

Folge 35 | Israel: Gefangen im Trauma? | Gast: Shimon Stein
Wie kann Frieden entstehen, wenn zwei Gesellschaften tief traumatisiert sind und das Vertrauen zwischen ihnen nahezu verschwunden ist? Shimon Stein, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland, warnt vor einfachen Antworten. Israelis und Palästinenser verstünden sich beide als Opfer der Geschichte – und gerade die Erfahrung des eigenen Leids erschwere den Blick auf das Leid der anderen. Nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 sei die israelische Gesellschaft noch immer traumatisiert. „Wenn man mit dem eigenen Leid so befasst ist, hat man fast keinen Raum für das Leid der anderen“, sagt Stein. Der frühere Diplomat kennt Krieg selbst: Als 19-jähriger Fallschirmjäger kämpfte er im Sechstagekrieg, später auch im Jom-Kippur-Krieg. Heute plädiert er für einen nüchternen Blick auf die Möglichkeiten von Frieden. Militärische Abschreckung bleibe notwendig – könne aber eine politische Perspektive nicht ersetzen. Mit Shimon Stein sprechen wir über konkurrierende Opfererfahrungen, die Grenzen militärischer Sicherheit, das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung und die Frage, wie trotz tiefsten Misstrauens wieder erste Schritte möglich werden können. Ein Gespräch über Frieden ohne Illusionen – und darüber, warum es gerade jetzt darauf ankommt und wie es gelingen kann, „Frieden auf Vorrat“ zu schaffen.
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