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Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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  • May 8 · 2 min

    Warum ist der Mond auch tagsüber zu sehen?

    Mond: zentraler Leuchtkörper am Nachthimmel Wir lernen schon als Kinder, dass tagsüber die Sonne scheint und nachts der Mond. Das setzt sich fort bis zu den Symbolen im Alltag. Bei der Heizung zum Beispiel bedeutet "Sonne" Tagesheizung und eine Mondsichel steht für die Nachtabsenkung. So sind wir das gewohnt. Klar ist: Nachts sieht man den Mond besser, da ist er der zentrale Leuchtkörper am Himmel. Allerdings ist er das nicht jede Nacht. Bei Neumond etwa sehen wir ihn nachts nicht. Das liegt nicht nur daran, dass der Mond bei Neumond von der Sonne nicht angestrahlt wird, sondern dass der Neumond nachts so gut wie überhaupt nicht am Himmel steht. Neumond steht tagsüber am Himmel Wenn man sich die drei Himmelskörper Sonne, Mond und Erde vorstellt, steht der Mond bei Neumond in der gleichen Richtung wie die Sonne. Das heißt, die Sonne strahlt ihn, von uns aus gesehen, von hinten an, nicht von vorne. Die Seite des Mondes, die wir sehen, wird nicht angestrahlt, weil der Mond irgendwo zwischen Erde und Sonne steht. Das bedeutet aber auch, dass, wenn der Neumond am Himmel steht, es dann Tag ist – der Mond befindet sich ja grob in Richtung der Sonne, also geht er von uns aus gesehen mit der Sonne auf und unter. Manchmal steht er sogar genau auf einer Linie mit der Sonne, dann haben wir eine Sonnenfinsternis. Eine Sonnenfinsternis kann es deshalb nur bei Neumond geben. Bei Vollmond ist es genau umgekehrt Bei Vollmond steht der Mond auf der Nachtseite der Erde, also auf der Seite der Erde, die gerade der Sonne abgewandt ist. In dieser Situation strahlt die Sonne sozusagen an der Erde vorbei direkt auf die volle Vorderseite des Mondes. Deswegen sehen wir den Vollmond. Dieser Vollmond ist deshalb auch ein Nachtmond; er geht abends auf und morgens unter. Das sind die beiden Extremsituationen: Neumond und Vollmond. Bei Halbmond erreicht er zum Beispiel seinen höchsten Punkt am Himmel morgens bzw. abends. Das bedeutet, er ist dann auch schon vormittags bzw. nachmittags zu sehen. Sichelmond ist überwiegend ein Tagesmond Man kann also sagen: Je voller der Mond, desto mehr ist er in der Nacht zu sehen. Wenn aber der Mond eine Sichel ist, ist er ja schon recht nahe beim Neumond. Das heißt, der Sichelmond ist in der überwiegenden Zeit seines Daseins ein Tagesmond, er ist kein ausgewiesener Nachtmond. Insofern ist – ganz streng genommen – die Mondsichel als Symbol der Nacht nicht ganz richtig.

  • May 5 · 2 min

    Warum heißen manche Seen "Meer" und umgekehrt?

    In Norddeutschland gibt es das Zwischenahner Meer, das Steinhuder Meer und das Engelsmeer – keine Meere, sondern Binnenseen. Und die Nordsee heißt "See" und nicht "Meer". Warum ist das so? Dieses Phänomen gilt nicht nur für das Niederdeutsche, sondern auch für das damit eng verwandte Niederländische. Ganz deutlich wird das beim berühmten Ijsselmeer in Holland. Das heißt nämlich erst Ijsselmeer, seit es ein Binnengewässer ist. Als es zuvor noch eine große Meeresbucht war, hieß es Zuider-Zee – also "Südsee", im Gegensatz zur Nordsee. Woher kommt das? Hat irgendwann irgendwer in grauer Vorzeit gesagt: Wir machen jetzt alles andersrum? Wir spielen verkehrte Welt. Was bisher Meer hieß, nennen wir See und umgekehrt. – Aber so war es wohl nicht. Meer und See: im Gegensatz zum Fluss "stehende" Gewässer Eine Antwort habe ich mal vom Sprachwissenschaftler Thomas Becker aus Bamberg bekommen und finde sie auch ganz einleuchtend. Demnach hatten beide Wörter, Meer und See, ursprünglich die gleiche Bedeutung, nämlich "stehendes Gewässer" – im Gegensatz zum Fluss. Die Bedeutung hat sich erst später ausdifferenziert; dies aber in den Ländern, die an der Küste liegen, anders als bei denen, die sich im Binnenland befinden. In Norddeutschland, den Niederlanden, aber auch im Englischen wurde mit dem Begriff "See" irgendwann nur noch das offene Meer bezeichnet, während in den küstenferneren Gegenden, also auch in Süddeutschland, der Begriff "See" nur noch für Binnengewässer benutzt wurde – vielleicht weil der Binnensee im Süddeutschen wichtiger war als das ferne Meer. Ergänzend könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass der süddeutsche Raum näher am lateinischen bzw. romanischen Sprachraum ist, und im Lateinischen bedeutet "mare" nun mal auch Meer.

  • April 30 · 2 min

    Wie hoch können Fliegen fliegen?

    Höhenrekorde kosten unnötig Kraft und Energie Bis in welche Höhe Fliegen in der Natur fliegen, ist offenbar noch nicht systematisch erforscht und es gibt ja auch sehr viele Arten von Fliegen. Aber die Frage, wie hoch Fliegen fliegen können, stellt sich in der Natur gar nicht, weil Fliegen keinen Anlass haben, die Extreme auszuprobieren. Für eine Fliege besteht kein Anlass, hoch hinaus zu fliegen, was soll sie dort? Es kostet nur unnötig Kraft und Energie, und da oben gibt es nichts zu fressen. Da besteht nur die Gefahr, dass sie selbst von Vögeln oder nachts von Fledermäusen gefressen werden. Deshalb halten sich Fliegen, wie die meisten Insekten, eher dicht über dem Boden auf, wo sie sich auch orientieren. Und wenn sie Strecke fliegen, behalten sie meist einen gewissen Abstand zum Boden. Fliegen oder sich wehen lassen: Unterschiede im Reich der Insekten Ich habe den Insektenkundler Lars Krogmann gefragt, wie es sich mit dem Fliegen in die Höhe bei Insekten verhält. Er unterscheidet zwischen dem aktiven Hoch-Fliegen und dem passiven "Sich-Hochwehen-Lassen". Ganz kleine Insekten – die man auch Luftplankton nennt – können noch in 8.000 Metern gefunden werden und z.T. überleben. Aber sie fliegen dort nicht gezielt hin, sondern werden von entsprechenden Winden erfasst. Anders ist es bei wandernden Insekten; Wanderheuschrecken zum Beispiel. Die nutzen diese Winde gezielt aus und lassen sich dadurch schon mehrere hundert Meter hochziehen. Hummeln am Mount Everest Zu den wenigen Insekten, zu denen es wirklich systematische Untersuchungen bezüglich der Flughöhe gibt, gehören Hummeln. Man hat in China Hummelnester noch in 4.400 Metern gefunden. Und man hat Hummeln am Mount Everest in 5.600 Metern Höhe fliegen sehen. Es gibt Laborversuche, wo man die Bedingungen in großen Höhen simuliert hat – also eine künstliche Atmosphäre hergestellt hat mit entsprechend wenig Sauerstoff und niedrigem Luftdruck. Da haben die Hummeln noch Bedingungen ausgehalten, die denen von 9.000 Metern Höhe entsprechen – und sie haben das nicht nur überlebt, sondern konnten in dieser künstlichen Atmosphäre auch aktiv fliegen.

  • April 28 · 3 min

    Warum sind wir kitzlig?

    Das Kitzeln ist offenbar ein soziales Phänomen, aber es ist auch eine der Fragen, auf die die Wissenschaft zwar ein paar Erklärungsmodelle gefunden hat, aber keine eindeutige Antwort. Was uns ja oft gar nicht klar ist: Kitzeln ist nicht gleich Kitzeln. Da haben Psychologen schon im 19. Jahrhundert zwei Formen unterschieden, nämlich: Knismesis und Gargalesis. Knismesis: unangenehmer Reiz Knismesis ist das Kitzeln, wenn einem z. B. eine Fliege über die Haut krabbelt. Manche kennen es auch, wenn sie mit einer elektrischen Zahnbürste das Zahnfleisch massieren und dann die Lippen so vibrieren, dass es unangenehm kitzelt. Das ist Knismesis: Ein Kitzeln, das eindeutig unangenehm ist und bei dem man auch überhaupt nicht in die Versuchung kommt zu lachen. Dieses "Kitzligsein" zu erklären ist an sich nicht so schwer: Es ist praktisch eine Vorstufe zum Schmerz: Wir spüren einen Reiz, der unangenehm ist, aber da vom Reiz keine wirkliche Bedrohung ausgeht, verbucht ihn unser Gehirn nicht als Schmerz, aber doch als lästig. Gargalesis: ambivalente Gefühle Demgegenüber bezeichnet Gargalesis jenes Kitzeln, bei dem wir dieses ambivalente Gefühl haben. Jemand kitzelt uns, wir versuchen einerseits auszuweichen, andererseits müssen wir schon ein bisschen lachen. Es gibt auch bestimmte Körperstellen, an denen wir besonders kitzlig sind. Da ist die Erklärung schon kniffliger. Was soll das? Wenn Wissenschaftler das erklären wollen, fragen sie zunächst: Was macht das Phänomen des Kitzelns aus? Da fallen ein paar Besonderheiten auf: Schon kleine Babys reagieren aufs Kitzeln, indem sie lachen. Das weist darauf hin, dass es eine sehr tief in uns verankerte Form der Kommunikation ist. Das wiederum legt die Vermutung nahe, dass über das Kitzeln auch eine starke emotionale Bindung kommuniziert wird. Es fällt auf und legt den gleichen Schluss nah: Auch Affen und andere Tiere sind kitzlig; und auch bei Affen kann man eine Reaktion beobachten, die dem Lachen sehr nahekommt. Kitzeln: "Angriff" ohne Gefahr In welchen Situationen lachen wir sonst? Zum Beispiel, wenn wir einen Witz hören. Da wird das Lachen durch einen Überraschungseffekt ausgelöst, durch etwas Unerwartetes, was einer Situation eine neue Wendung, einen neuen Kontext gibt. Und das passiert auch beim Kitzeln: Ich löse bei jemandem einen Reiz aus, der zunächst unangenehm ist, ich dringe in gewisser Weise in die Intimsphäre ein. Gleichzeitig ist durch den gesamten Kontext der Beziehung klar: Das ist kein Angriff, sondern liebevoll gemeint. So lässt sich vermutlich das Lachen deuten. Vermutung der Evolutionspsychologie: erst das Kitzeln, dann das Witzeln Weil nun aber Affen und Babys nicht sprechen können, hegen manche Forscher sogar die weitergehende Vermutung, dass dieses Lachen, mit dem wir auf das Gekitzelt-werden reagieren, ein evolutionärer Vorläufer des "humorigen" Lachens ist. Affen können sich keine Witze erzählen, sie können nur miteinander spielen. Wenn wir also heute über Witze lachen, dann hat sich dieses Lachen möglicherweise aus dem Kitzel-Lachen heraus entwickelt. Kurz: Erst das Kitzeln, dann das Witzeln. Aber das ist, wie so vieles in der Evolutionspsychologie, bisher nur eine unbewiesene Vermutung.

  • April 24 · 2 min

    Wozu sind Augenbrauen da?

    Augenbrauen verhindern, dass Schweiß in die Augen kommt Es gibt zwei mögliche Gründe: Zum einen verhindern Augenbrauen, dass einem der Schweiß von der Stirn direkt ins Auge läuft. Das ist wohl die wichtigste Funktion. Für unsere Vorfahren in Afrika, die in der Hitze der Savanne viel herumgerannt sind oder gekämpft haben, war das wichtig. Denn wenn einem der Schweiß in die Augen tropft, ist das hinderlich. Und wenn man sich im falschen Moment den Schweiß aus den Augen wischt, kann es tödlich sein. Augenbrauen: Die Stelle, wo der Mensch Haare dazubekommen hat Tatsächlich scheinen sich Augenbrauen erst entwickelt zu haben, als der Mensch die afrikanische Savanne erobert hat, denn unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, haben über dem Auge keine ausgeprägte Behaarung. Und das fällt auf: Eigentlich sind weniger behaart als Schimpansen, nur über dem Auge sind Haare dazugekommen. Der Schimpanse hat dafür etwas anderes, was die Menschen kaum noch besitzen, nämlich sogenannte Überaugenwülste. Dort, wo wir die Augenbrauen haben, stehen beim Affen – und das war auch noch beim Neandertaler so – die Knochen ein wenig heraus, sodass über den Augen die Stirn ein bisschen vorspringt. Sind Augenbrauen Ersatz für die Überaugenwülste? Damit ergibt sich eine zweite mögliche Erklärung: In der menschlichen Kommunikation spielt Mimik eine große Rolle. Wir drücken über die Augenbrauen viele Gefühle aus. Wenn wir mürrisch sind, ziehen wir sie zusammen; sind wir freudig überrascht, ziehen wir die Brauen hoch. Und ganz ähnlich kommunizieren Affen mit ihren Überaugenwülsten. Der frühe Mensch hat diese markanten Wülste über den Augen verloren, weil das Gesicht im Lauf der Menschwerdung immer flacher geworden ist. Möglicherweise sind also Augenbrauchen ein Ersatz für die Überaugenwülste beim Affen bzw. beim Neandertaler. Sie tragen gewissermaßen dazu bei, dass die Mimik besser erkennbar ist. Aber das sind alles Vermutungen – beweisen lassen sie sich kaum.

  • April 23 · 2 min

    Warum herrscht bei schlechtem Wetter Tiefdruck, bei schönem Wetter Hochdruck?

    Luftdruck: Ergebnis von Luftbewegungen Der Luftdruck ist im Wesentlichen ein Ergebnis von Luftbewegungen. Dabei kommt es vor allem darauf an, ob ich mich an einer Stelle befinde, wo Luft absinkt, oder an einer Stelle, wo Luft aufsteigt. Über uns ist ja eine kilometerdicke Luftsäule. Wenn ich an einem Ort bin, wo die Luft absinkt, dann drückt die gesamte Atmosphäre über mir mit ihrem ganzen Gewicht nach unten. Dadurch ist der Luftdruck dann hoch. Steigt die Luft dagegen auf, führt das zu niedrigem Druck – die aufsteigende Luft wirkt wie eine Entlastung. Das heißt, Hoch- oder Tiefdruck ist vor allem eine Frage von aufsteigenden oder sinkenden Luftmassen. Tiefdruckgebiete am Äquator Dort dort, wo die Luft aufsteigt, regnet es eher. Nehmen wir als extremes Beispiel die Äquatorgegend. Was passiert da? Dort steht die Sonne im Zenit, hat also die stärkste Strahlkraft. Wenn sie vormittags runterbrezelt, heizt sie erst mal die bodennahen Luftschichten auf. Nun steigt warme Luft bekanntlich auf. Aufsteigende Luft bedeutet Tiefdruck – deshalb haben wir am Äquator ein ständiges Tiefdruckgebiet. Dann geht die Geschichte weiter: Die Luft steigt auf und kühlt dabei ab. Irgendwann schließlich erreicht sie eine Höhe, wo es so kühl ist, dass die Feuchtigkeit in der Luft kondensiert und sich Wolken bilden. Dann kommt es zu den starken Regenfällen, die wir aus den Tropen kennen. Das ist der Zusammenhang: Tiefdruck = Luft steigt auf, Feuchtigkeit kondensiert, es regnet. Sahara: ständiges Hochdruckgebiet Da ist es genau umgekehrt, da sinken die Luftmassen. Je tiefer sie sinken, desto mehr erwärmen sie sich. Und je mehr sie sich erwärmen, desto trockener werden sie – deshalb heißt Hochdruck in der Konsequenz: Trockene Luft, wenig Wolken, viel Sonne. Das Extrembeispiel sind die natürlichen Wüstengegenden der Erde – also etwa die Sahara – das ist im Grunde ein ständiges Hochdruckgebiet. Wir hier in Mitteleuropa dagegen sind in einer Gegend, wo wir beides in schöner Abwechslung haben: mal Hoch, mal Tief. Eigentlich ja ganz lustig, denn ohne diesen Zusammenhang gäbe es das Wort Stimmungsbarometer auch gar nicht. Aber so ist es tatsächlich: Zeigt das Barometer Hochdruck an, ist Sonne zu erwarten – und damit steigt tendenziell auch die Stimmung.

  • April 15 · 4 min

    Was ist der Unterschied zwischen Obst und Gemüse?

    Diese Frage ist mit einem interessanten Phänomen verbunden: Wir haben schon im Kindesalter relativ schnell gelernt, intuitiv Obst und Gemüse zu unterscheiden – und trotzdem wissen die meisten Erwachsen gar nicht,was genau der Unterschied ist. "Intuitive Biologie": Suche nach Ordnung in der belebten Natur Dies passt zu einem Befund in der Kognitionswissenschaft, wonach unser Gehirn über eine "intuitive Biologie" verfügt. Wir sind darauf programmiert, in der belebten Natur eine Ordnung zu suchen. Zu den ersten Dingen, die kleine Kinder lernen und an denen sie Spaß haben, zählen die Geräusche von Tieren. Die Kuh macht Muh, der Esel I-Ah und so weiter. Das lernen sie mit Begeisterung, obwohl für die meisten Stadtkinder Kühe und Esel überhaupt nicht zu ihrem Alltag gehören. Kinder lernen auch ganz früh biologische Kategorien: Es gibt Fische, es gibt Vögel, und innerhalb der Vögel gibt es Tauben, Raben, Enten, usw. Obst und Gemüse sind keine Pflanzengattungen Das Besondere ist, dass diese Unterscheidung nichts mit biologischer Taxonomie zu tun hat. Denn Obst und Gemüse sind keine Gattungsbegriffe für bestimmte Pflanzenarten. Wenn man darüber nachdenkt, was der Unterschied sein könnte, fällt einem ein: Obst wird roh gegessen, Gemüse meist gekocht. Das hat nichts mit Biologie zu tun, sondern ist eine Unterscheidung nach dem Kriterium, was man in der Küche damit anfangen kann. Dabei fallen auch sofort Ausnahmen ins Auge: Tomaten, Paprika, Kohlrabi werden oft auch roh gegessen, Gurken werden fast immer roh gegessen. Äpfel wiederum werden, gerade bei Wintergerichten, gerne auch mal mitgekocht. Das kann’s also nicht sein. Was aber dann? Vielleicht, dass es sich bei Obst meist um Früchte handelt, während man unter Gemüse oft die Blätter und Wurzeln der Pflanzen versteht. Aber auch da gelten die gleichen Ausnahmen: Tomaten, Gurken, Paprika, Zucchini würden wir als Gemüse bezeichnen, obwohl es auch Früchte sind. Dieses Kriterium funktioniert also auch nicht so eindeutig. Klare Definition ist schwierig Könnte man sagen, Obst ist süß und Gemüse nicht? Das trifft zwar fast immer zu, aber Karotten zum Beispiel können auch süßlich schmecken, man kann Saft daraus machen. Die haben zwar einen deutlich geringeren Zuckergehalt als Äpfel oder Orangen, aber so ein richtig befriedigendes Kriterium ist das auch nicht. Denn dann müsste man einen bestimmten Zuckergehalt als Grenzwert festlegen und sagen: alles, was drüber liegt, läuft als Obst, alles andere als Gemüse. Das wäre dann ein eher willkürliches quantitatives Kriterium. Gemüse ist häufig einjährig, Obst mehrjährig Es gibt aber noch ein Merkmal, an das die wenigsten Menschen denken: Gemüse sind fast immer einjährige Pflanzen; die halten eine Saison, dann muss neu gesät oder gepflanzt werden. Obst dagegen wächst an Bäumen oder Sträuchern, die mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte lang leben. Auch da gibt es Ausnahmen, aber es sind schon viel weniger: Spargel zum Beispiel wäre ein solches mehrjähriges Gemüse, ebenso Artischocken. Mischdefinition: Entscheidung von Fall zu Fall Tatsächlich benutzen wir in unserem Kopf wohl eher eine Mischdefinition. Wir haben mehrere Kriterien zur Hand und wenn sich mehrere Kriterien widersprechen, dann wägen wir intuitiv ab und entscheiden von Fall zu Fall, was am besten passt. Also: Spargel ist zwar mehrjährig, aber er ist nicht süß und wir essen auch nicht die Früchte, sondern den Trieb – also zählen wir ihn zum Gemüse. Rhabarber ist auch mehrjährig, wir essen den Trieb und kochen ihn sogar – aber er wird süß gegessen, also zählen wir ihn meist als Obst.

  • April 13 · 1 min

    Welches ist der härteste Knochen im menschlichen Körper?

    Felsenbein schützt das Innenohr Es ist ein ziemlich kleiner Knochen, der an einer Stelle sitzt, die man von außen gar nicht sieht, nämlich am Innenohr. Es ist das sogenannte Felsenbein. Es schützt das Innenohr und damit auch das Gleichgewichtsorgan und die Hörnerven. Gerade weil dieser Knochen so klein ist, ist er auch so hart. Denn angenommen, wir stoßen uns den Schädel oder uns haut jemand aufs Ohr, dann soll sich dieser Knochen, der auf engem Raum ganz wichtige Nerven schützt, nicht deformiert werden, da sonst die Nerven abgeklemmt werden – mit allen negativen Folgen für das Gehör oder unser Gleichgewicht. Oberschenkel und Schienbein: weniger hart und damit weniger spröde Es ist ein Trugschluss zu denken, dass die großen, starken Knochen auch die besonders harten sind – Oberschenkel oder Schienbein. Die müssen zwar viel aushalten, aber das tun sie durch Masse. Hinzu kommt: Die Härte eines Materials sagt noch nichts aus über seine Festigkeit. Härte ist die Fähigkeit, einer Verformung standzuhalten, wenn Kräfte von außen einwirken. Und da verhält es sich sogar eher so: Besonders harte Materialien sind gleichzeitig meist auch spröde. Das heißt, sie halten zwar viel aus, aber sie sind dadurch auch unbeweglich. Wenn also doch mal eine starke Kraft einwirkt, brechen sie schneller als weichere Materialien, die dem Druck etwas nachgeben können. Bei Knochen wie dem Oberschenkel oder dem Schienbein wäre es gar nicht so gut, wenn die extrem hart wären, denn dann würden sie bei stärkerer Belastung unter Umständen schneller brechen.

  • March 23 · 2 min

    Wer hat das Skateboard erfunden?

    In den Annalen der Skateboard-Geschichte gibt es niemanden, den man als den einen Erfinder des Skateboards benennen könnte. Interessanter als der Name des Erfinders sind die Hintergründe der Entwicklung: Kalifornien um 1950: Wellensurfen auf der Straße Das Skateboard ist viel älter als ich bisher dachte, denn vor meinen Recherchen hatte ich es Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre verortet. Tatsächlich kam aber die erste Welle bereits in den 1950er-Jahren. Und Welle ist dabei auch das richtige Wort, denn Ausgangspunkt war Kalifornien: Die Idee war, das Wellensurfen auf die Straße zu verlagern. Die ersten Skateboards waren dann auch recht primitiv: Man nahm ein Brett oder eine Holzkiste und montierte darunter die Rollen von Rollschuhen. Das hat funktioniert, aber es gab anfangs doch viele Unfälle. Zweite Skateboard-Welle in den 1970ern Um 1965 kam das Skateboard völlig aus der Mode und verschwand von der Bildfläche. Erst in den 1970er-Jahren kam dann die zweite Welle und damit der eigentliche Durchbruch auch bei uns in Deutschland. Rollen aus Polyurethan und bessere Achsen für das coole Fahrerlebnis Diese zweite Welle hing mit einer technischen Innovation aus der Materialtechnik zusammen. Das Stichwort heißt: Polyurethan. Das ist eine besondere Kunststoffgruppe, von der vor allem in den 1950er-Jahren immer neue Varianten entwickelt wurden – unter anderem das künstliche Hartgummi, aus dem die Skateboard-Rollen bestehen. Dieses Rollenmaterial zusammen mit den entsprechenden Achsen, die auch eine gewisse Beweglichkeit erlauben, machten das coole gleitende Skateboard-Fahren mit all den Manövern, die wir heute kennen, erst möglich. Damit begann dann die zweite große Hochphase des Skateboards in den 1970er-Jahren, die, mit einigen Aufs- und Abs, bis heute anhält.

  • March 20 · 1 min

    Warum sagt man "Schwein gehabt"?

    Der schlechteste Schütze bekommt ein Schwein Bei Schützenfesten gab es früher schöne Preise für den Sieger. Der Zweite und der Dritte bekamen auch noch tolle Preise, Geldpreise zum Beispiel. Derjenige, der der schlechteste Schütze war, bekam auch etwas, nämlich ein Ferkel. Und weil man, obwohl man der Schlechteste war und nichts getroffen hatte, doch etwas bekam, hatte man ja unverdientes Glück gehabt. Das hat man einander dann immer wieder gesagt: "Du, der hat aber Schwein gehabt" und hat darüber eigentlich nur gelacht und gespottet. Aber im Lauf der Zeit hat sich das verselbständigt und man sagte: "Ja, klar, ich hab Schwein gehabt!" Schwein wird zum Glückstier Dann wurden viele Schweinefiguren hergestellt und zu Silvester verschenkt. Und plötzlich war das Schwein zu einem Glückstier geworden. Natürlich auch deswegen, weil es in der landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft des Deutschen Reiches und in vielen anderen Gegenden so weit verbreitet war. Das Schwein war also grundsätzlich etwas eher Positives.

  • March 19 · 3 min

    Hat sich der Frühlingspunkt verschoben?

    Frühlingspunkt ist ein Ort Es ist tatsächlich so, dass sich der Frühlingspunkt gegenüber den Sternbildern verschiebt. Wobei man aufpassen muss: Der Frühlingspunkt ist ein Ort – nämlich der Punkt auf der Erdumlaufbahn, wo sich die Erde zum Frühlingsbeginn befindet. Dieser Punkt verschiebt sich; dieses Jahr am Frühlingsbeginn steht die Erde also nicht genau am gleichen Punkt in ihrer Erdumlaufbahn wie letztes Jahr, sondern ein kleines bisschen zurückversetzt. Und die Folge ist, dass wir jedes Jahr am Frühlingsbeginn von einem anderen Punkt auf die Sonne schauen und sich somit auch die Sonne scheinbar gegenüber den Sternen am Himmel etwas verschiebt. Was sich nicht verschiebt – wenn man mal die Schaltjahre außer acht lässt – ist das Datum. Das heißt, den astronomischen Frühlingsanfang werden wir jetzt und in Zukunft auch weiterhin im März erleben. Aber was sich verschiebt ist der Punkt, wo sich die Erde an diesem Datum befindet. Das klingt ein bisschen widersprüchlich, denn wir haben ja alle gelernt: In einem Jahr dreht sich die Erde einmal um die Sonne. Das stimmt zwar ungefähr, ist aber in unserem Kalender nicht der springende Punkt. Sondern unser Kalenderjahr ist der Abstand von einem Frühlingsbeginn zum nächsten oder von einem Herbstbeginn zum nächsten. Der Grund für diese Lücke ist die Stellung der Erdachse. Frühlingsbeginn ist die berühmte Tag- und Nachtgleiche, wenn die Tage länger werden als die Nächte. Das ist genau der Moment, in dem die Erdachse, wenn man so will, parallel zur Sonne steht. Erdachse ist 23,5 Grad geneigt Die Erdachse ist geneigt. Die steht nicht senkrecht zur Umlaufebene, sondern ist gekippt. Deswegen gibt es ja überhaupt Frühling, Sommer, Herbst und Winter, weil die Erdachse gekippt ist und es deswegen Zeiten gibt, wo die Tage länger bzw. kürzer werden. Diese Erdachse dreht sich ihrerseits, vergleichbar mit einem Kreisel. Wenn man einen Kreisel schief auf eine Tischplatte stellt, dreht sich nicht nur der Kreisel, sondern die Achse selbst rotiert ebenfalls. Diese Präzessionsbewegung der Erdachse braucht fast 26.000 Jahre. Das ist das sogenannte platonische Jahr: In knapp 26.000 Jahren macht die Erdachse, und mit ihr natürlich die ganze Erde, so eine Kreiselbewegung. Das macht jedes Jahr nur ein kleines bisschen aus, aber deshalb ist auch der Punkt, wo die Achse parallel zur Sonne steht – also der Frühlingsanfang – jedes Jahr ein bisschen verschoben. Das kann man ausrechnen, das macht im Jahr 20 Minuten aus. Das heißt, die Zeitspanne von Frühlingsanfang zu Frühlingsanfang ist 20 Minuten kürzer als eine vollständige Umkreisung der Sonne. Und deshalb blicken wir jedes Jahr am Frühlingspunkt von einer etwas anderen Position auf die Sonne. Das "Zeitalter des Wassermanns" Vor 2.000 Jahren stand die Sonne an der Grenze zwischen Fische und Widder, heute steht sie am Frühlingsbeginn klar im Sternbild Fische. Und wenn wir noch ein paar Jahrzehnte warten, wird sie im Frühling im Sternbild Wassermann stehen – das ist dann das berühmte Zeitalter des Wassermanns, das im Musical "Hair" besungen wird. Das heißt, der räumliche Frühlingspunkt verschiebt sich; das ändert aber nichts daran, dass der Frühling nach unserem Kalender immer am 20. bzw. 21. März beginnt.

  • March 17 · 3 min

    Woran erkennt man eine echte Verschwörung?

    In der Regel erkennt man sie gar nicht. Gelegentlich erkennt man sie dann, wenn ihre Zeit schon vorbei ist. Wenn die Verschwörung ihr Ziel erreicht oder eben nicht erreicht hat oder wenn Mitglieder der Verschwörung aussteigen und plaudern. Bündnis, Seilschaft oder Komplott: Beispiel "Andenpakt" Echte Verschwörungen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie meist zwei Dimensionen kleiner sind als man sich Verschwörungen so vorstellt. Man könnte sie dann auch einfach als Bündnis, Seilschaft oder Komplott bezeichnen. So was gibt es schon mal. Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist der berühmte Andenpakt – ein Bündnis einiger damals aufstrebender CDU-Politiker (es waren ausschließlich Männer), die sich mal bei einer Flasche Whisky im Flugzeug das Versprechen gegeben haben sollen, niemals gegeneinander anzutreten oder den anderen zum Rücktritt aufzufordern. Ihr Ziel, dass einer von ihnen Kanzler wird, haben sie aber nicht erreicht; sie konnten Angela Merkel nicht verhindern. Und irgendwann ist dieser Pakt dann auch in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Solche Bündnisse auf Zeit mit konkreten Zielen und einer überschaubaren Zahl von Akteuren kommen gelegentlich vor. Der Andenpakt musste auch nicht viel vertuschen, niemand musste gekauft oder bestochen werden. Es gibt keinen großen Superschurken, der alle unter Kontrolle hat. Obwohl der Andenpakt ein kleines Männerbündnis war, kam er ans Licht. Irgendwer hat halt doch mal gegenüber der Presse geplaudert, und am Ende haben die einzelnen Politiker ihr eigenes Süppchen gekocht. Gescheitert: Donald Trumps Mini-Verschwörung gegen Joe Biden Ein anderes Beispiel: Donals Trump versucht, einen Pakt mit dem ukrainischen Präsidenten zu schmieden, um seinen Rivalen Joe Biden auszuschalten. Und das fliegt schnell auf. Der mächtigste Präsident der Welt und mindestens Multimillionär schafft es nicht, eine solche Mini-Verschwörung richtig durchzuziehen. Das ist die Wirklichkeit. Wenn es also echte Verschwörungen gibt, sind sie überschaubar, brüchig und alles andere als perfekt. Viel Fantasie: Gerüchte und Verschwörungsmythen Ganz im Gegensatz dazu stehen all die großen Gerüchte und Verschwörungsmythen, die höchstwahrscheinlich auf nichts anderem beruhen als Fantasie. Die erkennt man daran, dass, wenn sie wirklich wahr wären, Hunderte, ja, Tausende von Menschen mit drinsteckten, weil sie von einem Superbösewicht gekauft und bestochen sein müssten – alles willige Marionetten, von denen niemand eigene Interessen verfolgt oder gar ein eigenes Gewissen hat. Zu perfekt, um realistisch zu sein Überlegen Sie mal: Wie viele Menschen bei der NASA hätten mitspielen müssen, um eine fiktive Mondlandung zu inszenieren? Wie viele skrupellose Menschen hätten sich absprechen müssen, um im Auftrag der CIA die Türme des World Trade Centers zum Einsturz zu bringen? Alle halten dicht, niemand, der nein sagt, alles ist perfekt organisiert und streng geheim – aber dann doch nicht perfekt und geheim genug, als dass nicht ein paar Youtuber der Sache auf die Schliche kommen. Logik bei Verschwörungsmythen: Fehlanzeige Die "Verschwörer" nehmen extreme Kosten und Risiken in Kauf für einen überschaubaren Gewinn. Bill Gates spendet angeblich viele Milliarden Dollar – in der Hoffnung, am Ende Impfstoffe an arme Menschen zu verkaufen? Dann wäre er mal besser Chef von Microsoft geblieben. In Verschwörungslegenden sind alle miteinander verstrickt und verfolgen so diffuse Ziele wie Weltherrschaft und Bevölkerungsdezimierung. In den ganz großen Verschwörungsmythen verfolgen die Akteure in Form von Templer-Orden oder Weltjudentum angeblich schon seit Jahrhunderten ihre Ziele, ohne dass irgendeine konkrete Information davon nach außen gedrungen ist. Und diese Verschwörungsgruppen sind einerseits wahnsinnig gerissen und gleichzeitig so blöd, nicht zu merken, dass das mit der Weltherrschaft bisher nicht geklappt hat und sie sich etwas anderes zu überlegen. Echte Verschwörung kommt ohne Weltmacht-Superschurken aus Woran erkennt man also eine echte Verschwörung? Daran, dass sie genau diese Merkmale nicht hat: In einer echten Verschwörung gibt es keinen Welt-Superschurken. Es sind kurze Bündnisse mit wenigen Akteuren, die alle ihre eigenen Interessen verfolgen. Und wenn die Verschwörung wirklich eine ist und gut ist – dann nehmen sie die Verschwörer auch mit ins Grab.

  • March 17 · 2 min

    Warum ist Glas durchsichtig?

    Glas ist durchsichtig, weil das Licht kaum mit dem Material reagiert. Denn was ist Materie? Materie ist aus Atomen aufgebaut. Atome bestehen aus einem schweren Kern und den Elektronen in den Außenhüllen. Dazwischen ist auf mikroskopischer Ebene unheimlich viel Platz. So wie zwischen den Planeten und der Sonne unheimlich viel Platz ist. Wenn nun eine Billardkugel durchs Sonnensystem fliegt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf einen Planeten trifft, sehr gering. Analog dazu haben die Lichtteilchen – die Photonen – viel Platz, um zwischen den Elementarteilchen "durchzuflutschen". Ganz so einfach ist es aber doch nicht, denn Lichtteilchen und Elektronen sind eben keine Billardkugeln, die kollidieren oder eben nicht kollidieren, sondern sie sind gleichzeitig auch Wellen, die schwingen, und das in einer bestimmten Weise, mit einer bestimmten Frequenz. Blech: Licht wird schon an der Oberfläche von der Materie geschluckt Wenn z.B. ein Stück Blech das Licht nicht durchlässt, dann liegt das daran, dass die Elektronen und somit die Atome im Blech auf die Schwingung der Lichtwellen reagieren. Sie lassen sich von der Schwingung "mitreißen" und werden "angeregt". Das bedeutet aber auch, dass ein großer Teil der Energie vom Licht auf die Atome übergeht. Praktisch bedeutet das, dass das Licht schon an der Oberfläche von der Materie geschluckt wird. Moleküle in Glas reagieren kaum auf Schwingungen der Lichtwellen Bei Glas ist es anders: Glas besteht hauptsächlich aus Quarzsand, aus Siliziumdioxid. Diese Moleküle sind so beschaffen, dass sie auf die Schwingungen der Lichtwellen kaum reagieren. Deshalb behält das Licht seine Energie und geht weitgehend unbeschadet durch die Materie durch. Ein bisschen Licht wird zwar absorbiert; das macht sich aber bei einer dünnen Glasscheibe nicht bemerkbar. Wenn das Glas aber stärker ist, also 10 cm oder einen Meter dick, dann wird das Licht abgeschwächt – genauso wie im Meer das Sonnenlicht auch nur bis zu einer bestimmten Tiefe eindringt; darunter ist es dann dunkel. Außerdem gilt das, was ich zum Glas gesagt habe, nur für die sichtbaren Anteile des Lichts. Die wiederum bilden ja nur einen kleinen Ausschnitt aus dem gesamten Strahlungsspektrum. Für den größten Teil des ultravioletten Lichts dagegen (vor allem für die aggressive UV-B-Strahlung) ist Glas überhaupt nicht durchlässig – deshalb bekommt man ja hinter einer Glasscheibe in der Regel keinen Sonnenbrand.

  • March 16 · 1 min

    Warum laufen Krabben seitwärts?

    Seitwärts sind Krabben schneller Weil es schneller geht. Sie tun es auch vor allem dann, wenn sie schnell sein müssen. Wenn sie Zeit haben, dann bewegen sie sich durchaus auch vor und zurück, aber wenn sie schnell fliehen müssen, dann haben sie es seitwärts leichter. Krabbenbeine: wenig Raum für Bewegung nach vorn Warum das so ist, wird klar, wenn man sich eine Krabbe von unten anschaut. Die Krabbe hat acht Beine, und diese Beine liegen auf beiden Körperseiten eng beieinander. Vergleich man sie mit Säugetieren wie etwa einem Hund oder einem Tiger, sieht man: Deren Vorder- und Hinterbeine sind weit auseinander und kommen sich beim Rennen nicht in die Quere. Bei der Krabbe setzt ein Bein hinter dem anderen an; die würden sich beim schnellen Laufen sehr wohl in die Quere kommen. Der seitliche Abstand ist größer, also der Ansatz der jeweils linken und rechten Beine liegt weiter auseinander, insofern können die seitlich schneller laufen. Was auch daran liegt, dass die "Gelenke", wenn man so will, seitwärts zeigen. Unsere Knie zeigen nach vorne, das ist unsere Laufrichtung, die Beine der Krabbe sind aber nach rechts und links orientiert. Machen Sie den Krabbentest! Machen Sie doch mal Folgendes: Spielen Sie mit Ihren beiden Händen auf dem Tisch Krabbe. Legen sie also beide Hände jeweils in entgegengesetzter Richtung auf den Tisch, sodass sich die Handgelenke noch berühren: Die Handinnenflächen zeigen nach unten, die Finger der rechten Hand zeigen nach rechts, die linken Finger nach links. Diese Finger sind jetzt mal ihre Krabbenbeine. So. In welche Richtung könnten Sie sich als Krabbe jetzt leichter bewegen?

  • March 13 · 1 min

    Warum darf man mit Schneeketten nur 50 km/h fahren?

    Das hat der Gesetzgeber vor allem aus Eigeninteresse so vorgeschrieben. Es gibt für die Vorschrift zwei Gründe: Die Fahrbahn soll geschont werden. Die harten Schneeketten belasten den Fahrbahnbelag viel stärker als ein Gummireifen. Je schneller die Autos fahren, desto mehr Druck und Reibung wird auf die Fahrbahn ausgeübt. Die Fahrsicherheit. Schneeketten kommen dort zum Einsatz, wo es durch Schnee und Eis ohnehin schon besonders rutschig ist. Bei Schnee und Eis ist der Bremsweg, verglichen mit einer trockenen Fahrbahn, um ein Vielfaches höher. Mit Ketten fährt es sich zwar griffiger, aber trotzdem können die Ketten den verlängerten Bremsweg nicht wettmachen. Die Geschwindigkeitsbeschränkung soll also die Verkehrssicherheit erhöhen.

  • March 12 · 2 min

    Warum knirscht Schnee?

    Schnee enthält viel Luft Zwei Effekte spielen hier eine Rolle: Frischen Schnee treten Sie ja richtig zusammen. Das heißt, der Schnee enthält ziemlich viel Luft und wenn Sie drauftreten, drücken Sie die Luft raus. Deshalb lässt sich der Schnee ja zusammendrücken, wenn Sie zum Beispiel einen Schneeball formen. Sie drücken dann die Luft heraus und ein Geräusch entsteht. Aber das ist noch nicht das Entscheidende, denn wenn es nur die Luft wäre, dann müsste ja ein normaler Haushaltsschwamm ebenfalls so ein Geräusch machen, wenn Sie auf ihn treten. Das tut er aber nicht. Eiskristalle zerbrechen hörbar Es kommt also noch etwas hinzu: Schneeflocken sind bekanntlich eine Ansammlung von kleinen Eiskristallen, die lose aneinanderhängen. Nun wissen wir, wie diese Eiskristalle aussehen: Das sind wunderschöne 6-strahlige symmetrische Sternchen. Jedes Eiskristall ist dabei einzigartig; es hat nicht nur diese sechs Strahlen oder Äste, sondern von denen gehen weitere kleine Äste ab und so weiter. Der Schnee, über den wir laufen, enthält somit unzählige von diesen Mini-Mini-Eisästchen. Und wenn wir sie zusammentreten, dann brechen sie. Jedes dieser Ästchen ist zwar mikroskopisch klein und fein, aber wenn Millionen davon brechen, dann machen sie dieses wattige, knirschende Geräusch. Das ist auch der Grund, warum der Schnee besonders laut knirscht, wenn er kalt ist. Dann sind nämlich die Eisästchen richtig steif und fest und brechen umso lauter. Wenn es warm ist, dann werden sie etwas beweglicher und krachen nicht mehr so schön.

  • March 10 · 3 min

    Wie sind die Vogelfedern entstanden?

    Erste Federn wohl vor allem Schutz vor Kälte und Nässe Es ist schwer, hier beweisfähige Aussagen zu treffen, weil von den Tieren, bei denen sich die Federn entwickelt haben, nicht mehr viel übrig ist. Klar ist auf jeden Fall: Die ersten Federn dienten mit Sicherheit nicht zum Fliegen, sondern einige Dinosaurier hatten schon Federn. Das ist in den letzten Jahren vor allem bei Ausgrabungen in China deutlich geworden. Die Federn selbst sind nicht mehr erhalten, aber Weichteilstrukturen aus der Haut, aus denen man ableiten kann, dass die Tiere gefiedert waren. Wobei man sich diese Federn nicht so vorstellen darf wie heutige Vogelfedern, sondern das waren eher Büschel, eine Vorstufe von Daunenfedern. Wenn wir an Daunen denken, dann denken wir an warme Federbetten und das nicht ohne Grund: Daunen halten warm. Und so gehen die meisten Forscher heute davon aus, dass diese ersten Federn vor allem als Wärmeschutz gedient haben. Oder auch dazu – wie heute bei den Wasservögeln – die Haut vor Nässe zu schützen. Federn zum Tarnen und Balzen Vielleicht bekamen diese ersten Federn auch noch ein paar zusätzliche Funktionen, die die Entwicklung vorangetrieben haben. Es könnte z.B. sein, dass sie einem Saurier geholfen haben, sich zu tarnen. Oder dass die Entwicklung dadurch einen Schub bekommen hat, dass sich Federn zu einem Attraktivitätsmerkmal beim Balzverhalten entwickelt haben. Beim Balzen hätten sich dann vor allem solche Männchen durchgesetzt und fortgepflanzt, die ein auffälliges und stark entwickeltes Gefieder hatten – diese Funktion gibt es heute noch beim Pfau. Trotzdem erklärt das nicht, warum sich die Federn so perfekt weiterentwickelt haben, dass irgendwann ein Flugsaurier bzw. ein Vogel damit fliegen konnte. Der Weg zur perfekten Feder führt über viele Zwischenstufen, und die müssen auch einen Vorteil geboten haben. Federn von Vorteil beim Hüpfen und Springen Nehmen wir an, so ein kleiner Saurier, der bereits Federn hat, sitzt auf einem Ast oder einer Anhöhe und springt herunter. Ab einer bestimmten Höhe wird es gefährlich. Aber es wird ein bisschen weniger gefährlich, wenn er seine befiederten Vorderextremitäten ausstreckt und somit den Luftwiderstand erhöht, sodass er einfach etwas weniger heftig am Boden auftrifft. Dieses Prinzip könnte sich dann immer mehr verstärken und denjenigen Sauriern einen Vorteil verschafft haben, die mit ihren Federn der Gravitation am meisten Widerstand entgegenzusetzen hatten. Oder aber – das wäre ein anderes Bild: Es hat bei Sauriern angefangen, die schnell gerannt sind und zwischendurch größere Sprünge gemacht haben. Auch da kann man sich vorstellen, dass bestimmte Federformen größere Sprünge ermöglicht haben. Auch so kann man sich einen Fortschritt zu immer flugfreundlicheren Federn vorstellen. Erklärbar ist es also. Aber wie es genau war, wird man vielleicht nie wissen.

  • March 9 · 2 min

    Was passiert, wenn Gliedmaßen einschlafen?

    Abgeklemmt – Signalübertragung unterbrochen Das Einschlafen von Händen oder Füßen beruht in den meisten Fällen darauf, dass ein Nerv abgeklemmt ist. Dann nämlich ist die Signalübertragung unterbrochen. Die Reize aus der Hand oder dem Fuß kommen nicht mehr im Gehirn an. Oder sie kommen nur bruchstückhaft an. Dann spürt man dieses unangenehme Kribbeln – aber natürlich kribbelt da nichts wirklich, es fühlt sich nur so an. Das ist analog dem Rauschen bei einer schlechten Handy-Verbindung – da rauscht es ja auch nicht wirklich am Ende der Leitung, aber durch die gestörte Verbindung kommt es so an. Wie können Nerven abgeklemmt werden? Das kann verschiedene Gründe haben; wenn zum Beispiel das entsprechende Gelenk abgeknickt ist. Sitzt man längere Zeit im Schneidersitz, tritt das häufiger auf. Bei manchen Leuten passiert das auch, wenn sie zu enge Schuhe tragen. Da hilft dann im Zweifel, die Schnürsenkel zu lösen oder die Schuhe auszuziehen. Häufig kommt so etwas auch von Deformationen an der Wirbelsäule. Zum Beispiel von einem Bandscheibenvorfall. Wenn die Bandscheibe zwischen den Wirbeln herausgestülpt ist, drückt sie auf die Nervenbahnen, die hinter dem Wirbel verlaufen und die Verbindung vom Bein oder vom Arm zum Gehirn darstellen. Das heißt: Ein taubes Gefühl in den Füßen kann auf einen Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich zurückgehen. Bei einem tauben Gefühl in Schultern und Armen wiederum ist die Ursache eher im Hals- und Brustwirbelbereich zu suchen. Ist das auch auf schlechte Durchblutung zurückzuführen? Das kann indirekt auch mal sein. Denn die Nervenzellen werden ja auch von den Blutgefäßen versorgt. An vielen Stellen des Körpers verlaufen Nervenbahnen und Blutgefäße parallel – so ähnlich wie man in einem Haus für Telefonkabel und Stromkabel die gleichen Leerrohre nutzt. Wenn aber Adern und Nerven parallel verlaufen, kann es passieren, dass wenn der Nervenstrang abgeklemmt ist, die benachbarten Blutgefäße gleich mit abgedrückt werden. Das führt dann dazu, dass die Nervenbahnen noch schlechter mit Blut versorgt sind und dann erst recht nicht mehr funktionieren. So was erkennt man dann daran, dass die entsprechenden Gliedmaßen ganz weiß und schlecht durchblutet sind. Im Extremfall ist es dann so – das haben manche Leute in der Nacht – dass man zum Beispiel die Hand nicht nur nicht spürt, sondern auch nicht mehr bewegen kann, weil auch die motorischen Nerven betroffen sind.

  • March 5 · 3 min

    Wie misst man im Flugzeug die Windgeschwindigkeit?

    Wind: Summe aus "wahrem Wind" und Flugwind Ein Flugzeug, das sich mit 800 km/h und mehr durch die Lüfte bewegt, erfährt einen entsprechenden Flugwind. Wie kann ein Fühler am Flugzeug da die äußere Windgeschwindigkeit – den "wahren Wind" messen, der ja viel kleiner ist? Tatsächlich misst ein Windsensor immer nur den "scheinbaren Wind" – die Summe aus "wahrem Wind" und Fahrtwind. Um diesen "scheinbaren Wind" zu messen, sind an der Flugzeugnase sogenannte Staudruckrohre angebracht – das sind Rohre mit Messfühlern am Ende, die den Druck messen, der beim Fliegen auf das Flugzeug wirkt. Dieser Druck verrät die Kraft des scheinbaren Windes. Fluggeschwindigkeit wird mithilfe von GPS ermittelt Auch ein Messfühler, den man am Flugzeug anbringt, kann immer nur den scheinbaren Wind messen, und der wird im Flugzeug vor allem durch den Flugwind von z.B. 800 km/h bestimmt. Trotzdem bekommt man im Flugzeug zum Beispiel mitgeteilt: "Flughöhe: 10.000 Meter, Windgeschwindigkeit: 50 km/h". Dieser Wert lässt sich nur über Umwege errechnen. Und zwar, indem man genau umgekehrt vorgeht: Man ermittelt den scheinbaren Wind und zieht von dem wiederum die Fluggeschwindigkeit ab. Die Differenz zwischen relativer Bewegung durch die Luft und absoluter Bewegung über Grund (auch wieder nach dem Prinzip des Kräfteparallelogramms, nur umgekehrt) entspricht dem Wind, der am Ort des Geschehens tatsächlich weht. Hinter einer scheinbar lapidaren Anzeige “Windgeschwindigkeit 50 km/h” steckt also eine ziemlich aufwändige Rechnerei.

  • March 4 · 1 min

    Was bricht beim Stimmbruch?

    Das Wort ist eigentlich eine Täuschung, denn anatomisch gesehen bricht gar nichts. Es geht auch nichts kaputt, es reißt nichts. Das Einzige, was bricht, ist der Klang. Je länger die Saite, desto tiefer der Ton Was aber passiert nun beim Stimmbruch? Das sind vor allem zwei Dinge: Der Kehlkopf wird in der Pubertät länger und die Stimmlippen wachsen. Die Stimmlippen, das ist das, was schwingt, was den Ton erzeugt. Die wachsen und gehen bei den Jungs auf die doppelte Länge. Und da gelten die gleichen physikalischen Gesetze wie bei einer Gitarren-Saite: Je länger die Saite, bzw. der schwingende Teil der Saite, desto tiefer der Ton. Und wenn die Saite doppelt so lang wird, dann sinkt der Ton um eine Oktave. Das in etwa passiert bei den Jungs. Stimmlippen wachsen nicht gleichmäßig Dummerweise wachsen die beiden Stimmlippen meist nicht gleichmäßig und nicht gleichzeitig. Dadurch kommt es manchmal zu diesem Krächzen oder den plötzlichen Tonwechseln zwischen piepender Kinderstimme und mehr oder weniger sonorer Jugendstimme. Bei den Mädchen übrigens werden die Stimmlippen auch länger, aber nur um etwa 30 Prozent – und deshalb sinkt die Stimme im Schnitt auch nur um eine Terz.