Stadt oder Land mit Kind: eine Frage, die auf jedem Spielplatz, jedem Elternabend und jedem Spaziergang aufkommt. In dieser Folge reden Sascha und Manuel darüber, wie sie aufgewachsen sind, was das mit ihren Vorstellungen vom Wohnen gemacht hat und warum die Antwort komplizierter ist, als sie dachten.
Sascha ist auf dem Dorf bei Lüneburg groß geworden, letztes Haus vorm Feld, zehn Kinder in der Straße, Freunde bis heute. Sein Vater kam als Kind aus der Türkei nach Deutschland, seine Familie war die erste Generation in Reppenstedt. Heute lebt er mit seiner Frau in Hamburg an der Reeperbahn und weiß: Das hat ein Ablaufdatum. Spätestens seit dem Abend, an dem vor ihnen auf der Straße jemand die Hose runtergelassen hat, ist klar: Es wird Zeit für was Neues. Aber wohin? Berlin war im Gespräch, Ausland auch, Mallorca kurz ein Gedanke. Seine Freunde sind über ganz Deutschland verteilt, es gibt kein festes Netzwerk vor Ort. Was bleibt, ist die Erkenntnis: Soziales Umfeld ist Faktor Nummer eins. Und seit den Walking Dad Walks fühlt sich Hamburg schon ein Stück mehr nach Zuhause an.
Manuel ist in Hamburg-Eimsbüttel aufgewachsen, Altbauwohnung am Weiher, Spielplätze, Osterstraßenfest, Brötchen holen beim Bäcker um die Ecke. Mit acht trennten sich seine Eltern, mit elf kam der Umzug nach Langhorn an den Stadtrand. Er hat rebelliert, wollte nicht weg, ist nach der Schule immer zurück nach Eimsbüttel zu seinen Freunden. Irgendwann hat er sich eingelebt, aber das Gefühl, ein Stadtkind zu sein, ist geblieben. Später hat er mit seiner Frau Annie ein Haus in Hamburg-Süldorf gekauft: Garten, Pferd fußläufig, erstes Kind acht Tage nach Hauskauf geboren. Eigentlich perfekt. Aber nach ein paar Monaten merkte er: Die Straßen waren leer, kein spontaner Besuch, jede Verabredung ein Termin mit Anreise. Also hat er heimlich einen Suchagenten bei Immoscout eingestellt, eine Wohnung mit Garten in der Stadt gefunden, und heute sagt er: Wir leben hier in unserem kleinen Dorf. Kinder im Treppenhaus, Väter auf dem Spielplatz, der Späti-Besitzer kennt ihn beim Namen.
Beide sprechen auch über die Fragen dahinter: Kaufen oder mieten? Was macht es mit dir, wenn du als Kind umziehen musstest? Wie viel Platz brauchen vier Kinder wirklich? Was kostet es, in der Stadt zu bleiben, wenn du auf dem Land das Doppelte an Zimmern bekommst? Und was tun, wenn das Dorf fehlt, das es braucht, um ein Kind großzuziehen? Manuel hat seins in der Stadt gebaut. Sascha sucht noch. Beide sind sich einig: Wohnen ist eine Lebensphase, nicht für immer. Und vielleicht macht genau diese Haltung die Entscheidung leichter.
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