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Sports

Chlorgesänge

Ute Zill, Martina Schrey

Wir sind Schwimmerinnen. Wir waren beide mal im Schwimmverein, aber das ist lange her. Bis vor kurzem schwammen wir so wie die meisten – ab und zu, wenn es gerade passt. Doch dann entdeckten wir die Jahreskarte der Berliner Bäderbetriebe – und stellten fest: Berlin hat ja über 60 Schwimmbäder! Schnell stand fest: Die durchschwimmen wir alle! Und zwar in einem Jahr. Gesagt, getan. Was uns beim Bahnen ziehen durch den Kopf geht und warum wir meinen, dass schwimmen nicht nur überlebenswichtig, sondern ein großartiges Abenteuer ist – darum geht es hier!

  • 180 episodes
  • Updated July 29

Episodes180

  • March 11 · 16 min

    Folge 147: Gemeinsam baden gehen

    Vor der Aufzeichnung dieser Folge waren wir ziemlich aufgeregt - immerhin hatten wir uns ein kleines Experiment vorgenommen. Auf die Idee gekommen sind wir durch die Anzeige einer Berliner Schwimmschule: Schwimmbäder am Internationalen Frauentag für eine Stunde zu vermieten! Wir fackelten nicht lange und schlugen zu. Und damit nicht genug - wir luden unsere Hörerinnen ein dabei zu sein. Dörte, Anne, Susanne, Monika, Ursula und Sonja sind unserer Einladung gefolgt. Und das war nicht einfach - denn das kleine Bad in Lankwitz liegt ziemlich versteckt auf dem Gelände eines Krankenhauses. Wir waren vorher auch noch nicht da gewesen und wussten nicht, was uns da erwartet. Am Ende war es ein großer Spaß. Das Becken war zwar nicht besonders groß, vielleicht 18 Meter lang und 10 Meter breit, aber das Wasser warm und angenehm, lang einschwimmen musste man sich da nicht. Fürs Wettkampfschwimmen war der Pool ohnehin nicht ausgerichtet, wohl aber für Schwimmkurse: Rundherum lagen Nudeln, Schwimmbretter, Ringe und diverses Kleinzeug bereit. Die kleinen Gummienten haben es uns als Erstes angetan - und so übten wir uns darin, sie beim Rückenschwimmen auf der Stirn zu balancieren, mit den Nudeln durchs Wasser zu schweben oder einfach mal quer durchs Becken zu tauchen. Und weil es so herrlich warm war, kamen wir natürlich auch schnell ins Gespräch und das Schwimmen wurde zur Nebensache. Dörte hatte am Morgen ohnehin schon ihre Bahnen gezogen, Susanne sich als ehemalige Rettungsschwimmerin und Leistungssportlerin im Leben schon genug gestresst und Monika erzählte von ihrem Schwimmkurs auf den kanarischen Inseln. Auch Anne und Sonja kamen schnell miteinander ins Plaudern und Ursula freute sich über die Gelegenheit, mal ganz entspannt nur unter Frauen zu sein. Denn so verschieden alle waren - das Thema Schwimmen ist und bleibt ein guter Anknüpfungspunkt, dazu hatte jede ihre Geschichte zu erzählen. Wir haben viel gelacht - und das ein oder andere auch noch gelernt. Das machen wir wieder!

  • March 4 · 37 min

    Folge 146: Für die Badi immer bereit

    Diesmal haben wir so richtig was gelernt - denn dass ausgerechnet die Schweiz eine jahrhundertealte Badetradition hat und Zürich eine der höchsten Bäderdichten Europas war uns absolut neu. Aber tatsächlich: Auf rund 440.000 Einwohner:innen kommen hier tatsächlich allein 24 (!) Freibäder, von den Schweizern liebevoll Badis genannt. Und das sind nicht nur klassische Bäder mit Schwimmbecken, so wie wir sie hierzulande kennen, sondern auch See- und Flussbäder und das mitten in der Stadt. Bärbel Buchholz, die hier als deutsche Architektin seit rund 10 Jahren lebt, ist immer noch beeindruckt davon. Hier habe praktisch jeder und jede immer Badezeug dabei, erzählt sie uns, in der Mittagspause mal eben ein paar Bahnen ziehen gehört praktisch zum Alltag. Aber die Bäder in Zürich snd nicht nur viele, sie sind auch wahre Schönheiten. Das 1864 erbaute Männerbadi am Schanzengraben ist ein klassischer Holzkastenbau inmitten der Altstadt, das Frauenbadi am Stadthausquai, direkt an der Limmat, wurde 1888 als Holzbad in orientalischem Stil erbaut. Bis heute schwimmen Männer und Frauen hier jeweils unter sich, ganz herrliche Orte zum Entspannen. Bärbel selbst ist Mitglied im Winterschwimmen-Verein Utoquai, ein Badepalast direkt am Zürisee, erbaut im Jahr 1890. Sie liebt es, auch im kalten Wasser schwimmen zu gehen, eben das ganze Jahr hindurch. Wobei es in Zürich natürlich auch Hallenbäder gibt. Ein ganz klassisches Freibad wiederum ist hier das Letzigraben-Bad, 1949 eröffnet und von niemand geringerem entworfen als von Max Frisch, den viele von uns vor allem als Schriftsteller kennen, der sich aber vorher bereits als Architekt einen Namen gemacht hat. Einer der Gründe für die ausgeprägte Schweizer Badekultur ist die hervorragende Wasserqualität der Seen und Flüsse. Hinzu kommt: Das Badevergnügen ist für Schweizer Verhältnisse überaus erschwinglich und viele Flussbäder verlangen gar keinen Eintritt. Damit nicht genug: Schweizer Badis verwandeln sich abends in vielbesuchte Kulturorte und soziale Treffpunkte. Hier gibt es dann offene Bars oder Kinovorstellungen oder auch Tanzabende. Überhaupt haben die Schweizer:innen ein ganz besonderes Verhältnis zu ihren Gewässern und nutzen ihre Flüsse auch einfach mal für einen Schwumm nach Hause. Zum Beispiel in der Aare, ein Fluß, der mit ziemlich großer Geschwindigkeit durch Bern fließt. Die Klamotten werden in einen so genannten Wickelfisch eingerollt, der dann als eine Art Schwimmbrett dient, mit dem man herrlich auf dem Wasser treiben kann. Ganz ungefährlich ist dieses Vergnügen allerdings nicht, die Strömung mitunter ganz schön stark, erzählt Bärbel, die das auch schon ein paarmal mitgemacht hat. Man muss sich schon an die Anweisungen auf den Schildern halten, damit man nicht in den Schiffsverkehr oder an einen Brückenpfeiler gerät. Trotzdem lockt dieser Spaß jedes Jahr viele auch deutsche Touristen an. Denn die Schweiz ist eben nicht nur eine große Ski-Nation: Der Schweizer Noè Ponti aus dem Tessin wurde 2024 Weltmeister über 50 Meter Schmetterling.

  • February 25 · 29 min

    Folge 145: Ohne Basis keine Spitze

    Olympia 2036, 2040 oder 2044? Vier Städte in Deutschland bewerben sich zur Zeit als Austragungsort, allerdings sind bislang allein die Menschen in München davon überzeugt, dass ihre Stadt genau die richtige ist. In Hamburg gibt es bereits zahlreiche Gegner:innen und in der Rhein-Ruhr-Region findet am 19. April 2026 Ratsbürgerentscheide in den betroffenen Kommunen ab. Und in Berlin? Auch hier ist die NOlympia-Bewegung sehr stark, hat für die Spiele im Jahr 2000 schon einmal eine Beteiligung verhindert. Sechs Millionen Euro steckt die Stadt allein in die Bewerbung, erhofft sich von den Spielen eine neue Dynamik für die Wirtschaft, mehr Wohnungen und womöglich auch einen Schub für die Sportstätten. Berlin ist der einzige Bewerber, der aus Verfassungsgründen kein Referendum plant, sondern eine Volksinitiative mit anschließender Abstimmung im Abgeordnetenhaus. Im Herbst diesen Jahres will der Deutsche Olympische Sportbund entscheiden, wer den Zuschlag bekommt. Wir wollen wissen - wie würden die Schwimmerinnen und Schwimmer in der Hauptstadt profitieren? Von der gescheiterten Bewerbung für die Spiele im Jahr 2000 blieb immerhin die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE), aber die ist jetzt auch schon fast 30 Jahre alt und wäre dann sicher nicht mehr olympiatauglich. Knapp eine halbe Milliarde Euro beträgt der Sanierungsstau bei den Berliner Bädern, für ein wenig Entlastung dürfte jetzt das Klimapaket in Höhe von 200 Millionen Euro sorgen, aber diese Mittel sind zweckgebunden. Acht Bäder sind zur Zeit geschlossen, viele weitere müssen zum Teil dringend saniert werden. Allerdings - würde Olympia die Situation dieser Bäder tatsächlich verbessern? Der Vizepräsident des Berliner Schwimmverbands, Martin Weiland ist fest davon überzeugt: Auf jeden Fall. 30.000 Mitglieder hat der Verband in der Hauptstadt, sie alle brauchen unbedingt mehr Wasserflächen - und mehr Anerkennung für ihren Sport. „Ohne Basis keine Spitze“, sagt Martin Weiland. Sein Traum ist es, dass mit Olympia lauter Zweck-Schwimmhallen in der Stadt entstehen. Die nicht schön aussehen müssten, sondern vor allem ausreichend Wasserflächen für Leistungs- und Freizeit-Schwimmer böten. Und zwar VOR Olympia - damit dort die Schwimmer:innen heranwachsen, die dann unser Land bei Olympia vertreten. Und wo dann natürlich auch alle anderen ihre Schwimmzeiten hätten - Vereine, Schulen und eben Menschen wie du und ich. Er würde dafür auch alte denkmalgeschützte Bäder abreißen, statt sie für teuer Geld zu sanieren. Wir reden aber auch darüber, warum Eisschwimmen noch nicht olympisch ist. Ob Ganzjahresfreibäder in Berlin sinnvoll ist. Und warum es auch mit über 70 noch Spaß macht, sich mit dem Schwimmsport zu befassen - auch wenn man selber kaum noch schwimmt.

  • February 18 · 35 min

    Folge 144: Im Schwimmrausch

    Mit unserem heutigen Gast haben wir vor einem knappen Jahr schon einmal gesprochen (Folge 107): Janis McDavid. Damals haben wir ihn als Popstar begrüßt, denn wenn Janis irgendwo auftaucht, starren ihn viele Menschen an wie einen Popstar, hat er selber mal erzählt. Der Grund: Janis hat weder Arme noch Beine. Und trotzdem hat er - was er selber nie für möglich gehalten hätte - im Jahr 2024, im Alter von 33 Jahren, das Schwimmen gelernt. Diesmal begrüßen wir ihn als Supermann. Denn Janis kann mittlerweile nicht nur super schwimmen: Er ist 6-facher Deutscher Rekordhalter, 3-facher Deutscher Kurzbahn-Meister im Brustschwimmen und hat bei den internationalen Deutschen Meisterschaften 2025 eine Silbermedaille erschwommen. Natürlich kommt er gerade vom Training - und hat mal eben auf 100 Meter Rücken eine persönliche Bestzeit geschafft. Sieben bis neun Trainingseinheiten absolviert er pro Woche, jeweils rund anderthalb Stunden, außerdem macht er noch Krafttraining, vor allem für den Rumpf - denn der hilft ihm hauptsächlich, im Wasser vorwärts zu kommen. Obwohl Janis mittlerweile echt Spitze ist - finanziell gefördert wird er nicht. Eher müsse er noch in seine Leidenschaft investieren, erzählt er. Allein schon wegen des enormen Badehosen-Verschleisses: Weil Janis keine Beine hat, bewegt er sich mit dem Po über den Schwimmbad-Boden. Da wäre ein Spoinsor schon gut. Vielleicht hat jemand eine Idee? Zum Glück ist Janis als Speaker und Influencer und Vermarkter seines Buches „All inclusive“ zeitlich relativ flexibel. Wenn er durch die Republik reist, um Vorträge zu halten, muss das Training auch mal zurückstehen. Aber der Adrenalinschub, den das Schwimmen bei ihm auslöst, hat ihn nach wie vor im Griff und es macht ihm großen Spaß, immer wieder gegen sich selbst anzutreten. Mittlerweile ist er nicht mehr im Landeskader Bayern, sondern schwimmt unter der Berliner Flagge. Sind die Paralympics 2028 in Los Angeles sein Ziel? Janis wäre nicht Janis, wenn das nicht der Fall wäre. Aber das ist gar nicht so einfach. Denn abgesehen davon, dass er seine Zeiten dafür dann doch noch um einiges verbessern müsste: In seiner Startklasse ist das Angebot an internationalen Wettkämpfen sehr schmal. Zur Zeit gibt es da nur 50 und 100 Meter Rücken - und das ist gerade eben nicht die Paradedisziplin von Janis. Aber natürlich lässt er sich davon nicht erschüttern - gerade probt er mit seinem Trainer eine neue Rückenschwimm-Technik. Denn er hat schon Lust auf die Paralympics, will sein Ziel aber auch nicht zu hoch stecken. Klassisches Understatement, würden wir sagen! Ein anderes Ziel hat er im letzten Sommer schon geschafft: Einmal den Starnberger See durchschwimmen. Die 2,4 Kilometer hat er in einer Stunde, 31 Minuten und 26 Sekunden geschafft. Eine sensationelle Leistung, finden wir, aber typisch Janis: Er hätte es schon gern unter anderthalb Stunden geschafft. Jetzt wird er erstmal im Februar beim Berolina-Cup mitschwimmen - und im Mai an den internationalen Deutschen Meisterschaften in Berlin teilnehmen. Da hofft er darauf, dass er dann auch eine internationale Klassifizierung bekommt. Wir drücken fest die Daumen!

  • February 11 · 54 min

    Bestimmt verpasst: Die trüben Seiten des Schwimmsports

    Gerade ist mal wieder Olympia - wir beide haben im Moment allerdings allenfalls Ringe unter den Augen. Deshalb gibt es heute leider keine aktuelle Folge ... Allerdings ist Olympia - auch die Winterolympiade - eine gute Gelegenheit, an die unlauteren Machenschaften zu erinnern, die sich oftmals hinter den Kulissen des Sports abspielen. Deshalb wiederholen wir diese Woche die ausgesprochen spannende Folge zum Doping im Schwimmsport: Wir sprechen mit einem Kollegen - einem ⁠Investigativ-Journalisten⁠, vor dem sich Funktionäre, Verbände und auch Sportler in der ganzen Welt fürchten. Hajo Seppelt hat international und national maßgeblich zur Aufdeckung von Dopingvergehen beigetragen und dafür zahlreiche Preise bekommen. Angefangen hat der einstige Berliner Jahrgangsmeister im Brustschwimmen 1985 als Sportreporter beim Sender Freies Berlin, von 1992 bis 2006 war er Live-Kommentator für das ARD-Fernsehen bei Schwimmwettkämpfen, war unterwegs bei Olympia, Europa- und Weltmeisterschaften. Schon damals hat er sich mit dem Thema Doping befasst. 1997 erschien sein Film „⁠Staatsgeheimnis Kinderdoping ⁠- Doping-Täter und -Opfer des DDR-Schwimmsports“. Gleichzeitig kommentierte er immer noch Schwimm-Wettkämpfe - und merkte zunehmend, wie sehr ihm die reine Ergebnis-Berichterstattung auf die Nerven ging. Aus seiner Sicht gab es viel mehr zu erzählen über die Sportler - aber vor allem auch über die Geschäftemacher, Ärzte und Verbände, die am Sport verdienen. Und mitunter tatsächlich auf ALLES setzen, damit am Ende eine Medaille, ein Sieg dabei herauskommt. Auch auf Doping. Ein mitunter lebensgefährliches Mittel zum Zweck. Hajo ist ein Typ, der macht, was er für richtig hält. Eine öffentlich gewordene privaten E-Mail, in der er die unkritische Sport- und Doping-Berichterstattung der ARD kritisierte, so erzählt es Seppelt, führte 2006 dazu, dass er nicht mehr von Wettkämpfen berichten durfte. Gebremst hat ihn das nicht. Beim WDR baute er eine Doping-Redaktion auf, seitdem ist er in Sportsendungen, Nachrichtensendungen und Magazinen sowie als Autor von Dokumentationen zum Thema Doping zu sehen, mittlerweile hat er auch eine eigene Produktionsfirma. Aber kann man es einem Sportler verdenken, wenn er alles versucht, um noch schneller, besser, toller zu werden? Anders als früher, sagt Seppelt, kann er den einzelnen Sportler mitunter verstehen. Der Druck sei immens, die Medien machen zusätzlich Stimmung. Ihn ärgern vor allem die großen Verbände, die mitmachen, vertuschen und mit dem Risiko der Sportler ihr Geld verdienen. Besonders schlimm sei dies, weil auch die ⁠WADA⁠, die internationale Anti-Doping-Agentur häufig nicht wirklich hinschaue. Dabei ist sie dafür da, Doping zu verhindern. Eigentlich, sagt Seppelt, sei Doping alles, was man dem Körper zuführt, um bessere Leistungen zu erzielen. Offiziell - und damit offiziell verboten - ist alles, was auf der ⁠Doping-Liste⁠ der ⁠Anti-Doping-Agenturen⁠ stehe, sei das nun Doping mit sauerstoffangereichertem Eigenblut, Anabolika, Hormone oder Medikamente wie Trimetazidin. Das war im April 2024 bei 23 chinesischen Schwimmern nachgewiesen worden. Angeblich hatten sie im Hotel verunreinigtes Essen zu sich genommen. Die WADA akzeptierte diese Erklärung zunächst - und Hajo zeigte in seinem ⁠Film⁠, dass diese Begründung sehr unwahrscheinlich - aber vor allem nie wirklich überprüft worden sei. Übrigens: Wer glaubt, nur in China, Russland oder den ehemaligen Ostblockstaaten werde gedopt, der irrt. Doping im Sport gibt es überall. Im Herbst 2025 wird Hajo einen Film über Kinderdoping im Sport in aller Welt veröffentlichen. "⁠Geheimsache Doping⁠" heißt der Podcast, der er zusammen mit seiner Kollegin Kerstin Hermes macht. Bereits 2019 hat er das Buch „⁠Feinde des Sports⁠“ veröffentlicht, in dem er über die Hintergründe seiner mitunter sogar gefährlichen Arbeit berichtet. Er selbst geht mittlerweile zu keinen (Schwimm-)Wettkämpfen mehr. Den Spaß daran habe er schon lange verloren.

  • February 4 · 31 min

    Folge 143: Im Zweifel - Badekappe streicheln

    Es ist Anfang Februar - und wir machen Schwimmbadferien. Was in unserem Fall heißt: Ferien vom Schwimmbad. Denn die eine von uns wird ihre Erkältung nicht los, die andere hat eine sehr unschöne Begegnung mit gefrorenem Wasser gehabt und muss jetzt erstmal ihre schmerzenden Rippen schonen. Ans Schwimmen und ans Schwimmbad denken wir natürlich trotzdem, zumal Ute gerade aus Island zurück ist und dort natürlich auch die herrliche isländische Schwimmkultur genossen hat: Ordentlich einseifen vor dem Schwimmen und dann ganz geordnet ihre Bahnen ziehen können. Was vielleicht damit zu tun hat, dass es in Island so viele Schwimmbäder gibt und die deshalb niemals wirklich voll werden, Gedränge also gar nicht erst entsteht - ganz anders als bei uns. Und schon sind wir beim Thema. Warum klappt das Miteinander auf den Bahnen so häufig nicht? Oft gibt es schlicht zu wenig. Und dann steht da vielleicht mal ein Schild mit „Schnellschwimmerbahn“ - aber was ein Schnellschwimmer ist, beurteilt ja auch jeder und jede anders. Wir jedenfalls checken immer erstmal ab, wie schnell die Schwimmer:innen so auf der jeweiligen Bahn eigentlich sind, bevor wir uns eine aussuchen. Und auch, wie wir selber an dem Tag drauf sind. Eher gemütlich? Dann sind die Schnellschwimmer:innen heute eher nichts für uns. Oder doch mal wieder ein bisschen auf die Tube drücken? Dann sollten wir uns aber trotzdem nicht gleich mit den trainierten Vereinsschwimmer:innen messen. Allerdings - und das kennt wohl jeder und jede - das machen längst nicht alle so. Man kann fast drauf schwören: Da hat man sich auf einer Bahn mit mehreren anderen gerade so richtig gemeinsam eingezirkelt - schon steigt garantiert jemand ein, der entweder wesentlich schneller oder deutlich langsamer ist. Und schon gibt´s Stress. Auch der Ort, wo Schwimmer:innen zwischendurch mal ein Päuschen machen, sollte mit Bedacht gewählt sein: Wer am Beckenrand mal kurz verschnaufen will, sollte das niemals in der Mitte tun, sondern immer in der Nähe der Leine - damit die anderen auch weiterhin gut wenden können. Was wir auch niemals verstehen werden - Menschen, die, wenn sie überholt werden, erst recht mittig schwimmen, statt leicht nach rechts auszuweichen. Würde es doch allen deutlich leichter machen. Oder auch am Beckenrand jemanden vorlassen, der schneller schwimmt - macht den oder die andere glücklich und selbst hat man absolut null Nachteil. Deswegen haben wir kurzerhand mal fünf goldene Regeln aufgestellt: 1. Immer rechts im Kreis schwimmen 2. Beim Überholtwerden leicht nach rechts schwimmen und Platz machen 3. Am Beckenrand niemals in der Mitte einer Bahn verschnaufen, sondern an der Leine. 4. Schnellere Schwimmer einfach vorlassen 5. Und wenn gar nichts mehr hilft: Die eigene Badekappe streicheln und einfach mal kurz durchatmen! Übrigens - so mancher fragt sich vielleicht, warum die Bademeister auf den Bahnen nicht für Ordnung sorgen. Aber mal ganz ehrlich: So schwer ist es ja nicht, was man beachten sollte. Das kriegen wir auch alleine hin, oder?

  • January 28 · 48 min

    Folge 142: Man kann mehr als man denkt

    Kirsten Bruhn ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Athleten im Parasport - umso mehr freuen wir uns, sie im Berliner Sportforum Hohenschönhausen treffen zu können. Ihre Haare sind noch etwas feucht, denn auch wenn Kirsten bereits 2024 ihre aktive Karriere beendet hat, geht sie im Schnitt doch immer noch jeden zweiten Tag schwimmen. Heute dann „nur“ 2000 Meter, aber sie wollte sich dann doch noch vorher auf das Gespräch mit uns einstimmen. Kirsten ist ein Phänomen: Sie ist 54 Weltrekorde und 64 Europarekorde geschwommen, ist 6-fache Weltmeisterin und 8-fache Europameisterin. Ihre Bestzeiten sind zum Teil bis heute unerreicht, dabei war sie schon über dreißig, als sie sie erschwommen hat. Allerdings: Ein glatter Durchmarsch war ihre Karriere nicht, im Gegenteil. Denn als sie 1991 im Alter von 21 Jahren durch einen Motorradunfall plötzlich querschnittsgelähmt war, glaubte sie, niemals wieder so schwimmen zu können wie vorher. Denn schon in ihrer Jugend war Kirsten Leistungsschwimmerin, allerdings nie bei internationalen Wettkämpfen dabei. Aber immer mit großer Leidenschaft, schon mit drei Jahren konnte sie schwimmen. Mit der Diagnose allerdings schien dieser Weg endgültig vorbei zu sein. Das war ein ganz tiefes Tal, erzählt uns Kirsten, aus dem sie lange nicht rausgekommen ist und das sie auch in ihrem Buch „Mein Leben - und wie ich es zurückgewann“ sehr eindrucksvoll beschreibt. Ja, nachdem der erste Schock und vor allem die ganz großen Schmerzen erstmal vorbei waren, entwickelte sie einen großen Ehrgeit, wieder vollständig am Leben teilnehmen zu können, ohne auf Hilfe angewiesen zu sein. „Das habe ich in meiner Familie so gelernt“, erzählt sie uns, hängen lassen gilt nicht. Aber schwimmen? Elf Jahre dauerte es, bis sie es wieder wagte. Weil ihr ein Reha-Trainer den Tipp und auch ein paar Adressen gegeben hatte. Und schon nach wenigen Monaten des harten Trainings war Kirsten Bruhn Deutsche Meisterin auf 50 Meter Rücken. „Aber nicht, dass ihr denkt, ja klar, Paraschwimmen, das ist auch nicht sooo schwierig!“ Denken wir nicht. Im Gegenteil - wir sind extrem beeindruckt. Denn Kirsten räumte nicht nur im Rücken- und Kraulschwimmen ab. Sie begann, auch in ihrer alten Paradedisziplin, dem Brustschwimmen, wieder zu trainieren. Was für jemanden mit einer Querschnittslähmung extrem schwierig ist. Denn die Kraft beim Brustschwimmen kommt zu 70-80 Prozent aus den Beinen. „Ich glaube, da hat mir mein Körpergedächtnis sehr geholfen“, sagt sie. Und ein extremer Wille, vermuten wir. Kirsten hat das Glück im Unglück, nicht vollständig querschnittsgelähmt zu sein. So holte sie bereits 2004 bei den Paralympics Gold - auf 100 Meter Brust. Und so ging es weiter, bis sie - unzählige Medaillen und Rekorde später - ihre Karriere beendete. Dem Schwimmsport ist sie trotzdem treu geblieben, auch als Mentaltrainerin für junge Athlet:innen. Außerdem ist sie seit 2016 bei den Paralympics als Expertin für die ARD dabei. Sie ist Botschafterin für Rehabilitation, Prävention und Sport beim Unfallkrankenhaus Berlin und seit 2015 ist ein Schwimmbad in ihrer Geburtsstadt Eutin nach ihr benannt. Sie war eine von drei Protagonist:innen in dem Film „Gold - du kannst mehr als du denkst“, der bei der Berlinale 2013 seine Weltpremiere feierte und sie bekam den Bambi für ihre herausragenden Leistungen. Sie hält Vorträge darüber, wie wichtig es ist, sich wieder ins Leben zurückzukämpfen und wie der Sport einem dabei helfen kann. Und seit 2026 ist sie Ehrenbürgerin in Schleswig Holstein. Eins ärgert sie trotzdem bis heute: Dass so wenig Schwimmbäder barrierefrei sind. Und selbst, wenn man sie so nennt, sagt sie, seien sie allenfalls barrierearm. Fast nie gebe es ein Leitsystem für Blinde, angemessene Duschen für Rollstuhlfahrer:innen oder die Möglichkeit, dass sich kognitiv eingeschränkte Menschen dort ohne Hilfe bewegen können. Muss man unbedingt endlich mal ändern, findet sie. Finden wir auch.

  • January 21 · 39 min

    Folge 141: Mobi - Schwimmen für alle und überall

    Diesmal haben wir gleich drei Menschen zu Gast - denn ohne sie wäre dieses einzigartige Projekt wohl nie zustande gekommen: Mobi ist ein mobiles Schwimmbad, bestehend aus drei transportablen Stahlbauten in T-Form. Im Hauptteil ist natürlich das Schwimmbecken, beheizt und 3x13 Meter groß. In einem weiteren Modul sind Umkleiden, Duschen und Toiletten, jeweils für Mädchen und Jungs getrennt. Und in einem dritten Modul findet die Wasseraufbereitung statt. Das Ganze auf einer Fläche von 25x15 Metern - passt praktisch auf jeden Schulhof! Und das soll es auch. Denn Mobi ist dafür da, dass sich Kinder ans Wasser gewöhnen können, unabhängig von eingeschränkten Wasserzeiten an öffentlichen Schwimmbädern und viel zu schnell ausgebuchten Schwimmkursen. Deshalb steht das mobile Schwimmbad bis zu drei Monaten immer an einer anderen Schule im Raum Köln/Bonn. Morgens findet hier Schwimmunterricht statt, nachmittags können auch alle anderen in der Umgebung Schwimm- und Aquakurse buchen. Sogar Schwimmtraining ist möglich, denn Mobi hat bei Bedarf auch eine Gegenstromanlage. Und das Ganze für alle - kostenlos! 10 Stunden am Tag ist Mobi in Betrieb, an 350 Tagen im Jahr. Entstanden ist die Idee im Rahmen der Schwimminitiative Nordrhein-Westfalen (NRW). Projektträger ist der Kreissportbund Düren, dessen Geschäftsführer Wolfgang Schmitz uns als erstes von dem Projekt erzählt hat. Was ohne Unterstützung des Fördervereins der Sparkasse Köln/Bonn - immerhin in Höhe von 3 Millionen Euro - gar nicht zustande gekommen wäre. Deshalb ist auch Gero Wiesenhöfer heute zu Gast. Und natürlich Verena von der Gathen, die nicht nur für das Projekt verantwortlich ist, sondern es an der Sporthochschule Köln auch wissenschaftlich begleitet. Denn das mobile Schwimmbad Mobi ist tatsächlich einzigartig, sagt Wolfgang Schmitz: Selber geplant und ausgetüftelt und mittlerweile sogar patentiert - der Stolz ist ihm deutlich anzuhören. Kostenpunkt: 750.000 Euro allein für die drei Module, mit Solarpaneelen auf dem Dach. Hinzu kommen nochmal rund 450.000 Euro im Jahr für Energie- und Betriebskosten, Schwimmlehrer:innen und was sonst noch so alles anfällt. Seit September 2025 ist Mobi unterwegs, sein Einsatz ist für fünf Jahre geplant, immer an Schulen mit hohem Sozialindex. Denn dort sind die Schülerinnen und Schüler vorher oft noch nie mit einem Schwimmbecken in Berührung gekommen. Ein bis zwei Tage braucht es für den Aufbau, dann nochmal etwa fünf Tage für Vorbereitung, Wasser einlassen und temperieren, bis Mobi startklar ist. Wichtig: Mobi kann sich sogar an einen unebenen Untergrund anpassen, das Wasser kommt mit Unterstützung der Feuerwehr aus öffentlichen Hydranten. Und natürlich kommt auch regelmäßig das Gesundheitsamt vorbei, um zu kontrollieren, dass das Wasser auch tatsächlich hygienisch einwandfrei ist. Wichtig ist allen dreien zu betonen, dass Mobi keine Schwimmbäder ersetzen soll, sondern als Zusatzangebot gedacht ist. Damit sich Kinder spielerisch ans Wasser gewöhnen können. Und nicht mehr monatelange Schwimmkurse brauchen, sondern recht zügig in einem öffentlichen Schwimmbad das Seepferdchen und später dann auch das Schwimmabzeichen machen können. Am liebsten würden die drei ganz viele Mobis bauen und vor Schulen stellen. Auch vor unserem inneren Auge tauchen lauter Mobis in Kreuzberg, Neukölln und anderen Berliner Stadtteilen auf. Das wäre doch tatsächlich mal eine gute Idee! Vielleicht fragen wir mal beim Berliner Senat und der Berliner Sparkasse an. Wer ist dabei?

  • January 14 · 39 min

    Folge 140: Gesänge über Chlor - und seinen Geruch

    Heute wollen wir unserem Namen mal alle Ehre machen und über Chlor reden. Nein, keine Angst, das wird keine Chemiestunde. Aber die meisten von uns machen sich vermutlich wenig Gedanken darüber, was eigentlich alles dazu gehört, damit das Wasser im Schwimmbecken klar, sauber und hygienisch einwandfrei bleibt und wir bedenkenlos reinspringen können. Was alles so dazu gehört, das war auch uns nicht wirklich klar und nötigt uns großen Respekt ab! Unser Gesprächspartner ist der Sachverständige für Wasseraufbereitung Dirk Dygutsch, der neben vielen anderen Tätigkeiten auch in der Schwimm- und Badebeckenwasserkommission des Bundesgesundheitsministeriums sitzt. Mit anderen Worten: Ein echter Auskenner. Der zudem noch - obwohl er in Chemie einen Doktor hat oder vielleicht auch gerade deswegen - sehr anschaulich erklären kann. Eins stellt er gleich am Anfang klar: Es reicht nicht, eine Handvoll Chlor ins Wasser zu schmeißen und dann ist alles prima. Vielmehr gehören sehr viele komplizierte Abläufe im Hintergrund dazu, damit wir uns im Schwimmbad weder vor Infektionen noch vor Verätzungen fürchten müssen und auch nicht ständig irgendwelche Dinge um uns herumschwinmen, die da nicht reingehören. Mindestens ebensso wie wichtig wie Chlor sind sehr gute Filter und weitere Desinfektionsmittel. Dreimal täglich muss kontrolliert werden, ob das Mischungsverhältnis auch wirklich stimmt. Das Wasser im Schwimmbecken ist Trinkwasser, für jeden Badegast müssen rund 30 Liter nachgefüllt werden, also ein ständiger Kreislauf. Zudem werden die Beckenböden mindestens zweimal die Woche gereinigt, die Beckenwände alle 14 Tage und die Überlaufrinne einmal wöchentlich. Und auch das Gesundheitsamt schaut regelmäßig vorbei. Im Gespräch geht es natürlich auch darum, wie schlimm es denn eigentlich ist, wenn man ins Becken pinkelt. Der bekannte amerikanische Schwimmer Michael Phelps hat dazu mal gesagt: „Ich denke, jeder pinkelt in den Pool. Wenn man zwei Stunden im Wasser ist, geht man nicht raus, um Pipi zu machen.“ Er empfände das aber auch nicht als problematisch, das Chlor im Becken käme damit schon klar. So ganz stimmt das allerdings nicht, sagt Dirk Dygutsch. Wenn jeder statt der Toilette das Becken benutze, gäbe es sehr wohl ein Problem. Mit geringen Mengen, die Menschen womöglich „aus Versehen“ verlieren, käme das Chlor aber schon klar. Der typische Chlorgeruch in Schwimmbädern - den wir beide sehr lieben - kommt allerdings nicht vom Chlor, das riecht kaum. Vielmehr entstehe er durch flüchtige Gase, die frei werden, wenn Chlor den Harnstoff abbaut. Es ist also tatsächlich was dran - je mehr es nach Chlor riecht, desto mehr … Eine andere Story kann Dygutsch aber klar entkräften: Es ist nicht möglich, dass sich Urin verfärbt, wenn er dann doch mal ins Beckenwasser fließt. Also keine Sorge. Mindestens genauso wichtig, um das Badewasser sauber zu halten, ist das Duschen vorab. Denn das größte Risiko, Schadstoffe ins Wasser zu tragen, sind wir selbst. Vorher ordentlich einseifen und gründlich abduschen, rät Dygutsch, das wäre die allerbeste Hygiene. Wir schauen uns an und müssen ein bisschen lachen. In Hallenbädern wird das sicher von vielen gemacht. Im Freibad haben wir noch nie jemanden vor dem Schwimmen mit Seife unter der Dusche stehen sehen …

  • January 7 · 48 min

    Folge 139: Faszination Eisschwimmen

    Es ist ein Trend, ein Hype, ein Wahnsinn geradezu - das Eisschwimmen. Gerade fanden vom 1. bis zum 6. Januar bundesweit die Eisschwimmtage statt, seit 2025 ist Eisschwimmen eine offizielle Sportart im Deutschen Schwimmverband. Immer mehr Menschen hüpfen im Winter mal eben in den eiskalten See (obwohl man auf keinen Fall hinein „springen“ sollte!). Wir sprechen heute mit Anke Rubien, eine unserer Hörerinnen, aber vor allem - einer Eisschwimmexpertin. Denn sie ist nicht nur selber Eisschwimmerin seit 2016, sondern hat sich auch zum Ice-Instructor ausbilden lassen, quasi zu einer Eisschwimmlehrerin. Zur Zeit kann man diese Ausbildung nur beim bayerischen Schwimmverband machen, Anke kommt selber aus Hessen und lebt zur Zeit bei Hannover - aber das war es ihr wert. Denn so schön und aufregend Eisschwimmen auch sein kann - es ist nicht ungefährlich. Die beiden wichtigsten Regeln, sagt Anke: NIEMALS allein und - immer bedenken, dass man aus dem kalten Wasser auch wieder rauskommen muss! Wer sich beispielsweise ein Loch in die Eisfläche eines Sees schlägt, handelt grob fahrlässig. Denn da kommt man zwar sehr schnell rein, aber nur sehr schwer wieder raus. Und auch für Retter ist es sehr schwierig, jemanden aus einem Eisloch herauszuziehen. Wenn man im kalten See schwimmen geht, sollte man auf jeden Fall immer eine Boje dabei haben. Nicht nur, weil man sich im Zweifel daran festhalten kann, sondern weil man einfach besser gesehen wird. Ob mit oder ohne Neoprenanzug, -socken oder -handschuhe - das müsse jeder und jede für sich selber entscheiden, sagt Anke. Neoprensocken seien oft sehr hilfreich, weil man nie so genau wisse, wie der Untergrund im See gerade beschaffen ist. Und wenn man reingeht, so ihr Tipp, dann erstmal bis zum Bauchnabel - und dann langsam, aber zügig den Rest. Und dabei gaaaaanz ruhig atmen! Anke selbst ist eher durch Zufall zum Eisschwimmen gekommen. Als Kind hatten ihr ihre Eltern das Schwimmtraining verboten, weil sie Angst hatten, dass sie zu muskulös, zu wenig weiblich dadurch werden würde. Mit 40 hat sie dann aber mit den eigenen Kindern wieder angefangen, hat zahlreiche internationale Wettkämpfe mitgeschommen, diverse Trainerscheine gemacht, als Volunteer bei Wettkämpfen unterstützt und sich dann auch noch zum Total Immersion-Coach ausbilden lassen. Kurz und krumm - das Wasser war und ist ihr Element. Zunächst vor allem im Becken, später, wenn auch zögerlich, im See. 2016 war sie als Zuschauerin bei der Eisschwimm-WM in Burghausen dabei, plötzlich fehlte eine Starterin in der Staffel und Anke wurde gefragt, ob sie nicht vielleicht …? Sie wollte. 25 Meter in eiskaltem Wasser. Bei 1,5 Grad Wasser- und minus 13 Grad Außentemperatur. Danach gab es kein Zurück mehr. Mittlerweile schwimmt sie auf Wettkämpfen 500 oder auch 1000 Meter. Brust oder Kraul, wobei sie betont, dass Kraulschwimmen im kalten Wasser nochmal eine ganz andere Überwindung ist. Rollwenden sind bei Eisschwimmwettkämpfen übrigens verboten. Und spätestens nach fünf Metern muss der Kopf wieder aufgetaucht sein - „sonst wird man disqualifiziert“. Das Eisschwimmen war auch eine gute Vorbereitung für eine ganz andere Idee, die Anke mit drei anderen Frauen im Jahr 2023 in die Tat umsetzte: Staffelschwimmen durch den Ärmelkanal und dabei Spenden sammeln für die „German Doctors“, die damit ein Dorf in Indien unterstützen wollten. 4.000 Euro sollten zusammenkommen. Am Ende waren es 32.000. Am 10. und 11. Januar 2026 wird Anke am vEItSbad Cup teilnehmen, der der Station beim aktuellen Deutschland Ice Cup. Wir wünschen ihr gutes Gelingen und viel Erfolg!

  • Dec 31, 2025 · 32 min

    Folge 138: Happy New Year!

    An diesem letzten Tag des Jahres 2025 schauen wir zurück auf all das, was dieses Jahr für uns und hoffentlich auch unsere Hörerinnen und Hörerinnen besonders gemacht hat - allerdings erst, nachdem wir gemeinsam die Päckchen für die Gewinner:innen unseres Adventskalenders gepackt hatten. Allein der war schon wirklich speziell, nicht nur wegen der Fragen, sondern auch wegen der Entstehungsgeschichte: Immerhin durften wir für einige Szenen eine Stunde ganz allein in einem Berliner Schwimmbad drehen und dabei feststellen, was für ein unglaublicher Aufwand betrieben werden muss, um so ein Bad sauber zu halten. Richtig glücklich sind wir, dass wir nach drei Jahren jetzt auch endlich den angemessenen Windschutz für unsere Mikrophone haben: Dunkelwasserblau und natürlich mit dem Schriftzug „Chlorgesänge“! Regelmäßig kommen auch unsere Schwimmponchos mit dem gleichnamigen Schriftzug zum Einsatz - im Moment ganz allein unser Privateigentum, aber wenn wir es irgendwann tatsächlich mal schaffen, ein Gewerbe anzumelden, dann bieten wir sie womöglich auch zum Verkauf an. Genauso wie unsere Badekappen, die es mittlerweile immerhin schon in acht Farben gibt. 2025 haben wir aber auch erstmals eine Tombola gemacht, und das erste Mal Werbung für Schwimmbrillen (mit dem Code CHLOR20 gibt es 20 Prozent Rabatt), von denen wir aber auch wirklich immer noch total überzeugt sind. Und von den neuen Badeanzügen, die sich zumindest eine von uns gegönnt hat, wollen wir gar nicht reden … Aber natürlich haben wir auch für 2026 schon Pläne - zum Beispiel endlich mal nach Lippstadt zu fahren, wo es deutschlandweit das erste KI-Überwachungssystem gibt, was das Badpersonal unterstützen soll. Mindestens genauso neugierig sind wir auf „Wischael“ im Moselbad in Koblenz, ebenfall eine KI, die bei der Reinigung in Schwimmbädern unterstützen kann. Ein Bad mit einer 100-Meter-Bahn wollen wir unbedingt besuchen, bei einem 24-Stunden-Schwimmen teilnehmen, beim Aqua-Cycling mitmachen … und da geht bestimmt auch noch mehr. Wenn Ihr Anregungen für uns habt, worüber wir unbedingt mal berichten und wohin wir dringend mal fahren müssen - meldet Euch bei uns! Aber jetzt erstmal für alle: Wir wünschen Euch ein wunderbares Jahr 2026, auf dass ihr bei jeder Gelegenheit und immer freudig ins Wasser gehen könnt und vor allem - ganz viel Spaß habt!

  • Dec 17, 2025 · 32 min

    Folge 137: Beschlagene Waschbäraugen

    Diesmal reden wir über etwas, was wir unbedingt brauchen und was trotzdem immer wieder ein Ärgernis ist: Die Schwimmbrille. Wobei sie natürlich auch ein Modeaccessoire sein kann - findet jedenfalls eine von uns (die mittlerweile zu jedem Badeanzug mindestens eine farblich passende Schwimmbrille hat). Aber die Schwimmbrille ist eben nur so lange cool, wie sie wirklich klare Sicht gewährt und nicht dauernd beschlägt. Im Moment schwören wir da ja gerade auf die OZEAN von buddyswim (kriegt ihr mit dem Code CHLOR20 übrigens immer noch 20 Prozent günstiger) - aber wir haben schon gemerkt, auch die fängt irgendwann an zu schwächeln. Der aktuelle Vergleichstest von vergleich.org sieht übrigens gerade die Cressi Clear Eyes ganz weit vorn - lohnt sich sicher mal auszuprobieren. Oder hat die vielleicht schon jemand getestet? Auch immer gern weit vorn ist die Arena The ONE, eine von uns hat damit auch schon sehr gute Erfahrungen gemacht. Grundsätzlich kommt es ohnehin auf die richtige Pflege an: Also nach dem Schwimmen mit kaltem (!) klaren Wasser abspülen, an der Luft trocknen lassen und auf jeden Fall in einem schützenden Behältnis oder Beutel aufbewahren. Und niemals (!) innen mit den Fingern an den Gläsern rumwischen! Die meisten Schwimmer und Schwimmerinnen sagen ja, dass die Antibeschlag-Beschichtung eben mit der Zeit abnutzt. Dann kann man sich Anti-Fog-Spray kaufen - oder man greift zu Hausmitteln, besser gesagt: zu Spucke. Aber nicht etwa reinspucken und den Schleim dann mit dem Finger verteilen - am besten die Gläser von innen ablecken. Ablecken? Ganz genau! Die Zunge beschädigt die Gläser nicht (außer ihr habt ein Zungenpiercing) und die Spucke enthält Nucine, also Schleim, der sich wie ein Schutzfilm über die Gläser legt. Danach einmal kurz ins Wasser tauchen - fertig. Aber wieso beschlägt die Brille überhaupt? Die Luft ist in der Regel wärmer als das Wasser, in dem wir schwimmen und unsere Körpertemperatur sowieso. Die warme Luft in der Brille schlägt sich dann in den (von außen gekühlten) Gläsern der Brille nieder. Deshalb ist zusätzlich zum Anlecken ein guter Tipp: Erst einmal untertauchen und dann erst die Brille aufsetzen - seitdem sie das weiß, war bei einer von uns die Brille nicht mehr beschlagen! Ein weiteres Schwimmbrillen-Phänomen: Die Waschbäraugen. Weil die Brille zu fest sitzt oder sich zu sehr ansaugt. Am Kopf festzurren soll man die Schwimmbrille ohnehin nicht, die Bänder müssen gar nicht so eng sitzen. Stattdessen die Glässer an den Augen leicht andrücken, dann saugt sich das Silikon im besten Fall von selber an. Aber ganz ohne Abdrücke wird es wohl nicht geht - Hauptsache, sie verschwinden nach dem Schwimmen schnell wieder. Eine gute Erfindung der letzten Jahre: dioptrische Schwimmbrillen. Vorbei die Zeiten, in denen sehbeeinträchtigte Menschen die Orientierung verloren, sobald sie im Wasser sind, diese Schwimmbrillen kann man an seine Kurz- oder Weitsichtigkeit individuell anpassen Für viele Schwimmer:innen ein Quantensprung. Ebenfalls eine gute Errungenschaft: Photochromatische Brillen, bei denen spezielle Filter die Lichteinstrahlung polarisieren und somit verhindern, dass sie direkt ins Auge geht - vor allem draußen im Sommer ein echter Gewinn. Grundsätzlich ist draußen auf jeden Fall ein UV-Schutz wichtig. Den gibt es übrigens bei getönten und klaren Gläsern. Welche Schwimmbrille die beste ist, muss am Ende jeder und jede selber ausprobieren. Manche schwören auch auf verstellbare Nasenstege oder die so genannten Schwedenbrillen, die so puristisch sind, dass die Augenschalen gar keine Dichtung haben. Allerdings beschlagen die auch ziemlich schnell. Außer … genau!

  • Nov 26, 2025 · 25 min

    Folge 136: Auf heissen Kohlen

    Das tollste Erlebnis hatten wir dieses Mal, als die Aufnahme für den Podcast leider schon im Kasten war - ein Wenik-Aufguss eine halbe Stunde nach Mitternacht, mit Birkenzweigen und Rückenschlägen, wie es sich gehört. Und mit einem gut gelaunten Team, das einfach nur begeisterte! Doch der Reihe nach. Mitternachtschwimmen und lange Saunanacht im Berliner Stadtbad Lankwitz, das fanden wir interessant. Zugegeben - zunächst mal reizte uns vor allem das Mitternachtsschwimmen. Wann hat man das schon mal, dass man so spät am Abend noch seine Bahnen ziehen kann? Das allein schon hat sich gelohnt. Denn da die meisten Gäste lieber in der Sauna schwitzten statt im Schwimmbad Meter zu machen, hatten wir eine ganze Bahn für uns. Umso mehr reizte es uns dann aber auch, mal zu schauen, was die Sauna-Gäste denn eigentlich vom Becken fern hielt. Und die Überraschung hätte kaum größer sein können. Wir beide waren schon oft im Stadtbad Lankwitz. Aber dass sich hinter einer unscheinbaren Tür eine wahre Saunalandschaft verbirgt, hatten wir nie bemerkt. Zwei 95-Grad-Saunen, ein Dampfbad und eine 50-Grad-Sauna, dazu viele Duschen, Abkühlbecken, eine große Liegefläche zum Ausruhen und eine Dachterasse - allein das ist schon großartig. Seit diesem Jahr bieten Badleiterin Angelique Biesecke und ihr Team neben dem normalen Betrieb aber auch besondere Saunanächte an. Und das wird sehr gut angenommen. An diesem Samstag gab es alle halbe Stunde einen Aufguss in einer der beiden heißen Saunen, mal Glühwein-, mal Lebkuchen-, mal Biersauna (oder auch: Malz-Märchen) - ganz der Jahreszeit entsprechend. Nach jedem Saunagang dann passende Schnittchen und Getränke, die Stimmung hätte kaum besser sein können. Das ist sicher vor allem auch dem engagierten Team zu verdanken. Keiner tanzte aus der Reihe, alle hielten sich an die Regeln. Auch wir haben es sehr genossen! Und damit nicht genug - wir haben auch die Gelegenheit genutzt, unseren Adventskalender vorzubereiten. Und ein paar Szenen im und außerhalb des Wasser gedreht. Ihr dürft gespannt sein - jeden Tag gibt es eine Badekappe zu gewinnen, wenn ihr die richtige Antwort auf unsere Fragen wisst. Wir waren rutschen, tauchen, schwimmen - und haben alles gegeben, damit ihr ein bisschen Spaß habt. Wir haben keine Peinlichkeit ausgelassen! Los geht es - natürlich - am 1. Dezember. Wir freuen uns schon!

  • Nov 19, 2025 · 47 min

    Folge 135: Arschbomben verboten

    Diesmal geht es über den Teich - und ein lang gehegter Wunsch von uns geht endlich in Erfüllung: Wir sprechen mit einer Wasserspringerin, und zwar nicht mit irgendeiner! Lena Hentschel ist eine der erfolgreichsten Synchronspringerinnen Deutschlands. Gerade erst hat sie bei den World University Games zusammen mit Luis Avila Sanchez Gold gewonnen, sie war bei der WM 2025 und bei Olympia 2024. Ihr Verein ist der Berliner TSC und sie ist in diesem Jahr als Berlins Sportlerin des Jahres nominiert. Zurzeit studiert sie an der Ohio State University, wo sie Training und Studium optimal verbinden kann. Ihre Haare sind noch nass, sie kommt gerade vom Training, als es mit unserer Schalte losgeht. Lena ist ausgesprochen gut gelaunt, die 24jährige, die seit 20 Jahren als Wasserspringerin aktiv ist, liebt ihren Sport, das merkt man, von Anstrengung ist bei ihr nichts zu spüren. Dabei ist ihre Disziplin alles andere als eine leichte Sache. Turnen, Akrobatik, Körperbeherrschung - da sind sechs Stunden Training täglich (!) keine Seltenheit. Alles muss perfekt sein, für jede Ungenauigkeit gibt es im Wettkampf Punktabzüge. Und das dann auch noch synchron mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin auf dem Nebenbrett. Trainiert wird viel auch an Land, mit Trampolin und Sprunggrube. Dass Lena nur 1,57 m groß ist, ist ihr großer Vorteil, sagt sie - „da ist man einfach noch beweglicher!“ Ein spezielles Outfit haben Wasserspringerinnen nicht, „man nimmt den Badeanzug, in dem man sich wohlfühlt“. Wichtig allerdings ist das Tuch, das sie immer dabei hat, wenn sie springt, „der Lappen“, wie sie selber sagt. Denn Wasserspringer müssen trocken sein, bevor sie springen, zu groß ist die Gefahr, dass sie sonst beim Salto, einer Drehung oder Schraube von ihrem eigenen Körper abrutschen. Ebenfalls wichtig: Das Wasser, in das sie springen, muss immer leicht in Bewegung sein - „sonst können wir die Oberfläche nicht erkennen“. Denn das ist das i-Tüpfelchen am Ende jedes Sprungs: Eintauchen, ohne dass es spritzt. Lena ist ein sehr offener Mensch - und deshalb spricht sie auch über etwas, was alle Schwimmerinnen umtreibt, auch wenn die wenigsten darüber reden - die Menstruation. In keinem anderen Sport ist die Sorge so groß, dass jemand etwas davon mitbekommt. Sie erinnert sich noch sehr gut, wie sie als 13jährige das erste Mal ihre Periode hatte und sofort Tampons benutzen musste - Binden im Training sind im Wassersport natürlich undenkbar. „Das war furchtbar und ich war erstmal eine Woche krank“, erzählt sie rückblickend. Aber auch Tampons sind im Schwimm- und Wasserspringtraining nicht immer angenehm, saugen sich mit Wasser voll und drücken. Mittlerweile hat sich Lena allerdings längst daran gewöhnt, eine Menstruationstasse käme weder für sie noch für ihre Trainingskolleginnen in Frage - zu groß die Gefahr, dass die verrutscht oder nicht dicht hält. Was sie aber im letzten Sommer für sich entdeckt hat: Ihr Menstruationszyklus kann ihr beim Training durchaus nützlich sein. „Ich bin wahnsinnig leistiungsfähig kurz vorm Eisprung“, sagt sie. „Und die Zeit danach kann ich sinnvoll zur Regeneration nutzen“. Wettkämpfe allerdings halten sich nicht an den Zyklus der Athletinnen. Und auch zyklusbasiertes Training im Leistungssport, wie es in anderen Sportarten hier und da mittlerweile probiert wird, ist für ihren Trainer kein Thema. Dabei liege darin durchaus eine Chance, findet Lena. „Ich sehe den Zyklus als Ressource, nicht als Problem.“ Durchgesetzt hat sich diese Einstellung bislang aber noch nicht - die Forschung über zyklusbasiertes Training steckt nach wie vor in den Kinderschuhen.

  • Nov 12, 2025 · 32 min

    Folge 134: Achtsam schwimmen

    Einen Kilometer Delphin schwimmen? Das kann sich keine von uns vorstellen, schon beim Gedanken daran werden die Arme ganz müde und der Rücken schmerzt. Kathrin Lamm dagegen macht das regelmäßig. Dabei konnte sie bis vor acht Jahren nur Brust schwimmen, und auch das nur mehr schlecht als recht. Mittlerweile beherrscht die Hamburgerin nicht nur alle vier Schwimmstile - sie ist selber Schwimmlehrerin für Erwachsene, Rettungsschwimmerin und hat die Trainer-C Lizenz im Breitensport. Als Hamburgerin ist sie zudem Mitglied bei den Berliner Regenbogenforellen. „Ich bin eine Gast-Forelle“, sagt sie lachend. Bei Kathrin Lamm lernt man nicht die klassisch-traditionellen Schwimmstile, sie bildet nach der so genannten Shaw-Methode aus. „Es geht darum, ohne Anstrengung zu schwimmen“, sagt sie. Im Mittelpunkt stehe die Körperausrichtung, die Verbindung zwischen Kopf, Nacken und Rücken. Und die Rotation des Körpers „Mit dem Wasser schwimmen - nicht dagegen!“, so ihr Credo. Zu ihr kommen oft Triathleten, die beim Schwimmen nicht so gut vorankommen wie beim Laufen oder Radfahren. Oder Menschen, denen es weniger um Leistung im Becken geht als darum, sich unangetrengt im Wasser fortzubewegen. Entwickelt hat diesen Schwimmstil der Engländer Steven Shaw. Einst selber Leistungsschwimmer hatte er immer öfter Schmerzen beim Schwimmen, wollte aber trotzdem nicht damit aufhören. Auf der Suche danach, wie er sich müheloser im Becken fortbewegen könnte, stieß er auf die so genannte Alexander-Technik. Die hat mit Schwimmen erstmal gar nichts zu tun, sondern ist eine Methode, die sich mit dem Erkennen und Ändern eigener Gewohnheiten beschäftigt, besonders bei körperlichen Fehlhaltungen, die sich dann durch Verspannungen, Schmerzen oder Funktionseinschränkungen äußern. Besonders Menschen, die ihrem Körper oder ihrer Stimme besondere Leistungen abverlangen, wie Musiker, Schauspieler, Tänzer oder Sportler können von dieser Methode profitieren. Steven Shaw hat die Alexander-Technik genutzt, um die verschiedenen Schwimmstile zu modifizieren. Bei Kathrin Lamm hat das voll eingeschlagen. Innerhalb kürzester Zeit schwamm sie nicht nur sicherer Brust, sondern lernte auch Kraul, Rücken und Delphinschwimmen. Und war so begeistert, dass sie eine Ausbildung als Schwimmlehrerin machte - bei Steven Shaw. Mittlerweile gibt sie selber Schwimmkurse in einem Hamburger Fitnessstudio - ausschließlich für Erwachsene. Auch wer bereits schwimmen kann, muss hier eigentlich nochmal von vorn beginnen, erzählt sie. Es gehe darum, seinen Körper nochmal ganz anders wahrzunehmen. Verinnerlichte, aber womöglich schmerzhafte oder unangenehme Bewegungsmuster zu überschreiben. Mit einer Unterrichtsstunde sei es deshalb nicht getan, wenn man dauerhaft nach der Shaw-Methode schwimmen möchte, so ihre Erfahrung. Aber ein bisschen Übung braucht es dann eben schon, wenn man mühelos 1000 Meter Delphin schwimmen will.

  • Nov 5, 2025 · 51 min

    Folge 133: Schnell und schlau

    Heute besuchen wir eine Schwimmerin, die mit Anfang zwanzig schon mehrfache Welt- und Europameisterin ist und diverse deutsche und europäische Rekorde aufgestellt hat: Johanna Schikora ist Flossenschwimmerin, eine Disziplin, die auch als Finswimming oder Speedswimming bekannt ist. Ebenfalls beim Gespräch dabei: Ihr Trainer Volko Kucher vom Bundestützpunkt Berlin, früher selber Flossenschwimmer und zudem Fachhändler für Wettkampfflossen. Johanna Schukora ist mit vielen Talenten gesegnet, sie spielt seit dem 5. Lebensjahr Klavier und gewann mehrmals den ersten Preis bei „Jugend musiziert“. Als Ausgleichssport begann sie im Alter von 12 Jahren mit dem Flossenschwimmen, beim Tauchclub FEZ. Bereits zwei Jahre später war sie Mitglied der Jugendnationalmannschaft. Dabei hat Johanna nie eine musikbetonte Schule oder ein Sportgymnasium besucht. Sie ist einfach sehr begabt, schwärmt Trainer Volko, dem man anmerkt, wie stolz er auf die Erfolge seines Schützlings ist. Vor allem eins kam Johanna viele Jahre zugute: Der Druck, der bei Weltklassesportler:innen immer präsent ist, hat ihr wenig ausgemacht. Sie liebt es, mit bis zu 12 Stundenkilometern durchs Becken zu gleiten, den Blick immer fest auf den Boden gerichtet, denn Flossenschwimmer:innen atmen durch einen so genannten Mittelschnorchel. Die Schwimmbewegung mit der ca.4-5 Kilo schweren Monoflosse ähnelt dem Delphinschwimmen, die Arme werden flach nach vorn ausgestreckt. Besonders wichtig ist deshalb bei dieser Schwimmart das Training der Bein- und Rumpfmuskulatur. Praktisch genauso viel Zeit wie im Wasser verbringt Johanna deshalb im Kraftraum. Diesen Wechsel liebt sie besonders: Während sie im Wasser die Welt auch mal draußen lassen kann, genießt sie beim Krafttraining Musik. Ebenfalls sehr wichtig, ergänzt Volko, ist das Training der Muskulatur rund um die Fußgelenke - denn die werden durch das auf und ab der Flosse enorm beansprucht. Johanna hat aber nicht nur viele Talente, sondern auch ein großes Herz - auch wenn sie im Gespräch keine große Sache daraus macht: Als sie erfuhr, dass ihre ukrainische Konkurrentin Anastasia Antoniak im Frühjahr 2022 nach Berlin geflohen war, hier aber keine Bleibe fand, nahm sie sie in ihrer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung auf. Auch zum Training gingen sie fortan gemeinsam. Bei den World Games im Sommer 2022 holten sie dann beide eine Medaille: Johanna in Gold, Anastasia in Bronze. Wenig später wurde Johanna mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. Wenn man dann auch noch hört, dass Johanna gerade erfolgreich ihren Bachelor in Psychologie bestanden hat, kann man das kaum glauben. Die nötige Willenskraft, all das zu schaffen, hat sie sicher auch durch den Sport mitgekriegt, sagt sie. Aber sie erlebt - wie alle Spitzensportler - auch schlechte Phasen. In denen der Körper nicht so mitmacht und alles zu viel zu werden droht. Auch darüber spricht Johanna. Dass es eben nicht selbstverständlich ist, wieder zu gewinnen, nur weil es schon mal gelungen ist. Aber dass das dann eben jeder erwartet. Dass vieles, was leicht und locker ausssieht, das Ergebnis sehr harter Arbeit ist. Und dass es manchmal schon ein sehr großer Erfolg ist, einfach nur dabei zu sein.

  • Oct 29, 2025 · 26 min

    Folge 132: Herbstblues und Schwimmerschnupfen

    Da können die Blätter noch so hübsch bunt sein, wenn es jetzt tagsüber immer dunkler wird, kriegt man einfach den Herbstblues. Kann man ja was gegen machen, sich bewegen und schwimmen gehen zum Beispiel - blöd nur, dass der Herbst häufig nicht nur trübe ist, sondern auch ganz schön ansteckend. Und so hat sich eine von uns prompt Corona eingefangen und das Einzige, was noch läuft, ist die Nase! Was nutzt es also, lauter gute Tipps gegen schlechte Herbsttimmung zu kennen, wenn man sie nicht anwenden darf? Weil man sich, auch wenn die schlimmsten Symptome langsam abgeklungen sind, eben nicht einfach ins Schwimmbad stürzen kann? Das macht ganz schön schlechte Laune und da macht Eine von uns auch keinen Hehl draus - während die andere von bunten Blättern und leuchtenden Fahrradwesten schwärmt … Aber wie ist das eigentlich - kann man mit Erkältung tatsächlich nicht schwimmen gehen? Auf jeden Fall nicht in der akuten Phase! Zu groß ist die Gefahr, dass durch die Anstrengung - derf Körper kämpft gegen Viren und soll sich gleichzeitig auch noch im kalten Wasser behaupten - das Herz in Mitleidenschaft gezogen wird. Deshalb gilt sowieso immer: Bei erhöhter Temperatur oder Fieber: Schwimmverbot! Wenn die akute Phase vorbei ist, gilt die so genannte „Nackenregel“. Also: Wenn die Nase noch ein bisschen (!) läuft, sonst aber alles okay ist, kein Kratzen im Hals oder gar Husten, und man sich auch ansonsten wieder ganz wohl fühlt, kann man es probieren. In allen anderen Fällen sollte man nach Abklingen der Symptome unbedingt ein bis besser zwei Wochen warten, bevor man wieder ins Becken springt. In jedem Fall gilt: Nach einer Erkältung, einem grippalem Infekt oder einer Grippe ist es wichtig, es langsam angehen zu lassen. Nicht gleich wieder alles dran setzen, um die lahme Ente vor einem zu überholen, nicht gleich wieder tausende Meter und auch nicht unbedingt gehen, wenn alle gehen! Denn man hat nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern auch für die anderen. Wer möchte sich schon gern im Schwimmbad anstecken? Und ja, das Wasser ist gechlort. Aber Chlor zerstört diese kleinen Mikroorganismen eben nur langsam. Auf jeden Fall - vorher und nachher viel trinken und nach dem Schwimmen auf keinen Fall in die Sauna oder in den Whirlpool. Besser einfach hinlegen und sich ausruhen. Ganz unabhängig davon gibt es übrigens auch den berühmten Schwimmerschnupfen, ausgelöst durch Chlor, Pollen oder andere Stoffe im Wasser. Auch der kann der Beginn einer Erkältung sein. Leistungsschwimmer:innen sind übrigens ebenfalls nicht vor Erkältungen oder grippalen Infekten gefeit, auch wenn man meinen könnte, sie seien abgehärtet. Im Gegenteil - sie kann es im Herbst und Winter leider auch so richtig erwischen. Der Corona-Test ist übrigens mittlerweile negativ - die Schwimmbecken der Stadt müssen trotzdem noch eine Zeit auf eine von uns verzichten. Besser erstmal kein Risiko eingehen! Auch wenn das die Stimmung trübt.

  • Oct 22, 2025 · 40 min

    Folge 131: Oben mit statt oben ohne

    Sie steht für Erotik, Hygiene und Schnelligkeit. Und doch ist sie ein wenig aus der Mode gekommen: die Badekappe. Dabei hat sie eine äußerst farbenprächtige Vergangenheit. Über die und die Bedeutung der Badekappe heutzutage reden wir in dieser Folge mit Holger Kreitling. Holger ist Reakteur bei der Zeitung „Die Welt“, aber auch regelmäßig Autor für die Zeitschrift mare. Und als solcher hat er kürzlich einen Artikel über die Geschichte der Badekappe geschrieben und dafür ausgiebig recherchiert. Eigentlich war die Badekappe - oder besser: Badehaube - vor allem ein Frauending. Denn als die Seebäder im 19. Jahrhundert in Mode kamen, gehen die Männer zwar oben ohne, die Frauen aber mit Hüten, Hauben oder Haarnetzen ins Wasser. Nicht nur, um die Frisur zu schonen - nein. Haare galten als Erotiksymbol, sie mussten, genauso wie der Rest des Körpers, vor fremden Blicken geschützt werden. Wir reden von einer Zeit, in der das öffentliche Ausziehen eines Strumpfes Frauen ins Gefängnis bringen konnten! Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es Badekappen aus Wolle, Seide oder später auch aus Gummi, nachempfunden den damals sehr populären Fliegermützen, mit Riemen unterm Kinn. Bei den Olympischen Spielen 1920 in Antwerpen tragen plötzlich alle schwarz-weiße Gummi-Bademützen, denn man hatte gemerkt, dass die Kopfbedeckung die Schwimmer:innen schneller macht. Die Badekappen inspireren wiederum die Mode der 1920er Jahre - nicht wenige Frauen trugen auf Partys glitzernde enganliegende Kopfbedeckungen, die einen durchaus auch an Badekappen denken lassen, erzählt Holger. Wenig später kommt Latex auf den Markt, was die Badekappen noch passgenauer macht. Doch im zweiten Weltkrieg wird Gummi für anderes gebraucht. Die Olympischen Spiele 1940 finden wegen des Krieges nicht statt. Für die amerikanische Rekordschwimmerin Esther Williams zunächst ein Drama, doch am Ende sollte sie diejenige sein, die das Schwimmen - und die Badekappe! - zu einem regelrechten Trend machte. Denn nicht nur im Becken, auch auf der Bühne wurde Williams berühmt, drehte insgesamt 14 Aqua-Musicals, immer ist sie die Schwimmlehrerin, umgeben von zahlreichen Nixen mit - Badekappe! Williams ist auch diejenige, die in den amerikanischen Boomjahren nach 1945 für den Bau privater Swimming Pools wirbt, mit großem Erfolg. Die Badekappe wiederum trat auch in Deutschland den Siegeszug an. Mit bunten Mustern und großen Blumen stand sie in den 1950er- und 1960er-Jahren für Verheißung und fröhliche Verkleidung, erzählt Holger. Eine von uns kann sich noch gut erinnern, wie ihre Muttter damit durchs Becken schwamm - den Kopf natürlich immer oben. Unter Wasser damit? Auf keinen Fall! Die Badekappen hatten aber auch noch eine andere Funktion: Die Haare sollten die Filteranlagen in den öffentlichen Bädern nicht verstopfen, deshalb waren Badekappen Pflicht. Erst 1980 wurde diese Vorschrift abgeschafft, die Filter waren deutlich besser geworden. Viele Badende haben aber schon vorher gegen das Tragen der Kappen rebelliert - galten diese doch seit Ende der 1960er Jahre als Zeichen des bürgerlichen Establishments. Wer sich heute in Schwimmbädern umschaut, stellt schnell fest: Badekappen werden vorwiegend von Menschen getragen, die im Verein schwimmen - oder das irgendwann mal getan haben. Weil sie daran gewöhnt sind und es oft auch cooler finden. Weil Kappen einen Wiedererkennungswert haben, oft steht der name des Teams oder des Vereins da drauf - so wie auf unseren Kappen „Chlorgesänge“. Ute und Martina schwimmen - vermutlich als Einzige ;-) - aber auch in Seen und im Meer mit Kappe. Weil sie vor Ohrenentzündung schützt. Und man von Booten besser gesehen wird. Holger selbst trägt übrigens keine Badekappe beim Schwimmen, egal wo. Als kleines Geschenk für seine Zeit hat er sich trotzdem eine Chlorgesänge-Badekappe ausgesucht. Eins unserer beiden neusten Modelle, in gelb. Und sie sogar gleich anprobiert!

  • Oct 15, 2025 · 28 min

    Folge 130: Rainbow Swim

    Diesmal sind wir in Marzahn - in der Schwimmhalle am Helene-Weigel-Platz, beim internationalen queeren Schwimmevent Rainbow Swim mit knapp 170 Teilnehmenden aus 10 Ländern und 22 Vereinen. Organisiert wurde das Ganze vom Schwimmclub Berliner Regenbogenforellen und dort maßgeblich von Michael Puhl. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um uns dort mit unserem Podcast zu präsentieren, haben eine kleine Tombola veranstaltet - dankenswerterweise unterstützt von Buddyswim - und viele sehr nette Menschen kennengelernt. Überhaupt war das Ganze sehr entspannt - was nicht heißt, dass nicht auch hart um Medaillen gekämpft wurde! Das 50-Meter-Becken war den ganzen Tag belegt mit Einzel- und Staffelwettkämpfen in allen Disziplinen, wer wollte, konnte sich aber auch beim 50 Meter Badewannen-Schwimmen messen oder am Schluss außerhalb der Wertung an der Fun-Staffel teilnehmen. Auch in der Vorhalle ging es munter zu, auf englisch, spanisch, französisch und natürlich auch auf deutsch und nachdem der erste Hauptgewinn - eine Schwimmbrille! - gezogen wurde, war auch an unserem Stand jede Menge los. Wir haben natürlich die Gelegenheit genutzt, Michael Puhl zu uns zu bitten, um über die Idee des Wettbewerbs zu sprechen.Mitmachen am Rainbow Swim kann jeder und jede, der/die in einem Verein schwimmt, eine Mindestzeit ist aber nicht erforderlich. Ein Jahr Vorbereitungszeit braucht man mindestens für so einen Wettkampf, erzählt Michael, vor allem, weil er für das Event nicht nur eine Schwimmhalle, sondern auch ein Rahmenprogramm organisieren wollte. Die Kampfrichter werden zum Glück vom Berliner Schwimmverband gestellt, das sei das Einfachste, so Michael. Aber auch Angestellte der Berliner Bädebetriebe müssen vor Ort sein. Immerhin wurde die Halle umsonst zur Verfügung gestellt. Interessante Information in diesem Zusammenhang: Es gibt nicht viele Hallen in Berlin, die wettkampftauglich sind - und auch nicht alle, die frisch saniert werden, werden dabei dann wettkampftauglich gemacht. Rekorde werden hier heute nicht geschwommen - aber dabei geht es beim Rainbow Swim auch nicht. Schnell sind viele Teilnehmende trotzdem, wir wären da sicher nicht in der ersten Reihe! Die älteste Teilnehmerin ist immerhin 87 Jahre alt, die jüngste 21. Spürbar ist die große Wertschätzung in der Halle, die wirklich allen entgegen gebracht wird, immer wieder gibt es lebhaften Applaus. Michael hat das Turnier nicht nur mit vielen Helferinnen und Helfern organisiert, er ist auch aktiv bei den Regenbogenforellen (Chlorgesänge Folge 37) und selber bei den Wettkämpfen mitgeschwommen: 50 Meter Delphin. Aber zufrieden sei er nicht mit seiner Zeit, erzählt er uns. Eine halbe Stunde später treffen wir ihn dann nochmal am Beckenrand. Und er reckt uns stolz seine Goldmedaille entgegen! Fazit: Er und wir und auch alle anderen sind sehr zufrieden, wie der Rainbow Swim gelaufen ist. Wiederholung nicht ausgeschlossen. P.S. Wir reden in der Folge davon, dass das Schwimmbecken ein paar Zentimeter zu kurz sei für offizielle Wettkämpfe - das war auch tatsächlich lange so. Mit der letzten Sanierung wurde das Problem aber behoben: Das Becken ist nun exakt 50 Meter lang!

  • Oct 8, 2025 · 32 min

    Folge 129: Blind Vertrauen

    Diesmal geht es um Menschen, für die es sehr schwer ist, schwimmen zu lernen. Und denen es zusätzlich auch noch schwer gemacht wird: Menschen, die blind sond oder eine starke Sehbeeinträchtigung haben. Zu Gast ist Julie Rühberg, die als Sportlehrerin im Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte in Hamburg arbeitet. Und dort blinden und sehbeeinträchtigten Kindern das Schwimmen beibringt. Keine leichte Aufgabe - denn vor allem von Geburt an Blinde haben überhaupt keine Vorstellung davon, wie schwimmen überhaupt funktioniert. Sie sehen keinen Beckenboden, haben keine Vorstellung von Tiefe und wissen nicht, wo das Becken zuende ist. Wasser in den Augen macht es zusätzlich schwierig, denn gerade weil die Kinder nicht sehen können, ist das für die meisten sehr unangenehm. Hinzu kommt, dass es in Schwimmbädern oft sehr laut ist und es in der Regel sehr hallt. Blinde und sehbeinträchtigte Menschen hören diese Geräusche noch viel stärker als Sehende und können sie viel schlechter filtern. All das macht es für sie schwerer, das Schwimmen zu lernen - aber eben überhaupt nicht unmöglich, sagt Julie. Im Gegenteil - jeder und jede solle diese Chance bekommen, findet sie. Denn nur wer schwimmen kann und mindestens das Bronze-Abzeichen hat, darf dann auch allein ein öffentliches Schwimmbad besuchen. Allerdings - öffentliche Schwimmkurse für Blinde und Sehbehinderte gibt es praktisch nicht. Das Problem: Es gibt viel zu wenig Schwimmlehrer:innen, die darin ausgebildet sind und sich das zutrauen. Und wer einen Verein für blinde und sehbehinderte Schwimmer:innen besuchen will, muss in der Regel vorher schwimmen können. Im Hamburger Bildungszentrum hat man sich deshalb zum Ziel gesetzt, allen Kindern verbindlich Kurse zur Wassergewöhnung und Schwimmvermittlung anzubieten. Das Ziel: Wenigstens das Seepferdchen, wenn möglich aber noch mehr. Hilfreich ist, dass die Schule ein eigenes Therapieschwimmbecken auf dem Gelände hat, man buche aber auch Wasserzeiten bei den öffentlich Bädern, erzählt Julie. Zunächst gehe es darum, sich nicht nur an das Wasser zu gewöhnen, sondern auch die Umgebung abzutasten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo man sich eigentlich bewegt. Das Schwimmenlernen selbst finde in lauter kleinen Abschnitten statt, mit geführten Bewegungen und ganz viel Halt. Nicht nur die Kinder genießen das - auch die Eltern sind oft erstaunt, weil sie das ihren Kindern oft gar nicht zugetraut haben. Julie ist mit großem Engagement bei der Sache. Nicht nur im Schwimmbecken - sie hofft, dass ihre Schule auch Vorbild für andere sein kann. Und dass die Bäderbetriebe und andere Organisationen merken, wie wichtig es ist, dass wirklich alle Menschen, auch mit Beeinträchtigungen, schwimmen lernen können. Und entsprechende Schwimmlehrer:innen ausbildung. Ein gutes Beispiel ist für sie die Stiftung „Deutschland schwimmt“ - denn die bildet bereits deutschlandweit Inkusionsschwimmlehrer:innen aus.