June 24 · 37 minEs ist Dienstagmorgen, kurz nach neun. Mara wacht auf — nicht weil der Wecker klingelt, sondern weil sie ausgeschlafen ist. Sie macht sich einen Kaffee, setzt sich ans Fenster und trinkt ihn in Ruhe aus, ohne ein einziges Mal auf die Uhr zu schauen. Dann übt sie Cello. Später trifft sie eine Freundin in einem Café, das ein paar Leute aus dem Viertel betreiben — nicht um Geld zu verdienen, sondern weil sie es gern machen. Am Nachmittag arbeitet Mara fünf Stunden. Ihre KI-Kollegen haben über Nacht weitergemacht. Sie steuert nur noch.
In der letzten Folge haben wir die optimistische Seite beleuchtet: KI schafft neue Jobs. In dieser Folge nehmen wir die andere Seite ernst. Was, wenn die neuen Jobs nicht kommen? Was, wenn KI irgendwann genauso gut arbeitet wie wir — und uns ersetzt?
Die Antwort, über die gerade alle reden, heißt: bedingungsloses Grundeinkommen. Universal Basic Income. Die Idee ist 500 Jahre alt — neu ist nur der Grund, warum wir wieder darüber streiten. Und überraschend ist vor allem, wer am lautesten dafür trommelt: Bill Gates, Sam Altman, Mark Zuckerberg, Elon Musk. Genau die, deren Firmen die Jobs wegautomatisieren.
Aber kann das funktionieren? Wir rechnen durch: Woher kommt das Geld, wenn niemand mehr Lohn verdient, der besteuert werden kann? Warum KI-Arbeitslosigkeit ökonomisch grundlegend anders ist als jede Arbeitslosigkeit davor — der Kuchen wird nicht kleiner, er wird nur von jemand anderem gebacken. Warum das klassische Inflationsargument kleiner ist, als es klingt. Und warum Sam Altman inzwischen nicht mehr an UBI glaubt, sondern an etwas Radikaleres: collective ownership — echte Anteile statt Almosen.
Denn das eigentliche Problem ist nicht das Geld. Es ist die Abhängigkeit. Die Maschinen, die den Wohlstand erzeugen, gehören einer Handvoll Tech-Konzerne. Und wer sein Einkommen von denen bekommt, die die Maschinen besitzen, ist nicht frei — sondern abhängig.
Und selbst wenn wir all das lösen — Finanzierung, Inflation, Eigentum — bleibt eine letzte Frage, die kein Steuermodell der Welt beantworten kann: Wenn wir nicht mehr arbeiten müssen, wofür stehen wir dann morgens auf? Arbeit gibt uns mehr als Geld. Sie gibt uns Struktur, Zugehörigkeit, einen Grund, etwas zu tun. Was passiert, wenn das wegfällt?
Mara hat ihr Cello. Aber die eigentliche Frage ist nicht, ob wir ihre Welt bauen können. Sondern ob wir, wenn wir darin angekommen sind, wissen, was wir mit uns anfangen sollen.
Kontakt zu Paul Schmidt: Auf Instagram paulexplainsai oder unter www.one48.de