
#10 Milliarden für Gas, Bremse für Solar?
In Folge 10 spricht Kristin Langen mit Prof. Dr. Claudia Kemfert über Deutschlands Klimaziele, den Tankrabatt und die geplanten Änderungen bei Gas- und Solarstrom. Außerdem geht es um die 1,5-Grad-Grenze, die kommende Weltklimakonferenz und die Frage, wie Städte besser mit Hitze umgehen können. Die 1,5-Grad-Grenze wird voraussichtlich überschritten. Kemfert warnt davor, daraus in Resignation zu verfallen: Bei der Weltklimakonferenz COP31 in Antalya müsse es endlich um konkrete Schritte gehen – weniger Ankündigungen, mehr Handeln. Auch Deutschlands Klimaziel für 2026 ist Thema. Zwar sind die Emissionen im Vergleich zum Vorjahr laut Gespräch um zwei Prozent gesunken. Kemfert hält Deutschland dennoch nicht für auf Kurs: Der Rückgang sei zu einem großen Teil durch die fossile Energiekrise und hohe Preise bedingt. Im Verkehr und bei Gebäuden werde weiterhin zu wenig getan. Dann geht es um den Tankrabatt. Studien von DIW und ifo kommen laut Kemfert zu unterschiedlichen Ergebnissen, zeigen aber beide: Die Steuersenkung wurde nicht vollständig weitergegeben. Zudem sei die Entlastung wenig zielgenau und komme auch Vielfahrenden mit höheren Einkommen zugute. Kemferts Vorschlag für eine kurzfristige Hilfe: ein Weihnachtsgeld von 200 Euro, für das sich Menschen selbst registrieren können. Höhere Einkommen könnten den Betrag später über die Steuer teilweise zurückzahlen. Im Mittelpunkt stehen zwei politische Vorhaben für den Strommarkt: das Stromversorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz und die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Das StromVKG soll Strom für Zeiten mit wenig Wind und Sonne absichern. Kemfert hält die Grundidee für sinnvoll, kritisiert aber Ausschreibungsregeln, die Batteriespeicher benachteiligen könnten. Wenn Anlagen zehn Stunden am Stück liefern müssen, seien Gaskraftwerke im Vorteil. Eine mögliche Umlage zur Finanzierung neuer Kapazitäten schätzt sie auf etwa einen Cent pro Kilowattstunde; die konkrete Finanzierung ist im Gespräch noch offen. Auch die geplante EEG-Reform wirft Fragen auf: Neue Solaranlagen sollen ihren Strom stärker selbst vermarkten, während die feste Einspeisevergütung schrittweise zurückgeht. Dafür braucht es laut Kemfert digitale Netze, Smart Meter, Speicher und flexible Tarife. Im europäischen Vergleich liege Deutschland beim Smart-Meter-Ausbau weit zurück. Bestehende Solaranlagen genießen Bestandsschutz; neue Anlagen lohnen sich weiterhin, besonders wenn der Strom selbst genutzt wird. Kemfert rät zugleich davon ab, sich von überhöhten Handwerkerpreisen zu einem überstürzten Kauf drängen zu lassen. Zum Abschluss geht es um Münchens Klimaanalyse: Sie zeigt, wo Hitzeinseln entstehen und welche Orte besonders gefährdet sind. Mehr Grün und freie Kaltluftschneisen können Städte spürbar abkühlen – für Kemfert ein Klima-Top. Produktion: Studio Schumann Links zur Sendung UN-Umweltprogramm UNEP: Emissions Gap Report 2026 Agora Energiewende: Deutschland droht 2026 erstmals sein Klimaziel zu verfehlen DIW Berlin: Tankrabatt-Monitor ifo Institut: Tankrabatt wirkt bei Benzin, bei Diesel nur teilweise Bundesnetzagentur: Ausschreibung nach dem StromVKG EU-Kommission: Genehmigung des deutschen Kapazitätsmechanismus Deutscher Bundestag: Bundesregierung legt EEG-Novelle vor Münchens Klimaanalyse – Süddeutsche Zeitung Klima-Newsletter der Frankfurter Rundschau








