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Morgenimpuls · Today · 4 min

Nicht schweigen oder wegsehen

Morgenimpuls mit Schwester Katharina Eine junge Frau macht eine Ausbildung zur Krankenschwester und ist im dritten Jahr. Sie hat eine mündliche Zwischenprüfung und ist tagelang unruhig und aufgeregt, lernt viel und gönnt sich kaum Ruhe. Und jede und jeder von uns kann sich aus eigenem Erleben vielleicht daran erinnern. Und bevor sie losfährt, bittet sie darum, gesegnet zu werden, damit sie mit Gottes Segen in die Prüfung gehen kann. Und dann kommt sie strahlend wieder und ich brauche gar nicht zu fragen. Sie hat bestanden, mit Note 1,1. Ich habe unglaublich viel Achtung und Ehrfurcht vor ihr und vielen jungen Leuten, die hier eine Ausbildung machen und vorher erst die Sprache lernen mussten und dann noch, wie in diesem Fall, die vielen oft lateinischen Fachbegriffe. Und meine Beispielfrau ist indische Ordensfrau einer anderen Gemeinschaft, die seit drei Jahren mit uns im Konvent lebt. Und wir leben zusammen und beten, und kochen und essen und feiern und spielen und putzen und waschen und machen alles zusammen, was das Leben ausmacht. Und wir lernen unendlich viel voneinander von der je anderen Kultur und Familientradition, von den anderen Kochkünsten und Traditionen und auch von der jeweils anderen geistlichen Prägung unserer Ordensgemeinschaften. Es ist ein Geben und Nehmen und ein Zusammenhalt, der gut tut. Und nein, sie ist nicht Nutznießerin des Gesundheitssystems, wie der Bundeskanzler kürzlich gegenüber einer Kinderärztin behauptet hat, sondern jemand, die sich, wie viele Hundertausende auch, für Kinder, Kranke und alte Menschen einsetzt und ihr Herzblut, ihre Kraft und Intelligenz einsetzt, um sie zu pflegen und zu unterstützen, in allem, was sie brauchen. Für die Gebetszeiten im Stundenbuch gibt es immer wieder Vorschläge, worum wir beten können. Und heute ist einer der Vorschläge: „Unser Tagewerk sei dir geweiht; - gib, dass wir nichts Böses tun und kein Unrecht gutheißen.“ Nichts Böses tun wollen, ist bei den meisten Menschen die normale Gewissensentscheidung und durch Erziehung und Bildung grundgelegt. Aber die Bitte, uns dabei zu helfen, dass wir kein Unrecht gutheißen, wird immer wichtiger. Das schweigende Hinwegsehen über vieles, was Unrecht ist, ist nicht christlich und bleibt eine Daueranfrage für jede und jeden Christen heute.

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Morgenimpuls mit Schwester Katharina
Eine junge Frau macht eine Ausbildung zur Krankenschwester und ist im dritten Jahr. Sie hat eine mündliche Zwischenprüfung und ist tagelang unruhig und aufgeregt, lernt viel und gönnt sich kaum Ruhe. Und jede und jeder von uns kann sich aus eigenem Erleben vielleicht daran erinnern. Und bevor sie losfährt, bittet sie darum, gesegnet zu werden, damit sie mit Gottes Segen in die Prüfung gehen kann. Und dann kommt sie strahlend wieder und ich brauche gar nicht zu fragen. Sie hat bestanden, mit Note 1,1. Ich habe unglaublich viel Achtung und Ehrfurcht vor ihr und vielen jungen Leuten, die hier eine Ausbildung machen und vorher erst die Sprache lernen mussten und dann noch, wie in diesem Fall, die vielen oft lateinischen Fachbegriffe. Und meine Beispielfrau ist indische Ordensfrau einer anderen Gemeinschaft, die seit drei Jahren mit uns im Konvent lebt. Und wir leben zusammen und beten, und kochen und essen und feiern und spielen und putzen und waschen und machen alles zusammen, was das Leben ausmacht. Und wir lernen unendlich viel voneinander von der je anderen Kultur und Familientradition, von den anderen Kochkünsten und Traditionen und auch von der jeweils anderen geistlichen Prägung unserer Ordensgemeinschaften. Es ist ein Geben und Nehmen und ein Zusammenhalt, der gut tut. Und nein, sie ist nicht Nutznießerin des Gesundheitssystems, wie der Bundeskanzler kürzlich gegenüber einer Kinderärztin behauptet hat, sondern jemand, die sich, wie viele Hundertausende auch, für Kinder, Kranke und alte Menschen einsetzt und ihr Herzblut, ihre Kraft und Intelligenz einsetzt, um sie zu pflegen und zu unterstützen, in allem, was sie brauchen. Für die Gebetszeiten im Stundenbuch gibt es immer wieder Vorschläge, worum wir beten können. Und heute ist einer der Vorschläge: „Unser Tagewerk sei dir geweiht; - gib, dass wir nichts Böses tun und kein Unrecht gutheißen.“ Nichts Böses tun wollen, ist bei den meisten Menschen die normale Gewissensentscheidung und durch Erziehung und Bildung grundgelegt. Aber die Bitte, uns dabei zu helfen, dass wir kein Unrecht gutheißen, wird immer wichtiger. Das schweigende Hinwegsehen über vieles, was Unrecht ist, ist nicht christlich und bleibt eine Daueranfrage für jede und jeden Christen heute.