe ich dann herausgefunden, dass es stressbedingt ist. Außerdem wissen wir alle: Gähnen ist ansteckend. Wenn jemand anderes gähnt, muss man selbst oft auch gähnen. Die Soziologie sagt: Gähnen könnte der Stimmungsübertragung und Synchronisation von Gruppen dienen. Sprich: Wenn alle gleichzeitig müde oder wach sind, dient das dem Zusammenhalt. Der Auslöser für das ansteckende Gähnen könnten die sogenannten Spiegelneuronen sein. Doch nicht nur das Gähnen anderer Leute ist ansteckend: Es reicht schon, wenn man darüber liest oder spricht. Warum die Wissenschaft so wenig über das Gähnen weiß Gähnen ist medizinisch, beziehungsweise allgemein wissenschaftlich, wenig erforscht, weil wir dadurch ja weder große gesundheitliche Nachteile noch Vorteile haben. Also ob jemand gähnen muss oder nicht, macht für den Körper erstmal keinen großen Unterschied. Deshalb steht das Phänomen des Gähnens nicht ganz oben auf der Prioliste der medizinischen Forschung. Eine Ausnahme gibt es natürlich dennoch: Häufiges Gähnen kann auch ein Warnzeichen sein. Starke Müdigkeit kann schließlich auch ernstere Ursachen haben, wie zum Beispiel Mangelernährung, Depressionen oder andere schwere Erkrankungen wie Multiple Sklerose. Grundsätzlich sollte man sich aber von ein, zwei Gähnern nicht verunsichern lassen. Was man dem Gähn-Drang entgegensteuern kann Eine wissenschaftliche Lösung gegen das Gähnen gibt es nicht. Ein paar Tricks sollen dennoch funktionieren: Bewusst durch die Nase ein- und ausatmen – so bleibt der Mund zu. Sobald man den Drang bemerkt, mit dem Finger auf die Zungenspitze tippen. Zähne fest zusammenbeißen, dabei aber weiter über die Lippen atmen.

  • Apr 4, 2024 · 1 min

    Woher kommt der Ausdruck "Schema F"?

    Frontrapport – Formular beim preußischen Militär Die Redewendung geht zurück auf das preußische Militär. "Schema" war damals ein Ausdruck für ein Formular. Und "F" stand für "Frontrapport". Das Schema F wurde 1861 von der preußischen Armee eingeführt. Auf diesem Formblatt wurde erfasst, wie eine Truppeneinheit ausgestattet ist, wie viele Soldaten und Waffen sie hat. So wurde sichergestellt, dass sie an der Front mit voller Kriegsstärke einsetzbar war. Dazu gab es einen Vordruck, eben den Frontrapport – und deshalb "Schema F". Das ist zumindest die gängige Erklärung zur Herkunft des Ausdrucks. Da das Wort Schema gleichbedeutend war mit Formular, ist aber auch nicht überraschend, dass auch andere Formulare Schema F genannt wurden. "Instruktion über das Scheibenschießen" von 1855 Schon 1855 gab es ebenfalls in der preußischen Armee eine Gebrauchsanweisung für bestimmte Gewehre. Wörtlich heißt sie "Instruktion über das Scheibenschießen der mit Zündnadel-Gewehren bewaffneten Infanterie-Bataillone". Und in dieser Anleitung findet sich auch das Wort "Schema F" als ein Berichtsformular, in dem man festhielt, welche und wie viel Munition man beim Üben mit diesem Gewehr benutzt hat. Möglicherweise stammt unser "Schema F" also auch daher. Dagegen spricht allerdings, dass dies eine sehr spezielle Gebrauchsanweisung war. Deshalb ist fraglich, ob das wirklich Eingang gefunden hat in die allgemeine Umgangssprache. Deshalb gilt die Erklärung mit dem Frontrapport als die wahrscheinlichere. Doch so oder so: Das Schema F stammt offenbar aus der Militärsprache. Tatsächlich zeichnete sich für die preußische Armee damals schon Krieg ab: 1864 kam es zum Deutsch-Dänischen Krieg und 1866 zum sogenannten Deutschen Krieg zwischen Preußen und dem Deutschen Bund unter der Führung Österreichs.