Eingeweidesack im Schneckenhaus
Klare Antwort: Nein. Das Haus einer Schnecke ist kein totes Anhängsel, das einfach so obendrauf liegt, sondern es gehört zum Tier. Nicht nur in dem Sinn, dass das Gehäuse mit ihm verwachsen ist. Sondern die Schnecke besitzt eine Art Ausstülpung, den Eingeweidesack, die sich bis in die Spitze des Gehäuses zieht und an der Hauswand anliegt.
Gehäuseschnecken sind fest mit ihrem Haus verwachsen
Das Haus einer jungen Schnecke muss noch wachsen. Dazu haben Schnecken einen speziellen Teil in ihrer Haut – den "Mantel" – der in der Lage ist, Kalk zu bilden. Kleine Beschädigungen im Gehäuse können sie damit unter Umständen reparieren, aber nur, wenn der Körper unverletzt bleibt. Wenn man aber drauf tritt, wird zwangsläufig ein Teil des Körpers verletzt, eben weil ein Teil des Körpers sich ins Gehäuse hineinzieht.
Bei Verletzungen läuft die Körperflüssigkeit einfach aus
Nun haben Weichtiere einen offenen Blutkreislauf. Das bedeutet: Bei einer Verletzung läuft die Körperflüssigkeit einfach aus. Die Schnecke hat in einem solchen Fall keine Überlebenschance. Das gilt nicht nur für Weinbergschnecken, sondern für fast alle Landschnecken – also Schnecken mit Haus. Eine Ausnahme bilden Bernsteinschnecken; das sind Schnecken mit einem relativ dünnen Haus. Wenn die ihr Haus verlieren, können sie ein paar Tage überleben und etwas Gehäuseähnliches wieder aufbauen.
Wozu brauchen Schnecken überhaupt ein Haus?
Das Schneckenhaus schützt die Tier vor allem vor dem Austrocknen. Bei normalen Landschnecken ist die Unterseite ziemlich schleimig, die Oberseite aber nicht, sodass sie dort Flüssigkeit ausdünstet. Damit sich das in Grenzen hält, hat die Schnecke das Haus, in das sie sich zurückziehen kann.
Wo Häuser stören: Nacktschnecken kriechen in Spalten und Erdlöcher
Die Nacktschnecken haben sich auf eine andere ökologische Nische spezialisiert als die Gehäuseschnecken: Sie kriechen in Spalten und Löcher in der Erde – dabei stört so ein sperriges Gehäuse. Also haben sie es im Lauf ihrer Evolution immer mehr reduziert.
Dafür mussten sich die Nacktschnecken aber anderweitig vor dem Austrocknen schützen. Nämlich einmal dadurch, dass sie am ganzen Körper schleimig sind – deshalb finden viele Menschen Nacktschnecken ja auch ekliger als normale Landschnecken – und zum anderen eben, in dem sie sich in der Tageshitze in der Erde verkriechen und erst nachts oder bei trübem Regenwetter hervorkommen.