
Organisation als Harness
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Jens eröffnet mit der Frage, wie sich Menschen auf dem Weg in die KI-Welt vernünftig begleiten lassen, ohne dass sie abgehängt werden. Mark und er wollen dazu ihre Sicht schildern und freuen sich ausdrücklich über Widerspruch in den Kommentaren. Der Titel der Folge, Organisation als Harness, hat schon im Vorgespräch Fragen aufgeworfen: Für das englische Wort Harness fällt beiden keine gute deutsche Übersetzung ein. Mark ergänzt, dass es nicht nur ums Mitnehmen gehen sollte, sondern auch darum, was eine Organisation den Menschen ermöglicht.
Bevor es ernster wird, räumen die beiden die Social-Media-Schlagworte beiseite: das Bild vom Tesla-Roboter, der vor einem Notebook sitzt und tippt, den „AI Patty Flipper", der nach dem Auftrag nur noch auf Weiter drückt, und den Satz, nicht die KI ersetze dich, sondern der Mensch, der besser mit KI umgeht. Mark erzählt, was ihn überzeugt, dass die Transformation längst läuft: Freitagabend eine fixe Idee, am Sonntagabend steht eine Lösung. Seine Datenbrille konnte ein Display nicht abschalten, jetzt kann sie es, weil er die Firmware mit KI-Hilfe angepasst hat. Jens hält dagegen, dass nicht jeder GitHub, Repositories und Agenten-Steuerung verstehen muss, und dass die Interaktion mit KI für die meisten Menschen noch in einer speziellen Ecke liegt.
Dann geht es um die Organisation. Mark zweifelt an Aussagen wie „Copilot für alle" als KI-Strategie und an Studien, nach denen sich viele produktiver fühlen. Offen bleibt, was mit der gewonnenen Zeit passiert, denn schneller zur Kantine zu gehen schafft keinen Wert. Ein Werkzeug im Software-Stack ändert noch keine Rollen. Systeme, die jahrelang nicht gepflegt wurden, lassen sich jetzt bereinigen, und statt einer zähen Oberfläche bedienen Wissensarbeiter künftig die Schnittstellen dahinter per Chat oder interaktiver Oberfläche. Jens warnt davor, jede Rolle einzeln durch einen Skill zu ersetzen. Er plädiert dafür, Workflows neu zu denken, die Geschäftsmodelle zu klären, implizites Wissen sichtbar zu machen und den leisen Stimmen in der Organisation Gehör zu verschaffen. Ein Beispiel: Wer eine Aufgabe mit Agenten 20-mal schneller erledigt, soll danach nicht zwei Wochen herumsitzen, sondern sich auf Bedürfnisse, Innovation und Kundennähe konzentrieren.
Beide betonen, dass sich der Job ändert, ohne zu verschwinden, und dass eine Organisation dafür ehrlich sein muss. Beteiligung ist ihr Kernbegriff: Wer alles vorgibt, erzeugt Widerstand, und Widerstand kann auch schlicht Zeitmangel sein. Jens plädiert dafür, zu den Teams zu gehen, ihre Workflows zu beobachten, gemeinsam die zeitfressenden Stellen zu finden und schnell Prototypen zu bauen, etwa ein Team Second Brain oder einen MCP-Zugriff auf bisher unerreichbare Datenquellen. Mark ergänzt, dass nicht überall KI hineingehört: Für das tägliche Sortieren von PDFs reicht womöglich ein Python-Skript. Er verweist auf das Worker-Konzept bei Notion, das nach seiner Schilderung KI-erzeugte Skripte laufen lässt und damit Rechenzeit statt Tokens verbraucht. Außerdem lohnt es sich, Aufgaben über Rollen und Jobfamilien hinweg zu bündeln, statt jede Stelle für sich zu betrachten, und strukturierte wie unstrukturierte Firmendaten mit Wissen von außen anzureichern.
Im dritten Teil geht es um Rollen und Grenzen. Jens beschreibt, dass Menschen ständig die Grenzen ihrer Rolle überschreiten, mit KI-Hilfe sogar in Fachgebiete wie Recht hinein, wobei die Entscheidung beim Fachmenschen bleibt. Die Gefahr sei, die KI, die alle Rollen kennt, wieder in künstliche Rollen zu zwängen wie in der Industrialisierung. Das Schlagwort Human in the Loop hält er für überhöht: Den einzelnen Experten, der alles bewertet, gibt es nicht, Intelligenz entsteht durch Zusammenarbeit. Mark rät, nicht auf den lautesten Ruf zu hören, Prozesse von Ende zu Ende zu denken und auch eine neutrale Sicht von außen zu holen. Eine Stellenbeschreibung sei nur ein Teil der Wahrheit, und Wissen gehe verloren, wenn es nie von der Notiz ins Prozessdokument gelangt. Er rechnet damit, dass Unternehmen Wissen wieder stärker in Textformate wie Markdown oder das Open Knowledge Format legen. Jens widerspricht für die Bedienung: Text taugt als Wissensträger, aber Menschen wollen einen Slider oder einen Sprachbefehl. Die Gestaltung der Interaktion mit KI, auch mit Robotik und Sprache, sei eine große Designaufgabe, die bisher fast nur Coder bedienen können.
Zum Schluss fassen sie zusammen: Der Engpass ist weniger das Modell als das Wissen eines Unternehmens und die Art, wie man Menschen befähigt. Jobs verschwinden nicht, aber Zusammenarbeit und Einstiegswege ändern sich. Gewonnene Zeit sollte nicht sofort durch höhere Erwartungen aufgefressen werden, und wer automatisiert, sollte fragen, ob Tokens die effizienteste Lösung sind. Jens rechnet mit kleineren Teams und mehr persönlicher Begegnung, Mark mit dem Gedanken, dass Neues aus menschlicher Interaktion bei der Problemlösung entsteht. Wer anderer Meinung ist oder über das Thema sprechen will, meldet sich über Landingpage, WhatsApp-Kanal oder LinkedIn.
— Think Different. Think AI. mit Mark Zimmermann und Jens Scharnetzki.
Hören: Apple, Spotify, YouTube, RSS https://think-ai.podigee.io
Neue Folge zuerst im WhatsApp-Kanal https://whatsapp.com/channel/0029VbDJ4ZlGufIrpquad004
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