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Bei Familie Alltagswahnsinn werden jetzt die Rollen getauscht. Frau Alltagswahnsinn gibt Unterricht, Herr Alltagswahnsinn übernimmt den Haushalt. Quasi Hausmann. Das System meldet zwar noch „Unbekannter Benutzer am Wäschekorb“, aber die Schürze sitzt schon mal. Ob sie richtig herum sitzt, wird in einer späteren Schulung geklärt.
Zum Auftakt ist Feiertag. Also eigentlich Ruhe, Erholung und gemütlich Kaffee trinken. Bei uns bedeutet das: Die Gartenarbeit boomt. Wir legen die Füße hoch, die anderen legen Beete an. Der Garten kennt offenbar keine Feiertage, nur Personal mit vorübergehend freiem Kalender.
Mitten hinein sagt Opa den gefährlichsten Satz, den man in einem Haushalt sagen kann: „Ich brauche ’ne Steckdose.“ Klingt nach einer Kleinigkeit. Ist aber die familiäre Kurzfassung von: „Wir bauen die halbe Küche um.“ Eben stand noch die Kaffeemaschine auf der Arbeitsplatte, jetzt steht die Arbeitsplatte zur Diskussion. Opa schaut zufrieden. Endlich bewegt sich was. Vor allem die Schränke.
Am Montag beginnt dann der neue Alltag. Frau Alltagswahnsinn erklärt ihren Schülern die Welt, Herr Alltagswahnsinn versucht herauszufinden, warum eine Waschmaschine zwölf Programme hat, aber keins davon „Mach einfach sauber“. Die Ärzte bleiben natürlich weiterhin fest in der Routine. Zwischen Unterricht, Einkauf und Haushalt wird auch dort vorbeigeschaut. Unser Familienkalender sieht inzwischen aus wie ein Fahrplan – nur mit mehr Wartezimmer und weniger Aussicht auf pünktliche Ankunft.
Der Junior hat die Zeitumstellung unterdessen sehr eigenständig interpretiert: Schule ist gefühlt nachts um zwei. Während wir noch prüfen, ob das überhaupt schon morgen ist, steht er innerlich bereits mit dem Schulranzen an der Tür. Die Uhr wurde umgestellt. Das Kind offenbar auf eine andere Zeitzone.
Beim Einkaufen knüpft Herr Alltagswahnsinn bereits neue Hausfrauenkontakte. Zwischen Gurken und Waschmittel entsteht ein ganz neues Netzwerk. Früher ging es um andere Themen, heute lautet die entscheidende Frage: „Ist das im Angebot oder steht das nur so überzeugend da?“ Wer weiß, wo die günstige Butter liegt, gehört ab sofort zum engsten Beraterkreis.
Der Bankbesuch wird dagegen als Sicherheitseinsatz durchgeführt. Karte? Dabei. Unterlagen? Dabei. Geheimzahl? Im Kopf, hoffentlich noch am richtigen Ort? Aber nach dem Küchenumbau hat jeder Kontostand etwas von einem Tatort.
Für die weitere Gartenarbeit brauchen wir jetzt übrigens zwei Ghostbusters-Kanonen. Eine reicht nicht mehr, schließlich soll auch Opa effizient arbeiten können. Wenn schon Geisterjäger-Ausrüstung, dann bitte im Doppelpack: einer gegen das Laub, einer gegen alles, was Opa „nur mal schnell“ erledigen möchte. Die Küche hätte rückblickend auch gern so ein Gerät gehabt.
So läuft der Schürzenwechsel bei uns: Frau Alltagswahnsinn unterrichtet, Herr Alltagswahnsinn schmeißt den Haushalt, der Junior lebt nach Nachtfahrplan und Opa optimiert die Infrastruktur. Ein ganz normaler neuer Alltag also. Mit kleinen Systemfehlern. Und sobald wir die halbe Küche wiedergefunden haben, gibt’s auch Kaffee.





