
Folge 173: Der Geschmack der Donau
In 60 Tagen 2.600 Kilometer durch 10 Länder schwimmen - das ist wohl für die meisten von uns völlig unvorstellbar. Der Extremschwimmer Joseph Heß aus Dresden hat das gemacht - (fast) von der Quelle der Donau bis zum Schwarzen Meer. Gestartet ist Joseph am 4. Juli durch den zweitlängsten und zweitgrößten Fluss in Europa. Für den 39jährigen war das aber nicht das erste Mal, dass er sich einer solchen Herausforderung stellt: 2016 hat der promovierte Wirtschaftswissenschaftler bereits die Straße von Gibraltar durchquert, 2017 ist er 620 Kilometer die Elbe entlang geschwommen - also quasi auch an seiner Haustür vorbei - 2022 hat er es dann mit dem Rhein aufgenommen, das waren dann schon 1300 Kilometer. Damit will er längst nicht mehr nur beweisen, was man alles schaffen kann - Joseph geht es auch darum zu zeigen, dass wir mehr Bewusstsein für den Gewässerschutz entwickeln müssen. Das hat er beim Schwimmen durch die Donau auch selbst ganz hautnah erfahren: Unfassbar viel Schrott liegt in dem Fluss, sodass er vor allem dort, wo der Wasserstand niedrig war, sehr aufpassen musste, nicht daran hängen zu bleiben. In Belgrad, wo das Abwasser ungefiltert in die Donau geleitet wird, schwamm er durch Fäkalien und anderen Dreck. Bloß nicht aus Versehen einen Schluck Wasser nehmen! Diesen Teil der Strecke hat er zum Glück ziemlich unbeschadet überstanden - bis auf eine Infektion des Ohres, die ihm dann am Ende doch ziemlich zu schaffen gemacht hat. Und der Fußpilz, der erst danach richtig abheilen konnte. Wundgeriebene Stellen durch den Neopren-Anzug sind dagegen für ihn nicht weiter wild - „Ich hab jetzt drei Narben mehr, was soll´s“, für ihn letztendlich eine Lapalie. Viel wichtiger war ihm, dass er bei seiner Tour durch die Donau auch wissenschaftlich begleitet wurde, untersucht wurde die Belastung mit Mikroplastik entlang der Strecke, die Ergebnisse stehen bislang noch aus. Rund 50 Kilometer ist Joseph jeden Tag geschwommen - ohne sein Team wäre das nicht möglich gewesen. Begleitet wurde er unter anderem von dem Wildwasserexperten Thorsten, der auch schon beim Schwimmen durch den Rhein dabei war, von Dani, die sich um das Essen gekümmert hat und Monica, die den Begleit-Caravan an Land gesteuert und für die Sicherheit gesorgt hat. Gefilmt wurde Joseph zudem auf der ganzen Strecke von dem Filmemacher Markus Weinberg. Und Joseph hat jeden Tag auf seinem Instagram-Account von der aktuellen Strecke berichtet. Jeden Tag rund 35.000 Armzüge, jeden Tag ein Verbrauch von 8.000 bis 10.000 Kalorien - das muss man erstmal durchhalten. 15 Kilogramm hatte Joseph vorher zugelegt, um diese Strapazen zu überstehen. Richtig Angst hatte er, als an der ukrainischen Grenze plötzlich Drohnenalarm zu hören war. Passiert ist ihm zum Glück nichts, es hätte aber auch anders kommen können. Schon sehr schade fand er, dass er zu wenig Zeit hatte, auch mal mit den Menschen am Rande des Flusses zu sprechen. Aber nach 10 Stunden im Wasser fehlte am Ende dann doch die Energie. Trotzdem ist er froh, dass er es geschafft hat und am 01. September ins Schwarze Meer springen konnte. Dass ihn seine Partnerin Stefanie rückhaltlos unterstützt, hilft ihm bei seinen Unternehmungen sehr. Das nächste Projekt hat er auch schon im Auge: Einmal durch den Ärmelkanal schwimmen. Dann aber ohne Neopren, nur mit Kappe, Badehose, Schwimmbrille - und Vaseline.


















