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LandMEDchen

Andrea Morawe

LandMEDchen - der Podcast rund um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum.
Dr. Andrea Morawe spricht im Podcast mit Menschen aus der Medizin, mit MFAs, Ärzt:innen, Pfleger:innen und allen, die mit den Patientinnen und Patienten arbeiten.
Außerdem erklärt sie auch in ihren Episoden, wie das Leben als Landarzt ist, worauf man bei einer eigenen Praxis so achten soll und motiviert, sich als Ärztin oder Arzt auf dem Land niederzulassen.
Jeden Donnerstag gibt es eine neue Folge!

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  • 20 episodes
  • weekly
  • Avg 32 min
  • German
  • #54
    Wednesday · 31 min

    Diese Nährstoffe sind für die Wechseljahre wichtig | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Wie verändert sich der Nährstoffbedarf eigentlich ab 40? Und gibt es bestimmte Dinge, auf die Frauen in dieser Lebensphase besonders achten sollten? Gerade zu diesem Thema finden sich zahlreiche Empfehlungen und vermeintliche Gesundheitstipps – nicht alle davon sind sinnvoll. Dr. Andrea Morawe nimmt deshalb in der neuen Folge von „LandMEDchen“ genauer unter die Lupe, was sich im weiblichen Körper verändert und welche Rolle Ernährung dabei spielt. Zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr beginnt für viele Frauen eine körperliche Umstellungsphase. Umgangssprachlich sprechen wir von den Wechseljahren, wobei bereits die Perimenopause ein wichtiger Bestandteil dieser Entwicklung ist. Dabei verändert sich der Körper nicht plötzlich. Vielmehr lässt die Aktivität der Eierstöcke nach und der Östrogen- und Progesteron-Spiegel beginnt sich zu verändern. Wie schnell dieser Prozess abläuft und welche Beschwerden damit einhergehen, ist sehr individuell. Im Laufe dieser Zeit verändert sich auch die Regelblutung, bis sie schließlich vollständig ausbleibt. Im Durchschnitt tritt die Menopause im Alter von etwa 51 bis 52 Jahren ein. Östrogen ist jedoch nicht ausschließlich für den Zyklus relevant. Es beeinflusst auch den Knochenstoffwechsel und Fettstoffwechsel sowie die Verteilung von Fett- und Muskelmasse. Sinkt der Östrogen-Spiegel, verändern sich deshalb verschiedene Prozesse im Körper – und damit auch die Anforderungen an Ernährung und Bewegung. Andrea empfiehlt, sich damit nicht erst während der Wechseljahre auseinanderzusetzen. Bereits in der Perimenopause können Frauen damit beginnen, ihre Gewohnheiten entsprechend anzupassen. Eine wichtige Veränderung betrifft den Ruhe-Energie-Umsatz, der mit zunehmendem Alter sinkt. Der Körper verbraucht also weniger Energie als noch in jüngeren Jahren. Wer mit 40 oder 50 genauso isst wie mit 25, kann deshalb leichter an Gewicht zunehmen. Die Lösung besteht für Andrea allerdings nicht darin, einfach immer weniger zu essen. Vielmehr sollte die Energiedichte reduziert werden, während gleichzeitig ein möglichst hohes Nährstoffangebot erhalten bleibt. Ein großes Thema auf Social Media ist außerdem Protein. Häufig wird Frauen ab 40 empfohlen, ihre Eiweißzufuhr deutlich zu erhöhen. Andrea ordnet diese Empfehlungen anhand der Studienlage ein: Eine höhere Proteinzufuhr allein führt nicht automatisch dazu, dass mehr Muskulatur aufgebaut oder vorhandene Muskelmasse langfristig erhalten wird. Entscheidend ist die Kombination mit körperlicher Aktivität – insbesondere mit Krafttraining. Ohne den entsprechenden Trainingsreiz kann zusätzlich aufgenommenes Protein seinen gewünschten Effekt auf die Muskulatur nicht einfach entfalten. Auch die Knochen benötigen in dieser Lebensphase besondere Aufmerksamkeit. Östrogen schützt vor Knochenabbau. Gerade die fünf Jahre vor und nach der letzten Regelblutung gelten deshalb als besonders sensible Phase. Andrea empfiehlt Frauen eine tägliche Kalziumzufuhr von etwa 1.000 Milligramm. Damit Kalzium entsprechend im Körper genutzt und eingebaut werden kann, spielt Vitamin D ebenfalls eine wichtige Rolle. Statt Vitamin D jedoch einfach auf Verdacht zu substituieren, empfiehlt Andrea, zunächst die Werte zu messen und anschließend gezielt zu entscheiden. Beim Eisen verändert sich die Situation ebenfalls. Wenn die Menstruation ausbleibt, sinkt auch der Eisenverlust. Frauen benötigen deshalb in den Wechseljahren weniger Eisen als während der menstruierenden Lebensphase. Wer trotzdem aus Gewohnheit weiterhin Eisen substituiert, kann im schlimmsten Fall eine Eisenüberladung entwickeln. Auch hier gilt deshalb: messen, bestimmen und nur bei Bedarf substituieren. Zusätzlich beschäftigt sich Andrea mit den B-Vitaminen, Omega 3 und Isoflavonen. Isoflavone sind sekundäre Pflanzenstoffe, die strukturelle Ähnlichkeiten mit Östrogen aufweisen und beispielsweise in Soja-Produkten vorkommen. Von einer hochdosierten Einnahme rät Andrea auf Grundlage der aktuellen Studienlage ab. Viele notwendige Vitamine und Nährstoffe lassen sich ohnehin über eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung aufnehmen. Nahrungsergänzungsmittel sind deshalb nicht grundsätzlich erforderlich und sollten gezielt statt pauschal eingesetzt werden. Für Frauen ab 40 empfiehlt Andrea vor allem eine mediterrane Ernährung, kombiniert mit regelmäßigem Krafttraining. Denn die Wechseljahre bedeuten nicht, dass die bisherige Lebensweise komplett auf den Kopf gestellt werden muss. Der Körper verändert sich – und damit verschieben sich auch seine Bedürfnisse. Es geht deshalb weniger um einen radikalen Neustart als darum, Ernährung, Bewegung und Nährstoffversorgung neu zu gewichten. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #53
    August 19 · 24 min

    Du bist Läuferin? Hast du schon dein Eisen gecheckt? | Dr. Andrea Morawe erklärt

    „Ich ernähre mich gesund – Eisenmangel kann mich also eigentlich nicht betreffen.“ Gerade sportlich aktive Frauen gehen häufig davon aus. Doch auch bei einer ausgewogenen Ernährung kann ein Eisenmangel entstehen. Dr. Andrea Morawe nimmt deshalb in dieser Folge von „LandMEDchen“ den Eisenmangel genauer unter die Lupe und richtet den Blick besonders auf Läuferinnen. Rund jede fünfte Frau im gebärfähigen Alter ist von einem Eisenmangel betroffen. Bei Ausdauersportlerinnen zeigen sportmedizinische Untersuchungen sogar eine noch höhere Häufigkeit. Dahinter steckt nicht nur eine Ursache, sondern das Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Eine wichtige Rolle spielt die Menstruation. Menstruierende Frauen benötigen täglich etwa 16 Milligramm Eisen. Diesen Bedarf ausschließlich über Lebensmittel zu decken, ist nicht immer einfach – insbesondere bei einer vegetarischen oder veganen Ernährung. Auch das Laufen selbst kann Einfluss auf den Eisenhaushalt haben. Durch die wiederkehrenden Erschütterungen entstehen bei jedem Schritt kleinste Traumen, sogenannte Mikrotraumen. Dabei können geringe Mengen roter Blutkörperchen zerstört werden, wodurch zusätzlich Eisen verloren gehen kann. Bei längeren Trainingseinheiten kommt ein weiterer Faktor hinzu: das Schwitzen. Dabei verliert der Körper nicht nur Natrium und Kalium, sondern in kleinen Mengen auch Eisen. Spannend ist außerdem eine neuere Erkenntnis aus der Sportmedizin. Hormone können die Eisenaufnahme beeinflussen. Im Mittelpunkt steht dabei das Hormon Hepzidin. Ist die Ausschüttung von Hepzidin erhöht, wird über den Darm weniger Eisen resorbiert. Zusätzlich geht man davon aus, dass Östrogen die Hepzidin-Bindung fördert. Gerade bei Läuferinnen kann ein beginnender Eisenmangel leicht unentdeckt bleiben. Denn die Beschwerden unterscheiden sich zunächst kaum von typischen Begleiterscheinungen eines intensiven Trainings. Sinkt die Leistungsfähigkeit, werden die Regenerationsphasen länger oder fühlen sich die Beine ungewöhnlich schwer an, denken viele zuerst an Übertraining und nicht an einen möglichen Eisenmangel. Das kann zu einem problematischen Kreislauf führen: Statt die Ursache abzuklären, wird häufig noch disziplinierter trainiert oder der Ernährungsplan weiter eingeschränkt. Liegt jedoch ein Nährstoffmangel vor, kann genau das die Beschwerden zusätzlich verstärken. Auch die Art der Ernährung spielt bei der Eisenversorgung eine Rolle. Eisen aus tierischen Lebensmitteln kann vom Körper besser aufgenommen werden als Eisen aus vegetarischen oder veganen Lebensmitteln. Deshalb ist ein Eisenmangel trotz grundsätzlich ausgewogener Ernährung möglich. Bei der Diagnostik reicht zudem ein oberflächlicher Blick auf die Laborwerte nicht immer aus. Ein Ferritin-Wert kann sich noch im Normalbereich befinden und für eine sportlich sehr aktive Frau dennoch zu niedrig sein. Als vermeintlich schnelle Lösung wird teilweise eine Eisen-Infusion in Betracht gezogen. Andrea macht jedoch deutlich, dass es sich dabei um eine ärztliche Maßnahme handelt, die nur nach strenger Indikationsstellung durchgeführt werden sollte – nicht um eine Wellnessanwendung. Schließlich kann auch eine zu hohe Eisenaufnahme gesundheitliche Probleme verursachen. Genauso wichtig ist die andere Seite: Müdigkeit, Erschöpfung oder ein Leistungsabfall bedeuten nicht automatisch, dass ein Eisenmangel vorliegt. Solche Beschwerden sollten immer multifaktoriell betrachtet und mögliche Ursachen entsprechend abgeklärt werden. Für eine bessere Eisenaufnahme gibt Andrea einige praktische Empfehlungen. Vitamin C kann die Resorption von Eisen unterstützen und ist insbesondere bei pflanzlichem Eisen hilfreich. Gleichzeitig können bestimmte Stoffe die Eisenaufnahme hemmen. Dazu gehören beispielsweise Tanine aus Schwarztee und Kaffee. Deshalb empfiehlt es sich, diese Getränke mit zeitlichem Abstand zu eisenhaltigen Mahlzeiten oder einer Eiseneinnahme zu konsumieren. Auch für die Laborkontrolle ist der richtige Zeitpunkt entscheidend. Idealerweise findet sie in einer ruhigeren Trainingsphase statt, da intensive sportliche Belastungen die gemessenen Werte beeinflussen können. Wer viel Ausdauersport betreibt und Veränderungen der Leistungsfähigkeit oder andere Beschwerden bemerkt, sollte deshalb nicht einfach härter trainieren. Andrea empfiehlt eine sportmedizinische Beratung bei Ärzt:innen mit der Zusatzbezeichnung Sportmedizin. Ergänzend kann eine Mikronährstoffanalyse dabei helfen, die individuelle Versorgung genauer zu beurteilen. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #52
    August 12 · 38 min

    Muss es immer ein Antibiotikum sein? | Dr. Andrea Morawe erklärt

    „Können Sie mir nicht etwas Stärkeres verschreiben?“ – diesen Wunsch hören Hausärzt:innen in der Praxis immer wieder. Genau deshalb beschäftigt sich Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“ mit dem Thema Antibiotika. Den Wunsch nach einer möglichst schnellen Genesung kann Andrea gut nachvollziehen. Wer krank ist, möchte schließlich schnell wieder fit, belastbar und leistungsfähig sein. Doch Antibiotika sind nicht bei jeder Infektion die richtige Lösung. Antibiotika wirken gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Bakterien sind eigenständige Lebewesen, bei denen Antibiotika beispielsweise in den Stoffwechsel eingreifen können. Bei Viren fehlen diese Angriffspunkte, weshalb ein Antibiotikum hier keine entsprechende Wirkung entfalten kann. Häufig befindet sich der Körper bereits mitten im natürlichen Heilungsprozess und Beschwerden wurden zuvor beispielsweise mit Hausmitteln behandelt. Wird zu diesem Zeitpunkt ein Antibiotikum eingesetzt, entsteht schnell der Eindruck, dass allein das Medikament für die deutliche Besserung verantwortlich war. Dabei möchte Andrea Antibiotika keinesfalls schlechtreden. Im Gegenteil: Sie gehören zu den größten medizinischen Errungenschaften und sind bei Erkrankungen wie bakterieller Lungenentzündung, Nierenbeckenentzündung oder Blutvergiftung unverzichtbar. Entscheidend ist jedoch, sie zielgerichtet und mit einer klaren Indikationsstellung einzusetzen. Viele Patient:innen verbinden Breitbandantibiotika mit einer besonders starken oder wirkungsvollen Therapie. Ist der Auslöser einer bakteriellen Infektion bekannt, sollte jedoch möglichst gezielt behandelt werden. Denn ein Breitbandantibiotikum trifft nicht ausschließlich die krankmachenden Bakterien, sondern kann auch die Bakterien unserer Darmflora und damit unser Mikrobiom beeinflussen. Eine mögliche Folge davon ist beispielsweise Durchfall. Andrea erklärt außerdem, wie Antibiotika-Resistenzen entstehen. Bakterien vermehren sich enorm schnell und bei diesem Prozess können immer wieder kleine Mutationen im Erbgut auftreten. Dadurch können einzelne Bakterien Eigenschaften entwickeln, die sie gegen bestimmte Antibiotika resistent machen. Je häufiger Antibiotika eingesetzt werden – insbesondere dann, wenn sie gar nicht notwendig sind – desto mehr Möglichkeiten bekommen Bakterien, solche Resistenzen zu entwickeln. Resistente Bakterien können anschließend auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Umso wichtiger ist der richtige Umgang mit Antibiotika. Sie sollten immer genau so eingenommen werden, wie es mit den behandelnden Ärzt:innen besprochen wurde. Medikamente eigenständig abzusetzen, erneut anzusetzen oder an andere Personen weiterzugeben, ist keine gute Idee. In der Folge nimmt Andrea außerdem verschiedene Mythen rund um Antibiotika unter die Lupe. Dabei spricht sie auch über die Erwartungshaltung in der Hausarztpraxis. Ärzt:innen sind keine Dienstleister:innen, bei denen eine bestimmte Behandlung einfach bestellt werden kann. Fragen, Vorschläge und offene Gespräche sind ausdrücklich erwünscht – Forderungen nach einem bestimmten Medikament ersetzen jedoch keine medizinische Indikationsstellung. Am Ende steht deshalb ein klarer Appell: Antibiotika sind wertvolle und teilweise lebensrettende Medikamente. Gerade deshalb liegt es in der ärztlichen Verantwortung, sie gezielt und nur dann einzusetzen, wenn sie tatsächlich notwendig sind. Denn ein verantwortungsvoller Umgang heute hilft dabei, Antibiotika-Resistenzen zu vermeiden und ihre Wirksamkeit auch für die Zukunft zu erhalten. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #51
    August 5 · 36 min

    Schuppenflechte und wie du mit Ernährung dagegen steuern kannst | Dr. Andrea Morawe

    Was ist eigentlich Schuppenflechte bzw. Psoriaris? Rote, trockene Haut und Schuppen – das würden die meisten Menschen dazu sagen. Doch Schuppenflechte ist noch viel mehr. Sie kann Herz-Kreislauferkrankungen und Gelenkerkrankungen hervorrufen. Zudem hat sie Einfluss auf Psyche, Gewicht und Stoffwechsel. Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von LandMEDchen. Sie erzählt von einem jungen Mann, der wegen erhöhter Blutdruckwerte zu ihr in die Praxis kam. Sie entdeckte bei ihm rote Stellen entdeckte, die er mit dem Satz „das ist nur meine Schuppenflechte“ erklärte. Er erzählte zudem, dass er sich aktuell sehr abgeschlagen fühle, führte dies aber auf Stress zurück. Andrea wurde schnell hellhörig. Psoriaris ist eine Erkrankung, die durch eine Fehlregulation im Immunsystem hervorgerufen wird und ist somit eine Systemerkrankung. Diese führt dazu, dass die Erneuerung der Hautzellen deutlich schneller vonstatten geht als das normalerweise der Fall wäre. Denn normalerweise braucht eine Hautzelle vier Wochen, bis sie herangereift ist, bei der Psoriaris sind es nur wenige Tage – die vorherigen Hautzellen werden nicht so schnell abgebaut. Dadurch enstehen gerötete Hautstellen und silbrig glänzende Schuppen, vor allem an den Ellenbogen, den Knien, dem Sakralbereich und der Kopfhaut. Für viele Patient:innen bestimmt diese multifaktorielle Krankheit ihr ganzes Leben. Die Gene spielen eine Rolle und Umweltbedingungen können zum Ausbruch führen und die Erkrankung verstärken oder verbessern. Beispielhafte Auslöser sind Schlafmangel, Stress, Rauchen, Alkohol, Übergewicht aber auch bestimmte hormonelle Veränderungen oder Medikamente. Diese Mikroinflammationen können auch zu Veränderungen an den Gefäßwänden führen und somit auch zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Jeder dritte Person mit Schuppenflechte entwickelt im Laufe des Lebens eine Gelenkerkrankung, eine Psoriaris-Arthritis. Viele schieben das aufs Alter, dabei ist der Auslöser die Schuppenflechte. Diese chronischen Entzündungen kosten den Körper ganz viel Energie, das führt zu Erschöpfung und Müdigkeit. Dazu kommt eine psychische Belastung, denn viele werden angestarrt oder trauen sich beispielsweise nicht, kurze Hosen oder Kleider zu tragen. Dadurch entsteht Vermeidungsverhalten bis hin zu depressiven Störungen. Dabei ist Schuppenflechte nicht ansteckend! Doch als Betroffene:r kann man auch etwas tun. Ein erster Schritt ist, das Gewicht aktiv zu gestalten, schon eine leichte Gewichtsreduzierung kann einen guten Effekt haben. Auch Ernährung spielt eine große Rolle, allerdings gibt es keine Psoriaris-Diät. Einige Ernährungsweisen können allerdings unterstützen. Andrea sagt es immer wieder: Mediterrane Kost ist unschlagbar gut: Gemüse, Hülsenfrüchte, Seefisch, Nüsse, hochwertige Eisenquellen und hochwertige Öle. Sie empfiehlt zudem eine Mikronährstoffanalyse, um herauszufinden, welche Nährstoffe dem Körper gerade fehlen. Dies ist ihr lieber, als einfach Supplements zu nehmen. Sie geht auf Vitamin D, Omega 3-Fettsäuren, Zink, Selen und Vitamin B12 ein. Für sie ist es wichtig, den Patient:innen die Möglichkeiten aufzuzeigen und ganzheitlich zu behandeln. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #50
    July 29 · 21 min

    Diese Werte solltest du mit 30 von deinem Körper kennen! | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Du bist mittlerweile über 30 und denkst wahrscheinlich nicht täglich darüber nach, wie gesund dein Körper ist und wie lange du diese Gesundheit noch erhalten kannst. Doch chronische Erkrankungen entstehen nicht erst mit 50 oder älter, sondern die Weichen werden schon zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr gestellt. Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“. Mit 30 verändern sich im Körper ein paar Prozesse, die Muskulatur nimmt langsam ab, der Grundumsatz wird niedriger, das Schlafverhalten wird schlechter und das Gewicht geht nach oben. Das liegt u.a. auch am Verhalten – wir konzentrieren uns in dieser Zeit auf Arbeit, Familie und die Kombination von beidem. Das erhöht auch den Stress. Deswegen ist es wichtig, achtsam zu sein und auch weitere Risikofaktoren mitzubetrachten: Mehrkonsum von Alkohol und Nikotin aber auch die familiäre Vorbelastung. Andrea empfiehlt, regelmäßig den Blutdruck zu checken. Denn dieser macht keine Schmerzen und ist deswegen so gefährlich. Langjähriger Bluthochdruck kann Herzschwächen verursachen und das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöht sich. Ein weiterer wichtiger Wert ist der Blutzucker, der durch den Nüchternblutzucker bestimmt wird. Prädiabetes und Insulinresistenz entstehen schleichend, Symptome könnten Heißhungerattacken, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Zunahme von Bauchfettanteil und eine generelle Gewichtszunahme sein. Der nächste Wert, den man kennen sollte, ist das Cholesterin und hierbei besonders das LDL-Cholesterin sowie das HDL-Cholesterin und die Triglyceride. Diese geben auch Auskunft darüber, wie die Ernährung aussieht. In Zusammenhang damit schaut sich Andrea auch die Familie an und damit die Vorbelastung. Wenn man keine Möglichkeit hat für eine Bioimpedanzanalyse, dann empfiehlt Andrea eine Taillenumfang-Messung sowie Taille-Hüfte-Umfang-Messung. Das gibt Hinweise auf das viszerale Fett, also das Bauchfett, auch das untersucht Andrea in der Körperzusammensetzungsanalyse. Das Gewicht auf der Waage allein sagt wenig darüber aus, wie der Körper zusammengesetzt ist. Wichtig ist dabei die Muskelmasse, denn das stellt die Weichen für eine adäquate Stoffwechselaktion, sowie für Stabilität und Gangsicherheit im Alter. Der beste Blutwert und die beste Körperanalyse haben aber wenig Effekt, wenn wir nicht auf die mentale Gesundheit achten. Dazu gehört vor allem guter Schlaf ohne Störung. Das Stresslevel lässt sich über die HRV (Herzratenvariabilitätsmessung) bestimmen. Über den Tellerrand hinaus schaut Andrea allerdings auch mit ihren Patient:innen. Denn die „Standardwerte“, die im GKV-System im Check up enthalten sind, sind nicht bei allen genug. Beispielsweise empfiehlt sie nach manchen Familien-Anamnesen das Messen des Lipoprotein a (Lip a), ein Blutfettwert, der größtenteils genetisch bedingt ist. Dazu gehören für sie auch die Apolipoprotein b-Werte. Sie erklärt dies anhand eines Beispiels eines jungen Patienten. Mehr Diagnostik ist nicht immer mehr wert, sondern es geht um gezielte Diagnostik und individuelle Prävention. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #49
    July 22 · 42 min

    Wie kannst du dein Herz gesund halten? | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Ein Organ, das eine wesentliche Funktion hat und trotzdem oft als selbstverständlich wahrgenommen wird: Unser Herz! Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“. Sie vergleicht das Herz mit dem Motor eines Autos, den wir ja auch gerne pflegen. Viele kümmern sich allerdings um ihr Herz erst, wenn es zu spät ist und es schon Probleme gibt. Herz-Kreislauferkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Diese passieren nicht plötzlich, sondern entwickeln sich über Jahre hinweg. Andrea erklärt, was der Bluthochdruck damit zu tun hat und wie man selbst diesen im Auge behält und regelmäßig misst. In dem Zusammenhang erklärt sie auch, wie das Herz funktioniert und welche Probleme dabei entstehen können. Auch Blutfette und Blutzucker sollten regelmäßig in der Artzpraxis getestet werden. Um das Herz zu trainieren und gesund zu halten, ist vor allem Bewegung wichtig. Dabei geht es nicht um starkes Training oder das Fitnessstudio, sondern um kleine Entscheidungen im Alltag. Auch Krafttraining (gerne auch als kleine Einheiten im Alltag) ist wichtig. Viele denken beim Herz direkt an Cardio-Training, doch Krafttraining sorgt für einen besseren Energieverbrauch und eine bessere Insulinsensitivität. Der nächste wichtige Punkt ist die Ernährung. Gerade beim Gemüse werden 400 bis 500 Gramm pro Tag empfohlen, was viele Menschen nicht schaffen. Andrea empfiehlt zusätzlich Hülsenfrüchte und Nüsse. Komplexe Kohlenhydrate liefern Ballaststoffe und unterstützen die Darmgesundheit. Ein großer Trend ist Omega 3, den wir vor allem durch fettigen Seefisch erhalten. Dabei gilt aber: Ernährung vor Supplements! Außerdem ist wichtig: Omega 3 und 6 konkurrieren um denselben Rezeptor – so kann es bei einer ungleichmäßigen Aufnahme sogar zu Vorhofflimmern kommen. Omega 3 wirkt zudem antientzündlich – hat also noch weitere positive Effekte. Was wir meiden sollten, sind die Produkte, die viel in der Werbung beworben werden (Softdrinks etc.), denn diese sind meist stark verarbeitet. Schlaf ist der oft vergessene Herzschutz. Denn Schlafmangel bedeutet eine erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen, einen höheren Blutdruck und vermehrten Appetit. Auch ein dauerhafter Stress kann Herzrhythmusstörungen begünstigen und Entzündungsprozesse im Körper fördern. Andrea empfiehlt zudem Journaling, um an der mentalen Gesundheit zu arbeiten und Stress besser in den Griff zu bekommen. Sie beendet jeden Tag mit 3 positiven und dankbaren Gedanken. Ein toxisches Thema, das eigentlich allen logisch und bekannt sein sollte und trotzdem viel konsumiert wird, sind Alkohol und Nikotin. Andrea empfiehlt, sich auch mit dem eigenen Gewicht und Bauchfett auseinanderzusetzen, das man über eine Bioimpedanz-Analyse erkennen kann. Bauchfett ist kein kosmetisches Problem, sondern es hat eine stoffwechselaktive Tätigkeit, fördert Entzündungsprozesse, Insulinresistenz und Bluthochdruck. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #48
    July 15 · 15 min

    Wie viel Sport ist gesund? Zwischen Hobby- und Spitzensport! | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Wo verläuft eigentlich die Grenze zwischen gesunder Bewegung und Raubbau am eigenen Körper? Genau dieser Frage widmet sich Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“. Wenn wir Spitzensport im Fernsehen verfolgen, sehen wir beeindruckende Leistungen und verbinden diese oft automatisch mit Gesundheit. Doch stimmt das tatsächlich? Regelmäßige körperliche Aktivität gehört zu den wichtigsten Säulen der Prävention. Sie verbessert den Schlaf, stabilisiert den Blutdruck, stärkt das Herz-Kreislauf-System und trägt langfristig zu einer besseren Herzgesundheit bei. Das eigentliche Problem in Deutschland ist deshalb nicht zu viel Sport, sondern zu wenig Bewegung: Rund 95 % der Menschen würden gesundheitlich von mehr regelmäßiger körperlicher Aktivität profitieren. Im Spitzensport gelten jedoch andere Maßstäbe. Dort stehen Höchstleistung, maximale Kraft und Schnelligkeit im Vordergrund – und genau das bleibt für den Körper nicht ohne Folgen. Besonders die Gelenke werden über Jahre hinweg stark belastet. Viele ehemalige Profifußballer berichten später über chronische Kniebeschwerden, Hüftgelenkarthrosen oder anhaltende Rückenprobleme. Auch das Herz reagiert unterschiedlich auf Bewegung. Während regelmäßiger Sport die Herzgesundheit fördert, kann die dauerhafte Extrembelastung im Spitzensport unter bestimmten Umständen Herzrhythmusstörungen oder Herzschwächen begünstigen. Eine einzelne intensive Trainingseinheit oder ein Marathon führt in der Regel nicht zu solchen Problemen. Im Spitzensport gehören regelmäßige medizinische Untersuchungen deshalb selbstverständlich dazu. Andrea empfiehlt jedoch auch Hobbysportler:innen, ihre Gesundheit regelmäßig überprüfen zu lassen. Ein hilfreicher Parameter ist dabei beispielsweise die Herzfrequenzvariabilität, die sie auch in ihrer eigenen Praxis anbietet. Neben den körperlichen Belastungen spielt auch die Psyche eine wichtige Rolle. Leistungsdruck, die Angst vor Fehlern, finanzielle Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg und Existenzängste begleiten viele Leistungssportler:innen. Durch Social Media haben sich diese Belastungen in den vergangenen Jahren zusätzlich verstärkt. Außerdem spricht Andrea gesellschaftliche Herausforderungen im Sport an. So ist beispielsweise die Akzeptanz von Homosexualität im Profifußball nach wie vor nicht selbstverständlich. Ein weiteres sensibles Thema sind Essstörungen, die insbesondere in gewichtssensiblen Sportarten wie Ballett, Turnen oder Gewichtsklassensportarten auftreten können. Diese beeinflussen nicht nur das Essverhalten, sondern können auch Auswirkungen auf den Hormonhaushalt haben. Egal ob Leistungs- oder Freizeitsport – ein entscheidender Bestandteil jedes Trainings ist die Regeneration. Denn Muskeln wachsen nicht während der Belastung, sondern in den Erholungsphasen danach. Deshalb appelliert Andrea, Trainingspläne von Spitzensportler:innen nicht unkritisch zu übernehmen. Wer langfristig gesund bleiben möchte, sollte der Regeneration genauso viel Aufmerksamkeit schenken wie dem Training selbst. Am Ende sind es nicht einzelne Höchstleistungen, sondern vernünftige und nachhaltige Routinen im Alltag, die den größten gesundheitlichen Nutzen bringen. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #47
    July 8 · 19 min

    Wie gut kümmerst du dich um die Bakterien in deinem Darm? Das große Feld der Darmgesundheit!

    Wann hast du dich zuletzt bewusst um deine Darmgesundheit gekümmert? Die meisten Menschen beschäftigen sich erst dann mit ihrem Darm, wenn Beschwerden wie Blähungen, Verstopfung oder eine Reizdarmsymptomatik auftreten. Dabei beginnt eine gesunde Darmflora lange vorher. Dr. Andrea Morawe erklärt in der neuen Folge von „LandMEDchen“, dass drei Säulen dabei besonders wichtig sind: fermentierte Lebensmittel, Ballaststoffe und Vielfalt. Der Darm ist weit mehr als nur ein Verdauungsorgan. Er spielt eine wichtige Rolle für das Immunsystem, die Energiebereitstellung, Entzündungsprozesse und zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Spätestens durch die Diskussion rund um die Abnehmspritze wurde vielen bewusst, wie eng der Darm mit hormonellen Regelkreisen verbunden ist. In unserem Darm leben Billionen von Mikroorganismen – darunter Bakterien, Pilze und Viren. Das ist keineswegs etwas Schlechtes, sondern ein wichtiger Bestandteil unserer Gesundheit. Diese Mikroorganismen unterstützen zahlreiche Stoffwechsel- und Verdauungsprozesse und stehen über die Darm-Hirn-Achse sogar mit unserem Gehirn in Verbindung. Deshalb essen wir nicht nur für uns selbst, sondern versorgen gleichzeitig ein komplexes Ökosystem. Wichtig ist dabei: Vielfalt. Andrea hat in den vergangenen Jahren beobachtet, dass Ernährung häufig mit Verzicht verbunden wird. Genau das hat ihr Interesse an der Ernährungsmedizin geweckt. Heute orientiert sie sich am Prinzip „30 Pflanzen pro Woche“. Dieses Konzept stammt aus dem American Gut Project, bei dem die Ernährungsgewohnheiten zahlreicher Menschen untersucht wurden. Das Ergebnis: Wer etwa 30 verschiedene pflanzliche Lebensmittel pro Woche verzehrte, weist eine größere Vielfalt des Darm-Mikrobioms auf. Für Andrea beginnt gesunde Ernährung deshalb nicht mit dem Weglassen, sondern mit dem Hinzufügen. Den Darm vergleicht sie mit einem Garten: Wird dort immer nur eine einzige Pflanzenart ausgesät, entsteht eine anfällige Monokultur. Je vielfältiger die Bepflanzung, desto robuster und widerstandsfähiger wird das gesamte Ökosystem. Die zweite wichtige Säule sind Ballaststoffe. Obwohl sie häufig unterschätzt werden, dienen sie den Darmbakterien als wertvolle Nahrungsquelle. Aus ihnen entstehen kurzkettige Fettsäuren, die wiederum eine wichtige Rolle für die Darmgesundheit spielen. Gute Ballaststofflieferanten sind unter anderem Haferflocken, Vollkornprodukte, Bohnen, Linsen, Kichererbsen sowie Nüsse und Samen. Allerdings erreichen die meisten Menschen die empfohlene tägliche Aufnahme von 30 Gramm Ballaststoffen nicht. Als dritte Säule nennt Andrea fermentierte Lebensmittel. Schon lange bevor Fermentation zum Social-Media-Trend wurde, machten sich unsere Vorfahren diese Methode zunutze. Auch wissenschaftlich gibt es hierzu interessante Daten, beispielsweise von der Stanford University. Dort zeigte sich, dass Menschen mit regelmäßigem Verzehr fermentierter Lebensmittel niedrigere Entzündungsmarker (Inflammation) und eine größere mikrobielle Vielfalt aufwiesen. Zu fermentierten Lebensmitteln zählen Naturjoghurt, Kefir, Sauerkraut, Sauerteig, Kimchi und weiteres fermentiertes Gemüse. Entscheidend ist dabei nicht die Menge, sondern die Regelmäßigkeit. Zum Schluss greift Andrea noch einmal ihre Garten-Metapher auf: Die verschiedenen Pflanzen decken den Tisch für die Darmbakterien, die Ballaststoffe sorgen dafür, dass alle satt werden, und die fermentierten Lebensmittel bringen noch ein paar neue Gäste mit. So entsteht ein vielfältiges und stabiles Darm-Mikrobiom. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #46
    July 1 · 51 min

    Mutterschutz in der Niederlassung - ein Systemproblem | Nadja Jesswein

    Wie ist das eigentlich, wenn man als selbstständige Hausärztin schwanger wird? Genau dieser Frage widmen sich Dr. Andrea Morawe und Nadja Jesswein in der neuen Folge von „LandMEDchen“. Nadja ist niedergelassene Hausärztin, Co-Sprecherin des Bundesforums Hausärztinnen im Hausärztinnen- und Hausärzteverband sowie in der Ärztekammer Niedersachsen engagiert. Heute sind rund zwei Drittel der Absolvent:innen des Medizinstudiums weiblich. Gleichzeitig gibt es für niedergelassene Ärztinnen während einer Schwangerschaft kaum soziale Absicherung. Während angestellte Ärztinnen sechs Wochen vor der Geburt freiwilligen Mutterschutz und anschließend acht Wochen verpflichtenden Mutterschutz mit finanzieller Absicherung durch den Mutterschutzlohn erhalten, existiert eine vergleichbare Regelung für Selbstständige nicht. Ein zentrales Problem sehen Andrea und Nadja darin, dass Schwangerschaft im Sozialrecht häufig ähnlich behandelt wird wie eine Erkrankung – obwohl sie keine Krankheit ist. Hinzu kommt der sogenannte Sicherstellungsauftrag. Mit der Zulassung durch die Kassenärztliche Vereinigung verpflichten sich niedergelassene Ärzt:innen dazu, die Versorgung ihrer Patient:innen sicherzustellen. Deshalb kann eine Praxis auch während Urlaub oder Schwangerschaft nicht einfach geschlossen werden. Stattdessen muss eine geeignete Vertretung organisiert werden. Genau hier entstehen weitere Schwierigkeiten. Vertretungsbörsen oder entsprechende Netzwerke sind vielerorts kaum vorhanden. Zusätzlich unterscheiden sich die Regelungen je nach Bundesland. In Niedersachsen ist es beispielsweise nicht möglich, am selben Tag gemeinsam mit einer Vertretung in der Praxis tätig zu sein. Der Vertreter arbeitet dann auf eigene Rechnung. Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Entlastungsassistenz. Dabei wird eine Ärztin oder ein Arzt befristet angestellt, um die Praxis zu unterstützen. Allerdings entstehen dadurch Sozialabgaben, gleichzeitig besteht unter bestimmten Voraussetzungen das Risiko einer Scheinselbstständigkeit. Hinzu kommt, dass die Praxisinhaberin weiterhin für mögliche Regresse haftet. Wie hoch die finanzielle Belastung werden kann, zeigt Nadja anhand ihrer eigenen Erfahrung: Die Vertretung während ihres Mutterschutzes kostete rund 750 Euro pro Tag. Neben diesen Kosten laufen auch sämtliche weiteren Praxisausgaben unverändert weiter. Gehälter für Mitarbeitende, Miete und laufende Betriebskosten lassen sich während einer Schwangerschaft schließlich nicht einfach aussetzen. Andrea begegnet in diesem Zusammenhang immer wieder Kommentaren wie „Das wusste man doch vorher“ oder „Eine Schwangerschaft muss man eben planen“. Für sie greift diese Sichtweise deutlich zu kurz. Auch Ärztinnen führen ein ganz normales Leben – und nicht jede Lebensentscheidung lässt sich bis ins Detail planen. Auch Nadja betont, dass eine Schwangerschaft aus ihrer Sicht nicht zu den üblichen unternehmerischen Risiken einer Selbstständigkeit gehört. Gleichzeitig geht es ihr nicht ausschließlich um Frauen. Vereinbarkeit betrifft ebenso Männer, die Väter werden und Familie und Beruf miteinander vereinbaren möchten. Dabei existiert bereits eine EU-Richtlinie, die eine Unterbrechung der Erwerbstätigkeit für Selbstständige ermöglichen soll. Deutschland hat diese Vorgaben bislang jedoch nur unzureichend umgesetzt – obwohl entsprechende Ziele sogar im Koalitionsvertrag festgehalten wurden. Auch innerhalb der Ärzteschaft wächst der Wunsch nach Veränderungen. Ein gemeinsamer Antrag von Andrea und Nadja wurde bereits von der Bundesdelegiertenversammlung beschlossen und wird nun durch den Vorstand des Deutschen Ärztetags beraten. Für beide endet die Diskussion jedoch nicht beim Mutterschutz. Sie wünschen sich insgesamt flexiblere Regelungen im KV-Recht, beispielsweise mehr Möglichkeiten für Teilzeitmodelle und bessere Rahmenbedingungen, um Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können. Abschließend sprechen Andrea und Nadja auch über politische Vorstellungen traditioneller Familienbilder. Dabei diskutieren sie unter anderem die Positionen der AfD und wie viel Entscheidungsfreiheit diese Frauen bei der Gestaltung ihres eigenen Lebens und Berufswegs geben wollen. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #45
    June 24 · 44 min

    Reiseapotheke: Was wirklich mit muss für einen entspannten Urlaub | Dr. Andrea Morawe

    Die Urlaubszeit steht bevor! Doch was sollte eigentlich in einer gut vorbereiteten Reiseapotheke nicht fehlen? Und worauf müssen Menschen achten, die regelmäßig Medikamente einnehmen? Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in der aktuellen Folge von „LandMEDchen“ und gibt praktische Tipps für eine sichere Reisevorbereitung. Zum Einstieg berichtet sie von zwei Familien, die wichtige Bestandteile ihrer Reiseapotheke zuhause vergessen hatten. Genau deshalb kann eine reisemedizinische Beratung hilfreich sein. Dabei geht es nicht nur um Impfungen, sondern auch um individuelle Empfehlungen zur Reiseapotheke und Reisevorbereitung – besonders bei Kindern, älteren Menschen oder anderen Risikogruppen. Doch warum werden viele Menschen ausgerechnet im Urlaub krank? Unser Alltag ist meist von festen Gewohnheiten geprägt. Schlafzeiten, Essensrhythmus und Tagesabläufe laufen oft nach einem ähnlichen Muster ab. Im Urlaub verändert sich vieles gleichzeitig. Hinzu kommen neue klimatische Bedingungen, eine ungewohnte Flora und Fauna sowie andere Keime als zuhause. Auch aus der Stressmedizin ist bekannt, dass viele Menschen über längere Zeit unter hoher Belastung funktionieren. Fällt diese Anspannung im Urlaub plötzlich weg, reagiert der Körper nicht selten mit gesundheitlichen Beschwerden. Wer dauerhaft Medikamente einnimmt, sollte diese unbedingt in ausreichender Menge mitführen. Andrea empfiehlt sogar, eine Reserve einzuplanen, falls sich die Rückreise verzögert oder unerwartete Situationen eintreten. Ebenso wichtig ist eine vollständige Dokumentation der Medikation. Neben den Medikamenten selbst sollten auch Impfpass, Unterlagen der Auslandskrankenversicherung und relevante medizinische Dokumente mitgeführt werden. Zusätzlich empfiehlt sie, diese Unterlagen digital zu sichern. Dauermedikamente gehören grundsätzlich ins Handgepäck. In jede Reiseapotheke gehört außerdem ein Medikament gegen Fieber und Schmerzen. Andrea nennt hier Paracetamol oder Ibuprofen, bei Kindern selbstverständlich in einer altersgerechten Form. Ein Fieberthermometer sollte ebenfalls nicht fehlen. Magen-Darm-Beschwerden zählen zu den häufigsten Reiseerkrankungen. Neue Gewürze, veränderte Ernährungsgewohnheiten und ein unbekanntes Keimumfeld können den Verdauungstrakt belasten. Problematisch ist dabei häufig weniger die Diarrhoe selbst als vielmehr der damit verbundene Flüssigkeits- und Elektrolytverlust. Deshalb empfiehlt Andrea, Elektrolyte mit auf die Reise zu nehmen. Auch kleinere Verletzungen oder Unfälle können im Urlaub schnell passieren. Zur Grundausstattung gehören deshalb Desinfektionsmittel, sterile Kompressen, eine Binde, Pflaster, eine Pinzette und eine Zeckenkarte. Wer viel zu Fuß unterwegs ist, profitiert außerdem von Blasenpflastern. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Reiseapotheke ist der UV-Schutz. Sonnencreme und UV-Schutzkleidung sollten selbstverständlich sein. In einigen Reisezielen ist zusätzlich Insektenschutzkleidung sinnvoll. Besonders praktisch findet Andrea eine Cap mit Nackenschutz, die sowohl vor intensiver Sonneneinstrahlung als auch vor Insekten schützt. Ergänzend können Insektenschutzmittel mit geeignetem DEET-Wert verwendet werden. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche FSME-Risikogebiete. Während gegen Borreliose bislang keine Impfung verfügbar ist, kann man sich gegen FSME impfen lassen. Darüber hinaus empfiehlt Andrea ein Antihistaminikum für den Fall von stärkeren Reaktionen auf Insektenstiche. Besondere Aufmerksamkeit widmet sie Menschen mit Diabetes. Insulin reagiert empfindlich auf Temperaturveränderungen und sollte weder starker Hitze noch Frost ausgesetzt werden. Da sich im Urlaub häufig auch das Bewegungsverhalten verändert, kann unter Umständen eine Anpassung der Insulin-Dosis erforderlich werden. Dies sollte immer gemeinsam mit dem Hausarzt oder Diabetologen besprochen werden. Zusätzlich verändert Wärme die Hautdurchblutung. Dadurch kann Insulin schneller aufgenommen werden als gewohnt. Deshalb erklärt Andrea in der Folge auch, woran Außenstehende eine Unterzuckerung erkennen können und warum dieses Wissen gerade auf Reisen von großer Bedeutung sein kann. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #44
    June 17 · 17 min

    Public Viewing aus medizinischer Sicht - was in unserem Körper passiert | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Die WM steht vor der Tür! Doch was hat ein Fußballturnier eigentlich mit Gesundheit zu tun? Genau darüber spricht Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“. Große Turniere wie eine Weltmeisterschaft sind für viele Menschen etwas Besonderes – selbst für diejenigen, die sich sonst kaum für Fußball interessieren. Wenn ein Spiel spannend wird, reagiert unser Körper deutlich stärker, als man vielleicht vermuten würde. Das sympathische Nervensystem wird aktiviert, Adrenalin und Dopamin werden ausgeschüttet, Herzfrequenz und Blutdruck steigen an und auch die Atmung beschleunigt sich. Der Körper verhält sich beinahe so, als würde man selbst auf dem Spielfeld stehen. Deshalb fühlen sich manche Menschen nach einem nervenaufreibenden Spiel tatsächlich erschöpft oder ausgelaugt. Das ist keine Einbildung, sondern die Folge realer körperlicher Prozesse. Mindestens genauso wichtig wie das Spiel selbst ist jedoch das Gemeinschaftserlebnis. Menschen sind soziale Wesen und profitieren von gemeinsamen Erlebnissen. Oft erinnern wir uns Jahre später nicht mehr an das genaue Ergebnis eines Finales, wohl aber daran, mit wem wir diesen Moment geteilt haben. Regelmäßige soziale Kontakte wirken sich nachweislich positiv auf die Gesundheit aus. Sie gehen mit einer höheren Lebenszufriedenheit, weniger Einsamkeit und einem geringeren Risiko für Depressionen einher. Natürlich sorgen spannende Spiele auch für eine erhöhte Ausschüttung von Stress- und Glückshormonen. Das ist grundsätzlich völlig normal. Treten jedoch Beschwerden wie Schwindel, Ohnmacht, Brustdruck, Luftnot oder neurologische Symptome auf, sollten diese ärztlich abgeklärt werden. Ein schneller Puls beim Elfmeterschießen allein ist dagegen noch kein Grund zur Sorge. Beim Public Viewing kommen häufig weitere Belastungsfaktoren hinzu. Hohe Temperaturen, langes Sitzen, Schwitzen, unzureichende Flüssigkeitszufuhr und oft auch Alkohol können den Körper zusätzlich fordern. Die Folge können Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Schlafprobleme sein. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich jedoch viel erreichen. Ausreichend Wasser trinken gehört zu den wichtigsten Empfehlungen. Wer Alkohol konsumiert, sollte zusätzlich auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Ebenso wichtig sind Schattenplätze, eine Kopfbedeckung bei direkter Sonneneinstrahlung und genügend Schlaf. Zum Thema Alkohol weist Andrea auf die Empfehlung der WHO hin, die eine Null-Toleranz-Strategie vertritt. Gleichzeitig ist der Verzicht heute einfacher denn je, da es mittlerweile zahlreiche alkoholfreie Alternativen gibt. Und natürlich gehört für viele Menschen auch die Grillwurst zum Fußballabend dazu. Andrea macht deutlich, dass eine einzelne Wurst keine chronische Erkrankung verursacht. Entscheidend ist vielmehr das Ernährungsverhalten über das gesamte Jahr hinweg. Dennoch können stark salzhaltige und energiereiche Speisen bei manchen Menschen Völlegefühl, Sodbrennen oder andere Beschwerden auslösen. Am Ende gibt uns Andrea mit: Gesundheit ist wichtig – aber ebenso wichtig ist Lebensqualität. Wer sich permanent alles verbietet und jede Freude reglementiert, verliert irgendwann die Balance. Und genau dann ist man möglicherweise einen Schritt zu weit gegangen. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #43
    June 10 · 42 min

    Medikamente im Sommer - darauf solltest du achten | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Passend zu den sommerlichen Temperaturen beschäftigt sich Dr. Andrea Morawe in der aktuellen Folge von „LandMEDchen“ mit einer oft unterschätzten Kombination: Hitze und Medikamente. Anhand eines Praxisbeispiels erklärt sie die Problematik. Frau Müller ist 79 Jahre alt und wird wegen Bluthochdruck, Herzschwäche und Wassereinlagerungen behandelt. Dafür nimmt sie verschiedene Medikamente ein. Während einer mehrtägigen Hitzewelle mit Temperaturen von über 30 Grad isst und trinkt sie deutlich weniger als sonst. Nach einigen Tagen treten Schwindel, Schwäche und Kreislaufprobleme auf. Die Untersuchungen zeigen einen niedrigen Blutdruck, Anzeichen einer Dehydratation, eine Verschlechterung der Nierenfunktion und einen Gewichtsverlust. Für Andrea wird dabei deutlich: Nicht die Hitze allein ist das Problem, sondern das Zusammenspiel von hohen Temperaturen, Flüssigkeitsmangel und medikamentöser Therapie. Deshalb sollten insbesondere Angehörige, Pflegekräfte und Ärzt:innen in den Sommermonaten aufmerksam sein. Der menschliche Körper verfügt grundsätzlich über wirksame Mechanismen zur Temperaturregulation. Bei Hitze kommt es zu vier zentralen Anpassungen: Die Schweißproduktion nimmt zu, um den Körper abzukühlen. Die Blutgefäße erweitern sich. Die Herzfrequenz steigt an. Die Atmung wird schneller. Diese Prozesse funktionieren zuverlässig, solange ausreichend Flüssigkeit vorhanden ist. Geht jedoch zu viel Flüssigkeit verloren, können wichtige Elektrolyte wie Natrium, Kalium und Magnesium aus dem Gleichgewicht geraten. Gleichzeitig steigt das Risiko für Einschränkungen der Nierenfunktion. Besonders gefährdet sind Menschen ab dem 65. Lebensjahr, vor allem Frauen. Auch Patient:innen mit Diabetes gehören zur Risikogruppe, da ihr Durstempfinden häufig verändert ist. Im weiteren Verlauf der Folge geht Andrea auf verschiedene Medikamentengruppen ein, die bei hohen Temperaturen besondere Aufmerksamkeit erfordern. Dazu zählen: Diuretika („Wassertabletten“) Blutdruckmedikamente transdermale Applikationsformen wie Pflaster Psychopharmaka Dabei betont sie einen wichtigen Grundsatz: Medikamente sollten niemals eigenständig abgesetzt oder in der Dosierung verändert werden. Stattdessen sind regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit und eine engmaschige Kontrolle von Blutdruck und Allgemeinzustand sinnvoll. Gerade bei Psychopharmaka können Hitzeperioden problematisch werden. Neuroleptika beeinflussen die Wärmeregulation des Körpers, reduzieren teilweise die Schweißproduktion, können Müdigkeit verstärken, den Blutdruck senken und Verwirrtheit fördern. Auch viele Antidepressiva gehen mit einer erhöhten Schweißproduktion einher. Eine Sonderstellung nimmt Lithium ein. Bereits geringe Flüssigkeitsverluste können dazu führen, dass der Lithium-Spiegel deutlich ansteigt und kritische Werte erreicht. Auch bei Insulin gibt es Besonderheiten zu beachten. Das Medikament muss kühl gelagert werden und sollte keinesfalls längere Zeit in einem aufgeheizten Auto verbleiben. Gleichzeitig kann die durch Wärme gesteigerte Durchblutung dazu führen, dass Insulin schneller aufgenommen wird als gewohnt. Zum Schluss fasst Andrea die wichtigsten Empfehlungen für heiße Tage zusammen: Medikamente korrekt lagern Ausreichend trinken Auf Warnzeichen achten Gewicht und Blutdruck regelmäßig kontrollieren Denn gerade im Sommer können kleine Veränderungen im Alltag große Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #42
    June 3 · 45 min

    Was ist eine Patientenverfügung und wofür brauche ich sie auch als junger Mensch? | Andrea erklärt

    Ein Thema, das viele Menschen zwar im Hinterkopf haben, aber gerne auf später verschieben: die Patientenverfügung. Dabei begegnet Dr. Andrea Morawe diesem Thema regelmäßig im Praxisalltag und spricht auch in dieser Folge von „LandMEDchen“ darüber. Kommt es zu einer schweren Erkrankung oder einem Unfall, stehen Angehörige und Ärzt:innen oft vor schwierigen Entscheidungen: Soll eine Ernährungssonde gelegt werden? Ist eine Trachealkanüle gewünscht? Wie steht die betroffene Person zu einer Organspende? Auf all diese Fragen gibt es kein allgemeingültiges Richtig oder Falsch. Entscheidend ist der persönliche Wille des Menschen. Damit dieser auch dann berücksichtigt werden kann, wenn man sich selbst nicht mehr äußern kann, braucht es eine Patientenverfügung. Die rechtlichen Grundlagen dazu finden sich in § 1827 BGB. Andrea unterstützt ihre Patient:innen bei diesem Thema, stellt Informationsmaterial des Bundesministeriums der Justiz zur Verfügung und berät bei der Erstellung einer Patientenverfügung. Dabei bestätigt sie auch, dass die betreffende Person zum Zeitpunkt der Erstellung einwilligungs- und entscheidungsfähig ist. Die fertige Verfügung erhalten die Patient:innen selbstverständlich selbst. Zusätzlich wird eine Kopie in der Praxis hinterlegt und ein Hinweis für das Portemonnaie mitgegeben, damit das Dokument im Ernstfall schnell gefunden werden kann. Wichtig ist Andrea dabei ein häufiger Irrtum: Eine Patientenverfügung bedeutet nicht automatisch, alle medizinischen Maßnahmen abzulehnen. Vielmehr geht es darum, den eigenen, ganz persönlichen Willen festzuhalten. Typische Inhalte einer Patientenverfügung betreffen Entscheidungen zu Reanimation, Beatmung, künstlicher Ernährung, künstlichen Körperöffnungen, Dialyse, Flüssigkeitsgabe, Antibiotikatherapie oder Organspende. Auch zur Schmerztherapie können individuelle Wünsche festgelegt werden. Manche Menschen entscheiden sich beispielsweise bewusst gegen bewusstseinsdämpfende Medikamente und nehmen dafür Schmerzen in Kauf. Um die Bedeutung solcher Entscheidungen greifbarer zu machen, nimmt Andrea die Zuhörer:innen auf eine Gedankenreise mit und schildert die Situation eines jungen Familienvaters im Krankenhaus. Dabei weist sie auch auf ein häufiges Problem hin: Manche Formulierungen in Patientenverfügungen können sich gegenseitig widersprechen oder sogar aufheben. Deshalb empfiehlt sie ausdrücklich eine fachkundige Beratung bei der Erstellung. Diese Beratung ist zwar keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, bewegt sich jedoch in einem überschaubaren finanziellen Rahmen. Wichtig ist außerdem die Unterscheidung: Die Patientenverfügung gehört in den medizinischen Bereich und wird häufig gemeinsam mit Ärzt:innen besprochen, während Vollmachten in den Zuständigkeitsbereich eines Notars fallen können. Andrea betont außerdem, dass eine Patientenverfügung keineswegs nur für ältere Menschen relevant ist. Schwere Unfälle oder unerwartete Erkrankungen können in jedem Lebensalter auftreten. Doch was passiert eigentlich, wenn keine Patientenverfügung vorliegt? Dann entscheidet nicht automatisch die Ehefrau oder der Ehemann. Stattdessen versuchen Ärzt:innen und Angehörige gemeinsam herauszufinden, was dem mutmaßlichen Willen der betroffenen Person entsprochen hätte. Anhand eines Beispiels aus ihrer Praxis mit einem demenziell erkrankten Patienten zeigt Andrea, wie belastend solche Situationen für alle Beteiligten sein können. Umso wichtiger ist es, diese Gespräche einfühlsam und offen zu führen. Zum Schluss gibt sie praktische Hinweise für die Formulierung einer Patientenverfügung und richtet auch einen Appell an Angehörige: In solchen Momenten trifft man keine Entscheidung für sich selbst, sondern für den betroffenen Menschen. Und wenn man sich dieser Verantwortung nicht gewachsen fühlt, sollte man auch das ehrlich aussprechen dürfen. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #41
    May 27 · 13 min

    Hautkrebsscreening: Sinnvoll oder überholt? | Dr. Andrea Morawe

    „Heute schauen wir uns Ihre Haut nochmal genauer an“ – diesen Satz hören Millionen gesetzlich Versicherte regelmäßig beim Hautkrebsscreening. Doch genau diese Untersuchung wird derzeit kontrovers diskutiert: Handelt es sich um eine sinnvolle Form der Krebsfrüherkennung oder um ein kostenintensives Routineprogramm mit begrenztem Nutzen? Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“. Das Hautkrebsscreening gehört zur Krebsfrüherkennung und steht allen gesetzlich Versicherten ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre zu. Dabei wird die Haut am gesamten Körper untersucht – inklusive Kopfhaut und Zehenzwischenräumen. Durchgeführt werden kann die Untersuchung sowohl von Dermatolog:innen als auch von entsprechend qualifizierten Hausärzt:innen. Ziel des Screenings ist es, Hautkrebsformen wie das maligne Melanom, Basalzellkarzinome oder Plattenepithelkarzinome möglichst früh zu erkennen, damit eine Therapie rechtzeitig eingeleitet werden kann. Dahinter steht die Hoffnung, die Prognose und Überlebenschancen der Patient:innen zu verbessern. Grundlage dafür ist unter anderem die S3-Leitlinie zur Prävention von Hautkrebs. Allerdings ist die Datenlage komplex. Zwar sollen frühe Tumorstadien entdeckt werden, eindeutige Studien, die eine Senkung der Sterblichkeit durch das allgemeine Screening belegen, fehlen jedoch bislang. Gleichzeitig besteht das Risiko einer Überdiagnostik. Auffällige Hautveränderungen werden häufiger entfernt, obwohl sie möglicherweise nie problematisch geworden wären. Das kann Patient:innen psychisch belasten und verursacht zusätzliche Kosten. Auch die DEGAM positioniert sich differenziert: Kein generelles Screening nach dem Gießkannenprinzip, aber ein klares Ja für Risikogruppen. Dazu zählen beispielsweise Menschen mit sehr hellem Hauttyp, familiärer Vorbelastung oder hoher UV-Belastung. Für Andrea bedeutet das Hautkrebsscreening jedoch mehr als nur die reine Hautinspektion. Sie nutzt diese Termine auch, um mit Patient:innen über Prävention, Sonnenschutz und UV-Exposition zu sprechen. Genau dieser präventive Aspekt würde ihrer Meinung nach verloren gehen, wenn das Screening komplett wegfallen würde. Für sie bleibt deshalb klar: Das Hautkrebsscreening kann sinnvoll sein – allerdings gezielter eingesetzt und nicht pauschal bei allen Menschen gleichermaßen. Gute Medizin bedeutet manchmal eben auch, kritisch zu hinterfragen, ob ein Instrument tatsächlich den Nutzen bringt, den man sich davon versprochen hat. Zum Schluss spricht Andrea außerdem darüber, dass sie sich mehr strukturierte Beratungsmöglichkeiten zu Gesundheitsthemen im Sommer wünschen würde – beispielsweise zur richtigen Lagerung von Medikamenten bei hohen Temperaturen. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #40
    May 20 · 31 min

    Heilmittel - warum Bewegung besser als Massagen sind | Andrea Morawe erklärt

    „Warum bekomme ich denn keine Massage verschrieben? Ich habe doch Schmerzen!“ Genau diese Frage hört Dr. Andrea Morawe häufig in der Praxis. Doch die gesetzliche Krankenkasse ist nicht für Wellness zuständig, sondern für Therapie. Dabei geht es nicht darum, sich passiv behandeln zu lassen, sondern aktiv etwas für die eigene Gesundheit zu tun – Hilfe zur Selbsthilfe also. Die Krankenkassen zahlen nicht für Maßnahmen, die sich kurzfristig gut anfühlen, sondern für Therapien mit langfristigem Nutzen. Deshalb spricht Andrea in der neuen Folge von „LandMEDchen“ über Heilmittel, ihre verschiedenen Formen und darüber, wie sie eigentlich funktionieren. Grundlage dafür ist der Heilmittelkatalog. Dazu gehören Physiotherapie, Ergotherapie, Podologie und Logopädie. Ziel dieser Heilmittel ist immer, Funktionen zu verbessern – also beispielsweise besser greifen, sich sicherer bewegen oder den Alltag wieder selbstständiger bewältigen zu können. Physio- und Ergotherapie tragen außerdem oft dazu bei, dass Menschen länger zuhause leben können und nicht frühzeitig in eine Pflegeeinrichtung müssen. Kommen Patient:innen mit Rückenschmerzen in die Praxis und wünschen sich Massagen, steckt dahinter meist der Wunsch nach schneller Schmerzlinderung. Langfristig helfen bei vielen Beschwerden jedoch eher gezieltes Training, aktive Übungen und Muskelaufbau. Andrea ist deshalb ein großer Fan von Reha-Training beziehungsweise Rehabilitationssport. Dieser wird häufig von den Krankenkassen übernommen und hat zusätzlich einen sozialen Effekt, weil er oft in Gruppen stattfindet. Ein klassisches Heilmittelbudget gibt es zwar nicht, dennoch existieren Richtgrößen, an denen sich Hausärzt:innen orientieren müssen. Entscheidend ist dabei auch, wie viel Kolleg:innen im Umfeld verordnen. Wer deutlich mehr verschreibt, gerät schneller in eine Plausibilitätsprüfung. Der wirtschaftliche Druck spielt also trotzdem eine Rolle. Andrea erklärt außerdem, dass sie bestimmte Leistungen wie Kinesio-Tape nach dem WANZ-Prinzip nicht über die gesetzliche Krankenkasse abrechnen darf, weil diese nicht im GKV-Katalog enthalten sind. Deshalb bietet sie solche Leistungen als Selbstzahlerleistungen an. Für sie wäre es eine Entmündigung der Patient:innen, diese Möglichkeiten gar nicht erst anzubieten. Für Patient:innen mit einem besonders hohen Heilmittelbedarf – etwa nach einem Schlaganfall – gibt es zusätzlich den langfristigen beziehungsweise besonderen Heilmittelbedarf. Außerdem spricht Andrea über den Heilmittel-Richtlinienkatalog, in dem genau festgelegt ist, welche Untergruppen und Bedarfe existieren. Als praktische Unterstützung empfiehlt sie den Hausärztinnen- und Hausärzteverband mit der Zeitschrift „hausärztliche Praxis digital“, in der sich hilfreiche Übersichten und „Spickzettel“ finden. Massagen können zwar kurzfristig entspannen und Schmerzen lindern, lösen aber häufig nicht die eigentliche Ursache. Natürlich spielt auch mentale Entspannung eine wichtige Rolle, weil sich dadurch verspannte Muskulatur lockern kann. Ohne Behandlung der Ursache kehren die Beschwerden jedoch oft zurück. Ein weiteres Thema ist die sogenannte Blanko-Verordnung, von der Andrea ein großer Fan ist und die sie gerne stärker ausgebaut sehen würde. Diese gibt es aktuell in der Physiotherapie bei bestimmten Schultererkrankungen. Dabei entscheidet nicht die Ärztin im Detail über jede einzelne Therapieform, sondern die Heilmittelerbringer:innen wählen selbstständig die passende Behandlung aus und passen sie flexibel an den Verlauf an. Andrea fasst es am Ende treffend zusammen: Viele wünschen sich verständlicherweise die angenehmste Lösung. Das Gesundheitssystem bezahlt jedoch vor allem Therapien, die langfristig zu einer Verbesserung führen – und das passiert meist durch Aktivierung, Bewegung und Eigenarbeit. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #39
    May 13 · 23 min

    Mutterschutz für selbstständige Ärztinnen - ein gesellschaftliches Anliegen! | Andrea Morawe erklärt

    Dieses Thema betrifft längst nicht nur Frauen, sondern die gesamte Gesellschaft. Stell dir vor: Du bist Ärztin, hast viele Jahre studiert, gehst den Schritt in die Niederlassung und wirst schwanger. Doch genau dann zeigt sich ein großes Problem im System: Während es im Angestelltenverhältnis klare Schutzregelungen gibt, fehlt dieser Schutz für selbstständige Ärztinnen nahezu vollständig. Auch auf dem Deutschen Ärztetag wird das Thema in diesem Jahr diskutiert. Mittlerweile sind rund 60 % der Absolvent:innen des Medizinstudiums weiblich. Gleichzeitig braucht das Gesundheitssystem dringend Nachwuchs im ambulanten Bereich. Politik und Gesundheitswesen wünschen sich mehr Niederlassungen, außerdem werden Nachfolger:innen für bestehende Praxen benötigt, besonders in der ländlichen Versorgung. Im Angestelltenverhältnis gibt es klare Regelungen zum Mutterschutz: Sechs Wochen vor der Geburt und acht bis zwölf Wochen danach. Die Zeit vor der Geburt ist freiwillig, die Zeit nach der Geburt verpflichtend. Für Studierende existieren Sonderregelungen, damit sie ihre Ausbildung nach der Geburt schneller fortsetzen können. Für selbstständige Ärztinnen sieht die Situation jedoch völlig anders aus. In der Novellierung des Mutterschutzes wurden sie kaum berücksichtigt. Faktisch gibt es keinen Mutterschutz für Selbstständige. Daraus entstehen erhebliche finanzielle Belastungen: Die laufenden Kosten bleiben bestehen, die Verantwortung für Praxis, Mitarbeitende und Organisation ebenfalls. Auch die Vertretungsregelung ist kompliziert. Viele Ärztinnen müssen sich zwischen „ganz oder gar nicht“ entscheiden, statt beispielsweise stundenweise weiterarbeiten zu können. Das Mutterschaftsgeld ist bei gesetzlich Versicherten meist ähnlich geregelt wie das Krankengeld und beginnt formal nach sechs Wochen. Trotzdem bleibt häufig eine Versorgungslücke bestehen. In der privaten Krankenversicherung hängen Leistungen oft von individuellen Vereinbarungen ab. Zusätzlich gibt es zwar Praxisausfallversicherungen, diese schließen Schwangerschaften jedoch häufig aus. Andrea erzählt, dass sie sich ihre eigene Schwangerschaft letztlich „angespart“ hat. Dabei darf man nicht vergessen: Gerade junge Ärztinnen, die sich neu niederlassen, tragen hohe finanzielle Belastungen. Die Abschlagszahlungen der KV kommen zeitversetzt, während Miete, Gehälter und weitere Praxiskosten trotzdem weiterlaufen. Die Folge daraus: Viele junge Ärztinnen verschieben die Niederlassung oder entscheiden sich ganz dagegen. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wie glaubwürdig eine Niederlassungsstrategie überhaupt sein kann, wenn zentrale Lebensphasen nicht ausreichend abgesichert werden. Neu ist das Thema keineswegs. Die Problematik ist seit Jahren bekannt, politische Versprechungen gab es viele – konkrete Veränderungen hingegen kaum. Sogar eine EU-Richtlinie (2010/41/EU) existiert bereits, wurde in Deutschland bislang jedoch nicht umgesetzt. Dabei betrifft dieses Thema nicht nur die Mütter selbst, sondern auch die Gesellschaft insgesamt und natürlich die ungeborenen beziehungsweise frisch geborenen Kinder. Auch über die Finanzierung wird intensiv diskutiert. Im Raum stehen unterschiedliche Modelle, etwa ein Mutterschutzfonds für Selbstständige, ein Umlagesystem oder eine steuerfinanzierte Übergangsförderung. Hochrechnungen gehen von einem Finanzierungsbedarf von rund 229 Millionen Euro aus. Andrea kann sich besonders eine Umlagelösung gut vorstellen. Ihr Appell an die Politik ist deshalb eindeutig: Wer über moderne Versorgung, Gleichstellung und Nachwuchsförderung spricht, muss auch diese Lebensrealitäten konsequent mitdenken. Zu „Mutterschutz für Alle“: https://mutterschutzfueralle.de/ Zum Bündnis: https://mutterschutz-fuer-selbststaendige.de/ Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #38
    May 6 · 19 min

    Wie eine Zuckersteuer Einfluss auf unsere Gesundheit hat | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Die Zuckersteuer wird aktuell erneut intensiv diskutiert, denn die Finanzkommission Gesundheit hat sie wieder ins Gespräch gebracht. Der Hintergrund: Durch eine solche Maßnahme könnten jährlich rund 450 Millionen Euro zusätzlich eingenommen und gleichzeitig hunderttausende Diabetes-Erkrankungen verhindert werden. Genau darüber spricht Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“. In Deutschland entstehen jedes Jahr enorme Kosten durch Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Adipositas oder frühzeitige Arthrose. Gleichzeitig wird eine Maßnahme, die nachweislich präventiv wirken könnte, politisch weiterhin kontrovers diskutiert. Andrea betont dabei klar: Es geht nicht darum, den Sonntagskuchen zu verbieten. Medizinisch lässt sich der Zusammenhang gut erklären. Vor allem zuckerhaltige Getränke führen dazu, dass Zucker sehr schnell aufgenommen wird. Dadurch entstehen starke Insulinspitzen. Langfristig kann das eine Insulinresistenz fördern und die Bildung von viszeralem Fettgewebe begünstigen. Sowohl die WHO als auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin empfehlen deshalb eine deutliche Reduktion von Zucker in Getränken und sprechen sich für verhältnispräventive Maßnahmen wie eine Zuckersteuer aus. Die wissenschaftliche Datenlage dazu ist eindeutig. Die Zahlen zeigen ebenfalls die Dimension des Problems: Rund die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland gilt als übergewichtig, etwa 20 Prozent sind adipös. Natürlich wäre eine gesündere Ernährung grundsätzlich möglich, allerdings zeigt die Verhaltensforschung deutlich, wie stark unser Umfeld das Essverhalten beeinflusst. Großbritannien wird dabei oft als Beispiel genannt: Dort sank nach Einführung der Zuckersteuer der Zuckeranteil in Softdrinks um etwa 30 Prozent. Kritiker:innen sprechen häufig von Bevormundung. Andrea sieht das anders. Für sie geht es nicht um Verbote, sondern darum, gesundheitsschädliche Strukturen zu verändern. Sie zieht den Vergleich zur Anschnallpflicht: Auch hier existieren klare Regeln zum Schutz der Bevölkerung, trotzdem bleibt die individuelle Entscheidung bestehen. Ein weiteres Argument gegen die Zuckersteuer ist die Sorge vor sozialer Ungleichheit. Andrea verweist jedoch darauf, dass gerade sozial benachteiligte Gruppen aktuell die höchste Krankheitslast tragen und deshalb besonders von einer Zuckersteuer profitieren könnten. Für Andrea liegt das Problem längst nicht mehr im fehlenden Wissen, sondern in der Umsetzung. Eltern möchten ihren Kindern nicht schaden, bewegen sich aber in einer Umgebung, in der stark zuckerhaltige Produkte jederzeit verfügbar und gezielt vermarktet werden. Zusätzlich spricht sie sich dafür aus, Obst und Gemüse steuerlich zu entlasten und die Kennzeichnung von Lebensmitteln verständlicher zu gestalten. Der Nutri-Score beispielsweise vergleicht Produkte nur innerhalb derselben Kategorie und liefert deshalb oft kein vollständiges Bild. Am Ende stellt Andrea die entscheidende Frage: Nicht, ob wir uns eine Zuckersteuer leisten können – sondern wie lange sich unser Gesundheitssystem leisten kann, weiterhin darauf zu verzichten. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #37
    April 29 · 52 min

    Wirtschaftlichkeit und Abrechnung in der Hausarztpraxis | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Wie funktioniert die Abrechnung und die Wirtschaftlichkeit einer Hausarztpraxis? Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“. In einer Hausarztpraxis bekommt die Ärztin oder der Arzt für jeden Patienten pro Quartal – also für drei Monate – einen festen Betrag. Sobald die Patient:innen ihre Karte einlesen lassen, entsteht ein Schein, der den Wert von 60-70 Euro hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Patient einmal kommt oder zehnmal und wie viel Zeit die Behandlung tatsächlich kostet, d.h. der Schweinwert sagt nichts über den einzelnen Patienten aus. Zusätzlich gibt es ein recht komplexes System aus Zeit- und Geldberechnung. Grundlage dafür ist der sogenannte Punktwert. Jede ärztliche Leistung hat im EBM eine bestimmte Anzahl an Punkten. Diese Punkte werden mit dem Punktwert multipliziert und ergeben so den Geldbetrag, den die Praxis dafür bekommt. Gleichzeitig ist jeder Leistung auch eine Kalkulationszeit zugeordnet. Diese legt fest, wie viel Zeit theoretisch für eine Leistung vorgesehen ist und bestimmt mit, wie hoch ihre Vergütung ist. In der Realität reicht diese Zeit jedoch oft nicht aus, weil Gespräche und Behandlungen deutlich länger dauern. Daneben gibt es die sogenannte Prüfzeit. Sie dient der Kontrolle und legt fest, wie viele Stunden Ärztinnen und Ärzte pro Quartal maximal abrechnen dürfen. Überschreiten sie diese Grenze (bei einem vollen Kassensitz pro Quartal 780 Stunden), geht die Kassenärztliche Vereinigung davon aus, dass die Leistungen nicht vollständig oder nicht korrekt erbracht worden sein könnten – und es kann zu einer Prüfung kommen. Das soll davor schützen, dass das System ausgenutzt wird. Das führt zu einem Problem: Wenn eine Praxis sehr viele Patientinnen und Patienten versorgt, was vor allem auf dem Land oft nötig ist, kommt sie schnell an diese Zeitgrenzen. Im Extremfall können Leistungen dann nicht mehr abgerechnet werden, obwohl sie erbracht wurden und vielleicht zum Teil von MFAs und VERAHs vorbereitet wurden. Zudem: Sich viel Zeit für eine Leistung zu nehmen wird nicht besser vergütet. In der privaten Krankenversicherung, also bei Abrechnung nach GoÄ sieht das anders aus. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bezahlung der Leistungen. Technische Untersuchungen, zum Beispiel Lungenfunktionstest, EKG, Blutdruck, Ultraschall, etc. sind vergleichsweise gut vergütet, zudem sind sie gut planbar. Gespräche mit Patientinnen und Patienten dagegen, obwohl sie zentral für die Behandlung sind, bringen deutlich weniger Geld und sind oft zusätzlich begrenzt. Für Präventionsgespräche kann man selbst nichts abrechnen. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit in der Hausarztpraxis sind Gespräche. Dafür gibt es sogenannte Gesprächsziffern. Das sind Abrechnungspositionen für Beratungen, also zum Beispiel, wenn Diagnosen erklärt werden oder Therapien besprochen werden. Diese Gespräche sind medizinisch sehr wichtig, werden aber im System vergleichsweise schlecht vergütet und sind zusätzlich oft budgetiert. Das heißt: Wenn eine Praxis viele ausführliche Gespräche führt, wird jedes einzelne Gespräch am Ende schlechter bezahlt. Besonders relevant wird das bei sogenannten F-Diagnosen. Das sind Diagnosen aus dem Bereich der psychischen Erkrankungen, zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen. Hier braucht es oft mehr Zeit, mehr Gespräche und eine engere Begleitung der Patient:innen. Dazu kommt das Problem der Budgetierung. Das bedeutet: Eine Praxis bekommt nur bis zu einer bestimmten Menge die volle Bezahlung für ihre Leistungen, z.B. bei den Gesprächsziffern. Wenn diese Grenze überschritten wird, sinkt die Vergütung oder fällt ganz weg. Die Ärzt:innen behandeln ihre Patient:innen meist trotzdem weiter, aber ein Teil dieser Arbeit wird dann nicht mehr richtig bezahlt. Am Ende stehen Ärztinnen und Ärzte ständig vor einem Konflikt. Sie wollen sich ausreichend Zeit für ihre Patientinnen und Patienten nehmen, müssen aber gleichzeitig darauf achten, dass die Praxis finanziell überlebt und alle Regeln eingehalten werden. Das Grundproblem ist also: Gute Medizin braucht Zeit, das System bezahlt aber vor allem Menge und nicht den tatsächlichen Aufwand. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

  • #36
    April 22 · 1 hr 1 min

    Was der Referentenentwurf bedeutet - analysiert von zwei Hausärztinnen | Laura Dalhaus und Andrea Morawe

    Der aktuelle Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit sorgt für große Unruhe im Gesundheitswesen – und bei Dr. Laura Dalhaus sogar für hektische Flecken. Genau deshalb hat Dr. Andrea Morawe sie in ihren Podcast „LandMEDchen“ eingeladen, um die geplanten Veränderungen gemeinsam einzuordnen und kritisch zu beleuchten. Schnell wird klar: Vor allem die Hausärzt:innen stehen unter Druck. Die primärärztliche Versorgung droht weiter geschwächt zu werden – obwohl sie nicht zu den größten Kostentreibern im System gehört. Gleichzeitig bleiben zentrale Ausgabenpunkte, wie beispielsweise die Finanzierung der Versorgung von Bürgergeldempfänger:innen, weitgehend unangetastet. Einige Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit haben bei Andrea gemischte Reaktionen ausgelöst – von Skepsis bis Zustimmung. Besonders Maßnahmen wie eine Zuckersteuer bewertet sie positiv. Umso unverständlicher ist es für beide, dass solche präventiven Ansätze im aktuellen Entwurf fehlen, obwohl Prävention sogar im Koalitionsvertrag verankert ist. In diesem Zusammenhang sprechen sie auch über die allgegenwärtige Zuckerfalle, insbesondere für Kinder. Ein weiterer kritischer Punkt: Die geplante Senkung des Krankengeldes um 5 %. Gerade diejenigen, die ohnehin körperlich belastende Berufe ausüben, geraten dadurch noch schneller in existenzielle Notlagen. Für Laura und Andrea bestätigt sich hier einmal mehr die Realität hinter dem Satz: „Armut macht krank – und Krankheit macht arm.“ Gleichzeitig geraten auch Ärzt:innen selbst zunehmend unter gesundheitlichen Druck. Auch wirtschaftlich spitzt sich die Lage zu: Je mehr Patient:innen eine Hausarztpraxis versorgt, desto geringer fällt die Vergütung pro Fall aus. Mit der geplanten Grundlohnsummenregelung sehen viele Therapeut:innen ihre Existenz bedroht. Laura bringt sogar die Idee einer Sammelklage ins Spiel. Die Konsequenz könnte sein, dass Praxen künftig stärker gezwungen sind, wirtschaftlich zu entscheiden, welche Patient:innen sie behandeln. Parallel gewinnt die Privatmedizin weiter an Attraktivität. Unterschiedliche Perspektiven zeigen sich beim Thema Check-ups: Während Laura deren Nutzen grundsätzlich hinterfragt, verfolgt Andrea einen differenzierteren Ansatz. Einig sind sich beide jedoch in der Kritik an der unzureichenden Vergütung. Auffällig ist außerdem, dass die Pharmaindustrie im aktuellen Entwurf vergleichsweise wenig belastet wird. Ein weiterer Diskussionspunkt sind Reha-Berichte und der Umgang der Deutschen Rentenversicherung damit. Auch die Qualität von Arztbriefen und der schleppende Fortschritt in der Digitalisierung werden kritisch beleuchtet. Für viele Praxen bleibt als einzige Option eine weitere Effizienzsteigerung, sei es durch zusätzliches Personal oder technische Lösungen. Doch diese Investitionen müssen zunächst selbst getragen werden. Gleichzeitig entwickelt sich die GKV-Leistung zunehmend in Richtung Basisversorgung – wobei sich die Frage stellt, ob sie das nicht längst ist, wenn bereits strikt nach dem WANZ-Prinzip gearbeitet wird. Im weiteren Verlauf berichtet Laura von einer Veranstaltung in Borken zum Thema „Wer darf wie alt werden?“. Die zentrale Frage: Wie lange können wir uns Spitzenmedizin in einer älter werdenden Gesellschaft leisten? Und gehört individualisierte Medizin überhaupt noch in ein solidarisch finanziertes System? Für beide ist klar: Das ist eine der großen sozial-ethischen Herausforderungen unserer Zeit – auch wenn viele Politiker:innen diese Debatte scheuen. Ergänzend diskutieren sie das sogenannte Verursacherprinzip, das in der privaten Krankenversicherung bereits Anwendung findet, in der gesetzlichen jedoch kontrovers bleibt. Auch die Rolle des Bundes wird thematisiert: Statt struktureller Lösungen erfolgt der Beitrag zur Stabilisierung vor allem durch eine Verschiebung finanzieller Verpflichtungen. Mit dem sogenannten „David-Experiment“ veranschaulicht Laura schließlich ethische Dilemmata im Gesundheitssystem und zieht Parallelen zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen, insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit. Am Ende bleibt eine ernüchternde Erkenntnis: Der Glaube an grundlegende Systemveränderungen schwindet. Andrea zieht für sich eine klare Grenze – sie lehnt eine „3-Minuten-Medizin“ ab und setzt stattdessen auf transparente Kommunikation mit ihren Patient:innen, auch in Bezug auf Zusatzleistungen. Gemeinsam stellen sich beide die Frage, ob Programme wie DMP in ihrer jetzigen Form noch sinnvoll sind, da sie primär der Finanzierung innerhalb des Morbi-RSA dienen. Fest steht: Die aktuellen Entwicklungen werden nicht nur die Versorgung, sondern auch die Strukturen und Arbeitsplätze in den Praxen nachhaltig beeinflussen. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus

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    April 15 · 22 min

    Warum Gesundheitskompetenz immer mehr verloren geht | Dr. Andrea Morawe erklärt

    In ihrer täglichen Arbeit sieht Dr. Andrea Morawe immer wieder, welche Folgen es hat, wenn Gesundheitskompetenz fehlt. Für sie ist klar: Das liegt nicht an einzelnen Menschen, sondern ist ein grundlegendes Problem im System. Ein Beispiel aus dem Alltag: Eine Patientin liest im Befund „Vitamin-D-Mangel“. Die entscheidende Frage sollte nicht lauten „Was ist Vitamin D?“, sondern vielmehr: „Hat das für mich eine Bedeutung? Muss ich etwas tun – und wenn ja, was ist medizinisch sinnvoll?“ Patient:innen bewegen sich als Laien durch ein hochkomplexes System. Nach einem Arztgespräch bleibt oft nur etwa die Hälfte der Informationen im Gedächtnis – ein völlig normales Phänomen. Gleichzeitig ist die Zeit knapp: Ein durchschnittlicher Termin in der Hausarztpraxis dauert rund 10 Minuten. In dieser Zeit sollen Ärzt:innen zuhören, untersuchen, diagnostizieren und eine Therapie einleiten. Dabei wird häufig mit medizinischer Fachsprache gearbeitet, die für viele schwer zugänglich ist. Hinzu kommt, dass Patient:innen oft zwischen verschiedenen Akteur:innen vermitteln müssen. Das System selbst setzt klare Schwerpunkte: Diagnostik und Behandlung werden vergütet, Aufklärung, Prävention und langfristige Gesundheitsförderung hingegen deutlich weniger. Andrea betont, dass auch Ärzt:innen hier Verantwortung tragen. Es braucht ein Umdenken in der Kommunikation. Methoden wie das Teach-back-Prinzip, bei dem Patient:innen das Gesagte noch einmal in eigenen Worten wiedergeben, können helfen, Verständnis zu sichern. Auch schriftliche Informationen können eine wichtige Unterstützung sein. Gesundheitskompetenz darf kein Zusatzangebot sein, sondern muss ein fester Bestandteil guter medizinischer Versorgung werden. Viele Patient:innen suchen zusätzlich im Internet nach Informationen. Das ist grundsätzlich nichts Negatives. Die Schwierigkeit liegt vielmehr darin, verlässliche von irreführenden Inhalten zu unterscheiden. Fehlinterpretationen können schnell zu Verunsicherung oder unnötigen Ängsten führen. Nicht die Informationssuche bei „Dr. Google“ ist das Problem – sondern die fehlende Einordnung. Die Frage bleibt: Wer ist eigentlich dafür verantwortlich, Gesundheitskompetenz zu fördern? Ein zentrales Problem ist das Fehlen einer klaren Orientierung im System. Ein stärker etabliertes Primärarztmodell könnte hier als Leitstruktur dienen und Patient:innen besser durch die Versorgung führen. Dabei beginnt Gesundheitskompetenz viel früher, nämlich im Kindesalter. Andrea sieht großes Potenzial darin, Gesundheitsthemen bereits in Kitas und Schulen stärker zu verankern. Regelmäßige Bewegung sollte selbstverständlich sein und über die üblichen zwei Sportstunden hinausgehen. Auch außerschulische Angebote könnten einen wichtigen Beitrag leisten. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Ernährung. Diese prägt die Gesundheit bereits vor der Geburt, muss danach aber aktiv begleitet werden. Andrea spricht sich für mehr praxisnahe Angebote aus, bei denen Kinder Gesundheit erleben und verstehen können. Häufig scheitert die Umsetzung jedoch an fehlenden finanziellen Ressourcen. Früher wurde viel Gesundheitswissen im familiären Umfeld weitergegeben. In Großfamilien gehörte es zum Alltag, sich gegenseitig zu unterstützen und grundlegende Dinge zu vermitteln – etwa, wie man mit Fieber umgeht. Diese Strukturen sind heute seltener geworden. Auch politische Rahmenbedingungen spielen eine Rolle. Andrea kritisiert unter anderem die Ablehnung einer Zuckersteuer sowie den Nutri-Score, den sie als wenig aussagekräftig empfindet. Gleichzeitig verfolgt die Lebensmittelindustrie vor allem wirtschaftliche Interessen – nicht primär gesundheitliche. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

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