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Speziell anders

Herr Alltagswahnsinn und Frau Alltagswahnsinn

Willkommen bei „Speziell anders“ – dem Podcast, der sich auf besondere Weise mit dem Thema Asperger beschäftigt. In jeder Folge nehmen wir Sie mit auf eine Reise in die Welt des Autismus-Spektrums und beleuchten, was es bedeutet, mit dem Asperger-Syndrom zu leben. Wir sprechen vom Leben, von der Realität und möchten dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und das Verständnis für die Vielfalt menschlicher Wahrnehmung zu fördern. Lassen Sie sich inspirieren und entdecken Sie neue Perspektiven im Leben mit Asperger.

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  • 20 episodes
  • weekly
  • Avg 28 min
  • German
  • Friday · 27 min

    Kamillentee und Nerven im Farbeimer

    Es ist vollbracht: Das komplette Haus ist gemalert. Die Wände strahlen, die Zimmer wirken plötzlich größer und alles sieht so neu aus, als müsste man beim Betreten eigentlich Überschuhe anziehen. Selbst die alten Möbel schauen ein wenig verunsichert, weil sie in dieser frisch renovierten Umgebung auf einmal aussehen, als hätten sie den Anschluss verpasst. Besonders Hedwig profitiert von der neuen Lage: Im frisch gemalerten Flur kann sie jetzt endlich fliegen. Während wir noch überlegen, ob die Farbe wirklich überall trocken ist, hat sie den Flur längst zur privaten Einflugschneise erklärt – natürlich ohne Rücksicht auf Leitern, Farbeimer oder menschliche Nerven. Nur mein Körper hat die Renovierung offenbar anders verstanden. Während das Haus jetzt wie neu ist, fühle ich mich eher wie ein Ausstellungsstück aus der Abteilung „stark gebraucht“. Jeder Muskel meldet sich persönlich, manche sogar mehrfach. Funktionieren geht noch – irgendwie. Es ist weniger ein eleganter Betriebsablauf als ein Notprogramm mit blinkender Warnleuchte. Die Malerpausen wurden dabei stets zuverlässig von Kamillentee begleitet. Andere Menschen gönnen sich beim Renovieren vielleicht Kaffee, ein belegtes Brötchen oder etwas mit Energie. Bei uns gab es Kamillentee – schließlich musste wenigstens einer im Haus beruhigend wirken. Natürlich bleibt es nicht beim Streichen. Mitten auf der Leiter, die Farbrolle in der einen und den letzten Rest Gleichgewicht in der anderen Hand, ruft der Junior: „Was wollte Lessing eigentlich mit der Aufklärung?“ Eine völlig normale Frage für genau diesen Moment. Also erklärt man Vernunft, Toleranz und selbstständiges Denken, während man gleichzeitig sehr vernünftig darüber nachdenkt, nicht rückwärts in den Farbeimer zu steigen. Kaum ist Lessing halbwegs geklärt, folgt Thomas Mann. Warum einfach nur eine Wand streichen, wenn man dabei auch noch deutsche Literaturgeschichte unterrichten kann? Ich balanciere also zwischen Decke und Fußboden, Bildungsauftrag und Absturzgefahr. Der Junior wartet auf eine verständliche Antwort, die Wand auf den zweiten Anstrich und mein Kreislauf auf eine Gelegenheit, sich unauffällig zu verabschieden. Über allem schwebt außerdem der bevorstehende Krankenhausaufenthalt. Der macht mich natürlich nicht nur ein bisschen nervös, sondern ungefähr so entspannt wie eine Katze vor dem Staubsauger. Man weiß, dass es sein muss, man möchte vernünftig bleiben – und trotzdem veranstalten die Gedanken im Kopf rund um die Uhr eine Sondersendung mit möglichen Szenarien, offenen Fragen und sehr dramatischer Hintergrundmusik. Vielleicht war das Streichen deshalb auch eine Art Beschäftigungstherapie: Solange man eine Kante abklebt, kann man nicht gleichzeitig sämtliche Krankenhausgedanken zu Ende denken. Theoretisch jedenfalls. Praktisch geht Multitasking bei uns immer: renovieren, zittern, Literatur erklären und so tun, als wäre alles völlig normal. Jetzt ist das Haus fertig, der Körper am Anschlag und der Kopf längst im Krankenhausflur. Aber immerhin: Wenn ich wieder nach Hause komme, erwarten mich wundervoll frische Wände. Und falls jemand fragt, ob sich die ganze Aktion gelohnt hat, antworte ich ganz klar: Ja. Nur mein Rücken möchte von dieser Aussage ausdrücklich Abstand nehmen.

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  • September 25 · 20 min

    Zwischen Farbchaos und Krankenhausflur

    Bei Familie Alltagswahnsinn stehen Malerarbeiten an. Eigentlich klingt das ganz einfach: Farbe aussuchen, Wände streichen, fertig. Doch wer Frau Alltagswahnsinn kennt, weiß: „Ganz einfach“ ist bei ihr höchstens die Beschreibung auf dem Farbeimer – und selbst die wird vorsichtshalber dreimal gelesen. Schon bei der Farbauswahl begann das große Drama. Weiß war zu langweilig, Creme zu gelb, Beige zu beige und „Sanfter Morgennebel“ sah verdächtig danach aus, als hätte jemand Grau nur einen besonders schicken Namen gegeben. Nach ungefähr 47 Farbkarten, mehreren Diskussionen und einem kritischen Blick bei Tageslicht, Lampenlicht und Handy-Taschenlampenlicht stand fest: Es muss eine Farbe sein, die gemütlich wirkt, zu den Möbeln passt, kleine Flecken verzeiht und möglichst auch noch gute Laune macht. Die Malerarbeiten selbst liefen ebenfalls nach bewährtem Alltagswahnsinn-Prinzip: Die Wand bekam Farbe, der Boden ein paar Sprenkel, die Kleidung ein neues Muster und irgendwo fand sich garantiert ein Pfotenabdruck, obwohl offiziell niemand in der Nähe gewesen war. Der Farbroller tropfte natürlich bevorzugt dort, wo keine Folie lag, und das Klebeband hielt entweder gar nicht oder so fest, als wolle es für immer Teil der Wand bleiben. Doch mitten zwischen Farbrollen, Abdeckfolie und der lebenswichtigen Frage, ob „Warmes Sandbeige“ wirklich wärmer ist als „Heller Küstenkiesel“, kommt nun eine kleine Planänderung: Frau Alltagswahnsinn muss ins Krankenhaus, damit dort etwas genauer abgeklärt werden kann. Natürlich hätte sie sich für eine Pause auch ein Wellnesshotel aussuchen können – aber offenbar war der Terminplan im Krankenhaus schneller frei. Also werden die Pinsel vorübergehend geparkt und die Farbkarten gegen Untersuchungsunterlagen getauscht. Die Wände können warten – schließlich laufen sie nicht weg. Und wenn Frau Alltagswahnsinn wieder zu Hause ist, geht es weiter. Vielleicht fällt die Entscheidung dann sogar leichter. Krankenhausweiß scheidet jedenfalls schon einmal ganz klar aus!

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  • September 18 · 31 min

    Urlaub? Von wegen!

    Kaum im Urlaub, hatte Frau Alltagswahnsinn eine geniale Idee: Anstatt zu Hause nutzlos herumzusitzen, wird kurzerhand das gesamte Haus innen neu gestrichen – selbstverständlich nach ihrem höchstpersönlichen Farbkonzept. Während Frau Alltagswahnsinn mit Pinsel, Farbrolle und kreativer Entschlossenheit durchs Eigenheim wirbelt, übernimmt Herr Alltagswahnsinn seine bewährte Spezialaufgabe: aufmerksam zuschauen und dabei möglichst zuverlässig im Weg stehen. Auch die tierischen Mitbewohner haben ihre Urlaubspläne angepasst: Die Wellis beziehen ihr neues Für-immer-Fünf-Sterne-Zuhause, und der Hund hat sich ebenfalls in den Terminkalender eingereiht – standesgemäß mit einem Facharzttermin. Erholung wird schließlich völlig überbewertet!

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  • September 11 · 26 min

    Wellness, Weißkittel und Vitamin-Wumms

    Es war wieder ordentlich was los: Die Fachärzte wurden so zahlreich besucht, dass man fast eine Bonuskarte für Wartezimmerkaffee beantragen könnte. Hände und Füße sind frisch gepflegt und treten jetzt wieder auf wie kleine Wellness-Stars. Auch die Haare sitzen schön, als hätten sie persönlich einen Termin beim roten Teppich gehabt. Der Pool ist inzwischen zu und verabschiedet sich mit einem leisen „Bis nächstes Jahr, ihr Planschprofis!“. Opa hat seine erste Vitaminbombe erhalten und dürfte nun innerlich leuchten wie ein frisch geladener Obstkorb. Und Asperger ist wieder im Rhythmus: mal schneller, mal langsamer, aber Hauptsache mit Taktgefühl und einem kleinen Augenzwinkern.

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  • September 4 · 32 min

    Genrationenwechsel

    Opa möchte endlich ruhiger treten. Das bedeutet: Er arbeitet nicht mehr selbst – er steht jetzt daneben und erklärt allen, wie es schneller gegangen wäre. Die Familie verteilt die Aufgaben neu: Einer mäht den Rasen, einer schneidet die Hecke, einer räumt das Werkzeug weg – und Opa übernimmt die wichtigste Position: Qualitätskontrolle vom Gartenstuhl aus. Beim Familientreffen verkündet Opa: „Ab heute macht ihr das allein.“ Fünf Minuten später verteilt er einen Ablaufplan, zwei Ersatzpläne und eine Liste mit Dingen, die auf keinen Fall „modernisiert“ werden dürfen. Der Enkel übernimmt die Hühner, die Tochter organisiert die Termine und der Schwiegersohn kümmert sich um den Rest. Opa behält nur noch eine kleine Aufgabe: täglich dreimal nachfragen, ob auch wirklich alles erledigt ist. Opa nennt es Ruhestand. Die Familie nennt es Arbeiten mit Chef im Homeoffice.

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  • August 28 · 37 min

    wie im Hühnerstall

    Bei uns geht’s zu wie im Hühnerstall: Alle gackern durcheinander, einer flattert aufgeregt mit den Armen, und irgendwo wird schon wieder ein Ei gesucht, das längst im Kühlschrank liegt. Mittendrin läuft der Asperger. Und läuft. Und läuft. Nicht etwa weg – nein, immer exakt dieselbe Runde: am Tisch vorbei, dreimal um den Stuhl, kurzer Kontrollblick zur Tür und wieder von vorn. Nach der zwölften Runde fragen die Hühner besorgt: „Trainiert der für einen Marathon?“ Der Hahn schüttelt den Kopf: „Nein, der verarbeitet nur das Chaos!“ Als endlich Ruhe einkehrt, bleibt er stehen, schaut sich um und sagt: „Warum seid ihr plötzlich alle so lautlos? Das ist ja völlig unübersichtlich!“ Da atmet der ganze Hühnerstall erleichtert auf – und fängt sofort wieder an zu gackern.

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  • August 21 · 37 min

    Die Ninja-Woche: Familienalltag im Schwierigkeitsgrad „Alltagswahnsinn hoch zwei“

    Eine Ninja-Woche ist bei uns fast schon Normalität: Termine tauchen aus dem Nichts auf, Sonderaufträge vermehren sich heimlich über Nacht und der Zeitplan besitzt ungefähr die Stabilität eines Wackelpuddings im Schleudergang. Pausen gelten als seltene Fabelwesen, und Erholung wird vorsorglich auf „irgendwann später“ verschoben. Während andere Familien ihren Alltag organisieren, absolvieren wir nebenbei eine Mischung aus Hindernislauf, Improvisationstheater und Geheimmission. Jede Person jongliert Termine, Reize, vergessene Brotdosen und mindestens eine Aufgabe, von der gestern noch niemand wusste. Durchhalten ist dabei unsere inoffizielle Superkraft – nicht etwa, weil Ausruhen verboten wäre, sondern weil im ganzen Trubel jede und jeder gebraucht werden möchte und sich sonst womöglich nutzlos fühlt. Die eigentliche Ninja-Kunst besteht deshalb darin, auch Pausen als wichtigen Familienauftrag anzuerkennen: Wer kurz auftankt, ist nicht untätig, sondern bereitet professionell die nächste Rettungsaktion vor.

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  • August 14 · 32 min

    ein bisschen Glitzer bitte

    Manchmal braucht es nur ein wenig Glitzer im Leben: einen vertrauten Lieblingsmoment, ein besonderes Licht, Musik oder etwas, das echte Freude weckt. Gerade für Menschen mit Asperger können solche kleinen, selbst gewählten Lichtblicke im oft reizvollen Alltag viel bewirken. Sie schenken Ruhe, neue Kraft und erinnern daran, dass auch ein anstrengender Tag schöne Augenblicke bereithält. Ein solcher Glitzermoment kann zum Beispiel entstehen, wenn man nach einem lauten und fordernden Tag mit dem Lieblingsgetränk am Fenster sitzt. Draußen fällt ruhig der Regen, im Zimmer ist das Licht angenehm gedämpft und für einige Minuten muss nichts erklärt, entschieden oder geleistet werden. Vielleicht läuft leise ein vertrautes Lied oder man betrachtet einfach die Regentropfen auf der Scheibe. Dieser geschützte Augenblick kann helfen, die vielen Eindrücke des Tages langsam loszulassen, wieder bei sich anzukommen und neue Kraft zu sammeln. Was für andere nur eine kleine Pause ist, kann sich dann wie ein wertvoller Funken Glitzer anfühlen.

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  • August 7 · 25 min

    zurück im Alltagswahnsinn

    Ein „normaler Alltagswahnsinn“ ist für Menschen mit Asperger beziehungsweise im Autismus-Spektrum meist nicht automatisch erholsam. Häufig kostet er viel Energie: soziale Signale entschlüsseln, spontane Änderungen bewältigen, Reize filtern und Erwartungen erfüllen. Erholsam kann Alltag dennoch sein, wenn er: • vorhersehbar und selbstbestimmt ist, • vertraute Routinen enthält, • wenig belastende Sinnesreize bietet, • Rückzug ohne Rechtfertigung ermöglicht, • Zeit für Spezialinteressen lässt, • nach sozialen Situationen bewusste Ruhephasen vorsieht. Manchmal wirkt ein strukturierter, angenehm beschäftigter Tag sogar besser als völlige Untätigkeit. Entscheidend ist weniger, wie viel passiert, sondern wie viel Kontrolle, Sicherheit und Regenerationszeit vorhanden sind. Warnzeichen für Überlastung können starke Erschöpfung, Reizbarkeit, Rückzugsbedarf, Konzentrationsprobleme oder das Gefühl sein, nach außen nur noch zu „funktionieren“.

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  • July 31 · 25 min

    Planverfahren

    Wenn eine Woche genau nach Plan läuft, fühlt es sich für uns an, als würde die Welt endlich leiser werden. Wir wissen, was als Nächstes kommt, können uns innerlich darauf einstellen und müssen nicht ständig auf Überraschungen reagieren. Jeder eingehaltene Ablauf gibt uns Sicherheit und lässt uns ruhiger atmen. Gleichzeitig kann sich diese Ruhe auch ganz komisch und ungewohnt anfühlen, weil Chaos für uns sonst fast normal ist. Manchmal warten wir dann beinahe darauf, dass doch noch etwas schiefgeht. Am Ende der Woche sind wir nicht erschöpft vom Improvisieren, sondern zufrieden, weil alles seinen Platz hatte – und wir auch.

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  • July 24 · 27 min

    zwischen den Zeilen

    Frau Alltagswahnsinn hat ein Buch geschrieben – und der Junior hat in seinen Ferien sogar sein eigenes Buch verfasst, damit auch seine Sichtweise gesehen und gehört wird. Nachts wurde bei den beiden nur selten geschlafen, denn die Bücher mussten ja schließlich fertig werden. Und währenddessen lief der ganz normale Wahnsinn einfach weiter: Arztbesuche, Tierarzt zu Hause, Garten, Familie, Alltag – all die verrückten Dinge, die sich in diesen Wochen so nebenbei noch dazugesellt haben. Eben echter Alltagswahnsinn, mit Herz, Chaos und ganz viel Leben.

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  • July 17 · 27 min

    sind wir alle nur Marionetten?

    Manchmal stellt sich mitten im Leben eine Frage, die leise beginnt und nachts plötzlich laut wird: Bin ich richtig so, wie ich bin – oder funktioniere ich nur noch wie eine Marionette der Gesellschaft? Man arbeitet, bezahlt Rechnungen, erfüllt Erwartungen und versucht, irgendwie mitzuhalten. Doch je mehr man versucht, alles richtig zu machen, desto stärker kann das Gefühl werden, sich selbst dabei zu verlieren. Besonders deutlich wird das bei Abzocke durch Schneeballsysteme. Dort wird Hoffnung verkauft: schnelles Geld, Freiheit, Erfolg, ein besseres Leben. In Wahrheit lebt das System davon, dass immer neue Menschen angeworben werden und ihr Geld einzahlen. Viele merken erst spät, dass sie nicht Teil einer großen Chance waren, sondern benutzt wurden. Zurück bleiben Enttäuschung, Scham und die bittere Frage, warum man darauf hereingefallen ist. Auch im Alltag zeigt sich diese Überforderung. Handwerker müssten Reparaturen erledigen, doch niemand hat Zeit. Termine verschieben sich, Probleme bleiben liegen, und man selbst steht dazwischen: abhängig von anderen, genervt vom Warten, erschöpft vom Organisieren. Es entsteht das Gefühl, dass alles funktionieren soll, aber niemand wirklich frei ist. Jeder rennt, jeder muss liefern, und trotzdem bleibt vieles unfertig. In solchen Momenten kommen Lebenskrisen oft nicht am Tag, sondern in der Nacht. Wenn alles still ist, beginnt das Gedankenkarussell: Was mache ich falsch? Bin ich zu schwach? Habe ich mein Leben selbst gewählt oder nur das getan, was andere von mir erwarten? Die Dunkelheit macht Gedanken größer, und aus einzelnen Sorgen wird schnell ein ganzer Sturm im Kopf. Vielleicht liegt die Antwort nicht darin, perfekt zu funktionieren. Vielleicht bin ich nicht falsch, nur weil ich zweifle, müde bin oder mich betrogen fühle. Vielleicht ist genau diese Frage ein Zeichen dafür, dass noch etwas Echtes in mir lebt – etwas, das nicht nur funktionieren, sondern verstehen will. Ich bin nicht bloß eine Marionette der Gesellschaft. Ich bin ein Mensch, der lernen darf, Grenzen zu setzen, Hilfe anzunehmen und wieder nach dem eigenen Rhythmus zu leben.

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  • July 10 · 27 min

    aber ich habe doch keine Ahnung

    Wenn bei einem Menschen mit Asperger-Autismus plötzlich viele seltsame, widersprüchliche oder nicht nachvollziehbare Dinge passieren, kann das innere Chaos sehr groß werden. Besonders belastend ist es, wenn zusätzlich der Verdacht auf Korruption im Raum steht und niemand klar sagt, was wirklich passiert. Dann fehlen Orientierung, Sicherheit und verlässliche Informationen. Für autistische Menschen, die oft stark auf Struktur, Logik und Vorhersehbarkeit angewiesen sind, kann so eine Situation wie ein undurchsichtiger Nebel wirken: Man versucht, Muster zu erkennen, Zusammenhänge zu verstehen und sich richtig zu verhalten – aber je mehr Unklarheit entsteht, desto stärker wächst die Überforderung. Es kann zu Rückzug, Grübeln, Misstrauen, Erschöpfung oder dem Gefühl kommen, die Kontrolle zu verlieren. Nicht, weil die Person „zu empfindlich“ ist, sondern weil das Nervensystem mit zu vielen offenen Fragen, sozialen Spannungen und widersprüchlichen Signalen gleichzeitig umgehen muss. In solchen Momenten helfen klare Worte, transparente Abläufe, Ruhe, verlässliche Ansprechpartner und die Möglichkeit, Schritt für Schritt zu verstehen, wohin die Situation führt.

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  • July 3 · 25 min

    der Ball rollt

    Während ein Spiel läuft oder ein Turnier für Spannung sorgt, gehen die normalen Dinge weiter: Termine, Arbeit, Haushalt, Verpflichtungen, Nachrichten, Erwartungen von anderen Menschen und immer wieder neue Aufgaben. Kaum ist eine Sache erledigt, kommt schon die nächste dazu. Der Alltag läuft und läuft, oft ohne richtige Pause. Dadurch entsteht das Gefühl, dass man nie wirklich fertig wird, sondern ständig reagieren, planen und sich neu einstellen muss. Für einen Menschen mit Asperger kann genau das besonders belastend sein. Viele autistische Menschen brauchen Vorhersehbarkeit, klare Abläufe und verlässliche Strukturen, um sich sicher zu fühlen. Wenn aber immer wieder etwas Neues dazukommt, muss jede Veränderung innerlich verarbeitet werden. Das kostet Kraft, auch wenn es von außen vielleicht klein oder nebensächlich wirkt. Eine zusätzliche Aufgabe, eine unerwartete Nachricht, ein spontaner Termin oder eine Änderung im Tagesablauf können ausreichen, um die innere Anspannung deutlich zu erhöhen.

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  • June 26 · 27 min

    Apokalypse

    Menschen im Autismus-Spektrum können in Krisen sehr wertvolle Stärken einbringen. Viele denken analytisch, erkennen Muster, behalten Fakten im Blick oder können sich intensiv auf praktische Aufgaben konzentrieren. Damit diese Stärken sichtbar werden, brauchen sie jedoch eine Umgebung, die nicht zusätzlich überfordert. Eine apokalyptische Situation wird dadurch nicht harmlos, aber sie kann bewältigbarer werden, wenn Bedürfnisse ernst genommen und Unterstützung respektvoll organisiert wird.

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  • June 19 · 26 min

    wenn der Kopf entschieden hat und der Körper nein sagt

    Besonders schmerzhaft ist der Moment, in dem man sich selbst nicht versteht. Man denkt: „Ich habe es doch entschieden. Ich habe zugesagt. Ich weiß doch, dass es wichtig ist.“ Daraus entstehen schnell Schuldgefühle. Man nennt sich faul, empfindlich, undiszipliniert oder schwierig. Doch diese Begriffe beschreiben nicht, was wirklich passiert. Der Körper sagt nicht Nein, um zu sabotieren. Er sagt Nein, weil er schützt. Er zieht die Notbremse, wenn die Belastung zu hoch wird. Diese Grenze ernst zu nehmen, ist kein Rückschritt. Es ist Selbstwahrnehmung. Wenn der Kopf entschieden hat und der Körper Nein sagt, entsteht kein persönliches Versagen. Es entsteht ein Hinweis. Vielleicht war der Tag zu voll, die Umgebung zu laut, die Erwartung zu unklar oder die Anpassung zu lange zu stark. Für Asperger-Autistinnen und Asperger-Autisten kann Selbstfürsorge bedeuten, diesen Hinweis nicht wegzudrücken, sondern ihn zu lesen. Der Kopf darf planen. Aber der Körper darf mitentscheiden. Denn ein Leben im Autismus-Spektrum braucht nicht nur Willenskraft, sondern auch Schutzräume, Pausen, Klarheit und die Erlaubnis, die eigene Grenze ernst zu nehmen.

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  • June 12 · 23 min

    der Körper bremst, der Kopft arbeitet weiter!

    Menschen im Autismus-Spektrum sind häufig auf klare Abläufe, Wiederholungen und verlässliche Strukturen angewiesen. Routinen geben Orientierung, senken Stress und machen eine oft unübersichtliche Umwelt besser einschätzbar. Was von außen manchmal wie Starrheit wirkt, ist für Betroffene oft ein wichtiger Schutzmechanismus. Wenn dieser Rahmen wegbricht, entsteht nicht einfach nur Unordnung, sondern echte innere Überforderung. Eine körperliche Einschränkung kann genau diese gewohnte Struktur massiv verändern. Wege dauern länger, Bewegungen sind schmerzhaft oder gar nicht möglich, alltägliche Aufgaben müssen anders geplant werden. Plötzlich funktioniert das, was vorher Sicherheit gegeben hat, nicht mehr. Für einen Asperger-Autisten bedeutet das nicht nur praktische Umstellung, sondern auch eine enorme mentale Belastung. Besonders belastend ist der Widerspruch zwischen innerem Anspruch und äußerer Begrenzung. Der Kopf weiß vielleicht genau, was zu tun wäre: die Wohnung aufräumen, einkaufen gehen, Termine erledigen, wieder „funktionieren“. Der Körper setzt jedoch Grenzen. Diese Diskrepanz kann Frustration, Hilflosigkeit und Schuldgefühle auslösen. Betroffene erleben dann nicht nur die körperliche Einschränkung, sondern auch das Gefühl, den eigenen Erwartungen nicht gerecht zu werden.

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  • June 5 · 37 min

    Special Ägypten - Urlaub mit Hindernissen

    Für unsere Familie bedeutet ein All-Inclusive-Urlaub im Hurghada Long Beach Resort in Ägypten vor allem, gemeinsam zur Ruhe kommen zu können und den Alltag für eine Weile loszulassen. Besonders schön ist für uns, wenn der Tag überschaubar bleibt und wir vieles in unserem eigenen Tempo gestalten können. Die verschiedenen Restaurants, der direkte Weg zum Strand und die Weitläufigkeit des Resorts geben uns die Möglichkeit, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse in unserer Familie Rücksicht zu nehmen. Feste Orte, vertraute Abläufe und kleine Rückzugsmomente geben uns Sicherheit und machen es leichter, die gemeinsame Zeit wirklich zu genießen. So kann Urlaub für uns nicht nur erholsam, sondern auch wohltuend und verbindend sein.

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  • May 29 · 27 min

    Game over, oder doch Verlängerung

    Wenn Dinge nicht so laufen wie geplant, wenn plötzlich ein Gerät kaputtgeht und man es nicht selbst reparieren kann, dann ist das für viele Menschen ärgerlich. Für einen Menschen mit Asperger beziehungsweise Autismus kann so eine Situation aber deutlich belastender sein. Der Grund dafür ist nicht mangelnde Belastbarkeit, sondern oft eine besonders intensive Reaktion auf Unvorhersehbarkeit, Kontrollverlust und unterbrochene Abläufe. Was für andere nur eine Störung im Alltag ist, kann sich für autistische Menschen anfühlen wie eine Störung des gesamten inneren Systems. Struktur, Verlässlichkeit und Planbarkeit geben oft Sicherheit. Wenn diese Sicherheit plötzlich wegbricht, entstehen nicht selten starker Stress, innere Unruhe, Frust, Grübeln oder das Gefühl, keine Lösung mehr zu haben. In manchen Fällen kommt es auch zu Rückzug, Erschöpfung oder einem Meltdown. Wichtig ist dabei zu verstehen: Diese Reaktion ist keine Schwäche, sondern Ausdruck davon, wie stark das Nervensystem auf unerwartete Veränderungen reagieren kann. Umso hilfreicher ist es, in solchen Momenten Reize zu reduzieren, das Problem in kleine Schritte aufzuteilen, sich an einen Plan B zu erinnern und Unterstützung von außen zuzulassen.

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  • May 22 · 22 min

    wo führt der Weg hin

    Die Berufswahl ist für viele Menschen eine große Herausforderung, doch für einen Asperger-Autisten kann sie sich noch deutlich schwerer anfühlen. Oft kreisen die Gedanken nicht nur darum, was interessant ist oder welche Fähigkeiten vorhanden sind, sondern auch darum, welche Umgebung überhaupt auszuhalten ist. Schon die Vorstellung von lauten Büros, unklaren Erwartungen, spontanen Veränderungen oder vielen sozialen Kontakten kann Stress auslösen. Gleichzeitig besteht häufig der Wunsch, etwas zu finden, das wirklich zu den eigenen Stärken passt, etwa Genauigkeit, Ausdauer, Ehrlichkeit, tiefes Fachwissen und die Fähigkeit, sich intensiv mit einem Thema zu beschäftigen. Gerade darin liegt oft der innere Konflikt: Einerseits sind viele Interessen und Begabungen da, andererseits wirken Bewerbungsgespräche, Teamdynamiken oder unausgesprochene Regeln im Berufsalltag wie kaum überwindbare Hürden. Die Angst, missverstanden zu werden oder an Reizüberflutung zu scheitern, kann die Entscheidung zusätzlich erschweren. Deshalb braucht es bei der Berufswahl nicht nur die Frage „Was kann ich?“, sondern auch „Unter welchen Bedingungen kann ich gut arbeiten?“. Ein passender Beruf ist für einen Asperger-Autisten oft nicht einfach irgendein Job, sondern ein Ort, an dem Fähigkeiten ernst genommen, klare Strukturen geschaffen und Besonderheiten nicht als Schwäche, sondern als Teil der Persönlichkeit verstanden werden.

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