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apolut: Tagesdosis · Monday · 9 min

Volksbühnen-Desaster: Integration durch Apartheit? | Von Paul Clemente

Ein Kommentar von Paul Clemente. Dass die deutsche Hauptstadt nicht im Sommerloch versinkt, verdankt sie dem frischgebackenen Intendanten der Berliner Volksbühne: Matthias Lilienthal. Als Ex-Dramaturg von Frank Castorf weiß er, wie man die Werbetrommel strapaziert: Vor zwölf Jahren übertrug man ihm die Intendanz der Münchener Kammerspiele. Startschuss: Im September 2015. Zeitlich parallel zur Grenzöffnung durch die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dem folgte eine mediale Schlammschlacht. Auch Lilienthal beteiligte sich, lud zu einem „Open Border“-Kongress. Besonders brisant: Die „Internationale Schlepper- und Schleusertagung (ISS)“. Gefragt wurde, wie man Schleusen demokratisieren könne. Ein Journalist pries in seinem Vortrag das soziale Netzwerk Facebook. Mit ihm kam nämlich die Preistransparenz. Mit seiner Hilfe könnten Flüchtlinge die Angebote der Schlepper vergleichen und das Preiswerteste aussuchen. - Diese satirische Kunst-Tagung stieß bei der CSU auf wenig Gegenliebe. Dennoch: Sie erzielte Aufmerksamkeit. Die Kammerspiele waren plötzlich im Gespräch. Lilienthal vertritt ein postdramatisches Theater. Gemeint sind Inszenierungen, die keine Vorlagen bebildern, keine Dramentexte als Grundlage nutzen. Stattdessen: Performances, Film und Interaktion. Assoziative Verknüpfung ersetzt traditionelle Handlung. Diese Form führt Lilienthal in der Volksbühne fort. Einem ehemaligen Arbeiter-Theater, belastet mit dem Erbe einer 25-jährigen Castorf-Intendanz. Dieses Haus will Lilienthal neu erfinden. Zum Auftakt: Ein Projekt, das Berlins marode Infrastruktur aufgreift. Um die Schließung zahlreicher Schwimmbäder zu kompensieren, wurde vor der Volksbühne ein „Volksbad“ errichtet. Ein riesiger Pop-up-Swimming Pool mit freiem Eintritt. Und nebenan, im Volksbühnen-Pavillion, gastiert eine Frittenbude. Wie viel der Badespaß kostet? Schlappe 300 000 Euro. Aber keine Sorge: Die Summe wird durch den Haus-Etat gedeckt. Schließlich ist der Pool zum Kunstwerk und die Besucher zu Akteuren einer interaktiven Performance erklärt. Die Ernüchterung kam schnell. Schon drei Tage nach der Eröffnung musste das 25 m lange Pop-Up-Planschbecken schließen. Grund: Die Duschen funktionierten nicht. Baupfusch made in Germany. Man erinnere sich an den Berliner Flughafen oder an die Elbphilharmonie. Nichts Ungewöhnliches also. Am vergangenen Freitag sollte das „Volksbad“ wieder öffnen. Doch dazu kam es nicht. Das Angebot des „Volksbads“ beschränkt sich nicht auf privaten Besuch. Auch Vereine dürfen den Pool für einige Stunden buchen. Für Freitag, den 14. August hatte „Each One Teach One“ das künstlerisch wertvolle Planschbecken gebucht. Dieser Verein, kurz: EOTO, unterstützt Integration und „Empowerment“ (Selbstbefähigung) schwarzer Kinder. Am Dienstag informierte die Volksbühne auf ihrer Webseite: Zwischen 12 bis 18 Uhr sei der Pop-Up-Pool vom EOTO-Verein gebucht. Im Anschluss stehe er wieder allen offen. Für Aufruhr sorgte eine zusätzliche Erklärung: Es dürfte diese „Exklusivität“ gewesen sein, die für Ärger sorgte. Noch am gleichen Nachmittag folgte eine Korrektur. Jetzt hieß es: Das Volksbad sei „für Each One Teach One (EOTO) e.V. reserviert.“ Eine Anpassung an den Sprachgebrauch klassischer Vereinsreservierung. Natürlich zu spät. Medien wie Nius nahmen das Konzept unter Beschuss. Die Mainstream-Nachrichten folgten bei Fuß. Schon tobte eine verbale Schlammschlacht. Auch Politiker mischten sich ein: AfD-Chefin Alice Weidel sprach von „Apartheid". Die Berliner Bezirksverordnete Aileen Weibeler, Mitglied der CDU, überkam ein Gefühl von Diskriminierung. O-Ton: „In diesem Zeitraum ist das VOLKSBAD exklusiv für Schwarze Communities geöffnet.“„Ich darf nicht ins Schwimmbad, weil ich weiß bin“....https://apolut.net/volksbuhnen-desaster-integration-durch-apartheit-von-paul-clemente/ “Hier apolut unterstützen: https://apolut.net/unterstuetzen/”

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Ein Kommentar von Paul Clemente.

Dass die deutsche Hauptstadt nicht im Sommerloch versinkt, verdankt sie dem frischgebackenen Intendanten der Berliner Volksbühne: Matthias Lilienthal. Als Ex-Dramaturg von Frank Castorf weiß er, wie man die Werbetrommel strapaziert: Vor zwölf Jahren übertrug man ihm die Intendanz der Münchener Kammerspiele. Startschuss: Im September 2015. Zeitlich parallel zur Grenzöffnung durch die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dem folgte eine mediale Schlammschlacht.

Auch Lilienthal beteiligte sich, lud zu einem „Open Border“-Kongress. Besonders brisant: Die „Internationale Schlepper- und Schleusertagung (ISS)“. Gefragt wurde, wie man Schleusen demokratisieren könne. Ein Journalist pries in seinem Vortrag das soziale Netzwerk Facebook. Mit ihm kam nämlich die Preistransparenz. Mit seiner Hilfe könnten Flüchtlinge die Angebote der Schlepper vergleichen und das Preiswerteste aussuchen. - Diese satirische Kunst-Tagung stieß bei der CSU auf wenig Gegenliebe. Dennoch: Sie erzielte Aufmerksamkeit. Die Kammerspiele waren plötzlich im Gespräch.

Lilienthal vertritt ein postdramatisches Theater. Gemeint sind Inszenierungen, die keine Vorlagen bebildern, keine Dramentexte als Grundlage nutzen. Stattdessen: Performances, Film und Interaktion. Assoziative Verknüpfung ersetzt traditionelle Handlung. Diese Form führt Lilienthal in der Volksbühne fort. Einem ehemaligen Arbeiter-Theater, belastet mit dem Erbe einer 25-jährigen Castorf-Intendanz. Dieses Haus will Lilienthal neu erfinden. Zum Auftakt: Ein Projekt, das Berlins marode Infrastruktur aufgreift. Um die Schließung zahlreicher Schwimmbäder zu kompensieren, wurde vor der Volksbühne ein „Volksbad“ errichtet. Ein riesiger Pop-up-Swimming Pool mit freiem Eintritt. Und nebenan, im Volksbühnen-Pavillion, gastiert eine Frittenbude.

Wie viel der Badespaß kostet? Schlappe 300 000 Euro. Aber keine Sorge: Die Summe wird durch den Haus-Etat gedeckt. Schließlich ist der Pool zum Kunstwerk und die Besucher zu Akteuren einer interaktiven Performance erklärt.

Die Ernüchterung kam schnell. Schon drei Tage nach der Eröffnung musste das 25 m lange Pop-Up-Planschbecken schließen. Grund: Die Duschen funktionierten nicht. Baupfusch made in Germany. Man erinnere sich an den Berliner Flughafen oder an die Elbphilharmonie. Nichts Ungewöhnliches also. Am vergangenen Freitag sollte das „Volksbad“ wieder öffnen. Doch dazu kam es nicht.

Das Angebot des „Volksbads“ beschränkt sich nicht auf privaten Besuch. Auch Vereine dürfen den Pool für einige Stunden buchen. Für Freitag, den 14. August hatte „Each One Teach One“ das künstlerisch wertvolle Planschbecken gebucht. Dieser Verein, kurz: EOTO, unterstützt Integration und „Empowerment“ (Selbstbefähigung) schwarzer Kinder. Am Dienstag informierte die Volksbühne auf ihrer Webseite: Zwischen 12 bis 18 Uhr sei der Pop-Up-Pool vom EOTO-Verein gebucht. Im Anschluss stehe er wieder allen offen. Für Aufruhr sorgte eine zusätzliche Erklärung:

Es dürfte diese „Exklusivität“ gewesen sein, die für Ärger sorgte. Noch am gleichen Nachmittag folgte eine Korrektur. Jetzt hieß es: Das Volksbad sei „für Each One Teach One (EOTO) e.V. reserviert.“ Eine Anpassung an den Sprachgebrauch klassischer Vereinsreservierung. Natürlich zu spät.

Medien wie Nius nahmen das Konzept unter Beschuss. Die Mainstream-Nachrichten folgten bei Fuß. Schon tobte eine verbale Schlammschlacht. Auch Politiker mischten sich ein: AfD-Chefin Alice Weidel sprach von „Apartheid". Die Berliner Bezirksverordnete Aileen Weibeler, Mitglied der CDU, überkam ein Gefühl von Diskriminierung. O-Ton:

„In diesem Zeitraum ist das VOLKSBAD exklusiv für Schwarze Communities geöffnet.“„Ich darf nicht ins Schwimmbad, weil ich weiß bin“....https://apolut.net/volksbuhnen-desaster-integration-durch-apartheit-von-paul-clemente/

“Hier apolut unterstützen: https://apolut.net/unterstuetzen/

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