
10 - Was wirklich geschah: Die führende Forscherin zu DDR-Wochenkrippen
In dieser Folge von „Ungehalten" spricht die Historikerin Dr. Heike Liebsch über ihre zehnjährige Forschung zu Wochenkrippen in der DDR – einem Thema, das lange als bloße „Marginalie" abgetan wurde und dennoch bis zu 680.000 Kinder betraf. Sie erläutert, wie diese Zahlen wissenschaftlich ermittelt wurden, und schildert den streng reglementierten Alltag in den Einrichtungen: eine tägliche Kontaktzeit zu Erwachsenen von nur rund 20 Minuten, sowie bislang kaum dokumentierte Praktiken wie das Fixieren von Kindern in Gitterbetten mit Lederriemen, an denen sich mehrfach Kinder strangulierten. Besonders eindringlich berichtet Liebsch von den Zuständen bei Nacht – einer Nachtwache, die für 25 Kinder allein zuständig war und selbst schlief, oder einem Hausmeister als einziger Aufsicht für 80 Kinder. Sie erzählt von jungen Erzieherinnen, die heimlich mit den Kindern spielten, weil Zärtlichkeit offiziell als „Verwöhnung" galt, und von zwei ehemaligen Erzieherinnen, die in Tränen ausbrachen, als sie zum ersten Mal von der Bindungstheorie erfuhren. Ausführlich geht Liebsch zudem auf die Rolle der Pädiaterin Eva Schmidt-Kollmer ein, die die DDR-Erziehungspläne prägte, sowie auf den internationalen Vergleich mit der Tschechoslowakei, wo der kritische Dokumentarfilm „Kinder ohne Liebe" eine öffentliche Debatte auslöste – in der DDR hingegen verboten blieb. Ohne Schuldzuweisungen, aber mit schonungsloser Klarheit zieht sie abschließend Parallelen zu heutigen 24-Stunden-Kitas und plädiert für einen gesellschaftlichen Diskurs über frühe Fremdbetreuung. Support the show
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