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Artwork for 5 Minus
5 Minus · July 14 · 1 hr 6 min

Schmerztherapie: Die nächste Leistungsgruppe vor dem Aus (Stefan Hegemann)

Eine medizinische Disziplin gerät zunehmend unter Druck: die Schmerztherapie. Obwohl sie für viele Patient:innen unverzichtbar ist, spielt sie in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen oft nur eine untergeordnete Rolle. Dabei lebt gute Schmerzmedizin von ausreichend Zeit, einer gründlichen Anamnese und einer individuellen Betreuung. In dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ spricht Dr. Laura Dalhaus mit Dr. Stefan Hegemann, der als Schmerztherapeut an einem Krankenhaus in Düren tätig ist. Stefan hat dort ein Team aus drei Schmerztherapeuten aufgebaut und verfolgt einen klaren Ansatz: Schmerztherapie funktioniert nur, wenn man sich intensiv mit den Menschen und ihrer Krankheitsgeschichte beschäftigt. Mit der Krankenhausreform verschwindet jedoch die stationäre Schmerztherapie als eigenständige Leistungsgruppe. Für Laura ist das ein großer Verlust. Aus ihrer eigenen Erfahrung weiß sie, dass viele Patient:innen durch eine spezialisierte Schmerztherapie ihre hohen Opioid-Dosen deutlich reduzieren konnten und dadurch an Lebensqualität gewonnen haben. Da Stefan zusätzlich als Suchtmediziner arbeitet, sprechen die beiden auch über Cannabis und die damit verbundenen bürokratischen Hürden. Er erläutert, dass chronische Schmerzen häufig mit psychischen Belastungen einhergehen. Gleichzeitig führen F-Diagnosen in vielen Fällen dazu, dass bestimmte Therapien – etwa Cannabis – erschwert oder ausgeschlossen werden. Auch der Medizinische Dienst (MD) ist Thema der Folge. Beide berichten, dass sie regelmäßig Widersprüche gegen Entscheidungen einlegen und sich bei Aufsichtsbehörden beschweren müssen, weil sie viele Bewertungen des MD als wenig praxisnah empfinden. Stefan beschreibt außerdem die Vorgaben der Qualitätssicherungsvereinbarung Schmerztherapie. Danach müssen pro Quartal 192 Stunden Sprechstunde angeboten werden. Gleichzeitig gelten Prüfzeiten, sodass Ärzt:innen bereits ab einer Abrechnung von mehr als 156 Stunden in eine Plausibilitätsprüfung geraten. Zusätzlich ist die Versorgung faktisch auf etwa 300 Patient:innen pro Quartal begrenzt – ein Widerspruch, der den Praxisalltag erheblich erschwert. Wie so oft landet die Diskussion schließlich beim Thema Finanzierung. Stefan erklärt, welche zentrale Rolle Überweisungsscheine für seine Abrechnung spielen. Gleichzeitig beobachtet er, dass im Gesundheitswesen zunehmend über Rationalisierung und Rationierung gesprochen wird. Trotz hoher Ausgaben bleibt der medizinische Output hinter den Erwartungen zurück – und immer mehr Health Care Professionals spüren die Folgen dieser Entwicklung auch gesundheitlich. Der wirtschaftliche Druck betrifft längst nicht mehr nur niedergelassene Ärzt:innen. Laura greift in diesem Zusammenhang erneut das Thema Regresse auf und macht deutlich, dass auch Krankenhäuser immer stärker unter finanziellen Zwängen stehen. Ein weiterer Schwerpunkt sind die unterschiedlichen Schmerzmedikamente und ihre jeweiligen Indikationen. Gerade in der Schmerzmedizin sind Off-Label-Verordnungen fester Bestandteil der Versorgung. Für die behandelnden Ärzt:innen bedeutet das jedoch häufig ein erhebliches Haftungsrisiko. Laura wundert sich darüber, dass innerhalb der Ärzteschaft teilweise noch immer die Sorge besteht, es gebe nicht genügend Arbeit für alle. Aus ihrer Sicht zeigt die Realität etwas anderes: Nicht die Nachfrage fehlt, sondern eine angemessene Vergütung der medizinischen Leistungen. Deshalb entscheiden sich immer mehr Ärzt:innen dafür, einen größeren Anteil ihrer Tätigkeit über IGeL-Leistungen beziehungsweise Selbstzahler-Leistungen abzubilden. Laura sieht darin durchaus Chancen, denn manche Innovationen gelangen erst über diesen Weg später in die Regelversorgung. Gleichzeitig beobachtet sie, dass viele Menschen zunehmend bereit sind, selbst in ihre Gesundheit zu investieren. Zum Abschluss plädiert Stefan dafür, den kollegialen Austausch stärker zu pflegen und belastbare Netzwerke aufzubauen. Für ihn gehören gegenseitige Wertschätzung, Zusammenarbeit und die Bereitschaft, sich Unterstützung zu holen, zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine gute medizinische Versorgung. Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/

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Eine medizinische Disziplin gerät zunehmend unter Druck: die Schmerztherapie. Obwohl sie für viele Patient:innen unverzichtbar ist, spielt sie in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen oft nur eine untergeordnete Rolle. Dabei lebt gute Schmerzmedizin von ausreichend Zeit, einer gründlichen Anamnese und einer individuellen Betreuung.

In dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ spricht Dr. Laura Dalhaus mit Dr. Stefan Hegemann, der als Schmerztherapeut an einem Krankenhaus in Düren tätig ist.

Stefan hat dort ein Team aus drei Schmerztherapeuten aufgebaut und verfolgt einen klaren Ansatz: Schmerztherapie funktioniert nur, wenn man sich intensiv mit den Menschen und ihrer Krankheitsgeschichte beschäftigt.

Mit der Krankenhausreform verschwindet jedoch die stationäre Schmerztherapie als eigenständige Leistungsgruppe. Für Laura ist das ein großer Verlust. Aus ihrer eigenen Erfahrung weiß sie, dass viele Patient:innen durch eine spezialisierte Schmerztherapie ihre hohen Opioid-Dosen deutlich reduzieren konnten und dadurch an Lebensqualität gewonnen haben.

Da Stefan zusätzlich als Suchtmediziner arbeitet, sprechen die beiden auch über Cannabis und die damit verbundenen bürokratischen Hürden. Er erläutert, dass chronische Schmerzen häufig mit psychischen Belastungen einhergehen. Gleichzeitig führen F-Diagnosen in vielen Fällen dazu, dass bestimmte Therapien – etwa Cannabis – erschwert oder ausgeschlossen werden.

Auch der Medizinische Dienst (MD) ist Thema der Folge. Beide berichten, dass sie regelmäßig Widersprüche gegen Entscheidungen einlegen und sich bei Aufsichtsbehörden beschweren müssen, weil sie viele Bewertungen des MD als wenig praxisnah empfinden.

Stefan beschreibt außerdem die Vorgaben der Qualitätssicherungsvereinbarung Schmerztherapie. Danach müssen pro Quartal 192 Stunden Sprechstunde angeboten werden. Gleichzeitig gelten Prüfzeiten, sodass Ärzt:innen bereits ab einer Abrechnung von mehr als 156 Stunden in eine Plausibilitätsprüfung geraten. Zusätzlich ist die Versorgung faktisch auf etwa 300 Patient:innen pro Quartal begrenzt – ein Widerspruch, der den Praxisalltag erheblich erschwert.

Wie so oft landet die Diskussion schließlich beim Thema Finanzierung. Stefan erklärt, welche zentrale Rolle Überweisungsscheine für seine Abrechnung spielen. Gleichzeitig beobachtet er, dass im Gesundheitswesen zunehmend über Rationalisierung und Rationierung gesprochen wird. Trotz hoher Ausgaben bleibt der medizinische Output hinter den Erwartungen zurück – und immer mehr Health Care Professionals spüren die Folgen dieser Entwicklung auch gesundheitlich.

Der wirtschaftliche Druck betrifft längst nicht mehr nur niedergelassene Ärzt:innen. Laura greift in diesem Zusammenhang erneut das Thema Regresse auf und macht deutlich, dass auch Krankenhäuser immer stärker unter finanziellen Zwängen stehen.

Ein weiterer Schwerpunkt sind die unterschiedlichen Schmerzmedikamente und ihre jeweiligen Indikationen. Gerade in der Schmerzmedizin sind Off-Label-Verordnungen fester Bestandteil der Versorgung. Für die behandelnden Ärzt:innen bedeutet das jedoch häufig ein erhebliches Haftungsrisiko.

Laura wundert sich darüber, dass innerhalb der Ärzteschaft teilweise noch immer die Sorge besteht, es gebe nicht genügend Arbeit für alle. Aus ihrer Sicht zeigt die Realität etwas anderes: Nicht die Nachfrage fehlt, sondern eine angemessene Vergütung der medizinischen Leistungen.

Deshalb entscheiden sich immer mehr Ärzt:innen dafür, einen größeren Anteil ihrer Tätigkeit über IGeL-Leistungen beziehungsweise Selbstzahler-Leistungen abzubilden. Laura sieht darin durchaus Chancen, denn manche Innovationen gelangen erst über diesen Weg später in die Regelversorgung. Gleichzeitig beobachtet sie, dass viele Menschen zunehmend bereit sind, selbst in ihre Gesundheit zu investieren.

Zum Abschluss plädiert Stefan dafür, den kollegialen Austausch stärker zu pflegen und belastbare Netzwerke aufzubauen. Für ihn gehören gegenseitige Wertschätzung, Zusammenarbeit und die Bereitschaft, sich Unterstützung zu holen, zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine gute medizinische Versorgung.

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