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MDR KULTUR trifft: Menschen von hier

Mitteldeutscher Rundfunk

Jede Woche stellen wir einen interessanten Menschen vor, der sich dem kulturellen Leben in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen besonders verpflichtet hat. Unsere Gäste geben Einblicke in ihr privates Leben und stellen ihre Arbeit vor.

  • 20 episodes
  • Updated August 1

Episodes20

  • August 1 · 46 min

    MDR KULTUR trifft Dirk Messner

    Er sei ein notorischer Nachhaltigkeitstransformationsoptimist, sagt Dirk Messner, der Präsident des Umweltbundesamtes. Derzeit durchaus im Steßzustand, fügt er an. Wegen der Wirtschaftskrise würde häufig beim Klima- und Umweltschutz gekürzt. Das sei nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch fatal. Auch jüngste Ergebnisse aus der Studienreihe „Zukunft? Jugend fragen!“ des Umweltbundesamtes weisen auf, daß der Umwelt- und Klimaschutz bei den 14- bis 22-Jährigen in Deutschland weiter an Bedeutung verliert. Der Anteil der jungen Menschen, die das Thema als sehr wichtig einstufen, ist seit 2021 von 50 auf 30 Prozent gesunken. Das politische Interesse aber ist insgesamt hoch. 88 Prozent der Befragten ist es sehr wichtig in einer Demokratie zu leben. Dirk Messner glaubt fest daran, daß man Dinge zum Besseren wenden kann und auf die Frage nach der Lebensmaxime antwortet er: „Kooperation ist die Mutter der menschlichen Zivilisationsgeschichte“. In einer Diskussion jüngst im historischen Bauhausgebäude in Dessau unter der Fragestellung „Kultur - Fundament der Demokratie?“, organisiert vom Deutschen Kulturrat, der Stiftung Bauhaus Dessau und dem Umweltbundesamt, führte Dirk Messner u.a. aus, daß es beispielsweise bei Veränderungsprozessen zur Klimaneutralität wichtig sei, Kulturschaffende für dieses Thema zu mobilisieren. Kultur helfe die Welt in ihrer Diversität zu verstehen. Die Lösung der Umweltfrage sei nicht nur Technologie, nicht nur Ökonomie, sondern habe auch mit einem kulturellen Wandel zu tun. In Bünde, in Nordrhein-Westfalen wurde Dirk Messner 1962 geboren. Von 1982 bis 1988 studierte er Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin und der Sogang University in Seoul. Ab 1989 arbeitete er am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in West-Berlin, Abteilung Industrialisierung und Schwellenländer mit dem Schwerpunkt Lateinamerika. 1995 wurde er an der FU Berlin bei Elmar Altvater „summa cum laude“ promoviert. 1995 bis 2002 war Dirk Messner wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für Entwicklung und Frieden an der Universität Duisburg-Essen. 2002 habilitierte er sich an der FU Berlin und hatte anschließend eine Professur für Internationale politische Ökonomie am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilins-Universität München inne. Von 2003 bis 2018 war Dirk Messner Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik und ist seit 2006 außerplanmäßiger Professor für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. Von 2018 bis 2019 war er Direktor des Instituts für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen in Bonn und Vize-Rektor der United Nations University. Von 2004 bis 2019 wirkte Dirk Messner u.a. als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, ab 2009 als stellvertretender Vorsitzender, ab 2013 als Co-Vorsitzender. Moderation Carsten Tesch Redaktion: Angelika Zapf

  • July 25 · 38 min

    MDR KULTUR trifft David Pruß

    Mit 26 Jahren wurde David Pruß 2021 jüngster Leiter eines Zoologischen Gartens in Deutschland und trug in Hof in Bayern Verantwortung für rund 500 Tiere. Seit Juli 2025 hat David Pruß die Leitung des Magdeburger Zoos inne. Der ist an die 20 Hektar groß und beherbergt an die 700 Tiere und 177 Arten. Im vergangenen Jahr wurde unter dem Motto „Wild, wundervoll, wegweisend“ 75jähriges Jubiläum gefeiert. Historisch machte sich der Zoo Magdeburg wegen seiner Spitzmaulnashornzucht einen Namen. Aus Artenschutz- und Naturschutzgründen sind es bis heute wichtige Tiere im Bestand des Zoos Magdeburg. Er unterstützt den Erhalt bedrohter Arten durch seine Beteiligung an Zucht- und Auswilderungsprogrammen. Mit dem „Artenschutz-Euro“ möchte er mit den Besuchern des Zoos zusammen verstärkt Artenschutzprojekte im natürlichen Lebensraum weltweit und vor Ort fördern. Künftig soll zudem verstärkt auf Citizen Conversation gesetzt werden, also Zuchtbücher für Amphibien, bei denen Zoos mit Museen und auch Privathaushalten zusammenarbeiten. Zudem ist ein Ausbau der Kooperationen mit Universitäten geplant, um den Zoo als Plattform für angewandte Artenschutzforschung zu etablieren. Der Tiermediziner, Zoologe, Tierschützer und Verhaltensforscher Bernhard Grzimek ist David Pruß ein wichtiges Vorbild. Als Forscher und als Praktiker hat er gezeigt, daß Engagement für Tiere und Umwelt immer auch ein Engagement für die kommende Generation ist, führt David Pruß aus. „Sein Vermächtnis lebt in jedem verantwortungsvollen Schritt weiter, den wir im Zoo gehen, und in meiner eigenen Überzeugung, durch Bildung, Forschung und gelebten Artenschutz etwas zum Guten zu verändern.“ Für die langfristigen Pläne von David Pruß für den Magdeburger Zoo wurden von der Stadt 300.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie bereitgestellt. Wichtigste Themen seines Masterplans drehen sich um die Fragen der Infrastruktur: Energie, Wärme, Logistik, Futterwege. In den Sommerferien wird im Zoo Magdeburg der Internationale Tag des Naturschutzes gefeiert, mit Klang & und Kulinarik gibt es einen Abend voller Genuß im Zoo, Kinder zwischen 6 und 8 Jahren können einen Haustierführerschein machen und ältere Kinder sich auf die Spuren der Zootierhaltung begeben. Zudem wird es im August sehr emotional im Zoo Magdeburg. Die Elefantenkuh Sweni steht kurz vor der Geburt. Im Rheinland wurde David Pruß vor 31 Jahren geboren. Dort wuchs er auf. Um die zehn Jahre alt war er wohl, als er das erste Mal „Serengeti darf nicht sterben“ von Bernhard Grzimek in den Händen hielt. Mit diesem Buch und seiner Liebe zu Tieren reifte der Wunsch einmal im Zoo zu arbeiten. David Pruß studierte Veterinärmedizin in Hannover, absolvierte ein Praktikumsjahr in Thailand und wurde nach Rückkehr und noch während des Schreibens seiner Diplomarbeit im Jahr 2021 Zoo-Direktor in Hof. Moderation Julia Hemmerling Redaktion: Angelika Zapf

  • July 20 · 42 min

    MDR KULTUR trifft Jacob Strobel

    Zusammen mit seiner Frau Martha Strobel kuratierte Jacob Strobel, Professor für Holzgestaltung, Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg, die Ausstellung „Der ungesehene Designklassiker“ im Industriemuseums Chemnitz. Sogar ein Film mit dem nüchternen Titel „Stuhl EW 1192“ entstand rund um das beliebte Sitzmöbel und wurde begleitend zur Ausstellung gezeigt. Die Geschichte dahinter: Dem Möbeldesigner Jacob Strobel, in Würzburg geboren und einst Student in Schneeberg, fiel im Laufe der Jahre immer wieder ein bestimmter Küchenstuhl in die Hände, der ihn faszinierte Minimalistische Form, erinnernd an skandinavisches Design, hoher Sitzkomfort. Er stand in nahezu jeder Küche im Osten Deutschlands, doch keiner wußte woher er kam, wer ihn entworfen hatte. Nach vielen Jahren als Designer und Produktmanager in Österreich, auf internationalen Möbelmessen präsent und mit eigenen preisgekrönten Stuhlentwürfen versehen, kehrte Jacob Strobel 2015 als Professor für Holzgestaltung an die Fakultät Angewandte Kunst nach Schneeberg zurück und stieß erneut auf den Küchenstuhl EW 1192, der ihm noch immer außerordentlich gefiel. Er begann zu forschen und bat „Freie Presse“ - Leser um Mithilfe. Sein Email-Fach quoll in kürzester Zeit über, viele rührende Erzählungen kamen zutage. Im Stuhlmuseum im sächsischen Rabenau fanden sich zudem Unterlagen die bezeugten, daß der Vierbeiner aus dem Entwurfsbüro Waldheim stammt. Von 1954 bis 1989 wurden dort Sitz- und Polstermöbel für die industrielle Fertigung entworfen. Prägender Kopf war der Formgestalter Horst Heyder, einer der bedeutendsten Möbel-Designer der DDR. Ihm und seinem Kollektiv wird der Entwurf des am meisten gekauften und genutzten Küchenstuhls von einst zugeschrieben und der nun eine Renaissance erfährt. Jacob Strobel hatte selbst einst eine Vision von einem Stuhl: Ein Lounge-Chair ohne Polster, der flexibel sein sollte, einen Komfort besitzen, den man nicht sehen, aber spüren sollte. Der Stuhl „lux“ wurde der Abschluß seiner Diplom-Arbeit und Beginn seines Berufseinstiegs. In Würzburg wurde Jacob Strobel 1978 geboren. Von 1999 bis 2002 absolvierte er eine Ausbildung zum Schreiner/ Tischler bei seinem Onkel in der Schreinerei Strobel. Von 2002 bis 2007 nahm er ein Studium der Holzgestaltung an der Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg auf. 2004 studierte er ein Jahr an der Gray`s School Of Art in Aberdeen an der schottischen Nordseeküste 3D Design und nahm anschließend eine Assistenz im Studio Christian Haas auf. Von 2007 bis 2008 war Jacob Strobel Designer und Produktmanager von TEAM 7 in Österreich und von 2008 bis 2015 dort Head of Design. Anschließend und bis heute ist er freischaffender Möbeldesigner. Er erhielt jeweils mehrfach den Red Dot Design Award, den Designerpreis der Bundesrepublik nominee, den German Design Award nominee und den Interior Innovation Award. Moderation Ellen Schweda Redaktion: Angelika Zapf

  • July 11 · 46 min

    MDR KULTUR trifft Katharina Germo

    Katharina Germo, geboren in Halle, bringt langjährige Co-Leitungs-, Theater- und Theaterfestivalerfahrungen aus der Schweiz mit. Juliane Hahn, geboren in Friedrichroda in Thüringen, arbeitete von 2020 bis 2024 in Zürich, wo sie Co-Leiterin des Theaterhauses Gessnerallee war. Vom 21.08. bis 06.09. präsentieren sie ein internationales Programm der Gegenwartskünste aus Theater, Tanz, Performance, Musik, Film, Literatur und Bildender Kunst. Neben etablierten Kulturorten werden auch öffentliche Räume in Weimar und in der Region bespielt. Erstmals gibt es mit dem Lichthaus wieder ein Festivalzentrum als zentralen Ort des Festivals. Eröffnet wird das Kunstfest Weimar am 21.08. mir der Open-Air-Performance „RoZeO“ der französischen Kompanie Gratte Ciel im Ilmpark. Artistinnen und Artisten werden auf sechs Meter hohen biegsamen Stangen über der Landschaft schweben. Auf der Festwiese Apolda kommt am selben Abend das außergewöhnliche Konzertprojet „Soundtrack for Midnight TAMURO“ von Masamitsu Araki zur Aufführung. Inspiriert von Erinnerungen des Künstlers an das Aufwachsen im ländlichen Raum Japans und von der Begegnung mit der Thüringer Autotuning-Szene entstand eine Suite für ein Ensemble von Fahrzeugen mit getunten Soundanlagen. 1990 wurde das Kunstfest Weimar als eine der ersten gemeinsamen Kulturinitiativen im wiedervereinigten Deutschland gegründet. Es widmete sich zunächst Persönlichkeiten wie Goethe, Schiller, Bach und Liszt und die Einnahmen flossen in die Restaurierung der Kulturdenkmäler Weimars. Als inzwischen internationales Festival der Gegenwartskünste soll mit der diesjährigen Ausgabe die lebendige, verbindende Kraft künstlerischen Schaffens gefeiert werden und Räume für Begegnungen und gemeinsam geteiltes Erleben. In Halle an der Saale kam Katharina Germo 1991 zur Welt. In Hildesheim studierte sie von 2010 bis 2015 Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis mit dem Schwerpunkt Theater und Literatur, welches einen viermonatigen Studienaufenthalt an der Université Aix-Marseille im Fach Szenische Künste enthielt. Von 2015 bis 2019 absolvierte Katharina Germo dem Masterstudiengang Theater mit Vertiefung Dramaturgie an der Zürcher Hochschule der Künste. Sie arbeitete als freischaffende Dramaturgin für freie Tanz- und Theaterproduktionen, übernahm Mentoring und Gesprächsmoderationen, war von 2016 bis 2022 Programmdramaturgin am Theater ROXY Birsfelden und arbeitet 2019 bis 2024 in der Programmgruppe des Theaterfestival Basel. Von 2023 bis 2025 hatte sie die Co-Leitung im Fabriktheater Rote Fabrik Zürich inne. Seit 2020 war sie in zahlreichen Jurys und Kommissionen in Deutschland und der Schweiz vertreten. Ihre letzte eigene künstlerische Arbeit trug den Titel „What We Know“, eine Installation im öffentlichen Raum für das About Us! Festival Zürich. Moderation Carsten Tesch Redaktion: Angelika Zapf

  • July 4 · 46 min

    MDR KULTUR trifft Hanna Henke

    Für Hanna Henke, Anfang 30 und zweifache Mutter, ist es vor allem ein Lebensraum. In dem gibt es Probleme, aber auch Chancen und Offenheit. Landesweit ringt die Kirche mit einem Mitgliederschwund, jedoch Hanna Henke möchte Kirche in diesem Viertel gestalten, da wo viele Menschen zunächst gar keinen Zugang zu Kirche oder Religion haben. Sie initiierte den Begegnungs- und Lernort „Out of the Box“, setzt sich mit Kirche und Gesellschaft auseinander, diskutiert über die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September, was Kirche hier tun kann und sollte und versucht aber auch die Kirche mit einer „feministischen Theologie“ zu erneuern. Hanna Henekes Gemeindeverband „Emmaus“ erstreckt sich über die Grenze von Halle-Neustadt hinaus, reicht bis nach Angersdorf, Niethleben und Zscherben. Insgesamt 1800 Mitglieder werden von ihr betreut. Trauungen, Beerdigungen, Predigten und Seelsorge-Gespräche gehören zu Ihrer Arbeit, aber Hanna Henke läßt auch Jugendbands in einem Schuppen auf dem Kirchgelände proben, lud in diesem Jahr das zweite Mal zum Tauffest am Heidesee unter dem Slogan „“Auftauchen, Platz nehmen, Leben“, bietet christliches Yoga an, berät Frauen, die häusliche Gewalt erlebt haben, befaßt sich mit den Frauen in der Heiligen Schrift, arbeitete an theologischer Forschung zu Sexarbeit. Für die Pfarrerin sind Feminismus und Tradition, Neues und Altes keine Widersprüche. Die Kirche ist Beides, sagt sie. 1992 geboren, wuchs die Tochter einer Fleischerfamilie in der Altstadt von Halle auf. Nach der Grundschule besuchte sie das Europagymnasium Latina August-Hermann-Francke in Halle und von 2007 bis 2011 die Landesschule Pforta bei Naumburg. 2011 begann Hanna Henke eine Ausbildung zur Krankenpflegerin an der Charité in Berlin. Sie fühlte sich jedoch zur christlichen Seelsorge hingezogen und studierte von 2012 bis 2020 Evangelische Theologie in Leipzig, Montpellier und Halle, schloß mit dem 1. Theologischen Examen ab und nahm noch ein Jahr ein Studium der Arabistik auf. 2020 bis 2023 absolvierte Hanna Henke das Vikariat in der Johannesgemeinde Halle und Diemitz und legte das 2. Theologische Examen ab. Seit April 2023 ist sie Pfarrerin im Kirchengemeindeverband Emmaus Halle. Moderation Carsten Tesch Redaktion: Angelika Zapf

  • June 27 · 44 min

    MDR KULTUR trifft Frank Martin Widmaier

    Mit der Zweier-Komödie „Romeo und Julia an der Jukebox“ und der großen Produktion „Cabaret“, einem Musical über das Berlin der 1920er Jahre, und in eigener Regie eröffnete Frank Martin Widmaier die erste Spielzeit. Hausautor Kai O. Schubert entwickelte den Stadtspaziergang „Polizeiruf Eisleben“, bei dem die ganze Stadt zur Theaterbühne wird. Für Kinder gab es die Stücke „Das kalte Herz“ und „Was rappelt in der Kiste“ und auch der Tag des Grundgesetzes wurde am Theater begangen. Die zentrale Feier im Land Sachsen-Anhalt am 23. Mai richteten das Theater Eisleben und die Stiftung gegen Rassismus aus. Zum Ende der ersten Spielzeit inszenierte Frank Martin Widmaier „Münchhausen. Das MusiKal“. Uraufführung war am 6. Juni im Europa-Rosarium in Sangerhausen. Ein bewußtes Signal, sagt der Intendant. „Mit der Uraufführung in Sangerhausen schlagen wir eine Brücke in die Region. Wir möchten damit zeigen, daß unser Regionaltheater überall im Landkreis Mansfeld-Südharz zu Hause ist“. Am 19.06. feierte „Münchhausen. Das MusiKal“ Premiere im Theater Eisleben und kommt am 27.06. noch einmal zu Aufführung. Vor der Sommerpause gibt es dann am 4. Juli das große Theatersommerfest im Theatergarten. Für die kommenden Spielzeit sind weniger Premieren geplant, dafür aber wird eine lange vakante zehnte Stelle im Schauspiel wieder besetzt. Mit dem „NEINhorn“ von Marc-Uwe Kling für Menschen ab Vier wird die kommende Saison eröffnet. Enden soll sie mit einem Dokumentartheater über den Zusammenhang von Bergbau und Luther. Damit soll im Juni 2027 auch eine neue Probebühne eingeweiht werden. In Sindelfingen in Baden-Württemberg wurde Frank Martin Widmaier 1962 geboren. Er studierte Evangelische Theologie, Musikwissenschaft und Germanistik in Tübingen, München und den USA. Während des Studiums konzertierte Frank Martin Widmaier weltweit in der Gächinger Kantorei unter Hellmuth Rilling und wirkte in vielen Opernproduktionen der Ludwigsburger Festspiele mit. Sein erstes Festengagement erhielt er ab 1994 mit einer eigenen Inszenierung an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. 1997 wurde er Künstlerischer Produktionsleiter am Berliner Ensemble und übernahm selbige Position mit Verpflichtung zur Spielleitung an der Oper Frankfurt. Ab 1997 inszenierte Frank Martin Widmaier in Wien, Berlin, München, Frankfurt/ Main, Monte Carlo, Freiburg/ Breisgau, Montpellier und Halle/ Saale. Er arbeitete mit namhaften Regisseuren wie Götz Friedrich, Harry Kupfer, August Everding u.a. zusammen, war Meisterschüler von Ruth Berghaus. Frank Martin Widmaier erarbeitete immer wieder auch verschiedene Produktionen mit aktiv mitwirkenden Kindern und Jugendlichen, um sie an das professionelle Theater heranzuführen und übernahm Lehrtätigkeiten bei den Salzburger Festspielen in der Masterclass für Nachwuchskünstler. Moderation Karoline Knappe Redaktion: Angelika Zapf

  • June 20 · 38 min

    MDR KULTUR trifft Stefan Nolte

    Am 23. April wurde sie eröffnet, die 5. Thüringer Landesgartenschau in Leinefelde-Worbis. Der Frühjahrsflor ist bereits zugunsten einer farbenprächtigen Sommerbepflanzung gewichen. 172 Tage voller Blütenzauber, Begegnungen und besonderer Momente werden bis zum 11. Oktober in der Welt der Gartenkunst versprochen. Leinefelde-Worbis liegt im Eichsfeld, einst ein Dorf und zu Zeiten der DDR zu einem Industriestandort ausgebaut. Nun wird eine Gartenstadt entstehen. Mit dem Slogan „Aussöhnung zwischen Stadt und Landschaft“ hatte sich Leinefelde-Worbis für die Landesgartenschau 2026 beworben. Viele der Investitionen, die wir in den vergangenen Jahren tätigten, sagt Landesgartenschau-Geschäftsführer Stefan Nolte, bleiben dauerhaft bestehen: neue Grünflächen, attraktive Wegeachsen, Sport- und Freizeitangebote. Diese Infrastruktur mache die Stadt nicht nur schöner, sondern auch lebenswerter für kommende Generationen. Vielleicht kommen die jetzigen Besucher einmal wieder, als Touristen, als Fachkräfte oder gar als neue Einwohner. Stefan Nolte sieht die Landesgartenschau als Ausgangspunkt für viele weitere positive Entwicklungen in der Stadt und für die Landschaft. In Leinefelde wurde Stefan Nolte 1974 geboren, dort wuchs er auf. Nach der Schule ergriff er zunächst einen handwerklichen Beruf, absolvierte dann eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten, arbeitete bei der Stadt Leinefelde im Bauamt, nahm noch ein Studium auf, arbeitete im Wirtschaftsamtsbereich, im Bauamtsbereich und wurde schließlich Leiter des Bauamtes der Stadt Leinefelde-Worbis. Hier verantwortete Stefan Nolte zentrale Infrastruktur- und Stadtplanungsprojekte in der Region. Im Januar 2021 übernahm er die Position einer der beiden Geschäftsführer des neu gegründeten Eigenbetriebes Entwicklungsgesellschaft Landesgartenschau GmbH. Ab 2025 hatte Stefan Nolte die alleinige Leitung inne. Moderation Karoline Knappe Redaktion: Angelika Zapf

  • June 13 · 45 min

    MDR KULTUR trifft Dominik Intelmann

    Das Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex „Offener Prozess“ in Chemnitz ist der bundesweit erste Erinnerungs- und Bildungsort, der die Perspektive der Opfer von rassistischer Gewalt in den Mittelpunkt stellt. Vor 15 Jahren, am 4. November 2011 enttarnte sich die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“, kurz NSU, selbst. Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos erschossen sich, Beate Zschäpe stellt sich nach kurzer Flucht der Polizei und wurde 2018 vom Oberlandesgericht München als Mittäterin zu lebenslanger Haft bei besonderer Schwere der Schuld verurteilt. Im Herbst 2026 entscheidet sich, wie viele Restjahre sie noch verbüßen muß. Zwischen 2000 und 2007 ermordete der NSU zehn Menschen, neun davon aus rassistischen Motiven. Wie soll der NSU-Komplex aufgearbeitet, wie angemessen an die Opfer erinnert werden? Im vergangenen Jahr, am 25. Mai 2025, wurde in Chemnitz „Offener Prozess - Ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex in Sachsen“ eröffnet, um diesen Fragen nachzugehen. Neben einer umfangreichen Ausstellung werden Filmreihen, Lesungen, Vorträge und Workshops angeboten. Im Rahmen sogenannter „Critical Walks“ können Besucher soziale und politische Räume erkunden, in denen rechte Dominanz damals ungestört wirken und der NSU unentdeckt agieren konnte. Dominik Intelmann, der den Forschungsbereich verantwortet, versucht in einem Oral History Projekt zu den sogenannten Baseballschlägerjahren noch einmal die langen Linien, die rechtsautoritäre Dynamik in Chemnitz und Umgebung nachzuzeichnen, um zu rekonstruieren, wie es zu den NSU-Morden kommen konnte. Seit Ende Mai läuft eine neue Studie. Der Begriff Baseballschlägerjahre beschreibt den extremen Anstieg rechter, rassistischer Gewalt in den 1990er-Jahren. Das Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex „Offener Prozess“ in Chemnitz kooperiert mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus ganz Deutschland. Eine enge Zusammenarbeit gibt es mit der TU Chemnitz. Ein zugängliches Archiv soll aufgebaut werden, daß gezielt die Lücken der offiziellen Erinnerungskultur füllt und den Fokus auf die reale Erfahrung von Betroffenen rechter Gewalt in Südwestsachsen legt. Der Bundestag hat die Förderung des Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex „Offener Prozess“ in Chemnitz für das Jahr 2026 mit Haushaltsmitteln in Höhe von 1,2 Millionen Euro bewilligt. Eine langfristige Finanzierung ab dem kommenden Jahr noch vage. In Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, wurde Dominik Intelmann 1981 geboren. Nach dem Abitur studierte er bis 2011 Philosophie an der TU Chemnitz und bis 2017 Humangeographie an der Goethe-Universität Frankfurt/ Main. Derzeit arbeitet Dominik Intelmann an seiner Promotion zu den Themen: Orte des Kontrollverlustes, Orte der Handlungsfähigkeit: Zur Geographie von Subjektivierungsformen am Beispiel von Chemnitz und Leipzig. Moderation Karoline Knappe Redaktion: Angelika Zapf

  • June 6 · 48 min

    MDR KULTUR trifft Christoph Dittrich

    Christoph Dittrich, Generalintendant der Städtischen Theater Chemnitz, hatte 2015 die Idee, dass Chemnitz sich als Kulturhauptstadt 2025 bewerben sollte, saß später in den vorbereitenden Gremien und war zwei Jahre Interimsgeschäftsführer der Kulturhauptstadt GmbH. 2021 übernahm Stefan Schmidtke. Zusammen gebaren sie bereits damals die Idee sich für die Ausrichtung des Festivals „Theater der Welt“ im Jahr 2026 zu bewerben. Vom 18. Juni bis 05. Juli nun findet es statt, ausgerichtet von den Theatern Chemnitz, der Festival Academy Brüssel und der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 GmbH. Deutschlands größtes internationales Festival für zeitgenössische Bühnenkunst wird seit 1981 alle drei Jahre in einer anderen Stadt ausgetragen. An 18 Festivaltagen werden in diesem Jahr in Chemnitz 33 Produktionen von Künstlerinnen und Künstlern aus allen Kontinenten zur Aufführung kommen. Erstmals in der Geschichte des Festivals teilte sich ein neunköpfiges internationales Kuratoren-Team die künstlerische Leitung. Fragen von Identität, Herkunft, Machtverhältnissen und Sichtbarkeit ziehen sich durch zahlreiche Produktionen. Eröffnet wird das Festival am 18. Juni mit „Paper Planet“ des australischen „Polyglot Theatre“ und mit der europäischen Erstaufführung von „Split Tooth: Saputjiji“ von der kanadischen Künstlerin Tanya Tagaq. In Dresden wurde Christoph Dittrich 1966 geboren. Bereits während der Schulzeit erhielt er einen Instrumental-. Gesangs- und Chorleiter-Ausbildung. Von 1986 bis 1991 studierte er an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden Tuba, Gesang und Musikpädagogik. Zudem nahm er Kammermusik-Unterricht in der Meisterklasse von Prof. Ludwig Güttler. 1987 gründete Christoph Dittrich das Blechbläser-Ensemble „Dresden Brass Quintet“, mit dem er zahlreiche Konzert gab, Festivals besuchte und CDs aufnahm. Von 1991 bis 2002 war er Musiker und dramaturgischer Mitarbeiter der Elbland Philharmonie Sachsen und von 2002 bis 2012 deren geschäftsführender Intendant. Ab 2006 gab es eine Zusammenarbeit mit dem Theater Junge Generation Dresden. Christoph Dittrich hielt zudem Gastvorlesungen an der TU Dresden und der Dresden International University und promovierte 2008 im Bereich Musikwissenschaften zu Komponisten der 1960er bis 1980er Jahre. Im gleichen Jahr übernahm er die Leitung der Meissner Burgfestspiele. Mit der Spielzeit 2013/2014 wurde Christoph Dittrich Generalintendant der Städtischen Theater Chemnitz. Er ist über diese Tätigkeit hinaus Vorstandsmitglied des Landesverbandes Sachsen des Deutschen Bühnenvereins, den er von 2010 bis 2019 als Vorsitzender führte. 2020 wurde Christoph Dittrich zum Präsidenten der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gewählt. Moderation: Carsten Tesch Redaktion: Angelika Zapf

  • May 30 · 46 min

    MDR KULTUR trifft Tupoka Ogette

    Tupoka Ogette erzählt vom Aufwachsen in der DDR als Schwarze Tochter einer Regimekritikerin, die 1988 mit der Tochter nach West-Berlin übersiedelte, vom tansanischen Vater, der die DDR zuvor verlassen mußte und in seine Heimat zurückkehrte, von der Suche nach Zugehörigkeit, von einem Leben im Widerspruch, von Flucht, Verlust, Sexismus und Gewalt, aber auch von Liebe, Mutterschaft und Selbstermächtigung. „Meinen Zweitnamen Sibylle habe ich so oft es ging verheimlicht. Ich habe der Geschichte und den damit einhergehenden Zuschreibungen und Projektionen, die andere über mich und meinen Namen hatten, mehr Glauben geschenkt als mir selbst. Diese Zeit ist vorbei.“, schreibt Tupoka Ogette in „Trotzdem zuhause“ und fährt fort, „Tupoka heißt auf Deutsch „Die das Glück ins Haus bringt“. Die Sibyllen sind mythologische Gestalten aus der antiken griechischen und römischen Tradition, die als Prophetinnen oder Seherinnen galten. … Ich bin die Tochter von Camilla aus Gera und Ambonesigwe aus Sange. Ich bin Tupoka Sibylle. Ich bin ein Brückenmensch. Das ist doch was“. Tupoka Ogette wurde 1980 in Leipzig als Tochter eines tansanischen Studenten der Landwirtschaft und einer deutschen Mathematikstudentin geboren. In West-Berlin lebte Tupoka Ogette bis zum Abitur. An der Universität Leipzig studierte sie Afrikanistik mit Schwerpunkt Politik und Wirtschaft Afrikas, sowie Deutsch als Fremdsprache und absolvierte 2007 bis 2009 einen Master in International Business an der Graduate School of Grenoble. Von 2008 bis 2012 arbeitete Tupoka Ogette als Lektorin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an der Université Stendhal in Grenoble. Seit 2012 ist Tupoka Ogette bundesweit als Beraterin und Trainerin im Bereich Rassismuskritik tätig, leitet in Deutschland, Österreich und in der Schweiz Workshops und Fortbildungen, berät Teams und Organisationen. 2017 erschienen ihr Handbuch „exit RACISM“. Rassismuskritisch denken lernen.“ In ihrem podcast „TUPODCAST“ spricht sie mit Schwarzen Frauen über ihr Leben, Wirken und Sein in Deutschland. Zudem gründete sie mit ihrem Team die digitale Akademie „Tupokademie. Die Community“, ein Angebot für Menschen, die rassimuskritisch denken und leben lernen möchten. Tupoka Ogette lebt mit ihrem Mann, dem Künstler und Bildhauer Stephen Lawson, und ihren Kindern in Berlin. Im Penguin-Verlag erschienen zudem die Bücher „Und jetzt du. Rassismuskritisch leben“ und „Tag für Tag aktiv gegen Rassismus“. Moderation Julia Hemmerling Redaktion: Angelika Zapf

  • May 23 · 40 min

    MDR KULTUR trifft Maria Fagerlund

    Über 260 Lesungen laden zum Zuhören auf historischen Plätzen ein, in verträumte Gassen und in romantische Höfe. Zudem wird auf fünf Open-Air-Bühnen und an 35 Veranstaltungsorten wie Kirchen, Ateliers, Cafés, Seniorenresidenzen oder Vereinen ein vielfältiges Literaturprogramm geboten. Zu den diesjährigen Gästen gehören Martina Hefter, die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2024, sowie die Schriftsteller und Schriftstellerinnen Jan Kuhlbrodt, Anja Kampmann, Jens Sparschuh, sowie die 81jährige Stilikone Günther Krabbenhöft. Im Rathaus der Stadt wird Irina Scherbakowa mit Aktuellem aus Osteuropa erwartet. Geplant und organisiert wird das Literaturfestival Meißen von Maria Fagerlund und Daniel Bahrmann in Zusammenarbeit mit zahlreichen Vereinen, Institution und Bürgern der Stadt. Das Literaturfest Meißen wird komplett ehrenamtlich vom veranstaltenden Verein organisiert, wie auch von den 35 Leseorten. MDR Kultur hat sich im Rahmen des ARD-Schwerpunktes „Ehrenamt und Zusammenhalt“ eine ganze Woche lang im Radio mit Fragen und Sichtweisen zum Thema beschäftigt und wird auch Maria Fagerlund zu ihren Erfahrungen mit dem Ehrenamt befragen. Am 23. Mai 2026 feiert das Grundgesetz Geburtstag. Demokratie lebt von Menschen, die mitmachen, sagt Bundespräsident Steinmeier und hat den 23. Mai 2026 zum ersten deutschlandweiten Mitmachtag ausgerufen. In Dresden wurde Maria Fagerlund 1982 geboren, in Plauen im Vogtland wuchs sie auf. Nach dem Abitur absolvierte sie in Leipzig eine zweijährige Berufsausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch, Französischen und Italienisch, der sich ein EU-gefördertes Pflicht-Auslandspraktikum in Frankreich anschloß. Maria Fagerlund gefiel es dort so gut, daß sie nicht zurückkehrte, vier Jahre in Paris blieb und an Rezeptionen, im touristischen Bereich und an einer Sprachschule arbeitete. Die Sehnsucht nach Natur, Stille und Weite führte Maria Fagerlund nach Schweden. Da lernte sie ihren späteren Mann und Vater der gemeinsamen drei Kinder kennen. Sie zogen zusammen nach Irland und lebten drei Jahre in Dublin. 2009 ließ sich die Familie in Berlin nieder, zog dann nach Dresden und 2016 schließlich nach Meißen. Dort stieß Maria Fagerlund, die u.a. als freiberufliche Gästeführerin arbeitet, eher zufällig als Hörerin auf das Literaturfest, wurde 2019 Vorleserin auf der Kinderbühne, kam 2020 zum Organisationsteam und hat heute die Programmleitung inne. Seit 2017/ 2018 engagiert sich Maria Fagerlund zudem im Verein „Bundes Meißen“ und ist seit 2025 im Vorstand des Vereins. Moderation Ellen Schweda Redaktion: Angelika Zapf

  • May 16 · 50 min

    MDR KULTUR trifft Claudia Buder

    Das Akkordeon, ein vielseitiges Klangwunder zwischen Tradition und Moderne, wurde von den Landesmusikräten von 14 Bundesländern zum Instrument des Jahres 2026 gekürt. Es kann die Klangfülle eines ganzen Orchesters entfalten, aber auch sanft und leise Emotionen, Rhythmus und Harmonie vereinen. In Wien wurde 1829 das erste Akkordeon von dem Instrumentenbauer Cyrill Demian und seinen Söhnen patentiert. Im Laufe der Zeit und seiner Verbreitung in der Welt erhielt es die mundartlichen Beinamen Quetschkommode, Schifferklavier, Schweineorgel, Leninraupe oder Zerrwanst. In Weimar, an der Hochschule Franz Liszt, wird Akkordeon seit 1949 unterrichtet. Die in Leipzig geborene Akkordeonistin Claudia Buder erhielt nach langer Lehrtätigkeit dort 2018 eine Professur für Akkordeon. Sie selbst studierte einst an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar und nach der politischen Wende 1989/ 90 an der Folkwang Universität der Künste Essen, schloß mit zwei Diplomen und dem Konzertexamen ab. Mit sieben Jahren hatte sie begonnen sich dem Instrument zu nähern, da die Mutter es spielte. Jedoch, es war eine Annäherung mit nur wenig Enthusiasmus für das Instrument. Erst mit dem ersten Preis beim Internationalen Akkordeonwettbewerb in Klingenthal weckte es in Claudia Buder Leidenschaft und Begeisterung, wurde es das Instrument ihres Lebens. Claudia Buder wurde mehrfach Preisträgerin verschiedener nationaler und internationaler Wettbewerbe, u.a. im Jahr 1994 erste Preisträgerin des III. Interpretationswettbewerbes für Musik des 20. Jahrhunderts. Eine facettenreiche Ausbildung erwarb sie an unterschiedlichen Bildungsstätten. Internationale Lehraufträge führten sie später nach Finnland an die Fachhochschule Turku, in die Slowakei an die Universität Prešov und in die Niederlande an die Musikschule ARTEZ Enschede. Die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, insbesondere am Musikgymnasium Schloß Belvedere ist Claudia Buder ein wichtiges Anliegen. Neben Meisterkursen leitet sie auch Förderkurse auf internationaler Ebene. Mit dem Wintersemester 2009 eröffnete sie die Fachrichtung Akkordeon an der Hochschule für Musik in Münster. Claudia Buder selbst spielt bis heute in unterschiedlichsten Besetzungen im kammermusikalischen Bereich. Zahlreiche Konzerte erschienen auf CD. Engagements im In- und Ausland führten sie auch mit größeren Ensembles wie dem Ensemble Ascolta, dem Ensemble Modern und dem Ensemble Resonanz zusammen. Claudia Buder übernahm den Akkordeonpart bei der Uraufführung der Oper „Emilia Galotti“ von Marijn Simons, der deutschen Erstaufführung der neu instrumentierten Fassung von Alban Bergs Oper „Lulu“, der deutschen Erstaufführung der Oper „Les Boulingrins“ von Georges Asperghis sowie der Kammeroper „Powder Her Face“ von Thomas Adès. Als Solistin war Claudia Buder u.a. zu Gast bei Amsterdam Sinfonietta, der Königlichen Philharmonie Stockholm, den Wiener Philharmonikern und arbeitete mit Dirigenten wie George Alexander Albrecht, Kent Nagano, Andris Nelsons und Jonathan Stockhammer zusammen. 2016 spielte sie kammermusikalisch wie auch solistisch bei den BBC Proms mit dem BBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Sakari Oramo. In Zusammenarbeit mit den Komponisten HK Gruber, Georg Katzer, Steffen Schleiermacher, sowie mit den Komponistinnen Rebecca Saunders und Annette Schlünz brachte Claudia Buder zahlreiche Werke zur Uraufführung. Moderation Carsten Tesch Redaktion: Angelika Zapf

  • May 9 · 44 min

    MDR KULTUR trifft Raymonde Will

    Am 10. Mai war Muttertag und am 15. Mai ist der Internationale Tag der Familie, der seit 1993 von den Vereinten Nationen ausgerufen wird. Dieser Tag soll die Bedeutung von Familien als grundlegende Einheit der Gesellschaft betonen und auf verschiedene familienbezogene Themen aufmerksam machen: 2026 auf „Familien, Ungleichheiten und Kinderwohlbefinden“. Raymonde Will hat 1990 in Leipzig den ersten Mütterzentrum e.V. in Ostdeutschland mitbegründet. Seit 1992 ist er als freier Träger der Jugendhilfe anerkannt und auf dem Gebiet der Familienbildung tätig. 1994 bereits konnte er in Leipzig auf drei Zentren und das Vierte kurz vor Eröffnung verweisen. Nach diesem Vorbild entstanden Mütterzentren in Pirna, Zwickau, Sangerhausen und anderen ostdeutschen Städten. Während einer großen Tagung „Mütterzentren in den neuen Bundesländern“ konnte der Leipziger Verein im selben Jahr Vertreter von Jugendämtern, Gleichstellungsbeauftragten, Vereinen, Mütter- und Familienzentren, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen ins Gespräch bringen. Bereits ein Jahr später gab es im Osten Deutschlands 17 Mütterzentren und 20 Familienzentren und sie wuchsen zu einem Modell-Projekt für die gesamte Bundesrepublik. Raymonde Will übernahm 2010 die Geschäftsführung des Vereins Mütterzentrum Leipzig. 36 Jahre nach Gründung und mit gesellschaftlichen Veränderungen, neuen Lebensrealitäten von Frauen nach dem politischen Umbruch 1989/ 90, dem Aufeinandertreffen von Frauenbewegungen in Ost- und Westdeutschland im geeinten Land, sowie einer sich gesamtdeutsch wandelnden Familienkultur in den letzten Jahrzehnten, fand im Februar 2026 eine Namensänderung statt. Der Mütterzentrum e.V. heißt fortan Familie im Zentrum e.V. - FiZ Leipzig. Ende März 2026 übergab Raymonde Will die Geschäftsführung an die jüngere Generation und ist seit dem 1. April nur noch beratend tätig. Am 09.11.1960 in Gotha geboren, wuchs Raymonde Will die ersten zehn Jahre in Thüringen auf, danach im Erzgebirge. An der Universität Leipzig ließ sie sich zur Diplom-Lehrerin für Erwachsenenbildung ausbilden. Von 1989 bis 1991 arbeitete Raymonde Will als Lektorin beim Leipziger Reclam-Verlag. Als die Mutter zweier kleinen Töchter ihre Arbeit verlor wurde sie 1990 Mitgründerin des Vereins Mütterzentrum Leipzig. Sie sammelte in den Folgejahren Erfahrung in der Konzipierung, Finanzierung, Durchführung und Leitung von größeren Projekten im sozialen Bereich, u.a. einem Bundesmodellprojekt von 1992 bis 1995. Auch begleitete Raymonde Will von 2002 bis 2004 die Sanierung zweier Gründerzeithäuser für das Projekt „Treffpunkt Linde - Mütterzentrum und Kindergarten unter einem Dach“ in Leipzig/ Plagwitz und übernahm von 2004 bis 2010 die Projektleitung im „Treffpunkt Linde“. Ab Juni 2010 war sie Geschäftsführerin des Vereins Mütterzentrum Leipzig. Heute ist er Träger von fünf Familienzentren in den Leipziger Stadtteilen Grünau, Mockau, Paunsdorf, Plagwitz und Thekla, von drei Kindertagestätten in den Stadtteilen Lindenau, Paunsdorf und Plagwitz, einer Kindertagespflegevermittlung, sowie der Upcyclingwerkstatt Restlos. Ihre über 35 Jahren währenden Erfahrungen in Teamarbeit, Konfliktmanagement, Gesprächsführung, Seminarleitung, Einzel- und Gruppenberatung, Moderation, Projektentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit übergab Raymonde Will zum 1. April 2026 in einem lang vorbereiteten Prozeß an ihre Nachfolgerin. Moderation Carsten Tesch Redaktion: Angelika Zapf

  • May 2 · 46 min

    MDR KULTUR trifft... Stefanie Eckert

    1946 wurde die Deutsche Film AG gegründet. Die dort produzierten und vom Staat finanziell geförderten Filme waren eng mit den politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen der DDR verbunden. Doch die DEFA war stets mehr als nur ein Propagandainstitut, so der verstorbene Filmhistoriker, von bis 2020 Vorstand der DEFA-Stiftung, Ralf Schenk. Sie sei in ihren besten Zeiten und Filmen ein Seismograph der Wirklichkeit gewesen. Seit 1955 gehörte auch das Studio für Trickfilme in Dresden zur DEFA. Die 1998 gegründete DEFA-Stiftung bewahrt den an die 12.000 Produktionen umfassenden DEFA-Filmstock als wesentlichen Teil des deutschen Filmerbes und bereitet ihn für Kino- und Fernsehausstrahlungen auf, sowie zur Verbreitung auf DVD, Bluray oder als Stream. Auf dem YouTube Channel DEFA Filmwelt präsentiert sie eine Auswahl von Spiel-, Dokumentar- und Trickfilmen aus dem reichen Bestand der DDR-Kinoproduktionen, darunter sind auch bislang unveröffentlichte, bzw. nicht mehr auf DVD erhältliche Titel. Viele davon werden in neuer Digitalisierung präsentiert. Die Berliner Medienwissenschaftlerin Stefanie Eckert übernahm 2020 Vorstand der DEFA-Stiftung. Seit 2001 bereits war sie bei der DEFA beschäftigt. Im Jubiläumsjahr 2026 nun freut sich Stefanie Eckert besonders diese Einladung auszusprechen zu können: „80 Jahre DEFA: Feiern Sie mit uns das Filmerbe - lizenzfrei!“. Vom 14. bis 17. Mai können deutschlandweit alle Kinobetreiberinnen und Kinobetreiber alle DEFA-Produktionen, die im Rahmen des Förderprogramms Filmerbe digitalisiert wurden, ohne Leih- und Lizenzgebühren im Kino zeigen. 1980 in Ost-Berlin geboren, machte Stefanie Eckert 1998 nach einem einjährigen Aufenthalt ihren Highschoolabschluß in Minneapolis, Minnesota/ USA, beendete 2000 das Gymnasium mit Abitur in Berlin und studierte Kulturwissenschaft und in den Nebenfächern Amerikanistik und Betriebswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2004 bis 2006 studierte sie Audiovisuelle Medienwissenschaften an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam Babelsberg und schloß 2007 einen Fernstudiengang zur Filmkauffrau ab. Seit 2001 ist Stefanie Eckert für die DEFA-Stiftung tätig, zunächst als Praktikantin, dann als studentische Hilfskraft, anschließend Referentin des Vorstands und seit 2020 Vorstand der DEFA-Stiftung. Und, Stefanie Eckert hält noch immer an dem Jugendtraum fest, irgendwann ein eigenes Kino zu eröffnen. Moderation Thomas Bille Redaktion: Angelika Zapf

  • April 25 · 40 min

    MDR KULTUR trifft Sibylle Klug

    Sibylle Klug investiere viel ehrenamtliche Zeit in die Erarbeitung neuer Ideen für den Verband und sei mit ihrem Engagement eine herausragende Botschafterin mit einem großen Herz für den ländlichen Raum, ständig das „Wir“ im Blick behaltend, so die Geleitworte zur Auszeichnung durch Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier vom Landfrauenverband Sachsen-Anhalt. Bereits 1991 war Sibylle Klug Gründungsmitglied der Landfrauengruppe im Kreis Stendal, aus der später der Kreisverein Stendal entstand. Vom 2001 bis 2019 war sie dessen Vorsitzende. In ihrem Heimatdorf gründetet Sibylle Klug 1997 eine Ortsgruppe, der sie seither vorsteht. Von 2019 bis 2023 war sie Beisitzerin im Bundesvorstand des Deutschen Landfrauenverbandes. Rund 850 Landfrauen sind im Landfrauenverband Sachsen-Anhalt e.V. organisiert. Gemeinsam pflegen sie den Erntekronenwettbewerb zur Bewahrung alter Bräuche und Traditionen, engagieren sich in Nachhaltigkeitsprojekten zur Sensibilisierung im Umgang mit Plastik und Lebensmitteln, setzen sich für gesundes Frühstück in der Kita ein und unterhalten ein Bauernpaten-Projekt. Kurz vor dem 1. Mai kommen Frauen aus allen Generationen zum traditionellen Maikranzbinden zusammen. Die Lebensmaxime von Sibylle Klug ist: Machen! Das gilt einmal mehr 2026 in dem von der UN ausgerufenen „Internationalen Jahr der Frauen in der Land- und Forstwirtschaft“. Allein in Deutschland folgten 22 Verbände und Organisationen aus Landwirtschaft und Ländlichem Raum dem Aufruf des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimar, um Frauen sichtbarer zu machen, ihre Bedeutung für Landwirtschaft und ländliche Räume stärker ins Bewußtsein zu rücken und Dialog, Offenheit und Veränderungsbereitschaft zu fördern. In Stendal wurde Sibylle Klug 1965 geboren, in einem altmärkischen Dorf wuchs sie als Zweite von drei Töchtern auf. Ihre Eltern waren Genossenschaftsbauern. 1982 absolvierte Sibylle Klug eine Berufsausbildung zum Zootechniker/ Mechanisator mit Abitur und studierte bis 1988 an der Fachschule für Tierzucht Wernigerode. Anschließend arbeitete sie als Brigadier in der örtlichen LPG. Zusammen mit ihrem Mann baute sie nach der politischen Wende ab 1990 einen eigenen landwirtschaftlichen Familienbetrieb mit heute über 200 Milchkühen auf. Dieser wird in diesem Sommer an einen der beiden Söhne übergeben. Moderation Carsten Tesch Redaktion: Angelika Zapf

  • April 18 · 44 min

    MDR KULTUR trifft Stefan Poetzsch

    Stefan Poetzsch hielt sich 2017 für einen kurzen Lehraufenthalt an der Legon University Accra in Ghana auf, wo sein langjähriger US-amerikanischer Musikpartner, der Saxophonist und Komponist Benjamin Boone, zu dieser Zeit eine Gastprofessur inne hatte. Gemeinsam gründeten sie dort das „New Global Ensemble“, zu dem auch Aaron Bebe Sukura (Balaphon, Vocals) und Baffour Awuah Kyerematen (Percussion, Vocals) gehören. 2018 gaben sie zunächst Konzerte in Ghana, 2022 dann in Deutschland und 2023 in Johannesburg. Seit Dezember 2025 liegt nun das Debüt-Album „Dream Walking“ vom „New Global Ensemble“ vor. Stefan Poetzsch präsentiert es mit den Worten „Wir sind global, indem wir breit denken und die Schnittstellen zwischen traditioneller und künstlerischer Musik Afrikas, Europas und der USA auf kulturell sensible Weise erforschen.“ Für dieses Jahr sind zwei Konzerte in Deutschland geplant. Geboren wurde Stefan Poetzsch 1963 in Magdeburg. Dort erhielt er seine ersten musikalischen Ausbildungen, gab Konzerte und war als Theatermusiker engagiert. Nach Auftrittsverbot und einem Jahr politischer Inhaftierung in Gefängnissen der Staatssicherheit in Magdeburg und Naumburg wurde er 1985 in die Bundesrepublik abgeschoben. Seine Haft verarbeitete Stefan Poetzsch u.a. in der Text/ Klang-Produktion „unnötig“, die er zusammen mit der Tänzerin Bettina Essaka und dem chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu in einer Performance über staatliche Repression und Verfolgung in der DDR und in China beim 33. Erlanger Poetenfest 2013 zeigte und die bis heute im Internet zu sehen ist. Im vergangenen Jahr war Stefan Poetzsch im Politischen Bildungsforum Sachsen-Anhalt der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema „Jugendsubkulturen und die Sicherheitsorgane der DDR: Zwischen Unverständnis und Dämonisierung“ geladen und ist gelegentlich Gast bei Zeitzeugengesprächen in Magdeburg. Seit 1985 lebt Stefan Poetzsch in Erlangen, arbeitet als Komponist und Musiker für Theater und Tanz, gibt Konzerte, arbeitet als freiberuflicher Lehrer für Violine und Viola. Seit 1990 realisiert er mit der Choreographin und Tänzerin Bettina Essaka Tanzproduktionen aus konkretem Tanz, Choreographie, Musik, Komposition und Liveelektronik. Aufführungen, Konzerte und CD-Produktionen führten sie quer durch Europa, verschiedene Länder Afrikas und in die USA. Als zeitweiliges Mitglied des Leipziger Barockorchesters gründete er im Jahr 2000 parallel das Stefan Poetzsch Ensemble, welches bis heute in wechselnden Kammermusikbesetzungen ausschließlich Poetzsch-Kompositionen spielt. Allein für den Bayerischen Rundfunk wurden bisher ca. 80 Stücke produziert, darunter zahlreiche Auftragskompositionen. 1995 und 2000 war Stefan Poetzsch Artist in Residence am Atlantic Center for the Arts in Florida/USA. Dort absolvierte er Meisterkurse bei dem Komponisten Donald Erb und dem Improvisator Cecil Taylor. 2008, 2011 und 2025 hatte Stefan Poetzsch eine Gastdozentur für Komposition und intermediale Projekte bei den California Summer Arts in Fresno/ USA, bei der es u.a. zu einer Zusammenarbeit mit dem Kronos Quartett kam. Seit 2009 hat Stefan Poetzsch ein Duo mit dem Trompeter Markus Stockhausen, welches z.T. mit Patrice Héral (dr) erweitert wurde und seit einiger Zeit als „Quan“ mit dem Schlagzeuger Christian Thomé konzertiert. Weitere regelmäßige Projekte pflegt er mit dem New Yorker Avantgarde-Gitarristen Eyal Maoz, dem kubanischen Pianisten Alberto Diaz, dem Schlagzeuger Lukas Ligeti, der Cellistin Ha-Yang Kim und dem kamerunischen Sänger und Percussionisten Njamy Sitson. Er konzertierte außerdem u.a. mit Frank Gratkowski, Guy Livingston, Barre Phillips, Hans Burgener und Martin Schütz. Moderation Julia Hemmerling Redaktion: Angelika Zapf

  • April 11 · 43 min

    MDR KULTUR trifft... Bernd Mottl

    Zehn Aufführungen sind beim Lortzing Festival in Leipzig zu erleben, darunter am 24.04. in der Musikalischen Komödie die Spieloper „Der Waffenschmied“. Die selten gespielte Revolutionsoper „Regina“ feiert am 25.04. im Opernhaus Premiere, in einer Inszenierung von Bernd Mottel. Das Gewandhausorchester wird von Constantin Trinks dirigiert. Vor fast 180 Jahren mußte Albert Lortzing Leipzig nach Unstimmigkeiten und künstlerischen Differenzen verlassen, doch seine Musik ist untrennbar mit Leipzig verbunden. In dieser Stadt lebte und arbeitete der 1801 in Berlin geborene Komponist, Librettist, Schauspieler, Sänger und Dirigent am längsten und erschuf die meisten seiner Werke, darunter acht Opern. Vor allem mit seinen Komödien feierte Albert Lortzing Erfolge, darüber hinaus engagierte er sich politisch und gesellschaftlich. Er war Mitglied im Verein „Tunnel über der Pleiße“, in dem sich die politische Opposition während des Vormärz traf und in der Leipziger Freimaurerloge „Balduin zur Linde“. Nach Leipzig lebte Albert Lortzing in Wien und Berlin, wo er 1851 völlig verarmt im Alter von 49 Jahren verstarb. Zwischen 1835 und 1850 war er der bedeutendste deutsche Opernkomponist. Bis weit in die Nachkriegszeit gehörten seine Opern zu den meistgespielten Werken im deutschsprachigen Raum. Im Jahr 1848 und in Wien beendete Albert Lortzing die kaum bekannte Oper „Regina“, als auch dort der deutsche Revolutionsversuch gescheitert war, in der Stadt, in der sein Freund Robert Blum, der in Leipzig den Sturz der sächsischen Regierung und demokratische Grundrechte gefordert, hingerichtet ward. Diese seine „Freiheits-Oper“ spiegelt den Geist der Frankfurter Paulskirche, als Tagungsort der ersten deutschen Nationalversammlung und der 1848er Revolution wider. Für Regisseur Bernd Mottl eine besondere Freude und Ehre gerade diese Oper in Leipzig, der Stadt der Friedlichen Revolution von 1989 und in gegenwärtiger politischer Zeit zur Premiere zu führen. In Mönchengladbach wurde Bernd Mottl 1965 geboren. An der Freien Universität Berlin studierte er Theater und Musikwissenschaften. Zusammen mit Marcel Pomplun gründete er die Studiobühne der FU neu. Hier inszenierte Bernd Mottl von 1988 bis 1994 mit Studenten der Berliner Schauspielhochschulen zahlreiche Aufführungen, die auch auf europäischen Festivals gezeigt wurden. Er assistierte zudem bei den Regisseuren Harry Kupfer und John Dew. Seit 1994 arbeitet Bernd Mottl als freischaffender Regisseur an Bühnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sein Repertoire umfaßt Oper, Schauspiel, Musical und Operette. Zunächst brachte er an der Neuköllner Oper einige vielbeachtete Musical-Uraufführungen mit dem Autor Peter Lund zur Premiere, inszenierte dann am Staatstheater Cottbus, am Maxim Gorki Theater Berlin, an der Staatsoper Hannover, an der Oper Köln, dem Staatsschauspiel Dresden, am Theater Heidelberg, am Schauspiel Kiel, am Berliner Renaissance-Theater und weiteren zahlreichen Bühnen. 2018 zeigte er am Staatstheater Wiesbaden eine Interpretation von Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“. Bei den hessischen Theatertagen 2019 erhielt Bernd Mottl für „Schade, daß sie eine Hure war“ von John Ford den Preis für die beste Inszenierung und den Publikumspreis 2022 des Hans Otto Theaters Potsdam für das Musical „Cabaret“. Die Inszenierung „Der Vogelhändler“ am Staatstheater am Gärtnerplatz München erhielt vom Bayerischen Rundfunk die Auszeichnung Operetten-Frosch für die Spielzeit 2023/ 2024. 2026 wird Bernd Mottl an der Semperoper Dresden debütieren. Moderation Ellen Schweda Redaktion: Angelika Zapf

  • April 4 · 38 min

    MDR KULTUR trifft... Felix Papenhagen

    „Via Regia - jüdisch - unterwegs“ heißt es im Themenjahr „TACHELES. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen“ in einer Kooperation der Leipziger Notenspur e.V. mit dem Sechsstädtebundfestival e.V.“. Felix Papenhagen, ausgebildeter Zimmermann, studierter Kulturwissenschaftler und promovierter Judentumsforscher ist Verantwortlicher für die Jüdische Projektfamilie beim Notenspur Leipzig e.V. Die Veranstaltungsreihe „Via Regia - jüdisch - unterwegs“ lädt zu 38 Konzerten, Lesungen, Fahrradtouren und musikalischen Wanderungen entlang der historischen Handelsstraße zwischen Görlitz und Leipzig ein. Zu den Höhepunkten gehören der Schneeblumen-Gedenkweg zwischen Leipzig und Meißen, sowie das Konzert „Gershwin & Weill - eine transatlantische Begegnung“ in Kamenz. Der Schneeblumen-Gedenkweg erinnert, daß nach der Befreiung des KZ Buchenwald am 11. April 1945 in der Nacht des 13. April 1945 an die 1500 Zwangsarbeiterinnen, jüdische Ungarinnen und französische politische Gefangene vom KZ Buchenwald-Außenlager Wolfswinkel/ Markkleeberg durch die verdunkelten Straßen Leipzigs getrieben wurden. Viele der Frauen überlebten den Marsch in der eisigen Nacht, der sie nach Theresienstadt bringen sollte, nicht. Für andere war es ein entbehrungsreicher Weg in ein neues Leben. In Rostock wurde Felix Papenhagen 1980 geboren. Nach dem Abitur absolvierte er von 1999 bis 2000 in Haifa/ Israel seinen Zivildienst. Danach ließ sich Felix Papenhagen in Frankreich als Zimmermann ausbilden und war in diesem Beruf tätig. Ab April 2004 studierte er in Freiburg im Breisgau Judaistik und Europäische Ethnologie. Von 2010 bis 2014 hatte er ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universität Leipzig im Rahmen eines Graduiertenkollegs inne. 2014 promovierte Felix Papenhagen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit der Arbeit „Wem gehört der Schrank mit heiligen Büchern? Jüdische Religion im Kontext israelischer Popularmusik.“ 2015 bis 2017 war Felix Papenhagen Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Maimonides Centre for Advanced Studies - Jewish Scepticism an der Universität Hamburg. 2018 bis 2019 wirkte er als Projektmanager bei der Aufbauwerk Region Leipzig GmbH und von 2019 bis 2021 als Assistent für Qualitätsentwicklung Grund- und Musikschulen der Rahn Education in Leipzig. 2021 bis 2023 arbeitete Felix Papenhagen als Referent im Schulmanagement-Bereich der Dr. P. Rahn & Partner Schulen in freier Trägerschaft Gemeinnützige Schulgesellschaft GmbH. Seit Mai 2023 ist er Mitarbeiter des Notenspur Leipzig e.V. Seit 30 Jahren spielt Felix Papenhagen Geige und Gitarre und sang im Rostocker Choralchor. Moderation Thomas Bille Redaktion: Angelika Zapf

  • March 28 · 43 min

    MDR KULTUR trifft Jörg Junhold

    Mit dieser Anlage und in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie sollten neue Maßstäbe in der Menschenaffentierhaltung gesetzt werden. Wissenschaftler untersuchen nunmehr seit 25 Jahren im Leipziger Pongoland das Verhalten und die Erkenntnisprozesse von Orang-Utans, Schimpansen, Gorillas und Bonobos. Der Zoo Leipzig gehört heute zu den modernsten Zoos im 21. Jahrhundert. 2001 wurde auch die Löwensavanne eröffnet, 2003 die Tiger-Taiga und 2004 die Kiwara-Savanne. Ein besonderer Höhepunkt war 2011 die Eröffnung der Tropenerlebniswelt Gondwanaland, einzigartig in Europa. An die 650 Tierarten leben derzeit in sechs Erlebniswelten. Im vergangenen Jahr konnte das umgebaute Terrarium der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Derzeit wird noch an Feuerland und den Asiatischen Inselwelten gebaut. Bis zum 150. Geburtstag des Zoo Leipzig im Jahr 2028 soll die Umsetzung des Masterplans und damit die von Jörg Junhold im Jahr 2000 vorgestellte Vision für den „Zoo der Zukunft“, in dem artgemäße und naturnahe Tierhaltung miteinander vereint sind, abgeschlossen sein. Im brandenburgischen Ortrand wurde Jörg Junhold 1964 als Sohn einer Tierarztfamilie geboren. Nach dem Abitur mit Berufsausbildung Baufacharbeiter in Riesa und Wehrdienst in Halle studierte Jörg Junhold von 1985 bis 1990 Veterinärmedizin an der Universität Leipzig, absolvierte anschließend und bis 1993 ein Forschungsstudium an der Chirurgischen Tierklinik der Universität Leipzig und promovierte 1994. Von 1992 bis 1997 arbeitete Jörg Junhold als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Marketing-Management bei der Effem GmbH, dem europäischen Marktführer für Tiernahrung. Im Jahr 1997 wurde er zum Direktor und Geschäftsführer des Leipziger Zoos berufen Er ist Mitglied in zahlreichen internationalen und nationalen Institutionen, Gremien und Verbänden. Bis Sommer 2025 war Jörg Junhold zudem sechs Jahre Präsident des Verbandes der Zoologischen Gärten. Moderation: Ellen Schweda Redaktion: Angelika Zapf

  • March 21 · 46 min

    MDR Kultur trifft Martin Becker und Tabea Soergel

    Der in Halle lebende Martin Becker hatte sich in den vergangenen Jahren mit seinen autofiktionalen Romanen einen Namen gemacht. Dann aber begab er sich auf ein völlig neues Terrain und holte sich für seinen ersten Krimi die langjährige Radio-Feature- und Schriftstellerkollegin Tabea Soergel aus Köln zur Seite. Nach „Die Schatten von Prag. Kischs erster Fall“, legten sie Ende vergangenen Jahres „Die Feuer von Prag. Kisch ermittelt“ im Kanon Verlag vor.“ Der erste Band spielt im Prag von 1910 kurz vor dem Weltuntergang. Die Erde soll den Schweif des Halley´schen Kometen kreuzen. Während alle zum Himmel schauen haben die Verbrecher auf Erden ein leichtes Spiel. Egon Erwin Kisch, Reporter der „Bohemia“, ermittelt auf eigen Faust in seinem ersten Fall. Der zweite Band „Die Feuer von Prag. Kisch ermittelt“ spielt im Prag von 1913 am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Martin Becker und Tabea Soegel lassen Egon Erwin Kisch und seine Kollegin Lenka Weißbach im berühmtesten Spionagefall der k.u.k. Monarchie ermitteln. Ein Lesegenuß für alle, die historische Krimis und Humor mögen und eine Liebeserklärung an das alte Prag dazu. In Dormagen in Nordrhein-Westfalen wurde Tabea Soergel 1983 geboren. Ab 2002 studierte sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Seit 2005 arbeitet sie als freiberufliche Radio-Autorin für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und veröffentlicht literarische Text in Magazinen und Anthologien. Bis 2018 hatte Tabea Soergel ihren Lebensmittelpunkt in Leipzig, dann zog sie nach Köln. Mit Martin Becker produzierte sie von 2019 bis 2022 den Podcast „DuMont auf Sendung. Der Podcast mit Büchern“. Martin Becker kam 1982 in Attendorn in Nordrhein-Westfalen zur Welt. In der sauerländischen Kleinstadt Plettenberg wuchs er auf. Zunächst studierte er zwei Semester Germanistik und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum, bevor er 2003 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studierte. Seit 2005 ist er freiberuflicher Schriftsteller und Hörfunk-Journalist, zog von Leipzig nach Berlin und arbeitete vornehmlich für den WDR, kehrte nach Leipzig zurück, lebte zeitweilig in Prag und heute in Halle. Über 50 Hörspiele und Features für die ARD entstanden, unter anderem aus Kanada, Brasilien und den USA, viele davon realisiert zusammen mit Tabea Soergel. 2007 erhielt Martin Becker eine Einladung zum Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Im selben Jahr erschien im Luchterhand Literaturverlag sein Erzählband „Ein schönes Leben“. Romane, Erzählungen und Sachbücher folgten, mit Preisen und Auszeichnungen bedacht. 2016 erhielten Martin Becker und Tabea Soergel den Deutsch-tschechischen Journalistenpreis. Moderation: Ellen Schweda Redaktion: Angelika Zapf