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Saftig · August 14 · 8 min

Das hast du dir doch so ausgesucht

Beim Sex nicht nein sagen — Shownotes Episode 027 Ein Satz von meiner Mutter hat mich zwanzig Jahre lang im Bett nicht nein sagen lassen. Nicht, weil sie gemein zu mir gewesen wäre. Sondern weil sie in dem einen Moment, in dem ich Trost gebraucht hätte, gesagt hat: das hast du dir doch so ausgesucht, also lebe damit. Ich bin mit dem Satz nach Hause gegangen und habe ihn behalten. In jede Beziehung, in jedes Bett. Ich habe mitgemacht, was vorgeschlagen wurde, und viel zu selten gesagt: möchte ich nicht. Nicht, weil die Nächte schlimm gewesen wären — die meisten waren völlig okay. Sondern weil ich gelernt hatte, dass ich mir das ja so ausgesucht habe. Über Jahre und über mehrere Beziehungen habe ich diesen Satz mitgeschleppt, ohne ein einziges Mal zu bemerken, dass ich ihn überhaupt mit mir trage. Meine Mutter hatte übrigens noch einen zweiten Satz: „Da brauchst du mal ein Stück Eisen im Kreuz." Das sollte Selbstbewusstsein heißen. Gemacht hat es mich klein — als würde ich das allein nie hinkriegen, als müsste sich immer jemand hinter mich stellen und mich gerade halten. Erst heute merke ich, dass sich das Eisen irgendwann in mein Eisen verwandelt hat. In dieser Folge erzähle ich, wie das passiert ist — und warum ausgerechnet die Perimenopause damit zu tun hat. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Zwanzig Jahre lang konnte ich beim Sex nicht nein sagen, weil ein Satz meiner Mutter in mir saß und jedes „möchte ich nicht" abgeräumt hat, bevor ich es aussprechen konnte. Ich habe Dinge ausprobiert, die ich schon vorher doof fand — und trotzdem durchgezogen, weil ich mir das ja so ausgesucht hatte. Erst spät habe ich begriffen, dass das gar keine schlechten Erfahrungen waren. Es war dieser eine Satz, der mich daran gefesselt hat, bloß nie meine Meinung zu ändern. Und jetzt, in der Perimenopause, verliert er seine Kraft. Das Östrogen geht, und mit ihm geht die Kraft, die Klappe zu halten. Ich sage im Bett, was ich will. Und was nicht. Nicht, weil ich plötzlich mutig bin, sondern weil mein Körper aufgehört hat, mir die Wahl zu lassen. Und ja — es wird leichter und leichter. Ein einziger Satz hat gereicht. Zehn Sekunden von meiner Mutter, zwanzig Jahre in meinem Bett. So lange habe ich gebraucht, um ihn wieder loszuwerden. Nicht nein sagen ist keine Charakterschwäche. Bei mir war es ein anerzogener Satz — nicht die Erfahrung selbst, sondern die Ansage, damit zu leben. Die Perimenopause räumt auf. Mit dem Östrogen fällt nicht nur Lust weg. Es fallen auch die alten Sätze weg, die auf einmal keinen Platz mehr haben. Ich sage heute, was ich will. Und was nicht. Das fühlt sich leicht an — und gleichzeitig ärgert mich, wie lange es gedauert hat. Das ist kein Phönix aus der Asche. Das ist eine verspätete Rechnung. Shownotes und Episodendetails Manche Sätze hört man einmal und trägt sie ein Leben lang. Man merkt es nicht mal. Man denkt, man ist halt so. Woher der Satz kam Es gab eine Nacht mit meinem damaligen Partner, nach der es mir nicht gut ging. Nichts Schlimmes, nichts Unfreiwilliges — und trotzdem war ich danach durcheinander und wusste nicht, warum. Am nächsten Tag habe ich allen Mut zusammengenommen und versucht, mit meiner Mutter darüber zu reden. Ich habe mir einen stillen Moment gesucht und angefangen zu erzählen. Ich hätte mir gewünscht: Komm her, ich nehm dich in den Arm. Wie geht es dir heute? Lass uns in Ruhe schauen, was da eigentlich los war. Bekommen habe ich einen Satz. Das hast du dir doch so ausgesucht. Also lebe damit. Kein „Wie kann das passieren", keine Frage, wie es mir geht. Nur die Ansage. Und mit der bin ich nach Hause gegangen und habe weitergemacht. Das Traurige ist nicht der Abend. Das Traurige ist, dass ich gar nicht bemerkt habe, wie fest sich dieser Satz in mir verankert hat. Über Beziehungen hinweg habe ich alles mitgemacht, was mir vorgeschlagen wurde. Manches wollte ich wirklich ausprobieren. Und manches habe ich durchgezogen, obwohl ich vorher schon wusste, dass ich es doof finde. Weil ich mir das ja so ausgesucht hatte. Und wer sich etwas aussucht, ändert seine Meinung nicht. Es gibt Dinge dabei, für die habe ich mich geschämt. Lange. Und wenn ich mir das heute anschaue, sehe ich, wie sehr dieser eine Satz meine Lust und meine Sexualität geprägt hat — nicht weil damals etwas schiefgelaufen ist, sondern weil danach niemand gefragt hat, wie es mir geht. Warum er jetzt seine Kraft verliert Ich sage in diesem Podcast immer wieder, dass sich in der Perimenopause alles verändert. Mit dem Östrogen fällt die Möglichkeit weg, bestimmte Dinge einfach hinzunehmen. Das klingt erstmal nach Verlust — Hitze, schlechte Laune, der ganze Kram. Aber es fällt eben auch anderes weg. Festsitzende Erfahrungen. Alte Sätze. Meiner hat mit einem Mal keine Kraft mehr, weil ich inzwischen ziemlich klar sagen kann, was ich nicht will — und genauso, was ich gerne hätte. Und die Dinge, für die ich mich geschämt habe, wiegen von Mal zu Mal weniger. Da wären wir wieder beim Stück Eisen im Kreuz. Nur ist es jetzt mein Eisen in meinem Kreuz. Nicht mehr das von irgendjemandem, der sich hinter mich stellt und mich gerade hält. Und trotzdem sitze ich hier mit Mitte vierzig und stelle fest: Ich habe zwanzig Jahre gebraucht, um einen Satz loszuwerden, den mir jemand in zehn Sekunden reingedrückt hat. Leichter wird es, ja. Aber es ist keine schöne Verwandlung. Es ist eine Rechnung, die spät bezahlt wird. Wenn du eine Frau kennst, die auch so einen Satz mit sich herumträgt — schick ihr diese Folge. Manchmal reicht es zu hören, dass es einer anderen genauso ging.

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show notes

Beim Sex nicht nein sagen — Shownotes Episode 027

Ein Satz von meiner Mutter hat mich zwanzig Jahre lang im Bett nicht nein sagen lassen. Nicht, weil sie gemein zu mir gewesen wäre. Sondern weil sie in dem einen Moment, in dem ich Trost gebraucht hätte, gesagt hat: das hast du dir doch so ausgesucht, also lebe damit.

Ich bin mit dem Satz nach Hause gegangen und habe ihn behalten. In jede Beziehung, in jedes Bett. Ich habe mitgemacht, was vorgeschlagen wurde, und viel zu selten gesagt: möchte ich nicht. Nicht, weil die Nächte schlimm gewesen wären — die meisten waren völlig okay. Sondern weil ich gelernt hatte, dass ich mir das ja so ausgesucht habe. Über Jahre und über mehrere Beziehungen habe ich diesen Satz mitgeschleppt, ohne ein einziges Mal zu bemerken, dass ich ihn überhaupt mit mir trage.

Meine Mutter hatte übrigens noch einen zweiten Satz: „Da brauchst du mal ein Stück Eisen im Kreuz." Das sollte Selbstbewusstsein heißen. Gemacht hat es mich klein — als würde ich das allein nie hinkriegen, als müsste sich immer jemand hinter mich stellen und mich gerade halten. Erst heute merke ich, dass sich das Eisen irgendwann in mein Eisen verwandelt hat. In dieser Folge erzähle ich, wie das passiert ist — und warum ausgerechnet die Perimenopause damit zu tun hat.

Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

Zwanzig Jahre lang konnte ich beim Sex nicht nein sagen, weil ein Satz meiner Mutter in mir saß und jedes „möchte ich nicht" abgeräumt hat, bevor ich es aussprechen konnte. Ich habe Dinge ausprobiert, die ich schon vorher doof fand — und trotzdem durchgezogen, weil ich mir das ja so ausgesucht hatte. Erst spät habe ich begriffen, dass das gar keine schlechten Erfahrungen waren. Es war dieser eine Satz, der mich daran gefesselt hat, bloß nie meine Meinung zu ändern. Und jetzt, in der Perimenopause, verliert er seine Kraft. Das Östrogen geht, und mit ihm geht die Kraft, die Klappe zu halten. Ich sage im Bett, was ich will. Und was nicht. Nicht, weil ich plötzlich mutig bin, sondern weil mein Körper aufgehört hat, mir die Wahl zu lassen. Und ja — es wird leichter und leichter.

  • Ein einziger Satz hat gereicht. Zehn Sekunden von meiner Mutter, zwanzig Jahre in meinem Bett. So lange habe ich gebraucht, um ihn wieder loszuwerden.
  • Nicht nein sagen ist keine Charakterschwäche. Bei mir war es ein anerzogener Satz — nicht die Erfahrung selbst, sondern die Ansage, damit zu leben.
  • Die Perimenopause räumt auf. Mit dem Östrogen fällt nicht nur Lust weg. Es fallen auch die alten Sätze weg, die auf einmal keinen Platz mehr haben.
  • Ich sage heute, was ich will. Und was nicht. Das fühlt sich leicht an — und gleichzeitig ärgert mich, wie lange es gedauert hat.

Das ist kein Phönix aus der Asche. Das ist eine verspätete Rechnung.

Shownotes und Episodendetails

Manche Sätze hört man einmal und trägt sie ein Leben lang. Man merkt es nicht mal. Man denkt, man ist halt so.

Woher der Satz kam

Es gab eine Nacht mit meinem damaligen Partner, nach der es mir nicht gut ging. Nichts Schlimmes, nichts Unfreiwilliges — und trotzdem war ich danach durcheinander und wusste nicht, warum.

Am nächsten Tag habe ich allen Mut zusammengenommen und versucht, mit meiner Mutter darüber zu reden. Ich habe mir einen stillen Moment gesucht und angefangen zu erzählen. Ich hätte mir gewünscht: Komm her, ich nehm dich in den Arm. Wie geht es dir heute? Lass uns in Ruhe schauen, was da eigentlich los war.

Bekommen habe ich einen Satz. Das hast du dir doch so ausgesucht. Also lebe damit. Kein „Wie kann das passieren", keine Frage, wie es mir geht. Nur die Ansage. Und mit der bin ich nach Hause gegangen und habe weitergemacht.

Das Traurige ist nicht der Abend. Das Traurige ist, dass ich gar nicht bemerkt habe, wie fest sich dieser Satz in mir verankert hat. Über Beziehungen hinweg habe ich alles mitgemacht, was mir vorgeschlagen wurde. Manches wollte ich wirklich ausprobieren. Und manches habe ich durchgezogen, obwohl ich vorher schon wusste, dass ich es doof finde. Weil ich mir das ja so ausgesucht hatte. Und wer sich etwas aussucht, ändert seine Meinung nicht.

Es gibt Dinge dabei, für die habe ich mich geschämt. Lange. Und wenn ich mir das heute anschaue, sehe ich, wie sehr dieser eine Satz meine Lust und meine Sexualität geprägt hat — nicht weil damals etwas schiefgelaufen ist, sondern weil danach niemand gefragt hat, wie es mir geht.

Warum er jetzt seine Kraft verliert

Ich sage in diesem Podcast immer wieder, dass sich in der Perimenopause alles verändert. Mit dem Östrogen fällt die Möglichkeit weg, bestimmte Dinge einfach hinzunehmen. Das klingt erstmal nach Verlust — Hitze, schlechte Laune, der ganze Kram.

Aber es fällt eben auch anderes weg. Festsitzende Erfahrungen. Alte Sätze. Meiner hat mit einem Mal keine Kraft mehr, weil ich inzwischen ziemlich klar sagen kann, was ich nicht will — und genauso, was ich gerne hätte. Und die Dinge, für die ich mich geschämt habe, wiegen von Mal zu Mal weniger.

Da wären wir wieder beim Stück Eisen im Kreuz. Nur ist es jetzt mein Eisen in meinem Kreuz. Nicht mehr das von irgendjemandem, der sich hinter mich stellt und mich gerade hält.

Und trotzdem sitze ich hier mit Mitte vierzig und stelle fest: Ich habe zwanzig Jahre gebraucht, um einen Satz loszuwerden, den mir jemand in zehn Sekunden reingedrückt hat. Leichter wird es, ja. Aber es ist keine schöne Verwandlung. Es ist eine Rechnung, die spät bezahlt wird.

Wenn du eine Frau kennst, die auch so einen Satz mit sich herumträgt — schick ihr diese Folge. Manchmal reicht es zu hören, dass es einer anderen genauso ging.