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show notes
Zwei Menschen haben heute über meinen Beckenboden geredet. Die eine hat ihn abgetastet und mir gesagt, ich soll mal drüber nachdenken. Der andere hat einen Witz gemacht und wollte Sex. Ich weiß nicht, welcher Satz mich mehr beschäftigt hat, aber ich weiß, welcher mich schlechter fühlen ließ.
Morgens ging es noch ums Wasser. Ich trinke zu wenig, ungefähr einen Liter am Tag, und mein Freund fand, ich sollte mehr trinken. Ich habe erklärt, warum ich das nicht tue: kleine Blase, ständig auf Toilette, zwei Wochen Umgewöhnung, bis der Körper sich daran gewöhnt. Danach bin ich zur jährlichen Untersuchung gefahren. Und während sie das Ultraschallgerät wieder aus mir herausgezogen hat, sagte meine Frauenärztin, ich sollte über Beckenbodentraining nachdenken. Später, als ich schon wieder angezogen war, kam der zweite Satz: solange ich den Urin gut halten kann und sonst keine Probleme habe, muss ich nichts tun.
Ich habe nichts gesagt. Danke, schönen Tag noch. Dann saß ich im Auto und wusste nicht, was ich mit dieser Information anfangen soll.
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen BlickBeckenbodentraining in den Wechseljahren wird mir seit über zehn Jahren empfohlen, und zwar immer im selben Ton: als Auftrag ohne Anleitung. Keine Übung, kein Wie, kein Warum. Nur der Hinweis, dass ich mal drüber nachdenken soll. Und direkt hinterher die Entwarnung, die den Auftrag wieder einkassiert, weil ich mir ja noch nicht in die Hose mache. Der Maßstab ist, was mein Körper zurückhalten kann. Nicht, was er kann.
Ich erzähle in dieser Folge, warum mich dieser Termin so schlecht gemacht hat, obwohl körperlich alles in Ordnung war. Und warum ich einen teuren Onlinekurs dazu drei-, vier-, fünfmal angefangen und jedes Mal aus demselben Grund liegen gelassen habe. Der Grund war nie meine Gesundheit. Der Grund war, dass ich mir die Zeit für mich nicht genommen habe.
- Ein Auftrag ohne Anleitung ist keine Empfehlung — machen Sie mal Beckenbodentraining, ohne zu sagen welche Übungen, verschiebt die Arbeit komplett zu mir.
- Der Maßstab ist Kontinenz, nicht Empfindung — es geht beim Beckenboden auch um Muskulatur, die ich beim Sex benutze. Davon war kein Wort die Rede.
- Ich bin nicht am Beckenboden gescheitert — sondern an dem Punkt, an dem ich mir Zeit für mich hätte nehmen müssen.
- Der Widerstand fehlt — früher wurde mit einem Gewicht gearbeitet, gegen das man anspannt. Irgendwann hat man das weggelassen und nur noch anspannen gesagt.
- Ärzte haben eine Macht über einen — sie können sagen, das ist jetzt schlecht, und dann hat man sich gefälligst schlecht zu fühlen.
Was mich an diesem Tag am meisten beschäftigt hat, war nicht der Befund. Es war der Abstand zwischen zwei Sätzen über denselben Muskel. Der eine kam aus einer Praxis und hat mich klein gemacht, der andere kam aus meinem Wohnzimmer und hat mich lachen lassen. Beide meinten dasselbe Körperteil. Nur einer hat so geklungen, als hätte ich selbst etwas davon.
Und genau das ist der Punkt, an dem sich für mich Beckenboden und Lust berühren, ohne dass es je jemand ausspricht. Es geht nicht nur darum, ob ich beim Niesen dichthalte. Es geht auch darum, was ich spüre. Aber danach fragt niemand, und ich habe auch nicht gefragt.
Shownotes und EpisodendetailsIch kenne das Gefühl, aus einer Praxis zu kommen und sich schlechter zu fühlen als beim Reingehen, obwohl alles in Ordnung war. Genau das ist mir passiert.
Der TerminEs war die jährliche Untersuchung, mit Ultraschall, wie seit Jahren. Alles gut, alles unauffällig, auch beim Brustultraschall. Der Satz zum Beckenboden kam beiläufig, während sie fertig wurde. Ich habe geantwortet, so ein bisschen mache ich schon was, und darauf kam die Entwarnung: solange keine Probleme da sind und kein Urin verloren geht, reicht das ja.
Was ich in dem Moment nicht gesagt habe: doch, manchmal passiert mir das. Ein zu starkes Niesen beim Spaziergang. Kein Trampolin. Beim Husten anhalten. Ich weiß das alles. Ich habe es nur nicht gesagt, weil ich beim Frauenarzt sowieso das Gefühl habe, ausgeliefert zu sein.
Warum ich es nicht macheVor über zehn Jahren habe ich einen teuren Onlinekurs gekauft. Acht Wochen, allein zu Hause, in einer Gruppe von Frauen. Ich war zwei Wochen dabei, dann musste ich auf das Ei warten, das dazugehörte und das aus Amerika kam. Als es endlich da war, habe ich die Übung genau einmal gemacht. Danach nicht mehr.
Und das war nicht das einzige Mal. Drei-, vier-, fünfmal habe ich das angefangen und immer wieder liebevoll zur Seite gelegt. Nicht, weil ich nicht wusste, dass es gut für mich wäre. Sondern weil ich nicht bereit war, mir die Zeit dafür zu nehmen. Das Schlimme an diesem Termin war, dass mich jemand mit der Nase genau darauf gestoßen hat.
Der Widerstand, den man weggelassen hatIch habe irgendwann einen Bericht gelesen, dass beim Beckenbodentraining ursprünglich mit einem Gewicht gearbeitet wurde. Etwas, das eingeführt wird und gehalten werden muss. Irgendwann hat man das weggelassen und nur noch gesagt, Sie müssen anspannen und wieder anspannen und wieder anspannen. Ich bin keine Ärztin und weiß nicht, was daran genau stimmt. Aber die Frage, die mir seitdem im Kopf hängt, ist: warum schafft man etwas ab, was funktioniert hat?
Und dann kam der WitzZurück zu Hause habe ich weiter aufgenommen und mich geärgert, weil ich ständig schlucken und schmatzen musste. Der Grund war banal: ich hatte vorher zwei Gläser Wasser getrunken, und mein Mund hat sich riesig darüber gefreut. Mein Freund hat das mitbekommen und gefragt, ob das auch woanders funktioniert.
Ich habe gesagt, theoretisch schon, dafür müsste ich aber deutlich mehr und deutlich regelmäßiger trinken. Woraufhin er beschlossen hat, dass wir das ab jetzt gemeinsam machen. Er wollte damit ganz offensichtlich auf etwas hinaus, und ich fand es zuckersüß.
Am Ende dieses Tages haben zwei Menschen über denselben Muskel geredet. Die eine hat mir Befunde gegeben. Der andere hat einen Witz daraus gemacht und mir damit gezeigt, dass das alles kein Grund ist, den Kopf in den Sand zu stecken. Und ich habe an dem Abend gemerkt, dass mir der zweite Ton mehr geholfen hat als der erste.
Wenn du gerade auch mit einem Satz aus einer Praxis nach Hause gefahren bist und nicht weißt, wohin damit: schick diese Folge einer Freundin, bei der du dir sicher bist, dass sie das kennt. Es hilft, wenn eine anfängt.