

SightCity Ausstellervortrag 2026: JAWS und KI: Was kommt als nächstes für barrierefreie Technologie? (O032012)
Aussteller: Freedom Scientific / Vispero Referentin: Roxana Fischer, Product Manager Blind and Low Vision Technology Veranstaltung: SightCity 2026, 28. Mai 2026 Vortrag-ID: O032012 Weitere Infos: https://sightcity.net/O032012 Was heute schon in JAWS stecktDie KI-Integration in JAWS ist keine Zukunftsvision mehr – sie ist bereits im Einsatz. Roxana Fischer gibt einen Überblick über die bestehenden Funktionen: KI-Bildbeschreibung: Nicht barrierefreie Bilder werden durch KI beschrieben; Nutzende können Folgefragen stellen, z. B. zu Diagramminhalten. AI Labeler: Elemente, die zwar Fokus erhalten, aber keine Bezeichnung oder Statusinformation haben, werden durch KI für den Screenreader lesbar gemacht. JAWS Companion: Ein KI-Assistent, der in natürlicher Sprache bei JAWS-Einstellungen, Tastenkombinationen und der Bedienung von Office-Anwendungen hilft. Page Explorer: Beim Öffnen einer Website erhalten Nutzende automatisch einen strukturierten Überblick über Inhalt, Funktionen und Navigationsmöglichkeiten. Das nächste große Thema: Aktionen ausführenBisher hat JAWS vor allem Informationen zugänglich gemacht. Der nächste Schritt ist die Ausführung von Aktionen – genau dort, wo digitale Barrieren bislang unüberwindbar scheinen.Das konkrete Problem: Viele Websites und Anwendungen sind nicht ausreichend barrierefrei entwickelt – nicht weil die Firmen es nicht wollen, sondern weil die visuelle Oberfläche oft Priorität hat. Screenreader-Nutzende stoßen dann an Grenzen: schlecht beschriftete Formularfelder, fehlerhafte Date-Picker, Elemente ohne Statusangaben.Der JAWS AI Agent setzt genau hier an. Er analysiert sowohl die Barrierefreiheitsinformationen als auch das visuelle Bild der Seite, versteht die Absicht des Nutzers und führt die notwendigen Schritte aus – mit kontinuierlichem Sprach-Feedback zu jedem einzelnen Schritt. Wie der Agent funktioniertDer Nutzer gibt seinen Wunsch entweder per Sprache oder Tastatureingabe ein. Der Agent interpretiert die Absicht, analysiert den aktuellen Bildschirmzustand und führt die Aktion schrittweise aus – mit laufender Rückmeldung darüber, was gerade passiert.Jederzeit kann der Nutzer mit Escape abbrechen. Die bis dahin ausgeführten Schritte bleiben erhalten; der Nutzer kann von dort selbst übernehmen oder den Auftrag neu definieren. Der Agent läuft ausschließlich auf expliziten Wunsch des Nutzers – keine automatische Hintergrundanalyse. Live-Demo: TischreservierungDie Demo zeigt den Agenten beim Abschluss einer Tischreservierung auf einer Website mit schlecht zugänglichem Date-Picker. Der Agent navigiert eigenständig, wählt Datum, Uhrzeit und Personenzahl aus und liest die Zusammenfassung nochmals vor – bevor er auf Bestätigung des Nutzers wartet und erst dann absendet. Vertrauen, Sicherheit und Phishing-SchutzEin zentrales Thema des Vortrags ist die Frage, wie viel Kontrolle der Agent übernehmen darf. Freedom Scientific hat hier bewusst restriktiv designt: In Bereichen, in denen Täuschung oder rechtliche Risiken erkennbar sind – etwa auf Phishing-Websites – verweigert der Agent die Ausführung und erklärt warum. Ist das Risiko geringer, warnt er und fragt nach. Kann der Nutzer die Kontrolle dennoch übernehmen wollen, übergibt der Agent zurück an JAWS.Auf die häufig gestellte Frage nach Halluzinationsrisiken antwortet das Team mit einem schrittweisen Bestätigungsprinzip: Jede wichtige Aktion wird vor der Ausführung nochmals vorgelesen und vom Nutzer bestätigt. Warum der Screenreader bleibtRoxana Fischer legt ausdrücklich dar, warum JAWS und der KI-Agent keine Konkurrenten sind, sondern Ergänzungen: Für präzise, bekannte Aufgaben (z. B. Tastenkombinationen) ist der Screenreader schneller und zuverlässiger. KI-Modelle haben eine höhere Informationsdichte als natürlichsprachliche Agenten – der Screenreader liefert mehr Information in kürzerer Zeit. Für kritische Aufgaben, bei denen keine KI im Spiel sein soll, bleibt JAWS die direkte Steuerzentrale. Verfügbarkeit und VersionenDer JAWS AI Agent wird mit der Version JAWS 2027 veröffentlicht und schrittweise ausgerollt. Für Europa ist ein Release voraussichtlich ab Oktober 2026, möglicherweise Anfang 2027. Die Funktion steht sowohl für die Professional- als auch für die Home-Version zur Verfügung, allerdings mit unterschiedlichen Nutzungskontingenten. Ältere Versionen (JAWS 2025, 2026) erhalten kein Update.In der ersten Version wird der Agent als Online-Lösung verfügbar sein. Eine lokale bzw. selbst gehostete Variante für den Business-Einsatz ist in Planung, jedoch nicht für die Erstveröffentlichung vorgesehen. Ausgewählte Fragen aus dem Publikum Läuft der Agent lokal oder online? (Online in Version 1; lokale Lösung für Business in Planung) Für welche JAWS-Versionen ist der Agent verfügbar? (Professional und Home, ab JAWS 2027) Wie wird mit Halluzinationen umgegangen? (Schrittweises Bestätigungsprinzip) Wie sicher sind sensible Daten wie Kreditkarteninformationen? (Keine eigene Speicherung; Passwortmanager-Integration in Prüfung) Ist der Agent in einer Server-Client-Konfiguration nutzbar? (Aktuell noch nicht; JAWS kommuniziert mit Vispero-Server) Welche KI-Modelle werden eingesetzt? (Anthropic und OpenAI werden evaluiert; Entscheidung nach Performance) Gibt es Preisinformationen? (Noch in Abstimmung mit Partnern, keine Angaben möglich) Über die SightCityDie SightCity ist Europas größte Fachmesse für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel. Mehr Informationen: www.sightcity.net SightCity Kontakt (Allgemein) E-Mail: info@sightcity.net Website: https://www.sightcity.net Social Media: Facebook, Instagram, YouTube, Threads, TikTok, WhatsApp
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