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Society & Culture

Durchblick Philosophie

Florian Kraemer

Dieser Podcast gibt eine Übersicht über die grundlegenden Fragestellungen und Denkmodelle der Philosophie. Er folgt in etwa dem Lehrplan der gymn. Oberstufe in NRW und wendet sich an Alle, die sich für Philosophie interessieren.

  • 20 episodes
  • Updated July 13

Episodes20

  • July 13

    108 Ist Gerechtigkeit "subjektiv"?

    Leider ist es wahnsinnig schwierig, sich über Gerechtigkeit einig zu werden. Jede und jeder findet anscheinend etwas anderes „gerecht“, je nachdem, wie unser eigenes Leben so aussieht. Sollten wir das Thema dann nicht einfach abkürzen und feststellen, dass es so etwas wie „objektive“ Gerechtigkeit nun mal gar nicht gibt? Ist Gerechtigkeit also „subjektiv“? In der heutigen Episode spiele ich diese These durch, die wir in ähnlicher Form auch schon aus der Ethik kennen. Dass Gerechtigkeit „subjektiv“ ist, kann man zwar leicht behaupten – aber dadurch wird am Ende nichts wirklich leichter.

  • June 9

    107 Gleichheit, Leistung, Bedarf: Verteilungsprinzipien unter der Lupe

    In der vergangenen Episode haben wir drei Prinzipien kennengelernt, die eine Verteilung vielleicht „gerecht“ machen: Gleichheit, Leistung und Bedarf. In der heutigen Episode spiele ich alle drei Prinzipien gedanklich durch. Es stellt sich heraus: So richtig „perfekt“ ist keins davon.

  • May 2 · 24 min

    105 Michael Walzer über das Recht im Krieg (Krieg und Konflikt 4)

    Krieg bedeutet die Vernichtung von menschlichem Leben, er ist gigantisches Unrecht. Und genau deswegen brauchen wir moralische Maßstäbe, was im Krieg erlaubt und verboten ist – das behauptet jedenfalls die Lehre vom „gerechten Krieg“ und Michael Walzer, einer ihrer modernen Vertreter. In seinem Buch Just and Unjust Wars argumentiert er für eine strikte Unterscheidung zwischen Kombattanten und Nicht-Kombattanten (also: Zivilisten). Aber selbst wenn diese Unterscheidung total einleuchtend ist – und selbst wenn man sie in der Praxis wirklich treffen könnte: Wie gut ist sie philosophisch begründet? Darum geht es in der heutigen Episode. Und es ist, wie immer: kompliziert. Literatur: Michael Walzer, Just and Unjust Wars. A Moral Argument with Historical Illustrations, New York (5. Aufl.) 2015 Seth Lazar: "War", in: Stanford Encyclopedia of Philosophy (2020)

  • April 3 · 31 min

    104 Michael Walzer über das Recht zum Krieg (Krieg und Konflikt 3)

    Wer angegriffen wird, darf sich verteidigen. Und im Ernstfall dürfen Staaten dazu auch Gewalt anwenden. Diese These vertritt jedenfalls Michael Walzer in seinem Klassiker „Gibt es den gerechten Krieg?“ (orig.: Just and Unjust Wars). Gewalt zwischen Privatpersonen und Gewalt zwischen Staaten ist nämlich in vielen Punkten vergleichbar. Es gibt aber auch Unterschiede, und die haben wiederum ethische Konsequenzen. In dieser Episode stelle ich Walzers Ansatz vor und ordne ihn kritisch ein. Eine Episode über das Recht im Krieg folgt später. Literatur: Michael Walzer, Just and Unjust Wars. A Moral Argument with Historical Illustrations, New York (5. Aufl.) 2015

  • February 17 · 24 min

    103 Krieg und Konflikt 2: Pazifismus

    Wie sollen wir uns gegen Gewalt wehren? Dass wir uns irgendwie verteidigen müssen, ist anscheinend klar. Aber wie viel Gewalt dürfen wir selbst dabei anwenden? Der Pazifismus behauptet: am besten gar keine. Gewalt macht die Welt schlechter. Bertrand Russell entwickelt darum das Konzept vom „passiven Widerstand“. Wie das aussehen könnte und wie gut das in der Praxis funktionieren könnte – darum geht es in der heutigen Episode. Am Rande lesen wir auch Olaf Müller, der sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine ausspricht. Literatur Bertrand Russell, "Passiver Widerstand", in: Krieg. Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart, hrsg. von Michael Czelinski und Jürgen Stenzel, Stuttgart 2004, S. 94–98 Olaf Müller, "Massive Aufrüstung? Besser wäre ziviler Widerstand", in: Der Spiegel 24.6. 2025, Link

  • January 31

    102 Krieg und Konflikt 1: Einführung

    Krieg ist eine gigantische Sammlung von Leid und Unrecht. Da sind sich die allermeisten Menschen einig, auch in der Philosophie. Viel besser wäre es, die Staaten könnten ihre Angelegenheiten friedlich regeln, so wie Kant sich das vorgestellt hat (vgl. Episode #83). Leider sieht die Wirklichkeit aber (noch) anders aus. Wie sollen wir auf Gewalt reagieren? Um diese Frage geht es in meiner kleinen Mini-Serie zu Krieg und Konflikt. In der heutigen Episode stelle ich zwei Grundpositionen vor: Den Pazifismus und die Lehre vom „gerechten Krieg“. In den nächsten zwei Episoden werden wir uns beide Seiten genauer ansehen. Literatur: Carl von Clausewitz, "Was ist der Krieg?", in: Vom Kriege, hrsg. von Ulrich Marwedel, Stuttgart 1980 Thomas von Aquin, "Über das Erlaubtsein des Krieges", in: Summa theologica II.II Ernst Tugendhat, "Pazifismus und berechtigter Krieg", in: H.-L. Ollig (Hrsg.), Philosophie als Zeitdiagnose. Ansätze der deutschen Gegenwartsphilosophie, Darmstadt 1991 (alle abgedruckt in Krieg. Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart, hrsg. von Michel Czelinski und Jürgen Stenzel, Stuttgart 2004) Seth Lazar, "War", in: Stanford Encyclopedia of Philosophy (Link)

  • January 7 · 27 min

    101 Hannah Arendt über Macht und Gewalt

    „Macht“ und „Gewalt“ sind Schlüsselbegriffe der Staatstheorie. Und auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob beide das gleiche beschreiben: Gewalt wäre dann sozusagen die „konkrete“ Form von Macht. Hannah Arendt sieht das ganz anders: Gewalt und Macht sind zwei Paar Schuhe, sie sind gewissermaßen sogar Gegensätze. Warum das so ist und was daraus folgt, das zeige ich in dieser Episode. Literatur: Hannah Arendt, Macht und Gewalt, München 1970, NA 2024

  • Dec 18, 2025

    100c (Jubiläum) Gott. Kant. Ende (der Welt).

    Im letzten Teil meines Podcast-Jubiläums geht es um drei Hörerfragen zur Metaphysik (im weitesten Sinne). Erstens: Gibt es einen Punkt, an dem sich Religion, Wissenschaft und Philosophie treffen? Ich lese dazu Ronald Dworkin, bin aber nicht restlos überzeugt. Zweitens: Wie kann Gott das Leid zulassen? Kant macht mit der Frage kurzen Prozess und bietet anschließend trotzdem eine Lösung an (sort of…). Drittens: Was sagt Philosophie über das Ende der Welt? Auch hier fragen wir Kant, und der antwortet uns: Die Menschheit betrachtet sich selbst als eine Art Netflix-Serie. Viel Vergnügen! Literatur: Ronald Dworkin, Religion ohne Gott, Berlin 3. Aufl. 2014 Immanuel Kant, "Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee", in: Denken wagen, Ditzingen 7. Aufl. 2017, S. 37–59 Immanuel Kant, "Das Ende aller Dinge", ebd., S. 60–77

  • Dec 4, 2025 · 31 min

    100b (Jubiläum) All you can Ethik

    Zu meiner 100. Episode gab es einen bunten Strauß an Einsendungen. Vielen Dank! In der heutigen Episode habe ich Fragen zur Ethik gebündelt: Gibt es eine Pflicht, Andere zu „Ertragen“? Welche Rolle spielt unser Gewissen? Was ist ein wirksames Argument? Wie viele Arten Utilitarismus gibt es? Literatur: (bezahlte Links) Arthur Schopenhauer, Die Kunst, Recht zu behalten, Berlin 2012 Peter Singer, Praktische Ethik, Stuttgart NA 1994

  • Nov 21, 2025 · 29 min

    100a (Jubiläum) KI – Eltern – Bewusstsein

    Ich feiere Jubiläum: 100 Episoden „Durchblick Philosophie“! Das ist ein Grund zum Feiern. Ich unterbreche mein Programm darum für eure Themen. Mich hat eine ganze Reihe an Fragen erreicht. Heute habe ich eine bunte Mischung dabei: Es um KI im öffentlichen Raum, um gleichgeschlechtliche Eltern und um das Bewusstsein. Vielen Dank fürs Einsenden – und viel Spaß beim Hören! Literatur: Thomas Metzinger, Der Ego-Tunnel: Eine neue Philosophie des Selbst, Berlin und New York 2024

  • Nov 5, 2025 · 29 min

    99 Demokratie Real Talk: J. A. Schumpeter

    Was genau ist eigentlich „Demokratie“? Stimmt es, dass „das Volk“ einen bestimmten Willen hat und den dann umsetzt? So ungefähr hatte Rousseau das verstanden. Der Ökonom Joseph Alois Schumpeter sagt: Dieses Verständnis ist völlig unrealistisch. Es gibt kein Gemeinwohl für alle. Stattdessen handeln in einer Demokratie eben doch Einzelne – aber mit der Unterstützung der Mehrheit. Demokratie funktioniert ähnlich wie ein Markt: Wer am besten „verkauft“, gewinnt. In dieser Episode fragen wir uns: Ist dieser Ansatz „demokratisch“ genug? Oder fehlt da etwas? Literatur: Joseph Alois Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Stuttgart u.a. 10. Auf. 2020

  • Oct 20, 2025 · 27 min

    98 Wer ist das Volk? Jan-Werner Müller über Populismus (mit Rousseau-Nachspiel)

    Seit vielen Jahren geistert das Schlagwort „Populismus“ durch die Medien. Was ist das eigentlich ganz genau? Der Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller hat dazu eine klare These: Populismus ist die Behauptung eines einheitlichen „Volks“-Willens. Was heißt das ganz genau? Ist das etwas schlimmes? Und was hat dieses Thema in der Staatstheorie zu suchen? Darum geht es in der heutigen Episode. Es stellt sich heraus: Populismus berührt einen inneren Widerspruch im Begriff „Demokratie“. Und er klingt manchmal ziemlich nach Rousseau. Zu Recht? Literatur: Jan-Werner Müller, Was ist Populismus? Ein Essay, Berlin 2016 Jean-Jacques Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag, NA Stuttgart 1977 Donald Trump [Steve Bannon], Inauguration Adress 20.1. 2017, YouTube Spiegel Online, Donald Trump deutet Lizenz-Verlust für missliebige TV-Sender an (19.9. 2025), Link

  • Sep 16, 2025 · 29 min

    97 Meinungsfreiheit 5: Was dürfen Plattformen?

    Um deine Meinungsfreiheit auszuleben, brauchst du Zugang zu einer Bühne oder Plattform. Das bedeutet aber, dass die Eigentümerin dieser Plattform mit über deine Meinungsfreiheit entscheidet. Darf sie dann beliebige Meinungen „deplatformen“ oder „canceln“, nur weil es ihre Bühne ist? In der heutigen Episode lernen wir ein Argument zu dieser Frage kennen, das mit dem Zweck von Bühnen zusammenhängt. Wir spielen es versuchsweise an verschiedenen Beispielen durch : Universität, Comedy, „soziale“ Netzwerke. Literatur: [Deutschlandfunk], "Geschlechterdebatte – Ein Vortrag, eine Absage und ein gesellschaftlicher Konflikt" (Link) Christian Katzenbach, "Das Plattform-Paradox: Verantwortung und Macht in der digitalen Gesellschaft" (Vortrag) Robert Mark Simpson, Amia Srinivasan: "No Platforming", in: Academic Freedom, hrsg. von Jennifer Lackey, Oxford 2018, S. 186–209 Michael Veber: "The Epistemology of No Platforming. Defending the Defense of Stupid ideas on University Campuses", in: Journal of Controversial Ideas 1 (2021)

  • Aug 4, 2025 · 27 min

    96 Meinungsfreiheit 4: Was ist eine Plattform?

    Wenn ich meine Meinung frei sagen darf, aber niemand mir jemals zuhören wird, dann bringt mir das recht wenig. Meinungsfreiheit braucht eine „Bühne“ oder „Plattform“, also einen Ort, an dem wir uns Gehör verschaffen können, zum Beispiel ein Rednerpult, einen Social Media Kanal oder einen Radiosender. Aber was genau ist eigentlich eine Plattform, philosophisch betrachtet? Um diese Frage geht es in der heutigen Episode. Ich leihe mir dazu ein paar Gedanken bei Jürgen Habermas, der seit 60 (!) Jahren über den Begriff der „Öffentlichkeit“ arbeitet. Literatur: Jürgen Habermas, Strukturwandel der Öffentlichkeit, Frankfurt / M. 1962 Jürgen Habermas, Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik, Berlin 2022

  • Jul 5, 2025 · 29 min

    95 Meinungsfreiheit 3: Was zählt als „Meinung“? (Mill revisited)

    John Stuart Mill hat dafür argumentiert, möglichst viel Meinungsfreiheit einzuräumen. Alle sollten jede Meinung frei sagen dürfen. Aber was genau ist eigentlich eine „Meinung“? Ist jeder beliebige Satz, den ich sage, eine „Meinungsäußerung“? Die heutige Episode führt einen klassischen „Meinungs“-Begriff aus der Erkenntnistheorie ein. Wir bleiben im Rahmen von Mills Ansatz und betrachten einige Grenzfälle: Beleidigungen auf der einen Seite, Lügen, Bullshit und Dogwhistling auf der anderen. Literatur: John Stuart Mill, Über die Freiheit, Stuttgart 2010

  • Jun 4, 2025 · 28 min

    94 Meinungsfreiheit 2: John Stuart Mill, „On Liberty“

    John Stuart Mill ist ein richtiger „Klassiker“ zum Thema Meinungsfreiheit. Er argumentiert, dass es die Welt insgesamt besser macht, wenn möglichst alle Menschen möglichst ungehindert ihre Meinung sagen dürfen, egal wie absurd oder abwegig diese Meinung ist. Er will zeigen: Selbst wenn meine Meinung die „herrschende“ ist, selbst dann wäre es besser für mich selbst, wenn abweichende Meinungen erlaubt sind. In der heutigen Episode erkläre ich sein Argument in Grundzügen und ordne es danach – ganz kurz – kritisch ein. Literatur: John Stuart Mill, Über die Freiheit, Stuttgart 2010

  • May 10, 2025 · 29 min

    93 Meinungsfreiheit 1: Was ist das überhaupt?

    Wie viel Meinungsfreiheit haben wir in Deutschland? In dieser Frage gehen die Emotionen hoch und die Meinungen weit auseinander. Hier im Podcast atmen wir aber erst einmal ein bisschen durch und betrachten das Thema philosophisch: Was ist Meinungsfreiheit überhaupt? Ich behaupte, dass zu dieser Frage mindestens fünf Teil-Fragen gehören. In der heutigen Episode werde ich sie alle vorstellen und kurz andiskutieren. In den folgenden Episoden werden wir etwas weiter ins Detail gehen. Zitierte Quellen: Wolfgang Kubicki: "Ich empfehle mehr Entspannung und weniger konsequentes Verfolgen", Interview WELT 18.2. 2025 Ricarda Lang: "Jetzt wird mir klar, warum Musk wirklich mit der AfD kuschelt", Kolumne Focus 17.1. 2025 Daniel Brockmeier / Florian Kraemer: "Harry G. Frankfurt: Bullshit", Podcast vom 24.10. 2024

  • Apr 22, 2025 · 29 min

    92 Was ist politische Freiheit? Locke vs Rousseau

    "Freiheit" scheint wahnsinnig wichtig zu sein – gerade auch für unser Leben im Staat. Aber was genau heißt "Freiheit" eigentlich? Um diese Grundfrage geht es in der heutigen Episode. Ich wiederhole die Arbeitsdefinition von "Handlungsfreiheit" aus Episode 16 und entwickele daraus zwei unterschiedliche Arten von "Freiheit". So gibt es auch zwei unterschiedliche Freiheits-Verständnisse in der Staatstheorie: einmal bei John Locke und einmal bei Jean-Jacques Rousseau. Ich stelle beide Freiheitsbegriffe gegenüber. Als Beispiele beschäftigen wir uns kurz mit der Corona-Pandemie und mit der Klimakrise.

  • Apr 5, 2025 · 29 min

    91 Vertragstheorien: eine viel zu kurze Zusammenfassung

    Nach über 20 Podcast-Episoden zum Thema „Gesellschaftsvertrag“ ist es Zeit für einen kleinen Überblick. Ich fasse die Theorien von Hobbes, Locke und Rousseau nochmal in kurzen Steckbriefen zusammen: Wie ist der Mensch? Was ist gut für ihn und wozu braucht er den Staat? Was bedeutet Freiheit? Und wie sollte Macht verteilt werden? Nebenbei wiederholen wir auch die Grundidee der Anarchie, sowie Immanuel Kants Friedenskonzeption. Literatur: Christoph Horn, Einführung in die politische Philosophie, Darmstadt 2012