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Perlentaucher Bücherbrief live

Perlentaucher

Der Bücherbrief, den der Perlentaucher einmal im Monat verschickt, bildet die Basis für unser Literarisches Duett Benita Berthmann und Lukas Pazzini. Sie wählen einzelne Bücher daraus aus und stellen sie vor. Und sie sprechen mit Autoren oder Übersetzern besonders interessanter Bücher.

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  • 11 episodes
  • monthly
  • Avg 29 min
  • German
  • July 16 · 27 min

    Podcast Folge 11: Repoetisierung der Welt

    Marie Luise Knott wurde 1953 in Köln geboren, hat Politikwissenschaft und Romanistik studiert und arbeitet als Journalistin, Übersetzerin und Herausgeberin. Seit 2013 schreibt sie für den Perlentaucher die Lyrikkolumne "Tagtigall", 2024 wurde sie mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay ausgezeichnet. Wir klären mit ihr, was eine Tagtigall überhaupt ist und warum es so wichtig ist, dass es sie gibt. Gedichte lesen ist für Marie Luise Knott "Moment der Begegnung", es hat etwas Tröstendes und bringt Bewegung in die Sprache. Dass die Bedeutung der Lyrik viel größer ist als viele annehmen und es dringend einer "Repoetisierung der Welt" bedarf, da sind wir uns nach diesem Gespräch einig. Wer nach der Folge auch sein poetisches Repertoire aufstocken möchte, kann zum Beispiel bei der Tagtigall mit dem schönen Titel "Die Sprache tritt über die Ufer" vorbeischauen (die Überschriften, selbst Kunstwerke für sich, verdanken sich der Zusammenarbeit von Anja Seeliger und Marie Luise Knott). Alle erwähnten Bücher, weiter unten aufgelistet, können Sie in unserem Online-Buchhandel eichendorff21.de kaufen. Damit hätten Sie auch schon einen ersten Schritt gegen das Machtmonopol der Tech-Eliten getan. Wie Amazon. Mit Doppel-F. Aber ohne Bezos Hier weitere Empfehlungen von einigen der diskutierten Autorinnen und Lyriker, auf die man einen Blick werfen sollte: Ernst Jandl - Ernst Jandl zum 100. Ausgewählt und kommentiert von Luchterhand-AutorInnen Monika Rinck - Höllenfahrt & Entenstaat Herta Müller - Vater telefoniert mit den Fliegen Abdalrahman Alqalaq - Übergangsritus Sirka Elspaß - Ich föhne mir meine Wimpern

  • February 17 · 22 min

    Warum sind Träume zärtlicher Terror, Wolfram Lotz?

    Der Perlentaucher wertet jeden Tag die Rezensionen der wichtigen Medien aus -mittlerweile über 110 000 zu über 67 000 verschiedenen Büchern. Besonders spannende Bücher wählen wir für unseren monatlichen Bücherbrief aus, den Sie hier abonnieren können. Zwei dieser Bücher besprechen wir jeden Monat in unserem Podcast: Im Februar sind es Stefanie Sargnagels "Opernball. Zu Besuch bei der Hautevolee" und Wolfram Lotz' "Träume in Europa". Alle erwähnten Bücher, weiter unten aufgelistet, können Sie in unserem Online-Buchhandel eichendorff21.de kaufen. Damit hätten Sie auch schon einen ersten Schritt gegen das Machtmonopol der Tech-Eliten getan. Wie Amazon. Mit Doppel-F. Aber ohne Bezos Ab Minute 0:49 betreten wir mit Stefanie Sargnagels "Opernball" eine Gesellschaftsschicht, in der ansonsten weder wir noch die Autorin unterwegs sind. Die Wiener Hautevolee trifft sich, um zu sehen und vor allem gesehen zu werden - und Sargnagel trifft sie mit sarkastischen Spitzen. Wir amüsieren uns über die "schirchen" Österreicher und staunen, wie die Autorin mit ihren scharfen Beobachtungen ziemlich grauslige Wahrheiten offenlegt.. Ab Minute 13:09 träumen wir uns mit Wolfram Lotz durch Europa: Lotz hat sich in verschiedenen europäischen Internetforen herumgetrieben und die verrücktesten Motive aufgestöbert. Egal, ob die Träumenden von Tina Turner auf der Arbeit besucht oder als kaputtes Vehikel in eine Scheune geschoben werden, wir werden bei der Lektüre zum Tagträumen, Verweilen, Nachdenken angeregt. Über seine Arbeitsweise und die Frage, warum Träume Zärtlichkeit und Terror vereinen, sprechen wir mit dem Autor im Interview ab 23:26 min. Alle erwähnten Bücher: Stefanie Sargnagel: Opernball. Zu Besuch bei der Hautevolee Wolfram Lotz: Träume in Europa Wolfram Lotz: Heilige Schrift Charlotte Beradt: Das Dritte Reich des Traums

  • January 15 · 45 min

    Wie nervt man Elon Musk, Aya Jaff?

    Der Perlentaucher wertet jeden Tag die Rezensionen der wichtigen Medien aus -mittlerweile über 110 000 zu über 67 000 verschiedenen Büchern. Besonders spannende Bücher wählen wir für unseren monatlichen Bücherbrief aus, den Sie hier abonnieren können. Zwei dieser Bücher besprechen wir jeden Monat in unserem Podcast: Im Januar sind es László Krasznahorkais "Zsömle ist weg" und Aya Jaffs "Broligarchie. Die Machtspiele der Tech-Elite und wie sie Fortschritt verhindern". Alle erwähnten Bücher, weiter unten aufgelistet, können Sie in unserem Online-Buchhandel eichendorff21.de kaufen. Damit hätten Sie auch schon einen ersten Schritt gegen das Machtmonopol der Tech-Eliten getan. Wie Amazon. Mit Doppel-F. Aber ohne Bezos Ab 0:53 starten wir mit László Krasznahorkai: Die Form ist herausfordernd, jedes der elf Kapitel besteht aus nur einem einzigen Satz. Aber es ist eine Herausforderung, die sich lohnt: Die Geschichte des 91-jährigen Onkel Jozsi entwickelt einen mitreißenden Sog. Wieso hält er sich für den König von Ungarn? Wieso findet er eine Unterstützergruppe, die ihn noch bestärkt? Und, noch viel absurder, was, wenn er eigentlich recht hat? In seiner grotesken Art liest sich der Roman, den vielleicht auch Kafka hätte schreiben können, wenn sein Leben ein bisschen lustiger gewesen wäre, absolut nobelpreiswürdig, befinden wir. Ab Minute 12:45 widmen wir uns Aya Jaff: Sie war als junge Frau selbst vom Schneller-Höher-Weiter-Mindset des Silicon Valley eingenommen, hat dann aber begonnen, kritischer über Tech Bros zu denken. Wir erschrecken über die finanzielle und politische Macht, die Menschen wie Elon Musk und Peter Thiel ohne größere Hürden einnehmen konnten. Wir sind aber auch froh, dass Jaff viele Ideen parat hält, wie wir unsere digitale Souveränität zurückerlangen können. Die Autorin treffen wir auch ab Minute 25:19 im Interview: Sie erklärt uns, welche Gefahr von den Broligarchen ausgeht, was das mit Geschlecht zu tun hat und was jede und jeder Einzelne von uns tun kann, um ihre Macht zu begrenzen. Alle erwähnten Bücher: László Krasznahorkai: Zsömle ist weg Aya Jaff: Broligarchie. Die Machtspiele der Tech-Elite und wie sie Fortschritt verhindern Aya Jaff: Moneymakers. Wie du die Börse für dich entdecken kannst.

  • Dec 10, 2025 · 22 min

    Muttersprache der Literatur

    Tag für Tag sichtet der Perlentaucher die Buchkritiken der wichtigen Medien und fasst sie in seiner täglichen Presseschau zusammen. Seit dem Jahr 2000 haben wir mehr als 100.000 Kritiken zu mehr als 66.000 Büchern gelesen. Einmal im Monat verschicken wir einen Bücherbrief - hier präsentieren wir die Bücher, die in der Presse besonders gut besprochen wurden und die wir selbst am liebsten mochten. 32.000 AbonnentInnen nutzen den Bücherbrief Monat für Monat für ihre literarische Orientierung. Der Bücherbrief bildet die Basis für unseren Podcast. Benita Berthmann und Lukas Pazzini wählen daraus zwei Titel: Diesmal besprechen sie Irina Scherbakowas "Der Schlüssel würde noch passen" und treffen sich mit Deniz Utlu, dem Übersetzer von Tezer Özlüs "Die kalten Nächte der Kindheit". Alle erwähnten Bücher, weiter unten aufgelistet, können Sie in unserem Online-Buchhandel eichendorff21.de kaufen. Wie Amazon. Mit Doppel-F. Aber ohne Bezos. Ab 01:14 min starten wir mit Irina Scherbakowa: In kurzen Kapiteln erfahren wir, wie die 2022 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Menschenrechtsorganisation Memorial gegründet wurde, wie das Leben der Autorin in der sowjetischen, aber auch postsowjetischen Zeit ausgesehen hat, aber auch, wie Putins zunehmend diktatorische Regierung sie ins Exil getrieben hat. Ein Buch, dem zwar ein gründlicheres Lektorat gutgetan hätte, das aber sowohl für Menschen mit als auch ohne persönlichen Bezug zur Geschichte Russlands und der Sowjetunion lesenswert ist. Weiter geht es ab 11:09 min mit Tezer Özlü: In den vielen Zeit- und Raumebenen, auf die sie uns mitnimmt, kann man leicht die Orientierung verlieren, aber gerade das ist für uns auch besonders reizvoll. Die Handlung zwischen Kindheit in der Türkei, Psychiatrieaufenthalten, Elektroschocktherapie und Auslandsreisen verflicht die Autorin mit der Suche nach einer eigenen Sprache. Ein Buch, das trotz seiner Kürze lange nachhallt. Über dieses für die türkische Literatur so wichtige Buch sprechen wir ab 23:15 mit Übersetzer Deniz Utlu über die Einflüsse, die Özlü aus den verschiedensten Sprachen und Literaturen sammelt, über die Bedeutung ihrer Mehrsprachigkeit für ihr Werk und die Suche nach der "Muttersprache der Literatur". Alle erwähnten Bücher: Irina Scherbakowa: Der Schlüssel müsste noch passen Tezer Özlü: Die kalten Nächte der Kindheit Tezer Özlü: Auf den Spuren eines Selbstmords Sevgi Soysal: Vor dem Morgengrauen

  • Nov 24, 2025 · 22 min

    Das literarische Duett: All jene, die einfach weggesehen haben

    Tag für Tag sichtet der Perlentaucher die Buchkritiken der wichtigen Medien und fasst sie in seiner täglichen Presseschau zusammen. Seit dem Jahr 2000 haben wir mehr als 100.000 Kritiken zu mehr als 66.000 Büchern gelesen. Einmal im Monat verschicken wir einen Bücherbrief - hier präsentieren wir die Bücher, die in der Presse besonders gut besprochen wurden und die wir selbst am liebsten mochten. 32.000 AbonnentInnen nutzen den Bücherbrief Monat für Monat für ihre literarische Orientierung. Der Bücherbrief bildet die Basis für unseren Podcast. Benita Berthmann und Lukas Pazzini wählen die interessantesten Bücher daraus aus und stellen sie vor: diesmal besprechen sie Katrina Tuveras "Die Kollaborateure" und treffen Ronya Othmann zum Gespräch über ihre Reportage "Rückkehr nach Syrien". Wie Amazon. Mit Doppel-F. Aber ohne Bezos. Wir starten ab 00:36 mit Katrina Tuveras "Die Kollaborateure": Anlässlich des philippinischen Gastlandauftritts auf der Frankfurter Buchmesse hat Jan Karsten das Buch über die Verwicklungen der politischen Elite in der Marcos-Diktatur übersetzt. Aus vier verschiedenen Perspektiven bringt Tuvera uns die philippinische Nachkriegsgesellschaft näher, auch wenn vieles für uns leider vage bleibt. Wir empfehlen, sich vor der Lektüre ausführlicher mit Marcos und Co. zu beschäftigen. Mit Ronya Othmann reisen wir in ihrer Reportage "Rückkehr nach Syrien" ab 12:02 durch das Post-Assad-Syrien: Wir erfahren, wie die verschiedenen Minderheiten von Drusen über Ismailiten bis Kurden auf das Ende der Diktatur und die Interimsregierung von Al-Dscholani blicken und wie der IS und seine Verheerungen Städte wie Rakka nach wie vor prägen. Im Gespräch macht die Autorin eindrucksvoll klar, dass die Situation in Syrien keineswegs befriedet ist und dass es weiterhin unserer Aufmerksamkeit für das Land bedarf. Als Informationsquellen legt sie uns den Syrian Observatory for Human Rights und Reuters nahe. Alle erwähnten Bücher: Katrina Tuvera (Ü: Jan Karsten): Die Kollaborateure Ronya Othmann: Rückkehr nach Syrien Ronya Othmann: Vierundsiebzig

  • Oct 15, 2025 · 13 min

    Das literarische Duett: Vorspiel mit dem Terrorismus

    Tag für Tag sichtet der Perlentaucher die Buchkritiken der wichtigen Medien und fasst sie in seiner täglichen Presseschau zusammen. Seit dem Jahr 2000 haben wir mehr als 100.000 Kritiken zu mehr als 66.000 Büchern gelesen. Einmal im Monat verschicken wir einen Bücherbrief - hier präsentieren wir die Bücher, die in der Presse besonders gut besprochen wurden und die wir selbst am liebsten mochten. 32.000 AbonnentInnen nutzen den Bücherbrief Monat für Monat für ihre literarische Orientierung. Der Bücherbrief bildet die Basis für unseren Podcast. Benita Berthmann und Lukas Pazzini wählen die interessantesten Bücher daraus aus und stellen sie vor. Wir hoffen sehr, dass Sie unseren Podcast abonnieren und dass Sie Ihre Bücher in unserem Buchladen eichendorff21.de kaufen: Wie Amazon. Mit Doppel-F. Aber ohne Bezos. Wir starten ab 01:05 mit Raphaela Edelbauer: Ihrer Protagonistin Byproxy und der WG aus Philosophie-Terroristen ist es ein dringendes Anliegen, die Menschheit wieder zur Rückkehr zur Wahrheitssuche zu bewegen, anstatt sich im postmodern-subjektiven Klein-Klein zu verlieren. Aber wie ist Byproxy in der WG und im Rollstuhl gelandet? Was treibt sie an und was ist mit ihrer Freundin Dorothee passiert? Edelbauers Fabulierlust und ihr Drang, sich an die Randgebiete der Fiktion zu wagen, hat auch uns mitgerissen. Ab 13:48 haben wir uns mit Dorothee Elmigers namenloser Schriftsteller-Protagonistin in die Schwierigkeiten ihrer Poetikvorlesung vertieft und fragen uns: Was ist mit den verschwundenen Holländerinnen im Dschungel von Panama passiert? Und woher kommt der Drang des Theatermachers, den Weg der jungen Frauen mit seinem Projekt nachzugehen? Die Binnengeschichten um sterbende Ziegen, französische Schriftstellerinnen und Obdachlose verweben sich mit den zahlreichen Verweisen auf Theoretiker und Intellektuelle zu einer anspruchsvollen Meta-Geschichte. Wir fragen uns: Hat Elmiger mit ihrem Beharren auf dem Konjunktiv vielleicht die letzte Möglichkeit gefunden, etwas Neues zu erzählen? Alle erwähnten Bücher: Raphaela Edelbauer: Die echtere Wirklichkeit Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Joseph Conrad: Heart of Darkness Deutsche Übersetzung: Herz der Finsternis, übersetzt von Urs Widmer

  • Aug 27, 2025 · 55 min

    Wie konnte das geschehen, Götz Aly?

    Götz Aly ist einer der wichtigsten deutschen Autoren zum Thema Nationalsozialismus. Seit vielen Jahrzehnten beschäftigt sich der Historiker, Politikwissenschaftler und Journalist mit der Geschichte des Antisemitismus und der Judenfeindschaft wie in seinem Buch "Europa gegen die Juden", mit den Euthanasiemorden in "Die Belasteten", aber auch mit den Wirtschafts- und Raubverbrechen der Nazis, etwa in "Hitlers Volksstaat". Der Perlentaucher hat in den letzten Wochen bereits einige Passagen aus Alys neuem Buch vorgeblättert. Sie können das Buch, wie auch viele weitere Publikationen von Götz Aly, in unserem Onlineshop eichendorff21.de kaufen. Wir hoffen sehr, dass Sie unseren Podcast abonnieren und dass Sie Ihre Bücher in unserem Buchladen eichendorff21.de kaufen: Wie Amazon. Mit Doppel-F. Aber ohne Bezos. Im Gespräch mit Götz Aly interessiert uns vor allem, wieso die Frage nach dem "Warum?" jetzt wieder gestellt werden muss: Aly war es wichtig, mit diesem Buch die Fäden seiner Arbeit zusammenzuführen und ein Verständnis der Gegenwart aus der Vergangenheit heraus zu ermöglichen. Weder die Haupt- noch die Nebenfiguren des Nationalsozialismus sind in seinem Buch abstrakte Größen, sondern Menschen, die vor 1933 und nach 1945 größtenteils ein normales, nicht-kriminelles Leben geführt haben. Es war gar nicht erforderlich, in allen Belangen mit der Ideologie übereinzustimmen, um zum Mitläufer und Täter zu werden - das zeigen Biografien wie die von Hans Mommsen, der als Ordinarius der Philipps-Universität Marburg jahrelang damit unter Druck gesetzt wurde, er könnte seine Stelle verlieren, wenn er nicht mitmacht. Aber auch ein Dichter wie Heinrich Böll war vor dem Mitläufertum nicht gefeit: Als Soldat im Frankreich-Feldzug beteiligte er sich an den Raubzügen. Warum diese Menschen zu Komplizen wurden, erklärt uns der Autor mit verbesserten Sozialleistungen, die viele Familien während des Krieges finanziell besser stellten als davor und die vor allem dazu dienen sollten, die Kriegsmüdigkeit der Bevölkerung zu überdecken. Dass dies das Dritte Reich stetig an den Rand des Staatsbankrotts führte, liegt nahe. Wir diskutieren über diese "Verbrechensgemeinschaft", die sich zusammentat und im Gespräch klären wir auch, wie sich Aly gegenüber anderen Thesen positioniert: Etwa gegenüber Daniel Goldhagen, der von einem genuin deutschen Antisemitismus ausgeht oder gegenüber Peter Longerich, der in seinem Buch "Unwillige Volksgenossen" die These vertritt, viele Deutsche hätten den Nationalsozialismus nicht aus Überzeugung, sondern aus Konformitätsdruck unterstützt. Nicht zuletzt erklärt Aly, weshalb es wichtig ist, dass auch deutsche Historiker bekennen, wie auch ihre Familiengeschichten mit dem Lauf der Ereignisse verbunden sind. Wenn Ihnen die Podcastfolge gefallen hat, freuen wir uns, wenn Sie unseren Podcast auf allen gängigen Portalen abonnieren und uns eine gute Bewertung geben. Die erwähnten Bücher können Sie bei eichendorff21.de kaufen: Götz Aly: Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933-1945 Daniel Goldhagen: Hitler's Willing Executioners (deutsche Fassung derzeit nicht verfügbar) Peter Longerich: Unwillige Volksgenossen

  • Aug 18, 2025 · 27 min

    Das Biest ist weiblich

    Wir sind bei Folge 4 unseres Podcasts "Bücherbrief Live" angekommen. Im literarischen Duett stellen die Perlentaucher Benita Berthmann und Lukas Pazzini einige Bücher vor, die sie im August-Bücherbrief besonders interessant fanden: Es geht um Angela Carters feministischen Horror-Klassiker "Die blutige Kammer" und Viktor Remizovs monumentalen Roman über den Bau der Stalin-Bahn in Sibirien, den Interview-Gast Franziska Zwerg ins Deutsche übertragen hat. Tag für Tag sichtet der Perlentaucher die Buchkritiken der wichtigen Medien und fasst sie in seiner täglichen Presseschau zusammen. Seit dem Jahr 2000 haben wir mehr als 100.000 Kritiken zu mehr als 65.000 Büchern gelesen. Einmal im Monat verschicken wir einen Bücherbrief - hier präsentieren wir die Bücher, die in der Presse besonders gut besprochen wurden und die wir selbst am liebsten mochten. 32.000 AbonnentInnen nutzen den Bücherbrief Monat für Monat für ihre literarische Orientierung. Der Bücherbrief bildet die Basis für unseren Podcast. Benita Berthmann und Lukas Pazzini wählen drei Bücher daraus aus, stellen sie vor und sprechen mit Autoren oder Übersetzern über besonders interessante Bücher. Wir hoffen sehr, dass Sie unseren Podcast abonnieren und dass Sie Ihre Bücher in unserem Buchladen eichendorff21.de kaufen: Wie Amazon. Mit Doppel-F. Aber ohne Bezos. Ab 02:02 diskutieren wir über Angela Carters feministischen Horror-Klassiker "Die blutige Kammer", den Maren Kames in ein schwingendes Deutsch übertragen hat. Die Geschichten lassen uns die Haare zu Berge stehen, zum Beispiel, wenn wir Blaubart und seinen blutigen Machenschaften gemeinsam mit der jungen Protagonistin auf die Schliche kommen. Aber lustig ist es auch, etwa, wenn der gestiefelte Kater sich über das Paarungsverhalten der Menschen mokiert. Vielleicht ist Carters Kurzgeschichtensammlung so etwas wie der Ur-Text der derzeit so populären Weird Girl Fiction? Die absolute Tristesse und das Elend des russischen Gulags in den späten 1940er und frühen 1950er Jahren lernen wir ab 15:48 in Viktor Remizovs großem Roman "Permafrost" kennen. Die Willkür des stalinistischen Terrors zeigt: Niemand ist sicher, was heute noch das Überleben sichert, kann morgen mit 20 Jahren Verbannung gestraft werden. Einen Ausweg gibt es nicht, ebenso wenig wie Gerechtigkeit. Welche Besonderheiten die Übersetzung aus dem Russischen mit sich bringt, erläutert ab 25:58 Franziska Zwerg im Interview. Sie hat in mehrfacher Hinsicht dafür gesorgt, dass wir Viktor Remizovs Buch lesen können, denn sie hat es nicht nur übersetzt, sondern auch den Verlag dafür gefunden. Wir sprechen mit ihr auch darüber, wie die staatliche Förderung von Übersetzungen aussieht, wieso Remizovs Buch trotz des brisanten Themas in Russland erfolgreich ist und welche Vergleiche sich zur Gulag-Literatur etwa von Solschenizyn oder Schalamow ziehen lassen. Alle Bücher, die im Podcast erwähnt werden: Angela Carter: Die blutige Kammer (Übersetzung: Maren Kames) Viktor Remizov: Permafrost (Übersetzung: Franziska Zwerg) George Orwell: Farm der Tiere (Übersetzung: Hans-Christian Oeser) NoViolet Bulawayo: Glory (Übersetzung: Jan Schönherr) Jeffrey Eugenides: Die Selbstmord-Schwestern (Übersetzung: Mechthild Sandberg-Ciletti) Auf Englisch: The Virgin Suicides Han Kang: Die Vegetarierin (Übersetzung: Ki-Hyang Lee) Ottessa Moshfeg: Lapvona (Übersetzung: Anke Caroline Burger) Auf Englisch: Lapvona Ottessa Moshfeg: Mein Jahr der Ruhe und Entspannung (Übersetzung: Anke Caroline Burger) Auf Englisch: My Year of Rest and Relaxation Mona Awad: Bunny (Übersetzung: Elena Helfrecht) Auf Englisch: Bunny Chelsea Summers: A Certain Hunger (bislang keine deutsche Übersetzung) Alexander Solschenizyn: Der Gulag Archipel (Übersetzung: Anna Peturnik und Ernst Walter) Warlam Schalamow: Erzählungen aus Kolyma (Übersetzung: Gabriele Leupold)

  • Jul 9, 2025 · 28 min

    Abenteuer und Abenteurer

    Aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei: So sind wir nun schon bei Folge 3 unseres Podcasts "Bücherbrief Live" angekommen. Im literarischen Duett stellen die Perlentaucher Benita Berthmann und Lukas Pazzini einige Bücher vor, die sie im Juli-Bücherbrief besonders interessant fanden: Es geht um Juan S. Guses Roman "Tausendmal so viel Geld wie jetzt" und um Gerhard J. Rekels Biografie "Lina Morgenstern. Die Geschichte einer Rebellin". Für das Interview haben wir die Literaturvermittlerin Michi Strausfeld zu Gast, die sich seit Jahrzehnten für die kulturelle Beziehung zwischen Lateinamerika und Deutschland einsetzt. Tag für Tag sichtet der Perlentaucher die Buchkritiken der wichtigen Medien und fasst sie in seiner täglichen Presseschau zusammen. Seit dem Jahr 2000 haben wir mehr als 100.000 Kritiken zu mehr als 65.000 Büchern gelesen. Einmal im Monat verschicken wir einen Bücherbrief - hier präsentieren wir die Bücher, die in der Presse besonders gut besprochen wurden und die wir selbst am liebsten mochten. 32.000 AbonnentInnen nutzen den Bücherbrief Monat für Monat für ihre literarische Orientierung. Der Bücherbrief bildet die Basis für unseren Podcast. Benita Berthmann und Lukas Pazzini wählen drei Bücher daraus aus, stellen sie vor und sprechen mit Autoren oder Übersetzern über besonders interessante Bücher. Wir hoffen sehr, dass Sie unseren Podcast abonnieren und dass Sie Ihre Bücher in unserem Buchladen eichendorff21.de kaufen: Wie Amazon. Mit Doppel-F. Aber ohne Bezos. Man muss kein spezielles Interesse an Krypto-Währungen haben, um Juan S. Guses Buch "Tausendmal so viel Geld wie jetzt" hochspannend zu finden: Soziologisch präzise, aber ohne zu akademisch zu sein, beschreibt Guse anhand von drei Selfmade-Krypto-Millionären ein faszinierendes Millieu. Seine Einblicke verbinden Pop-Literatur, Nihilismus-Beschreibungen, den Twitter-Sound der 2010er Jahre und zeitdiagnostische Treffer - das erste Buch in unserer dritten Folge überzeugt durch thematische Aktualität und Pop-Avantgarde. Ab 10:55 sprechen wir über Gerhard Rekels "Lina Morgenstern. Die Geschichte einer Rebellin" und lernen eine unermüdliche Sozialreformerin des 19. Jahrhunderts kennen, der das praktische Handeln mehr lag als endlose Theoriediskussionen. Den Spitznamen "Suppenlina" erhält sie nicht ohne Grund - sie macht sich in Zeiten von Cholera-Epidemien, Missernten und Kriegen für Suppenküchen stark, die die Berliner zum Selbstkostenpreis mit einer warmen Mahlzeit versorgt, oder gründet gleich eine ganze Batterie von Kindergärten. Wir freuen uns, neben den bekannten Figuren wie Clara Zetkin (die Morgenstern übrigens wenig abgewinnen konnte) oder Rosa Luxemburg eine völlig zu Unrecht fast vergessene Aktivistin, wie wir heute sagen würden, kennenzulernen. Bei 18:20 führen wir in dieser Folge eine neue Kategorie ein: Bücher, die man kennen sollte. Unsere erste Empfehlung ist Marlene Streeruwitz' Debütroman "Verführungen". Mit Michi Strausfeld und ihrer "Kaiserin von Galapagos" begeben wir uns im Interview ab 20:00 auf die Spur der deutschen Abenteuer und Abenteurer in Lateinamerika. Strausfeld hat als langjährige Suhrkamp-Lektorin dafür gesorgt, dass Autorinnen und Autoren wie Isabel Allende oder Julio Cortazar ins Deutsche übersetzt wurden und auch hier ein großes Publikum erreichen konnten. Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche hat es den Corona-Leugnern vorgemacht und ist schon Ende des 19. Jahrhunderts nach Paraguay emigriert. Wir lernen auch, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und Lateinamerika bis auf die Habsburger zurückgehen, doch in den letzten Jahrzehnten stark geschwächt wurden - das politische Interesse abseits von Rohstoffen fehlt oft. Michi Strausfeld plädiert für ein neues Interesse an dieser Region - wir können uns nur anschließen und nehmen ihre Buchempfehlungen dankend an! Alle Bücher, die im Podcast erwähnt werden: Juan S. Guse: "Tausendmal so viel Geld wie jetzt" Bret Easton Ellis: "American Psycho" Christian Kracht: "Faserland" Benjamin von Stuckrad-Barre: "Soloalbum" Leif Randt: "Allegro Pastell" Gerhard J. Rekel: "Lina Morgenstern. Die Geschichte einer Rebellin" Marlene Streeruwitz: "Verführungen" (nur antiquarisch) Michi Strausfeld: "Die Kaiserin von Galapagos. Deutsche Abenteuer in Lateinamerika" Mario de Andrade: "Macunaíma. Der Held ohne jeden Charakter" Maria Ospina Pizano: "Für kurze Zeit nur hier" Selva Almada: "Kein Fluss" Mario Vargas Llosa: "Die große Versuchung" Feedback nehmen wir jederzeit gerne unter folgender Email entgegen: podcast@perlentaucher.de

  • Jun 10, 2025 · 35 min

    Das Leben ist für jeden eine qualvolle Phase: Schalck-Golodkowski, Kultur und Nell Zink

    Tag für Tag sichtet der Perlentaucher die Buchkritiken der wichtigen Medien und fasst sie in seiner täglichen Presseschau zusammen. Seit dem Jahr 2000 haben wir mehr als 100.000 Kritiken zu mehr als 65.000 Büchern gelesen. Einmal im Monat verschicken wir einen Bücherbrief - hier präsentieren wir die Bücher, die in der Presse besonders gut besprochen wurden und die wir selbst am liebsten mochten. 32.000 AbonnentInnen nutzen den Bücherbrief Monat für Monat für ihre literarische Orientierung. Der Bücherbrief bildet die Basis für unser Literarisches Duett Benita Berthmann und Lukas Pazzini. Die beiden wählen aus dem Bücherbrief aus, stellen einzelne Bücher vor, und sprechen mit Autoren oder Übersetzern über besonders interessanter Bücher. Folge 2 mit Büchern aus dem Bücherbrief Juni ist da! Und wir hoffen sehr, dass Sie unseren Podcast abonnieren und dass Sie Ihre Bücher in unserem Buchladen eichendorff21.de kaufen: Wie Amazon. Mit Doppel-F. Aber ohne Bezos. Folge 2 startet mit Norbert Pötzls so aufschlussreicher wie schockierender Studie "Das Schattenreich des Alexander Schalck-Golodkowski. Vom Entstehen und Verschwinden der DDR-Milliarden". Schalck-Golodkowski, der große Devisenbeschaffer der DDR, hat in gar nicht so kommunistischer Manier Milliarden auf verschlungenen Wegen erwirtschaftet, sei es mit politischen Gefangenen, für die die BRD in Westmark bezahlt hat oder mit landwirtschaftlichen Unternehmen, in die auch Franz Josef Strauß verwickelt war. Erschienen ist das Buch im Europa Verlag. Ab Minute 12:36 stellen Benita und Lukas "Kultur. Eine neue Geschichte der Welt" von Martin Puchner vor: Anhand von Beispielen von der Chauvet-Höhle bis zum Projekt "Future Library" zeigt Puchner: Kultur ist nie von anderen Kulturen isoliert, oder, wie Puchner es ausdrückt: Sie ist ein "Wechselspiel aus Bewahrung, Verlust und Rückgewinnung." Übersetzt wurde das Buch von Enrico Heinemann, erschienen ist es bei Klett-Cotta. Im Interview haben Benita und Lukas ab 22:15 die amerikanische Schriftstellerin Nell Zink zu Gast. In ihrem Buch "Sister Europe" macht sich ein seltsames Grüppchen Leute auf der Suche nach ihrer Identität auf den Weg durch eine Berliner Winternacht. Was das mit Shakespeare und Aristoteles zu tun hat und wieso das "Leben für jeden Lebenden eine qualvolle Phase" ist, erfahren wir im Gespräch mit der Autorin, die seit 25 Jahren in Deutschland lebt. Das Buch ist von Tobias Schnettler übersetzt und von Rowohlt verlegt worden. Die Bücher, hier in chronologischer Reihenfolge ihrer Erwähnung im Podcast, können Sie in unserem Online-Buchhandel eichendorff21.de erwerben: Norbert Pötzl: Das Schattenreich des Alexander Schalck-Golodkowski. Vom Entstehen und Verschwinden der DDR-Milliarden Martin Puchner: Kultur. Eine neue Geschichte der Welt Nell Zink: Sister Europe William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum Der erwähnte Zeit-Artikel von Sabine Rückert: "Was macht der auf Omas Sofa?" Feedback nehmen wir jederzeit gerne unter folgender Email entgegen: podcast@perlentaucher.de

    • Chapters
  • May 14, 2025 · 26 min

    Bücherbrief live: Der Podcast des Perlentaucher

    Tag für Tag sichtet der Perlentaucher die Buchkritiken der wichtigen Medien und fasst sie in seiner täglichen Presseschau zusammen. Seit dem Jahr 2000 haben wir mehr als 100.000 Kritiken zu mehr als 65.000 Büchern gelesen. Einmal im Monat verschicken wir einen Bücherbrief - hier präsentieren wir die Bücher, die in der Presse besonders gut besprochen wurden und die wir selbst am liebsten mochten. 32.000 AbonnentInnen nutzen den Bücherbrief Monat für Monat für ihre literarische Orientierung. Der Bücherbrief bildet die Basis für unser Literarisches Duett Benita Berthmann und Lukas Pazzini. Die beiden wählen aus dem Bücherbrief aus, stellen einzelne Bücher vor, und sprechen mit Autoren oder Übersetzern über besonders interessanter Bücher. Folge 1 mit Büchern aus dem Bücherbrief Mai ist da! Und wir hoffen sehr, dass Sie unseren Podcast abonnieren und dass Sie Ihre Bücher in unserem Buchladen eichendorff21.de kaufen: Wie Amazon. Mit Doppel-F. Aber ohne Bezos. In unserer Folge 1 geht's also um Tomasz Rozyckis Roman "Die Glühbirnendiebe. "Das Leben in einem Wohnblock, einem dieser Meisterwerke von strenger Schönheit in spätkommunistischer Zeit, ist eine wahre Metapher für die Existenz des modernen Menschen", heißt es im Klappentext. Erschienen im engagierten Verlag Edition Fototapeta, der hier einen der vielleicht wichtigsten europäischen Autoren der letzten Zeit entdeckt hat. Ab 10:44 stellen Benita und Lukas Sara Mesas Roman "Die Familie" vor, intimes Porträt einer Familie unter einem sehr dominanten Vater (und Gandhi-Fan) in der Franco-Zeit. Schließlich sprechen sie ab 19:28 mit Michael Töteberg und Alexandra Vasa über ihre Rolf-Dieter-Brinkmann-Biografie "Ich gehe in ein anderes Blau". Vor fünfzig Jahren schaute dies enfant terrible der damaligen Szene im Londoner Verkehr zuerst nach links. Er hatte mit seiner Inspiration am Pop, mit seinem Verhältnis zum Material die Lyrik vielleicht mehr revolutioniert als Handke die Roman-Schriftstellerei. Töteberg und Vasa erklären, was ihn gerade heute so faszinierend macht. Der "Bücherbrief live" ist ein Work in Progress. Jeden Monat wollen Benita und Lukas die literarische Produktion in Deutschland sichten und Gesprächspartner einladen. Wir kümmern uns in den nächsten Tagen darum, dass man unseren Podcast überall dort abonnieren kann, wo man Podcasts so abonniert. Bei Spotify klappt es bereits. Die Bücher, hier in chronologischer Reihenfolge ihrer Erwähnung im Podcast, können Sie in unserem Online-Buchhandel eichendorff21.de erwerben: Tomasz Rozycki: Die Glühbirnendiebe Günter Grass: Die Blechtrommel Gisela Elsner: Die Riesenzwerge (nur noch antiquarisch zu erwerben) Sara Mesa: Die Familie Sara Mesa: Eine Liebe Michael Töteberg und Alexandra Vasa: "Ich gehe in ein anderes Blau": Rolf Dieter Brinkmann - Eine Biografie Rolf Dieter Brinkmann: Rom, Blicke Rainald Goetz: Kontrolliert D. Red.

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