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UNFILTERED Podcast · Yesterday · 1 hr 6 min

Ep. 28, Michael Käfer über den Preis, das eigene Erbe kaufen zu müssen

Michael Käfer hat sein Familienunternehmen nicht geerbt. Er hat es gekauft. Anfang der Neunziger wollten sein Vater und sein Onkel verkaufen. An einen Investor. Michael hat einen Kredit aufgenommen und ihnen den Feinkosthandel, den Party-Service und die Wiesn-Schänke abgekauft. Wie von Fremden, sagt er selbst. Die letzte Rate hat er 2012 gezahlt, fast zwanzig Jahre später. Und das Erste, was er als Eigentümer getan hat, war nicht aufbauen. Es war abreißen. Die Schreinerwerkstatt weg. Die eigene Automechanik weg. Die Zeltflotte weg. Alles Dinge, die sein Vater über Jahrzehnte zusammengetragen hatte. Sein Satz dazu, ohne Beschönigung: Im Nachhinein war alles richtig. Aber für jemanden, der da sein Herzblut drin hat, war es nicht einfach. Wir sitzen im Stammhaus in der Prinzregentenstraße, und irgendwann ist es kein Interview mehr. Es sind zwei Söhne starker Väter, die sich gegenseitig erzählen, wie das ist. Wenn der Vater nicht loslassen kann. Wenn man Entscheidungen trifft, die den eigenen Vater verletzen. Und wenn man irgendwann merkt, dass man selbst inzwischen auf der anderen Seite sitzt. Michael erzählt außerdem von der Nacht, in der er als 15-Jähriger im Wald 30 Weißwürste platzen ließ. Von einem Feuerlöscher, der in einem Lastwagen aufging und ein komplettes Buffet zerstörte, drei Stunden vor der Kommunion. Von Bill Clinton, der ihm auf der Wiesn zwei Minuten lang das Gefühl gab, die wichtigste Person im Raum zu sein. Von Jeff Koons, der jeden Abend im P1 saß und dem er nie ein Bild abgekauft hat. Und von etwas, das er den geliehenen Freund nennt. Bei einer Hochzeit ist er wochenlang Teil der Familie. Er kennt den Budgetstreit, die Brautmutter, die Konfliktherde. Und wenn das Fest vorbei ist, ist es vorbei. Von beiden Seiten. Seine Söhne sind 15 und 16. Er sagt, er wird ihnen die Chance geben. Und er sagt genauso deutlich, dass ein anderer Weg vollkommen in Ordnung wäre. Eine Folge über Verantwortung, über Loslassen, und über den Preis, den man zahlt, wenn man den eigenen Namen weiterträgt.

0:00-1:06:42

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show notes

Michael Käfer hat sein Familienunternehmen nicht geerbt. Er hat es gekauft.


Anfang der Neunziger wollten sein Vater und sein Onkel verkaufen. An einen Investor. Michael hat einen Kredit aufgenommen und ihnen den Feinkosthandel, den Party-Service und die Wiesn-Schänke abgekauft. Wie von Fremden, sagt er selbst. Die letzte Rate hat er 2012 gezahlt, fast zwanzig Jahre später.


Und das Erste, was er als Eigentümer getan hat, war nicht aufbauen. Es war abreißen. Die Schreinerwerkstatt weg. Die eigene Automechanik weg. Die Zeltflotte weg. Alles Dinge, die sein Vater über Jahrzehnte zusammengetragen hatte.


Sein Satz dazu, ohne Beschönigung: Im Nachhinein war alles richtig. Aber für jemanden, der da sein Herzblut drin hat, war es nicht einfach.


Wir sitzen im Stammhaus in der Prinzregentenstraße, und irgendwann ist es kein Interview mehr. Es sind zwei Söhne starker Väter, die sich gegenseitig erzählen, wie das ist. Wenn der Vater nicht loslassen kann. Wenn man Entscheidungen trifft, die den eigenen Vater verletzen. Und wenn man irgendwann merkt, dass man selbst inzwischen auf der anderen Seite sitzt.


Michael erzählt außerdem von der Nacht, in der er als 15-Jähriger im Wald 30 Weißwürste platzen ließ. Von einem Feuerlöscher, der in einem Lastwagen aufging und ein komplettes Buffet zerstörte, drei Stunden vor der Kommunion. Von Bill Clinton, der ihm auf der Wiesn zwei Minuten lang das Gefühl gab, die wichtigste Person im Raum zu sein. Von Jeff Koons, der jeden Abend im P1 saß und dem er nie ein Bild abgekauft hat.


Und von etwas, das er den geliehenen Freund nennt. Bei einer Hochzeit ist er wochenlang Teil der Familie. Er kennt den Budgetstreit, die Brautmutter, die Konfliktherde. Und wenn das Fest vorbei ist, ist es vorbei. Von beiden Seiten.


Seine Söhne sind 15 und 16. Er sagt, er wird ihnen die Chance geben. Und er sagt genauso deutlich, dass ein anderer Weg vollkommen in Ordnung wäre.


Eine Folge über Verantwortung, über Loslassen, und über den Preis, den man zahlt, wenn man den eigenen Namen weiterträgt.