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Morgenimpuls · Sunday · 4 min

Der November beginnt

Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac Der November beginnt. Für viele ein dunkler, verregneter Monat, der irgendwie schon von sich aus ein bisschen Melancholie verströmt.Für mich ist der November vor allem der Monat der Geburtstage. Erstaunlich viele Menschen in meiner Familie und meinem Freundeskreis sind Skorpione und feiern im November Geburtstag. Mich eingeschlossen.Der November ist wirklich der blödeste Monat, um Geburtstag zu haben, dachte ich als Kind. Wobei: immer noch besser als Dezember. Das ist schließlich gefährlich nah an Weihnachten und aus Erfahrung in meinem Freundeskreis wusste ich: Im Schatten von Weihnachten fällt so manches Geburtstagsgeschenk plötzlich erstaunlich klein aus.Irgendwie hängt im November alles ein bisschen durch.Und ausgerechnet dieser Monat beginnt bei uns mit zwei besonderen Tagen: heute mit Allerheiligen und morgen mit Allerseelen.Wobei ich diesen Unterschied als Kind wahrscheinlich gar nicht so richtig wahrgenommen habe. Denn hier bei uns auf dem Dorf war Allerheiligen immer auch der Tag des Friedhofs. Da ging man zu den Gräbern, stellte Kerzen auf, die Gräber waren besonders schön hergerichtet und gefühlt traf sich irgendwann das halbe Dorf auf dem Friedhof.Eigentlich ist erst morgen, an Allerseelen, der Tag, an dem wir besonders unserer Verstorbenen gedenken. Heute, an Allerheiligen, geht es um die Heiligen und um die Hoffnung, dass Menschen bei Gott angekommen sind.Und vielleicht finde ich gerade deshalb diese beiden Tage direkt hintereinander auch schön.Erst die Hoffnung. Dann die Trauer.Denn ich finde: Traurig sein und trauern sind nicht dasselbe.Trauern ist für mich ein Akt der Liebe. Trauern ist nicht nur ein Zustand. Trauern ist auch etwas, das wir tun. Weil da jemand oder etwas war, das uns so wichtig gewesen ist, weil sein Fehlen eine Lücke hinterlässt.Vielleicht ist Trauer deshalb für mich ein bisschen wie eine warme Kuscheldecke an einem grauen Novembertag.Ich darf mich darin einwickeln. Sie schützt. Sie schirmt mich ab. Sie hält mir die Welt auch mal ein bisschen vom Leib.Und ich glaube nicht, dass es darum geht, irgendwann alle Kuscheldecken wegzuwerfen und nur noch sehnsüchtig auf den Sommer zu warten.So wie ich als Kind an meinem Geburtstag. Ich hätte so gerne einmal wie meine Schwester im Mai eine Grillparty gefeiert.Nein. Vielleicht geht es darum, zu spüren, wann ich die Decke brauche. Wann sie mich wärmt und schützt. Aber auch, wann ich sie ein bisschen lüften muss. Wann wieder Licht darunter darf. Und wann sie vielleicht so schwer wird, dass ich jemanden brauche, der mir hilft, sie ein Stück anzuheben.Vielleicht ist es deshalb gar nicht so schlecht, dass der November mit Allerheiligen und Allerseelen beginnt.Mit Hoffnung und mit Trauer.Denn Trauer hält fest, was wir in dieser Welt verloren haben. Und Allerheiligen erinnert mich daran, dass ich darauf hoffen darf, dass das, was ich hier vermisse, bei Gott nicht verloren ist.Vielleicht ist der November also doch gar nicht der blödeste Monat.Auch nicht zum Geburtstaghaben.

0:00-4:30

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Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac
Der November beginnt. Für viele ein dunkler, verregneter Monat, der irgendwie schon von sich aus ein bisschen Melancholie verströmt.Für mich ist der November vor allem der Monat der Geburtstage. Erstaunlich viele Menschen in meiner Familie und meinem Freundeskreis sind Skorpione und feiern im November Geburtstag. Mich eingeschlossen.Der November ist wirklich der blödeste Monat, um Geburtstag zu haben, dachte ich als Kind. Wobei: immer noch besser als Dezember. Das ist schließlich gefährlich nah an Weihnachten und aus Erfahrung in meinem Freundeskreis wusste ich: Im Schatten von Weihnachten fällt so manches Geburtstagsgeschenk plötzlich erstaunlich klein aus.Irgendwie hängt im November alles ein bisschen durch.Und ausgerechnet dieser Monat beginnt bei uns mit zwei besonderen Tagen: heute mit Allerheiligen und morgen mit Allerseelen.Wobei ich diesen Unterschied als Kind wahrscheinlich gar nicht so richtig wahrgenommen habe. Denn hier bei uns auf dem Dorf war Allerheiligen immer auch der Tag des Friedhofs. Da ging man zu den Gräbern, stellte Kerzen auf, die Gräber waren besonders schön hergerichtet und gefühlt traf sich irgendwann das halbe Dorf auf dem Friedhof.Eigentlich ist erst morgen, an Allerseelen, der Tag, an dem wir besonders unserer Verstorbenen gedenken. Heute, an Allerheiligen, geht es um die Heiligen und um die Hoffnung, dass Menschen bei Gott angekommen sind.Und vielleicht finde ich gerade deshalb diese beiden Tage direkt hintereinander auch schön.Erst die Hoffnung. Dann die Trauer.Denn ich finde: Traurig sein und trauern sind nicht dasselbe.Trauern ist für mich ein Akt der Liebe. Trauern ist nicht nur ein Zustand. Trauern ist auch etwas, das wir tun. Weil da jemand oder etwas war, das uns so wichtig gewesen ist, weil sein Fehlen eine Lücke hinterlässt.Vielleicht ist Trauer deshalb für mich ein bisschen wie eine warme Kuscheldecke an einem grauen Novembertag.Ich darf mich darin einwickeln. Sie schützt. Sie schirmt mich ab. Sie hält mir die Welt auch mal ein bisschen vom Leib.Und ich glaube nicht, dass es darum geht, irgendwann alle Kuscheldecken wegzuwerfen und nur noch sehnsüchtig auf den Sommer zu warten.So wie ich als Kind an meinem Geburtstag. Ich hätte so gerne einmal wie meine Schwester im Mai eine Grillparty gefeiert.Nein. Vielleicht geht es darum, zu spüren, wann ich die Decke brauche. Wann sie mich wärmt und schützt. Aber auch, wann ich sie ein bisschen lüften muss. Wann wieder Licht darunter darf. Und wann sie vielleicht so schwer wird, dass ich jemanden brauche, der mir hilft, sie ein Stück anzuheben.Vielleicht ist es deshalb gar nicht so schlecht, dass der November mit Allerheiligen und Allerseelen beginnt.Mit Hoffnung und mit Trauer.Denn Trauer hält fest, was wir in dieser Welt verloren haben. Und Allerheiligen erinnert mich daran, dass ich darauf hoffen darf, dass das, was ich hier vermisse, bei Gott nicht verloren ist.Vielleicht ist der November also doch gar nicht der blödeste Monat.Auch nicht zum Geburtstaghaben.