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Artwork for Perfekt Imperfekt
Perfekt Imperfekt · September 11 · 15 min

#195 Simple High Performance

Folge 195 – Simple High Performance Mara will laufen. Nicht einfach laufen. GUT laufen. Und deshalb besitzt Mara inzwischen eine Sportuhr, die ungefähr mehr über sie weiß als ihre Mutter. Herzfrequenz.Schrittfrequenz.Bodenkontaktzeit.VO₂max.Schlafscore.Erholungsstatus.Trainingsbelastung.Stresslevel. Wahrscheinlich weiß das Ding auch, ob Mara emotional bereit für Mittwoch ist. Mara steht also morgens im Wald. Wunderschön. Sonne zwischen den Bäumen. Vögel. Frische Luft. Und Mara? Schaut auf ihr Handgelenk. „Scheiße. Puls zu hoch.“ Puls noch höher. „Ich muss entspannter laufen.“ Puls höher. „Warum bin ich nicht entspannt?!“ Herz: ALARM! OFFENBAR IST ENTSPANNUNG JETZT EIN NOTFALL! Willkommen bei menschlicher High Performance. Wir wollen richtig gut sein und bauen dafür manchmal eine komplette psychologische Kommandozentrale. Konzentrier dich! Streng dich an! Mach keinen Fehler! Du musst jetzt performen! Und während wir versuchen, Höchstleistung herzustellen, benutzen wir ungefähr 70 Prozent unserer geistigen Kapazität dafür, uns selbst beim Performen zu beobachten. Genial. Dann passiert etwas Katastrophales. Maras Uhr geht aus. Akku leer. Weltuntergang. Keine Pace. Keine Herzfrequenz. Keine Performance-Daten. Mara läuft weiter. Erst etwas verloren. Dann hört sie plötzlich den Wald. Irgendwann hört sie ihre Schritte. Dann denkt sie eine Weile gar nicht mehr darüber nach, wie sie läuft. Sie läuft einfach. Der Körper macht Körperzeug. Die Augen sehen. Die Beine reagieren. Atmung passiert. Und plötzlich ist da dieses geile Gefühl: Flow. Nicht weil Mara Flow hergestellt hat. Sondern weil sie aufgehört hat, ihn dauernd zu stören. Das ist für mich Simple High Performance. Vielleicht steckt unsere höchste Leistungsfähigkeit gar nicht in noch mehr Kontrolle. Vielleicht liegt sie darunter. Unter dem mentalen Gebrüll. Unter „Ich muss“. Unter „Ich sollte“. Unter unserem Versuch, uns selbst in Echtzeit zu optimieren. Denn aus einem ruhigen Geist kommt nicht weniger Intelligenz. Da kommt mehr von ihr durch. Frisches Denken. Intuition. Reaktion. Kreativität. Klarheit. Mind läuft längst. Consciousness macht das Erleben lebendig. Thought liefert permanent neuen Stoff. Das System ist bereits eingeschaltet. Und wir stehen daneben und drücken panisch 47-mal auf den ON-Knopf. Vielleicht ist High Performance deshalb überraschend simpel: Nicht ständig noch etwas draufpacken. Sondern weniger dazwischenfunken. Mara kommt irgendwann wieder am Parkplatz an. Keine Ahnung von ihrer Pace. Keine Ahnung von ihren Zonen. Keine Ahnung, ob ihre Bodenkontaktzeit heute gesellschaftlich akzeptabel war. Aber sie grinst. Und vielleicht ist genau das der Punkt: Wir müssen unsere Genialität nicht antreiben. Manchmal sollten wir einfach aufhören, vor ihr herumzustehen.

0:00-15:34

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show notes

Folge 195 – Simple High Performance

Mara will laufen.

Nicht einfach laufen.

GUT laufen.

Und deshalb besitzt Mara inzwischen eine Sportuhr, die ungefähr mehr über sie weiß als ihre Mutter.

Herzfrequenz.Schrittfrequenz.Bodenkontaktzeit.VO₂max.Schlafscore.Erholungsstatus.Trainingsbelastung.Stresslevel.

Wahrscheinlich weiß das Ding auch, ob Mara emotional bereit für Mittwoch ist.

Mara steht also morgens im Wald.

Wunderschön.

Sonne zwischen den Bäumen.

Vögel.

Frische Luft.

Und Mara?

Schaut auf ihr Handgelenk.

„Scheiße. Puls zu hoch.“

Puls noch höher.

„Ich muss entspannter laufen.“

Puls höher.

„Warum bin ich nicht entspannt?!“

Herz: ALARM! OFFENBAR IST ENTSPANNUNG JETZT EIN NOTFALL!

Willkommen bei menschlicher High Performance.

Wir wollen richtig gut sein und bauen dafür manchmal eine komplette psychologische Kommandozentrale.

Konzentrier dich!

Streng dich an!

Mach keinen Fehler!

Du musst jetzt performen!

Und während wir versuchen, Höchstleistung herzustellen, benutzen wir ungefähr 70 Prozent unserer geistigen Kapazität dafür, uns selbst beim Performen zu beobachten.

Genial.

Dann passiert etwas Katastrophales.

Maras Uhr geht aus.

Akku leer.

Weltuntergang.

Keine Pace.

Keine Herzfrequenz.

Keine Performance-Daten.

Mara läuft weiter.

Erst etwas verloren.

Dann hört sie plötzlich den Wald.

Irgendwann hört sie ihre Schritte.

Dann denkt sie eine Weile gar nicht mehr darüber nach, wie sie läuft.

Sie läuft einfach.

Der Körper macht Körperzeug.

Die Augen sehen.

Die Beine reagieren.

Atmung passiert.

Und plötzlich ist da dieses geile Gefühl:

Flow.

Nicht weil Mara Flow hergestellt hat.

Sondern weil sie aufgehört hat, ihn dauernd zu stören.

Das ist für mich Simple High Performance.

Vielleicht steckt unsere höchste Leistungsfähigkeit gar nicht in noch mehr Kontrolle.

Vielleicht liegt sie darunter.

Unter dem mentalen Gebrüll.

Unter „Ich muss“.

Unter „Ich sollte“.

Unter unserem Versuch, uns selbst in Echtzeit zu optimieren.

Denn aus einem ruhigen Geist kommt nicht weniger Intelligenz.

Da kommt mehr von ihr durch.

Frisches Denken.

Intuition.

Reaktion.

Kreativität.

Klarheit.

Mind läuft längst.

Consciousness macht das Erleben lebendig.

Thought liefert permanent neuen Stoff.

Das System ist bereits eingeschaltet.

Und wir stehen daneben und drücken panisch 47-mal auf den ON-Knopf.

Vielleicht ist High Performance deshalb überraschend simpel:

Nicht ständig noch etwas draufpacken.

Sondern weniger dazwischenfunken.

Mara kommt irgendwann wieder am Parkplatz an.

Keine Ahnung von ihrer Pace.

Keine Ahnung von ihren Zonen.

Keine Ahnung, ob ihre Bodenkontaktzeit heute gesellschaftlich akzeptabel war.

Aber sie grinst.

Und vielleicht ist genau das der Punkt:

Wir müssen unsere Genialität nicht antreiben.

Manchmal sollten wir einfach aufhören, vor ihr herumzustehen.