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Sports

Chlorgesänge

Ute Zill, Martina Schrey

Wir sind Schwimmerinnen. Wir waren beide mal im Schwimmverein, aber das ist lange her. Bis vor kurzem schwammen wir so wie die meisten – ab und zu, wenn es gerade passt. Doch dann entdeckten wir die Jahreskarte der Berliner Bäderbetriebe – und stellten fest: Berlin hat ja über 60 Schwimmbäder! Schnell stand fest: Die durchschwimmen wir alle! Und zwar in einem Jahr. Gesagt, getan. Was uns beim Bahnen ziehen durch den Kopf geht und warum wir meinen, dass schwimmen nicht nur überlebenswichtig, sondern ein großartiges Abenteuer ist – darum geht es hier!

  • 180 episodes
  • Updated July 29

Episodes180

  • Mar 6, 2024 · 41 min

    Folge 57: Faszination Ganzjahresfreibad

    Die Chlorsängerinnen sind auf Betriebsausflug! Wir fahren nach Hamburg. Denn dort gibt es Ganzjahresfreibäder. Also Schwimmbäder, in denen man das ganze Jahr über drinnen UND draußen schwimmen kann! Begeistert machen wir uns an einem Samstag im Februar - Außentemperatur 7 Grad - morgens um 6:30 Uhr auf den Weg. Als erstes nach Rahlstedt, in Hamburgs jüngstest Ganzjahresbad. Das Hallenbad mit seinem 25-Meter-Becken gibt es schon viele Jahre. Seit 2021 hat es auch ein Außenbecken, ebenfalls 25 Meter lang und mit einer Wassertemperatur von 28 Grad einfach nur herrlich an diesem Morgen! Wir teilen uns das Becken mit nur einem anderen Schwimmer und sind regelrecht geflasht, als wir aus dem Wasser steigen. Allerdings: Nicht alle sind begeistert: Um das Ganzjahresfreibad möglich zu machen, wurde an anderer Stelle ein Sommerbad geschlossen, das Grundstück verkauft. Da das Bad in Rahlstedt weit weniger Außenfläche hat, ist es im Sommer hier ganz schön eng, hören wir. Das gefällt nicht jedem. Wir fahren weiter, nach Eppendorf, ins Holthusen-Bad. 1914 eröffnet ist es eines der ältesten Bäder der Hansestadt. Und scheinbar das Lieblingsbad vieler Hamburger Familien! Mit Therme und Wellenbad, in das auch wir uns erstmal stürzen - herrlich! Draußen dann - wie in Rahlstedt mit einer Schleuse verbunden - ein dampfendes 25-Meter-Becken, Wassertemperatur 25 Grad. Kostet uns null Überwindung - und die überaus freundliche Schwimmmeisterin macht sogar schnell noch ein paar Beweisfotos von uns. Nach dem Schwimmen treffen wir uns mit Karin Hopert, sie ist Leiterin der strategischen Angebotsentwicklung im Hamburger Bäderland und sichtlich stolz auf das Hamburger Bäderangebot - den deutlich höheren Preis als in Berlin findet sie durchaus gerechtfertigt. 7,50 Euro für die Einzelkarte, die in manchen Bädern nur für anderthalb Stunden gilt - ein Besuch im Kino koste mehr, findet sie. Außerdem gäbe es viele Ermäßigungsangebote. Es gibt auch Überlegungen, die großen Außenanlagen der Hamburger Sommerbäder ganzjährig zu nutzen - das wurde bislang allerdings als zu riskant bewertet, so Karin Hopert. Die großen Becken seien im Winter nicht nutzbar, das Wasser müsse aber drinbleiben, damit es nicht zu Frostschäden kommt. Und da könnte dann jemand reinfallen, das sei zu gefährlich. Und Zäune keine Option. Unsere Beobachtung, dass man in Hamburg seine Schuhe nicht vor der Umkleide ausziehen muss, nimmt sie mit Verwunderung zur Kenntnis. Das Berliner Modell - Schuhe aus! - sei in Hamburg nicht vorstellbar. Sichtbar stolz ist sie aber auf die längeren Öffnungszeiten - mitunter sogar bis 24 Uhr! Und auch im Sommer haben manche Bäder deutlich länger als bis 20 Uhr geöffnet. Wir freuen uns sehr, dass sie sich für uns an einem Samstag Zeit genommen hat - und ziehen weiter in die Schwimmoper. Dort gibt es zwar kein Außenbecken mehr - aber die frisch sanierte Alsterschwimmhalle ist ein Wunderwerk der Superlative! Sechs Schwimmbecken, darunter ein 50x25-Meter-Becken, ein 25-Meter-Becken, ein Sprungturm mit 3 und 5 Metern, ein Entspannungsbecken, von dem man aus einen Rundumblick in die Halle hat, eine Saunalandschaft und vieles mehr. Nachdem wir auch dort unser Bahnen gezogen haben, sind wir erschöpft - aber glücklich! Unser Fazit: Ganzjahreschwimmbäder sind großartig - die wollen wir auch in Berlin! Föhne sind in Hamburg umsonst - das ist super. Und noch eins fanden wir richtig gut: In Hamburg kann man auf der Webseite des Bäderlands nachschauen, welche Bahnen belegt und welche frei sind. Das ist ein toller Service, weil man dann weiß, wieviel Platz für die Öffentlichkeit zur Verfügung steht. In Berlin heißt es immer nur „eingeschränkte Wasserfläche“. Und keiner weiß, was das genau bedeutet. https://www.baederland.de/ https://www.baederland.de/baeder/ganzjahresfreibaeder/ https://www.baederland.de/baeder/standorte/familienbad-rahlstedt/ https://www.baederland.de/baeder/standorte/holthusenbad/ https://www.baederland.de/baeder/standorte/alsterschwimmhalle/

  • Feb 28, 2024 · 43 min

    Folge 56: Träumerei aus dem Prinzenbad

    Marina Sylla, Manuel Heck und die anderen von Pool Potentials haben eine Vision: Sie wollen die Berliner Sommerbäder das ganze Jahr über nutzbar machen! Entstanden ist die Idee während ihre Architekturstudiums. Denn rund zwei Drittel des Jahres sind die Flächen der Sommerbäder ungenutzt - also rund 500.000 Quadratmeter, die man doch eigentlich auch anders nutzen könnte: Für Spaziergänge, Werkstätten, Theateraufführungen oder Märkte - und vielleicht sogar auch zum Schwimmen im Frühjahr, Herbst oder Winter! Und das möglichst gemeinwohlorientiert. Eine von uns ist sofort elektrisiert, die andere bleibt skeptisch: Und dann zertrampeln die den ganzen Rasen, der im Sommer ohnehin schon ganz schön leiden muss? Aber natürlich haben Marina und Manuel auch dafür schon Ideen. Und die haben sie sich nicht allein ausgedacht, sondern Umfragen unter Menschen gemacht, die die Schwimmbäder im Sommer besuchen. Und festgestellt: Mit dem Berliner Prinzenbad könnte man doch schon mal anfangen, konkret zu werden! Denn in Kreuzberg ist der Bedarf an Freiflächen besonders hoch - einfach weil es hier nicht viele gibt. Und weil hier sehr viele Menschen auf engem Raum zusammenwohnen. Also wurde die Nachbarschaft rund um das Prinzenbad zusammengetrommelt und gemeinsam in einer Projektwerkstatt ganz konkrete Vorschläge erarbeitet. Die Umsetzung ist jedoch nicht einfach, auch wenn das Interesse des Bezirks, des Senats und auch der Bäderbetriebe durchaus da ist. Trotzdem: Es gilt viele Fragen zu klären: Wie kann man die Ideen finanzieren? Wie sorgt man für Sicherheit, dass keiner ins mit Wasser befüllte Becken fällt? Denn das muss im Winter drin bleiben, damit die Rohre nicht zufrieren, ist aber nach jetzigem Stand zum Schwimmen nicht geeignet. Trotzdem wollen Marina und Manuel nicht so schnell aufgeben. Eine erste Maßnahme ist für Ende 2024 bereits geplant. Was genau - das wollen sie noch nicht verraten. Aber wir schauen es uns dann an - versprochen! https://poolpotentials.de/

  • Feb 21, 2024 · 32 min

    Folge 55: Alles schwimmt auf ihr Kommando

    Sie kam eigentlich eher durch Zufall zu ihrem Job: In Spandau zog Annika Gellert mit ihrer kleinen Familie zufällig in das Haus neben den Leiter des Schwimmbads im Sport Centrum Siemensstadt. Und der kriegte schnell mit, dass sie aus dem Leistungssport kommt. Also fragte er sie mal eben über den Gartenzaun, ob sie nicht Lust hätte Schwimmkurse zu geben. Und das hat ihr von Anfang an totalen Spaß gemacht. Dabei hatte Annika nach dem Ende ihrer aktiven Zeit jahrelang einen großen Bogen um jedes Schwimmbecken gemacht. Erst während der Schwangerschaft mit ihrer Tochter entdeckte sie die Bewegung im Wasser neu. Mittlerweile ist sie die Leiterin der Schwimmschule mit insgesamt 26 Trainern und Trainerinnen. Die Schule ist Teil des Berliner Sport Centrums Siemensstadt, an die praktischerweise auch der Verein SC Siemensstadt angegliedert ist. Sollte sich also schon während der ersten Schwimmkurse herausstellen, dass da ein kleiner Welbrock oder eine kleine Köhler heranwächst, kann es danach gleich im Verein weitergehen. Die gute Nachricht: Es gibt praktisch keine Wartezeit in der Schwimmschule von Annika Gellert. Allerdings kosten die Kurse auch etwa doppelt so viel wie bei den Berliner Bäderbetrieben oder in einem Verein - dafür wird hier pro Kurs ein Vierteljahr lang zweimal die Woche geübt. Schwimmen lernen können im SCS nicht nur Kleinkinder, sondern auch Erwachsene, Anfänger und Fortgeschrittene. Da war dann auch mal ein 83jähriger dabei, der sich auf Drängen seiner Kinder entschlossen hatte, doch noch schwimmen zu lernen, erzählt Annika. Und nach einem halben Jahr konnte er tatsächlich die Seepferdchenprüfung ablegen! Oft sind es aber auch Zugewanderte, die nie Schwimmunterricht hatten, die zu ihr kommen. Oder Menschen, die sich in der Schule durchgemogelt haben und jetzt doch richtig schwimmen können wollen - mit ihren Kindern zum Beispiel. Trotzdem haben gerade Erwachsene im Wasser erstmal sehr große Angst. Anke Gellerts Rezept: Ganz viel reden! Damit sie irgendwann Vertrauen fassen. Und: Alle Trainer gehen mit ins Wasser. Und sind somit sofort greifbar. Auch Menschen mit Beeinträchtigungen sind hier willkommen, das Programm nennt sich SchwaP. Die Idee entstand, weil Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen oft eine andere, intensivere Betreuung brauchen. Die SchwaP-Trainerin hat deshalb eine zusätzlichen Rehaschein und Erfahrungen mit Menschen mit Behinderungen. Es gibt zudem einen Lifter, einen Nass-Rollstuhl und Umkleiden extra für Rollstuhlfahrer:innen. SchwaP ist in dem Sinne kein Kurs, sondern bei SchwaP wird man Mitglied. Kinder sind hier genauso zu finden wie Menschen über 60. Allerdings: Für SchwaP gibt es lange Wartezeiten. Denn Trainer in diesem Bereich sind rar. Doch auch die anderen Schwimmtrainer sind heiß umworben. Bei Annika Gellert sind allerdings viele Trainer aktiv, die selber hier schwimmen gelernt haben. Annika Gellert setzt weiter auf dieses Konzept - und bietet Schwimmschüler:innen Unterstützung dabei an, selber mal Trainer:innen zu werden. Im Sommer macht die Schwimmschule regelmäßig Camps, in denen Kinder ab Seepferdchen-Niveau den ganzen Tag schwimmen können. Viele gehen danach mit dem nächsten Schwimmabzeichen nach Hause. Ab Mai lohnt es sich für alle Interessierte, mal auf die Webseite zu schauen! https://www.scs-berlin.de/uber-uns/team/schwimmbad/ https://www.schwimmen-berlin.de/schwap/

  • Feb 17, 2024 · 33 min

    Folge 54: Pommes mit Respekt

    Heute sind wir an einem Ort, wo man Kalorien abbauen kann - wenn man schwimmen geht - oder sich welche zuführen: Im Restaurant „Seepferdchen“, dem Bistro im Berliner Kombibad Seestraße. Zu Gast bei uns ist der Chef, Ersan Gümüsboga, der das Bistro nicht nur jetzt im Winter betreibt, sondern auch im Sommer die zahllosen hungrigen Badegäste mit Pommes, Cola und anderen Snacks versorgt. Seit 20 Jahren macht Ersan das jetzt schon - und das offenbar immer noch gern. Schließlich könne er hier in Badelatschen zur Arbeit gehen, scherzt er, und im Gegensatz zu seinem früheren Job in einem Moabiter Zeitungsladen muss der gelernte Schweißer und Schlosser auch nicht so früh aufstehen. Ohne Frage trotzdem ein hartes Geschäft, dem er da nachgeht, auch wenn Ersan einen sehr entspannten Eindruck macht. Im Winter läuft das Ganze recht gut, erzählt er, von 11 bis 20 Uhr (am Wochenende 10-17 Uhr) sind mehr oder weniger immer Gäste da, die sich nach oder vor dem Schwimmen nochmal stärken wollen. Und: In den Wintermonaten kann man den Laden am Wochenende abends auch mieten - für ein Geburtstags-, Weihnachts- oder Hochzeitsfest oder was immer man zu feiern hat, 90 bis 100 Gäste haben hier locker Platz. Und das Ambiente ist besonders für Schwimmliebhaber:innen großartig: Die Längswand des Bistros ist aus Glas, während unseres Gesprächs schauen wir auf die Nichtschwimmer, direkt dahinter das 50-Meter-Becken, so sind wir fast mittendrin in der Schwimmhalle. Für uns jedenfalls eine herrliche Aussicht! Der Winter ist für Ersan Erholung. Im Sommer dagegen kommen bis zu 12.000 Menschen an einem Tag ins Freibad Seestraße - und fast alle sind hungrig. Da hilft nur: ruhig bleiben, sagt der Chef und schmunzelt. Natürlich sei das stressig und laut, und manchmal gehe es auch etwas rabiat zu, vor allem, wenn die Leute in der Hitze mal länger warten müssen - aber dass im Freibad ständig Randale sei, wie es im letzten Sommer mal wieder hieß, kann er nicht bestätigen. Dabei liegt das Schwimmbad mitten im Wedding und ähnlich wie in Neukölln sind auch hier sehr viele Jugendliche zu Gast, bei denen das Testosteron immer mal wieder in die Höhe schießt. Und doch liest man praktisch nie von Auseinandersetzungen im Schwimmbad an der Seestraße. Ob das auch an Ersan liegt, der seine Pappenheimer genau kennt und weiß, wie er mit ihnen umgehen muss - das würde der türkeistämmige Bistro-Chef so nie behaupten. Er weiß einfach, dass besonders muslimische Jungs ihm mit großem Respekt begegnen - weil er selber Muslim ist. Ersan-Abi eben. Und er kann auch nicht bestätigen, dass es in den letzten Jahren schlimmer geworden sei, die Jugendlichen schlechter erzogen oder brutaler. „Starke Affen“, wie Ersan sie nennt, habe es früher genauso gegeben wie heute. Mit 18, 19 kämen sie dann langsam zu Vernunft. Daran habe sich nach seiner Erfahrung nichts geändert. Und vieles werde einfach völlig überzogen dargestellt - und meist gar nicht so wild. Ersan hat viele Menschen im Schwimmbad aufwachsen sehen und freut sich über jeden, der auch als Erwachsener noch kommt. „Das ist eine Gemeinschaft, man kennt sich einfach. Fast wie eine Familie.“ Selber schwimmen geht er allerdings selten - leider, wie er sagt. Aber auch da bleibt er entspannt. https://www.spacebase.com/de/venue/restaurant-seepferdchen-berlin-restaurant-seepferdchen/ https://www.berlinerbaeder.de/baeder/detail/kombibad-seestrasse-hallenbad/ https://www.berlinerbaeder.de/baeder/detail/kombibad-seestrasse-sommerbad/

  • Feb 7, 2024 · 55 min

    Folge 53: Der Marathonschwimmer

    Fünf der Ocean´s Seven hat er bereits geschafft - als Extremschwimmer würde sich Matthias Kaßner trotzdem nicht bezeichnen. Er mag es lieber, Marathonschwimmer genannt zu werden. In der Küche seiner Neuköllner Wohnung hängen zahlreiche Urkunden seiner Erfolge: Die Straße von Gibraltar war die erste Meerenge, die er überwunden hat und danach folgten viele weitere Abenteuer. Angefangen hat alles, als er vor Jahren beim Berliner Müggelseeschwimmen das Freiwasser für sich entdeckt hat. Vor allem längere Strecken haben es ihm angetan. Die 16 Kilometer lange Straße von Gibraltar war 2010 sein erstes Soloschwimmen - und das erste durch´s offene Meer. Danach konnte Kaßner nicht mehr aufhören. Oft war seine Frau Ina im Beiboot dabei - allerdings hat Matthias schon manchmal ein schlechtes Gewissen, was er ihr so alles zugemutet hat. Denn so hat sie immer hautnah mitbekommen, wenn es ihm nicht gut ging. Zum Beispiel im 33 Kilometer langen North Chanel zwischen Irland und Schottland, bei 13 Grad Wassertemperatur und 10 Grad Lufttemperatur nur in Badehose. Am Ende war er so erschöpft, dass er an der felsigen Küste nicht an Land kam und sich diverse Schrammen zuzog. Der Kapitän hat ihn dann ins Boot geholt, das Schwimmen war überstanden - aber die Geschichte noch nicht zuende: Denn plötzlich, Stunden später, hustet Matthias Blut. Im Krankenhaus heißt es dann, er habe sich eine Lungenentzündung zugezogen. Eine Behandlung mit Antibiotika schlägt glücklicherweise gleich an. Solche Erfahrungen sind extrem, auch für die Angehörigen - aber trotzdem würde Matthias nie darauf verzichten wollen. Er liebt es, im Freiwasser zu schwimmen, Trainingscamps zu absolvieren, Menschen auf der ganzen Welt kennenzulernen und so neue Freunde zu gewinnen. Und auch die Naturerlebnisse sind für ihn immer wieder atemberaubend. Oder einfach die Aussicht - wie bei seinem Schwimmen rund um Manhattan. Was ganz Besonderes war die 30 Kilometer lange Tsugaru Strait in Japan für ihn. Das erste Schwimmen der Ocean´s Seven, was er nicht auf Anhieb geschafft hat. 7000 Euro kostete allein der Wettkampf, ohne Anreise und Übernachtung - deshalb wollte Matthias es trotz Bronchitis unbedingt schaffen. Aber das Meer ist tückisch an dieser Stelle, es gibt nicht nur Haie, sondern eine sehr starke Strömung, die die Schwimmer einfach wegdrücken kann. Schon in der ersten Stunde war klar - er wird es nicht schaffen. Ein Jahr später hat er es noch einmal versucht - und war erfolgreich. Darauf ist er heute besonders stolz. Ob er die beiden letzten Schwimmen der Ocean´s Seven noch machen wird, weiß er noch nicht. Während der Corona-Zeit ging das sowieso nicht - also hat er sich ein heimisches Solo-Schwimmen ausgedacht: 30 Kilometer rund um die Berliner Müggelberge. Das war ihm ein besonderes Vergnügen - und das nicht nur, weil es auch ein bisschen verboten war. Sechs Tage die Woche trainiert Matthias Kaßner, um fit zu bleiben, insgesamt meist zwischen 25 und 35 Kilometer. Immer nach seiner Arbeit als Ingenieur. Und das Marathonschwimmen allein reicht dem 56jährigen Berliner längst nicht mehr: Weil er bei jedem Wetter im Freiwasser schwimmen wollte, hat er seit einigen Jahren auch das Eisschwimmen für sich entdeckt. Und in dieser Disziplin sogar an zwei Weltmeisterschaften teilgenommen. Sein Trick? Ruhig atmen! Und sich vom Zittern danach nicht beunruhigen lassen. Denn wenn der Körper zittert, wärmt er sich wieder auf. Eins aber gibt Matthias Kaßner unumwunden zu - wenn er eine Meerenge durchquert, ist das Schwimmen nicht nur reines Vergnügen für ihn. Besonders, wenn der Magen rebelliert. Und auch Panikgefühle sind ihm nicht unbekannt. Aber das Glücksgefühl danach möchte er nicht missen: „Es ist einfach meine Leidenschaft!“ https://www.openwaterpedia.com/wiki/Matthias_Ka%C3%9Fner https://longswims.com/p/matthias-kassner/ https://www.deutschlandfunkkultur.de/eisbaden-vom-warmduscher-zum-winterschwimmer-100.html https://www.schwimmkalender.de/sk_documents/Interview_Kassner.pdf

  • Jan 31, 2024 · 30 min

    Folge 52: Aller Anfang ist - zauberhaft!

    Diesmal sind wir zu Gast bei Tini in der Schwimmhalle an der Finckensteinallee - eigentlich ein Meer, wie Ute immer sagt, denn das Schwimmbecken ist 50x25 Meter groß. Heute sind zwanzig 25-Meter-Bahnen abgeleint, zahlreiche Vereine sind mit ihren Schützlingen in der Halle um zu trainieren - auch die ganz Kleinen. Fünf angehende kleine Seepferdchen ziehen auf der letzten Bahn ihre Kreise: Auf dem Rücken schwimmend, mit Flossen an den Füßen und Schwimmkissen um den Bauch - und vor allem mit strahlenden Gesichtern! Sie machen bei der Schwimmgemeinschaft Steglitz Berlin e.V. ihre ersten Erfahrungen im Wasser - und eben hier ist Martina Lorenczat - von allen nur Tini genannt - zuständig für die Schwimmausbildung. Das Besondere an diesem Verein: Je nachdem, wo die Kleinen ihr Seepferchen machen, können sie zuerst Brust oder Rücken lernen. In flachen Gewässern starten sie mit Brust, in tieferem Wasser, wie hier an der Finckensteinallee, wird als erstes das Schwimmen auf dem Rücken gelehrt. Der Vorteil: Besonders die Beinbewegung kennen die Kinder bereits vom Krabbeln und Laufen. Sie üben gleich die richtige Wasserlage und: Sie müssen nicht sofort mit dem Gesicht ins Wasser. Das kostet nämlich doch noch Überwindung! Außerdem ist es vom Rückenschwimmen zum Kraulen nur ein kleiner Schritt. Allerdings - es dauert etwas länger, bis sich die Kinder so sicher fühlen, dass sie sich über Wasser halten können. Beim Brustschwimmen dagegen geht das relativ schnell. Viele Eltern finden es deshalb besser, wenn ihr Kind zuerst Brustschwimmen lernt, erzählt Tini. Eine sehr deutsche Eigenart - denn besonders in angelsächsischen Ländern legt man schon seit Jahrzehnten Wert darauf, dass Kinder gleich Rücken- und Kraulschwimmen lernen. Und auch Leistungsschwimmerin Franziska van Almsick hält das für die bessere Variante. So oder so - mit einem guten Vierteljahr muss man rechnen, bis die Kleinen so sicher sind, dass sie ihre Seepferchenprüfung ablegen können: 25 Meter schwimmen, vom Beckenrand springen und einen Gegenstand aus schulterhohem Wasser rausholen. Und auch dann sind sie noch keine sicheren Schwimmer! Man sollte sie also im Pool oder im Meer auch danach nicht aus den Augen lassen! Und - wer sein Kind zum Seepferdchen-Kurs anmelden will, muss mit einer sehr langen Wartezeit rechnen. Beim SG Steglitz dauert die rund ein Jahr, woanders ist es nicht besser. Gerade die Kurse der Berliner Bäderbetriebe sind oft schneller ausgebucht, als man gucken kann. Tini bedauert das sehr. Wenn es nach ihr ginge, sollten alle so schnell und gut wie möglich schwimmen lernen. Sie selber konnte es schon mit anderthalb und das Becken hat sie nach Leistungsschwimmerin- und Wasserball-Karriere bis heute nicht losgelassen. Grund für die langen Wartezeiten sind ihrer Erfahrung nach aber nicht nur die knappen Wasserzeiten in den Schwimmbädern - es fehlt überall an (ehrenamtlichen) Trainer-innen. Denn dafür braucht man nicht nur Rettungsschwimmer- und Trainerschein, sondern auch Lust - und Zeit! Und einen Platz in einem Ausbildungskurs - denn auch die sind rar gesät. Ein Dilemma, finden wir. Deshalb - vielleicht habt ihr ja Lust, euch in dieses Abenteuer zu stürzen? https://www.dlrg.de/mitmachen/schwimmausbilder-werden/ausbilder-schwimmen/ https://sportbunt.de/fuer-gefluechtete/ausbildung-zumr-schwimm-trainerin-fuer-schulkinder/ https://www.dsv.de/schwimmen/bildung/ https://www.berliner-schwimm-verband.de/seminare/ https://www.sg-steglitz.de/

  • Jan 24, 2024 · 40 min

    Bestimmt verpasst: Die Lebensretter

    Diesmal sprechen wir mit zwei Menschen, die einen großen Teil ihrer Freizeit damit verbringen, dafür zu sorgen, dass Menschen aus dem Wasser gerettet werden - ehrenamtlich und unentgeltlich. Denn Micky und Ines arbeiten beide bei und für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Ines ist Rettungstaucherin und sucht nicht nur nach vermissten Personen, sondern auch mal nach Brieftaschen oder Eheringen. Micky ist mit dem DLRG groß geworden und nicht nur Vorsitzende der Bezirksjugend Steglitz-Zehlendorf, sie hat mit der Abteilung Rettungswettkampf auch schon den Zukunftspreis Berliner Sport gewonnen, hat selber das Rettungsschwimmabzeichen Silber und bringt anderen das Rettungsschwimmen bei. Beide sind mit Feuereifer dabei, auch Mickys Sohn ist mittlerweile aktives DLRG-Mitglied. Doch zusammen mit dem DLRG stoßen sie auch immer wieder an Grenzen: Der Andrang für Schwimmlernkurse ist so groß, dass man sich auf die Warteliste für die Warteliste setzen lassen muss. Die Wartezeit für Rettungsschwimmerkurse beträgt im Schnitt etwa zwei Jahre. Es fehlt an Wasserzeiten in den Bädern und an Ehrenamtlichen, die nicht nur am Beckenrand stehen, sondern sich auch um Organisation und Verwaltung kümmern. Dabei werden gleichzeitig Rettungsschwimmer händeringend gesucht: Nicht nur an Seen und Badestellen - auch in Schulen! Denn wenn Kinder in der dritten Klasse schwimmen lernen, muss immer jemand dabei sein, der mindestens den Rettungsschwimmer in Silber hat. Der hat es übrigens durchaus in sich. Mal eben so die Prüfung ablegen gelingt den wenigsten, das Abschleppen in Kleidung, Tauchen nach Ggenständen und das Hochziehen eines erschöpften oder bewusstlosen Menschen über den Beckenrand muss in der Regel erstmal geübt werden. Aber warum nicht? Wir haben dann doch ein wenig Lust bekommen. Statt ein Leistungs-Schwimmabzeichen zu machen, könnte Ute sich auch vorstellen, Rettungsschwimmerin zu werden. Und Martina liebäugelt ebenfalls damit - Kindern zu ermöglichen, schwimmen zu lernen, ohne dass sie dabei Schaden nehmen, ist ja auch keine schlechte Sache. Wer einen Schwimmlernkurs oder einen Rettungsschwimmer-Kurs bei der DLRG machen will, muss übrigens DLRG-Mitglied sein. Doch die Kosten halten sich in Grenzen - ein Erwachsener beispielsweise zahlt 70 Euro - im Jahr! Kinder und Jugendliche entsprechend weniger. https://www.dlrg.de/

  • Jan 17, 2024 · 31 min

    Bestimmt verpasst: Exot im Schwimmbad

    In dieser Folge ist Frank unser Gast. Schwimmen hilft ihm fit zu bleiben, Wasser ist sein Element. Hier kann er alle Gliedmaßen bewegen und er fühlt sich einfach nur gut. Denn wenn Frank nicht im Wasser ist, sitzt er im Rollstuhl Er hat eine seltene chronische Erkrankung, die dazu führt, dass seine Gelenke versteift sind. Sein Lieblingsbad ist das Sommerbad Pankow in Berlin. Aber nicht, weil es so behindertengerecht ist. Sondern obwohl es das, wie praktisch alle Berliner Sommerbäder, eben nicht ist. Frank nimmt uns mit zu einem typischen Besuch ins Schwimmbad und erzählt, wo überall Barrieren lauern: Das fängt schon mit dem fehlenden Behindertenparkplatz an und hört kurz vorm Beckenrand nicht auf: Mit seinem Rollstuhl kann er nicht durchs Fußbecken fahren. Also muss er an einem Gatter warten, bis einer der Bademeister ihn sieht und ihm aufschließt. Einen Schwenksitz oder Wasserlift gibt es nicht - also muss sich Frank allein irgendwie ins Wasser und auch wieder heraushieven. Was er zum Glück schafft, weil er im Gegensatz zu anderen Rollstuhllfahrer:innen nicht gelähmt ist. Trotzdem ein schwieriges Manöver - immer beäugt von Badegästen, die es überhaupt nicht gewöhnt sind, dass Menschen Im Rollstuhl schwimmen gehen. Wie auch, wenn die Ausstattung so vieler Schwimmbäder überhaupt nicht darauf ausgerichtet ist. Die neu gebaute Rampe an den sanierten Terassen im Sommerbad Pankow führt nicht etwa zu behindertengerechten Duschen und Toiletten - die sind ganz woanders und in keinem guten Zustand, berichtet Frank. Deswegen fühlt er sich in seinem Rollstuhl auch immer wieder wie ein Exot, wenn er schwimmen geht. Er hat nicht alle Berliner Bäder getestet - aber einem Hallenbad kann er wirklich gute Noten geben. Und dem Strandbad Plötzensee - denn hier kommt man mit dem Rollstuhl ungehindert bis ans Wasser.

  • Jan 10, 2024 · 44 min

    Folge 51: Idealist oder doof?

    Um diesen Job machen zu können, muss man entweder Idealist sein - oder doof. Das hat Badleiter Thomas Nacke vor vielen Jahren von seinem Ausbilder gehört. Wir können definitiv sagen: Doof ist Thomas Nacke ganz sicher nicht! Im Gegenteil: Ihm ist es gelungen, dass er und sein Team in „seinem“ Bad, dem Stadtbad Tiergarten, während der vierjährigen Sanierung deutlich mitgestalten durften. Bei technischen Erneuerungen, dem Umbau der nun behindertengerechten Umkleidekabinen, aber auch bei der Farbgestaltung. Und das Ergebnis ist überaus sehenswert: Grau- und Rottöne bestimmen neben dem Blau des Wassers die angenehme Stimmung in der Halle, jedes Becken hat seinen eigenen Beckenkreislauf, sodass im kleinen Becken in Zukunft auch Babyschwimmen bei 35 Grad möglich sein wird - und Energie spart das Ganze auch noch. Mit einer ausfahrbahren Wand lässt sich das 50-Meter-Becken entweder ganz in zwei 25-Meter-Becken aufteilen - oder auch nur zur Hälfte! So kommen Schwimmlehrkurse UND geübte Schwimmer:innen gleichzeitig zu ihrem Recht. Und das ist das, was Badleiter Nacke besonders freut: Im Stadtbad Tiergarten sollen sich nach der Eröffnung am 23. Januar alle wohl fühlen: Vereine, Schulen, Sportler:innen und Spaßbader. Eine Garantie dafür dürfte die Kletterwand am Sprungbecken sein, direkt gegenüber vom 3-Meter-Turm. Damit das Kreischen der Spaßgemeinde hier nicht die anderen Badegäste stört - und gleichzeitig eine sichere Aufsicht möglich ist - ist der Sprung- und Kletterbereich durch eine Wand vom restlichen Bad getrennt. Auch das eine Idee von Thomas Nacke und seinem Team. Der Badleiter hat noch zu DDR-Zeiten in der Lutherstadt Wittenberge seinen Meister gemacht, die Liebe zog ihn dann in den 90er Jahren nach Berlin. Hier musste er dann „nochmal ganz klein anfangen“, wie er sagt, arbeitete als Fachangestellter für Bäderbetriebe zunächst in der Thomas-Mann-Schwimmhalle in Prenzlauer Berg, in Kaulsdorf, in Buch und in der Schwimmhalle am Sachsendamm in Schöneberg - bis er dann doch endlich Badleiter wurde. Im Sommer im Sommerbad Humboldthain, im Winter im Stadtbad Tiergarten. Dienst nach Vorschrift ist nicht sein Ding, das merkt man ihm an - auch wenn es ihn nervt, dass er im öffentlichen Dienst jeden einzelnen Bleistift beantragen muss. Umso mehr will er gestalten, wo er gestalten KANN: So entstand in den Jahren vor Corona im Sommerbad Humboldthain die Idee vom so genannten Ramadanschwimmen: In dieser Zeit hatte das Bad bis ein oder zwei Uhr nachts geöffnet, statt der üblichen rund 2000 Gäste waren auch schon mal 10.000 Leute da. Das sei eine tolle Veranstaltung gewesen, sagt Nacke, und man sieht ihm an, dass er immer noch stolz darauf ist. Sowas geht aber nur, wenn man ein gutes Team hat, auf das man sich 100 Prozent verlassen kann, davon ist der Badleiter überzeugt. Wenn man gemeinsam eine klare Haltung hat - und klare Ansagen macht. Ohnehin - die Stimmung im Team ist ihm wichtig. Und selbstverständlich putzt er als Badleiter Kletterwand, Gänge oder Klos genauso wie seine Kolleginnen und Kollegen. Und auch wenn, wie er sagt, im Humboldthain „das gleiche Klientel“ ist wie im Neuköllner Columbiabad oder in Pankow - hier hört man nie etwas von größeren Auseinandersetzungen. Trotzdem bedauert Nacke, dass ohne Security kein Bad mehr zu leiten ist - auch nicht das Stadtbad Tiergarten. Dennoch freut er sich schon auf seine Gäste. Am 20. Januar, drei Tage vor der offiziellen Wiedereröffnung, darf schon mal die Nachbarschaft ins Bad - auch so eine Idee von Nacke und seinem Team. 200 Leute, die in der Umgebung wohnen, bekommen eine Einladung in ihren Briefkasten geworfen und haben drei Stunden kostenfreien Eintritt. Es könnte der Beginn einer guten Freundschaft werden. https://www.berlinerbaeder.de/baeder/stadtbad-tiergarten/ https://www.berlinerbaeder.de/baeder/sommerbad-humboldthain/

  • Jan 3, 2024 · 46 min

    Folge 50: Das Flussbad

    Ein Flussbad mitten in Berlin? Ein Traum! Auch Ute bekommt ganz leuchtende Augen, wenn sie davon schwärmt, wie es wäre, durch den knapp 2 Kilometer langen Spreekanal am Humboldt-Forum vorbeizuschwimmen, kraulend das das Bode-Museum hinter sich zu lassen oder einfach nur entspannt mit den Füßen im Wasser rüber zur Museumsinsel zu schauen (Anschauen würde Martina sich das auch, auf jeden Fall!). Doch dieser Traum ist zwar bereits Ende der 1990er Jahre entstanden, doch ob er eines Tages tatsächlich Wirklichkeit werden kann, steht nach wie vor in den Sternen. Wir reden diesmal mit Tim Edler einer der Initiatoren dieses Projekts, heute Projektautor des Vereins Flussbad Berlin. 2012 wurde der Verein von 15 Flussbad-Begeisterten gegründet, heute hat er 500 Mitglieder. Ihm geht es, wie Tim sagt, nicht allein darum, eines Tages durch die Stadt schwimmen zu können. Es geht um einen sauberen Fluss, Zugang zum Wasser, einen attraktiven öffentlichen Ort und eine ökologische Wasserlandschaft. Denn im Moment wird das Wasser in Spree und Spreekanal regelmäßig über mehrere Tage massiv verschmutzt. Der Grund: Die Berliner Mischkanalisation. Dann übersteigt das Regenwasser das Fassungsvermögen der Rohre und der Inhalt wird samt Abwasser aus den Berliner Haushalten und Straßendreck in den Fluss geleitet, mitsamt aller Keime und Bakterien. An den anderen Tagen aber haben Spree und Spreekanal schon jetzt durchaus Badequalität und entsprechen den Grenzwerten der EU-Badegewässer-Richtlinie. Die vom Berliner Kompetenzzentrum Wasser entwickelten Webseite badberlin.de zeigt in einer Art Ampel sogar in Echtzeit, ob das Wasser gerade zum Baden taugt. Möglich machen dies Sensoren an relevanten Überlaufstellen, die im Ernstfall warnen und die Badeampel auf Rot springen lassen. Die Seite läuft zur Zeit im Testbetrieb und ohnehin gilt in Spree und Spreekanal striktes Badeverbot - aber man kann sich einen guten Eindruck davon verschaffen, dass das Flusswasser oft sauberer ist, als man denkt. Knapp 7 Millionen Fördermittel hat der Verein als „nationales Projekt des Städtebaus“ von Bund und Land seit 2014 bekommen - doch das Flussbad gibt es immer noch nicht. Aber viele wichtige Erkenntnisse, wie Tim erzählt: Eine Studie bestätigte bereits 2015 die grundsätzliche Machbarkeit eines Flussbads, ein viereinhalbjähriges Forschungsprojekt kam 2022 zu dem Ergebnis, dass der Aufwand dafür womöglich gar nicht so groß sein müsste wie gedacht. Aber es gibt auch kritische Stimmen: Verschwendung von Fördergeldern, heißt es, der Bund der Steuerzahler spricht gar von einem Millionengrab. Denkmalschützer sehen das historische Antlitz der Stadtmitte gefährdet. Dabei gab es hier bereits vor 120 Jahren Flussbäder, die viele Berlinerinnen und Berliner nicht nur zum Waschen, sondern auch zum Schwimmen nutzten. Tim Edler ist zuversichtlich, dass das Flussbad vielleicht sogar schon in zwei Jahren Wirklichkeit wird - wenn Senat und Bezirk es wirklich wollen und die konkrete Planungsphase bald beginnen kann. Bis dahin gibt es zwischen Mai und Oktober weiterhin regelmäßig so genannte „Flussläufe, geführte Spaziergänge durch das Projektgebiet. Und Informationsveranstaltungen im Fluss Bad Garten, der an den Campus der Wirtschaftshochschule ESMT grenzt. Wer sich jetzt schon schlauer machen will, kann sich den Podcast „Fluss Bad Berlin“ anhören (überall, wo es Podcasts gibt). https://www.flussbad-berlin.de/ https://badberlin.info/ https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=Podcast+Fluss+Bad+Berlin http://chorhkw.de/portfolio-item/flussbad-berlin-2/

  • Dec 27, 2023 · 35 min

    Folge 49: Das war´s …!

    Zumindest für dieses Jahr. Wir schauen nochmal zurück - in aufregende Bäder, zu zauberhaften Menschen, auf waghalsige Aktionen und sogar ein paar Erfolge: Wir sind mit Seehunden (Folge 42) und Regenbogenforellen (Folge 37) geschwommen, haben uns beim Unterwasser-Rugby in die Tiefe gestürzt (Folge 35) und (fast) so elegant wie eine Meerjungfrau die Flossen geschwungen (Folge 45). All das wäre nicht möglich gewesern ohne unsere tollen Gäste: Die Extremschwimmerin Margit Schreiber (Folge 41), Sina von „Bleib cool am Pool“ (Folge 25), die Bäderbau-Expertin Uta Maria Bräuer (Folge 26), die Schriftstellerin Anne Hahn (Folge 47) oder die Auszubildende Elisa (Folge 34). Wir haben Bäder wie das Strandbad Plötzensee (Folge 23) oder das Insulaner (Folge 22) noch einmal von einer ganz anderen Seite kennengelernt und sind dafür sogar nach NRW gereist (Folge 33). Allen unseren Gästen - und wir können sie hier gar nicht alle aufzählen - sind wir sehr dankbar. Denn sie haben uns immer wieder ganz neue Perspektiven eröffnet. Und deshalb machen wir auch weiter: Im Januar werden wir mit dem Initiator des Berliner Flussbads reden. Und mit dem Badleiter über das frisch sanierte Stadtbad Tiergarten. Im Februar dann wird einer unserer Lieblings-Schwimmbuch-Autoren bei uns zu Gast sein. Und wir haben noch diverse andere Ideen! Danke, dass ihr euch mit uns immer wieder ins (kalte) Wasser stürzt! Und danke natürlich auch den Berliner Bäderbetrieben, die uns so einiges möglich machen. Und jetzt allen einen guten Rutsch und einem fetten Platsch in ein bewegtes und bewegendes Jahr 2024!

  • Dec 20, 2023 · 36 min

    Folge 48: Alles in Arbeit

    Diesmal treffen wir uns mit Jasmin Meiswinkel - die sich an uns gewandt hat. Denn Jasmin ist bei den Berliner Bäderbetrieben Referentin für strategisches Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagement. Und damit auch zuständig für die Kundenzufriedenheit. Deswegen findet sie unseren Podcast sehr interessant - und wir es wiederum, mit ihr zu sprechen! Also trafen wir uns zum Schwimmen im Weddinger Kombibad Seestraße. Aber vorher haben wir im angeschlossenen Bistro "Seepferdchen" erstmal unseren Podcast aufgezeichnet. Denn wir hatten viele Fragen, die wir auch schon in unserem Podcast gestellt haben. Warum es in diversen Bädern so schwierig ist für Menschen mit Behinderung, beispielsweise. Warum es so wenig Merchandising-Artikel gibt - und man die wenigen noch nicht einmal online bestellen kann. Warum die Jahreskarte so ein unhandliches Format hat - und warum die Sommerbäder im Winter nicht genutzt werden können. Viele dieser Probleme sind Jasmin längst bekannt - doch das meiste ist eben nicht so einfach umzusetzen. Trotzdem freut sie sich, wenn so viele Badegäste wie möglich an den Kundenservice schreiben und auf Missstände aufmerksam machen, womöglich gar Verbesserungsvorschläge haben. Was möglich ist, soll auch umgesetzt werden - auch wenn es nicht immer ganz so schnell geht. Auch das Wohlbefinden der Beschäftigten bei den Berliner Bäderbetrieben liegt Jasmin am Herzen. Deswegen organisiert sie immer wieder Möglichkeiten des Austauschs, um auch hier Verbesserungsvorschläge aufzunehmen und umzusetzen. Auf unsere Frage, was sie sich für´s nächste Jahr wünschen würde, muss sie nicht lange überlegen: Dass alle Umbaumaßnahmen im Zeot- und Kostenrahmen bleiben, sagt sie. Das wünschen wir uns auch! Und freuen uns schon mal auf den 22. Januar. Denn dann, das hat Jasmin schon mal verraten, wird das Stadtbad Tiergarten endlich wieder für die Öffentlichkeit freigegeben! https://www.berlinerbaeder.de/kontakt/kontakt-und-kundenzentrum/

  • Dec 13, 2023 · 37 min

    Folge 47: Über Wasser

    Diesmal sind wir zu Gast bei Anne Hahn - in einer der gemütlichsten Wohnungen, die wir je gesehen haben. Man merkt es jeder Ecke, jedem Zimmer an, dass es sich hier um einen Schriftstellerhaushalt handelt. Denn man ist nirgendwo wirklich allein - sondern immer behaglich von Büchern umgeben. Die aus Magdebuch stammende Anne Hahn hat nicht nur Bücher geschrieben wie „Dreizehn Sommer“ (später erschienen unter dem Titel „Gegenüber von China“), „Das Herz des Aals“ oder ganz aktuell „Träumt Christian Beck“, sie veröffentlicht auch regelmäßig eine Kolumme im Neuen Deutschland, wo sie unter dem Titel „Über Wasser“ durch die Gewässer der Welt schwimmt. Dort berichtet sie über Wechselbäder in Island genauso wie über die strenge Stille eines Schwimmbads in Belgrad, über die Lebensretter vom Wedding oder die Angst vor der reißenden Strömung der Havel im Havelland. Kurze Alltagsbeobachtung mit Tiefe, kurze Eindrücke, die mal kleinere, mal größere Wellen schlagen. Ganz besonders beeindruckt hat uns Anne Hahns Geschichte über die Wasserminna, die im Jahr 1900 als 15jährige beim Flussschwimmbad an der Berliner Ebertsbrücke arbeitete, wo sie herzschwache Damen beim Schwimmen begleitete, nach heruntergefallenen goldenen Uhren tauchte oder Kinder, die kein Ende fanden, mit dem Kanthaken aus dem Wasser zog - bis sie eines Tages vom Zirkus engagiert wurde: Von keinem geringeren als dem Zirkus Busch. Hier wurde sie schnell ein Star in der Wassermanege, blieb bis zu ihrem Lebensende bei Paula Busch und liegt heute im Familiengrab der Buschs im Wedding begraben. https://www.zeitzeugenbuero.de/zeitzeugensuche/zeitzeuge/hahn-anne https://www.ddr-zeitzeuge.de/ddr-zeitzeugen-recherchieren/ddr-zeitzeuge/anne-hahn-524.html

  • Dec 6, 2023 · 34 min

    Folge 46: Neue Welten

    Diesmal tauchen wir so richtig ab - in ganz neue Welten. Und zwar mit den Unterwasser-Fotografen von Pool-Position. Pool Position ist ein Kunstprojekt der Kulturfabrik Moabit in Berlin. Als Zusammenschluss von Berliner Unterwasserfotografen und Kulturschaffenden ist Pool Position im Rahmen der Langen Nacht des Tauchens 2007 entstanden, einem jährlichen Event in der Kulturfabrik, was es allerdings seit Corona nicht mehr gibt. Auf sie aufmerksam geworden sind wir durch unser Gespräch mit dem ersten und einzigen Berliner Inklusions-Tauchclub (Folge 36), denn mit ihnen arbeiten die Fotografinnen und Forografen von Pool Position sehr eng zusammen und holen sich dort auch die ein oder andere Inspiration. Und auch bei den Meerjungfrauen sind wir Pool Position bereits begegnet - denn auch sie wurden von ihnen fotografiert. Stefan, Christoph und Sybille sind diesmal mit uns im Gespräch, wobei Sybille nicht nur Fotografin, sondern auch Modell ist. Keine einfache Aufgabe bei Unterwasser-Shootings. Nicht nur, dass man dabei ziemlich lange die Luft anhalten und dabei auch noch interessant aussehen sollte - die Kommunikation mit den Fotografen unter Wasser ist wesentlich komplizierter als an Land, da nutzen auch Trockenübungen im Vorfeld wenig. Denn keiner weiß, wie Stoffe unter Wasser reagieren, ob sie sich im schlimmsten Fall in Armen oder Beinen verfangen oder sich womöglich so mit Wasser vollsaugen, dass das Auftauchen zum Kraftakt wird. Und während die Fotografen in der Regel Taucherbrillen und Sauerstoffflaschen tragen, müssen Unterwassermodels ohne solche Hilfsmittel auskommen - denn das stört ja das Bild von Leichtigkeit und Schwerelosigkeit in der Schwimmbad-Unterwasserlandschaft. Bei Pool Position arbeiten Fotografen, Models und Kulturschaffende zusammen. Und so entstehen neue Perspektiven auf bekannte Szenen genauso wie völlig Unkonventionelles: Ein Bobbycar-Rennen mit wehender Startflagge. Ein an Luftballons schwebender Rollstuhlfahrer. Oder die Unterwasser-Weihnachtsmann-Gang. Auf jeden Fall kreativ! 
Die künstlerische und organisatorische Umsetzung von PoolPosition wird von einem festen kleinen Team durchgeführt, aber Pool Position will offen bleiben für Neues - neue Ideen und neue Menschen, Modells, Fotograf:innen, Ideengeber:innen. Das Projekt arbeitet vor allem ehrenamtlich - hier geht es weder um Preise noch um das große Geld, sondern vor allem am Spaß an der Sache. Wer sich einbringen kann und will ist herzlich willkommen. Wir wollen auf jeden Fall auch mal bei einem shooting von Pool Positopn dabei sein! Und freuen uns auf ihre neue Ausstellung in der Kulturfabrik, die im März 2024 zu sehen sein soll. http://www.pool-position-berlin.de/ https://kulturfabrik-moabit.de/projekte/pool_position/

  • Nov 29, 2023 · 27 min

    Folge 45: Endlich Meerjungfrau!

    Einmal elegant wie eine Meerjungfrau durchs Wasser gleiten - wir haben es zumindest versucht! In einem Schwarm von anderen jungen Meerjungfrauen im Berliner Kombibad Spandau-Süd. Dort bietet nämlich die Meerjungfrau-Apnoe-Akademie seit mehreren Jahren jeden Samstag Kurse an. Geduldig angeleitet hat uns die Trainerin Chrissie, die natürlich im Gegensatz zu uns eine perfekte Meerjungfrau ist. Ihre Passion dafür hat sie schon als Kind entdeckt - durch den Film „H2O - plötzlich Meerjungfrau“ - mit echten Free-Diverinnen. Kein Zeichentrick wie Arielle, das hat sie besonders geflasht. Und weil sie ohnehin Schwimmerin war und ist, ist Chrissie auf die Meerjungfrauen-Community gestoßen. Dabei gibt es Meerjungfrauen-Schwimmen - eine Mischung aus Freitauchen und Synchronschwimmen - noch gar nicht so lange. Die Chefin der Meerjungfrau-Apnoe-Akademie, Natalie Camacho, gilt als eine der Vorreiterinnen in Deutschland. In den USA ist die gebürtige Australierin Hannah Fraser als Mermaid-Ikone bekannt, eine Schauspielerin, Tänzerin und Performerin, die sich auf unterwasser- und ozeanorientierte Freitauchdarbietungen spezialisiert hat, oft in Meerjungfrauenkostümen. Wir hatten ja bei unserem Versuch ein wenig Sorge, ob wir überhaupt den Meerjungfrauen-Strumpf samt Flosse über unsere Beine gezerrt kriegen. Aber das ging wunderbar und man fühlte sich auch gar nicht eingequetscht. Die Bewegung der Flosse unter Wasser geht aber nicht etwa, wie man denken könnte, von der Hüfte aus - sondern von der Schulter, wie uns Chrissie unermüdlich immer wieder vorgemacht hat. Okay - ein bischen Übung ist dann eben doch vonnöten. Aber ganz herrlich ist schon mal der Start - das so genannte Duckdiving (wir haben zunächst erstmal immer nur „Sackdiving“ verstanden …): Man klappt den Oberkörper wie eine Ente nach unten, streckt die Beine nach oben - und schwupps ist man schon mindestens in zwei Meter Tiefe! Das jedenfalls haben wir unter Chrissies Anleitung schon mal gut hingekriegt. Als lizensierte Meerjungfrauen-Trainerin musste sie nicht nur einen 1. Hilfe-Kurs und einen Rettungsschwimmer-Schein in Silber machen - sondern auch eine richtige Ausbildung, an der Meerjungfrauen-Akademie. Wer das auch gern will: Man sollte vor allem tauchfest sein - also sehr tief tauchen und lange die Luft anhalten können. Zum Equipment: Von der klassischen Monoflosse mit buntem Stoffüberzug bis hin zu extra angefertigten Silikonflossen gibt es praktisch alles. Je individueller, desto höher der Preis. Eine Taucherbrille braucht man zumindest am Anfang auf jeden Fall, damit kein Wasser in die Nase kommt. Die Meerjungfrauen in Deutschland haben auch eine eigene Facebookgruppe. Und natürlich schwimmen echte Meerjungfrauen nicht nur im Becken, sondern im - Meer! Es gibt sogar eine World Mermaid Championship, an der 70 Wettbewerberinnen und Wettbewerber aus aller Welt teilnehmen. Wer jetzt Lust bekommen hat, kann einen Meerjungfrauen-Kurs einfach privat buchen — oder sich für den Samstags-Kurs im Kombibad Spandau-Süd anmelden, Equipment zum Ausprobieren gibt es vor Ort. Alle sind willkommen - Mädchen, Frauen, aber auch Jungs und Männer sind immer mal wieder dabei. Und vielleicht sehen wir uns ja da mal ;-)! https://www.meerjungfrau-apnoe-akademie.de/ https://www.hannahmermaid.com/ https://www.facebook.com/groups/634757569995193

  • Nov 22, 2023 · 29 min

    Folge 44: Gehampel mit Nudel?

    Heute reden wir über eine Sportart, die völlig zu unrecht gern als Rentnersport verschrieen ist - Aqua fit. Falsch! Denn wer richtig mitmacht, bringt bei schmissiger Musik nicht nur seinen Kreislauf in Schwung, sondern kommt sogar richtig ins Schwitzen! Aqua fit schont die Gelenke und ist trotzdem ein richtiger Fettkiller - wenn man ordentlich mitmacht. Der Trainingseffekt wird vor allem durch den Widerstand des Wassers erzielt - denn der kann bis zu 5x stärker sein als an Land! Tammy jedenfalls ist davon total überzeugt. Die Sportwissenschaftlerin kam übers Studium zu ihrer Begeisterin für´s Workout im Wasser. Und sie geht nicht nur ins Sportstudios - hauptberuflich ist sie Sportlehrerin bei der Berliner Polizei. Aqua-Kurse stießen dort erstmal auf eine gehörige Portion Misstrauen - vor allem bei den Männern. Mittlerweile aber sind auch sie durchaus angetan. Denn: Tammy weiß, wen sie vor sich hat. Und baut in ihren Wasserkursen auch schon mal ein paar Kampfsportelemente ein. Ansonsten natürlich - Nudeln und Hanteln. Gehört einfach dazu. Nach Verletzungen ist Aqua fit ebefalls eine gute Möglichkeit, wieder in die Spur zu kommen - nicht nur bei der Polizei. Ist halt auch immer die Frage, wie intensiv man mitmacht. Denn am Ende nutzt es nichts, wenn vorne ein Trainer engagiert seine Übungen vormacht - und man selber nur ein bisschen Wasser vor sich herschiebt. Allerdings: Menschen mit Bluthochdruck und Herzaerkrankungen sollten vorher ihren Arzt fragen. Und auch Schwangere können nicht immer alle Übungen mitmachen. Wer dabei ist, stellt aber schnell fest - nicht nur schwimmen, auch Aqua-Fit kann glücklich machen! Nach dem Kurs mit Tammy jedenfalls strahlten viele Gesichter. Auch das von Ute und mir!

  • Nov 15, 2023 · 40 min

    Folge 43: Die Lebensretter

    Diesmal sprechen wir mit zwei Menschen, die einen großen Teil ihrer Freizeit damit verbringen, dafür zu sorgen, dass Menschen aus dem Wasser gerettet werden - ehrenamtlich und unentgeltlich. Denn Micky und Ines arbeiten beide bei und für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Ines ist Rettungstaucherin und sucht nicht nur nach vermissten Personen, sondern auch mal nach Brieftaschen oder Eheringen. Micky ist mit dem DLRG groß geworden und nicht nur Vorsitzende der Bezirksjugend Steglitz-Zehlendorf, sie hat mit der Abteilung Rettungswettkampf auch schon den Zukunftspreis Berliner Sport gewonnen, hat selber das Rettungsschwimmabzeichen Silber und bringt anderen das Rettungsschwimmen bei. Beide sind mit Feuereifer dabei, auch Mickys Sohn ist mittlerweile aktives DLRG-Mitglied. Doch zusammen mit dem DLRG stoßen sie auch immer wieder an Grenzen: Der Andrang für Schwimmlernkurse ist so groß, dass man sich auf die Warteliste für die Warteliste setzen lassen muss. Die Wartezeit für Rettungsschwimmerkurse beträgt im Schnitt etwa zwei Jahre. Es fehlt an Wasserzeiten in den Bädern und an Ehrenamtlichen, die nicht nur am Beckenrand stehen, sondern sich auch um Organisation und Verwaltung kümmern. Dabei werden gleichzeitig Rettungsschwimmer händeringend gesucht: Nicht nur an Seen und Badestellen - auch in Schulen! Denn wenn Kinder in der dritten Klasse schwimmen lernen, muss immer jemand dabei sein, der mindestens den Rettungsschwimmer in Silber hat! Der hat es übrigens durchaus in sich. Mal eben so die Prüfung ablegen gelingt den wenigsten, das Abschleppen in Kleidung, Tauchen nach Ggenständen und das Hochziehen eines erschöpften oder bewusstlosen Menschen über den Beckenrand muss in der Regel erstmal geübt werden. Aber warum nicht? Wir haben dann doch ein wenig Lust bekommen. Statt ein Leistungs-Schwimmabzeichen zu machen, könnte Ute sich auch vorstellen, Rettungsschwimmerin zu werden. Und Martina liebäugelt ebenfalls damit - Kindern zu ermöglichen, schwimmen zu lernen, ohne dass sie dabei Schaden nehmen, ist ja auch keine schlechte Sache. Wer einen Schwimmlernkurs oder einen Rettungsschwimmer-Kurs bei der DLRG machen will, muss übrigens DLRG-Mitglied sein. Doch die Kosten halten sich in Grenzen - ein Erwachsener beispielsweise zahlt 70 Euro - im Jahr! Kinder und Jugendliche entsprechend weniger. https://www.dlrg.de/

  • Nov 8, 2023 · 26 min

    Folge 42: Eis frei!

    Diesmal waren wir bei den Berliner Seehunden - und haben uns sogar mit ihnen zusammen ins 11 Grad kalte Wasser getraut! Für uns eine große Herausforderung, die Ute natürlich gewohnt lässig bestanden hat, während Martina nach dem Eintauchen bis zu den Schultern den See dann doch lieber schnellstmöglich verlassen hat. Für die Seehunde dagegen fühlte es sich eher warm an - denn sie gehen regelmäßig in den See, wenn andere nicht einmal mehr dran denken! Ihre Saison beginnt Ende September und dauert bis März - Wassertemparaturen von 0 Grad und weniger sind für sie nichts Ungewohntes. Dann, so versichern sie uns, macht es erst richtig Spaß - wenn man bei Minustemperaturen draußen erst einmal das Eis aufhacken muss, um sich in die Fluten zu stürzen! Für Kalt- und Eiswasserbadende gibt es aber ganz klare Regeln. Die allererste: Niemals allein! Wichtig ist zudem das Tragen von Neoprensocken und Mütze - denn an Füßen und Kopf kühlt man am schnellsten aus. Und: Die Hände sollten aus dem Wasser bleiben, wenn es richtig kalt wird, auch gern in Handschuhen. Ansonsten baden die Seehunde am liebsten nackt! Gut ist es, für danach einen Bademantel dabei zu haben. Den haben wir diesmal leider vergessen - ging aber trotzdem. Denn Kaltwasserbaden ist stimmungssteigernd! Und härtet natürlich auch ab. Das haben auch Charité-Ärzte bestätigt, die die Seehunde anfangs in den 1980er Jahren begleitet haben. Der 88jährige Gerd ist fast von Anfang an dabei, seit 42 Jahren - jeden Sonntag in Herbst und Winter. Er schwört drauf - und ist gleichzeitig der muntere Beweis, dass es einfach gut sein MUSS. Auch Peggy, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, und Francesca - sie macht die Jugendarbeit und ist Ansprechpartnerin für die englischsprachigen Seehunde - kommen wirklich jeden Sonntag. Und: Seehund können alle sein, egal wie alt - die jüngste zur Zeit ist 12 Jahre alt. Allerdings - zur Zeit gibt es einen Stop auf der Schnupperliste, es werden zur Zeit keine neue Mitglieder mehr aufgenommen. Aber das kann sich ja schnell wieder ändern. Und am 13. Januar 2024 ist Eisfasching - da kann jeder und jede kommen! Da wird bestimmt auch die Seehunde-Hymne gespielt - und die kann man sich zur Einstimmung auf jeden Fall schon mal anhören! https://soundcloud.com/user-645375676/wenn-die-seehunde-kommen?utm_source=Email&utm_campaign=social_sharing&utm_medium=widgetutm_content=https%3A%2F%2Fsoundcloud.com%2Fuser-645375676%2Fwenn-die-seehunde-kommen https://www.berliner-seehunde-orankesee.de/

  • Nov 1, 2023 · 38 min

    Folge 41: Die Extremschwimmerin

    Die Begegnung mit Margit Schreiber wird uns lange im Gedächtnis bleiben. 2007 hat sie als damals schnellste deutsche Schwimmerin den Ärmelkanal durchquert, in 11 Stunden und 40 Minuten. Eine der stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt. Mit Gezeiten, hohen Wellen - und ziemlich kaltem Wasser. Es ist die legendärste Schwimmstrecke überhaupt - und eine gefürchtete, auch wegen der Schwärme von Feuerquallen. Wer die 32 Kilometer (Luftlinie!) überwinden will, darf laut Regelwerk nur einen Badeanzug, Badekappe, Schwimmbrille und Ohrstöpsel tragen. Margit - damals hieß sie noch Bohnhoff mit Nachnamen - hat es geschafft. Und man merkt ihr an, dass sie bis heute sehr stolz darauf ist. Klar - weil sie es geschafft hat. Aber ist das wirklich ein schönes Erlebnis? So lange im Meer zu schwimmen, das bedeutet: nichts sehen, schnell zwischendurch was essen und dabei nicht abzutreiben. Brechen, weil man zu viel Salzwasser geschluckt hat. Und ständig aufpassen, weil Feuerquallen, Holzpaletten oder große Fische immer eine Bedrohung sein können. Trotzdem - der Weg ist das Ziel, findet Margit. Und eine schöne Herausforderung, die sie nicht missen möchte. "Es ist ein Gefühl von Freiheit", sagt die Verwaltungsangestellte. "Von unendlicher Freiheit." Vorbereitet hat sich die Extremschwimmerin, indem sie zu jeder Jahreszeit schwimmen gegangen ist. Nackt. Auch im Winter. Um sich an die kalten Temperaturen zu gewöhnen. In Brandenburger Seen und in der Ostsee. Außerdem hat sie sich ein spezielles Fett zum Schutz besorgt, damit sich die Haut beim Schwimmen nicht wund reibt. 2010 wollte es die Extremschwimmerin dann noch einmal wissen - und durchschwamm die Straße von Gibraltar: 21 Kilometer von Spanien bis nach Marokko in 4 Stunden und 33 Minuten, auch das damals ein neuer Frauenrekord. Noch heute schwimmt sie regelmäßig morgens 4 Kilometer, um in Form zu bleiben. Das Meer durchquert sie nicht mehr - es ist ihr einfach zu teuer. 10.000 Euro hat sie die Durchquerung des Ärmelkanals damals gekostet, das konnte und wollte sie nicht noch einmal auftreiben. Und Sponsoren sind im Schwimmsport eher rar gesät. Aber - immerhin wurde ein Tunnel unter der Havel nach ihr benannt! Heute hat sich Margit auf Triathlon-Wettkämpfe verlegt - zusammen mit ihrem Mann. Aber nicht einfach irgendwelche Triathlons - nein, es müssen schon Ultra-Triathlons sein. Also 7,6 Kilometer schwimmen, 360 Kilometer Radfahren und 84 Kilometer laufen. Und das mit 60 Jahren! Wir sind beeindruckt. Wer noch mehr übers Extremschwimmen wissen will, sollte sich den Film Nyad anschauen - Diana Nyad ist mit 64 Jahren 170 Kilometer von Kuba nach Florida geschwommen. Ihre Geschichte ist seit dem 19. Oktober im Kino zu sehen - und ab dem 3. November bei Netflix. https://www.filmstarts.de/kritiken/290953.html https://www.epd-film.de/tipps/2023/netflix-nyad

  • Oct 25, 2023 · 30 min

    Folge 40: Tanz im Wasser

    Diesmal haben wir wohl zwischendurch tatsächlich mit offenem Mund dagestanden - denn wir haben beim Synchronschwimmen-Training zugeschaut. Beim Schwimmclub Wedding, einer der renommiertesten Synchronschwimmvereine in Deutschland. Hier werden sehr gute Plätze bei den ganz großen Meisterschaften gemacht. Entsprechend diszipliniert wird auch trainiert. Jede Bewegung muss sitzen und abgestimmt sein mit der Musik. Und, wenn es kein Solo ist, natürlich auch mit den anderen im Team. Das ist Körperspannung pur, was man da zu sehen bekommt - und jahrelange harte Arbeit. Denn Synchronschwimmer:innen brauchen nicht nur Rhythmusgefühl, sondern auch Beweglichkeit, Kondition und Kraft. Möglichst lange tauchen können sollten sie natürlich auch. Und das Ganze dann auch noch mit den anderen koordinieren - puh!!! Unsere Gäste sind diesmal die Trainerin Marie, selber jahrelang Synchronschwimmerin, die Abiturientin Felizitas und der Student Frithjof. Felizitas gehörte mehrere Jahre zum Bundeskader und Frithjof ist auch international ganz vorn. Und das ist eine Besonderheit: Denn Synchronschwimmen ist zwar von Männern erfunden worden, wurde ihnen aber in den 1950er Jahren verboten. Männer hätten nicht die richtige Wasserlage, hieß es, das sei ein rein weiblicher Sport - und eine Athletin verstieg sich sogar zu der Aussage, Synchronschwimmen für Männer sei "widernatürlich". Es ginge schließlich um Schönheit und Grazie und nicht um Stärke. Erst seit 2015 sind Männer vom Dachverband der nationalen Schwimmverbände "World Aquatics" (bis 2022 FINA) wieder zu Wettkämpfen zugelassen, allerdings nur in so genannten Mix Duetts, also zusammen mit Frauen. An einer Weltmeisterschaft dürfen sie erst seit 2023 teilnehmen, an Olympischen Spielen sogar erst 2024. Und so ist Frithjof auch der einzige Synchronschwimmer beim SC Wedding. Das stört aber weder ihn noch seine Mitschwimmerinnen. Immerhin ist er erst seit 2021 dabei und hat bereits zusammen mit seiner Partnerin EM-Silber in Krakau geholt. Egal ob Mann oder Frau - wer Erfolge im Synchronschwimmen will, muss mindestens vier bis sechs Mal die Woche trainieren. Und am Ende hängt alles von der Performance ab. Nicht nur die physiologischen, auch die ästhetischen Anforderungen sind hoch: Lächeln, gut aussehen, perfekt sein - all das fließt in die Bewertung ein. Kein Wunder, dass es hier ähnlich wie im Turnsport auch immer wieder Debatten über das Gewicht der Sportler:innen gibt. Denn im Vordergrund steht die Show: Die Haare werden mit Gelatine festgeklebt, wasserfeste Schminke ist Pflicht und bei der Kür sind Schwimmbrillen verboten. Und noch eins ist wichtig im Team: Streit darf es nicht geben. Denn wer miteinander im Clinch liegt, kann nicht gemeinsam lächeln - und im Einklang schwimmen schon gar nicht! Synchronschwimmen ist harte Arbeit, die ganz leicht aussehen soll. Am Ende geht es eben doch um Stärke, finden wir. In jeder Hinsicht.