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Gin And Talk · January 1 · 55 min

Fredy Gareis über Freiheit, Autorität und den neuen Eisernen Vorhang

Der lange Schatten der Ordnung Autoritäre Systeme entstehen selten im offenen Bruch. Sie wachsen in kleinen Verschiebungen, die sich jeweils noch rechtfertigen lassen. „Man rationalisiert sich das ja immer ein Stück hin“, sagt Fredy Gareis. „Jetzt schauen wir erstmal, so schlimm wird es ja nicht werden.“ Gerade Gesellschaften mit historischer Erfahrung neigen paradoxerweise dazu, das Neue zu übersehen, weil sie es am Alten messen. Wer erwartet, dass Autoritarismus so aussieht wie im 20. Jahrhundert, erkennt ihn oft erst, wenn er längst wirksam ist – als schleichende Gewöhnung an Ordnung, Kontrolle und Vereinfachung. Für sein Buch "Als ich gegen Stalin im Armdrücken gewann" reist Gareis entlang des neuen Eisernen Vorhangs und beschreibt ein Europa, das im Westen häufig als homogene, graue Fläche wahrgenommen wird. Tatsächlich jedoch zeigen sich gerade in den Ländern des Nordens und Ostens unterschiedliche, historisch geprägte Antworten auf Macht und Bedrohung. In Finnland etwa wird Verteidigung nicht als Militarismus verstanden, sondern als Teil gesellschaftlicher Vorsorge; Bildung, Kultur und öffentliche Infrastruktur gelten dort als Sicherheitsfaktoren. „Selbstvertrauen kommt davon, dass du weißt, was du tust“, schreibt Gareis – Freiheit erscheint hier nicht als abstraktes Ideal, sondern als etwas, das organisiert, trainiert und geschützt werden muss. Gleichzeitig beschreibt Gareis eine wachsende Sehnsucht nach autoritärer Ordnung, gespeist aus Enttäuschung über eine Freiheit, die sich vielerorts auf Konsum reduziert hat. Stalin wird dabei weniger als historische Figur erinnert denn als Chiffre für die „eiserne Hand“, die Chaos beendet und Klarheit verspricht. Gareis nennt das eine „Politik der Ewigkeit“: ein Versprechen auf Stabilität, das stets in der Zukunft liegt und doch nie eingelöst wird. Sein Buch liest sich damit auch als Warnung – vor Selbstzufriedenheit, vor politischer Bequemlichkeit und vor der Illusion, Freiheit sei ein Zustand, der sich von selbst erhält. Alle Informationen zu DEMOCRACY DOWN gibt es unter: https://democracy-down.com Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com

0:00-55:39

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Der lange Schatten der Ordnung

Autoritäre Systeme entstehen selten im offenen Bruch. Sie wachsen in kleinen Verschiebungen, die sich jeweils noch rechtfertigen lassen. „Man rationalisiert sich das ja immer ein Stück hin“, sagt Fredy Gareis. „Jetzt schauen wir erstmal, so schlimm wird es ja nicht werden.“ Gerade Gesellschaften mit historischer Erfahrung neigen paradoxerweise dazu, das Neue zu übersehen, weil sie es am Alten messen. Wer erwartet, dass Autoritarismus so aussieht wie im 20. Jahrhundert, erkennt ihn oft erst, wenn er längst wirksam ist – als schleichende Gewöhnung an Ordnung, Kontrolle und Vereinfachung.

Für sein Buch "Als ich gegen Stalin im Armdrücken gewann" reist Gareis entlang des neuen Eisernen Vorhangs und beschreibt ein Europa, das im Westen häufig als homogene, graue Fläche wahrgenommen wird. Tatsächlich jedoch zeigen sich gerade in den Ländern des Nordens und Ostens unterschiedliche, historisch geprägte Antworten auf Macht und Bedrohung. In Finnland etwa wird Verteidigung nicht als Militarismus verstanden, sondern als Teil gesellschaftlicher Vorsorge; Bildung, Kultur und öffentliche Infrastruktur gelten dort als Sicherheitsfaktoren. „Selbstvertrauen kommt davon, dass du weißt, was du tust“, schreibt Gareis – Freiheit erscheint hier nicht als abstraktes Ideal, sondern als etwas, das organisiert, trainiert und geschützt werden muss.

Gleichzeitig beschreibt Gareis eine wachsende Sehnsucht nach autoritärer Ordnung, gespeist aus Enttäuschung über eine Freiheit, die sich vielerorts auf Konsum reduziert hat. Stalin wird dabei weniger als historische Figur erinnert denn als Chiffre für die „eiserne Hand“, die Chaos beendet und Klarheit verspricht. Gareis nennt das eine „Politik der Ewigkeit“: ein Versprechen auf Stabilität, das stets in der Zukunft liegt und doch nie eingelöst wird. Sein Buch liest sich damit auch als Warnung – vor Selbstzufriedenheit, vor politischer Bequemlichkeit und vor der Illusion, Freiheit sei ein Zustand, der sich von selbst erhält.

Alle Informationen zu DEMOCRACY DOWN gibt es unter: https://democracy-down.com

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