
Millionär werden – 3 Muster aus 500 Interviews #961
transcript
show notes
In dieser Episode geht es ums Millionär werden – und zwar auf Basis von rund 500 Interviews, die ich seit 2012 hier im Podcast geführt habe. Ein guter Teil dieser Gäste war nicht nur erfolgreich, sondern richtig vermögend: Millionäre, Multimillionäre, Unternehmer mit zweistelligen Millionenexits.
Wenn man so viele Gespräche führt, fangen irgendwann Muster an, sichtbar zu werden. Dinge, die immer wieder auftauchen, völlig unabhängig von Branche, Alter oder Herkunft. Die drei stärksten dieser Muster habe ich für diese Folge herausgesucht. Das dritte davon kannst Du in keinem Buch nachlesen – es lässt sich nur von jemandem beobachten, der hinter den Kulissen sitzt.
Vorab eine Einordnung: Millionär werden ist in Interviews ein heikles Thema, weil kaum jemand offen über Zahlen spricht. Genau deshalb ist die Innensicht aus 500 Gesprächen so wertvoll – sie zeigt, was Menschen sagen, wenn das Mikrofon läuft, und was sie vorher sagen, wenn es noch aus ist.
Zusammenfassung und Stichpunkte zum Millionär werdenDas ist die Zusammenfassung dieser Episode in Kurzform:
- Muster 1 – Das Entscheidende wird außerhalb der Schule gelernt. Dr. Dr. Rainer Zitelmann (#546) hat die Vermögenselite psychologisch untersucht. Zwei seiner Befunde gehören zusammen: Seine Befragten haben früh im Sport gelernt, mit Zielen und mit Niederlagen umzugehen und Frustrationstoleranz zu entwickeln – ausdrücklich nicht in Schule oder Universität. Und: Alles ist letztlich Verkauf. Wer eine negative Einstellung zum Verkaufen hat, für den wird es beim Millionär werden schwierig.
- Muster 2 – Der Absturz gehört oft dazu. Rolf Kipp (#586) war mit Mitte zwanzig finanziell frei, mit einem privaten Vermögen im zweistelligen Millionenbereich. Ein ungelesener Immobilienvertrag kostete ihn alles – plus eine halbe Million D-Mark Schulden. Er ging nicht in die Privatinsolvenz, sondern tilgte fünf Jahre lang. Heute lebt er in Monaco. Sein bester Ratschlag in fünf Worten: Ich steh immer wieder auf.
- Muster 3 – Die Vermögendsten sind fast nie die Lautesten. Meine eigene Beobachtung aus dem Gäste-Screening: Ein erheblicher Teil der wirklich vermögenden Gäste bittet ausdrücklich darum, die Zahlen nicht zu nennen. In den Shownotes steht deshalb nie, wer steinreich ist. Wer viel hat, hat es meistens nicht nötig, es nach außen zu tragen.
Der rote Faden: Beim Millionär werden geht es weniger um Wissen als um Prägung, Ausdauer und Haltung. Zwei der drei Muster haben mit dem Umgang mit Rückschlägen zu tun – und keines mit dem, was in der Schule vermittelt wird.
Auffällig ist außerdem, was in den Antworten praktisch nie vorkommt: eine geniale Geschäftsidee, der richtige Zeitpunkt oder ein glücklicher Zufall. Millionär werden wird von den Betroffenen selbst deutlich unspektakulärer beschrieben, als es von außen aussieht.
Shownotes und EpisodendetailsWarum lohnt sich der Blick auf Muster statt auf Einzelgeschichten? Weil eine einzelne Erfolgsgeschichte immer auch Zufall sein kann. Erst die Wiederholung über hunderte Gespräche hinweg macht daraus eine belastbare Beobachtung.
Zum Thema Millionär werden gibt es unzählige Ratgeber. Das Besondere an dieser Folge ist die Datenbasis: keine Theorie, sondern Aussagen von Menschen, die es tatsächlich geschafft haben – und die mir das im Gespräch persönlich erzählt haben.
Was Zitelmanns Forschung zeigt.
Rainer Zitelmann (#546) ist Historiker, Soziologe und selbst Multimillionär. Er hat die Superreichen nicht nur befragt, sondern systematisch psychologisch untersucht.
Sein Befund zum Sport ist der überraschendste: Nahezu durchgängig berichteten seine Befragten, dass sie den Umgang mit Zielen und mit Niederlagen früh im Sport gelernt haben. Auf gezielte Nachfrage nach Schule und Universität kam ein klares Nein.
Sein Befund zum Verkaufen ist der praktischste. Verkauf ist für ihn nicht auf Kunden beschränkt: Gute Mitarbeiter gewinnen ist Verkauf. Eine Genehmigung bekommen ist Verkauf. Wer sich damit innerlich schwertut, blockiert sich selbst.
Was Rolf Kipps Geschichte zeigt.
Kipps Absturz ist kein Pech, und er stellt ihn selbst auch nicht so dar. Er beschreibt sich rückblickend als jung, unerfahren, erfolgsverwöhnt und überheblich – jemand, der einen Vertrag unterschrieb, ohne ihn zu lesen, weil ohnehin alles lief.
Die fünf Jahre danach sind der eigentliche Kern: morgens im Anzug ins Büro, aber kein Geld, den Firmenwagen zu tanken. Essen aus dem Kühlschrank im Aufenthaltsraum. Am Wochenende per Anhalter zur Familie – und wenn es nicht klappte, über die Leitplanke und zurück ins Büro.
Wer über das Millionär werden spricht, sollte diesen Teil mit erzählen. Der gerade Weg nach oben ist die Ausnahme, nicht die Regel.
Bemerkenswert ist auch seine Entscheidung gegen die Privatinsolvenz. Er hätte die halbe Million abschütteln können und hat es nicht getan. Diese Haltung taucht bei vielen Gästen auf, die es zweimal geschafft haben: Sie übernehmen die Verantwortung für den eigenen Fehler, statt ihn zu delegieren.
Und was mir die Kulissen verraten.
Vor jedem Interview screenen wir unsere Gäste. Ich kenne die Zahlen, bevor das Mikrofon läuft.
Auffällig ist, wie viele der wirklich Vermögenden ausdrücklich darum bitten, dass ihr Vermögen nicht zur Sprache kommt. Sie möchten als normale erfolgreiche Unternehmer vorgestellt werden.
Daraus folgen zwei praktische Konsequenzen. Erstens: Vergleiche Dich nicht mit den Lautesten – Du weißt nicht, was hinter der Fassade steckt. Zweitens: Wähle Deine Vorbilder danach aus, wer nachweislich etwas aufgebaut hat, nicht danach, wer am besten inszeniert ist.
Was Du konkret mitnehmen kannst.
Prüfe, wo Du gelernt hast, mit einem Nein umzugehen – und ob Du diese Fähigkeit heute noch trainierst.
Schau Dir Deine Einstellung zum Verkaufen ehrlich an. Wenn sich Verkaufen für Dich unangenehm anfühlt, ist das kein Charakterzug, sondern eine lösbare Baustelle.
Und wenn Du gerade in einer Phase steckst, in der alles zusammengebrochen ist: Kipp hat fünf Jahre gebraucht, um wieder bei null zu sein. Nicht um reich zu werden – um wieder bei null zu sein.
Zusammengefasst: Millionär werden ist nach allem, was mir meine Gäste erzählt haben, weniger eine Frage der Gelegenheit als eine Frage der Wiederaufstehfähigkeit. Und der Bereitschaft, Dinge zu lernen, die einem niemand beibringt.
Erwähnte und passende Episoden zum Nachhören:
- #546 – Dr. Dr. Rainer Zitelmann – Psychologie der Superreichen
- #586 – Rolf Kipp – Millionär werden: sein Coaching brachte über 40 Millionäre hervor
- #800 – Selfmade-Millionäre packen aus – Eigenschaften zum Erfolg
- #959 – Unternehmer-Fehler – die 5 teuersten aus 950 Folgen
- #960 – Durchhalten – 5 Lektionen aus Militär und Business
Welches der drei Muster trifft am ehesten auf Dich zu? Schreib es mir gerne – ich freue mich auf Dein Feedback.
Und denk immer daran: Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.
Tschüss, mach's gut. Dein Tom.
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