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Artwork for Der Märchendoktor
Kids & FamilyStories for Kids

Der Märchendoktor

Joachim Huber

Wieso macht ein Notarzt nun einen Podcast mit Märchen?

Ganz einfach: schon unsere Kinder waren begeisterte Zuhörer und die oft auch selbst erfundenen Märchen waren so beliebt, dass ich jeden Abend an ihren Bettchen saß und erzählte.

Die Kunst des Geschichtenerzählens habe ich auch auf meinen Reisen in afrikanischen, arabischen und asiatischen Ländern genutzt, um Freunde zu gewinnen, Menschen zu trösten und zu erfreuen.

Märchen als Therapie machen Alt und Jung mutig und gesund!

Durch Märchen werden bei den Zuhörern individuelle Fähigkeiten gestärkt: Zuhören, Empathie und emotionales Erleben, psychische Widerstandskraft, Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauer und Teamgeist, Entdeckerfreude und Fantasie verbessert.

Mir geht es auch darum, bei meinen Zuhörern mit Hilfe von Märchen die eigenen bewussten oder unbewussten inneren Stärken und Schwächen zu erkennen und die „Schwächen“ gezielt zu behandeln.

Märchen sind (das wusste schon Siegmund Freud) ein Spiegelbild unserer Seele - ähnlich wie Träume - Tore zum Unbewussten. Sie erlauben uns auf der symbolischen Ebene innere Wahrheiten zu erkennen und zu erleben.

Märchen, die wir lieben, sagen etwas über unsere Sehnsüchte, Wünsche und Bedürfnisse aus; sie offenbaren uns, mit welchen menschlichen Haltungen wir uns identifizieren, sie weisen uns aber auch darauf hin, welche Probleme wir noch angehen und welche Haltungen wir noch entwickeln müssen.

Ich wünsche meinen Zuhörerinnen und Zuhörern, dass sie staunen, sich ein bisserl gruseln aber, ganz wichtig, Mut bekommen und nicht aufgeben, auch wenn es im echten Leben manchmal sehr schwierig wird.

DAS BUCH ZUM PODCAST"Der Märchendoktor - Märchen, Sagen und Geschichten"Tauchen Sie ein in eine magische Welt voller Weisheit, Fantasie und tiefem Sinn!Dieses liebevoll zusammengestellte Lese- und Hörbuch vereint eine reichhaltige Sammlung aus 52 faszinierenden Sagen, Märchen und Erzählungen,von bekannten Klassikern bis hin zu regionalen Besonderheiten wie der Sagen vom lieben Augustin, vom Attersee oder aus dem Bregenzerwald. 35,00 € - Hier bestellen

inkl. MwSt., kostenloser Versand – Vorbestellung,die Lieferung erfolgt zwischen Anfang und Mitte November 2026, pünktlich vor Weihnachten!

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  • 30 episodes
  • weekly
  • Avg 16 min
  • German
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  • #97
    Sunday · 22 min

    Das Märchen vom lahmen Josef

    Ab 1901 entstand eine Blütezeit der deutsch-jüdischen Kinderbücher.Mit wunderbaren Zeichnungen ausgestattet vermitteln diese Bücher dem jüdischen Kind Geschichten, die es nachvollziehen kann. Einige versuchten, die Schwierigkeiten, Herausforderungen, aber auch Freuden, mit denen ein jüdisches Kind konfrontiert war, zu thematisieren. Der österreichische Kinderbuchautor Siegfried Abeles (1884 – 1937 war Pädagoge, Primärschullehrer.Er arbeitete während des Ersten Weltkriegs für die jüdische Kriegsblindenfürsorge und beschäftigte sich mit der Blindenschrift für die jiddische und hebräische Sprache. Abeles war auch als Inspektor von Kindergärten und Heimen des Vereins der jüdischen Kinderfreunde tätig. Seine Leidenschaft galt der Arbeit mit den Kindern der jüdischen Gemeinde Wiens, die er beim Lernen unterstützte und mit ihren jüdischen Wurzeln verband. Ein Buch von Siegfried Abeles heißt Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt“, es erschien erstmals 1922 und enthält fünfundzwanzig Kindermärchen nach jüdisch-volkstümlichen Motiven. In diesen Geschichten verarbeitete Abeles traditionelle Motive, um jüdischen Kindern ihre Kultur und Wurzeln näherzubringen Heute erzähl ich Euch eine weitere Geschichte aus diesem Buch- das Märchen vom lahmen Josef und wie er geheilt wurde. (Quelle: „Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt“, Taschenbuch - Gansverlag.de).

  • #96
    October 11 · 11 min

    Rodafnou oder die Geschichte von Arodafnoussa

    „Arodafnousa“ (oder auch Rodafnou) ist eine der berühmtesten und am tiefsten verwurzelten traditionellen Volksballaden aus Zypern. Sie stammt aus der Epoche der Frankenherrschaft im mittelalterlichen Zypern (Königreich Zypern, ca. 1192–1489).Der Name leitet sich vermutlich von Rododafni (griechisch für Oleander) ab, was symbolisch für die bittersüße, giftige Schönheit der Liebe steht.Die tragische Geschichte verbindet historische Realität mit romantischer Legende und handelt von Eifersucht, Liebe und Tod.Die Ballade basiert im Kern auf realen Figuren des 14. Jahrhunderts:König Peter I. von Zypern (Lusinjan-Dynastie, regierte 1359–1369).Joanna l'Aleman (im zyprischen Dialekt zu Arodafnousa oder Rodafnou romantisiert), eine Edelfrau, die die Mätresse des Königs war.Königin Eleonore von Aragon, die eifersüchtige Ehefrau des Königs.Die Handlung der Ballade:während König Peter I. im Ausland Krieg führt, nutzt die Königin Eleonore seine Abwesenheit, um sich an seiner Geliebten zu rächen.Die Königin schickt eine List oder lädt Arodafnousa in ihren Palast ein.In blinder Eifersucht sperrt die Königin sie ein und quält sie grausam. In einigen Textversionen wird Arodafnousa in einen kochenden Kessel geworfen.Der König erfährt durch eine Vorahnung oder einen Boten von der Gefahr und reitet so schnell er kann nach Nikosia zurück. Als er ankommt, ist es zu spät: er findet Arodafnousa nur noch tot.Zu Ehren dieser Symbolfigur ist heute das bekannteste Palliativzentrum für Krebspatienten in Nikosia, das „Arodaphnousa“ Palliative Care Centre, benannt.

  • #95
    October 4 · 12 min

    Der Holzfäller und die Schicksalsfrau

    Das zypriotische Märchen gehört zum internationalen Aarne-Thompson-Uther-Index ATU 563-(einer wissenschaftlichen Klassifikation von Volksmärchen) „Die wunderbaren Knaben“ bzw. „Die Geschenke des kleinen Volkes“. In der bekanntesten deutschen Fassung der Brüder Grimm heißt diese Erzählung „Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack“. Die obige Version wurde für Zypern lokalisiert: das klassische „Tischlein“ wurde durch eine typisch zyprische Tonschale ersetzt, die anstelle von deutschem Braten traditionelle Spezialitäten wie Kleftiko und Halloumi zaubert. Der „Knüppel aus dem Sack“ wurde hier zu einem magischen Windstoß aus einer Glasflasche, und anstelle von Feen oder Zwergen tritt eine Moira (eine Schicksalsfrau der griechisch-zyprischen Mythologie) auf.Ein einheitlicher, fester Titel für diese spezifisch zyprische Variante existiert in gedruckten Märchensammlungen selten. Oft wird sie schlicht unter Titeln wie „Die Geschenke der Moira“ oder „Der Holzfäller und die Schicksalsfrau“ geführt. Da der Märchentyp ATU 563 auf der ganzen Welt verbreitet ist, gibt es faszinierende Adaptionen aus verschiedenen Kulturkreisen. Eine besonders schöne und direkte asiatische Variante ist das chinesische Märchen „Der magische Topf“ (oft auch als „Der unerschöpfliche Ostertopf“ oder „Das Geschenk des Drachenkönigs“ bekannt).

  • #94
    September 27 · 7 min

    Das Geschenk des Drachenkönigs

    Jahrhundertelang wurden im chinesischen Teehaus Märchen erzählt, und auch in den abgelegensten Siedlungen war der Märchenerzähler stets willkommen. Die Märchen jedes Volkes spiegeln dessen Lebensweise wider, so der Kampf gegen die Naturgewalten in den bäuerlichen Märchen. Das Geschenk des Drachenkönigs ist ein bekanntes koreanisches Volksmärchen, das Märchen ist auch als „Der magische Topf“ oder als „Der unerschöpfliche Ostertopf“ bekannt.Es erzählt die Geschichte von Shim Cheong, einer treuen Tochter, die sich opfert, um das Augenlicht ihres blinden Vaters wiederherzustellen, und dafür vom Drachenkönig des Meeres belohnt wird.Hier sind die klassischen Elemente – passend zum asiatischen Kulturkreis – völlig neu besetzt: anstelle eines Holzfällers und einer Moira trifft man hier oft auf einen armen, ehrlichen Bauern oder Fischer namens Gopy (oder in anderen Versionen Wang). Statt der Schicksalsfrau tritt hier ein gütiger Wassergeist, ein barmherziger Mönch oder der Drachenkönig des Meeres auf, der die Tugend des Mannes belohnt.Der Mann erhält einen einfachen Tontopf, wenn man etwas hineinlegt – und sei es nur ein einziges Reiskorn oder eine Kupfermünze –, multipliziert der Topf diesen Inhalt unendlich oft, sodass der Bauer und sein Dorf niemals wieder Hunger oder Armut leiden müssen. Der reiche, unbarmherzige Mandarin (ein kaiserlicher Beamter) oder ein gieriger Grundbesitzer erfährt von dem Wunder. Er beschuldigt den Bauern des Betrugs und konfisziert den magischen Topf, um sich selbst unermesslichen Reichtum zu verschaffen. Als der gierige Mandarin den Topf ausprobiert, passiert in vielen Versionen ein Missgeschick: der gierige Beamte fällt vor lauter Neugier selbst in den riesigen Topf hinein. Der magische Topf tut, was er tun muss – er vervielfältigt den Mandarin. Das Chaos im Palast ist perfekt, und der gierige Beamte ist durch seine eigene Habgier gestraft.Josef Guter (* 07.09.1929 - † 16.06.2014) war ein deutscher Buchautor. Komet Verlag, ISBN 978-3898366076

  • #93
    September 20 · 19 min

    Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt

    Ab 1901 entstand eine Blütezeit der deutsch-jüdischen Kinderbücher, mit wunderbaren Zeichnungen ausgestattet vermitteln diese Bücher dem jüdischen Kind Geschichten, die es nachvollziehen kann. Einige versuchten, die Schwierigkeiten, Herausforderungen, aber auch Freuden, mit denen ein jüdisches Kind konfrontiert war, zu thematisieren. Heute erzähle ich Euch eine Geschichte aus dem Buch von Siegfried Abeles „Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt.“ Über den österreichischen Kinderbuchautor Siegfried Abeles (1884 – 1937) ist nicht viel bekannt. Er wuchs als Kind in Nikolsburg (heute: Mikulow, Tschechische Republik) auf Er war Pädagoge, Primaschullehrer, arbeitete während des Ersten Weltkriegs für die jüdische Kriegsblindenfürsorge und beschäftigte sich mit der Blindenschrift für die jiddische und hebräische Sprache. Seine Leidenschaft galt der Arbeit mit den Kindern der jüdischen Gemeinde Wiens, die er beim Lernen unterstützte und mit ihren jüdischen Wurzeln verband. Mit diesem und zwei weiteren Büchern trug er dazu bei, jüdische Kindermärchen als literarische Gattung zu etablieren. Er war mit Sabine Abeles verheiratet, sein 1923 geborener Sohn Norbert wurde 1938 mit einem Kindertransport nach England gerettet. Sabine Abeles wurde 1943 nach Minsk deportiert und Opfer des Holocaust. Abeles starb 1937 im Alter von nur 53 Jahren, nach Angaben seines Sohnes Norbert beging er im Juni 1937 aus Geldmangel mit einem Sprung in den Donaukanal Selbstmord „Wir gedenken des Autors Siegfried Abeles, dessen Worte und Gedanken ein bleibendes Vermächtnis für uns sind. Zichrono livracha – sein Andenken sei uns zum Segen.“ Das wunderbare Büchlein enthält 25 Kindermärchen nach jüdisch-volkstümlichen Motiven und von Victor Kosak illustriert Herausgeber: Gans Verlag Berlin 2022.151 Seiten, kartoniert, Paperback, Euro 20,60.-

  • #92
    September 13 · 16 min

    Jiddische Geschichten - Teil II

    Ab 1901 entstand eine Blütezeit der deutsch-jüdischen Kinderbücher, mit wunderbaren Zeichnungen ausgestattet vermitteln diese Bücher dem jüdischen Kind Geschichten, die es nachvollziehen kann. Einige versuchten, die Schwierigkeiten, Herausforderungen, aber auch Freuden, mit denen ein jüdisches Kind konfrontiert war, zu thematisieren. Über den österreichischen Kinderbuchautor Siegfried Abeles (1884 – 1937) ist nicht viel bekannt. Er war Pädagoge, Primaschullehrer, arbeitete während des Ersten Weltkriegs für die jüdische Kriegsblindenfürsorge und beschäftigte sich mit der Blindenschrift für die jiddische und hebräische Sprache. Abeles war als Inspektor von Kindergärten und Heimen des Vereins der jüdischen Kinderfreunde tätig. Seine Leidenschaft galt der Arbeit mit den Kindern der jüdischen Gemeinde Wiens, die er beim Lernen unterstützte und mit ihren jüdischen Wurzeln verband. (Quelle: Taschenbuch - Gansverlag.de). Ich erzähl Euch heute „gezund und munter und a maise bunter“- also a` Geschicht rund um das Buch „Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt“ und erkläre einige jüdische Begriffe. Danach erzähl ich Euch vom „Schofar Macher“ Aron Feitwel, er fertigt traditionell aus dem Horn eines Widders das Blasinstrument, das vor allem zum jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana und zum Versöhnungstag Jom Kippur geblasen wird. Rosch ha-Schana beginnt heuer am Freitag, den 11. September, bei Sonnenuntergang und endet am Sonntag, den 13. September, nach Einbruch der Dunkelheit, es ist der Beginn des jüdischen Jahres 5787.Die Jahreszählung beginnt traditionell mit der Schöpfung der Welt. Das gregorianische Jahr 2026 fällt größtenteils mit dem jüdischen Jahr 5786 zusammen. Man wünscht sich gegenseitig „Schana towa u'metuka“- („Ein gutes und süßes Jahr!“) – passend zu dem Brauch, Äpfel in Honig zu tunken. Runde Challa: Das festliche Brot ist rund geformt, um den Kreislauf des Jahres zu symbolisieren. Taschlich: Sünden werden symbolisch bei einem Spaziergang an fließendem Wasser durch das Auswerfen von Brotstückchen abgeworfen.

  • #91
    September 6 · 18 min

    Märchen aus der Schweiz

    «Die drei Raben» ist ein bekanntes Volksmärchen, das in einer Schweizer Fassung sowie in der Urfassung der Brüder Grimm (1812) überliefert ist. Eine Mutter verflucht ihre drei Söhne im Zorn (oder in einer anderen Version der Vater), weil diese sonntags während der Kirche Karten gespielt haben. Die Söhne werden sofort in kohlschwarze Raben verwandelt. Das treue Schwesterchen vermisst seine Brüder. Es macht sich ganz allein auf eine lange, beschwerliche Reise, um sie zu erlösen. Unterwegs trifft das Mädchen auf eine gute Fee, die ihm den Weg zu den verzauberten Brüdern zeigt. «Goldig Betheli und Harzebabi» ist ebenfalls ein berühmte Schweizer Volksmärchen - die traditionelle Schweizer Variante zum Märchen „Frau Holle“ der Gebrüder Grimm.Das Märchen folgt dem klassischen Motiv der ungleichen Schwestern: das Betheli (Elisabeth) ist das fleißige, brave, aber vernachlässigte Stiefkind, das in Lumpen gehen und ununterbrochen spinnen muss. Das Babi (Barbara) ist das leibliche, faule und verwöhnte Kind der bösen Stiefmutter. Als Betheli seine Spindel (sein Wirtli) verliert, muss es in einen tiefen Brunnen steigen. Dort gelangt es in eine magische Welt. Weil das Mädchen zu den sprechenden Hunden und wunderbaren Kindern auf seinem Weg freundlich und bescheiden ist, wird es reich belohnt – es kehrt übersät mit reinem Gold zurück und wird fortan nur noch das „goldig Betheli“ genannt.Das Harzebabi: als die neidische Stiefmutter ihre faule Tochter Babi hinterherschickt, verhält sich diese den Wesen gegenüber hochmütig und egoistisch. Zur Strafe wird sie komplett mit klebrigem Tannenharz überzogen (daher „Harzebabi“), in anderen Versionen fällt ihr schlicht ein saftiger Kuhfladen auf den Kopf. Quelle: Otto Sutermeister, Kinder- und Hausmärchen aus der Schweiz. Aarau 1873. Nr. 6 und Nr.2.(Willisau, Kt. Luzern).

  • #90
    August 30 · 16 min

    Kurzgeschichten aus der Cholmer Weisheitstradition

    Ich hatte die große Freude als Internist und Kardiologe im 2. Wiener Bezirk auch viele Juden betreuen zu dürfen. Von Ihnen stammt so manche hübsche Geschichte! Jiddische Märchen und jüdische Volkserzählungen verbinden osteuropäischen Humor, Weisheit und religiöse Überlieferungen. Sie handeln oft von armen, gottesfürchtigen Menschen, klugen Rabbinern, Engeln, Dämonen oder sprechenden Tieren und spiegeln die Lebenswelt der aschkenasischen Juden wider. Viele Geschichten vermitteln ethische Lehren aus der jüdischen Tradition (Tora, Talmud und Chassidismus). Sie nutzen oft feinen Witz und Selbstironie, um Armut und schwere Zeiten zu ertragen. Der Schlimazel (vom hebräischen masel für Glück und schlim für schlecht) ist ein chronischer Pechvogel, während der Schlemiel der ungeschickte Tollpatsch ist. Berühmte literarische Beispiele verbinden dieses Pech oft mit tiefem jüdischem Humor und Lebensweisheit. In der jiddischen Folklore ist Cholm das fiktive Dorf der Toren und Schlemiels. Die Weisheit dieser Geschichten liegt darin, dass die Dorfbewohner ihre Probleme mit absurder Logik lösen (z. B. versuchen, das Sonnenlicht in Säcken einzufangen, um das Rathaus zu erhellen).. Der Schlemiel (Der ungeschickte Akteur) ist ein gutmütiger, aber extrem ungeschickter Tollpatsch. Er stolpert über seine eigenen Füße, lässt Dinge fallen oder trifft falsche Entscheidungen. Er ist aktiv für das Chaos verantwortlich. Beispiel: Der Schlemiel ist der Kellner, der im Restaurant stolpert und eine heiße Suppe verschüttet.Herkunft von Schlemiel- ist historisch nicht absolut eindeutig geklärt, aber es gibt zwei sehr starke, anerkannte Theorien: a) Die biblische Theorie: Iin der Tora wird ein Stammesfürst namens Schlumiel ben Zurischaddai erwähnt. Laut jüdischer Midrasch (Überlieferung) war er der Einzige, der bei einer Schlacht beinahe ohne Grund oder durch unglückliche Umstände das Leben verlor, während alle anderen gerettet wurden. b) Die hebräische Wortspiel-Theorie): manche Sprachwissenschaftler führen das Wort auf die hebräische Phrase sche-lo-mo'il zurück. Das bedeutet übersetzt „der, der zu nichts nütze ist“, daraus entwickelte sich im Jiddischen der sympathische, aber unfähige Tollpatsch. Das reale Chełm liegt im Osten Polens und war jahrhundertelang ein bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens und osteuropäischer Gelehrsamkeit. Da die Stadt für ihre Talmud-Gelehrten und tiefgründigen Logiker bekannt war, entstand im 19. Jahrhundert der humorvolle Mythos. Die Geschichten parodieren liebevoll die typisch talmudische Haarspaltung, bei der logische Argumente soweit auf die Spitze getrieben werden, bis sie jeglichen gesunden Menschenverstand verlieren.

  • #89
    August 23 · 12 min

    D’ Sago vom klonno Hirtobüble und am Butz und das Büable und das Meiggele

    Als Vorarlberger erzähle ich Euch heute „a kleale eppas„- etwas über unsere Dialekte. Sie gehören zum alemannischen Sprachraum (ähnlich wie Schweizerdeutsch oder Schwäbisch) und sie unterscheidet sich stark von den bairischen Dialekten im restlichen Österreich. Die Ursprünge unserer Sprache gehen auf die germanische Besiedlung im frühen Mittelalter zurück. Statt des im Hochdeutschen üblichen Wortes „war“ sagt man meist „bin gsi“ (gewesen). Das brachte den Vorarlbergern den scherzhaften Spitznamen Gsi-Berger ein.Fehlende Doppellaute: Aus „Haus“ wird Hus, aus „Kreuz“ wird Krüz und aus „sein“ wird si. Es gibt auch keinen Genetiv, auch das Wort „gi“ findet im Hochdeutschen kein Pendant: „Er goht gi schaffa“ – also „Er geht arbeiten“. Klassische Volksmärchen werden in Vorarlberg meist in regionaler Mundart (z.B. Bregenzerwälderisch oder Montafonerisch) erzählt, wobei jedes Tal eigene Laute hat. Bregenzer Dialekt: alemannischer Ursprung, keine bairische, sondern westlich geprägt mit Wurzeln im Frühmittelalter. Klangfarbe: weiche Vokale und markante Laute, die sich oft von Dorf zu Dorf hörbar unterscheiden. Bregenzerwald ("Wälderisch"): sehr markant, starkes Hochalemannisch, extrem eigenständig; unterscheidet sich stark von Ort zu Ort (z. B. das Wort für Stein wandelt sich von „Schtui“ im vorderen zu „Schtua“ im hinteren Wald). Lechtal / Tannberg (Warth-Schröcken): altwalserische Mundarten. Lustenau: extrem eigenständiger Ortsdialek, sehr markanter, in der Aussprache stark ausgeprägter niederrheinisch/alemannischer Ortsdialekt. Montafon: Eigene Kosenamen und Ausdrücke wie Ahna (Großmutter), gehört zum Höchstalemannischen; enthält durch die historische Besiedlung rund 200 rätoromanische Reliktwörter und spezielle Bergnamen. Rheintal (Bregenz, Dornbirn, Feldkirch): Bodenseealemannisch bzw. osthochalemannisch geprägte Stadt- und Flachlandmundarten. Walsertal: in den ehemaligen Walser Siedlungen (wie im Großes Walsertal, Kleinwalsertal oder Brandnertal) klingen die Mundarten teils deutlich hoch- bis höchstalemannisch.

  • #88
    August 16 · 16 min

    Sfurtuna - Pech

    Sizilianische Geschichten vereinen griechische, arabische, spanische und normannische Einflüsse. Oft treten kluge Frauen, verwunschene Prinzen, mutige Bauern und magische Wesen wie Feen oder Hexen auf. Laura Gonzenbach hat die mündlichen Überlieferungen im 19. Jahrhundert auf Sizilien gesammelt.„Sfortuna“ (auf Deutsch „Pech“ oder „Unglück“) ist ein bekanntes sizilianisches Volksmärchen. Es erzählt die Geschichte eines Königskinds, das vom harten Schicksal geprüft wird. Nach einem verlorenen Krieg verliert die Königsfamilie ihre Macht, und die Königin bleibt mit ihren sieben Töchtern allein zurück. Die jüngste Tochter trägt den Namen Sfortuna (das Unglücklkind). Sie muss das Elternhaus verlassen, da ihr Leben von Prüfungen und scheinbarem Pech begleitet wird. Erst als das Mädchen ihr schweres Los annimmt und ihm mit Liebe begegnet, wendet sich das Blatt und sie findet ihr großes Glück. Das Märchen gilt volkskundlich als klassische Reifeprüfung einer jungen Frau. Die britische Komponistin Judith Weir (*11.05.1954 in Cambridge) nutzte das Stück als direkte Vorlage für ihre Oper Miss Fortune (deutsch Achterbahn), die im Juli 2011 bei den Bregenzer Festspielen uraufgeführt wurde. Danke für Eure Zeit! „Che la fortuna sia con te“, oder zumindest „Fortuna nella sfortuna“ , also Glück im Unglück! Euer Joachim www.märchendoktor.at

  • #87
    August 9 · 21 min

    Peterchens Mondfahrt

    Peterchens Mondfahrt ist ein Märchen für Kinder von Gerdt Bernhard von Bassewitz- Er war, ein deutscher Schriftsteller und Schauspieler, geb.: 1878, verst.: 1923. Sein Vater, Eberhard von Bassewitz war früh als Johanniter-Ritter in Kriegs-Lazaretten tätig. Peterchens Mondfahrt handelt von den Abenteuern des Maikäfers Herrn Sumsemann, der zusammen mit den Menschenkindern Peter und Anneliese zum Mond fliegt, um von dort sein verlorengegangenes sechstes Beinchen zu holen. Am 7. Dezember 1912 wurde Peterchens Mondfahrt als Märchenspiel in sechs Bildern mit Musik von Josef Achtélik und „in Scene gesetzt“ von Paul Prina im Alten Theater Leipzig uraufgeführt. 1915 wurde das Märchen dann als Buch mit Illustrationen von Hans Baluschek veröffentlicht. Es gilt heute als ein Klassiker der deutschen Kinder- und Jugendliteratur. Als Vorbild für die Geschwister Peter und Anneliese sollen die gleichnamigen Kinder des Ärzteehepaars Eva und Oskar Kohnstamm gedient haben, in deren Sanatorium sich Bassewitz im Jahre 1911 zur Kur aufhielt.

  • #86
    August 2 · 24 min

    Das hässliche Entlein

    Das Kunstmärchen „Das hässliche Entlein“ von Hans Christian Andersen wurde am 11. November 1843. Eine Entenmutter brütet sechs Enten aus. Das siebte Ei ist jedoch größer, weshalb es länger dauert, bis das Entlein ausschlüpft. Die anderen sechs Küken waren alle gelb ,das siebte Küken hingegen war grau. Der Nachzügler wirkt tollpatschig und unbeholfen und wird deshalb von den Tieren verspottet und drangsaliert.Weil Alle so bös zu ihm sind, läuft das kleine Entlein traurig davon und überlebt einen harten Winter.Im Frühling bemerkt es im Wasser, dass es kein hässliches Entlein ist, sondern ein wunderschöner Schwan wurde. Das Märchen vermittelt die Hoffnung, dass auch in schwierigen Zeiten ein glückliches Ende möglich ist und dass wahre Schönheit von innen kommt und Geduld erfordert.1869 schrieb Andersen in einem Brief an Georg Brandes, dies Märchen sei eine „Abspielung“ seines eigenen Lebens. Andersen selbst war zeit seines Lebens ein Außenseiter und wurde wegen seines Aussehens häufig abfällig beschrieben. So schrieb Friedrich Hebbel: „Andersen- eine lange, schlottrige, lemurenhafte-eingeknickte Gestalt mit einem ausnehmend hässlichen Gesicht“.

  • #85
    July 26 · 10 min

    3 Geschichten von den Wichtelmännern

    Ein Wichtelmännchen (oder Wichtel) ist eine menschenähnliche Sagengestalt. Als fleißige, kleine Hausgeister helfen sie den Menschen oft unbemerkt bei der Arbeit. Bekannt sind sie vor allem aus nordischen Mythen sowie von den 3 Märchen der Gebrüdern Grimm. Das Erste handelt von einem ehrlichen, aber verarmten Schuhmacher, der unverschuldet in Not gerät. Der Mann hat nur noch so viel Leder übrig, dass er daraus gerade noch ein letztes Paar Schuhe zuschneiden kann. Er legt es am Abend auf die Werkbank, um am nächsten Morgen mit der Arbeit zu beginnen. Als er am nächsten Morgen erwacht, stehen die Schuhe bereits perfekt fertig genäht auf dem Tisch. Ein Käufer bezahlt sie so gut, dass der Schuster Leder für zwei weitere Paar kaufen kann. Dies wiederholt sich tagelang, bis der Schuhmacher und seine Frau sich eines Nachts auf die Lauer legen. Sie entdecken zwei kleine, nackte Wichtelmänner, die im Eiltempo die Schuhe fertigen. Aus Dankbarkeit nähen die Eheleute den Wichtelmännern winzige, warme Kleidungsstücke. ------------------------------------------ Das Zweite handelt von einem armen, fleißigen Dienstmädchen, es findet eine schriftliche Einladung von Wichtelmännern als Taufpatin. Auf Zureden seiner Herrschaft geht es mit drei Wichteln in einen hohlen Berg, wo alles klein und prächtig ist. Auf ihr Bitten bleibt es drei Tage lang in Freude und geht mit den Taschen voll Gold. Daheim ist die Herrschaft schon gestorben, denn es waren sieben Jahre. ------------------------------------------ Das Dritte handelt von einer Mutter deren neugeborenes Kind von Wichtelmännern mit einem Wechselbalg mit dickem Kopf und starren Augen vertauscht wurde. Der Begriff tauchte im 11. Jahrhundert auf und beschreibt den Versuch früherer Gesellschaften, sich unerklärliche Entwicklungsstörungen, Behinderungen, chronische Krankheiten oder das plötzliche Versterben von Säuglingen zu erklären.

  • #84
    July 19 · 18 min

    Die Tochter des Königs von Vilas (Kroatien)

    Kroatische Volkserzählungen gehören zur südslawischen Tradition und weisen die wesentlichen Merkmale der slawischen Mythologie auf – den Weltenbaum, den freundlichen dreiköpfigen Drachen Zmaj, die Feenwesen namens Vile und den ewigen Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, der sich durch die gesamte slawische mündliche Überlieferung zieht. In anderen slawischen Märchen (wie in Kroatien oder Russland) treten oft bösartige, dreiköpfige Drachen auf, die Feuer speien und von Helden besiegt werden müssen. Kroatische Erzählungen sind zudem von der Adriaküste beeinflusst: Meeresgeister, Seemannslegenden und die Mythologie des dalmatinischen Hinterlandes verleihen ihnen ein mediterranes Flair, das den slawischen Traditionen im Landesinneren fehlt. Helden sind oft kluge jüngste Söhne oder findige Mädchen, die übernatürliche Feinde mit Einfallsreichtum statt mit Gewalt besiegen. „Die Tochter des Königs von Vilas“ ist ein klassisches kroatisches Volksmärchen, das vor allem durch die Übersetzungen des britischen Slawisten Albert Henry Wratislaw bekannt wurde. Den König von Vilas gab es nie, die Geschichte Kroatiens kennt verschiedene Königsdynastien, deren bekannteste Herrscher sind die Könige Tomislav (ca. 925–928), Petar Krešimir IV. (1058–1074), Dmitar Zvonimir (1075–1089) und Petar Svačić (1093–1097). Ab 1097 war Kroatien mit dem Königreich Ungarn vereint. Ab 1527 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 übernahmen die Habsburger (Österreich) die Herrscherkrone Kroatiens.

  • #83
    July 12 · 29 min

    Der Hahnengiggerl

    Der Hahnengiggerl (auch Hahnegiggerl) ist eine dämonische Sagengestalt oder ein Zwerg aus der steirischen Volksüberlieferung und alpenländischen Märchen. Er ist eine Art regionaler Berggeist oder eine lokale Version des "Rumpelstilzchens". Romuald Pramberger schreibt 1946 in seinen Märchen aus der Steiermark: „Dieses Märchen erzählte mir ein altes, holzsammelndes Weiblein Ende August 1904 unweit von Poluderteich bei Neumarkt.“ Begriffe: 1) "hamisch" (oft auch hochdeutsch hämisch) beschreibt eine Person oder deren Verhalten, wenn sie boshaft, schadenfroh, gehässig oder hinterhältig ist.2) "dumper" bedeutet in Altbayern und Teilen Österreichs dunkel, trüb oder dämmrig.3) „Zotten“ sind in der Bekleidung abstehende, buschige Fransen, Wollfäden, Fellbüschel oder zottig herabhängende Stoffstreifen. Auch alte, gebrauchte, meist zerschlissene Kleidung wird so beschrieben.4) "Buckelkorb" ist ein traditioneller, handgeflochtener Rückentragekorb (oft aus Haselnuss, Weide oder Eschenholz), der ergonomisch so geformt ist, dass er bequem auf dem Rücken getragen werden kann. Er besitzt meist eine gerade Rückseite, eine gewölbte Vorderseite und Trageriemen.5) "Kattun" ist ein glattes, relativ dicht gewebtes Textilgewebe aus Baumwolle in klassischer Leinwandbindung. Der Begriff leitet sich vom arabischen Wort quṭūn (Baumwolle) ab, weshalb es sprachlich eng mit dem englischen Wort cotton verwandt ist.6) Ein "Kobelwagen" ist einer der ältesten mittelalterlichen Reisewagen, der bis in das 16. Jahrhundert hinein genutzt wurde. Der Wagen besaß vier gleich große, hohe Räder und einen länglichen Kasten. Anfangs waren die Seitenwände halbhoch und mit Planen (aus Stoff oder Leder) überdacht, was ihm ein Aussehen ähnlich einem späteren Planwagen verlieh.7) Ein "Klafter" (historisches Maß) entspricht in Österreich genau 1,896 mr Ein Klafter Holz entspricht heute meist etwa 3 bis 4 Kubikmeter.8) "Ganggerl" ist ein Kobold, oft Begleiter des Heiligen Nikolaus.9) "Tschüppel" ist ein Büschel (z.B. Stroh oder ein Haarschopf).

  • #82
    July 5 · 19 min

    Die verwunschene Alm

    Die Vorauer Schwaig, gelegen auf einer Seehöhe von 1.511 Metern, ist sowohl zu Fuß als auch mit dem Auto über die Mautstraße über Festenburg bei St. Lorenzen am Wechsel erreichbar. Von dort aus gelangt man in etwa einer Stunde zum Gipfel des Hochwechsels. Wanderwege führen von St. Lorenzen, Bruck/Lafnitz und Waldbach/ Mönichwald - Bezirk Hartberg-Fürstenfeld in der Steiermark - über Forststraßen oder gekennzeichneten Wegen direkt zur Almhütte. Die Vorauer Schwaig hat ausschließlich im Sommer geöffnet! Die freundliche Bewirtung mit Jause und Getränken wird von Wanderern und Besuchern gerne angenommen. Zum steirischen Dialekt: 1) „Schwaigern“ Sennerin, in der Steiermark oder Brentlerin“ genannt.2) „Felddirn“ (oder Feldmagd) aus der historischen bäuerlichen Arbeitswelt - die erste Magd eines landwirtschaftlichen Betriebs.3) „Kuhdirn“ ein historischer, regionaler Begriff für eine Magd, die in der Landwirtschaft ausschließlich für die Betreuung und das Melken der Kühe zuständig war.4) „Küchendirn“ (Kuchile oder Kuchldirn) ein veralteter, regionaler Begriff für eine weibliche Küchenmagd. Sie war für das Zubereitung von Speisen, das Kochen und die Instandhaltung der Küche zuständig.5) „garstiger Butznigl“ ungezogenes Männlein oder Schimpfwort für geringe Dinge.6) „Kraxen“ - Holzgestell [mit Korb] zum Tragen auf dem Rücken, Rückentraggestell, Rückenkorb.7) „Kemenate“ beheizbares Gemach, meist wohnten dort die Frauen.8) „Urschel“ ein alter, umgangssprachlicher Ausdruck bedeutet meist eine alberne, leichtsinnige oder weniger intelligente Frau.9) „Zinnlichter“ sind einfache Kerzen oder Lampen in einer Halterung aus Zinn. Quelle: aus „Kinder- und Hausmärchen der Steiermark“, 1942, gesammelt von Viktor von Geramb, mit heimatlichen Bildern geschmückt von Emmy Singer-Hießleitner.

  • #81
    June 28 · 13 min

    Der Schmied und der Teufel

    As Märchen stand in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm nur in der 1. Auflage von 1812 an Stelle 81. Varianten der Geschichte finden sich auch in anderen Sprachen, sodass einige Forscher sie auf die Proto-Indoeuropäer zurück führen. Als ein lebhafter und streitbarer Schmied pleite ist und sich im Wald aufhängen will, bietet ihm der Teufel endlosen Reichtum an. Dafür soll der Schmied nach zehn Jahren ihm gehören. Der Schmied nimmt an und erhält vom Teufel zusätzlich einen Sack, aus dem niemand entkommt. Als der Teufel den Schmied nach zehn Jahren abholen will, verlangt dieser, dass sich der Teufel – als Identitätsbeweis wie beim ersten Treffen – zunächst in eine Tanne und dann in eine Maus verwandle. Der Schmied steckt die Maus in den Sack und prügelt solange auf den verwandelten Teufel ein, bis er der Aufhebung des geschlossenen Paktes zustimmt. Nunmehr lebt der Schmied unbehelligt, und als er eines natürlichen Todes stirbt, lässt er sich einen Hammer und zwei Nägel mit in den Sarg legen. Als ihm weder in den Himmel noch in die Hölle Einlass gewährt wird, lärmt er, bis zwei Teufelchen aus der Hölle herausschauen. Diese nagelt er mit den Nägeln am Tor fest. Daraufhin bewirkt der Teufel, dass der Schmied in den Himmel eingelassen wird.

  • #80
    June 21 · 18 min

    Die Geschichte vom Leben des Marcello Martini und vom KZ-Gedenkplatz in der Hinterbrühl

    Mein lieber Freund, der wunderbare Journalist Heinz Nußbaumer, (1943- 2025) und unser Pfarrer, Pater Jakob Mitterhöfer, (1936- 2026) erzählen die bittere und doch wunderbare Geschichte vom Leben des Marcello Martini, einem Menschen, der es geschafft hat, Hass, Gewalt und Rache auszulöschen. Der Schauplatz: der kleine Ort Hinterbrühl, eine Marktgemeinde mit 3895 Einwohnern, südlich von Wien – in unmittelbarer Nähe von Mödling und an der Straße zum Stift Heiligenkreuz. Bereits vor 6000 Jahren war das Gebiet, wie Funde am Kalenderberg und in Wassergspreng beweisen, besiedelt. Wie auch die übrige Umgebung litt die Hinterbrühl unter den beiden Türkenbelagerungen 1529 und 1683. Da ein Großteil der Bevölkerung getötet oder verschleppt wurde, wurde der Ort mit Siedlern aus der Steiermark besiedelt. Unter dem Einfluss von Fürst Johann I. von und zu Liechtenstein erfolgte die Ausgestaltung der ganzen Gegend zu einem romantischen Naturpark mit vielen künstlichen Ruinen von Mödling bis Sparbach. Schon immer war er ein gesuchter Urlaubsort von großen Komponisten, Malern und Entdeckern. In der Biedermeierzeit bis zum ersten Viertel des 20. Jahrhunderts war Hinterbrühl ein beliebter Aufenthaltsort von Künstlern wie Franz Schubert, Ludwig van Beethoven, Ferdinand Raimund, Johann Nestroy, Ferdinand Georg Waldmüller oder Alois Arnegger. Die „Göttliche Brühl“, wie sie Beethoven nannte, war also seit jeher ein Refugium von Kunst und Kreativität und erlebte einen steten Aufschwung zur populären Sommerfrische. Berühmt wurde sie auch durch das SOS-Kinderdorf und durch die Seegrotte, einst ein Gipsbergwerk, heute ein Touristenmagnet – mit Europas größtem unterirdischen See. Meine Familie und ich leben seit fast 50 Jahren in der schönen Brühl und ich darf ein kleines Mosaiksteinchen dieser Geschichte sein. Diese Nacherzählung betrifft ganz schlimme Ereignisse der Nazizeit und ist daher für Menschen ab dem vollendeten 14. Lebensjahr nur mit Erwachsenenbegleitung geeignet!

  • #79
    June 14 · 17 min

    König Laurin und sein Rosengarten

    König Laurin ist eine der bekanntesten Sagenfiguren aus dem Alpenraum, er war der mächtige König eines Zwergenvolkes, das im Inneren der Dolomiten (speziell im Gebiet des heutigen Rosengartens in Südtirol) über unterirdische Kristallpaläste herrschte. Laurin besaß zwei mächtige Zaubergegenstände: einen Gürtel, der ihm die Kraft von zwölf Männern verlieh, und eine Tarnkappe, die ihn unsichtbar machte. Sein ganzer Stolz war ein prächtiger Garten vor seinem unterirdischen Palast, der von einem dünnen, goldenen Seidenfaden geschützt wurde. Das Betreten und Pflücken der Rosen war strengstens verboten. Laurin entführte die Königstochter Similde in seinen Rosengarten. Daraufhin zogen die Recken um den berühmten Helden Dietrich von Bern in die Berge, um die Prinzessin zu befreien. Sie zerrissen den seidenen Faden und zerstörten den Rosengarten. Dietrich von Bern, die berühmteste Sagengestalt der deutschen Heldendichtung, entspricht historisch dem Ostgotenkönig Theoderich dem Großen (ca. 455–526 n. Chr.). Der Beiname „von Bern“ leitet sich vom mittelhochdeutschen Namen für Verona ab. Im Nibelungenlied ist Dietrich ein edler, aber oft tragischer Recke und Diplomat. Begleitet wird er von seinem treuen Waffenmeister Hildebrand. Ihm werden fantastische Fähigkeiten zugeschrieben: er soll Drachen und Zwerge bekämpft haben und in der Lage gewesen sein, bei Wut Feuer aus dem Mund zu speien. Trotz seiner magischen Hilfsmittel wurde König Laurin von Dietrich von Bern im Zweikampf besiegt, gefangen genommen und sein Zwergenreich fiel. Laurin belegte den verlorenen Garten mit einem Fluch. Er verzauberte ihn so, dass er weder bei Tag noch bei Nacht von Menschen gesehen werden kann. Da er aber den Sonnenuntergang vergaß, erstrahlen die Felsen der Dolomiten heute noch an klaren Abenden in einem atemberaubenden Rot – die sogenannte Enrosadira (das Alpenglühen). Das Wort stammt vom Ladinischen "rosadüra" ab und bedeutet "sich rosa verfärben".

  • #78
    June 7 · 20 min

    Weitere Geschichten vom Pfeifer Huisele

    Liebe Märchen- und Sagenfreunde, unser Großvater Karl Huber (der Ehemann von Luise Huber), stammte aus einer Vorarlberger Beamtenfamilie geb.1884 in Dornbirn - gest. 1929 bei einem Schiunfall. Nach dem Studium des Bauingenieurwesens in Graz und seiner Graduierung zum Diplomingenieur wurde DI Karl Huber Baurat in der k. u. k. Straßen-verwaltung. Er wurde zum k. k. Statthalter von Trient bestellt.Unsere Großmutter Luise wurde 1885 in Feldkirch geboren, ihre Eltern waren Johann „Hans“ Drexel (Oberlehrer in Lingenau im Bregenzerwald. Karl und Luise, heirateten 1912 in Bregenz, sie hatten zusammen 2 Kinder: Leni, und Fritz, also unser Vater, er ist 2017 in Bozen auf die Welt gekommen.Oma Luise hat mir öfters mal Sagen und Märchen aus Südtirol erzählt. Darunter auch die Geschichten vom Pfeifer. Quellen: Ignaz Vinzenz Zingerle "Sagen aus Tirol", 1859 und Hermann Holzmann, Innsbruck 1953. Huisele ist die tirolerische Verkleinerungsform des Vornamens Matthäus (Häusl/Huisel). Der echte historische Kern der Sage wird als Matthäus Hägele identifiziert, der um 1620 in Flading geboren wurde.Die Bezeichnung „Pfeifer“ stammt vermutlich von seinem Herkunftshof. Er stammte aus dem Pfeifer-Hof in Flading im Ratschingstal. Der Pfeifer Huisile war bisher fast unbekannt in der Tiroler Sagenforschung, ein Schalk wie Till Eulenspiegel, der große Verwandlungskünstler, ein moderner Flugkünstler, ein Wasser Beherrscher und Wetterbeschwörer, er war dem Schwarzen Schutzengel verschrieben, wurde von der Mutter Gottes wie Faust bald erlöst.Die Gnade missachtet, vom Teufel geholt und das seltsamste: Er hat wirklich gelebt, gestorben 1680 in Meran findest Du seine Spuren und Geschichten überall in Südtirol.

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