
Astrid Busch | Urban Utopia | Artisttalk
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show notes
Astrid Busch | Urban Utopia | Artisttalk | Kunstpodcast | Die Leichtigkeit der Kunst
Habt ihr euch schon mal gefragt, wer eigentlich die Straße gebaut hat, in der ihr wohnt? Nicht das Bauunternehmen, sondern die Idee dahinter. Warum die Häuser so aussehen, wie sie aussehen. Warum zwischen zwei Gebäuden plötzlich so viel Grünfläche ist oder aber auch so wenig. Woraus entsteht Wohnraum … aus Hoffnung, aus Not, aus politischen Überzeugungen oder vielleicht auch aus dem Willen, eine ganz andere Gesellschaft zu denken als die, die gerade existier?
Astrid Busch
Astrid Busch ist bildende Künstlerin, lebt in Berlin und reist gerne. Aber nicht so, wie wir das klassisch im Urlaub tun. Sie reist, um zu verstehen. Sie erschließt sich die Orte ihrer Wahl zu Fuß, mit der Kamera in der Hand, bis sie spürt, was einen Ort ausmacht, was ihn trägt und auch was ihn belastet. Ursprünglich wollte sie Bühnenbildnerin werden, hat eine Tischlerlehre gemacht und beim Theater gearbeitet, wo sie gelernt hat, Atmosphären mit Licht zu erzeugen. Was einst aus einem Aufenthalt in Le Havre begann, ist inzwischen eine konsequente künstlerische Auseinandersetzung mit Planstädten, Häfen und urbanen Utopien geworden. Was sie am Ende entwickelt, lässt den Ursprung oft nicht mehr erkennen. Eine Besucherin hat es nach einer ihrer Ausstellungen so beschrieben: „Hier spürt man, worum es bei diesem Ort geht, ohne es zu sehen.“
Die Aufnahme
Das Gespräch mit Astrid Busch wurde in der Kunststiftung der DZ BANK aufgenommen. Die Kunststiftung DZ BANK hat ihren Sitz in Frankfurt am Main und zeigt seit Jahren Positionen zeitgenössischer Kunst, die gesellschaftliche Fragen in den Mittelpunkt stellen. Astrid Busch zeigt in in der dortigen Ausstellung Wie wollen wir leben? ihre Arbeit Urban Utopia. Als Special Guest kommt zum Ende des Gesprächs auch Dr. Christina Leber, Geschäftsführerin & Künstlerische Leiterin der Kunststiftung DZ BANK hinzu und lässt uns an ihren Gedanken zu Wie wollen wir leben? teilhaben.
Urban Utopia
Vor hundert Jahren herrschte – wie heute auch – in den europäischen Großstädten eklatante Wohnungsnot. Der Architekt Ernst May hat in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts rund 12.000 Wohnungen gebaut, mit Licht, Luft, Sonne als Prinzip und Kleingärten als Selbstversorgung. Was damals radikal war, klingt heute immer noch aktuell. Astrid Busch hat diese Siedlungen zu Fuß auf rund 30 Kilometern erschlossen, immer mit der Kamera in der Hand, und daraus eine Installation entwickelt, die keine historische Arbeit ist, sondern eine Zeitreise zwischen vergangenen Visionen und offenen Fragen. Urban Utopia heißt die Arbeit und ist noch bis 03. Oktober in der Kunststiftung der DZ Bank in Frankfurt zu sehen.
Leichtigkeit mit Tiefgang
Astrid Busch ist für diese durch Siedlungen gelaufen, die die meisten nur aus dem Autofenster kennen. Dabei hat sie Fassaden, Licht, Grünflächen und ein Fragment des Palmengartens fotografiert. Diese hat sie im Atelier so lange überlagert und transformiert, bis daraus eine Installation wurde, die sich alle 20 Sekunden verändert. Doch die Frage dahinter verändert sich nicht: Wie wollen wir leben? Und welche Details entdecken wir in unserer Stadt, wenn wir sie zu Fuß und mit neuem Blick erkunden?
Schwerpunkte des Gesprächs
Vom Theater zur Rauminstallation: Wie aus einer Tischlerlehre, einer Stelle beim Theater und dem Zufallsglück, für freie Kunst statt Bühnenbild angenommen zu werden, ein konsequentes künstlerisches Werk entstanden ist, das bis heute vom Atmosphärischen lebt.
Astrid Busch arbeitet mit Projektionen, die sich alle 20 Sekunden verändern, mit transparenten Acrylglasobjekten auf dem Boden, die das Licht brechen und Schatten auf die Wand werfen, die an Architekturfragmente erinnern oder an menschliche Umrisse. Dr. Christina Leber, die künstlerische Leiterin der Kunststiftung, spricht im Gespräch von Gespenstern, die in der Arbeit auftauchen.
Le Havre, Mezamor, Istanbul, Frankfurt: Astrid Busch nimmt uns mit auf ihre Reisen zu Planstädten und Häfen, die einmal das Versprechen eines besseren Lebens trugen und erzählt, was davon geblieben ist und was die Gezeiten inzwischen wieder an den Strand gespült haben.
Containerschiff, Tracking-App und Emaille-Ofen – die Arbeitspraxis von Astrid Busch: vom Sammeln des Bildmaterials, Überlagerungen, digitaler Bearbeitung, bis zur Entstehung einer Komposition, die den Ausgangspunkt nicht mehr preisgibt. Und warum ihr Emaille gerade einige Nerven kostet, weil es im Ofen wie Popcorn abplatzt.
Wie wollen wir wohnen, wie wollen wir reisen: Astrid Busch reist am liebsten mit der Bahn, weil sie das Gespür für Zeit mag, das dabei entsteht.
Links & Informationen
Ausstellung: Wie wollen wir leben?
3. Juni bis 3. Oktober 2026
Kunststiftung DZ BANK, Platz der Republik, 60325 Frankfurt am Main
Diese Episode wurde im Juni 2026 in der Kunststiftung DZ Bank in Frankfurt am Main aufgezeichnet.
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