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Morgenimpuls · October 4 · 3 min

Jede und jeder ist Abbild Gottes

Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac Es ist so einfach, Menschen zu verurteilen. Ein abwertender Blick. Reicht schon. Ein böser Kommentar. Sitzt schon. Ein scheinbares Kompliment: „Du hast es ja versucht.“ – „Das ist aber originell.“ – „Das passt eben zu dir.“ Verletzt trotzdem. Es ist so einfach, Menschen auf Äußerlichkeiten zu reduzieren. Und wir tun das ja ständig. Vielleicht müssen wir das sogar ein Stück weit. Menschen einzuordnen, gibt uns Orientierung. Es hilft uns, Situationen einzuschätzen und zu handeln. Und klar mache ich das auch. Ich sondiere die Lage. Ich sortiere die Menschen um mich herum. Und meistens tue ich das erst einmal nach dem, was ich sehe und erlebe. Nach Äußerlichkeiten eben. Denn das Innere der allermeisten Menschen werde ich niemals wirklich kennenlernen. Aber ich versuche manchmal, umzusortieren. Nachzujustieren. Und dabei gibt es eine Kategorie, die mir hilft: Abbildsein. Jeder Mensch – ja, wirklich jeder – ist Abbild Gottes. Kein Mensch ist Gott selbst. Egal, wie großartig er sich gibt, was er sagt oder wie überzeugend er vielleicht auftritt. Aber jeder Mensch ist Geschöpf Gottes. Und jeder Mensch trägt etwas in sich, das von Gott erzählt. Etwas, das Gottes Wesen spiegeln kann. Und ja, ein Spiegel zeigt nur ein spiegelverkehrtes Bild. Vielleicht manchmal verzerrt, vielleicht sehe ich auch nur einen winzigen Ausschnitt. Aber genau deshalb hilft mir dieses Bild. Wenn ich einen Menschen längst einsortiert habe. Wenn mein Urteil eigentlich schon feststeht. Wenn ich glaube zu wissen: So ist der eben. Dann kann ich noch einmal nachjustieren: Abbild Gottes. Das macht nicht plötzlich alles gut, was ein Mensch tut. Es bedeutet auch nicht, dass ich jeden mögen muss. Aber es rückt mein Urteil ein kleines Stück zurecht. Denn am Ende bleibt mein Blick auf einen Menschen immer ziemlich sträflich an dem hängen, was ich von außen sehen kann. Das ganze Innere aber, das wirkliche Innere eines Menschen – vielleicht gerade das, was besonders Abbild Gottes ist – kenne ich nicht. Das kennt nur Gott in Gänze.

0:00-3:49

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Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac
Es ist so einfach, Menschen zu verurteilen. Ein abwertender Blick. Reicht schon. Ein böser Kommentar. Sitzt schon. Ein scheinbares Kompliment: „Du hast es ja versucht.“ – „Das ist aber originell.“ – „Das passt eben zu dir.“ Verletzt trotzdem. Es ist so einfach, Menschen auf Äußerlichkeiten zu reduzieren. Und wir tun das ja ständig. Vielleicht müssen wir das sogar ein Stück weit. Menschen einzuordnen, gibt uns Orientierung. Es hilft uns, Situationen einzuschätzen und zu handeln. Und klar mache ich das auch. Ich sondiere die Lage. Ich sortiere die Menschen um mich herum. Und meistens tue ich das erst einmal nach dem, was ich sehe und erlebe. Nach Äußerlichkeiten eben. Denn das Innere der allermeisten Menschen werde ich niemals wirklich kennenlernen. Aber ich versuche manchmal, umzusortieren. Nachzujustieren. Und dabei gibt es eine Kategorie, die mir hilft: Abbildsein. Jeder Mensch – ja, wirklich jeder – ist Abbild Gottes. Kein Mensch ist Gott selbst. Egal, wie großartig er sich gibt, was er sagt oder wie überzeugend er vielleicht auftritt. Aber jeder Mensch ist Geschöpf Gottes. Und jeder Mensch trägt etwas in sich, das von Gott erzählt. Etwas, das Gottes Wesen spiegeln kann. Und ja, ein Spiegel zeigt nur ein spiegelverkehrtes Bild. Vielleicht manchmal verzerrt, vielleicht sehe ich auch nur einen winzigen Ausschnitt. Aber genau deshalb hilft mir dieses Bild. Wenn ich einen Menschen längst einsortiert habe. Wenn mein Urteil eigentlich schon feststeht. Wenn ich glaube zu wissen: So ist der eben. Dann kann ich noch einmal nachjustieren: Abbild Gottes. Das macht nicht plötzlich alles gut, was ein Mensch tut. Es bedeutet auch nicht, dass ich jeden mögen muss. Aber es rückt mein Urteil ein kleines Stück zurecht. Denn am Ende bleibt mein Blick auf einen Menschen immer ziemlich sträflich an dem hängen, was ich von außen sehen kann. Das ganze Innere aber, das wirkliche Innere eines Menschen – vielleicht gerade das, was besonders Abbild Gottes ist – kenne ich nicht. Das kennt nur Gott in Gänze.

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