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Religion & Spirituality

Feministische Bibelgespräche

Evangelische Akademie zu Berlin

Passen Feminismus und Bibel zusammen? Auf jeden Fall, sagen die Theologinnen Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich. Sie ordnen biblische Texte mit feministisch und sozialgeschichtlich geschultem Blick neu ein. Sie hinterfragen tradierte Lesarten und interpretieren die biblischen Geschichten ungewohnt – nämlich politisch und zugleich spirituell. Sie lesen die Bibel als ein Buch der Beziehungen, auf der Suche nach Heilwerden, Gerechtigkeit und Frieden. Und sie verbinden diese Suche mit den Fragen der Gegenwart.

Ulrike Metternich und Luzia Sutter Rehmann engagieren sich als Bibelwissenschaftlerinnen seit rund 30 Jahren für eine feministische Theologie. Ulrike Metternich leitete als Projektstudienleiterin an der Evangelischen Akademie zu Berlin 16 Jahre lang die Feministische befreiungstheologische Sommerakademie. Luzia Sutter Rehmann ist Professorin für Neues Testament an der Universität Basel, hat mehrere Bücher veröffentlicht und für die Bibel in gerechter Sprache das Lukas-Evangelium neu übersetzt.

www.eaberlin.de/feministische-bibelgespraeche

  • 20 episodes
  • Updated July 15

Episodes20

  • July 15 · 33 min

    Anders in die Welt sehen

    Was heißt „neu und anders in die Welt sehen“? Dem gehen Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich in dieser Folge anhand von zwei Bibelstellen nach: Paulus sieht nach seinem „Damaskuserlebnis“ alles neu. Diese Erfahrung setzen die beiden Theologinnen ins Verhältnis zur Geschichte eines Blinden, der gemäß dem Markusevangelium nach seiner Begegnung mit Jesus beginnt, die Schönheit und Stärke seiner Mitmenschen anzuerkennen. Shownotes: Behandelte Bibelstellen: Markus 8,22-25 und Erster Brief an die Gemeinde in Korinth 15,39-41 (Bibel in gerechter Sprache)

  • June 15 · 40 min

    Paulus lesen im Schatten des Imperiums

    Die kühnste Vision des Paulus steht in seinem Brief an die Galater:innen: Es soll kein Über- oder Untereinander von jüdischen und griechischen, freien und versklavten, männlichen oder weiblichen Menschen geben. Im Gespräch mit der Theologin Brigitte Kahl zeigt sich, welche Freiheit Paulus entdeckt hat: eine ungeheure Kraft, die aus dem messianischen Miteinander erwächst. Herrschaftsstrukturen, die auf Dominanz und Ausgrenzung beruhen, werden von dieser Kraft schlicht vaporisiert. Shownotes: Bibelstellen zu dieser Folge: Galaterbrief 3,28 und 4,9-11. Weiterführende Lektüre: Brigitte Kahl, Galatians Re-Imagined: Reading With the Eyes of the Vanquished (2010). Brigitte Kahl, Galaterlektüre am Großen Altar von Pergamon. In: Texte und Kontexte, Nr. 4/2006, S. 3–23. Brigitte Kahl, Nicht mehr männlich? Gal 3,28 und das Streitfeld Maskulinität. In: Claudia Janssen, Luise Schottroff, Beate Wehn (Hrsg.): Paulus: Umstrittene Traditionen, lebendige Theologie. Eine feministische Lektüre. Gütersloh 2001, S. 129–145.

  • May 18 · 38 min

    Jesu wahre Verwandte?

    In einer Episode im Markusevangelium (Mk 3,30-35) fallen von Jesus die Worte: „Wer ist meine Mutter? Wer sind meine Geschwister?“ In dieser Folge stellt Luzia Sutter Rehmann die gängige Auslegung, hier gehe es um einen Familienkonflikt, Wort für Wort und Schritt für Schritt in Frage: Warum eilen Jesu Mutter und Geschwister herbei und rufen Jesus heraus? Wird er gegen seinen Willen festgehalten? Ist er in einer Notsituation? Braucht er Hilfe? Aus einer befreiungstheologischen Perspektive gelesen, öffnet sich der Blick auf eine Todesbedrohung durch die Gefolgsleute des Herodes. Shownotes: Behandelte Bibelstelle: Markus 3,30-35 Weiterführende Lektüre: Luzia Sutter Rehmann, Dämonen und unreine Geister. Die Evangelien, gelesen auf dem Hintergrund von Krieg, Vertreibung und Trauma, Gütersloh 2023, S: 319-330. Schalom Ben-Chorin, Mutter Mirjam. Maria in jüdischer Sicht, München 1982.

  • April 15 · 36 min

    „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“

    Die letzten Worte am Kreuz hat Jesus in seiner Muttersprache Aramäisch gesprochen: „Eli, eli, lema sabach thani?“ (Matthäus 27,46-50) Warum legen die Evangelien Jesus Worte aus Psalm 22 in den Mund? Und warum in seiner aramäischen Muttersprache? Je genauer Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich dem nachgehen, desto deutlicher wird, wie die Kraft des Psalms die Betenden aus der Nacht der Verzweiflung in das Morgenlicht führt. Bei ihrer Analyse stoßen die beiden Theologinnen auch auf die vielen Frauen, die Jesu Kreuzigung einrahmen – und auf deren Verbindung zur alttestamentlichen Königin Esther. Shownotes: Behandelte Bibelstelle: Matthäus 27,46-50 Zum Weiterlesen: Bettina Wellmann, Ester und Psalm 22. In: Ester (Die Bibel erzählt …), hg. von Klara Butting, Gerard Minnaard, Marie-Theres Wacker, Wittingen 2005, S. 65-68. Die vielen Dimensionen von Psalm 22. Heft 1/2026 von: Bibel und Kirche. Die Zeitschrift zur Bibel in Forschung und Praxis, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart.

  • March 16 · 28 min

    Nicht sakrosankt: Das Schweigegebot auf dem Prüfstand

    Viele Bibelübersetzungen lassen noch immer das „Schweigegebot für Frauen“ (1 Kor 14,34-35) unkommentiert stehen, als ob es gottgegeben oder doch zumindest von Paulus wäre. Aber stammt das Schweigegebot überhaupt von Paulus? Und sollen christliche Frauen wirklich schweigen und sich unterordnen? Wie lässt sich mit solch frauenfeindlichen Sätzen heute umgehen? In dieser Folge prüfen Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich das Schweigegebot gründlich und hätten da schon einige Vorschläge. Shownotes: Behandelte Bibelstelle: 1. Korinther 14,34-35 Zur Vertiefung: Marlene Crüsemann, Unrettbar frauenfeindlich. Der Kampf um das Wort von Frauen in 1 Kor 14 (33b) 34-35 im Spiegel antijudaistischer Elemente der Auslegung, in: Luise Schottroff / Marie-Theres Wacker (Hg.), Von der Wurzel getragen. Christlich-feministische Exegese in Auseinandersetzung mit Antijudaismus, Leiden / New York / Köln 1996, S. 199-223. Carsten-Jochum Bortfeld, Katja Jochum, Lasset eure Weiber schweigen. Zu den Geschlechterverhältnissen in neutestamentlichen Briefen, in: leicht & SInn 1/2014.

  • February 16 · 33 min

    SklavInnen in der Gemeinde von Korinth

    Im römischen Korinth galten Sklavinnen und Sklaven nicht als Menschen, sondern als Körper, als sprechende Werkzeuge. Sie konnten beliebig für sämtliche Bedürfnisse ihrer BesitzerInnen gebraucht oder missbraucht werden. Die kleine messianische Gemeinde dort hatte eine hohe Anziehungskraft für versklavte Frauen und Männer. Warum war die Gemeinde für diese Menschen so attraktiv? Darüber sprechen Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich in dieser Folge mit der Theologin Kathy Ehrensperger. Im Gespräch zeigt sich, dass es damals wie heute darum geht, Menschenwürde zu schützen. Shownotes: Weiterführende Lektüre: Kathy Ehrensperger, „Zwischen Fact und Fiction: Genderrollen im antiken Judentum“, in: Stefan Schreiber/Konrad Huber/Karl Matthias Schmidt (Hg.), Geschlecht, Sexualität, Ehe. Sondierungen im Neuen Testament. München 2023, S. 10-28. Luise Schottroff, Der erste Brief an die Gemeinde in Korinth. Stuttgart 2013. Themenheft: "Ihr seid der Körper des Messias. Die Botschaft des 1. Korintherbriefs", in: Bibel und Kirche 3/2015 (mit Beiträgen von Luise Schottroff, Claudia Janssen, Luzia Sutter Rehmann u.a.).

  • January 15 · 41 min

    Schwimmt gegen den Strom! Der Brief an die Gemeinde in Rom

    Zu Gast bei Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich ist die Theologin Claudia Janssen, die für die Bibel in gerechter Sprache den Brief an die Gemeinde in Rom („Römerbrief“) übersetzt hat. Der erweist sich im Gespräch als Zeugnis einer lebendigen Diskussions- und Glaubensgemeinschaft, in der Frauen und SklavInnen wichtige Aufgaben übernehmen. Zum Eingangstor wird das letzte Kapitel: Die dort erwähnte Phoebe war nicht nur die Überbringerin des Briefes, sondern seine erste Interpretin und Erklärerin. Und Tertius, ein Sklave, outet sich als einer der Schreibenden. So liest sich Paulus neu und sehr zeitgemäß. Sein Aufruf „Schwimmt nicht mit dem Strom“ (Römer 12,2) macht den alten Brief zu einem Dokument des politischen und spirituellen Widerstands. Shownotes: Behandelte Bibelstellen: Römer 12,1–2 und Römer 16 (Bibel in gerechter Sprache) Claudia Janssen, Mutig durch die Welt gehen. In: Exegetische Skizzen, Deutscher Evangelischer Kirchentag Hannover, 30. April – 4. Mai 2025, S. 20. Marlene Crüsemann: Trost, charis und die Kraft der Schwachen: Eine Christologie der Beziehung nach dem zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth, in: Dies./Carsten Jochum-Bortfeld: Christus und seine Geschwister. Christologie im Umfeld der Bibel in gerechter Sprache, Gütersloh 2009, S. 111–137. Luzia Sutter Rehmann, Die paulinischen Briefe in der feministischen Exegese – ein Überblick. In: lectio difficilior 1/2001.

  • Dec 15, 2025 · 32 min

    Brot in schlechten Zeiten

    Die „Speisung der Fünftausend“ lässt sich auch als eine Gegengeschichte zum Bankett des Herodes lesen, an dem Johannes der Täufer ermordet wurde. Bei Herodes herrschte Überfluss, während draußen die Menschenmengen hungerten. Die Herrschenden, die sich gerne als „Hirten“ bezeichnen ließen, gaben ihnen weder Schutz noch Nahrung. In dieser Folge zeigen Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich: Dass die verstörte Menge nicht auseinanderläuft, sondern sich von Jesus ermutigen lässt, zusammenzuhalten und an ihrer Menschlichkeit festzuhalten, ist das eigentliche Wunder. Shownotes: Behandelte Bibelstelle: Markus 6,30-44 Luzia Sutter Rehmann, Wut im Bauch. Hunger im Neuen Testament, Gütersloh 2014, S. 395-410. Marlene Crüsemann, Gott ist Beziehung, Beiträge zur biblischen Rede von Gott, (Hg.) Claudia Janssen und Luise Schottroff, Gütersloh 2014, S. 184-204. Angela Standhartinger, „And All Ate and Were Filled“ (Mark 6.42 par.). The Feeding Narratives in the Context of Hellenistic-Roman Banquet Culture, in: Decisive Meals. Table Politics in Biblical Literature, Kathy Ehrensperger, Nathan MacDonald, Luzia Sutter Rehmann (eds.), London 2012, p. 62-82.

  • Nov 17, 2025 · 33 min

    Thekla, Paulus und die Rolle der Frauen

    Die Akten der Thekla und des Paulus spiegeln einen Konflikt wider, der in den christlichen Kirchen bis heute nicht gelöst ist: Wie steht es um die volle Gleichberechtigung der Frauen? Die kleine Schrift aus dem 2. Jahrhundert erzählt von der Begeisterung, mit der Thekla, eine junge Frau, die befreiende Predigt des Paulus hört und aus allen ihr zugeschriebenen Rollen ausbricht, um selbst zu lehren. Damit setzt sie ihr Leben aufs Spiel. Während Tekla starke Unterstützung von anderen Frauen erfährt, verhält sich Paulus ihr gegenüber ambivalent. Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich beleuchten, was an dieser Geschichte einer selbständig lehrenden Frau bis heute fasziniert und irritiert. Shownotes: Anne Jensen, Thekla – die Apostolin. Ein apokrypher Text neu entdeckt. Gütersloh 1999. Luzia Sutter Rehmann, "Sexuelle Differenzen. Geschichten des Missbrauchs in den Apokryphen Apostelakten – Grundzüge einer Hermeneutik des Konflikts", in: lectio difficilior 2/2000. Online abrufbar unter https://www.lectio.unibe.ch/de/archiv/luzia-sutter-rehmann-sexuelle-differenzen-geschichten-des-missbrauchs-in-den-apokryphen-apostelakten-grundzuege-einer-hermeneutik-des-konflikts.html Beate Wehn, "Selig die Körper der Jungfräulichen". Überlieferungen zum Paulusbild der Thekla-Akten, in: Paulus. Umstrittene Traditionen – lebendige Theologie. Eine feministische Lektüre. Hg. von Janssen, Schottroff, Wehn. Gütersloh 2001, S. 182-198. Veronika Tropper, „TUE EINER FREMDEN NICHT GEWALT AN, TUE NICHT DER MAGD GOTTES GEWALT AN!“ Frühchristliches Martyrium und Realgeschichte der Gewalt. In: Protokolle zur Bibel, Nr. 2/2009, S. 133-147.

  • Oct 15, 2025 · 33 min

    Pharisäer*innen?!

    Wer waren eigentlich die Pharisäer, von denen in denen im Neuen Testament so oft die Rede ist? Waren Sie wirklich Gegner Jesu? Oder waren es gerade sie, die sich zutiefst für seine Lehre interessierten, ja ihn regelmäßig einluden? Und gab es auch Pharisäerinnen? Diesen Fragen gehen Ulrike Metternich und Luzia Sutter Rehmann in dieser Folge nach. Auch der Apostel Paulus war ein Pharisäer; anhand seiner Briefe lässt sich einiges über diese lebendige Diskussionsgemeinschaft erfahren. Und immer wieder tauchen Frauen auf: Die pharisäische Alltags- und Lernpraxis war ohne sie nicht denkbar. Einige ihrer Namen sind bis heute bekannt. Und mit ihnen verändert sich auch unser Bild der Pharisäer*innen. Shownotes: Behandelte Bibelstelle: Lukas 13,29-31 Weiterführende Lektüre: Paula Fredriksen, Paulus, der vollkommen gerechte Pharisäer, in: Joseph Sievers/Amy-Jill Levine/Jens Schröter (Hg.), Die Pharisäer. Geschichte und Bedeutung, Freiburg 2024, S. 121-145. Tal Ilan, Jewish Women in Greco-Roman Palestine, Tübingen 1995, S. 194-204. Tal Ilan, Schriftzitierende Frauen in der rabbinischen Literatur, in: Tal Ilan/Lorena Miralles-Maciá/Ronit Nikolsky, Rabbinische Literatur (Die Bibel und die Frauen), Stuttgart 2021. Luzia Sutter Rehmann, Olivenöl als Zündstoff: Die vier Salbungsgeschichten der Evangelien im Kontext des Judentums des Zweiten Tempels. In: lectio difficilior 1/2013 (online verfügbar) Martin Vahrenhorst, Paulus und das pharisäische Judentum, in: Sung-Hee Lee-Linke (Hg.), Paulus der Jude, Frankfurt am Main 2005, S. 49-67.

  • Jul 15, 2025 · 32 min

    Gekrümmt und aufgerichtet

    Eine Frau sitzt in sich zusammengesunken in der Synagoge. Jesus hilft ihr, sich wieder aufzurichten. Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich legen neben diese Geschichte aus dem Lukas-Evangelium (Lk 13,10-17) eine römische Münze, auf der ebenfalls eine Frau in gekrümmter Haltung sitzt. Die Münze preist den Sieg Roms über Jerusalem im Jahr 70 n. Chr. Im Gespräch wird klar, dass die Aufrichtung der Frau als Einspruch gegen die Sicht der Sieger zu lesen ist: Die Bevölkerung wird sich erheben, sie wird sich aufrichten und frei werden! Eine Tochter Abrahams wird niemals gekrümmt und im Staub sitzen bleiben. Mit dieser Folge geht der Podcast in die Sommerpause. © Sailko (CC BY-SA 3.0) via Wikimedia Commons Shownotes: Behandelte Bibelstelle: Lukas 13,10-17. Foto der römischen Münze aus dem Jahr 71 n. Chr. bei Wikimedia Commons. Vertiefende Lektüre: Claudia Janssen/Regene Lamb, Das Evangelium nach Lukas. Die Erniedrigten werden erhöht, in: Luise Schottroff/Marie-Theres Wacker (Hg.), Kompendium Feministische Bibelauslegung, Gütersloh 1999, S. 513–526. Regene Lamb, Wenn ich meinen Rücken beugen würde! Der alltägliche Kampf gegen Herrschaftsstrukturen. Eine Auslegung zu Lukas 13,10–17, in: Dorothee Sölle (Hg.), Für Gerechtigkeit streiten. Theologie im Alltag einer bedrohten Welt (für Luise Schottroff zum 60. Geburtstag), Gütersloh 1994, S. 71–75. Ulrike Metternich, Auferstehung ist ansteckend. Heilungserfahrungen im Neuen Testament, in: Luzia Sutter Rehmann/Sabine Bieberstein/Ulrike Metternich (Hg.), Sich dem Leben in die Arme werfen. Auferstehungserfahrungen, Gütersloh 2004, S. 102f.

  • Jun 16, 2025 · 30 min

    Augäpfelchen – Jairus' Tochter

    Ein Mädchen legt sich hin, verstummt und stirbt. Warum? Was hat das Kind? Sein Vater rennt durch die Gassen und drängt sich durch die Volksmenge zu Jesus. Den fleht er an, seine Tochter zu retten, damit sie lebe. Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich vergleichen das Schicksal des zwölfjährigen Mädchens aus Markus 5 mit den vom Krieg traumatisierten Kindern unserer Tage. Dabei entdecken sie, dass es um viel mehr geht als um eine individuelle Heilung: Es geht um die Verwandlung der Welt, damit die nächste Generation eine Zukunft hat. Shownotes: Behandelte Bibelstelle: Markus 5,35-43. Ausführlicher zu Gewalterfahrungen im Neuen Testament: Luzia Sutter Rehmann, Dämonen und unreine Geister, Gütersloh 2023, S. 380 ff. Zu den psychologischen Folgen durchlebter Traumata für geflüchtete Kinder. Katrin Glatz Brubakk/Guro Kulset Merakeras, Inside Moria: Europas Verrat an Moral und Menschlichkeit, Neu-Isenburg 2024.

  • May 15, 2025 · 33 min

    Marthas Frage

    Martha – ist das nicht die mit dem Kochlöffel? Die sich bei ihrem Gast Jesus beschwert, ihre Schwester lasse sie allein dienen (Lukas 10,38-42)? Jahrhundertelang wurde das Dienen der Martha als Bewirtung und Küchenarbeit verstanden. Dabei legt sie dem Rabbi Jesus eine Frage vor – die aber oft ungenau übersetzt und theologisch verharmlost wurde. Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich lesen genau nach und finden im Kontext dieser Erzählung einen roten Faden, der von der Frage eines Schriftgelehrten zur Nächstenliebe und weiter zum barmherzigen Samariter führt – direkt ins Haus der Martha. Nächstenliebe in den eigenen vier Wänden, in Beziehungen, in der Familie – wie geht das? Es ist höchste Zeit, Marthas Frage ernst zu nehmen. Shownotes: Bibeltext: Lukas 10,38-42 Guter Einstieg: Dorothee Sölle, Die Einheit von Handeln und Träumen, in: Große Frauen der Bibel in Bild und Text, (Hg.) Herbert Haag, Dorothee Sölle, Joe H. Kirchberger, Anne-Marie Schnieper, Herder 2001. Margot Runge, Martha, die Heilige mit Kochlöffel und Drachen. Artikel auf Queerpredigen.com. Wissenschaftlicher Artikel: Judith Hartenstein, Maria und Martha. Wissenschaftliches Bibellexikon im Internet, Deutschen Bibelgesellschaft 2010.

  • Apr 15, 2025 · 31 min

    Zu ihrem Gedächtnis

    Die Passionsgeschichte beginnt mit einer geheimnisvollen Frau. Sie betritt die Bühne, nachdem die Mächtigen und Romfreundlichen sich im Hofe des Hohenpriesters abgesprochen hatten, Jesus festnehmen und töten zu lassen. Sie kommt mit äußerst teurem Gewürzöl zu Jesus, nach Bethanien, ins Haus Simons des Aussätzigen. Jesus spricht ihr für ihre Tat einen Ehrenplatz im kollektiven Gedächtnis zu – überall und immer soll an sie erinnert werden. Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich lesen die Salbung Jesu wie einen Krimi. Sie folgen der Spur des Öls und fragen genau nach, was die Frau eigentlich getan hat. Shownotes: Behandelte Bibelstelle: Markus 14,3-9 Elisabeth Schüssler Fiorenza, Zu ihrem Gedächtnis. Eine feministisch-theologische Rekonstruktion der christlichen Ursprünge. München 1993 Luzia Sutter Rehmann, Olivenöl als Zündstoff: Die vier Salbungsgeschichten der Evangelien im Kontext des Judentums des Zweiten Tempels. In: lectio difficilior 1/2013 (Online verfügbar)

  • Mar 13, 2025 · 32 min

    Fieber, Feuer, Auferstehung

    Dass Frauen und ihre Entdeckungen oft übersehen werden, ist heute gut erforscht. Auch die erste Frau, die im Markus-Evangelium auftritt, wurde immer wieder übersehen: die Schwiegermutter des Petrus. Sie wurde geheilt und bediente Jesus und seine Jünger dafür (Markus 1,29-33). Stimmt das wirklich? Ulrike Metternich und Luzia Sutter Rehmann kritisieren diesen Blick auf diese Frau. Sie betten ihre Geschichte in die Leiden der Nachkriegszeit ein, so dass aus ihr so etwas wie die Erfinderin der Auferstehungsbewegung wird. Denn sie ist die Erste, die die Heilungskraft erfährt und weitergibt im Evangelium. Shownotes: Bibelstelle zu dieser Folge: Markus 1,29-33 Feministisch-theologisches Standardwerk: Elisabeth Schüssler Fiorenza, Zu ihrem Gedächtnis. Eine feministisch-theologische Rekonstruktion der christlichen Ursprünge. Gütersloh 1988 Mehr zum Begriff «dienen»: Luise Schottroff, Dienerinnen der Heiligen. Der Diakonat der Frauen im Neuen Testament, in: Gerhard K. Schäfer / Theodor Storm (Hg.), Diakonie – biblische Grundlagen und Orientierungen. Ein Arbeitsbuch zur theologischen Verständigung über den diakonischen Auftrag. Heidelberg 1990, S. 222-242. Mehr zur Schwiegermutter des Petrus: Luzia Sutter Rehmann, Schrecken in der Synagoge (Mk 1,21-28) und Feuer! (Mk 1,29-32), in: Dämonen und unreine Geister. Die Evangelien, gelesen auf dem Hintergrund von Krieg, Vertreibung und Trauma. Gütersloh 2023, S. 253 ff. Zum Matilda-Effekt: Margaret W. Rossiter, Der Matilda-Effekt in der Wissenschaft. In: Theresa Wobbe (Hrsg.): Zwischen Vorderbühne und Hinterbühne. Beiträge zum Wandel der Geschlechterbeziehungen in der Wissenschaft vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Bielefeld 2003, S. 191–210.

  • Feb 13, 2025 · 33 min

    Der mutige Sklave: Das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden

    Ein Sklave der seinem Herrn widerspricht? Das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden (Lukas 19,11-28) hält der Gesellschaft einen Spiegel vor und entlarvt Herrschaftsstrukturen. Ulrike Metternich und Luzia Sutter Rehmann betten es in die Realpolitik zur Zeit seiner Entstehung ein. So machen sie die Bedrohung und die Hoffnung sichtbar, die zwischen den Zeilen stecken: Das Gleichnis stärkt den Mut, genau hinzusehen, sich für Veränderung einzusetzen und an der Gerechtigkeit Gottes festzuhalten. Shownotes: Bibeltext zu dieser Folge: Lukas 19,11-28 (Bibel in gerechter Sprache) Quellentexte: Flavius Josephus, Geschichte des Judäischen Krieges. Aus dem Griechischen von Heinrich Clementz, Reclam Leipzig, 6. Auflage 1994, S. 153f. (Auch online verfügbar in der Übersetzung von Philipp Kohout, 1901.) Grundlegend: Luise Schottroff, Die Gleichnisse Jesu. Gütersloh 2005. (Leseprobe) Auslegung einzelner Gleichnisse: Gott ist anders, Gleichnisse neu gelesen auf der Basis der Auslegung von Luise Schottroff. Hg. von Marlene Crüsemann, Claudia Janssen, Ulrike Metternich. Gütersloh 2014. Infoseite „Erinnerung an Luise Schottroff“ auf der Webseite der Kirchlichen Hochschule Wuppertal.

  • Jan 15, 2025 · 32 min

    Die Jungfrau Maria

    Ein Engel kündigt Maria an, dass sie schwanger werden soll. Was wurde nicht alles über Marias Schwangerschaft gesagt! Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich stellen die biblischen Worte in die Mitte und entdecken dabei eine kritische junge Frau. Diese fragt nach und nickt nicht bloß zu ihrer Berufung. Sie bedankt sich auch nicht. Zwischen ihr und dem Engel entsteht ein Hin und Her, bis die junge Frau ihrer Berufung zustimmt: Sie wird Prophetin für die kommende Generation. Shownotes: Bibeltext zur Folge: Lukas 1, 26-38 (Bibel in gerechter Sprache) Feministische Perspektiven auf die Geburtsgeschichte: Andrea Günter (Hg.), Maria liest. Das heilige Fest der Geburt. Christel Göttert Verlag 2004 Aktuell bis heute: Ute Ranke-Heinemann, Nein und Amen. Mein Abschied vom traditionellen Christentum. München 2002

  • Dec 16, 2024 · 32 min

    Elisabet. Eine Frau tritt aus dem Schatten

    Die biblische Figur der Elisabet steht meist im Schatten Marias, der Mutter Jesu. Aber die Mutter Johannes des Täufers ist weit mehr als das Vorprogramm von Weihnachten. Sie ist die erste Frau im Lukas-Evangelium. Ulrike Metternich und Luzia Sutter Rehmann fragen, wie dort von ihr erzählt wird. So tritt Elisabet aus dem Dunkeln und beginnt zu leuchten – überraschend anders, als man zunächst meint. Shownotes: Behandelte Bibelstelle: Lukas 1,5-25 Fachbuch zum Thema: Claudia Janssen, Elisabet und Hanna: Zwei widerständige alte Frauen in neutestamentlicher Zeit: Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Mainz 1998. Wissenschaftlicher Aufsatz: Luzia Sutter Rehmann, Der Glanz der Schekhinah und Elisabets Verhüllung (Lk 1,24). In: lectio difficilior 1/2005. Hinweis auf das Kapitel: Ein radikaler Anfang! Lk 1,5-55 in: Luzia Sutter Rehmann, Vom Mut, genau hinzusehen. Feministisch-befreiungstheologische Interpretationen zur Apokalyptik. Gütersloh 2023, 165-207.

  • Nov 14, 2024 · 31 min

    Die törichten Jungfrauen

    Im Zentrum dieser Podcast-Folge stehen junge Mädchen. Im Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (Matthäus 25,1-13) müssen sie in der Nacht draußen — auf der Strasse, vor der Tür — auf einen Bräutigam warten, bis sie eingelassen werden. Warum stehen sie dort? Ist der Bräutigam ein Bild für Gott? Oder ist Gott ganz anders? Luzia Sutter Rehmann und Ulrike Metternich nehmen das Gleichnis unter die sozialgeschichtliche Lupe und stoßen dabei auf patriarchale Lesarten. Shownotes: Das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen steht in Matthäus 25,1-13 Vertiefende Lektüre zum Thema: Luise Schottroff, Die geschlossene Tür, Matthäus 25,1-13, in: Luise Schottroff, Die Gleichnisse Jesus, Gütersloh 2005, 44-54. Tania Oldenhage, Die zehn Jungfrauen auf dem Zürichberg. Matthäus 25,1-13, in: Marlene Crüsemann, Claudia Janssen, Ulrike Metternich (Hg.), Gütersloh 2014, 239-249. Ruben Zimmermann, Parabeln im Matthäusevangelium und die Parabel von den klugen und dummen Jungfrauen (Mt 25,1-13), in: Ruben Zimmermann, Parabeln in der Bibel. Die Sinnwelten der Gleichnisse Jesu entdecken, Gütersloh 2023, 249-279.

  • Oct 15, 2024 · 26 min

    Nächstenliebe auf dem Prüfstand

    Gibt es eine feministische Seite an der Nächstenliebe? Sehr oft wurden und werden von Frauen Liebe und Verständnis bis zur Selbstaufgabe gefordert. In dieser Folge ihres Podcasts ordnen die Theologinnen Ulrike Metternich und Luzia Sutter Rehmann das Liebesgebot neu ein. Denn biblisch gelesen ist Nächstenliebe Respekt auf Augenhöhe. Statt emotionaler Überforderung steckt darin auch eine Aufforderung, sich für die eigenen Rechte einzusetzen. Shownotes: Behandelte Bibelstellen: 3. Mose 19,9-18 (Neue Zürcher Bibel) | Lk 18, 1-5 / BigS (Bibel in gerechter Sprache) Wissenschaftlicher Aufsatz zum Thema: Annette Merz, „Die Stärke der Schwachen (Von der bittenden Witwe). Lk 18,1-8“, in: Kompendium der Gleichnisse Jesu, Hg: Ruben Zimmermann u.a., 2. Aufl. Gütersloh 2015, S. 667–679. Noch ein wissenschaftlicher Aufsatz zur selben Bibelstelle: Claudia Janssen, „Rechnet ihr noch mit Gott? Eine Witwe kämpft für Gerechtigkeit – Lukas 18,1-8“, in: Gott ist anders. Gleichnisse neu gelesen, Hg: Marlene Crüsemann, Claudia Janssen, Ulrike Metternich, Güterloh 2014, S. 250–261. Rainer Kessler, „Die Heiligung des Lebens (Lev 19)“, in: Der Weg zum Leben, Ethik des Alten Testaments, Gütersloh 2017, S. 232–235. Für die Gemeindearbeit: „Wonach ich mich sehne, Jeus Worte zur Liebe (Markus 12,28–34)“, in: Aufstehen und leben: Werkbuch für einen geschlechterbewussten Glaubenskurs, Ulrike Metternich, Wichern 2014, S. 43–49. Jüdische Stimmen: Berndt Schaller, „… denn er ist wie du … Einer alten Übersetzung auf die Spur kommen. Zur Auslegungsgeschichte von 3. Mose 18,19“, in: Jewish-Christian Relations. Einsichten und Anliegen des christlich-jüdischen Gesprächs. (Auch online verfügbar)